
Beruhigt euch - der Podcast für Eltern· Staffel 2· Folge 33
#033 Elternfragen: Was tun wenn das ältere Kind das jüngste ärgert?
Freitag, 3. April 2026 · 24 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Deine Ältere haut den Kleinen, macht ihm Angst, übergeht jede Grenze. Du sagst ihr, dass das bei euch nicht geht, aber es ändert sich nichts. Und irgendwann wirst du selbst lauter, als du willst. Eine Mutter hat uns geschrieben, weil sie in dieser Schleife steckt.
Marie und Thorsten sprechen darüber, warum hinter dem Verhalten meistens kein böser Wille steckt, sondern ein Kind, das seinen Platz in der Familie sucht. Wie man Konsequenzen einführt, die sich nicht wie Strafen anfühlen. Und warum „Führung" nicht heißt, hinterher zu schimpfen, sondern vorher umzulenken.
Eine Folge für alle, die zwischen Geschwisterstreit und schlechtem Gewissen feststecken.
Mehr Informationen auf unserer Webseite calmi.com
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Hallo und herzlich Willkommen zu. Beruhigt euch. Deine ältere Tochter geht auf den kleinen Bruder los, Sie haut, sie boxt, sie macht ihm Angst, bis er weint, zu dir flüchtet und du sagst dir, dass bei euch niemand geschlagen wird, aber es ändert sich nichts und du merkst, wie du selbst lauter wirst, als du eigentlich willst. Eine Mutter hat uns geschrieben, weil sie in dieser Situation steckt und weil sie unsicher ist, wie sie Konsequenzen einführen kann, ohne dass es sich wie eine Strafe anfühlt. In dieser Folge sprechen Marie und ich darüber, was wirklich hinter dem Verhalten steckt, wenn Geschwister so aufeinander losgehen, warum das Wort absichtlich uns oft auf die falsche Vierte führt und wie du
als Elternteil vom Reagieren ins Führen kommst. Mit klaren Grenzen, die die Beziehung zu deinem Kind nicht beschädigen. Und wenn du nach der Folge tiefer ans Thema Grenzen und Konsequenzen einsteigen willst, Maries Kurs richtig Grenzen setzen. Zeigt dir Schritt für Schritt, wie das im Alltag funktioniert.
Du findest ihn bald auf kimi.com, registrier dich für unseren Newsletter, damit du zu den ersten gehörst, die davon erfahren, wenn er fertig ist. Folg uns gern auf Instagram. Kimi dot Official oder schreib uns per e Mail an beruhigteuch@kimi.com. Wenn du eine Frage hast, die wir in einer der kommenden Folgen beantworten sollen.
Und jetzt geht es los. Eine Mutter schreibt uns meine Tochter 4 Jahre, ist häufig fies zu meinem Sohn im Kleinkindalter, sie übergeht seine Grenzen und sein nein, haut oder boxt ihn und macht ihm absichtlich Angst. Generell hat sie Probleme damit, die Grenzen anderer zu respektieren und übergeht oft mehrfach die Grenzen aller Familienmitglieder. Sie wird sehr schnell wütend und dann körperlich, sie lacht gemein, zeigt auf ihn und rennt ihm hinterher, bis er vor Angst weint und zu mir flüchtet.
Ich weise Sie darauf hin, dass wir das in unserer Familie nicht machen, dass niemand geschlagen wird und unsere Grenzen respektiert werden sollen. Den Kleinen nehme ich hoch, leider werde ich häufiger als mir lieb ist dabei laut. Ich versuche gerade weniger zu reden und Konsequenzen einzuführen und auch die Pause. Aber ich bin unsicher, wie ich das umsetzen soll, ohne dass es sich wie eine Strafe anfühlt.
Marie, was kannst du dieser Mutter? Raten also allem vorweg möchte ich erst mal sagen, auch wenn es manchmal böse wirkt, es handelt sich hier nicht um ein böses Kind in dem Alter mit 4 Jahren haben Kinder einfach von Hause aus noch wenig Impulskontrolle und grundsätzlich auch ziemlich viel Energie. Man muss immer sehen, dass das Verhalten ein Ziel hat. Und wahrscheinlich geht es hier um Aufmerksamkeit, vielleicht auch um Konkurrenzgefühle zwischen den Geschwistern und damit um das Bedürfnis nach Kontrolle, also in Bezug auf die Situation, die Situation zu kontrollieren und eben die Reaktion bei der Mutter auszulösen. Die sie ja dann auch bekommt, worum es oft zusätzlich geht in solchen Fällen, gerade wenn es
sich um Geschwisterstreitigkeiten handelt, ist, dass ein Kind oft natürlich das ältere, sich nicht richtig gesehen fühlt, wenn neues Kind geboren wird, das jüngere Kind bekommt dann n Haufen Aufmerksamkeit, fühlt sich das ältere Kind dann auch unfair behandelt, weil es eben vorher quasi auf dem Thron saß und die alleinige Aufmerksamkeit der Eltern genossen hat und plötzlich alles durch 2 teilen muss. Und sucht eben vielleicht auch noch seinen Platz in dieser neuen Familienkonstellation.
Die Lösung liegt darin, das Verhalten nicht zu verurteilen oder zu bewerten, sondern anders zu lesen, also anstatt sich zu fragen, warum macht sie das jetzt immer, ja, es belastet mich, es treibt mich in den Wahnsinn, sich eher zu fragen, wozu genau dient dieses Verhalten, also was braucht meine Tochter eigentlich? Dass sie genau das machen muss und darin auch einen Sinn und einen Nutzen für sich erkennt, sich so zu verhalten. In diesem Zusammenhang ist es einfach wichtig, sein Kind wahrzunehmen, das könnte man tun, indem man zum Beispiel sowas sagt, wie es ist.
Manchmal echt schwer für dich, oder hast du das Gefühl vielleicht, dass ich zu wenig Zeit für dich habe, seitdem dein Bruder geboren ist? Kann es sein, dass du dir eigentlich mehr Zeit wünscht und die du mit mir verbringen möchtest oder fühlt sich für dich vielleicht irgendwas unfair an? Gleichermaßen ist es natürlich wichtig, ne Grenze zu setzen. Also das eine ist das Kind wahrnehmen sehen in seinem Bedürfnis, was eigentlich dahinter steckt beziehungsweise in dem Ziel was es damit verfolgt, gleichzeitig das zu verstehen, aber eben auch ne Grenze zu setzen, also dann eben könnte man sagen in dem Fall, du bist jetzt richtig wütend, ne, aber bei uns wird niemand geschlagen. Das heißt, ich erkenne das
Gefühl an. Ich ziehe aber auch gleichzeitig die Grenze und kündige sowie die Mutter, dass er hier auch schon beschrieben hat, eben Konsequenzen an und lasse die Folgen, da sich diese Situation ja öfter wiederholt, macht es jetzt wenig Sinn, wenn die Luft gerade akut brennt, im Streitfall laut die Konsequenzen anzudrohen, das wird weder beim Kind ankommen, noch wird das wahrscheinlich.
Irgendwas bewirken, außer ich mach da richtig viel Druck. Aber das ist ja nicht das Ziel der Konsequenzen, es handelt sich ja hier um ne Situation, die häufiger auftritt, das heißt, wir haben auch die Möglichkeit jetzt schon, ohne dass es noch ein weiteres Mal vorgekommen ist, eben über diese Situation zu sprechen, da könnte die Mutter auch sagen, wie sie darüber empfindet, ohne das Kind zu verurteilen, ja, also sie könnte zum Beispiel sagen. Wenn solche Dinge hier zu Hause passieren, dann mache ich mir Sorgen um deinen kleinen Bruder.
Da redet sie nur von sich und ihrer Sorge, greift aber ihre Tochter nicht an und kann dann gleichzeitig sagen, deswegen kann ich nicht akzeptieren, dass wir einander hier zu Hause so ärgern in Zukunft, wenn so was vorkommt, hat das folgende Konsequenz ne und könnte dann eben zum Beispiel, sie hatte ja schon das Wort Pause genannt, könnte eben diese Pause auch machen und das als Konsequenz ankündigen, aber.
Jetzt ist ja die Frage mit dem wegschicken und so weiter oder den Raum verlassen funktioniert das, wenn da tatsächlich sowieso schon ein Gefühl nicht gesehen zu werden dahinter steckt, dann wird das ja nur dadurch verstärkt, dass die Mutter das Kind dann allein, also ihre Tochter dann alleine lässt.
So, das heißt, man kann diese Pause auch n bisschen anders denken, also zum Beispiel, ich entziehe ihr die Reaktion und sich da bewusst rausnehmen, also im Grunde einmal klar sagen. Dann auch vielleicht sagen, dann wird hier nicht weiter gespielt und dann musst du 10 Minuten eine Pause machen im Sinne von, dann können wir jetzt nicht weiter zusammen spielen oder nicht mitspielen, aber ohne sie wegzuschicken ja und sagen in 10 Minuten, um gleich die Verbindung zu halten, kannst du es dann noch mal versuchen, also immer die Tür auch offen lassen, die richtige Reaktion zu zeigen und nicht nur mit der Konsequenz zu drohen ne, sondern eben auch die Chance geben gleichermaßen zu sagen es hat diese Folge. Aber du kannst es dann auch eben
nach dieser Pause dann noch mal versuchen und dann eben ihre Aufmerksamkeit auch wirklich da wegnehmen. Von der Sekunde in der Sekunde. Das heißt, wenn sie anfängt laut zu werden und auch Rumzuschreien vielleicht oder laut zu meckern, so, dann ist ja das Ziel Aufmerksamkeit von der Tochter schon erreicht, sie steht quasi im Fokus und das müssen wir durchbrechen. Müssen daraus ne klare Folge für die Tochter machen. Eben dass sie keine zusätzliche Aufmerksamkeit für dieses Verhalten kriegt.
Eben dann die Konsequenz erfährt, dass sie ne Pause machen muss, das würde ich auch so nüchtern wie möglich an die Tochter kommunizieren, also nicht ja wir haben ja darüber gesprochen und jetzt siehst du und jetzt musst du die Pause machen, sondern dann ganz klar sagen, das ist die Situation über die wir gesprochen haben, wir hatten gesagt, das hat diese und jene Konsequenz, wie dass du jetzt 10 Minuten Pause machen musst. So, jetzt machst du die Pause.
In 10 Minuten ist sie vorbei. Ich sag dir Bescheid, ne, dann bleibe ich in Verbindung mit meiner Tochter und dann kannst du es noch mal versuchen. Wir stellen uns jetzt vor, das Kind hat gerade die Konsequenz getragen, hatte gerade 10 Minuten Pause und die nächsten 10 Minuten verlaufen komplett reibungslos, also da passiert gar nichts ne und sie spielt ganz ruhig, vielleicht auch für sich alleine oder mit dem Bruder oder wie auch immer. Dann ist es total wichtig, das auch zu benennen. Also wir wollen nicht immer nur dem Kind sagen, was es nicht tun soll, sondern vor allem auch diese Bemühungen anerkennen, und da darf man in solchen Fällen, wenn so n Muster schon so eingefahren ist, den Maßstab
auch wirklich niedrig ansetzen, ja, auch wenn es nur 5 Minuten mal ruhig läuft, kann man das ruhig hervorheben und sagen, ich find das toll, wie ruhig und entspannt du heute spielst, ohne deinen Bruder zu ärgern, das ist für mich eine Riesenunterstützung. Also Anerkennung, Wertschätzung, das motiviert viel mehr, es richtig zu machen, denn jetzt wird sie für das positive Verhalten gesehen und nicht für das Negative. Sie bekommt die Aufmerksamkeit vor allem für das positive Verhalten, und zwar ruhig zu spielen, ob mit oder ohne Bruder, völlig egal.
Ja, und das wollen wir mit Anerkennung, mit Aufmerksamkeit, mit Ermutigung belohnen, da geht es also gar nicht um das toll gemacht, also nicht loben, sondern wirklich das Wahrnehmen, das anerkennen. Wenn du gerade wie die letzten 5 Minuten so ruhig spielst, dann ist das für mich eine große Hilfe. Bist du für mich eine richtige Unterstützung und das gibt dem Kind das Gefühl, hey, ich kann auch was richtig machen und ich werde auch gesehen, und zwar ohne dass ich dafür kämpfe oder mich um irgendwas bemühe, was man auch machen kann, um solchen Situationen auch n Stück weit vorzubeugen. Also wenn man schon merkt.
Das ist ne klassische Situation, wo es normalerweise kippt oder es gibt so Anzeichen wo man merkt, die Stimmung geht schon langsam in die Richtung, dass es demnächst wieder passieren könnte, dann kann man dieser Tochter auch Werkzeuge in die Hand geben, um mit dieser Situation anders umzugehen, und zwar indem man die Energie in etwas sinnvolles Umlenkt und dafür wiederum Anerkennung gibt, so wie ich es eben gesagt hab.
Umlenken. Ist Führung also man könnte sie zum Beispiel um ihre Hilfe bitten? Ja, wenn man merkt, Ah, sie geht langsam auf den kleinen Bruder zu, könnte man sagen, weißt du gleich ist Essenszeit, kannst du mir helfen den Tisch zu decken, das wäre wirklich ne riesen Hilfe für mich. Ja und Sie einladen etwas Positives zu tun und gedanklich auch davon abzulenken und wegzubringen so das ist Führung ja das zu sehen das wahrzunehmen und diese Energie umzulenken in irgendwas sinnvolles, wenn ich darauf anspringe auf das Verhalten.
Dann vielleicht Meckere oder laut werde. Dann bin ich nicht mehr in der Führung. Viele Eltern denken ja, wenn ich dann so reagiere und dann vielleicht schimpfe und sage, jetzt kommt die Pause und jetzt das, hast du jetzt davon und so weiter, dann ist das Führung, das ist keine Führung, sondern im Grunde ne Reaktion, sie reagieren auf das Verhalten des Kindes und wenn ich reagiere, dann bin ich nicht in der Führung ne sagt er schon das Wort als solches so das heißt Führung bedeutet nicht hinterher zu schimpfen. Führung bedeutet Umlenken, aktiv einbinden, Grenzen setzen, so wie wir es eben besprochen haben, Konsequenzen ankündigen, in ruhiger Minute sich darüber austauschen, zum Gespräch einladen, ne sich selber
mitteilen wie man das empfindet und dem Kind eben auch Werkzeuge geben, anders damit umzugehen, einbinden, Verantwortung geben, ja auch was, womit Kinder sich gut fühlen und daran wachsen. Also lenkt das in etwas Positives um, noch bevor es auftritt. Es ist vielleicht erst mal müßig, wer hat da auch immer mit so einem wachen Auge dabei zu bleiben, aber es gibt deiner Tochter die Möglichkeit einmal umzulernen es kann auch anders funktionieren, ich kann auch andere Erfahrungen sammeln, ich kann auch total wertvoll sein für meine Familie, ohne dass ich meinen Bruder Ärger, ich kann Aufmerksamkeit kriegen, ohne dass ich meinen Bruder Ärger.
Und ich kann ja echt auch einen Beitrag leisten, der für andere hilfreich ist. Und das beflügelt Kinder viel, viel mehr. Also zum Beispiel, was du dann sagen kannst ist, ich brauche deine Hilfe beim Tischdecken oder kannst du mir mal kurz dabei helfen, kannst du das für mich machen und dann das eben anzuerkennen indem du sowas sagst wie mit dir ging es doppelt so schnell, das hat mir wirklich viel geholfen, das ist wirklich 100 mal mehr wert als jedes toll gemacht. Also das Ziel ist deiner Tochter Bedeutung zu geben und wertvoll zu sein ohne negatives Verhalten, sondern mit positivem Verhalten.
Im Moment ist es so, wenn sie immer negatives Feedback erhält als Reaktion auf das, was sie mit ihrem Bruder macht, dann bekommt sie immer mehr das Gefühl, falsch zu sein und dadurch wird letzten Endes das Verhalten ja verstärkt, weil wenn ich dann immer mehr das Gefühl hab falsch zu sein. Und immer mehr das Gefühl hab, nicht dazuzugehören.
Dann kämpfe ich eben auf so ne destruktive Art und Weise um meinen Platz in der Familie. Wenn du das schaffst, da mehr in die Führung zu gehen und eben keine Diskussionen zu führen, nicht zu meckern, sondern wirklich die Situation zu führen, dann versteckst du das positive Verhalten und machst diese destruktiven Verhaltensmuster damit langfristig überflüssig. Es gibt in dieser Frage 2 stellen, die machen mich aber noch nachdenklich.
Da möchte ich noch mal ganz kurz drauf eingehen. Aber es ist der letzte Satz. Ich versuche gerade weniger zu reden und Konsequenzen einzuführen. Das bedeutet jetzt für mich, es gab vorher keine, das heißt, wenn es bis dahin keine wirklichen Grenzen und Konsequenzen gab, dann hatte das Kind auch vorher die Orientierung nicht, das ist jetzt wichtig, vielleicht kannst du da noch mal drauf eingehen, Marie als Grenzenexpertin.
Wie wichtig es auch ist, da selber konsequent zu sein. Ja, hat sicherlich auch einen Beitrag, wenn es keine Konsequenzen gibt. Also das eine ist ja, ich sage, lass das bei uns, machen wir das nicht, aber wenn dann nichts weiter passiert, außer bei uns, machen wir das nicht und ich schimpfe dann doch und gehe in die Reaktion, dann ist es ja nicht wirklich eine Grenze, ne, dann ist es ja eine bitte damit aufzuhören und wenn sie es eben nicht macht, dann folgt eben auch nichts weiter, deswegen ist es ja wichtig, die Grenze nicht nur zu setzen. Sondern eben auch, sie zu wahren, indem ich halt Konsequenzen ankündige und die dann eben auch genauso umsetze. Aber ohne ein ich hab es dir doch gleich gesagt, oder ne, also wirklich so emotionslos wie
möglich umsetzen, man kann es sogar bedauern, dass das Kind jetzt die Konsequenz trifft, aber sie bleibt eben unerschütterlich bestehen. Also man könnte so was sagen, wie schade, dass du es heute nicht geschafft hast, weil damit halte ich die Beziehung mit meinem Kind. Lass es aber trotzdem aus den Folgen lernen.
Ne man kann sagen, schade, dass es heute nicht funktioniert hat oder dieses mal und in 10 Minuten kannst du es noch mal versuchen. Ich bin mir sicher, dann schaffst du das besser oder schaffst es anders oder wie auch immer ne also in Verbindung bleiben und diese Beziehung aufrechtzuerhalten, weil was wir nicht wollen ist durch Grenzen setzen und Konsequenzen anwenden Kinder beschämen, also in die Situation bringen von jetzt hab ich es dir doch gleich gesagt.
Ja, weil dann sind wir eigentlich schon wieder bei einer Strafe, weil durch das emotionale Klima, was dann durch solche Aussagen entsteht, bestrafen wir eigentlich wieder unser Kind, aber wir wollen es ja nicht bestrafen, wir wollen uns aus den Folgen seines Handelns lernen lassen und es wirklich ne wertvolle Wahl treffen lassen.
Es kennt beide Möglichkeiten, was passiert, wenn ich meinen Bruder nicht Ärger und was passiert, wenn ich meinen Bruder Ärger. So, und dann muss man sein Kind auch die Wahl treffen lassen, diese Wahl auch ernst nehmen und anerkennen, auch wenn es nicht unsere Wahl wäre, wenn dein Kind sich entscheidet, dann eben von den Konsequenzen getroffen zu werden, dann hilft es uns nichts, die abzumildern, daraus würde unser Kind nicht lernen und darauf rumzureiten, da würde sein unser Kind sich auch wieder verschließen so das heißt wir wollen es einfach so nüchtern wie möglich aus den Folgen lernen lassen und ermutigen, es anders zu machen.
Ja, danke, Marie. Der zweite Teil des Satzes ist auch noch mal wichtig. Ich bin unsicher, wie ich das umsetzen soll, ohne dass es sich wie eine Strafe anfühlt. Wir wollen jetzt ja nicht einen ganzen Kurs hier vorwegnehmen, aber was kannst du dazu sagen, wann fühlt es sich wie eine Strafe an? Ja, das hab ich ja gerade eigentlich fast schon beantwortet.
Also wichtig ist, dass es vorher klar ist, also dass man eben nicht in dieser Streitsituation. Wie mit einem Druckmittel daherkommt und mit den Konsequenzen droht, sondern nochmals handelt sich um ne wiederkehrende Situation. Das heißt ich hab alle Möglichkeit das in Ruhe zu besprechen, bevor die nächste Situation dieser Art aufkommt und das kann man ja völlig wertfrei machen.
Ja, mir ist aufgefallen, dass es bei uns zu Hause öfter diese Streitigkeiten gibt, ich fühl mich damit nicht wohl, ich mach mir auch Sorgen, wie es sich für deinen Bruder anfühlt oder wie auch immer, ne kann ja von seiner Sorge sprechen. Und dann eben so die Einleitung suchen, ohne mit Vorwürfen oder mit du Botschaften zu kommen, um dann eben zu sagen, deswegen hat es in Zukunft diese und jene folgen, weil mir ist wichtig, dass wir alle diese Grenze auch akzeptieren, dass bei uns so was nicht passiert. Ja, und dann kündigt man diese Folgen an, und dann macht man es eben genauso, also man kommt eben nicht wie mit einer Drohung daher, sondern es wird in einem ruhigen Zustand besprochen, wo es in dem Gehirn vom Kind auch
ankommen kann, wenn wir gerade diese emotionale Ausnahmesituation haben. Dann ist das Kind im Stress Modus ist gar nicht aufnahmefähig, das heißt kommt gar nicht an, das wirkt dann eher wie n Druckmittel, deswegen in Ruhe besprechen, ermutigen es richtig zu machen, an dein Kind glauben es richtig zu machen, also nicht im Sinne von schaffst du es ja eh wieder nicht ja, sondern eben ich weiß, dass du das kannst. Ja wir machen das jetzt gemeinsam und dann eben genauso machen, wie man es besprochen hat und ganz wichtig nicht wieder abmildern, nicht wieder auffangen, ja. Aber eben positiv dabei bleiben und in Verbindung bleiben. Auch sagen, ich sehe, dass sich das jetzt richtig trifft, diese Konsequenz kann man ja auch
sagen, aber es bleibt dabei und nächstes Mal machst du es anders. Der zweite Punkt, der mich nachdenklich macht, ist ganz am Anfang. Und zwar schreibt die Mutter, also sie empfindet das so, sie macht ihm absichtlich Angst, bei dieser Formulierung absichtlich. Stellt sich die Frage, es ist ja das, was die Mutter sieht und was sie so interpretiert, aber wie kann sie das jetzt reframe du hast das ja am Anfang schon erklärt, dass dahinter ja auch n ne Absicht steckt und die ist ja wahrscheinlich nicht böse zu sein. Genau, also deine Tochter hat auf gar keinen Fall n bösen Charakter, ist kein böses Kind und. Sie weiß in dem Alter garantiert auch noch nicht, was das mit dem anderen Macht.
Das sind Erfahrungen, die fehlen einem Vierjährigen ja, da geht es vielleicht mit 6 langsamer los, da auch n Blick so intensiv für die anderen zu kriegen, also das kann man in dem Alter einfach noch nicht erwarten, aber das ist kein Ausdruck von Charakter oder so, ja definitiv nicht, sondern es ist am Ende, es ist ein Symptom, wenn du so willst.
Ja, es ist ein Ausdruck. Für eine Not deiner Tochter und sie hat das als Strategie entwickelt. Als wirksame Strategie, muss man sagen, denn wenn es für sie nicht wirksam wäre, würde sie es nicht tun, um mit dieser Not umzugehen, so, das heißt, was uns auch nichts bringt, ist, das Symptom zu kaschieren, indem wir eben sagen, hier, das darfst du nicht, oder dem machst du Angst. Und dann meckern wir los, sondern wir müssen ja auch dahinter gucken, was ist denn überhaupt das Ziel, worauf zielt die Tochter ab.
Ja, und da ist ja irgendwas, was sie braucht, sonst würde sie sich nicht so verhalten. Ne, dieses Verhalten erfüllt einen Sinn für sie, erfüllt einen Zweck und das ist nicht, weil es einfach ihre Eigenschaft ist oder ihr Charakter und da braucht sich die Mutter wirklich auch gar keine Sorgen machen.
Ja, es ist, im Grunde ist es einfach nur ein Symptom was sich zeigt, weil sie an anderer Stelle etwas braucht, was sie im Moment nicht kriegt und das. Ist auch kein Vorwurf an die Mutter, dass sie da irgendwas verpasst hat. Es ist auch n Stück weit normal, dass wenn Kinder ihre Einzelkindposition verlieren und auf einmal n jüngeres Geschwisterkind mit dazu kommt, dass das keine leichte Situation ist, wo die Dinge reibungslos verlaufen.
Also es ist ja passiert laufend im Grunde, weil sich ja alles noch mal neu sortieren muss. So, das Kind hat vorher die ungeteilte Aufmerksamkeit von 2 Erwachsenen genossen und auf einmal soll sie alles teilen. Ne, es ist ja schon fast, als würde unser Partner jetzt mit einer neuen Frau nach Hause kommen und sagen, hier die gehört jetzt zur Familie, freust du dich nicht, ist doch schön, wenn ihr wahrscheinlich auch erst mal überlegen Moment, das habe ich mir hier alles anders vorgestellt und auch wenn es vielleicht ein Zugewinn ist, weil die echt nett ist, fand ich meine Position vorher alleine wirklich besser. Ja, und das muss man halt auch im Auge behalten, dass das so n Kind auch wirklich einiges an
Anpassungsleistung auch abverlangt, damit umzugehen. Und wenn es sich dann nicht anders zu helfen weiß, mehr als mal destruktiv darauf zu reagieren, weil es sich vielleicht nicht richtig gesehen fühlt, nicht nicht mehr so wertvoll fühlt, ja nicht mehr so einmalig fühlt und dann macht das mal was, was Blödes vielleicht ja ärgert den Bruder und stellt fest, Aha, auf einmal werde ich aber hier wieder viel mehr gesehen und wahrgenommen und.
So, dann ist das einfach ne Lernerfahrung. Kinder denken da nicht bewusst drüber nach, die machen nicht den Plan und sagen, jetzt überlege ich mir mal ne Strategie wie ich meiner Mutter dadurch mich in den ihren Fokus der Aufmerksamkeit stelle, indem ich meinen Bruder Ärger, sondern sie macht was, weil sie vielleicht mal frustriert ist.
Merkt dann aha, jetzt kriege ich hier auf einmal Aufmerksamkeit, ich werde wieder mehr wahrgenommen, mehr gesehen und so weiter so und dann entwickeln sich eben diese destruktiven Muster und dann kommt es halt drauf an. Wie reagieren die Eltern darauf? Verurteilen Sie das zum Beispiel moralisch? Hey, du darfst doch deinen Bruder nicht hauen und so weiter oder wird dieses Kind auch in seiner Situation und Not wahrgenommen und gesehen?
Ja, und da wird es zum Beispiel auch helfen, einfach mal exklusive Zeit mit der Tochter zu verbringen, ohne dem Bruder mal was zu machen um ihr auch das Gefühl zu geben, hey, auch wenn du jetzt alles teilen musst, du bist immer noch genauso wichtig und genauso wertvoll für mich, ja anstatt. Dass es sich für die Tochter immer negativer anfühlt, weil jedes Mal, wenn sie angemeckert wird, für dieses Verhalten.
Dann bekommt sie zwar kurzfristig Aufmerksamkeit, es gibt ja aber auch jedes Mal das Gefühl, dass mit ihr vielleicht irgendwas nicht stimmt, ne, wenn sie immer jetzt vielleicht auch angemeckert wird, so, und da muss man eben gucken, wie können wir das für die Tochter positiv wieder bedienen und besetzen, sodass dieses Verhalten einfach überflüssig wird, aber ja, es ist auf gar keinen Fall n Charakter.
Ding. Danke, dass du heute wieder dabei warst. Und wenn du eine Frage hast, die dich beschäftigt, dann schick sie uns. Vielleicht wird sie Teil einer der nächsten Folgen und wenn dir diese Folge geholfen hat, freuen wir uns über eine Bewertung auf Spotify oder Apple Podcast. Neue Folgen gibt es jeden Dienstag, bye bye. Bye Bye.
Bett, dann reiß. Die Arme hoch und seit der. Ganzen Welt. Ich fühle. Mich halt so.