
Die Lage international mit Christian Mölling· Folge 299
Trumps Kontrollverlust: „Die Iraner werden das ausreizen, solange sie können“
Donnerstag, 9. April 2026 · 22 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Der Waffenstillstand zwischen dem Iran, Israel und den USA bleibt brüchig. Die prekäre Lage des US-Präsidenten ähnelt zusehends der eines anderen, düsteren Autokraten.
+++ Mit dem Code „LAGE“ bekommt ihr bei eurem ersten Wechsel 20€ Cashback unter wechselpilot.com/dielageinternational +++ Dieser Podcast wird vermarktet von Julep Media: sales@julep.de
Wir verarbeiten im Zusammenhang mit dem Angebot unserer Podcasts Daten. Wenn Sie der automatischen Übermittlung der Daten widersprechen wollen, melden Sie sich hier: datenschutz@julep.de
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Es ist Donnerstag, der 9. April 2026. Hallo und herzlich willkommen zum Stern-Podcast Die Lage international. Mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank European Policy Center. Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gassel. Ich bin Steffen Gassel, diplomatischer Korrespondent des Stern.
Herr Mölling, wie haben Sie eigentlich in der Nacht zu Dienstag geschlafen? Ich habe tatsächlich gut geschlafen, weil ich nicht daran geglaubt habe, dass das Ultimatum von Trump tatsächlich wahrgemacht wird. Das freut mich zu hören. Mir ging es ein bisschen anders und ich... Würde mich nicht wundern, wenn auch die eine oder der andere von unseren Hörerinnen und Hörern da mit etwas mulmigen Gefühlen vielleicht schlafen gegangen wäre in der vorletzten Nacht.
Darum lohnt es sich vielleicht, bevor wir auf die ganz unmittelbare Weltlage am heutigen Donnerstag blicken, doch nochmal der Blick diese paar Tage zurück. Was da im Raum stand zu Wochenbeginn, diese Drohung des US-Präsidenten, eine ganze Zivilisation auszulöschen im Iran, das war ja, so haben es jedenfalls viele verstanden, Die Drohung, auch eine Atombombe möglicherweise oder andere Massenvernichtungswaffen gegen den Iran einzusetzen.
Ein Land, dessen Bewohner Donald Trump als Tiere bezeichnet hatte. Nun ist es glücklicherweise und wie sie erwartet haben, doch nicht so schlimm bekommen, wie man vielleicht befürchten konnte. Statt der Apokalypse wurde dann urplötzlich ein Waffenstillstand ausgerufen. Trotzdem solche enthemmten Drohungen, wie Trump sie da ins Feld geführt hat.
Die kannte man bisher ja nicht mal von den dunkelsten Figuren unserer Zeitgeschichte. Was hat das für eine Wirkung, Herr Mölling? Was hinterlässt das für Spuren, wenn ein US-Präsident sich herausnimmt, andere auf so dramatische Weise zu bedrohen? Nehmen sich dann vielleicht andere daran ein Beispiel und tun das demnächst auch?
Naja, das haben wir ja schon. Also ich glaube, Trump stellt sich letztendlich immer mehr und mehr auf eine Stufe mit Leuten wie Putin. Was jetzt für ihn gar nicht dramatisch ist. Also er findet Putin ja einen tollen Menschen. Er kommt ja auch mit King-Wong-Un ganz gut aus. Und alles Leute, die genau solche Formen von Drohungen ja machen. Die ja die anderen Staaten mit Nuklearwaffen bedrohen.
Von daher ist das eigentlich eine Form von, wie soll man sagen. Naja, also im Effekt, wenn die Drohung mit dem Nuklearen normal wird, dann nimmt der Schrecken der Nuklearwaffen ab. Das ist im Grunde genommen, sie entwerten die Drohwirkung und die militärische und auch politische Drohwirkung dieser Waffe.
Also im Grunde genommen ist das, was sie eigentlich... Lange, was sie eigentlich unterschiedlich macht zu den Nicht-Nuklearwaffenstaaten, zumindest in dieser Logik, das demontieren sie im Grunde genommen selber. Also super schlau ist das nicht, aber wer hätte jetzt auch erwartet, dass das, was von Donald Trump in dieser Hinsicht kommt, schlau ist.
Ich meine, dieser gesamte Feldzug ist ein einziges Desaster und dass er vor der Weltöffentlichkeit im Grunde genommen, die Hosen runterlässt und diese Aussage macht und viele andere, die er in der letzten Woche gemacht hat und damit eigentlich, so würde ich es interpretieren. Eigentlich nur zeigt, dass er ohnmächtig ist, dass er sich selbst und die Lage nicht mehr im Griff hat und auch keine Handlungsoptionen mehr hat, sondern im Grunde genommen im Schach, würde man sagen, Atempo gespielt hat und die Eskalationsdominanz den Iranern überreicht hat, das ist schon echt dramatisch.
Und ich glaube, vor diesem Hintergrund, Und dieses globalen Seelenstrips, den er da gerade ablässt, muss man die Entwicklung der letzten Stunden und Tage, glaube ich, total einsortieren. Bei uns kommt der Krieg am Persön Golf ja vor allem in Form der allgemeinen Aufregung über die Spritpreise an und vielleicht noch der Sorge über die Flüge in den Sommerurlaub und der Frage, ob die denn dann stattfinden.
In den USA scheint es ähnlich zu sein. Das Wahlvolk nimmt dem Präsidenten ja zunehmend übel eben, dass der Preis für die Gallone Benzin seit Wochen steigt und steigt. Und entsprechend dringend soll der Präsident diesen Ausweg, den er dann ja angekündigt hat, auch gesucht haben. So dringend, dass er jetzt einen Zehn-Punkte-Plan, der im Wesentlichen sozusagen die Weltsicht und das, was der Iran erreichen will.
Runterdestilliert, als Arbeitsgrundlage von Verhandlungen akzeptiert hat und für einen ersten auf zwei Wochen angelegten Waffenstillstand. Die Frage ist nur, Herr Mölling, was ist dieser sogenannte Waffenstillstand eigentlich wert? Vor Ort im Nahen Osten scheint sich ja so gut wie niemand bisher daran zu halten, weder die Iran noch Israel noch andere Player im Libanon, von wo aus die mit dem Iran verbündete Hezbollah Israel beschießt sind.
Bei einem israelischen Großangriff haben Mittwochnachmittag über 150 Menschen ums Leben gekommen. Der Iran droht nun den Waffenstillstand seinerseits aufzukündigen, wenn die Angriffe Israels auf den Libanon weitergehen. Muss man also sagen, der Krieg, so sehr Donald Trump das vielleicht auch möchte, ist gar nicht vorbei, nur weil er sagt, wir haben jetzt Waffenstillstand, weil andere in der Region mehr davon haben weiterzukämpfen als aufzuhören?
Ich meine, es ist eine andere Parzelle dieses Desasters, das Problem, das Donald Trump erst geschaffen hat, nämlich die Sperrung der Straße von Hormuz. Jetzt im Grunde genommen seine eigene Falle ist. Also ich meine, das ist wirklich so, als ob die Maus sozusagen die Falle aufgebaut hat, den Speck drauf gemacht hat und sich danach selber sozusagen in diese Falle reinstürzt.
Absolut genial, wie man sich so ausbaldobern kann. Die Iraner werden diese Gelegenheit nutzen, weil Trump ja auch offengelegt hat, was seine Präferenzen sind. Also alles, was sie verhandlungstechnisch falsch machen können, ist hier falsch gemacht worden. Deswegen glaube ich, es wird keinen Waffenstillstand erstmal geben.
Die Iraner werden das ausreizen, solange wie sie können. Sie haben quasi die Israelis als sichere Bank dafür, dass weiter gebombt werden wird, weil die Israelis das wollen. Und Trump jetzt den kompletten Kontrollverlust hat, weil er Netanyahu zur Zeit erstmal nicht eingefangen kriegt. Netanyahu weiß, dass er irgendwann wahrscheinlich zustimmen muss.
Aber im Grunde genommen wird er jetzt alles rausholen. Das sehen wir daran, dass das Bombardement des Libanon in der letzten Nacht offensichtlich wohl das größte, stärkste, schlimmste gewesen ist seit Beginn der Offensive, seit Beginn dieses Krieges. Also das ist im Grunde genommen nur eine andere Facette des Trumpschen Kontrollverlustes, den wir hier sehen.
Und die Umlage, die er macht, ist dann auch eine globale. Also er legt im Grunde genommen die Verluste gerade global um. Das, was er vor allen Dingen im Auge hat, was ihn drückt, ist, dass seine eigenen Leute ihm irgendwann drohen, möglicherweise von der Stange zu gehen. Und auch das ist eine interessante Parallele, ich hoffe, ich begebe mich nicht auf zu dünnes Eis, zu der Situation, in der auch Putin steckt.
Der im Grunde auch gucken muss, ob er seine politische Linie durchziehen kann weiterhin. Und weil er genug Unterstützung hat. Das eine Mal, das ist der große Unterschied, ist es die eigene Klippokratie. Und das andere ist in den USA zumindest zur Zeit noch die Mischung zwischen den MAGA-Unterstützern von Trump und tatsächlich einer Bevölkerung, die noch eine Rolle spielt.
Es ist ja die Frage, diese weitergehenden israelischen Angriffe, die Sie gerade schon angesprochen haben, woher genau rühren die? Sie haben jetzt gerade sozusagen angeführt, die Motivation des israelischen Premierministers, eben genau diesen Waffenstillstand, den Trump so dringend möchte, herauszuzögern oder vielleicht zu intervenieren, weil Israel andere Interessen verfolgt.
Man hört ja aber auch und kann zwischen den Zeilen in einigen Meldungen lesen, dass in der Führungsspitze der israelischen Geheimdienste immer noch Leute glauben, dass man nur noch ein bisschen weitermachen müsste. Und dann würde dieses iranische Regime, was man aus israelischer Sicht so gern stürzen sehen würde, dann doch kollabieren.
Überrascht Sie das, dass die ja doch sonst sehr klug agierenden oder sehr gut informierten israelischen Geheimdienste diesem Szenario nach diesen 38 Tagen Krieg, die ja zu einer internen Stärkung dieses Regimes offenbar geführt haben, weiter anhängen? Nee, überrascht mich nicht. Also ich glaube, es ist ein interessantes Beispiel, weil sie haben recht, die Israelis sind, glaube ich, wie viele Geheimdienste in der Region, einfach super schlau und super effizient.
Und gleichzeitig gibt es immer diesen typischen menschlichen Mechanismus, den Sie gerade beschreiben, das Rabbit Hole oder die Pfadabhängigkeit, in die man sich begeben hat, weil man an die eigene Hypothese zu sehr glaubt. Und sie bestätigt sieht und genau glaubt, man könne jetzt nicht nur sich selber bestätigen, sondern über die Bestätigung von sich selber dem Rest des Landes was Gutes tun. Total normal.
Also es ist was, was wir immer wieder auch bei uns allen entdecken wollen, was wirklich nur menschlich ist. Und die Frage ist, ob sie institutionell Mechanismen haben, die diese Art von selbst erfüllender Prophezeiung oder wo man sich selbst sozusagen immer wieder Recht gibt und damit die Politik beibehält, wie man die ausschaltet.
Das gibt dafür Mechanismen. Die Frage ist, ob die Israelis diese Mechanismen außer Kraft gesetzt haben, weil die gesamte Institution möglicherweise so denkt oder zumindest keinen starken Widerspruch erzeugt. Und das ist, man kann jetzt sagen, könnte ja im Prinzip auch sein, dass es möglich ist. Die Anzeichen sind zum jetzigen Zeitpunkt eben nicht so.
Aber das ist natürlich genau das Argument, wo dann jemand, der sagt, wir müssen nur weitermachen, sagt, naja, ihr seht das halt nur nicht, aber ich beschäftige mich halt so lange damit, ich sehe die Cracks im System und es dauert nicht mehr lange. Sie haben gerade schon die Situation mit der Straße von Hormuz angesprochen und gesagt, die Iraner werden das jetzt für ihre Zwecke nutzen und die Situation ausbeuten, solange sie können.
Wenn wir einmal noch den Schritt zurück machen und uns erinnern, wie der Krieg begann oder mit welchen Zielen argumentiert wurde zu Kriegsbeginn seitens USA und auch seitens Israel. Nämlich der Bedrohung durch das iranische Raketen und durch das Atomprogramm Herr zu werden, dann ist es ja schon bemerkenswert, dass jetzt sozusagen am vorläufigen, zumindest Kriegsende, eben was völlig anderes im Vordergrund steht, nämlich die Frage, wie kriegen wir diese Seehandelsroute durch die Straße von Hormuz wieder auf. diese Wendung, Ist ja zunächst mal ein strategisches Fiasko für die USA, auch für Israel, das liegt auf der Hand, das haben sie schon beschrieben.
Umgekehrt frage ich mich aber diese Logik, die Iraner haben gewonnen, die Iraner können das jetzt maximal zu ihren Gunsten wenden, was da passiert ist und was sozusagen federführend Donald Trump da in sehr wenig strategischer Art und Weise sozusagen herbeigeführt hat. Das ist ja die eine Seite. Die andere Seite, die so ein bisschen für mein Gefühl ein bisschen hinten runterfällt, ist ja die Frage, wie sieht es denn überhaupt für das Regime in Teheran jetzt aus?
Es ist nicht kollabiert unter amerikanischen, israelischen Bomben. Das ist sicher so. Aber die wirtschaftliche Not im Iran, die ja schon im Januar 100.000 dort auf die Straße getrieben hat, die hat dieser Krieg ja absehbar nur verschärft. Es sind wichtige Fabriken bombardiert worden. Das ist wichtige Rohstoffinfrastruktur, andere Dinge, Brücken sind kaputt gegangen.
Also die Probleme, vor denen das Regime intern steht, die sind ja auf jeden Fall größer geworden und die Mittel damit umzugehen, auf jeden Fall kleiner. Was ziehen Sie da für einen Schluss draus über die Lage, in der sich das Regime in Teheran jetzt befindet? Also vor die Klammer gezogen, ich bin wirklich kein Experte für den Iran.
Ich versuche es mal sozusagen plausibel für mich zu erklären. Und wahrscheinlich steht es so ein bisschen unter der Überschrift, die Nordkoreanisierung des Iran. Also ich glaube, wir hatten das letzte Woche auch schon angesprochen, wir haben eine ähnliche Armutsprekariatssituation im Gaza auch gehabt.
Das hat nichts daran geändert, dass egal wie schlecht die wirtschaftliche Situation ist, ein Regime in der Lage ist, andere zu unterdrücken und damit diese anderen auszupressen. Und ich glaube, dass die Tatsache, dass der Iran jetzt von außen bedroht ist, führt ja nicht dazu, dass ihm die Gewaltmittel zur Unterdrückung seiner Bevölkerung fehlen.
Und er hat ja genau demonstriert, dass er bereit ist, im Angesicht einer Bedrohung diese Unterdrückung fortzusetzen. Und dazu bereit ist, das auch allen zu zeigen und auch der Weltöffentlichkeit zu zeigen, indem man reihenweise die eigene Bevölkerung ermordet. Und so, glaube ich, wird es weitergehen.
Dieses Regime hat einen Überlebenswillen, den hat es gezeigt, so muss man das sagen. Und das muss einem, glaube ich, in diesem Augenblick. Wenn ich das so sage, dann klingt das ja erst mal positiv. Da hat jemand einen Überlebenswillen, da kämpft jemand. Nein, auch dunkle Regime haben einen Überlebenswillen.
Und sie sind darauf optimiert, oder sie müssen viel weniger Rücksicht nehmen, weil sie eben nicht eine ganze Bevölkerung, eine Demokratie mitnehmen müssen, sondern sie müssen nur einen Sicherheitsapparat mitnehmen. Dass dessen Einnahmen jetzt reduziert sind, das ist natürlich ein wichtiges Problem auf der einen Seite.
Aber wenn jetzt nochmal, zurück auf die Spekulationen der Israelis, dieses Regime würde kollabieren. Ein Regime, glaube ich, kollabiert nicht in sich. Das ist kein Soufflé, sondern es muss kollabiert werden. Also da muss jemand aktiv das Messer in die Hand nehmen und reinstechen. Und das tut er oder sie nur mit der Hoffnung, dass es besser wird.
Ich glaube, dass der amerikanische Angriff und der israelische Angriff nicht dazu geführt haben, dass die Hoffnung jetzt gestiegen ist, dass es besser werden kann. Dieses Regime demonstriert nach außen und nach innen hin. Oder nicht demonstriert, kommuniziert aktiv. Wir widerstehen. Also ich meine, die strategische Kommunikation der Iraner dieses dunklen Regimes ist nichtsdestotrotz brillant und präzise.
Das muss man wirklich sagen. Es ist wirklich knallhart, was die machen. Und es ist so professionell, dass es auch auf unsere Audiences hier im Westen auch abgestimmt ist. Dass die spielen mit unseren Narrativen, mit den Dingen, die wir im Kopf haben. Und die gleiche Professionalität in der Kommunikation, nicht in den gleichen Bildern, erwarte ich, dass die Iraner das nach innen hin machen.
Dieses Regime wird in seiner Brutalität nicht geringer werden, sondern je mehr es gereizt wird zu überleben, umso mehr wird es das nach außen tun. Ich glaube, dieses Regime ist da alternativlos, bedingungslos sein Überleben zu schützen. Ich finde das total gut, dass Sie das nochmal so auf den Punkt gebracht haben, auch wenn wir letzte Woche vielleicht das ähnlich schon mal angesprochen haben, Weil ja diese humanitäre Situation, das ist ein Land mit über 90 Millionen Einwohnern, schon wieder vor lauter Strategie, Israel, USA, links, rechts, aus dem Blick gerät, auch über die humanitäre Lage in Gaza, die desaströs ist und eigentlich schlimmer wird.
Woche für Woche redet überhaupt keiner mehr. Und dass dieser Krieg nun sozusagen in einem so großen Land solche desaströsen Folgen für die Zivilbevölkerung hat, glaube ich, kann man nicht oft genug noch mit erwähnen. Am Wochenende beginnen jetzt, oder sollen muss man ja sagen, Gespräche über eine dauerhaftere Lösung der Krise am Persischen Golf in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.
Und Donald Trump schickt dem Vernehmen nach nicht Steve Whitcoff, seinen bisher Unterhändler für alles, persönlichen Freund aus Immobiliendealtagen in Miami, sondern er schickt den Vizepräsidenten J.D. Vance nach Islamabad. Der soll da mit Vertretern Irans verhandeln, ob direkt oder indirekt, ist noch nicht klar.
Also ob die sich wirklich in die Augen gucken und in den selben Raum setzen oder ob da irgendwelche pakistanischen Unterhändler von links nach rechts und rechts nach links zwischen den verschiedenen Parteien dann hin und her laufen. Interessant ist ja aber der Umstand, dass das jetzt Vance machen soll, der sich ja im Verlauf dieses Krieges auffällig zurückgehalten hat.
Und eben nicht mal Witkow, der ja auch die Gespräche mit dem Iran bis unmittelbar vor dem Krieg geführt hatte. Was glauben Sie lässt sich daraus ableiten, Herr Mölling? Na vielleicht, also ich spekuliere jetzt mal, vielleicht, dass man versucht, Vance damit quasi auf Linie zu bringen oder zu halten. Vance gehört ja glaube ich zu denjenigen, die von diesem Krieg nichts gehalten haben und die eigentlich die amerikanische Linie mit verfochten haben, dass die Amerikaner keine Kriege mehr führen sollten.
Jetzt haben sie nicht nur einen Krieg, sondern auch wirklich einen richtig schlechten Krieg vom Zaun gebrochen. Und Vance muss natürlich fürchten, wenn er damit in Verbindung gebracht wird, dass die Teile der Republikaner oder der MAGA-Bewegung, die fundamental gegen diesen Krieg sind, sich im Grunde genommen von der Regierung abwenden und damit seine Chancen auch sinken können.
Der nächste Präsident möglicherweise zu werden. Und diese Absetzbewegung, die man in seinem Schweigen erkennen kann, die kann man natürlich versuchen, so wieder die Reihen zu schließen und Vans auch mit in die Verantwortung zu nehmen, indem man ihn da hinschickt und sagt, jetzt kannst du das verhandeln.
Das heißt, er wird damit betraut, den Scherbenhaufen, den er vielleicht gar nicht haben wollte, jetzt wieder zu kitten, damit es ein Erfolg für das Team Trump wird. So kann man es, glaube ich, sehen. Auch das ist auf der rein mechanistischen Ebene völlig normale Bewegung von sozialen Organisationen. Das würden sie bei uns genauso sehen.
Das würde man in Deutschland oder in anderen Ländern im politischen System immer so sehen, dass diese Absetzbewegung, das Schweigen versucht wird zu durchbrechen, wenn man das sieht, dass jemand aus dem Team ausbüchsen könnte. Indem man eben versucht, ihn solche schlechten Aufgaben oder solche schwierigen Aufgaben zu übertragen.
Zum Schluss nochmal der Blick zu uns nach Deutschland. Das Wall Street Journal berichtet aktuell, dass der US-Präsident die NATO-Alliierten in Europa für ihre mangelnde Unterstützung während des Iran-Kriegs bestrafen wolle. NATO-Generalsekretär Mark Rutte war ja vergangene Nacht im Weißen Haus und danach gab es auffälligerweise nur ziemlich schmallippige Statements.
Rütter hat sinngemäß gesagt, das sei ein offenes Gespräch unter Freunden gewesen, was wohl heißt, es war extrem frostig. Trump hat ja bei verschiedenen Gelegenheiten seine Entrüstung und seine Enttäuschung darüber, dass die NATO ihm da im Iran nicht beigestanden hat, schon zum Ausdruck gebracht. In Rede steht nun laut Wall Street Journal die Schließung mindestens eines US-Stützpunkts in Deutschland oder in Spanien.
Was für Szenarien wären da mit Blick auf Deutschland am ehesten zu befürchten, Herr Merling? Das weiß ich gar nicht. Ich würde es, glaube ich, erst mal andersrum drehen. Man muss schon ein bisschen vorsichtig sein, was man sich da sozusagen wünscht und als Ziel setzt. Also Trumps Aussagen führen, wie wir gleich in dieser gesamten Situation, zu wirklich perplexen, schrägen Situationen.
Er hat ja gesagt, er will dann sozusagen die Truppen umdisponieren und in andere Länder schieben. Das heißt, er schiebt sie im Grunde genommen dann näher an die Ostfront, also Richtung Russland. Was bedeuten wird, dass er dann wieder einen Telefonanruf aus Moskau bekommt, was er denn da jetzt wieder für einen Mist machen würde.
Man würde sich da nicht so wunderbar wohlfühlen. Aber weil natürlich genau die Länder, die weiterhin auf die Unterstützung der Amerikaner am meisten hoffen, also Rumänien, Polen, am meisten geholfen haben. Warum hoffen die? Weil sie hoffen, dass die Amerikaner ihnen gegen die Russen helfen. Und ich glaube, das ist sozusagen die perplexe Situation, dass man im Grunde genommen überhaupt nicht darüber nachdenkt, was man da eigentlich gerade macht.
Das zweite Punkt ist, diese Basen erfüllen in Deutschland einen Mehrwert für die Amerikaner, sonst wären sie nicht da. Ja, also man kann gerne Grafenwöhr als Übungsstandort schließen. Dann muss man sich die Frage stellen, wo üben die Amerikaner in Zukunft dann eigentlich? Können sie in Ostpolen machen?
Dann müssen sie die ganze Infrastruktur da aufbauen. Viel Glück dabei. Und wer will in Ostpolen wohnen? Also das ist wirklich, die Debatten hatten wir alle schon. Rammstein schließen, wenn die Amerikaner nicht wollen, ist das Letzte, was sie wollen. Ich glaube, man wird aber genau in so eine Diskussion dann irgendwann reinkommen, Dass man sagen muss, naja, wenn ihr jetzt wirklich packen wollt, dann werden wir möglicherweise ein Wörtchen dabei mitreden.
Denn so einfach ist die Situation nicht mehr. Und was man total vergisst ist, die Amerikaner haben Infrastruktur in Deutschland, die sie global nur einmal haben. Das sind Rechenzentren und andere Sachen. Also es ist Ausdruck dieser Organisation und dieser Administration und dieses Präsidenten wirklich nicht mehr darüber nachzudenken, welchen Schaden sie vor allen Dingen für das amerikanische Volk und den amerikanischen Staat hier begehen.
Vielen Dank für Ihre Einordnung heute, Herr Mölling. Sehr gerne. Das war die Lage international. Wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, Hinweise, Fragen oder Anregungen haben, dann schreiben Sie mir gerne eine Mail an steffen.gassel.de. Die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden Donnerstag auf RTL Plus und überall sonst, wo Sie gern Podcasts hören.
Danke für Ihr Interesse und bis dahin. Bis zum nächsten Mal.