Dem Tod auf der Spur: Die Jagd nach dem Täter· Folge 186

Auftragskiller Pinzner: Worte aus dem „Jenseits“: Viele Grüße Mucki“

Freitag, 21. August 2026 · 46 min

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Shownotes

Die Festnahme von Auftragskiller Werner „Mucki“ Pinzner im April 1986 galt als gigantischer Coup für die Ermittlungsbehörden. Und nun, in Untersuchungshaft, kündigte der 39-Jährige an, er werde bei Vernehmungen richtig „auspacken“. Tatsächlich hatte der Mehrfach-Mörder schließlich etwas ganz anderes im Sinn. Er plante seinen Suizid, ebenfalls sterben sollte seine Frau Jutta. Diese hatte Pinzner eine Schusswaffe besorgt und mit Hilfe von Pinzners Verteidigerin in das Vernehmungszimmer 418 im Polizeipräsidium eingeschmuggelt. Plötzlich hatte Pinzner die Waffe in der Hand und rief: „Dies ist eine Geiselnahme!“ Dann schoss der Mörder auf den Staatsanwalt, der ihn hatte befragen wollen. Der Jurist brach schwer verletzt zusammen. Nun richtete Pinzner die Waffe auf seine Frau, die sich vor ihm hingeniet hatte, und feuerte ihr in den Kopf. Danach erschoss Pinzner sich selber, ebenfalls, indem er sich eine Kugel in den Kopf jagte. „Pinzner war kaltschnäuzig, ohne Gewissen, skrupellos“, sagt Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel über den Auftragskiller.

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„Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts wurden von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und verfasst. Der Teaser wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) generiert.

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Zu dem Tod auf der Spur, dem Crime-Podcast des Hamburger Abendblattes. Ich bin Bettina Mittelacher, Gerichtsreporterin beim Hamburger Abendblatt. Und zu unserem Podcast gehört natürlich wie immer Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel. Ich bin froh, einen so tollen Experten an meiner Seite zu haben. Mit den Folgen von Tod und Verbrechen kennst du dich ja als Rechtsmediziner so gut aus wie kaum ein anderer, Klaus.

Gut, danke für diese ungewöhnlichen Blumen, Bettina. Moin an unsere Hörer. Wenn wir über Tod und Verbrechen reden, sind wir ja wieder mittendrin in hochspannenden und hochdramatischen Ereignissen. Wir wollen heute erzählen, wie es weiterging, als die Morde eines Auftragskillers, hier in Hamburg unsere Stadt erschütterten.

Das ist jetzt fast auf den Tag genau 40 Jahre her, vier Jahrzehnte. Unser erster Podcast, dem Tod auf der Spur, zu diesen aufsehenerregenden Ereignissen auf dem Kiez in Hamburg, der ist ja schon auf Sendung. Aber weitere extrem spannende Dinge gibt es in diesem Fall noch zu berichten. Ich nenne das ja immer das Finale Furioso.

Wir geben uns also auf die Spuren eines Auftragskillers, wieder auf die Spuren eines Auftragskillers, nämlich von Werner Pinsner. Zur Erinnerung, Pinsner hat in den 80er-Jahren in Hamburg mehrere Morde begangen, und zwar gegen Bezahlung. Es starben fünf Männer, die mit dem Milieu zu tun hatten. Und schließlich wurde Pinsner festgenommen.

Wir haben uns in diesem Fall auf Spurensuche begeben. Also auch dadurch, dass wir Zeitzeugen befragt haben. Und was wir dabei an Fakten und Erkenntnissen zu Tag gefördert haben, das ist wirklich erstaunlich. Ja, wir sind ja auch richtig tief in den Fall eingestiegen. Wir haben ausführlich mit diesen Zeitzeugen, von denen du eben gesprochen hast, geredet.

Leute, die den Auftragskiller selber erlebt haben und die bei der Aufklärung der damaligen Geschehnisse eine zentrale Rolle gespielt haben. Und dabei können wir auch Dinge zurechtrücken, die jahrzehntelang nicht so ganz richtig berichtet wurden. Bettina, ich ahne, worauf du hinaus willst, aber davon später mehr.

Zurück zu dem Mann, der damals tatsächlich wie eine Spinne im Netz war in einer Mordserie, die sich im Rotlichtmilieu in Hamburg ereignet hat. Werner, genannt Mucki, Pinsner war also ein Mann, der für Geld andere umbringt. Kaltschnäuzig, ohne Gewissen, skrupellos. Der war ein regelrechter Auftragskiller. Es kam zu fünf Morden und dann zu einem hochdramatischen, sehr spektakulären Ereignis im Polizeihochhaus am Berliner Tor.

Also was damals wirklich geschah und wie wir die Zeitzeugen erlebt haben, beziehungsweise wie die Zeitzeugen das erlebt haben, kann man in unserem zweiteiligen Podcast hören. Und man kann es ausführlich in einer Serie lesen, die wir für das Hamburger Abendblatt ausgearbeitet haben. Naja, und einer dieser Zeitzeugen bist natürlich du, Klaus. Ja, allerdings.

Es gab damals mehrere Tote, nicht nur in Hamburg, auch in Kiel und München. Und ich habe als leitender Oberarzt in der Rechtsmedizin hier am UKE die Obduktion der Hamburger Opfer organisiert. Darunter war ein sehr spektakulärer Doppelmord, der geschah ganz in der Nähe meiner damaligen Wohnung hier in Hamburg. Insofern kann ich mich besonders gut daran erinnern.

Im eigentlich so friedlichen Hamburg-Schnelsen in der Halstenbecker Straße. Und das, was damals passiert ist, das hat wirklich die ganze Stadt erschüttert. Am Ende, nachdem es mehrere aufsehenerregende Morde gegeben hat, sterben dann drei weitere Menschen durch Schüsse im Polizeipräsidium. Und diese letzten Taten geschehen also im Herzen der Polizei, in der Zentrale, einem Gebäude, das eigentlich als Hochsicherheitstrakt gilt.

Wir reden ja jetzt über die Ereignisse vom 29. Juli 1986, also von vor 40 Jahren am Berliner Tor in Hamburg. Zur Vorgeschichte, nach mehreren Morden im Milieu und nach der Festnahme von Auftragskiller Werner Pinsner, soll es im Polizeihochhaus in Raum 418 zu einer weiteren Vernehmung von Pinsner kommen.

Doch der 39-Jährige hat ganz anderes im Sinn. Er will seinen finalen Abgang inszenieren und plötzlich hat er eine Schusswaffe in der Hand. Ja, genau. Was jetzt passiert, das haben Werner Pinzner und seine Frau offenbar so geplant. Übrigens sicher in enger Absprache mit seiner damaligen Rechtsanwältin.

Es geht um einen gemeinsamen Suizid. Auch der Staatsanwalt wird in diesem Zusammenhang niedergeschossen. Er wird so schwer verletzt, dass er einige Stunden später im Krankenhaus stirbt. Ich denke, so ziemlich jeder, der von diesen Ereignissen erfuhr, der war total schockiert. Das gilt übrigens auch für mich. Die Rechtsmedizin hatte viel Arbeit.

Kurzfristig wurden wir dann selbst zu einer Hochsicherheitszone. Also auch für mich handelte das, was damals am Polizeihochhaus passiert ist, wirklich um eine unfassbare Geschichte, unfassbare Geschehnisse. Ein kleiner persönlicher Rückblick. Ich hatte damals gerade begonnen, als Journalistin zu arbeiten, war seit wenigen Wochen Volontärin bei einer Zeitung in Niedersachsen.

Und ich erinnere mich, dass damals ein erfahrener Kollege sinngemäß zu mir sagte, was gerade passiert ist, ist so dramatisch, dass wir die Zeitung von morgen komplett neu planen müssen. Naja, und das haben wir dann auch gemacht. Ich denke, das war aus journalistischer Sicht ganz klar, Ja, dieser Fall war eine journalistische Story ersten Ranges.

Es handelte sich ja immerhin um Ereignisse, wie es sie so danach in Hamburg nicht mehr gegeben hat, glücklicherweise. Man muss sich das deutlich vergegenwärtigen. Was man sonst nur aus Fernsehkrimis oder Romanen kennt, das gab es wirklich in Hamburg, ein Auftragskiller. Außerdem handelte es sich auch noch um die Ermordung eines Staatsanwalts im Dienst.

Ja, das hat es danach zum Glück nie wieder gegeben. Hintergrund für die Morde, die Pinsner in den Monaten vor diesen schrecklichen Geschehnissen im Polizeihochhaus verübt hatte, war ja, dass mehrere Männer im Rotlichtmilieu mitmischten, ja auch mehrere Gruppen. Die waren offenbar zu Konkurrenten geworden. Ich erinnere kurz noch an die Namen GmbH, Nutella und dann die Chicago Gang.

Und nun gab es Männer, die meinten, von den Konkurrenten müsse jemand weg. Und dafür fanden sie in Werner Pinsner eine Art Komplizen. Er machte klar, wenn das Honorar stimmt, dann bringe ich sie alle um. Und das hat er dann auch getan. Er hat mehrere Menschen für Geld ermordet, als Auftragskiller. Schließlich wurde von der Polizei ermittelt, wer der Mörder ist.

Pinsner wurde festgenommen. Übrigens kurz nochmal der Hinweis, seine Handschrift, der Modus Operandi, hat ihn verraten unter anderem und seine Prahlerei und die Tatsache, dass er wiederholt dieselbe Waffe eingesetzt hat. Sein Arminius Revolver zehn Züge rechts, ein verhältnismäßig seltenes Modell und die Ballistiker haben das tatsächlich als Serie erkannt.

Naja, und daraufhin gab es dann ja die Festnahme, von der du eben gerade gesprochen hast, Klaus. Diese Festnahme gab es dann im April 1986. Pinzner wurde danach mehrfach von den Ermittlungsbehörden, also von Polizei und Staatsanwaltschaft, vernommen. Und er deutete bei einem der Gespräche an, dass er mehr Menschen umgebracht hat, als bis dahin angenommen wurde, also mehr als fünf.

Und ertönte bei einer Vernehmung, ich zitiere, ich habe acht Menschen umgebracht von Flensburg bis Salzburg. Ja, er hat sogar mal gesagt, es sei ein Elf gewesen, aber das war noch nicht alles. Gegenüber Mitgefangenen prahlt er, Jetzt wörtlich Zitat, ich bin hier der Leiter eines Marionettentheaters, ich brauche nur an einer Strippe zu ziehen und dann springt der Betreffende.

Es ist für alle in seinem Umfeld offensichtlich, dass er mit den Marionetten Leute aus der Hamburger Justiz meint. Also ganz offensichtlich war Pinsner ein Typ, der davon überzeugt ist, über Leben und Tod entscheiden zu können? Der Pinsner hatte sicher eine Art Allmachtsfantasie. Der Kokain-Konsum hat ihm ganz offensichtlich zusätzlich sein Gehirn vernebelt.

Naja, du sprachst eben von Allmachtsfantasien und Pinsner schien ja wirklich stolz darauf zu sein, dass er mehrere Männer eiskalt ermordet hatte. Und dieses Wort Allmachtsfantasien, ich finde, das trifft es sehr gut. Und jemand, der so gestrickt ist, der tritt nicht unauffällig ab, wenn er keinen Ausweg mehr sieht.

Nach seiner Verhaftung, lebenslang in den Knast wandern und dort langsam immer weniger werden, immer unbedeutender und eines Tages ganz vergessen zu sein? Drei Fragezeichen. Nein, Pinsner brauchte eine große Bühne und die ganz große maximale Show. Ja, aber tatsächlich wird das eine Horrorshow. Pinzens letztes Verbrechen wird eine Bluttat in eigener Sache.

Sein Abgang, also sein finaler Abgang ist sorgsam geplant und sicherlich gewollt spektakulär. Was er dabei genau überlegt hat und ob er sich überhaupt irgendetwas überlegt hat, das wissen wir nicht wirklich. Die Gerichtsmedizin kann natürlich nicht die Gedanken und die Fantasie im Gehirn des Mörders analysieren, auch nicht die des Selbstmörders.

Immerhin, wir haben ja sein Gehirn obduziert. Ja, wir haben aber seine konkreten Taten dokumentiert. In diesem Fall das ungewöhnliche Mord- und Selbstmordgeschehen im Polizeipräsidium. Das Verbrechen war zu diesem Zeitpunkt für andere so nicht oder schwer voraussehbar. Für Polizei und Staatsanwaltschaft kam in dieser Situation jedenfalls der Abgang von Pinsner völlig überraschend.

Tatsächlich. Zunächst hatte es ja am 15. April 1986 die Festnahme des Auftragskillers gegeben. Und diese Festnahme war für die Polizei ein wirklich gigantischer Coup. Als er von den Beamten abgeführt wird, wirkt der Festgenommene, ja, ich finde, so ein bisschen ramponiert. Er trägt keine Hose, er hat einfach eine Decke um den Bauch gewickelt und das Haar ist wirr.

Aber trotz dieser Situation, wie er da runtergeführt wird von mehreren Polizeibeamten, trumpft er dann auf und sagt, das könnt ihr alles wegschmeißen. Das sagt er noch am selben Abend zu einem Ankläger und deutet dabei auf eine Kiste mit Ermittlungsakten. Dann sagt Pinsner noch, ich kann Ihnen alles erzählen. Ich habe acht Menschen umgebracht. Ich bin es.

Übrigens das Bild von der Festnahme, das haben viele noch vor Augen. Das war ja auch im Hamburger Abendblatt. Pinsner mit nacktem Oberkörper auf offener Straße. Das er dann offenbar auspacken wollte, das passte damals gut in die Strategie von Polizei, Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungsbehörden hatten tatsächlich gehofft, endlich die Strukturen und Hintergründe auf dem Kiez inklusive mehrerer weiterer Morde aufzuschlüsseln.

Und Pinsner scheint nur zu bereit gewesen zu sein, dazu nach Kräften beizutragen. Dass er die ihm vorgeworfenen Morde begangen hatte und bei seinen Taten eiskalt war, ergab sich auch aus einem Brief, den Pinsner an seine Schwester geschrieben hatte. Ja, von diesem Brief habe ich gelesen. Pinzler formulierte offenbar darin, er habe seine Aufträge und jetzt wieder ein Zitat, so gut ich konnte erledigt, du, das ist ein Job wie jeder andere, das Arbeitsamt hatte ja doch nichts für mich.

Bettina, das spricht doch schon für sich, dass er seinen Killerjob mit einem Beruf vergleicht. Die man vielleicht über das Arbeitsamt hätte bekommen können. Das ist ja pervers. Ja, also er war bestimmt kein empathischer Charakter, um es mal vorsichtig auszudrücken. Man könnte ihn auch rücksichtslos und gewissenlos nennen.

Ja, ich würde sagen, skrupellos und amoralisch trifft es auch. Allerdings. In 1. Vernehmung gesteht Pinzler für mehrere Morde im Rotmilieu verantwortlich zu sein. Und er kündigt an, bei einer weiteren Befragung im Polizeipräsidium noch einmal so richtig auspacken zu wollen. Da war man dann sicher sehr gespannt, was er erzählen würde.

Und auch, ob er wirklich auspacken wird. Ob er eventuell nur vom Pferd erzählt. Vielleicht, um sich selbst wichtig zu machen. Was dann wirklich am 29. Juli 1986 passierte, das war vollkommen unerwartet. Dieser Tag wird nicht in der Höhepunkt erfolgreicher Aufklärungsarbeit der Ermittlungsbehörden bei einer Serie von Morden.

Ganz im Gegenteil, dieser Tag endet als blutiges Desaster ausgerechnet im Hochsicherheitstrakt. Und damit wird die Institution Polizei ins Markt getroffen. Also ich finde, man kann das gar nicht anders ausdrücken. Klar, so kann man das ganz ohne Übertreibung bezeichnen. Was wir noch erwähnen sollten, Pinsner hatte, bevor er angekündigt hat, auspacken zu wollen, mehrere Forderungen an die Polizei gestellt.

Er verlangt immer wieder, dass er mit seiner Frau zwei Tage und eine Nacht außerhalb des Gefängnisses verbringen will. Bettina, stell dir mal vor, er hat ja schon von Marionetten gesprochen, er als mehrfacher Mörder, ja, der stellt jetzt solche Ansprüche. Naja, das wird natürlich von den Ermittlungsbehörden kategorisch abgelehnt.

Ja, aber immerhin erreichte Pinsner, dass seine Frau von Mitte Juni an bei seinen Vernehmungen dabei sein darf, und zwar in der Rolle eines Beistandes. Wofür braucht der eigentlich einen beistand ja darum geht es ja genau nämlich dieser grund dass er einen beistand haben wolle, durch seine frau jutta der war in wirklichkeit nur vorgeschoben was wirklich dahinter steckte und warum ihre anwesenheit für den killer so wichtig war das ahnte zu diesem zeitpunkt niemand.

Was dann tatsächlich geschah, folgendes. Seine Ehefrau spielt ihm bei seiner letzten Vernehmung einen Revolver zu. Sie weiß, dass er sich einen Abgang verschaffen will, der noch sehr lange Thema in Hamburg sein wird. Er löst eine blutige Katastrophe im Polizeipräsidium aus. Und sie, also seine Frau, ist schon lange entschlossen, mit ihm zusammen in den Tod zu gehen. So war das.

Mit dem Revolver, die seine Frau mit Hilfe seiner Verteidigerin ins Präsidium geschmuggelt hat, führt Pinzner sein letztes Verbrechen aus. Nochmal zur Erinnerung, die Verteidigerin wurde nur oberflächlich kontrolliert. Sie hatte die Waffe in ihrer Unterwäsche versteckt. Die Weitergabe an Frau Pinsner erfolgte dann über die Damentoilette.

Und schließlich von Frau Pinsner an den Killer, als sie sozusagen zu seiner Unterstützung neben ihm Platz genommen hat. Und Pinsner, der schreit dann plötzlich, das ist eine Geiselnahme. Und wenig später fallen Schüsse. An dieser Stelle soll jetzt ein zweiter Zeitzeug in unserem Podcast zu Wort kommen, und zwar Klaus Hüser.

Klaus Hüser hat die Unruhen auf dem Kiez damals als Rechtsanwalt miterlebt. Er verteidigte drei Männer, die im Verdacht standen, ihre Vormachtstellung im Milieu mit sehr viel Nachdruck verteidigt zu haben. Womöglich mit illegalen Mitteln. Das hat Klaus Hüser uns jetzt mitgeteilt. Hören wir einmal kurz rein.

Der Umstand, dass 40 Jahre nach einem Kriminalfall sich noch damit beschäftigt wird, zeigt, wie ungewöhnlich und in gewisser Weise auch einmalig dieses Geschehen war. Ein Mord in einem hochgesicherten Polizeipräsidium, wer konnte sich das vorstellen? Eine Anwältin, die dabei entscheidende Hilfestellung leistet, auch das ist für mich damals eigentlich noch heute unvorstellbar gewesen und dann.

Ein Staatsanwalt getötet in seiner Berufsausübung. Ein Staatsanwalt, den ich persönlich gut kannte und auch sehr geschätzt habe als Opfer. Dieser Vorgang hat einfach Spuren hinterlassen und beschäftigt nicht nur die Angehörigen, vielleicht auch noch heute. Mich persönlich jedenfalls hat er damals als junger Anwalt sehr erschüttert.

Augenblicke danach finden Polizeikräfte in Zimmer 418 des Polizeipräsidiums, den durch einen Kopfschuss schwer verletzten Staatsanwalt. Werner Pinsner und seine Frau Jutta liegen sterbend am Boden, dicht nebeneinander. Der 39-jährige Serienmörder hat die Waffe noch in der rechten Hand, die auf seinem Brustkorb ruht.

Also das klingt ja wirklich ein bisschen wie inszeniert. Also ich meine, dieses letzte Detail, das du erwähnt hast, dass er noch die Waffe in der Hand hält. Pinzner ist aber noch Momente später dann gestorben, oder? Ja, genau. Das ging ja rapid, ganz schnell. Auch seine Frau ist praktisch sofort tot.

Der Staatsanwalt wird noch mit einem Rettungshubschrauber ins Universitätsklinikum Eppendorf gebracht. Aber er ist so schwer verletzt, dass er einen Tag später stirbt. Das war erschütternd, auch für mich persönlich. Ich kannte ihn zwar nicht besonders gut, aber ich kannte ihn und habe mit ihm gelegentlich zusammengearbeitet.

Ja, dass der Staatsanwalt niedergeschossen wurde und wenig später starb, das ist absolut furchtbar. Mir gegenüber wurde der Jurist als absolut integerer und sehr sympathischer Mann beschrieben in den Gesprächen, die ich geführt habe. Unbestritten ist, dieser Staatsanwalt wird von Pinsner nicht erschossen, weil Pinsner etwas gegen diesen Juristen persönlich hat, sondern nur deshalb, weil der Staatsanwalt mit in dem Raum ist, in dem Pinsner seinen Abgang inszenieren will. Ja, so war das wohl.

Es hätte auch jemand anders treffen können. Dieser Ankläger ist einer von mehreren Ermittlern, die schon länger hinter Pinsner her sind. Viele davon auch Polizeibeamte und teilweise zusammengeschlossen zu einer Sonderkommission, aus Spezialisten der Bereiche Mordkommission, organisiertes Verbrechen, Rauschgift und mobiles Einsatzkommando MEK.

Und was alle diese Mitarbeiter der von dir genannten Institutionen wollen, nämlich die Festnahme Pinsners, das war ja auch gelungen, aber dann kam es zu diesen katastrophalen Geschehnissen im Polizeihochhaus, zurück zu Pinsner und seiner Frau Jutta. Klaus, erzähl bitte mal, welche Verletzung ihr später bei Ihnen festgestellt habt.

Ja, ich will da nicht so sehr ins Detail gehen. Solche Schüsse in den Kopf verursachen in der Regel allerschwerste Verletzungen. Da werden häufig größere Hirnareale zerstört und zwar solche mit lebenswichtigen Funktionen, gerade bei einem Mundschuss. Und wenn die Kugel den Schädel durchdringt, dann findet man natürlich einen entsprechenden Schusskanal.

Ein Schuss, in diesem Fall kein Ausschuss, das waren Steckschüsse. Und man kann das als Rechtsmediziner am Schädelknochen sehr genau unterscheiden. Die Besonderheit dann hier nochmal, Mundschüsse bei beiden Personen, die sind in der Regel absolut und sofort tödlich. Wenn man tatsächlich, ohne dass ich hier näher drauf eingehen will, am Rachen abdrückt, dann liegen dahinter lebenswichtige Areale wie Atem- und Kreislaufzentrum.

Die werden völlig zerstört und die Menschen sind momentan tot. Ja, das, was du gerade beschrieben hast, also der Schuss in den Mund, das ist ja das, was Pinsner als Todesmethode für sich und für seine Frau oder umgekehrt für seine Frau und für sich gewählt hat. Das wissen wir zum einen, weil die Obduktionsergebnisse entsprechend waren, über die du gerade schon erzählt hast.

Und das wissen wir aber auch, weil eine Protokollkraft, die noch während dieser Schüsse mit im Raum war, als die Schüsse fielen, weil die das so berichtet hat. Genau und was sie berichtet hat, das haben die sonstigen Ermittlungen und vor allen Dingen unsere Obduktionsergebnisse bei Jutta und Werner Pinsner im Detail bestätigt.

Bei der Obduktion wurde jeweils. Ein Schusskanal von unten nach schräg oben festgestellt mit schwersten Hirnverletzungen und Knochenzertrümmerungen am Schädel. Was ich nochmal sagen kann, Tötungsdelikte durch Schüsse in den Mund sind sehr ungewöhnlich, aber auch ganz besonders wirkungsvoll Du musst es ja wissen, immerhin hast du als Rechtsmediziner jahrzehntelange Erfahrung mit der Obduktion von Todesopfer, Was mich irritiert, es hieß doch, dass Jutta Pinzner eigentlich keine Schusswaffen mag.

Die 39-Jährige soll mal ihrem Mann vorgeschlagen haben, einen gemeinsamen Suizid zu begehen. Ja, aber nicht durch Schusswaffen, sondern mit Zyankali. Sie hatte ihm in einem Kassiber ins Gefängnis geschrieben. Und da las man dann diesen Satz, wir könnten uns küssen und wären beide weg. Wenn es die Möglichkeit gibt, bitte nehme ich mit oder wenigstens sorg dafür, dass ich tot bin.

Mein letzter Wunsch wäre, dass wir zusammen gehen. Das hat also Jutta Pinzner an ihren Mann geschrieben. Und dann schrieb sie auch noch, du bist mein Gott. Ja, unglaublich. Das sind große Worte. Für mich irgendwie rätselhaft. Für mich auch. Zwischen Pinzner und seiner Frau gab es sicher ein besonderes Verhältnis.

Darüber habe ich immer wieder nachgegrübelt, dass diese ansonsten unbescholtene Frau zu diesem Profikiller so ein inniges Verhältnis gehabt hat. Wirklich sehr ungewöhnlich. Man fragt sich, welche Qualität derartige Bande haben, dass die Frau ihm so grenzenlos ergeben ist und ihr Schicksal mit seinem so bedingungslos verbindet.

Diese offensichtliche psychische Abhängigkeit von ihrem kriminellen Mann ist aufsehenerregend. Und ebenso ist es die Art, wie sie sich von ihm töten ließ, auf Knien, zu ihm aufschauend durch einen Schuss in den Mund. Also ich finde, das kann man so verstehen, dass sie damit Demut demonstriert. Übrigens, wir haben ja vorhin auch kurz über die Anwältin gesprochen von Pinsner, die war doch eine Mitwisserin, oder?

Die Anwältin hatte für Pinsner regelmäßig Kassiber in den Knast geschmuggelt, und auch diverse Drogen auf diese Weise zu ihm gebracht. Über Monate hat sie ihn fast täglich im Gefängnis besucht. Später kam es dann zu einem Prozess gegen die Verteidigerin mit dem Vorwurf, dass sie mitgeholfen habe, die Waffe ins Polizeipräsidium zu schmuggeln.

Genau deswegen wird die Anwältin später auch wegen Beihilfe zum Mord zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Richtig. Kommen wir aber nochmal zurück zu den Schüssen im Polizeihochhaus in Raum 418. Wir hatten ja schon angekündigt, dass wir mit einer Legende aufräumen werden. Ich finde, dazu ist jetzt der richtige Zeitpunkt, oder?

Ja, genau. Das haben wir übrigens selber auch einmal, denke ich, nicht ganz richtig dargestellt. Es wurde ja später immer wieder erzählt, dass der Staatsanwalt den Pinsner, zu Beginn der Vernehmung zum Erzählen aufgefordert hat und dabei ausgerechnet folgende Worte benutzt haben soll. Also, nun schießen Sie mal los.

Wenn der Staatsanwalt nun wirklich diese Wortwahl. Gehabt hätte, also nun schießen Sie mal los, dann könnte man das ja irgendwie als eine, komische Aufforderung verstehen, die Pinsner dann brutal umgesetzt hat. So wurde das ja auch immer wieder dargestellt. Aber diese Worte sind in Wirklichkeit gar nicht gefallen. Das sollten wir hier herausstellen. Ja, das stimmt.

Das wissen wir deshalb, weil wir für diesen Podcast und unsere A-Blatt-Serie, auch mit dem Kriminalbeamten gesprochen haben, der damals mit im Zimmer war. Dieser hat jetzt im Gespräch mit uns berichtet, dass er damals das, was in Raum 418 passiert ist, später in einer Zeugenaussage vor Gericht mit seinen Worten zusammengefasst hat.

Und ihm sei damals die Formulierung herausgerutscht, dass der Staatsanwalt eben sinngemäß gesagt habe, nun schießen Sie mal los. Und der Polizist, dieser Kriminalbeamte verdeutlichte ja jetzt gegenüber uns, was ich sinngemäß meinte, hat sich eingebrannt, aber das ist konstruiert und stimmt so gar nicht.

Also dieser Wortlord sei nicht gefallen. Okay Bettina, gut, dass wir das jetzt einmal richtigstellen konnten. Jedenfalls hat das, was dann passierte, eine ungeheure Dramatik und lässt einen bis heute eigentlich fassungslos zurück. Plötzlich hat Pinsner den Revolver in der Hand und bedroht die Ermittler. Es fallen Schüsse.

An diesem Punkt sollten wir dazu kommen, wie ein weiterer Zeitzeuge die damaligen dramatischen Ereignisse erinnert. Das sagt der Kriminalbeamte Max van Oosting. 29. Juli 1986, vormittags, Polizeipräsidium, Raum 418, finaler Vernehmungstermin mit Werner Pinsner. Rechtliche Belehrung ist protokolliert. Nun zur Sache.

Verdammt, wie kommt Pinsner in Besitz des Revolvers? Geiselnahme, das heißt Zeitgewinn nach dem Desaster. Ich begegne der Rechtsanwältin in einem Dienstraum. Spontaner Vorhalt, da habt ihr uns ja schön gelingt. Zwei Polizisten können sich aus dem Zimmer retten, sozusagen mit einem Hechtsprung. Pinsner schießt erneut und verbarrikadiert sich nun mit seiner Frau in dem Raum.

Dann ruft er tatsächlich von hier aus noch seine Tochter aus erster Ehe an. Über die haben wir ja in der ersten Folge erzählt und sagt zu ihr, Birgit, ich liebe dich. Und seine Frau ergänzt, was jetzt geschieht, haben wir so gewollt. Also auch Frau Pinsner hat das so gewollt und hat das ausdrücklich noch einmal gesagt. Ja, ich finde das zu erwähnen ist wirklich wichtig.

Dann kniet sie nieder und öffnet den Mund. Ein Schuss fällt, die Kugel dringt in den Schädel von Jutta Pinsner ein, sie sackt tödlich getroffen zu Boden. Ja, und dann fällt ja noch ein Schuss und das ist der Schuss, mit dem Pinsner sich selber tötete und zwar ebenfalls im Knien. Ja, ein sehr schneller, ein lauter, ein auch blutiger Tod und damit ganz so nach Pinsners Gusto.

Ja, wenn man sich vor Augen führt, wie er seine Auftragsmorde ausgeführt hat, dann passt das irgendwie. Aber wenn Pinsner es gewollt hätte, hätte er sich auch auf die schleichende Leiseart das Leben nehmen können. Er war ja schon lange dabei, sich allmählich langsam zu vergiften. Er war ein massiv drogensüchtiger Mann, dem es auch im Knast jederzeit gelang, an Heroin oder Kokain zu kommen. Kaum zu glauben bei diesem Häftling.

Ja, und dass er jederzeit an Heroin und Kokain gekommen ist, das weißt du natürlich deshalb, weil du die Ergebnisse der Obduktion von Pinsner so genau kennst. Genau, das habe ich damals detailliert untersucht. Pinsner war ein chronischer intravenöser Drogenkonsument. Bei seiner Obduktion fanden wir etliche Nadeleinstiegstellen und manche von denen waren teilweise von Tätowierungen verborgen.

Einige typische Einstichstellen, zum Beispiel im Bereich der rechten Ellenbeuge, haben wir auch mikroskopisch untersucht. Das gehörte damals zu meinen Spezialitäten. Manche von diesen Einstichstellen waren älter, andere zum Teil nur wenige Stunden alt. Also der hat tatsächlich bis zum Schluss fixen können. Das staunt man wirklich.

In der Umgebung der Venen fanden wir bei den mikroskopischen Untersuchungen, typische Fremdsubstanzablagerungen. Das nenne ich zum Beispiel Spritzendreck, also Verunreinigungen vom Heroin. Die Venen waren ziemlich ausgedehnt vernarbt. Der hat also tatsächlich häufig Heroin gespritzt. Und ich habe auch noch im Lungengewebe die Spuren des Drogenkonsums gefunden.

Pinsner war ein Fixer, wie er im Buche steht. Und der hat auch noch im Knast noch weiter fixen können. Es wurden doch bestimmt auch toxikologische Untersuchungen vorgenommen? Ja, natürlich. Bei diesem Fall haben wir in der Rechtsmedizin alle möglichen Untersuchungen gemacht. Die toxikologische Untersuchung des Leichnams ergab, dass Pinsner im Blut Diazepam, und dessen Stoffwechselprodukte hatte.

Diazepam ist gut, wofür oder schlecht wofür? Naja, das ist ein Beruhigungsmittel. Ein Präparat, in dem das enthalten ist, ist zum Beispiel Valium. Im Urin fanden sich Abbauprodukte von Kokain und Cannabis und ebenfalls auch noch wieder Diazepam. Eine Haaranalyse ergab Rückstände von Morphin und Codein.

Das sind eindeutige Hinweise auf einen länger andauernden Heroinmissbrauch und darüber hinaus fanden wir tatsächlich jetzt noch beim Leichnam. Ein haselnussgroßes Haschischstück, also in seiner Hose hatte er das, das hatte er also mitgebracht ins Polizeipräsidium. Also du hast Heroin erwähnt, Kokain, Haschisch, Diacepam.

Also er hat ungefähr so alles konsumiert, was damals zu bekommen war. Ja, ganz offensichtlich. Seine Beschaffungswege wurden nicht abschließend geklärt. Pinsler war offensichtlich schwerst drogenabhängig. Insofern ist sein Tod auch in einem weiteren Sinne als Rauschgift-Todesfall zu werten. Also insofern ist er da in die Statistik eingegangen.

Soweit ich weiß, habt ihr bei der Sektion auch noch eine weitere Besonderheit festgestellt? Ja, genau. Da muss man sich mal vorstellen, in Pinsners Magen wurden auch noch zahlreiche Quecksilberkügelchen gefunden. Quecksilber im Magen. Also Quecksilber, diese Substanz ist doch hochgiftig, oder? Genau. Wer ihm das verschafft hat und warum er es eingenommen hat, das konnte dann nicht mehr weiter geklärt werden.

Pinsner wollte offenbar in jeder Hinsicht sicher gehen, dass er ins Jenseits gelangt. Wegen der hohen Quecksilbermenge wäre er sicher an einer Quecksilbervergiftung gestorben. Und auch das Bedenkmal, auch Frau Jutta Pinsner hatte Quecksilberkugeln im Magen. Im Zusammenhang, das ist ein bekanntes Phänomen, entschlossene Selbstmörder, haben häufig gleichzeitig zwei Methoden, die sie einsetzen, um sich selbst zu töten, um ganz sicher zu gehen.

Vor allem hat Pinzer ja auch noch seinen Revolver gehabt, mit dem er ja gut umzugehen weiß. Darauf war er ja auch ziemlich stolz, wie er damit Menschen umgebracht hat. Und man hat ja auch noch so eine Art Abschiedsgroß gefunden, den er formuliert hatte, oder? Ja, das war natürlich übrigens nicht der Revolver, den er selber eingesetzt hat, sondern ein anderer, der da zu ihm reingeschmuggelt wurde.

Gut, also dieser Abschiedsgruß, der fand sich in einem braunen Kuvert, das er auch zu dieser Vernehmung, zu einer letzten Vernehmung mitgebracht hat. Und da stand geschrieben, Zitat, ich werde nochmal hinlangen. Die Schweine haben mich so geflaxt. Viele Grüße, Mucki. Ja, ein Abschiedsgruß von Werner Pinzner, sozusagen ein Gruß aus dem Jenseits.

Also ich finde, das ist einerseits natürlich ein hochspannender Fall, aber auch ein sehr, sehr, sehr bedrückender Fall, wenn man überlegt, wie viele Leute umgekommen sind, also wie viele Leute, Pinzner umgebracht hat als Auftragsmörder gegen Geld, ganz kaltblütig. Das waren sehr, sehr besondere Zeiten in Hamburg. Und ich bin sehr froh, dass es offenbar deutlich friedlicher zu sein scheint in der Stadt.

Und dass es also solche Leute wie Pinsner nach allem, was wir wissen, nicht mehr gibt. Ja, ich darf nochmal ausdrücklich sagen, bei uns in der Rechtsmedizin herrschte damals wirklich eine sehr große Betroffenheit. Also bei der Sektion waren wir irgendwie auch innerlich berührt, weil eben dieser Staatsanwalt tödlich verletzt war.

Das ist zu meiner Zeit, und das sind immerhin 50 Jahre, der einzige Ankläger in Hamburg, der in Ausübung seines Amtes zu Tode gekommen ist. Wenn man das nochmal betont und hervorhebt, also im Polizeipräsidium wird der ermittlungsführende Staatsanwalt ermordet, ein einmaliges Geschehen sozusagen. Wirklich sehr, sehr traurig.

Ich habe ihn nicht gekannt, aber ich finde das ganz furchtbar, dass der im Dienst umgebracht wird. Und er hatte ja auch Familie, die sicherlich sehr darunter zu leiden hatten. Wir haben ja jetzt sehr ausführlich und auch sehr intensiv über diesen hochdramatischen Fall gesprochen. Einen Aspekt haben wir allerdings bisher noch nicht behandelt, aber einen sehr, sehr wichtigen Aspekt, Nämlich die Opfer. Es gab ja viele Leidtragende in diesem Fall.

Nämlich einerseits die Menschen, die erschossen wurden, die getötet wurden und deren Angehörige. Und ich glaube, man kann sagen, dass das Leid der Angehörigen auch sehr, sehr viel Beachtung finden muss und sollte. Und dazu haben wir jetzt jemanden noch gehört, der sich sehr, sehr gut mit diesen Themen auskennt, nämlich Christina Erichsen-Kruse.

Das ist die stellvertretende Landesvorsitzende der Opferhilfeorganisation Weißer Ring. Und jetzt hören wir mal rein, was Frau Erichsen Kruse zu diesem Fall zu sagen hat. Der gewaltsame Tod eines Menschen hebt das Leben seiner Familie zunächst vollständig aus den Angeln und unterteilt es unumkehrbar in Vorher und Nachher.

Natürlich herrschen zunächst Trauer und Verzweiflung, auch Hilflosigkeit, Ratlosigkeit und eine Gefühlsgemengenlage. Dass die Betroffenen erstmal entwirren müssen und das dauert eine Weile. Wir dürfen in unserer Arbeit im Weißen Ring auch erfahren und miterleben. Dass mit der Zeit wieder Hoffnung, Zuversicht, Freude und Lachen wird.

In dieses veränderte Leben einkehren, ohne die Verstorbenen zu vergessen. Und dass dieses Leben in all seinen alltäglichen Facetten, geprägt mit allem, was ein Zusammenleben ausmacht, wieder absolut lebenswert ist. Ja und er hatte viele Freunde bei, der Polizei und natürlich bei der Staatsanwaltschaft und der eine von diesen war ja dann später auch der Ankläger, in dem Prozess, von dem wir schon gesprochen haben.

Und es war natürlich für die Staatsanwaltschaft tatsächlich eine ganz wichtige, Angelegenheit, dass man in diesem Fall mit einer. Anklage letztlich auch die Auftraggeber und Mittäter von Pinsner zur Strecke gebracht hat. Die haben eben alle lebenslänglich bekommen. Ja, das ist eine wichtige Information zum Abschluss dieses Podcasts oder besser gesagt unserer Doppelfolge dieses Podcasts.

Werner Pinsner, der Auftragskiller, der dann selber gestorben ist. Dramatische Ereignisse in Hamburg. 40 Jahre liegen sie jetzt zurück. Und ich finde das wichtig, dass wir das jetzt nochmal in dieser Ausführlichkeit aufgearbeitet haben, mit Zeitzeugen gesprochen haben. Vielleicht hat der eine oder andere Hörer auch in diesem Podcast Dinge erfahren oder sehr wahrscheinlich, die man vielleicht so noch nicht wusste.

Ich freue mich dann trotzdem, wenn wir dann wieder weitermachen, auch nach diesem Podcast. Und wenn es dann wieder heißt, dem Tod auf der Spur, natürlich dann wieder mit dir, Klaus, als Teilnehmenden bei unserem Podcast. Und vielen Dank an dich, vielen Dank fürs Zuhören. Von mir aus vielleicht nochmal der eine Satz, der mir immer sehr wichtig ist, auch bei derartigen Todesfällen, die einen sehr persönlich beruhen.

In der Rechtsmedizin geht es ja immer um das Thema, um das Prinzip von den Toten, Lernen für die Lebenden. Und aus meiner Sicht kann man schon feststellen, dass Polizei, Staatsanwaltschaft und Rechtsmedizin aus den Geschehnissen vor 40 Jahren viel gelernt haben und wichtige Konsequenzen gezogen haben.

Tschüss. Vielen Dank. Tschüss.

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