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Dem Tod auf der Spur: Die Jagd nach dem Täter· Folge 187

Auftragsmorde: „Es war wie ein wahr gewordener Alptraum“

Freitag, 7. August 2026 · 41 min

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Shownotes

Sie nannten sich Nutella Bande oder GMBH. Und diese Gruppierungen wollten jeweils das große Geschäft machen auf dem Kiez. Es ging um Glücksspiel und Prostitution. Dann wurden mehrere Wirtschafter erschossen. Es war eine Serie von Morden, die im Jahr 1985 ihren traurigen Höhepunkt hatte. Zunächst wurde ein Mann in Kiel erschossen, dann weitere in Hamburg und München. Der Täter in allen Fällen: Werner „Mucki“ Pinzner, ein Mann, der tötete, wenn er dafür ordentlich bezahlt wurde. Die Morde beging er jeweils mit seinem Revolver, meist mit einem Schuss von hinten in den Kopf des Opfers. „Das war damals eine dramatische Zeit in St. Pauli auf dem Kiez“, sagt Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel in „Dem Tod auf der Spur“, dem Crime-Podcast des Hamburger Abendblattes. Es sei zu Machtkämpfen von rivalisierenden Banden bekommen. Und eine zentrale Rolle bei den dann folgenden Geschehnissen hatte Werner Pinzner, genannt „Mucki“. „Er war ein Mann“, so Püschel, „der meinte, mit einer Knarre in der Hand werde er zum Supertyp, zum Superhelden, vor dem alle Respekt haben.“

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„Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts wurden von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und verfasst. Der Teaser wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) generiert.

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Die Stelle aus der Hamburger Rechtsmedizin. Der Crime-Podcast vom Hamburger Abendblatt. Moin und herzlich willkommen zu dem Tod auf der Spur, dem Crime-Podcast des Hamburger Abendblattes. Ich bin Bettina Mittelacher, Gerichtsreporterin beim Abendblatt. Und zu unserem Podcast gehört natürlich wie immer Rechtsmediziner Professor Klaus Püschel. Schön, dass du da bist.

Danke, Bettina. Und moin an unsere Hörer. Ja, unser Podcast hat mittlerweile Tradition. Wir haben mehr als 170 Folgen aufgezeichnet, das ist eine ganze Menge. Und es bleibt weiter spannend, heute sogar super spannend, finde ich. Absolut, das sehe ich auch so. In dieser Folge wollen wir uns nämlich einer Mordserie auf dem Kiez widmen, die vor 40 Jahren Hamburg erschüttert hat.

Nochmal mit aller Deutlichkeit, vier Jahrzehnte ist das jetzt her. Aber ich denke, dass sich viele Menschen in Hamburg und auch anderswo dort noch daran erinnern können, was damals passiert ist. Es kam zu aufsehenerregenden Auftragsmorden und dann zu einem hochdramatischen, sehr spektakulären und auch sehr traurigen Ereignis im Polizeihochhaus.

Wirklich das war hochdramatisch sozusagen, finale furioso endspiel das was damals passiert ist das hatte sich wohl niemand so vorstellen können es war wie ein wahr gewordener albtraum und. Und wir haben dazu mit fünf Zeitzeugen gesprochen, die ganz, ganz nah am Geschehen dran waren. Diese Zeitzeugen waren der Aufklärung und der polizeilichen und juristischen Aufarbeitung der Auftragsmorde und der Schüsse dann im Polizeihochhaus beteiligt.

Das spannende Ergebnis dieser Gespräche kann man auch in einer Serie lesen, die wir für das Hamburger Abendblatt ausarbeiten. Naja, und einer dieser Zeitzeugen bist natürlich du, Klaus. Ja, daran kann man mein Alter ablesen. Allerdings, es gab damals mehrere Tote. Ich war leitender Oberarzt im Institut für Rechtsmedizin.

Als solcher habe ich die Obduktionen der Opfer organisiert. die hier in Hamburg getötet wurden. In unserem aktuellen Podcast, also jetzt hier. Haben wir eine erste Folge, in der wir den schillernden Charakter des Auftragskillers Werner Pinsner vorstellen. Da wurde übrigens auch Mucki genannt, obwohl er wirklich gar nicht so freundlich und niedlich war.

Und dann wird es noch einen zweiten Podcast geben, in dem wir darstellen, wie er seinen Abgang inszeniert hat und was das damals für Hamburg bedeutet hat. Also das, was damals passiert ist, das hat ja wirklich die Stadt erschüttert. Genau. Drei Menschen sterben durch Schüsse und das in dem Polizeigebäude, das eigentlich als Hochsicherheitstrakt gilt.

Und sozusagen im Innersten, im Herz der Polizei. Wir reden also über die Ereignisse aus dem Jahr 1986, die dann in einen Showdown mündeten. Und zwar am 29. Juli dieses Jahres, also von 1986. Ich finde, dieses Datum hat sich in das Gedächtnis von Hamburg geradezu eingebrannt. Was damals passiert ist, versetzte die Stadt in Schock.

Führende Politiker von Hamburg mussten danach ihren Hut nehmen. Aber wir beide wollen uns ja auf die kriminalistischen Aspekte dieses Falls konzentrieren. Du, Klaus, warst damals. Seit etwa zehn Jahren Rechtsmediziner in Hamburg und hattest schon viele Menschen, die durch Schussverletzungen umgekommen waren, als Experte untersucht.

Das kann man wohl so sagen. Übrigens, lass mich nochmal an Folgendes erinnern. Das war damals eine dramatische Zeit in St. Pauli auf dem Kiez, also Mitte der 80er Jahre. Es ging um HIV, Aids. Dadurch war insbesondere das Geschäft mit der Prostitution sehr schwierig geworden. Auf dem Kiez ging es dann vor allen Dingen auch um Drogengeschäfte.

Der Drogenhandel blühte insgesamt. Die organisierte Kriminalität hatte ihre erste Blüte, so kann man das wohl sagen. Das wurde übrigens kürzlich sehr gut in einem Film dokumentiert. Und? Übrigens gibt es dazu auch eine wirklich sehr gute Ausstellung im Polizeimuseum, gerade auch zum Fall Pinzner. Und das Polizeimuseum möchte ich in diesem Zusammenhang noch einmal sehr empfehlen.

Ja, ich glaube, dem kann ich nur zustimmen. Einen Besuch sollte man wirklich dem Polizeimuseum abstatten. Aber ich empfehle dazu natürlich auch, hierzu vor allem unsere Bücher zu lesen, also unsere True-Crime-Bücher. die du, Klaus, und ich gemeinsam verfasst haben. Und um Pinzner geht es dabei in unserem ersten Buch, nämlich Tote schweigen nicht.

Okay, ja, danke für diesen Einschub. Jetzt wieder zu unserem Fall. Ich war damals zwar schon eine ganze Zeit im Fach und auch Oberarzt, aber das war dann wirklich alles andere als Routine. Das war ein extrem ungewöhnlicher Fall. Die zentrale Figur bei diesen Geschehnissen war ja Werner, genannt Mucki, Pinsner.

Er war ein Mann, der meinte, mit einer Knarre in der Hand wird er zum Supertyp, zum Superhelden, vor dem alle Respekt haben. Ja, das hat er wohl wirklich geglaubt. Der Hamburger Pinzner war jedenfalls keiner von der leisen Sorte, keiner, der das Verborgene schätzte und die Bescheidenheit. Ich bin der Eliminator, alle haben Angst vor mir. So hat er getönt.

Und als er schließlich der Polizei ins Netz ging, sagte er zunächst in Vernehmung, er habe fünf Menschen umgebracht und dafür Geldzahlungen erhalten. Tja, später sprach er sogar davon, er habe acht Auftragsmorde durchgeführt, und noch einmal dann bei seiner ersten Vernehmung, der ersten offiziellen Vernehmung, da behauptete er sogar, er wolle über elf von ihm begangene Morde aussagen.

Naja, und darauf schien der 39-Jährige sogar noch stolz zu sein. Also den Eindruck, dass er stolz drauf war, den konnte man allerdings haben. Pinzner sagte doch über sich selber, er sei Killer geworden, denn, so formulierte er es, ich zitiere, das Arbeitsamt hatte ja doch nichts für mich. Außerdem nannte er sich selbst mal Killer der Nation. Das ist ja nun nicht gerade ein Ausbildungsberuf.

Ehrlich gesagt ist das auch nicht so wirklich profihaft, wie er sich da präsentiert hat. Deswegen hat man ihn ja dann auch relativ bald gefasst. Naja, Bettina, du hast recht, aber so wie sich das Leben des 39-Jährigen entwickelte, war der Weg zum Kriminellen jedenfalls nicht ganz überraschend. Eher nicht, obwohl sein familiärer Hintergrund zunächst eigentlich unauffällig erscheint.

Werner Pinsner wird im Jahr 1947 in Hamburg geboren und zwar als Sohn eines Rundfunkmechanikers und einer Filialleiterin. Er wächst dann im Hamburger Stadtteil Bramfeld auf. Ja, so weit so gut, so normal. Aber dann in der Schule gibt es schon immer wieder Prügeleien, in die dieser Junge verwickelt ist.

Der schlägt übrigens auch seine Eltern. Als sein Vater ihn maßregelt, schüchtert das diesen Jungen keineswegs ein. Er rächt sich, stell dir das mal vor, indem er das Auto seines eigenen Vaters mutwillig beschädigt. Also das gab doch dann bestimmt Ärger. Später wird Pinsner mehrfach wegen Körperverletzung verurteilt, bekommt unter anderem 70 Tage Strafhaft.

Eigentlich will er sich dann, als er dann erwachsen ist, bei der Bundeswehr als Zeitsoldat verpflichten lassen. Aber wegen seiner Vorstrafen klappt das nicht. Naja, er heiratet dann, bekommt 1971 eine Tochter. Kurzer Einschub, Bettina. Deren Lebensgeschichte, also betreffend die Tochter von Pinsner, verläuft das alles ziemlich tragisch, vor allen Dingen nach dem Tod des Vaters.

Sie verstirbt im Jahre 2003 im Alter von nur 32 Jahren, völlig verarmt und drogenabhängig, nachdem sie zuletzt als Prostituierte gearbeitet hat. Ja, das klingt wirklich nach einem traurigen Leben. Aber wenn wir jetzt auf den Vater, auf Werner Pinzner zurückkommen, der hatte ja mehrere Jobs, von denen er keinen lange durchhielt.

Unter anderem hat er als Fahrer gearbeitet, als Fliesenleger. Seine Ehe, aus der diese Tochter hervorging, die scheiterte. Dann lernte er seine zweite Frau kennen, eine Frau namens Jutta. Jetzt springen wir mal an das Jahr 1975. Da beteiligte er sich an einem Raubüberfall, bei dem der Marktleiter erschossen wird.

Werner Pinzler wird daraufhin zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Davon sitzt er neun ab. Und diese Zeit da im Knast, die hat er, glaube ich, als ganz besonders schlimm empfunden, oder Klaus? Ja, das war offenbar so. Das hat er jedenfalls immer wieder zum Ausdruck gebracht. Er behauptet auch, er sei jedenfalls nicht derjenige gewesen, der auf den Marktleiter geschossen hat.

Später sagt er dann in einer Vernehmung über die Zeit im Gefängnis, das ist ein Zitat, ich saß neun Jahre im Zuchthaus und bin jeden Tag gestorben. Das klingt ja schon ziemlich dramatisch. Vielleicht hat Pinsner das doch ein wenig dramatisiert. Man darf nicht vergessen, er war ja immerhin an einer schweren Straftat beteiligt und hat dafür seine Strafe bekommen.

Jedenfalls nach Jahren im Gefängnis hat Pinsner wenig Bedenken, als er engagiert wird, um einem Mann aus Kiel, Zitat, eine Beizupulen. Was es mit diesem Auftrag auf sich hat, wirst du gleich erzählen, aber den hat er auf jeden Fall bekommen, als er noch im Knast saß. Ja, komischer Ausdruck, eine Beipulen.

Wir sollten erstmal erklären, was damit gemeint sein soll. Das mache ich gerne. Ich habe mich da so ein bisschen eingelesen, was damit gemeint gewesen sein könnte oder sehr wahrscheinlich gemeint ist. Konkret geht es darum, Pinzner soll den ehemaligen Bordellbesitzer, der angeblich wegen eines Familienstreits und einer offenen Konkainrechnung unbequem geworden ist, dem soll er auf den Kopf hauen oder ihm den Finger abhacken.

So ist es wohl in diesen Kreisen üblich, doch diese Methode, also ihm einen beizupolen, passt Pinzler nicht. Er sagt, er wolle es auf seine Weise machen, er quäle keine Leute. Er entscheidet sich, Zitat, Ich gehe hoch und knall den weg. Also wenn ich das so höre, Klaus irritiert mich das sehr. Pinsner sagt, er quält kleine Leute, sondern er knallt sie stattdessen ab. Das ist doch weitaus schlimmer.

Ja, ich finde, beides klingt ehrlich gesagt ziemlich übel. Aber natürlich ist es schlimmer zu sterben. Der Tod ist endgültig, da lässt sich nichts rückgängig machen. Aber ich nehme an, dass Pinsner folgendermaßen verstanden werden will. Wenn er jemanden umbringt, dann geht das schnell. Das Opfer kriegt nicht so viel davon mit, hat keine Schmerzen, leidet also nicht.

Speziell bei der Methode, die Pinsner üblicherweise einsetzt, darauf kommen wir ja noch. Ja, also wenn du sagst, das Opfer kriegt nicht viel davon mit, hat keine Schmerzen, leidet nicht. Das sei dann also nicht so schlimm. Das ist, finde ich, schon eine sehr, sehr eigene Logik, die Pinsner da offenbar verfolgt hat. Und ja, echt ganz schön heftig, finde ich.

Dem kann ich nur zustimmen. Jedenfalls ging es dann so weiter bei Pinsner. Er fährt im Juli 1984 während eines Freigangs aus dem Gefängnis, da saß er übrigens in Glasmohr ein, also da fährt er zusammen mit einem Komplizen nach Norden zu dem Mann, dem er eine Lektion erteilen soll in Kiel. Und diese Lektion oder dass er dem Mann eine Lektion erteilen soll, das hat Pinsner wohl sehr ernst genommen, denn er hat den Mann offenbar so sehr in Panik versetzt, dass dieser dann um sein Leben fürchtet und laut anfängt zu schreien.

Ja, genauso wurde das damals berichtet. Ein Zeuge sagte, das Opfer habe, ja jetzt wieder ein Zitat, also grauenhafte tierische Schreie ausgestoßen und zwar in dem Moment, als zwei Täter, also Pinsner und ein Komplize, den Mann in seiner Wohnung zu Boden stoßen. Dann haben sie sich wohl über den Mann gehockt, ihn mit den Händen am Boden fixiert und eine Schusswaffe an seinen Schädel gedrückt. Und dann?

Ja, erst nochmal zu diesem Mann. Der kreischt immer wieder, nein, nein, nein, nein, aber das nützt ihm nichts. Der Mann stirbt durch eine Kugel in den Hinterkopf. Dafür hat Pinsner dann sein Honorar bekommen. Ja, das sind 30.000 Mark, die Pinsner bekommen hat. Wir erinnern uns, damals gab es in Deutschland und auch sonst in Europa ja noch nicht den Euro.

Also wir reden von 30.000 Mark. Das ist Pinsners Lohn für diesen Job, den er zur Zufriedenheit seines Auftraggebers erledigt hat. Was wir da mal noch erwähnen sollten, es herrschte damals in Hamburg eine aufgewühlte Stimmung. Rivalisierende Banden wollen auf dem Kiez Stärke und Macht demonstrieren. Es geht um viel Geld und um Dominanz, um Bordellanteile und Kokain, um den Straßenstrich und um illegales Glücksspiel.

Ja, es kommt zu handfesten Auseinandersetzungen, die manche der Beteiligten hast du vorhin schon erwähnt. Naja, und mittendrin ist Werner Pinzner. Gut, zwei Monate später tötet er wieder, und zwar wiederum gegen Honorar, also als Lohnkiller. Und erneut ist das Opfer ein Zuhälter und wieder tötet Pinsner mit einem Schuss.

Ja, das klingt jetzt so, als arbeite er bei seinen Morden nach einem bewährten Muster. Auch für den Transport seiner Waffe entwickelte er eine gewisse Routine. Er hält sie in seinem bevorzugten Outfit verborgen, einer bequem sitzenden Jogginghose, die er mit Hosenträgern in Form hält. Also, damit sie nicht runterrutscht. Übrigens, Bettina, im Film werden Profikiller eigentlich immer anders dargestellt und nicht so leger mit Jogginghose.

Ja, also ich habe auch schon viele Krimis gesehen und auch welche, in denen Profikiller vorkommt. Und ich erinnere mich auch nicht, da jemals jemanden in Jogginghose gesehen zu haben. Die waren eher ein bisschen, ich finde, schicker gekleidet. Aber das heißt natürlich nicht, dass sie irgendwie das besser machen oder schlechter machen.

Es ist bloß eine Auffälligkeit. Jetzt kommen wir zu dem zweiten Opfer, auf das Pinsner es jetzt abgesehen hat, bei diesem zweiten Auftragsmord. Und dieses zweite Opfer muss ja wohl vollkommen arglos gewesen sein. Es hieß doch, dass der Mann sogar Pinsner selber noch zu dem Ort gefahren hat, wo der Lohnkiller dann das Opfer erschießt.

Ja, da hat Pinsner wirklich Kutzpil gehabt, denn er lässt sich von dem arglosen Zuhälter in dessen Wagen in eine stille Garageneinfahrt fahren. Pinsner sitzt auf dem Rücksitz, der Fahrer dreht sich zu ihm um, will sich mit ihm unterhalten, aber Pinsner. Habe sich so, also von Angesicht zu Angesicht, und das ist jetzt wieder ein Zitat, am Vollzug des unmittelbar bevorstehenden Todesschusses gehemmt gefühlt.

Das ist jetzt schon sehr gestelzt ausgedrückt. Also der wollte dem Opfer nicht ins Gesicht sehen. So heißt es zumindest später in offiziellen Akten im Prozess gegen seine mutmaßlichen Auftragsgeber. Ja, also er wollte ihn nicht erschießen, wenn er ihn anguckt. Und das haben wir jetzt gerade erklärt, aber Pinsner weiß diese Situation zu umgehen. Er ist offenbar clever.

Wir sind jetzt also wieder bei der Situation im Auto mit Pinsner auf dem Rücksitz. Er kriegt es jedenfalls hin, dass der Mann am Steuer sich wieder nach vorne wendet und zwar so. Er verwickelt den Mann in ein Gespräch und lenkt ihn durch eine Finte ab. Als der Mann dann nach vorne guckt, drückt Pinsner ab, also schießt.

Er schießt von hinten in den Kopf des Mannes. Offenbar ist das ja seine bevorzugte Methode. Und die Kugel bleibt dann im Schädel des Opfers stecken. Klaus, du hast ja einige Menschen, die an Schusswunden in den Kopf verstorben sind, rechtsmedizinisch untersucht. Magst du mal wirklich ganz allgemein sagen, welche Befunde es dann in einer Obduktion gibt?

Kurze Vorlesung. Rechtsmedizinisch sind die Fragestellungen klar. Erstens vor allen Dingen, wo ist der Einschuss? Dann gibt es Hinweiszeichen für einen Nahschuss oder sogar aufgesetzten Schuss. Zum Beispiel Schmauchspuren oder eine Schmauchhöhle. Was ist die Schussrichtung? Welches Projektil wurde verwendet, also welche Munition?

Und bei einem Steckschuss können wir dann für die ballistischen Untersuchungen das Projektil sicherstellen. Die Frage ist natürlich, gerade beim Kopfschuss sind unmittelbar lebenswichtige Zentren betroffen. Das hat Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit des Opfers und ob er noch irgendetwas weiteres mitbekommt von dem ganzen Geschehen.

Und wenn es dann mal mehrere Schüsse sind, können wir etwas sagen, zum Beispiel über die Schussreihenfolge. Also ich verstehe dich so. Zusammenfassend kann man sagen, ein Schuss von hinten in den Kopf verursacht jedenfalls schwerste Verletzung und im schlimmsten Fall ist der andere tot. So habe ich dich jetzt verstanden.

So war das gemeint. Ich habe es ein bisschen allgemeiner ausgedrückt. Ja, zurück zu unserem Fall. Ich weiß, dass das Opfer am Tag, nachdem auf ihn geschossen wurde, dann gefunden wird. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine harmlose Szenerie. Das Autoradio läuft und der Mann sitzt noch auf dem Fahrersitz.

Richtig, so war das. Ich habe die Auffindungssituation, den Protokollen entnommen. Ich war damals nicht selber am Tatort. Und ich habe mir die ganze Szenerie später von dem Mitarbeiter, der vor Ort die Szenerie selber gesehen hat, schildern lassen. Jedenfalls hat sich offenbar in der Szene herumgesprochen nach diesem Mord, dass Pinzner seinen Job gut erledigt hat.

Also aus Sicht der Auftraggeber oder aus Sicht jener, die vielleicht etwas ähnliches vorhaben, die Tat ohne viel Aufheben ist auch noch präzise ausgeführt, die bringt dem Auftragskiller rasch weitere Jobs ein. Ja, es gibt ja mehrere Männer, die anderen im Weg sind und die diese dann gern beseitigt haben wollen, also die ihre Konkurrenten gerne beseitigt haben wollen.

Die Motive ähneln sich vermutlich, die Auftraggeber halten ihre jeweiligen Geschäftspartner zunehmend für unberechenbar. Und der Grund für diese Unberechenbarkeit soll sein, dass die Geschäftspartner extensiv Kokain konsumieren. Genau, das spielt sicher eine wichtige Rolle. Das ist auch nachvollziehbar.

Kokain wirkt ja bekanntlich sehr stark stimulierend und euphorisierend. Man spricht im Jargon von Koks oder auch von Schnee, so heißt das in der Szene. Kokain wird aus den Blättern des südamerikanischen Kokastrauchs gewonnen. Es greift massiv in den Neurotransmitterhaushalt im Gehirn ein. Kokain blockiert die Wiederaufnahme von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Was ist das?

Das sind diese Botenstoffe im Gehirn, die eine besondere Rolle spielen im Belohnungssystem. Und das Belohnungssystem wird dadurch überflutet und, übersteigertes Selbstbewusstsein und ja, auch der Glauben an die eigene Leistungsfähigkeit, bis hin zu Allmachtsfantasien, ja, das tritt dadurch zu Tage. Müdigkeit und Hunger werden unterdrückt. Neuerdings.

Hat übrigens, ich spreche von der jetzigen Zeit, der Kokainhandel in Deutschland auch wieder stark zugenommen. Darüber wurde ja gerade berichtet. Eine besondere Form des Kokains ist übrigens, dass Crack und viele Rauschgift-Todesfälle sind auf Kokain und Crack zurückzuführen. Also das finde ich ganz wichtig, was du jetzt ganz zum Schluss gesagt hast.

Also Todesfälle, die auf diese Drogen zurückzuführen sind, also auf Kokain und auf Crack. Also man kann, glaube ich, auf jeden Fall sagen, dass Kokain hochgefährlich ist. Also heutzutage zurzeit sogar im Hinblick auf Todesfälle gefährlicher als Heroin. Also du hast ja auch von der stimulierenden Wirkung des Kokain gesprochen.

Und wenn das so ist, dann ist es ja auch kein Wunder, dass jemand, der das konsumiert, auf andere so wirkt, als sei er nicht mehr berechenbar. Also dass man dann sich viel zu viel zutraut, dass man ja unberechenbar wird. Ja, die drehen durch manchmal auch. Ja, das Skurrile ist allerdings Pinsner, der die schwer einschätzbaren Männer aus dem Weg räumen soll, der ist zu dem Zeitpunkt.

Längst selbst regelmäßiger Konsument diverser Drogen. Übrigens auch von Kokain. Ja, das ist wirklich ein bisschen merkwürdig. Eigentlich denkt man ja, dass Profikiller ganz besonders kaltblütig sind, hochgradig, vernünftig, zielstrebig. Das mit Pinsner ist eigentlich sogar völlig abstrus, aber für diesen Lohnkiller, war das offenbar kein Problem.

Er glaubt dennoch, seine Killerjobs zuverlässig ausführen zu können. Und Wochen später erledigt Pinsner dann einen weiteren Mann aus dem Milieu durch Schüsse. Diesmal geschieht der Mord in der Nähe von München. Die Leiche des Enddreißigers, wird auf einem Waldweg gefunden. Es geht übrigens wieder um Zuhälterei und diese Geschäfte auf dem Kiez.

Dieser Mann hat dann zwei Kopfschüsse erlitten. Zwei? Ja, genau. Der erste Schuss traf das Opfer von hinten. Also das kennen wir ja schon von Pinsner, die übliche Methode. Aber dieser Schuss war offenbar nicht sofort tödlich. Das zweite Projektil trifft das Opfer von der Seite. Das ist ein aufgesetzter Schuss, der von der Schläfe aus das Gehirn und wichtige Zentren durchschlagen hat.

Am Ausschuss ist ein größeres Knochenstück vom Schädel herausgesprengt. Der Schütze muss diese zweite Kugel abgefeuert haben, als das Opfer schon am Boden lag. Übrigens, Bettina, um das nochmal klar zu sagen, die eine Obduktion hat die Rechtsmedizin Kiel gemacht. Diese in München haben die Kollegen in München erledigt.

Das waren insofern also nicht unsere Sektionsergebnisse. Aber trotzdem, ihr habt ja mehrere Opfer von Pinsner in Hamburg auch obduziert. Und was du eben gerade erzählt hast über die beiden Schüsse, das ist dann ja vermutlich dort in München bei der Obduktion so rekonstruiert worden. Na klar, die arbeiten selbstverständlich genauso. Und ...

Für Pinsner ist die Situation trotzdem jetzt irgendwie enttäuschend. Trotz seiner schweren Straftaten darf er selbst nicht am großen Rad drehen. Er ist jetzt darauf aus, dass er mehr Respekt will. Die anderen sollen vor ihm zittern. Naja, ich würde ganz gerne nochmal zurückkommen zu dem Mord in München, über den wir gerade gesprochen haben.

Pinzner hat den Mord später in einer Vernimmung so geschildert, er sagte dazu, ich zitiere, von hinten habe ich ihm das Ding an die Birne gehalten. Und dann hat er ein halbes Jahr später zwei weitere Männer umgebracht. Einer von ihnen betreibt ein Bordell, der andere ist dessen Wirtschafter. Auch diese Opfer sterben durch Kopfschüsse. Und über seinen Auftraggeber hat Pinsner später dann in Vernehmung gesagt, bei dem hätte er, Zitat, fast eine Lebensstellung haben können.

Ja, also wirklich, dieser Pinsner war schon einer der spektakulären Mehrfachmörder. Der wohl bekannteste und gefährlichste Profikiller, der mir hier in Hamburg untergekommen ist. Und jetzt möchte ich darauf zurückkommen, was wir schon angekündigt haben. Wir haben ja zu diesen dramatischen Ereignissen, die damals Hamburg erschüttert haben, auch Zeitzeugen zu Wort kommen lassen.

Hören wir mal rein, was der damalige Chef des Landeskriminalamtes, nämlich Wolfgang Silaf, gesagt hat. Der Fall Pinsler ist einer der spektakulärsten Fälle der Hamburger Kriminalgeschichte. Erstmals wurden wir mit den Taten eines Auftragskillers konfrontiert. Wir gehen davon aus, dass Pinsler mindestens zwölf Morde auf Bestellung begangen hat.

Auftraggeber waren Zuhälter aus dem St. Pauli-Milieu, die sich rivalisierender Konkurrenten entledigen wollten. Tödlicher Höhepunkt war Pinslers Blutbad in der Orkadienstelle des LKA. Mitten in einer Vernehmung sprang Pinzler urplötzlich mit einem Revolver in der Hand auf, erschoss den ermittelnden Staatsanwalt, seine anwesende Ehefrau und sich selbst.

Das war zugegebenermaßen ein Stich in das Herz der Okadiensstille. Die Waffe war von Pinsners Ehefrau mithilfe der Rechtsanwältin in das Vernehmungszimmer geschmuggelt worden. Es war außergewöhnlich, dass er einerseits ein intensiver Drogenkonsument war, dass er aber dann offensichtlich bei seinen Tötungsdelikten ziemlich eiskalt agiert hat.

Übrigens, das wollte ich auch noch sagen, die Tatwaffe von Werner Pinsner war, mehrfach ein Revolver der Marke Arminius, Kaliber .38 Spezial. Die Kugeln, die er verschossen hat, wiesen eine Besonderheit auf. Das lag an der besonderen Struktur der Innenseite des Waffenlaufs. Der hatte nämlich zehn Züge nach rechts und das hat sich auf die Projektile, übertragen als eine Art Prägung und das galt dann tatsächlich als das Muster von Pinsner, zehn Züge rechts.

Also es war so ein bisschen sowas wie eine Visitenkarte? Ja, genau. Das war natürlich auf der anderen Seite nicht besonders klug, dass er immer wieder dieselbe Waffe eingesetzt hat. Und dadurch war es klar, dass es eben ein Serientäter war. Die Polizei hat das relativ schnell rausgefunden. Naja, vielleicht war Pinsler ja auch nicht die allerhellste Kerze auf der Torte. Man weiß es nicht.

Jedenfalls sagte der St. Pauli-Killer später selber über die Morde, dabei sei es nichts Persönliches gewesen. Er sagte, ich zitiere, es war mein Geld, was mich da motiviert hat, einzig und allein mein Geld. Die Summe, die er für die Auftragsmorde bekommen hat, mag man je nach Blickwinkel als relativ hoch empfinden oder auch als vergleichsweise niedrig.

Ja, was ist ein Menschenleben in diesen Kreisen wert? Zwischen 20.000 und 40.000 Mark bekommt er für eine seiner Hinrichtungen. Damals war das schon eine ganz schöne Stange Geld. Aber wenn man bedenkt, dass ihm, wenn er überführt und verhaftet wird, dann eine lebenslange Gefängnisstrafe droht, erscheint dieser Killerlohn doch wiederum auch nicht so üppig.

Es kommt schon darauf an, was man mit dem Geld vorhat. Jedenfalls im Milieu dann anerkannte Statussymbole wie etwa eine schillernde, Rolex oder ein protziges Auto, sind mit diesem Lohn von 20.000 bis 40.000 Mark nun nicht ohne weiteres erschwinglich. Vor allem nagt an Pinsner und seiner Eitelkeit, dass seine Ambitionen auf dem Kiez ins Leere laufen.

Eigentlich hatte man ihm ja versprochen, ihn am Geld, ihm an dem Geschäft mit der Prostitution zu beteiligen. Aber andere sehen in ihm eher den Mann fürs Grobe. Genau, ich habe ja vorhin schon gesagt, das war für Pinsner schon regelrecht enttäuschend, dass er nicht ins große Geschäft einsteigen konnte.

Er will aber vor allen Dingen sehr, sehr viel Respekt. Die anderen sollen vor ihm zittern. Offenbar ist ihm das nicht ganz gelungen. Dann ist ja Pinsner wegen eines seiner Morde festgenommen worden. Das war im April 1986, diese Festnahme. Sehr gut möglich, dass das im Milieu für Aufruhr gesorgt hat, dass er nun hinter Gitter saß.

Also, dass die Leute, die Mitwisser seiner Morde waren oder vielleicht sogar die Auftraggeber, dass die dann Sorge haben, dass er der Polizei zu viel verrät. Tatsächlich löst seine Verhaftung viel Unruhe auf dem Kiez aus. So manch einer, das ist auch der Justiz klar, könnte ihm jetzt nach dem Leben trachten, um einen Mitwisser für alle Zeiten mundtot zu machen.

Deswegen wird er immer wieder unter schwerer Bewachung ins Polizeihochhaus gebracht. Man befürchtet einen Anschlag auf ihn. Denn damals hieß es angeblich, auf ihn sein Kopfgeld von 300.000 Mark ausgesetzt. Also das Zehnfache von dem, was er selber bekommen hat. So viel ist es jetzt offenbar manchen wert, dass er keine Gelegenheit bekommt, etwas auszuplappern.

Ja, also 300.000 Mark und wir reden ja immer noch über das Jahr 1986, das war richtig, richtig, richtig viel Geld. Genau, der Prozess gegen die drei Männer, die, Pinsner damals beauftragt haben und mit ihm zusammen die Morde begangen haben. Der beruhte dann letztlich auf der Anklageschrift eines Staatsanwalts, den du ja jetzt auch persönlich noch einmal gefragt hast dazu.

Ein spannender Teilaspekt. Das Ganze läuft aber erst Jahre weiter. Das letzte Urteil fällt 1989 mit lebenslänglich. Und damit drei Jahre nach der Verhaftung von Pinsner. Wir haben vorhin darüber gesprochen, dass man Interesse gehabt haben könnte, Pinsner zum Schweigen zu bringen. Dass also Auftraggeber oder Mitwisser wirklich möchten, dass er nie wieder irgendetwas aussagt.

Es soll wirklich Pläne im Milieu gegeben haben, wie man Pinsner zum Schweigen bringen könne. Und ein Plan soll gewesen sein, dass er in ein bestimmtes Haus gelockt wird und dort erschlagen wird. Seine Leiche sollte anschließend in einer Badewanne ausbluten und dann in einem Fleischwolf zerlegt werden und Kampfhunden zum Fraß vorgeworfen werden.

Aber ich finde, das klingt sehr, sehr fies. Ja, das geht mir sogar als Rechtsmediziner so, dass es mir etwas kalt den Rücken runterläuft. Solche Methoden kennt man ja sonst aus Mafiakreisen. Aber Bettina, man darf ja nicht vergessen, die Rede ist nicht von einem unbescholtenen Bürger, der so beseitigt werden soll.

Es geht um einen Mann, der mehrere Morde auf dem Gewissen hat. Also der, wie ich finde, schlimmste wirklich Auftragskiller-Serienmörder hier in Hamburg. Ja, dass es dabei um einen Auftragskiller handelt, der auf diese Weise umgebracht werden soll, macht die Sache nicht wirklich besser, finde ich. Denn das muss man sich mal vor Augen führen. Ein Mensch soll umgebracht, ausgeblutet, in einem Fleischwolf zerkleinert werden. Also ich bleibe dabei, das klingt richtig heftig.

Gut, aber vermutlich wurden da ja auch ein wenig Sprüche geklopft und realisiert, hat man das Ganze ja dann auch tatsächlich nicht. Aber Bettina, wie ging es damals vor 40 Jahren weiter? So lange ist das ja her, haben wir schon gesagt, in gewisser Weise jetzt ein, in zeitlicher Hinsicht zu werdendes Jubiläum.

Tatsächlich kommt Pinsner dann bei einer der geplanten Vernehmungen im Polizeipräsidium um, und zwar auf sehr ungewöhnliche Weise. Ganz genau. Es sind keine Männer aus dem Milieu, die ihn töten. Die Tat läuft ganz anders ab. Es wird ein Verbrechen, das Hamburg wirklich in seinen Grundfesten erschüttert.

Allerdings und darüber wollen wir dann in unserem zweiten Podcast zu Pinsner reden, nämlich genau über das, was am 29. Juli 1986 im Polizeihochhaus passiert ist. Drei Menschen kommen in diesem Gebäude, das eigentlich als hoch gesichert gilt ums Leben. Ein finale Furioso, so habe ich das ja schon einmal genannt.

Naja, und was da genau passiert, davon erzählen wir mehr, wenn es beim nächsten Mal wieder heißt, dem Tod auf der Spur. Ja, wir verfolgen diese Spur weiter. Tschüss, bis zum nächsten Mal. Tschüss. Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de.

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