
Die Lage international mit Christian Mölling· Folge 298
Drohende Eskalation im Iran-Krieg: „Das könnte Netanjahu auf die Füße fallen“
Donnerstag, 2. April 2026 · 20 min
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Shownotes
Israel hat wachsende Schwierigkeiten, Raketenangriffe des Iran abzuwehren. Das könnte zum Problem für Premier Netanjahu werden. Hat er einen Plan, wie dieser Krieg enden soll?
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Es ist Donnerstag, der 2. April 2026. Hallo und herzlich willkommen zum Stern-Podcast. Die Lage international mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank European Policy Center. Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gassel. Ich bin Steffen Gassel, diplomatischer Korrespondent des Stern.
Herr Mölling, vergangene Woche haben Sie an dieser Stelle mit meiner Kollegin Miriam Holstein über die Frage gesprochen, welche Konsequenzen der US-geführte Krieg gegen den Iran wohl für den weiteren Verlauf des Ukraine-Kriegs haben würde. Seitdem hat es genau in dieser Frage interessante Entwicklungen gegeben.
Der ukrainische Präsident Zelensky ist in die Golfstaaten gereist und dort mit sehr offenen Armen empfangen worden. Offenbar haben der saudische Kronprinz und auch die Emiere von Katar und den Emiraten großes Interesse an den Erfahrungen und Fähigkeiten der Ukraine im Umgang mit Drohnen und anderen Geschossen russischer und iranischer Herkunft.
Und umgekehrt sprach Selenskyj nach seiner Reise durch die Golfstaaten von Systemen, die dort vorhanden sind und die umgekehrt die Ukraine gut gebrauchen könnte und er sagte auch, er habe mit den dortigen Herrschern über die langfristige Versorgung der Ukraine mit Öl und Gas gesprochen. Herr Mellin, könnte es sein, dass dieser Iran-Krieg, dessen Folgen ja gerade dabei sind, weltweit sozusagen die wirtschaftliche Entwicklung stark zu belasten, dass dieser Krieg jetzt ausgerechnet für die Ukraine zu so einer Art strategischem Vorteil wird?
Ich würde sagen, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Es ist eine interessante Entwicklung. Und ich glaube, das, was man für den Nahen Mittelosten sagen muss, ist, dass dieser Krieg wahrscheinlich... Eine ganze Menge an Veränderungen losgetreten hat. Nicht nur auf einer wirtschaftlichen, sondern auch auf einer politischen, geostrategischen Ebene.
Das kann man zwar jetzt noch nicht bemessen, was am Ende dann entstehen wird. Aber es bedeutet eine enorme Gestaltungsmöglichkeit, gerade jetzt am Anfang. Und ich glaube, dass das, was die Ukrainer machen, erst mal schlau ist, weil es eine Option ist. Das heißt, man bietet erst mal an, ob das sich das nachher materialisiert, weiß man nicht.
Aber man hat natürlich nicht den Luxus warten zu können. Von daher ist das, glaube ich, eine sehr schlaue Geschichte, das zu machen. Und natürlich ist völlig klar, was die Ukrainer wollen und brauchen. Das ist auf der einen Seite Geld, um mehr Systeme kaufen oder selber bauen zu können und möglicherweise eben auch eine Freigabe von Flugabwehrsystemen, die zurzeit im Nahen und Mittleren Osten in den Golfstaaten stationiert sind, die von den Amerikanern dort hingestellt worden sind.
Oder zumindest der Flugkörper, weil man die natürlich zu Hause braucht. Das ist im Grunde genommen der Wahnsinn, dass man innerhalb dieser kurzen Zeit mehr Patriot-Systeme, mehr Patriot-Raketen verschossen hat als innerhalb der gesamten Zeit im Ukraine-Krieg. Auch interessant fand ich, Dieses neue Selbstbewusstsein, was da irgendwie auf beiden Seiten sichtbar wurde, sowohl bei den Golfstaaten als auch bei der Ukraine, die ja alle sozusagen bisher, muss man vielleicht sagen, enge Verbündete der USA gewesen sind.
Und aber weder die eine noch die andere Seite, also weder die Ukrainer noch die Golf-Araber, haben es offenbar nötig gefunden, bevor sie da ihre neuen Zusammenarbeitspläne jetzt geschmiedet haben, die Trump-Regierung einzubinden und zu fragen, wie die das finden. In Washington ist man da sichtbar verschnupft drüber gewesen.
Und kurz nach der Reise hat es dann ein Interview gegeben mit dem ukrainischen Präsidenten, wo er auch wieder recht selbstbewusst aufgetreten ist und neuen Forderungen aus Washington nach einer raschen Verhandlungslösung mit Russland also offensichtlich und öffentlich eine Absage oder zumindest einen Dämpfer geben wollte.
Wörtlich hat Zelensky in diesem Interview gesagt, Zitat, Trump will ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs, aber schnell bedeutet auf jemandes Kosten. Ich werde keinen Frieden auf Kosten der Ukraine akzeptieren. Das unterscheidet sich ja doch deutlich von der Lage, noch vor wenigen Monaten, als der ukrainische Präsident immer wieder fast schmerzhaft, man konnte ihm zusehen, wie unangenehm das war oder wie sehr er sich verbiegen musste, aber er war immer wieder bemüht, sozusagen Verhandlungsbereitschaft zu signalisieren, trotz all der Unverschämtheiten und Demütigungen.
Durch Trump, um den US-Präsidenten einigermaßen bei Laune zu halten. Den Eindruck konnte man jedenfalls bekommen. Herr Merling, verschiebt sich da gerade was Fundamentales im Verhältnis zwischen den USA und ihren Verbündeten, sowohl in der Ukraine als auch im Nahen Osten? Und wenn das so ist, was bedeutet das für uns in Europa?
Ich würde es nicht eine fundamentale Verschiebung nennen. Also das wissen wir noch nicht. Aber ich würde es mal so interpretieren. Zelensky macht seit Anfang des Krieges ist quasi Hardcore-Diplomatie und muss ständig abwägen und vor allen Dingen seinen Gegenüber einschätzen. Wie stark ist der, was kann der und so weiter. Und ich glaube, dass er den Trump zurzeit, ohne dass er das öffentlich sagen würde, als extrem schwach einschätzt.
Die Erfahrungen der Ukraine der letzten Monate, nicht nur im direkten Austausch Ukraine-USA, sondern was macht die USA in anderen Regionen. Und ich meine, den Iran-Krieg vom Zaun zu brechen, ist ja was, wo wirklich alle sich an den Kopf gefasst haben. Wie kann man nur sowas schlecht geplantes einfach machen? Das ist nicht nur unverantwortlich, sondern einfach nur dumm.
Und ich glaube, dass das ein wichtiges Signal an Zelensky gewesen ist, dass Trump wirklich keinen Plan hat auf der einen Seite und auf der anderen Seite. Dass er aber auch nicht bereit ist, in letzter Konsequenz eine harte rote Linie irgendwo zu ziehen. Dass man immer wieder, dieses Bullien, was Trump eigentlich hat, das scheint möglicherweise auch in die andere Richtung zu funktionieren.
Mein Eindruck ist, dass das zumindest das ist, was Zelensky gerade versucht und was auch ein bisschen Merz versucht. Donald Trump hat ja in der vergangenen Nacht eine Rede an die Nation gehalten. Viele, vor allen Dingen in Europa, hatten befürchtet, dass er die nutzen würde, um die Drohung zu konkretisieren, die Trump selbst und auch sein Außenminister Marco Rubio ja zuletzt mehrfach gesetzt hatten.
Nämlich die, dass die USA ernsthaft überlegen würden, die NATO zu verlassen und ihre Truppen aus Europa abzuziehen, weil die aus Sicht der US-Administration undankbaren Europäer den Amerikanern ja Steine in den Weg gelegt haben bei der Logistik für den Iran-Krieg. Sei es Spanien, Italien oder Frankreich, die hier teilweise Luftraum oder Flugplätze für US-Militär in den letzten Tagen und Wochen gesperrt hatten.
Diese Drohung, die NATO zu verlassen, ist ja im Grunde genommen nichts Neues. Steckt da diesmal aus Ihrer Sicht mehr dahinter, Herr Mölling? Oder ist das wohl nur ein neuerliches Ablenkungsmanöver, um ein Stück weit von dieser desaströsen Lage abzulenken, in die Trump sich gegenüber Iran manövriert hat?
Ja, also ich meine, das Gute, in Anführungsstrichen, an dieser Administration ist hier ihre Unzuverlässigkeit. Das heißt, wir beide haben jede Woche was Neues zu berichten. Heißt aber eben auf der anderen Seite, dass die Antwort auf Ihre Frage auch ist, man weiß es nicht. Heißt aber umgekehrt auch, heißt zwei Dinge.
Heißt auf der einen Seite, man sieht, dass diese Anwälte. Dass der Droheffekt und der Angsteffekt, den solche Drohungen machen, der lässt ganz schnell nach. Das ist ein wichtiger psychologischer Effekt, den man auch in der Abschreckung kennt, dass wenn sie immer das Gleiche wiederholen und aber nichts anderes passiert, dass die Leute sagen, das hatte ich doch jetzt schon mal in den Film. Das ist das eine.
Das andere ist letztendlich, es bringt den Punkt, die Verpflichtung der Europäer, und das bedeutet nicht nur die Europäische Union, sondern die Staaten, die darüber hinausgehen, also sozusagen die NATO-Europäer, in die Verantwortung, einen Plan B zu entwickeln. Und das so schnell wie möglich im Grunde genommen. Nämlich die Frage zu beantworten, nicht nur, wie soll eine schnelle Verantwortungsübernahme durch die Europäer stattfinden, wenn die Amerikaner nicht mehr da sind.
Sondern was wären wir in der Lage, heute Abend bereitzustellen, wenn die Amerikaner nicht kommen, beziehungsweise Donald Trump den Hörer einfach nicht abnimmt. Denn die Amerikaner müssen aus der NATO gar nicht aussteigen. Das ist überhaupt nicht notwendig. es reicht, wenn der amerikanische Präsident bei einem Anruf nach dem Motto hier brennt gerade die Hölle und wir haben einen Angriff aus Russland, einfach den Hörer nicht abnimmt.
Dann muss Europa ja trotzdem in der Lage sein zu handeln, denn Europa ist dann das Ziel und nicht die Amerikaner. Das heißt, diesen Plan für den Fight Tonight, den brauchen die Europäer so schnell wie möglich und das bedeutet auch. Das ist die andere Binse. Wir kämpfen erstmal mit dem, was wir haben.
Aber das müsste man schon mal zusammengezählt haben und überlegt haben, wie man das intelligent dann auch zusammensetzt. Das ist ja eigentlich ein Baukasten, um das meiste dabei rauszukriegen. Das ist, glaube ich, die einzige Konsequenz, die man daraus ziehen muss. Das ist insofern bitter, weil man erledigt damit in gewisser Art und Weise das Geschäft der Russen, deren Ziel es immer gewesen ist, den transatlantischen Raum in zwei Zonen der Sicherheit zu spalten.
Aber man muss einfach anerkennen, dass wir nicht die Macht haben. Den amerikanischen Präsidenten und die amerikanische Administration in der NATO zu halten, wenn die sich dagegen entscheiden und sich dafür entscheiden, den Hörer nicht abzunehmen. Dann ist das für den Moment erstmal so. Und dann muss man diese Trennung akzeptieren und muss seinen Weg gehen.
Das ist Verantwortung den eigenen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber, nicht irgendetwas hinterherzutrauern, was es in der Realität möglicherweise gar nicht mehr gibt. Also kein Grund zur Erleichterung, nur weil Trump mal eine Rede nicht dazu genutzt hat, mit dem Ende der NATO selber zu drohen. Herr Meiling, wenn man das mal umdreht und das sozusagen aus Sicht US-Interessen betrachtet.
Diese Stützpunkte, mit deren Aufgabe da gedroht wird, ob das jetzt in Deutschland Rammstein ist oder in Italien Neapel oder Lake Heath in Großbritannien, wo ja im Moment die ganze Zeit US-Flugzeuge starten und landen, die dann im Iran auch zum Einsatz kommen. Wer hätte denn eigentlich den größeren Schaden, wenn diese US-Infrastruktur in Europa abgebaut würde?
Wäre das für die Europäer schlimmer oder für die Amerikaner? Also es ist immer die Frage, ob es sozusagen die Infrastruktur oder der politische Hebel dahinter ist. Wir haben den politischen Hebel an den Verpflichtungen, die nur der Amerikaner, die aufgrund der Truppenstatute innerhalb der NATO existieren, bislang nie in Zweifel gezogen.
Weil das macht man unter Alliierten nicht. So, jetzt haben wir Grönland gehabt, auf der einen Seite, also die Drohung mit einem Angriff auf einen Alliierten, und Iran mit dem Wunsch der Unverschämtheit, dass sich die europäischen NATO-Partner an einem Angriffskrieg beteiligen sollen, der auch noch so schlecht durchdacht gewesen ist, dass man sagen muss, der ist zum Scheitern verurteilt.
In der Situation sind wir jetzt gerade, Und man muss sagen, die Amerikaner werden den größten Schaden davon ziehen, nicht nur aus dieser Einzelaktion die Europäer zu bedrohen, sondern diese amerikanische Administration zerstört in Windeseile das Netzwerk an politischen, militärischen Verbindungen, die man über den Globus gespannt hat in den letzten Jahrzehnten.
Es ist atemberaubend. Es ist eine atemberaubende Geschwindigkeit, wenn die Amerikaner ihre Basen in Europa und vor allen Dingen auch gerade in Deutschland schließen wollen. Dann kann man nur sagen, viel Glück und viel Erfolg. Wir reden hier nicht nur von Rammstein als Drehscheibe im Flugbereich. Wir haben Hospitäler.
Wir haben eine digitale Infrastruktur, die die Amerikaner in Deutschland aufgebaut haben, die sie mal nicht einfach so morgen irgendwo anders hinstellen können. Das heißt alles nicht, dass das nicht passiert. Das heißt nur, dass diese Trump-Administration in der Lage ist, ihrem Land einen Schaden zuzufügen, der unendlich groß sein wird und der zum Vorteil der Chinesen und der Russen sein wird, die sich wirklich, glaube ich, gerade einfach wirklich in Ast freuen.
Blicken wir nochmal in den Nahen Osten. Dort erhöhen die kriegführenden Parteien ja weiter den Druck. Der Iran hat die Zahl seiner Angriffe gegen Israel wieder erhöht. Und offenbar gelingt es auch zusehends schlechter, die Geschosse aus dem Iran abzufangen. Zum Beginn des jüdischen Pessachfestes am Mittwoch hat es den wohl wirkungsvollsten Raketenangriff des Iran gegeben, unter anderem auf den Großraum Tel Aviv.
Da sind offenbar allein bei einem Anschlag 14 Verletzte zu beklagen gewesen. darunter Kinder. Israel wiederum fliegt weiter schwere Angriffe auf Iran und dort unter anderem jetzt auch auf die Infrastruktur. Das größte Stahlwerk des Iran, was auch das größte Stahlwerk des Nahen Ostens offenbar ist, ist schwer beschädigt worden.
Und das war ein Stahlwerk, aus dem der Iran Produktion auch wesentlich exportiert hat, also womit der Iran Geld verdient hat. Auch Standorte der pharmazeutischen Industrie oder Universitätsstandorte im Land sollen getroffen worden sein. Wenn sich diese Art von Angriffen fortsetzt, Herr Mölling, was bedeutet das für die Fähigkeit des Iran wirtschaftlich nach dem Krieg, wenn er irgendwann vorbei ist, wieder auf die Beine zu kommen?
Also wir sehen ja, dass der Ölhandel das sein wird, was die Iraner weiter betreiben können, denn damit haben sie auch in den ganzen letzten Jahren und Jahrzehnten Geld verdient. Das war die Option schlechthin, trotz aller Sanktionen gegen die Iraner, mit denen sie am Leben geblieben sind. Ich glaube, man bombt das Regime und die Bevölkerung hier in eine noch tiefere, prekäre Abhängigkeit zueinander. Das ist kein Liebesheirat.
Vielleicht mache ich jetzt einen total falschen Vergleich, aber es ist im Grunde genommen diese völlig dramatische Situation, wie wir es im Gazastreifen auch gehabt haben, dass sie eine Diktatur haben und ein Volk, das unterdrückt wird. Aber die Befreiung wird nahezu unmöglich im Grunde genommen sein.
Weil sie die Bevölkerung unterhalb die Lebenslinie im Grunde umdrücken. Sie machen die Leute so unfrei durch das, was sie da machen. Also man muss annehmen, dass möglicherweise auch die Israelis keinen Plan haben, wie sie das Ding wirklich gut zu Ende bringen wollen. Das Interessante ist aber, das, was Sie eben gesagt haben, ist halt die Zweischneidigkeit, diesen Krieg jetzt noch länger laufen zu lassen, bedeutet auch, dass wenn die Israelis tatsächlich zunehmend Probleme haben mit der Flugabwehr, dass.
Tatsächlich Netanyahu dann in einer Woche wirklich böse auf die Füße fallen könnte. Denn bislang konnte man das von sich abhalten und die Frage ist, kaufen die Leute ich sag mal, die Durchhalte, Taktik, Parolen nach dem Motto, wir müssen noch ein bisschen warten, dann ist die Bedrohung für immer weg.
Oder kann es sein, dass diese kurzfristigen Schäden dazu führen, dass das, was Netanjahu ins Schaufenster stellen will, nämlich die historische Schwächung des Iran, dass das auf einmal gar nicht mehr so wichtig ist in dem Zusammenhang. Ich glaube, dass die Israelis wirklich in der, mit einem hohen Maß an Existenzbedrohungsgefühl geboren sind.
Deswegen können sie das schon vielleicht wertschätzen, was Netanyahu ihnen da anbietet. Aber es ist schon ein echt zweischneidiges Schwert, diesen Konflikt weiterlaufen zu lassen, wenn damit die eigene Verteidigungsfähigkeit gleichzeitig sinkt. Donald Trump hat vergangene Nacht gesagt, oder diesen Zeithorizont aufgezogen, zwei bis drei Wochen, soll der US-Einsatz gegen den Iran aus seiner Sicht noch dauern.
Und während dieser Zeit, sagte er, wolle er wirklich extrem hart den Iran noch treffen. Die Amerikaner verlegen jetzt gerade weiteres Gerät und Truppen in Richtung Golfregion. In den vergangenen Tagen sind unter anderem Kampfjets vom Typ A-10 ausgelöst. Wird auch wohl Warzenschwein genannt, dieses Flugzeug in die Region gekommen.
Die dienen, habe ich mir eingelesen, für den sogenannten Close-Air-Support, also den Geleitschutz von Bodentruppen oder den Schutz von Truppen am Boden und Angriffe im Zusammenhang mit Boden einsetzen. Gehen Sie, wenn Sie diese Art von Verstärkung da sehen, Herr Möhrling, davon aus, dass diese Drohung mit dem Einsatz von Bodentruppen jetzt tatsächlich in der letzten Phase dieses Krieges, wenn es denn die letzte Phase ist, da umgesetzt werden kann?
Und wenn das zeitlich so begrenzt sein soll, zumindest von der Planung her, was können die denn dann sinnvoll machen? Denn diese Szenarien, die bisher immer herumgegeistert haben, Besetzung dieser Insel Chark, wo die wichtigsten Ölverladeterminals sind. Operationen an der Küste, um die Straße von Hormuz zu sichern, das sind ja alles Dinge, die macht man nicht in zwei, drei Wochen und geht dann wieder.
Wie deuten Sie diese Truppenbewegung? Ja, ich deute das so, wir sind einfach alle old school. Bei Donald Trump geht das eben alles. Ich glaube, das ist die einfache Antwort. Also hier, wir versuchen einmal mehr, Chaos zu rationalisieren und irgendwo eine Strategie in der Sinnlosigkeit sichtbar zu machen.
Und also wir sollten davon ausgehen, dass es sie nicht gibt. Weil das ist ja im Grunde genommen das gesamte Thema dieses Angriffs auf den Iran. Man muss einfach sagen, also aus israelischer Sicht macht das irgendwie alles Sinn. Das kann ich alles nachvollziehen. Aus amerikanischer Sicht macht das irgendwie alles gar keinen Sinn. und vor allen Dingen auch die ganze Strategie.
Also was man erreichen will und wie man es erreichen will, ist völlig unklar. Von daher kann man auch gar nicht sagen, ob diese Bodentruppen Mittel zum Zweck sind oder ob sie einfach nur etwas sind, was gerade passiert, weil Donald Trump es kann und weil er glaubt, dass das irgendwie jemanden tief beeindrucken würde.
Man muss sich, glaube ich, einfach nochmal die Zahl vor Augen führen. Wir haben jetzt, wenn ich es richtig sehe, 10.000 Soldaten, die alle Spezialisten für Luftlandeoperationen sind. Ja, das stimmt. Wir haben 3.500 Marinesoldaten da. Ja, das ist alles sehr beeindruckend, aber dieses Land ist riesengroß.
Und ich wäre sehr überrascht, wenn die Amerikaner bei einer Landeoperation nicht überrascht würden. Also ich meine, die Iraner haben das so oft durchgespielt, genauso wie alle im Golf diese Situation durchgespielt haben. Die Einzige, die es offensichtlich nicht durchgespielt haben, ist der amerikanische Präsident und sein Verteidigungsminister.
Und die spielen es jetzt gerade live durch. Das ist sehr tragisch und sehr fatal. Man kann es den amerikanischen Soldaten, würde ich fast schon sagen, von hier aus nicht wünschen, dass es zu einem Einsatzbefehl kommt. Weil es immer ein Hochrisiko, also in allen Szenarien, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten durchgespielt worden sind, zur Eroberung der Insel Kark, also dem Hauptölumschlagsplatz.
Waren das immer Szenarien, wo sie nicht gewinnen konnten oder nur ganz, ganz schwer gewinnen konnten. Wenn es was anderes ist, was man angreifen will, kann man auch überlegen. Zum Beispiel diese Uranvorräte, die da irgendwo unter Tage lagern angeblich noch. Genau, das würde bedeuten, sie wissen, wo das ist und sie kriegen das tatsächlich dann auch irgendwie raus.
Das ist ja nicht nur eine, das ist ja eine Spezial-Spezial-Operation. Ich hatte das glaube ich neulich schon, das ist eher so eine James-Bond-Nummer. Also extrem waghalsig, wir wissen nicht auf wie viele Behälter diese 400 Kilo aufgeteilt sind, ob es überhaupt 400 Kilo sind, vielleicht sind es viel mehr.
Stellen sie sich vor, sie kommen hin und stellen fest, oh shit, das ist sogar eine ganze Tonne. Was machen wir jetzt? Nehmen wir jetzt die Hälfte mit und lassen die andere Hälfte da? Oder wie machen wir es jetzt eigentlich? Oder ist gar nichts da, weil die Geheimdienste sehr skeptisch sind, ob das überhaupt da ist?
Also das ist alles in allem, muss man sagen, ob das zum Bodeneinsatz kommt oder nicht. Ich glaube, das kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand vorhersagen. Ich glaube, selbst Donald Trump weiß es nicht. Wir werden es erleben und werden dann besprechen, was die Lage hergibt für heute. Erstmal vielen Dank für Ihre Einschätzungen, Herr Mölling. Sehr gerne.
Das war die Lage international. Wenn Sie liebe Hörerinnen und Hörer Hinweise oder Fragen und Anregungen haben, schreiben Sie mir gerne eine Mail an steffen.gassel.de. Die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden Donnerstag auf RTL Plus und überall sonst, wo Sie gern Podcasts hören. Danke für Ihr Interesse.
Hoffentlich relativ friedliche Ostertage an alle. Und bis bald. Bis bald.