
Dem Tod auf der Spur: Die Jagd nach dem Täter· Folge 183
Sie wollte ihre Freundin besuchen – und begegnete ihrem Mörder
Freitag, 10. Juli 2026 · 46 min
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Shownotes
Ein Kriminalfall, der ganz Hamburg in Atem hielt und tief erschütterte: Nach dem plötzlichen Verschwinden eines kleinen Mädchens läuft eine riesige Suchaktion an. Am Ende herrscht traurige Gewissheit – das Kind wurde ermordet. Als der Verdacht auf einen Jugendlichen aus der Nachbarschaft fällt, der sich bei der Suche auffällig verhalten hatte, behauptet dieser: Es war ein Unfall.
Doch die Rechtsmedizin spricht eine ganz andere, unmissverständliche Sprache. „Gestorben ist das Mädchen durch Gewalt gegen den Hals“, erklärt der renommierte Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel. Was dem Kind tatsächlich widerfahren ist, rekonstruieren er und Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher in dieser emotionalen Folge. Wie die Ermittler dem Täter auf die Spur kamen und wie das Urteil im anschließenden Prozess lautete, hören Sie in der neuen Folge von "Dem Tod auf der Spur".
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Dem Tod auf der Spur. Spannende Fälle aus der Hamburger Rechtsmedizin. Der Crime-Podcast vom Hamburger Abendblatt. Moin und herzlich willkommen zu dem Tod auf der Spur, dem True Crime-Podcast des Hamburger Abendblattes. Ich bin Bettina Mittelacher, Gerichtsreporterin beim Hamburger Abendblatt und bei mir im Podcast ist wie immer Rechtsmediziner Professor Klaus Püschel.
Er ist der Experte, der in den Toten liest, wie in einem Buch. Moin Bettina und moin wie immer auch all unsere Hörer. Ja, nicht bei jedem Toten ist von vornherein offensichtlich, woran er gestorben ist. Vor allem ist nicht klar, wie das ganze Geschehen abgelaufen ist. Die Reihenfolge der verschiedenen Einwirkungen, ja, du weißt schon die Richtung und so weiter.
Der zeitliche Ablauf. Wenn es eine Schussverletzung gab oder beispielsweise in der Brust eine einzelne Verletzung durch einen Messerstich zu finden ist, dann ist die Situation in der Regel sonnenklar. Aber manchmal müssen sich Experten regelrecht auf Spurensuche begeben. Wie Detektive, jetzt direkt am Leichnam.
Es geht uns ebenfalls darum, mögliche Hinweise auf einen Täter zu finden, nicht nur die Todesursache. Also gibt es z.B. Fremde DNA-Spuren am Leichnam. Spermien, Haare lassen Messerstichverletzungen, Rückschlüsse darauf zu, ob der Täter z.B. Rechts- oder Linkshänder war, ob die Verletzung selbst beigebracht war oder von fremder Hand.
Wir wollen lesen in den Toten wie in einem Buch. Das habe ich ja schon ganz oft so gesagt. Bei dem Fall, mit dem wir uns heute befassen wollen, gab es keine Schussverletzung, ebenso wenig Einwirkungen durch ein Messer oder ein anderes scharfes Werkzeug. Das Opfer ist durch Gewalt gegen den Hals gestorben.
Die Rede ist von Angelina, einem Mädchen aus Hamburg, das nur sieben Jahre alt werden durfte. Ja, dieser Fall liegt schon mehr als 20 Jahre zurück, aber vergessen werde ich diesen Fall sicher nie. Das kleine Mädchen aus Hamburg war zunächst spurlos verschwunden, sozusagen wie vom Erdboden verschluckt.
Eigentlich wollte die Siebenjährige an diesem 13. Oktober 2004 nur kurz ihre Freundin in der Nachbarschaft im Hamburger Stadtteil Wandsbeck besuchen, ist danach aber nicht wieder in der Wohnung der Eltern erschienen. Dabei war sie stets sehr zuverlässig und äußerst pünktlich. Die Mutter von Angelina fängt schon nach kürzester Zeit an, nach ihrer Tochter zu suchen. Und wenig später alarmiert die Mutter auch die Polizei.
Das ist nur zu verständlich, finde ich. Als Mutter oder Vater macht man sich natürlich Sorgen, ob etwas Schlimmes passiert sein könnte. Man will sein Kind auf jeden Fall wohlbehalten wieder zu Hause haben. Allerdings, ich kann diese Sorge auch wirklich sehr gut nachempfinden, als Vater und vor allen Dingen jetzt auch als Großvater von einer Reihe von Enkeln.
Ja, wie reagierte die Polizei damals auf die Nachricht der Mutter? Spätestens als Jugendliche das Fahrrad von Angelina Finden schrillen bei der Polizei alle Alarmglocken. Zuletzt beteiligen sich. Ungefähr 130 Beamte aus dem gesamten Stadtgebiet an der Suche. Und übrigens mein Freund, der Chef des Landeskriminalamts Rainer Zedor, ist selbst vor Ort und er lässt die ganze Nacht über weitersuchen, als einige schon aufgeben wollten und eigentlich am nächsten Morgen weitermachen wollten.
Ja, es war wirklich eine aufwendige Suche und wo das Kind ist, wird früh am nächsten Morgen bekannt, also am Morgen nach dem Verschwinden von Angelina. Dann wird das Kind gefunden. Sie ist tot. Der Leichnam des kleinen Mädchens war auf dem Balkon einer Wohnung verborgen, nicht weit von der Wohnung, in der Angelina mit ihrer Mutter und deren Lebensgefährten wohnte.
Angelinas Leichnam ist in einem Karton versteckt und dann beginnt die Spurensicherung. Beamte der Mordkommission rücken an, schließlich wird ein Sarg mit dem toten Kind weggetragen. Ein totes kleines Mädchen. Also wirklich schon bei dem Gedanken läuft es mir kalt über den Rücken. Ja, da hast du selbstverständlich recht. Wenn ein so junger Mensch stirbt, sieben Jahre, dann ist das schon furchtbar.
Noch schlimmer ist es, wenn man erfährt, dass das Kind gewaltsam ums Leben gekommen ist. Und im Fall Angelina war das so. Die Rechtsmedizin in Hamburg, damals war ich ja noch Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am UKE. Hat sehr präzise untersucht, was dem Mädchen widerfahren ist. Und das war genauso erschütternd wie.
In der Sache schon. Grausam, finde ich. Es bestand der Verdacht, dass das Mädchen sexuell missbraucht wurde, nicht wahr? Ja, das waren dann auch unsere Feststellungen. Der Körper wies eindeutige Verletzungen auf, die naheliegen, dass sie vergewaltigt wurde. Das haben wir bei der Obduktion eindeutig so rekonstruieren können.
Gestorben ist das Mädchen durch Gewalt gegen den Hals. Und zwar in diesem Fall durch eine Strangulation. Außerdem hatte der Täter das Kind auch noch gefesselt. Ihre Hände waren auf dem Rücken gebunden und es gab dann auch noch tatsächlich, eine weitergehende Fesselung. Die Hände waren auf dem Rücken des Opfers gefesselt, sagst du?
Das klingt ja richtig heftig. Ja, solche speziellen Fesselungen sind tatsächlich auch als Foltermaßnahmen bekannt. Sie werden tatsächlich von den Profis dann chinesische Schaukel genannt. Chinesische Schaukel, das habe ich schon mal gehört. Und wie so eine chinesische Schaukel genau aussieht bzw. Funktioniert, darauf möchte ich lieber nicht im Detail eingehen.
Jedenfalls führt die Fesselung dazu, dass das Opfer anderen Menschen hilflos ausgeliefert ist. Bettina, kommen wir darauf zurück, wo das tote Mädchen gefunden wurde. Nämlich auf einem Balkon, ziemlich nahe in der Nachbarschaft. Das war auch eine hochbedrückende Situation. Viele Menschen hatten sich ja zuvor schon an der Suche nach Angelina beteiligt.
Und einige Stunden lang hatte noch die Hoffnung bestanden, das Kind Leben zu finden. Aber diese Hoffnung war dann jetzt völlig zerstört. Die Mutter von Angelina erfuhr die schreckliche Wahrheit auf dem Polizeipräsidium nicht wahr. Es hieß damals, dass in die Arbeit der Polizei von Beginn an eine Kriminalpsychologin eingebunden war. Aber diese unterstützte die Polizei unter anderem später bei der Befragung des Verdächtigen.
Die Kriminalpsychologin hat der Polizei aber auch empfohlen, wie man der Mutter die Wahrheit am besten mitteilen kann. Nun, wenn Menschen, die ein inniges Verhältnis zu einem anderen Menschen haben, erfahren, dass dieser geliebte Mensch nicht mehr lebt und gewaltsam uns ums Leben kam. Dann ist das natürlich ein riesiger Schock.
Ja, und in diesem Fall natürlich insbesondere für die Mutter. Die Erfahrung zeigt, dass die Reaktion sehr unterschiedlich ist. Nicht selten kommt es vor, dass die Hinterbliebenen im ersten Moment gar nicht, richtig verstehen, was man ihnen da erzählt hat. Ja, also ich stelle mir das so vor, es kann sein, dass sie einen nur ungläubig anstarren oder dass sie weinen oder dass sie vielleicht auch kein Wort herausbekommen.
Dass sie anfangen, sich Vorwürfe zu machen. Nach dem Motto, warum habe ich nicht besser aufgepasst? Oder dass sie vielleicht auch die Polizei beschimpfen, so aus ihrem Frust heraus. Ich habe auch gehört, dass es sogar Fälle geben soll, wo Leute in dem Moment anfangen, hysterisch zu lachen. Ich erkläre mir das so, vielleicht weigert sich das Gehirn ja, diese Nachricht zu verarbeiten, weil sie schier unfassbar erscheint.
Als die Mutter von Angelina gebeten wurde, zum Polizeipräsidium zu kommen, da hatte sie doch ein Nachthempf für die Mutter dabei, oder? Ja, soweit ich das weiß, war es so. Das rief so fast den Eindruck hervor, als wollte sie ihre Tochter gleich ins Bett bringen. Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Möglicherweise hat sie da tatsächlich noch gedacht, sie könne das Mädchen in ihre Arme schließen.
Andererseits wahrscheinlich ahnte sie dann doch auch, dass Angelina nicht wirklich mehr schlafen gehen würde, sondern dass dies ein Abschied für immer wird. Ja, das war ja zu befürchten, denn tatsächlich war Angelina zu dem Zeitpunkt ja schon viele Stunden verschwunden Und nach allem, was wir wissen, galt sie als sehr zuverlässig.
Da bekommt man schon Angst und befürchtet das Schlimmste, wenn von so einem Kind über Stunden kein Lebenszeichen kommt. Absolut. Übrigens zur Verfahrensweise, der Mutter wurde in dieser Situation in sehr wenigen Sätzen mitgeteilt, dass ihre Tochter tot ist. Also ich habe gelesen, dass der damalige Kripo-Chef zu der Mutter sagte, ich zitiere, es tut mir leid, wir haben alles versucht, wir haben Angelina tot gefunden, sie lag auf dem Balkon der Nachbarfamilie und dazu hat dann der Kripo-Chef auch den Namen dieser Familie genannt.
Mit der Art und Weise, wie der Mutter die Nachricht vom Tod ihrer Tochter mitgeteilt wurde, hat die Polizei den Rat der damaligen Kriminalpsychologin Claudia Brockmann umgesetzt. Die Expertin hatte den Beamten empfohlen, ja nur wenig zu sagen, wenig und klar, nur vier Sätze. Und dabei sollten die äußeren Umstände klar benannt werden.
Vielleicht denkt jetzt der eine oder andere, das sei unsensibel. Ich sehe das ganz anders. Ich finde nicht, dass man da viele Worte hätte machen sollen, auch viele einleitende Worte, mit dem Versuch, die schrecklichen Umstände lieber einfühlsam zu umschreiben. Also ehrlich gesagt, ich gehe davon aus, dass die Empfehlung der Kriminalpsychologin richtig war, bestimmt aus ihrer sehr weitgehenden Erfahrung heraus sachlich-fachlich fundiert.
Wie Claudia Brockmann in die Ermittlungen im Fall Angelina eingebunden war, hat sie in einem ausführlichen Kapitel ihres Buchs Warum Menschen töten beschrieben. Ich habe Frau Brockmann ja auch im Rahmen meiner Arbeit als Reporterin kennengelernt. Ich habe ein langes Gespräch mit ihr über ihre Arbeit geführt und darüber dann einen Artikel geschrieben.
Ich fand es hochspannend, was sie erzählt hat. Und sie wirkte wirklich sehr erfahren und sehr, sehr kompetent. Ja, das kann ich aus meiner Sicht nur bestätigen. Ich kenne sie aus verschiedenen, Ermittlungsverfahren und auch aus operativen Fallanalysen. Claudia Brockmann ist in jeder Hinsicht Spitze. Gut, zurück zu unserem Fall. Nachdem die kleine Angelina verschwunden war, fiel der Verdacht auf einen Jugendlichen aus der Nachbarschaft.
Diesen 17-Jährigen wollen wir hier im Podcast Nils Wagner nennen. Er hat aber in Wirklichkeit einen anderen Namen. Also Nils Wagner hatte sich an der Suche nach dem Mädchen beteiligt, aber dabei auffällig verhalten. Außerdem kam von Angelinas Mutter der Hinweis, dass Nils sich sonderbar verhalten habe.
Und darüber hinaus lüge er ständig, sagte Angelinas Mutter. Nochmal, er habe sich sonderbar verhalten, sagte die Mutter. Als Ermittler achtet man natürlich. Auf jedes Detail. Was schwingt da so mit? und bei einer solchen Andeutung im, Fall von Angelina, da wird man doch besonders hellhörig. Die Frage war, hatte Nils sich in irgendeiner Form an dem Kind vergangen?
Dann wurde der Jugendliche im Polizeipräsidium befragt. Schließlich gab er zu, er habe Angelina getötet. Er sagte, das sei aber ein Versehen gewesen. Ja, irgendwie kaum zu glauben, eine Tötung aus Versehen. Bei meiner Arbeit in der Rechtsmedizin habe ich wirklich sehr viel gesehen, was im ersten Moment unglaublich erscheint.
Ja, jedenfalls höchst unwahrscheinlich, aber trotzdem ist es passiert. In diesem Fall alles andere als das, was hier angegeben wurde, also Tötung aus Versehen. Ganz im Gegenteil, der Täter hat seine Tat sorgfältig geplant, Bettina. Ja, du sagtest eben, vieles erscheint unwahrscheinlich, aber es ist trotzdem passiert.
Zum Beispiel, dass jemand einen anderen Menschen unter Kontrolle bringen will, dabei dann aber so brutal vorgeht, dass der andere stirbt? Auch das, ja, klar. Nach dem Geständnis von Nils Wagner ging ja damals die Suche nach Angelina weiter, und schließlich fand die Polizei sie, in dem Karton auf dem Balkon dieses Jugendlichen aus der Nachbarschaft.
Ein Polizeibeamter hat den Karton geöffnet und hineingegriffen. Er berührte etwas, das sich anfühlt wie Haare und im ersten Moment hoffte er, dass es eine Puppe ist. Aber das war keine Puppe. Es war Angelina und sie lebte nicht mehr. Der Polizei ist klar, dass sie die Familie des Mädchens jetzt über den Tod der Siebenjährigen informieren muss.
Die Mutter wurde gebeten, ins Polizeipräsidium zu kommen. Es gäbe noch einiges zu besprechen. Die Worte, die der Kripo-Chef dann gewählt hat, haben wir ja vorhin schon zitiert. Ja, als die Mutter dann erfuhr, dass Angelina tot ist, da war sie doch bestimmt verzweifelt. Ja, klar. Also es hieß, dass sie sehr, sehr geweint hat.
Das kann ich gut nachvollziehen. Natürlich ist man todunglücklich, eine Welt bricht zusammen. Aber dann muss man dann ja zumindest von Seiten der Polizei wirklich an die Arbeit gehen, zur Tagesordnung übergehen, mit dem Ermittlungen begangen und so beginnen und genauso war das dann auch. Also es wurden Spuren gesichert, mögliche Zeugen befragt.
Ja klar, Bettina, was jetzt nach dem Fund des Leichnams passiert, das ist eindeutige, immer wieder praktizierte, irgendwie bittere, rationale Arbeit. Die Spurensicherung sichert Spuren wie Fasern, Blutspuren, Fingerabdrücke, gegebenenfalls Haare, Spermien und so weiter. Auch die nähere Umgebung des Leichenfundorts und des Geschehensorts, in diesem Fall war das ja unterschiedlich, das wird alles abgesucht.
Zum Beispiel sucht man herumliegende Zigarettenkippen. Das spielt in dem Fall hier keine große Rolle, aber daraus kann man zum Beispiel besonders gut DNA extrahieren. Alles wird fotografiert für eine spätere Rekonstruktion. Die Kleidung des Verdächtigen wird beschlagnahmt, wird dann auch professionell verpackt, asserviert.
Und der Leichnam des Kindes wird schon vor Ort von einem Rechtsmediziner untersucht. Für eine detaillierte Analyse wird das tote Mädchen dann in die Rechtsmedizin gebracht. Das klingt alles sehr sachlich und sehr, sehr effizient. Ja, so muss das ja auch ablaufen. Wir wollen ja wissen, was da wirklich geschehen ist, unter der Erfahrung, dass die Täter das häufig nicht einräumen.
Auch wenn der Tod eines Menschen die beteiligten Ermittler und Experten emotional berührt, dann muss die Arbeit natürlich trotzdem professionell vonstatten gehen. Also Gefühlsregungen sind fehl am Platze, dann wären wir die falschen Experten und Gutachter. Nichts soll jetzt übersehen werden. Alles muss sorgfältig erfasst und dokumentiert werden.
Das galt in diesem Fall zum Beispiel auch für die Spurensicherung auf dem Balkon. Auch in dem Karton, in dem der Leichnam gefunden wurde. Ja, wichtig war zudem, was in der Umgebung des Leichenfundorts und dann vor allen Dingen am Geschehensort gefunden wurde. Absolut. Also das galt natürlich Besonderes für den Karton, in dem das tote kleine Mädchen lag.
Ich habe gehört, dass darin ja auch Wischtücher von einer Küchenrolle waren und darauf Blut des Kindes. Außerdem wurden Spuren an der Wäsche des verdächtigen Jugendlichen gesichert. Die Polizei fand auch DNA-Spuren des Jugendlichen an Papiertüchern am mutmaßlichen Tatort. Weitere Spuren und Erkenntnisse lieferte die Obduktion nicht wahr.
Klaus, du warst ja damals bei der Untersuchung der getöteten Angelina maßgeblich beteiligt. Ja, die praktische Arbeit im Sektionssaal haben meine Mitarbeiter erledigt. Wir haben in der Rechtsmedizin festgestellt, dass das Kind. Vollendet vergewaltigt wurde und dann getötet wurde, Todesursache war eine Drosselung.
Lass uns bitte darüber sprechen, wie der Fall damals bekannt wurde. Am Tag nach dem Verschwinden von Angelina haben der damalige Polizeipräsident Werner Jantosch, der damalige Oberstaatsanwalt Martin Kühnke und die Chefermittler der Kripo die Presse über den Fall informiert. Noch während dieser Pressekonferenz hat der Fall eine aktuelle Wendung genommen, denn ein Mitarbeiter überreichte dem LKA-Chef einen Zettel und darauf stand, ich zitiere, der Verdächtige hat die Tat eingeräumt, ist geständig.
Ja, das erinnere ich noch gut, dass es jetzt dieses eindeutige Geständnis gab. Das war ja vergleichsweise schnell. Die ersten Hinweise gingen ja auch zunächst noch auf einen anderen Täter. Der Jugendliche hatte das eben nicht im Detail zugegeben, was da passiert ist. Und trotzdem hatten sich alle Ermittlungen weiterhin auf ihn fokussiert, weil er auch in der Umgebung, in der Nachbarschaft von Angelina gewohnt hatte.
Der damals 17-Jährige hatte sich fast auffällig an der Suche nach dem Mädchen beteiligt, scheinbar als jemand, der jetzt unbedingt helfen möchte. Aber an seinem Verhalten war den Ermittlern doch vieles auffällig vorgekommen. Deswegen wurde der Jugendliche auch befragt und hat schließlich eingeräumt, dass Angelina zuletzt bei ihm gewesen sei.
Danach ging die Suche nach Angelina aber noch weiter und schließlich fand die Polizei sie in diesem Karton auf dem Balkon des Jugendlichen aus der Nachbarschaft. Und am Körper des Kindes wurden Spermaspuren gefunden, die sich diesem Verdächtigen, also dem Jugendlichen aus der Nachbarschaft, später eindeutig zuordnen ließen.
Die Spermaspuren stammten ganz klar von diesem Nils Wagner. Bei der Untersuchung des Leichnams ergaben sich doch auch Hinweise auf einen Tatablauf, oder? Ja, das ist richtig. Zum Beispiel fanden wir auch Schmutz am Körper des Mädchens, der vom Boden am Geschehensort stammen musste. Dieser Schmutz war direkt auf der Haut, nicht nur an der Kleidung.
Also ich würde daraus folgern, dass das Mädchen ausgezogen wurde, dann aber wieder angezogen wurde. Wie habt ihr das eingeschätzt? Ja, Bettina, diese Rückschlüsse, die du jetzt gezogen hast, die haben wir damals auch so angestellt. So muss das gewesen sein. Wir haben ja auch schon gesagt, dass das Kind eindeutig vergewaltigt wurde und, zwar im entkleideten Zustand eben.
Wir haben ja vorhin schon erwähnt, dass der Verdächtige, dieser Nils Wagner, in den Fokus der Ermittlungen geriet. Sein merkwürdiges Verhalten bei der Suche nach Angelina, dann die Tatsache, dass er das Mädchen vorher schon kannte, weil sie nämlich mit seiner kleinen Schwester befreundet war. Er wird ja von der Polizei befragt und hat dann relativ schnell gestanden, etwas mit dem Tod von ihr zu tun gehabt zu haben. Sorry, du hast das ja vorhin auch schon kurz erwähnt. Ja, klar.
Zunächst hat er noch behauptet, ein anderer Jugendlicher sei dabei gewesen. Dieser andere habe maßgeblich den Tod des Kindes verursacht. Er sei selber nur am Rande beteiligt gewesen. Naja, während der Pressekonferenz, kam ja dann die Meldung, dass er auch. Seine Tat direkt eingestanden hat. Ja, diese Version, dass er nur am Rande beteiligt gewesen sei, die stellte sich ja dann wirklich als falsch heraus.
Tatsächlich war Nils Wagner allein für den Tod von Angelina verantwortlich. Hat er nicht auch noch behauptet, das Mädchen habe den Sex mit ihm gewollt? Ja, eindeutig auch eine Schutzbehauptung. Da hat er die Sache völlig verdreht. Das hat er tatsächlich erzählt. Anfangs sei von Seiten des Kindes alles freiwillig geschehen.
Nils Wagner hat aber auch erzählt, er habe Angelina gefesselt, damit sie nicht davonlaufen könne. Dann hat er wieder behauptet, dass sie erstickt sei, dass sei ein Versehen gewesen. Er sagte, ich wollte nicht, dass sie stirbt. Aber sie ist gestorben und wir beide, du Klaus und ich auch, haben oft genug mit Fällen zu tun gehabt, in denen es um Tötungsdelikte geht.
Wir wissen, Opfer sind nicht nur die Verstorbenen, Opfer sind ja auch die Angehörigen des Getöteten, Freunde, alle, die sie oder ihn gern hatten und sie oder ihn jetzt nicht mehr in ihrem Leben haben können. Ja, das muss man unbedingt gerade in diesem Fall von Angelina betonen. Wie sehr der Tod eines Menschen viele andere zur Verzweiflung bringt, habe ich in meiner Zeit als Rechtsmediziner sehr oft miterlebt.
Die gesamte Familie, die Freunde des Opfers sind betroffen. Ich habe erlebt, dass Geschwister, Großeltern, Eltern und Freunde von Opfern todunglücklich waren im wahrsten Sinne des Wortes. Todunglücklich. Auch ich kenne solche Reaktionen aus meiner Arbeit als Gerichtsreporterin und auch aus Gesprächen mit Angehörigen, beispielsweise von Mordopfern.
Zurück zu unserem Fall, es sprach doch einiges dafür, dass Nils Wagner die Tat sogar vorbereitet hat, oder? Ja, ganz eindeutig. Dazu muss man Folgendes wissen zum Beispiel. In dem Keller, in dem die Tat sehr wahrscheinlich, man muss sagen, eindeutig begangen wurde, da wurde am Lichtschalter manipuliert.
Und zwar folgendermaßen. Eigentlich geht das Licht nach fünf Minuten automatisch aus. Die Tat muss aber länger gedauert haben. Und damit der Raum ausreichend lange beleuchtet ist, hat man am Schalter manipuliert? War das so? Ja, das hat sich eindeutig so herausgestellt. Es wurde eine Schraube gefunden, die da eigentlich nicht hingehört.
Aber wenn man sie unter den Schaltknopf für das Licht klemmt, bleibt das Licht an. Deshalb wurde im Zuge der Ermittlungen der Eindruck immer stärker, dass dieses Verbrechen sorgfältig vorbereitet wurde. Es war also vermutlich geplant. Das verstehe ich so richtig, ne? Genauso war es nach meiner festen Überzeugung. Bemerkenswert ist auch, dass der Verdächtige als ...
Der 17-Jährige, die Handschellen benutzt hat. Auch schon gleich Fesselungswerkzeug dabei hatte. Er hat Angelina geradezu professionell gefesselt. Und man fragt sich natürlich, warum hatte er das dabei? Alles spricht dafür, dass er das geplant hat. Er hat diese Handschellen doch angeblich vorher aus einem Nachbarkeller geklaut. So hat er es, meine ich, bei den Befragungen gesagt.
Naja, auch das spricht dafür, dass er die Tat geplant hat. Eins ist doch noch sehr wichtig für die Bewertung des Falls, was wir noch gar nicht besprochen haben. Du meinst das Motiv? Ganz genau. Die Frage war doch, warum tötet dieser Jugendliche das Mädchen? War es Mord? Hat er die Siebenjährige getötet, um den Sex mit ihr zu ermöglichen?
Oder um zu verhindern, dass sie ihn verraten kann, nachdem er sie missbraucht hat? Oder hat er Freude am Töten gehabt? Der Verdächtigte, später Beschuldigte und dann der Täter, der gab keinen Hinweis darauf, dass eines dieser Motive zutreffen könnte. Er versuchte, den Tod von Angelina als ein Missgeschick darzustellen, also dass sie quasi versehentlich durch die Art der Fesselung stranguliert wurde.
Er sagte, er sei hektisch gewesen. Aber diese besondere Form der Fesselung spricht schon dafür, dass der Täter sich mit solchen Formen der Fesselung befasst hat, finde ich. Ja, das sehe ich auch so. Aber hinterher betont er dann immer wieder, dass er das Kind nicht umbringen wollte. Für mich ist das einfach nicht glaubwürdig.
Nils Wagner hat ja auch einiges getan. Damit die Tat möglichst nicht entdeckt wird, beziehungsweise damit keine Spuren zu ihm führen. Er hat das Fahrrad von Angelina versteckt. Er hat mit einer Küchenrolle Blut und andere Spuren weggewischt. Und in der Vernehmung versuchte er dann, den Verdacht auf andere zu lenken.
Ja, wichtig ist auch noch, Bettina, dass wir jetzt einmal auf die Biografie des Täters eingehen. Und versuchen uns so der Frage zu nähern, warum hat er die Tat begangen? Also nochmal das Motiv. Die Kriminalpsychologin Claudia Brockmann, von der haben wir ja schon geredet, Die hat hierzu in ihrem Buch »Warum Menschen töten?« die Umstände dieses Falles sehr sorgfältig analysiert und dann nachvollziehbar aufgeschrieben.
Ich habe das auch gelesen, mit großem Interesse natürlich. Und ich erinnere, dass sie über die Biografie dieses Jugendlichen geschrieben hat, dass seine Eltern sich früh getrennt haben. Er hat teilweise bei den Großeltern gelebt, teilweise bei der Mutter. Er hat Probleme in der Schule, hat Frühkontakt zu Alkohol und Drogen.
Er schafft den Hauptschulabschluss, der ist aber nicht besonders gut. Dann findet Nils Wagner keine Lehrstelle. Er macht erste sexuelle Erfahrungen mit einem gleichaltrigen Mädchen. Die macht dann aber mit ihm Schluss. Und einen Tag später, so muss es wohl gewesen sein, begegnet Nils Wagner dann Angelina und lockt sie in den Keller mit den Folgen, die wir kennen.
Ja, vielleicht könnte man auch sagen, er fängt sie ab, als sie nach Hause kommt. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal ausdrücklich die Kriminalpsychologin Brockmann zitieren. Denn sie schreibt nämlich auch, die Biografie eines Menschen dient nicht als Entschuldigung für eine Tat. Noch weniger kann sie die Mutter eines ermordeten Mädchens trösten oder das Leid mindern, das ein Täter über eine Familie gebracht hat.
Aber wenn wir eine Tat bewerten wollen, dann müssen wir auch versuchen, sie uns zu erklären. Und das scheinbar Unerklärliche folgt doch einer inneren Logik. Es heißt in dem Buch auch, dass Menschen schon früh Fantasien entwickeln, die dann in der Pubertät größere Wucht entwickeln, dass diese Fantasien detaillierter werden.
Verbrechen wie das an dem sieben Jahre alten Mädchen befriedigen unter anderem das Bedürfnis der Überlegenheit gegenüber dem Opfer, schreibt Claudia Brockmann weiter, weil vieles dafür spreche, dass diese Tat geplant war deute dies auch darauf hin, dass es nicht Zitat, plötzlich über ihn kam auch nach der Tat verhält er sich kalkulierend.
Später, also im Frühjahr 2005, musste sich der Verdächtigte dann Beschuldigte in einem Prozess vor dem Jugendgericht verantworten. Ihm wurde Vergewaltigung sowie Mord zur Verdeckung einer Straftat zur Last gelegt. Das ist richtig. Der Prozess fand dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch die Urteilsverkündung war nicht öffentlich.
So will es das Gesetz. Denn im Jugendstrafrecht, und wir erinnern uns, Nils Wagner war zum Tatzeitpunkt 17, also im Jugendstrafrecht steht ja der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Stimmt, das bedeutet, dass es bei der juristischen Aufarbeitung von Straftaten von Jugendlichen und Heranwachsenden nicht um Sühne oder Vergeltung geht, sondern um die Sozialisation, die Resozialisierung des Verdächtigen und um die Prävention.
Ziel ist es stets, den jungen Täter durch pädagogische Einwirkungen von weiteren Straftaten abzuhalten und in die Gesellschaft zu integrieren. Das Gericht überlegt dann also, welche Maßnahme hilft diesem jungen Menschen am meisten, um künftig straffrei zu bleiben? Der Erziehungsgedanke, der bestimmt das gesamte Verfahren und auch die Auswahl der Sanktionen, die dann folgen kann. Und ja, davon gibt es eine ganze Palette, was dann möglich wäre.
Ja, ich bin kein Jurist, aber die möglichen Maßnahmen reichen von Erziehungsmaßregeln über sogenannte Zuchtmittel bis zu Jugendstrafen, also den Freiheitsentzug. So eine Jugendstrafe kommt nur unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht. Sie wird dann verhängt, wenn bei dem Angeklagten sogenannte schädliche Neigungen vorliegen oder die Schwere der Schuld festgestellt wird.
Also die Schwere der Schuld an einer Tat eine solche Maßnahme, also eine Jugendstrafe zwingend erfordert. Und im Fall um die Tötung von Angelina ging es vor allen Dingen um die Schwere der Schuld. So ist das. Schließlich war hier ein kleines Mädchen gewaltsam, sehr brutal zu Tode gekommen. Zurück zu der Tatsache, dass im Prozess gegen Jugendliche unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wird.
So soll ja eine Stigmatisierung vermieden werden. Das bedeutet, der Jugendliche soll sich für seine Taten verantworten können, ohne dass dies öffentlich breitgetreten wird. Der Ausschluss der Öffentlichkeit hat noch einen weiteren Zweck. So sollen Hemmungen abgebaut werden. Das bedeutet, wenn nur ein kleinerer, geschützter Kreis im Gerichtssaal anwesend ist, also du meintest hier Gerichtsstaatsanwaltschaft, Verteidigung, Nebenkläger und Angeklagter, dann erleichtert es dem Angeklagten.
Die Situation und er kann offen über die Tat und persönlichen Hintergründe sprechen. So ist jedenfalls die Theorie. Der Angeklagte im Prozess um die Tötung von Angelina war zur Tat seit 17 Jahren alt. Und beim Minderjährigen ist es die Regel, dass der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.
Deshalb wurde eben auch nur wenig über den Gang der Hauptverhandlung bekannt. Aber man erfuhr, dass er auch vor Gericht gestanden hat, die sieben Jahre alte Freundin seiner kleinen Schwester an diesem 13. Oktober 2004 vergewaltigt und erdrosselt zu haben. Und auch wie das Verfahren endete, wurde öffentlich erledigt.
Ja, so war das. Nils Wagner wurde wegen Vergewaltigung und Mord zu einer Jugendstrafe von acht Jahren verurteilt. Richtig. Das Gericht kam außerdem wegen eines psychiatrischen Gutachtens, das dem Verdächtigen eine schwere Persönlichkeitsstörung bescheinigte zu der Auffassung, dass der Jugendliche wegen dieser Störung möglicherweise auch in Zukunft Verbrechen begehen könnte.
Und deswegen eine Gefahr für die Allgemeinheit ist. Und deshalb wurde außerdem die Unterbringung von Nils Wagner in der Psychiatrie angeordnet. Folgendermaßen hat sich die Tat nach Überzeugung des Gerichts abgespielt. Angelina hatte am Abend ihres Todes gegen 18.15 Uhr das Elternhaus verlassen, um nur wenige Meter entfernt ihre Freundin zu besuchen.
Im Fahrstuhl traf sie dann zufällig auf Nils Wagner. Er lockte das Mädchen in den Keller. Wo er schon alles Mögliche vorbereitet hatte. Und dort vergewaltigte er das kleine Mädchen, wie auch schon beschrieben wurde. Dann erdrosselte er Angelina aus Angst vor einer Entdeckung seiner Tat. Nach der Urteilsverkündung kam es noch zu einem Tumult im Gerichtssaal.
Die Öffentlichkeit war ja nicht dabei, auch Journalisten waren nicht dabei. Aber es wurde trotzdem hinterher bekannt, dass darin etwas passiert sein muss. Und zwar Folgendes. Angelinas Mutter und ihr Lebensgefährte stürzten sich dann drinnen im Saal auf den jetzt Verurteilten, also auf den 17-Jährigen und traktierten ihn mit Fäusten.
Und vor dem Saal, die Leute, die davor waren, die haben dann gehört, dass jemand vor Schmerzen schreit. Das ist also offenbar dieser gerade verurteilte Jugendliche. Wachleute haben Mühe, ihn in Sicherheit zu bringen, so haben es damals Beobachter geschildert. Eine Zeit lang habe Chaos geherrscht, aber dann haben die Justizbeamten die Lage wieder im Griff.
Es hieß damals, dass der Angeklagte das Urteil, also die acht Jahre Freiheitsstrafe, ohne jede Reaktion aufgenommen habe. Ja, das mag so sein. Ich war nicht dabei. Wie gesagt, das war ja ohne Öffentlichkeit. Ich möchte aber dazu grundsätzlich sagen, wenn es wirklich so gewesen sein sollte, dass jemand so ein Urteil ohne Reaktion aufnimmt, dann heißt das ja nicht, dass ihm das nicht nahe geht.
Vielleicht hat er sich nur im Griff und möchte nicht zeigen, dass er bewegt dadurch ist. Also ich warne davor, davor jetzt irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen. Aber was wir wissen ist, dass Angelinas Großvater zu dem Urteil etwas gesagt hat. Der rang nach dieser Urteilsverkündung Umfassung. Und er sagte, zu niedrig sei diese Strafe.
Aber vollkommen egal, wie hoch sie sonst hätte auch ausfallen können. Zitat, zurückbringen kann sie Angelina nicht. Bettina, noch eins, was wir noch nicht erwähnt haben. Es gab einen wirklich sehr beeindruckenden Trauermarsch, mit dem mehr als 700 Menschen der kleinen Angelina gedacht haben. Sie trafen sich mit Fackeln, Kerzen und Laternen zu diesem Trauermarsch.
Angelinas Eltern hatten sich für eine öffentliche Beisetzung entschieden. Die Mutter wünscht sich, dass möglichst viele Menschen kommen. Damit soll daran erinnert werden, dass so ein Schicksal jeden treffen kann. Wir wollen ein Mahnmal für ein Umdenken setzen, so die Mutter. Ja, lass mich noch Folgendes sagen.
Als Rechtsmediziner. Dieser Fall, den habe ich noch sehr detailliert in Erinnerung. Ja, vor allem auch deswegen, weil ich ihn wiederholt mit meinem Freund Reinhard Zedor besprochen habe, der damals Leiter des Landeskriminalamtes war. Wir konnten als Rechtsmediziner dazu beitragen, diesen Fall exakt zu rekonstruieren.
Und zwar ganz anders, als der Täter dies die Ermittler zunächst glauben machen wollte. Es war schon ein sehr eingreifendes Geschehen mit Überfallen, Fesseln in einer sehr ungewöhnlichen Art. Vergewaltigung, dann Transport des Leichnams, Wiederankleiden des Leichnams, Verbergen in dieser Kiste. Also insgesamt eine sehr umfangreiche Rekonstruktion und jeder Schritt dieses Geschehens konnte von der Kriminalpolizei, der Spurensicherung und von uns tatsächlich, exakt rekonstruiert werden.
Und für diesen Fall gilt von daher das, was ich eingangs gesagt habe und auch schon häufig betont habe. Wir haben hier in diesem Fall im Leichnam gelesen wie in einem Buch und wir haben die Geschichte verstanden. Ich möchte noch zum Abschluss sagen, dass dieser Fall wirklich sehr, sehr bedrückend ist. Ich bin ja schon sehr, sehr lange Gerichtsreporterin.
Über 30 Jahre mache ich das jetzt. Und es gibt immer wieder Fälle, die mich besonders bewegen, die ich besonders traurig finde. Bei aller Routine ist dieser Fall doch einer gewesen, der sehr, sehr traurig und sehr, sehr bedrückend ist. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass es hier um ein kleines Kind geht.
Ein Mensch ist gestorben, der eigentlich sein Leben noch hätte vor sich haben können. Das ist wirklich sehr, sehr traurig. Ich bedanke mich bei unseren Hörern, dass sie dabei geblieben sind, dass sie diesen Fall von uns mit angehört haben. Natürlich ist das nicht die letzte Folge unseres Podcasts, dem Tod auf der Spur.
Wir machen weiter, wir werden über weitere Fälle berichten und hoffen, dass Sie dann wieder dabei sind. Und tschüss. Tschüss. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.