
Die Lage international mit Christian Mölling· Folge 297
Experte Mölling warnt: Auch Deutschland könnte ins Visier des Iran geraten
Donnerstag, 26. März 2026 · 19 min
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Shownotes
Auch Deutschland könnte ins Visier des Iran geraten
Unterzeile: Deutschland ist laut dem Experten Christian Mölling stärker vom Iran-Konflikt betroffen als angenommen – Sicherheitsrisiken rücken zunehmend in den Fokus.
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Es ist Donnerstag, der 26. März 2026. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Die Lage International, einem Podcast des Stern. Mir zugeschaltet ist Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank European Policy Center. Und mein Name ist Mirjam Holstein, Chefreporterin Politik beim Stern.
Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Frau Holstein. Von den vielen alarmierenden Nachrichten, die uns aus dem Iran erreicht, fand ich eine besonders alarmierend aus europäischer Sicht. Nämlich, dass vor ein paar Tagen zwei iranische Koram-Shafi-Raketen den britischen Inselstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean erreicht haben.
Sie haben ihn zwar nicht getroffen. Die eine ist offenbar aufgrund einer technischen Panne von selbst abgestürzt. Die andere ist abgeschossen worden. Aber, und jetzt kommt der entscheidende Punkt, Diego Garcia liegt rund 4000 Kilometer von der iranischen Küste entfernt. Und bislang war man ja immer davon ausgegangen, dass iranische Raketen eine maximale Reichweite von 3000 Kilometern haben.
Zwischen Berlin und Teheran beträgt die Luftlinie etwa 3500 Kilometer. Müssen wir uns Sorgen machen? Und wie effizient schätzen Sie die Abwehrsysteme der NATO ein? Also erstens, ja, wir müssen uns Sorgen machen. Ich war sehr erstaunt, dass wir eigentlich diesen Krieg reduzieren auf das Gebiet, wo er stattfindet.
Und unsere Ölpreise und das Völkerrecht, das sind so die beiden Dinge, die die Deutschen, glaube ich, am meisten bewegen oder die zumindest in der öffentlichen Debatte nach vorne gespielt werden. So muss man es, glaube ich, sagen. Es gibt ja eine sehr ungleiche Behandlung dieses Konfliktes und des Konfliktes in der Ukraine mit Blick auf die Frage, Was ist denn eigentlich sozusagen unser Anteil daran? Also der Bundeskanzler und andere auch, das ist nicht unser Krieg. Natürlich ist das unser Krieg.
Aber diese Reichweite, die selbst, wenn sie nicht für viele Raketen gilt, ist zumindest natürlich erstmal was, wo man sagen muss, ja, das ist eine Bedrohung. Umgekehrt ist es allerdings auch so, dass genau deswegen wir natürlich angefangen haben, sowas wie das Arrow-3-System zu beschaffen, die nicht gegen alle Raketen wirken.
Aber es ist nicht so, dass man diese Bedrohung nicht auf dem Schirm gehabt hätte. Ob das jetzt alles funktionieren wird, das kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, weil wir sehen ja, dass alle Abfangversuche gegenüber iranischen Raketen in Richtung die Türkei erfolgreich gewesen sind. Aber das sind möglicherweise nicht die gleichen Systeme wie die, die uns hier bedrohen.
Das eine ist ja die technische Frage und das zweite wäre sozusagen die politische oder auch strategische Frage. Sie haben gesagt, das ist unser Krieg. Ich glaube, in Deutschland gibt es so sehr die Haltung, naja, wir verhalten uns ja sehr neutral. Das wurde uns ja auch von Israel immer mal wieder zum Vorwurf gemacht, dass wir mit Blick auf den Iran immer versucht haben, auf Diplomatie zu setzen.
Und deswegen für den Iran so wahrscheinlich die Hoffnung oder der Glaube auch nicht als potenzieller Gegner im Blick waren. Es gab bislang auch keine Anzeichen dafür, dass der Iran sozusagen uns im Blick haben könnte. Er hat ja jetzt auch in diesem Krieg Israel und amerikanische Militärbasen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Oman beschossen.
Aber nun gibt es natürlich auch eine wichtige amerikanische Militärbasis in Deutschland, nämlich in Rammstein. Und das ist ja nicht nur das Drehkreuz für die Logistik der amerikanischen Truppen bei Einsätzen im Nahen Osten, sondern auch Relaisstationen für amerikanische Drohnen, die nicht von den USA aus gesteuert werden können.
Jetzt hat vergangene Woche Irans Botschafter in Deutschland die Bundesregierung gefragt, ob der amerikanische Stützpunkt in Rammstein für Angriffe auf den Iran genutzt werde. Muss man das auch so ein bisschen als Drohung in unserer Richtung verstehen? Das kann man so verstehen. Ich glaube, hier geht es im Wesentlichen darum, auch in der öffentlichen Debatte das alte Narrativ hochzuholen, Deutschland unterstützt den Krieg über die Rammstein-Basis.
Das kann man sogar so sehen. Wir haben neben Rammstein viele, viele andere amerikanische Militärinstallationen oder Infrastruktur, inklusive vor allem großer Datenzentren hier in Deutschland. Und wenn Sie ein bisschen weiter rumgucken, dann haben wir einen großen NATO-Stützpunkt in Italien, von wo aus das Kommando teilweise geführt wird, also in Nerpel.
Also wenn Sie so wollen, kann Europa oder kann auch Deutschland relativ einfach Zielscheibe sein, diese Idee. Oder ich will jetzt mal eine eigene Ebene höher drehen. Wir sehen in diesem Konflikt eigentlich die Rückkehr der deutschen Reflexe. Sie haben es eben schon gesagt, wir versuchen uns klein zu machen und dann kommen wir bestimmt unter dem Radar drunter durch.
Das Überleben des israelischen Staates ist deutsche Staatsräson. Das heißt, wir sind einer der am meisten verpflichteten Staaten, zumindest aus der politischen Rhetorik heraus, gegenüber Israel und einer der immer weniger werdenden Freunde Israels. So muss man das, glaube ich, sehen. Das ist der Punkt eins. Der zweite Punkt ist, letzte Woche, glaube ich, war eine Konferenz, wo der Chef des Verfassungsschutzamtes, also des Bundesverfassungsschutzes, aufgetreten ist und er gesagt hat, er hat zurzeit nichts anderes zu tun, als iranische Aktivitäten in Deutschland zu tracken.
Also es geht nicht darum, dass die Iraner nicht zu uns kommen, die sind schon da. Wir sind Operationsgebiet und auch Rückzugsgebiet für iranische Aktivitäten des Geheimdienstes, was auch immer man sich vorstellen kann, was Iran terroristisch macht. Das ist eine Terrororganisation, die global operiert und deswegen ist dieser rhetorische Rückzug und das Engstellen der Debatte, ich sag's nochmal, auf die Frage des Erdölpreises und des Völkerrechts, so wie der Bundespräsident das gemacht hat, eine sehr selektive Gestaltung des öffentlichen Diskurses, wo man versucht, all diese anderen Punkte, die sehr unangenehm sind, nämlich die Frage, was machen wir denn jetzt eigentlich.
Die hält man gerade aus der Debatte raus. Das sind die klassischen deutschen Antworten, Wirtschaft und Völkerrecht, also Good Doing und Geld verdienen. Aber nur um das dann nochmal zusammenzufassen. Sie würden also sagen, wir müssen in Szenarien denken, wo der Iran auch, auch wenn es nicht unmittelbar bevorsteht, mutmaßlich, wo Europa, Schrägstrich auch Deutschland, angreifen könnte oder zum Beispiel auch Terrorakte hier verüben könnte im Rahmen dieses Konflikts. Ja, na klar, absolut.
Und ich meine, es hätte, jetzt muss man sozusagen die Mappe, glaube ich, nochmal ein bisschen, die Karte ein bisschen weiter öffnen. Der Iran ist verbündet mit Russland, das heißt also aus russischer Sicht wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn die Deutschen Angst bekämen vor Raketen, die aus dem Iran kommen, weil dann hätten sie auch mehr Angst vor den russischen Raketen.
Das ist ja die Debatte, die wir hier bei uns haben mit den russischen Atomdrohungen. Hier geht es nicht um eine Rakete, die atomarisch meinen Kopf trägt. Aber ich glaube, so differenziert ist die Debatte bei uns nicht. Insgesamt hilft das im Grunde genommen, würde es helfen, die Kriegsangst und die Hasenfüßigkeit in Deutschland wieder nach oben zu bringen.
Dann schauen wir mal genauer auf die aktuelle Dynamik des Krieges. Das vergangenen Samstag hat Trump ja damit gedroht, sämtliche Energiekraftwerke zu zerstören im Iran, wenn dieser die Straße von Hormuz nicht binnen 48 Stunden wieder freigeben würde. Das Ultimatum wurde dann wenig überraschend. Es wäre am Dienstag ausgelaufen, am Montag wieder einkassiert.
Da hat er die Frist für fünf Tage verlängert und erklärt, es gäbe Gespräche zwischen den USA und dem Iran, was vom Iran dementiert wird. Und es ist ja fast, also wenn es nicht so dramatisch wäre, müssen wir fast sagen, es ist ein bisschen lustig, weil Trump sagt, also die eine Seite sagt, es gibt Gespräche, die andere sagt, es gibt keine Gespräche.
Trump sagt jetzt, der Iran hat einfach zu große Angst zuzugeben, dass es Gespräche gibt. Der Iran sagt, Trump lügt, was diese Gespräche betrifft, um den Ölhandel zu beruhigen. Was glauben Sie, was stimmt? Also im Detail weiß ich es sicherlich nicht. Ich glaube, es ist eine wunderbare Lektion, die wir gerade in Echtzeit kriegen über Krieg in der Informationssphäre.
Also wo es darum geht, wie man Singer das mal bezeichnet hat, die Like Wars zu gewinnen, also meine Beliebtheit zu steigern. Wenn wir sehen, was zurzeit an Propaganda sowohl aus den USA kommt, als auch aus dem Iran kommt. Wenn man in die sozialen Medien reinguckt, das ist, also die Iraner, muss man wirklich neidlos anerkennen, sind hochprofessionell.
Was die zurzeit an Videos raushauen bei TikTok und sonst irgendwo, wo sie versuchen, die Narrative, die man in diesen Konflikt reinlegen kann, warum Trump das macht. Also Epstein-Affäre und Netanyahu hat ihn reingebracht und all diese ganzen Sachen, das ziehen die in einer Popkultur hoch, das ist absolut krass.
Kann man jedem nur empfehlen, sich das einfach mal anzugucken, so geht erfolgreiche Propaganda oder strategische Kommunikation. Und Trump sieht dagegen gerade total schlecht aus. Er verliert diesen Krieg auf der Informationsebene vor den Augen der ganzen Welt gerade, weil er nichts mehr eigentlich militärisch anzubieten hat, nichts, was die Iraner zum jetzigen Zeitpunkt beeindrucken würde und ihn gleichzeitig nicht besonders viel kosten würde.
Das ist, glaube ich, die jetzige Situation. Also aus der Sicht kann man sagen, steht die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Trump diesen Konflikt schon verloren hat. Ja, es ist immer wieder bemerkenswert, wie sehr offenbar von amerikanischer Seite die Blockade der Straße von Hormuz als Trumpf in diesem Konflikt unterschätzt wurde.
Trump hat ja jetzt offenbar einen 15-Punkte-Plan dem Iran vorgelegt, mit Bedingungen für ein Kriegsende, zum Beispiel freier Schiffsverkehr auf der Straße von Hormuz, aber auch, dass die Atomanlagen, mehrere Atomanlagen außer Betrieb gesetzt werden. Der Iran hat, auch mit einem Forderungskatalog wohl berichten zufolge reagiert, der unter anderem besagt, dass die USA alle Militärstützpunkte rund um den persischen Golf räumen müssten.
Auf welcher Seite sehen Sie da das Momentum, wenn ich Sie richtig verstehe, sehr klar auf der iranischen Seite? Ja, also die Amerikaner und die Israelis, das muss man, glaube ich, hier zusammen nennen, haben das Momentum verloren. Also die Möglichkeit zu bestimmen, in welche Richtung dieser Konflikt eigentlich geht.
Der ist, ich weiß nicht wann genau, also müsste man jetzt mal zurückgucken, im Grunde genommen in Stocken geraten, spätestens wahrscheinlich mit der Straße von Hormuz und als man keine Antwort auf die Frage hatte, ja was machen wir denn, wenn die Iraner die Straße von Hormuz sperren. Zu der Sperrung muss man sagen, das hatten alle auf dem Schirm, offensichtlich außer der amerikanische Präsident und sein nationales Sicherheitsteam.
Die hat man sich offensichtlich komplett im sogenannten Groupthink verloren und gedacht, man kriegt das irgendwie schon hin, weil man, ich weiß nicht, was beseelt war durch den Maduro-Erfolg in Venezuela, was eine völlig andere militärische Operation war. Aber das ist jetzt wieder so ein Sachargument. Das zählt ja in diesem Zusammenhang nicht.
Also die Iraner haben aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit zum jetzigen Zeitpunkt das Momentum. Sie haben es geschafft, die militärischen Strukturen zu dezentralisieren im Moment des intensiven Konfliktes. Man ist in der Lage, auch wenn auf niedrigerem Niveau, weiterhin Raketen abzuschießen. Und es ist noch kein Ende in Sicht von dieser Fähigkeit.
Und die Amerikaner stehen da und haben tatsächlich keinen Plan, wie sie diesen Konflikt zu Ende bringen wollen. Und die Israelis hoffen, dass die Amerikaner die Tür noch so lange wie möglich offen halten, um so viel wie möglich von ihren Zielen zu erreichen. Was jetzt nicht die Ziele der Amerikaner sind. Aber auch da, glaube ich, sind die Zeichen der Zeit, dass innerhalb der nächsten zwei Tage möglicherweise das ganze Thema beendet wird. und auch die Israelis aufhören müssen, den Iran zu bombardieren.
Interessant ist ja, dass seit Kriegsbeginn, also vorher soll es ja tatsächlich Gespräche mit dem Iran gegeben haben, in denen der Iran, das iranische Regime zu weitreichenden Zugeständnissen bereit gewesen sei. So wurde berichtet, ob es stimmt, weiß man nicht so genau. Aber interessant ist ja, dass seit Kriegsbeginn der Iran zumindest öffentlich auf alle Aktionen der USA mit knallharter Gegenaggression reagiert.
Also überhaupt keinerlei einlenken und man den Eindruck gewinnt, dass Trump zunehmend die Nerven verliert. Ja, ich glaube, das ist eine korrekte Beschreibung. Also ja, der Iran war für den Moment geschockt, als man Kamenel getötet hat und andere Leute aus der ersten und zweiten Reihe getötet hat. Aber offensichtlich hat sich das Regime so lange darauf vorbereitet, dass man all das, quasi überleben könnte und immer dann, wenn iranischer Führer ausgetauscht wird, man einen neuen hat, ob das jetzt so immer funktioniert.
Aber das ist das Narrativ, das der Iran streut. Und ich glaube, dass man sich genau darauf eingelassen hat und ich glaube, was man vergisst in dem Zusammenhang, in der Täter-Opfer-Logik, die wir zurzeit haben, nach dem Motto, Iran ist ja das Opfer, die Amerikaner haben angegriffen, das ist ja das Argument des Völkerrechts.
Dies ist ein Terrorstaat, der seit Jahrzehnten Terror als seine Waffe sieht, nach innen und nach außen. Das heißt, er ist professioneller Gewalttäter. Und das heißt, es ist alles hier, was wir hier gerade erleben, glaube ich, im weitesten Sinne durchgeplant. Und in der Situation klein beizugeben, wäre ja tatsächlich genau der Türöffner dafür, das Momentum zu verlieren.
Und der Iran ist, glaube ich, in einer anderen Situation als die Amerikaner. Der Iran kämpft um sein Überleben. Oder nicht der Iran, die iranische Führung, die derzeit die iranische Führung kämpft, um ihr Überleben. Für Trump steht es zumindest nicht direkt sein Leben in Gefahr. Und deswegen sind die Situationen, glaube ich, auch anders. Und ich glaube, dass die Iraner diese Situation komplett durchgespielt haben.
Die haben sich auf die Eventualitäten über Jahre und Jahrzehnte eingestellt, dass das irgendwann kommen könnte. Interessanterweise die Golfstaaten zu einem gewissen Teil halt auch. Der Einzige, der sich irgendwie gar nicht darauf eingestellt hat, ist offensichtlich der amerikanische Präsident. Dann zum Abschluss einmal noch kurz die Frage, was glauben Sie, wird sich dieser Krieg auf den Krieg in der Ukraine auswirken, wenn überhaupt?
Jetzt hat Zelensky gerade gesagt, es gäbe maximalen Druck aus den USA, zu einem Friedensschluss zu kommen, weil man sozusagen da diesen Konfliktherd weghaben möchte. Und unter anderem mit der Forderung, dass die Ukraine den Donbass komplett abgeben sollte. Glauben Sie, dass Trump da nochmal in diese Richtung weiter den Druck erhöht oder glauben Sie, dass letztendlich die Energie so absorbiert sein wird, dass der Ukraine-Krieg dann doch wieder bei ihm so ein bisschen an die Seite gerät sozusagen und er dann nicht weiter, also jetzt in der kommenden Zeit aktiv versucht, Dinge einzufordern oder zu bewegen?
Also das erratische Handeln des amerikanischen Präsidenten wird weiterhin sozusagen zentrales Charakteristikum von allem sein. Das heißt, alle Akteure lernen auch jetzt gerade, Also wie gesagt, die Weltöffentlichkeit schaut hier gerade zu, dass der amerikanische Präsident ziemlich kurzatmig unterwegs ist und sehr strategielos agiert.
Das hat Folgen sowohl für die Situation. Oder ich will es anders mal sagen, überall da, wo die Amerikaner historisch eine zentrale Rolle spielen, als Sicherheitsgarantie oder als Alliierter von irgendjemandem, hat das jetzige Agieren der jetzigen Administration noch einmal unterstrichen, dass sie unberechenbar ist im Grunde genommen.
Das hat Rückwirkungen sowohl für Israel, als auch dann sozusagen die Golfregion und die weitere Region dort. Das hat aber Rückwirkungen für alle anderen, auch für uns in Europa. Das heißt, diese amerikanische Administration, die ja angeblich immer noch die Schutzmacht innerhalb der NATO ist, ist bereit, einen Angriffskrieg vom Zaun zu brechen, auf der einen Seite, aber ohne Strategie.
Und darauf sollen wir jetzt setzen. Auch das wird ja in der Öffentlichkeit bei uns gar nicht thematisiert, wie das Verhältnis eigentlich zueinander ist. Wie soll man jemandem vertrauen, der völlig kopflos in einen Konflikt reingeht und ohne Not einen Krieg von Zaun bricht, von dem eigentlich klar war, unter den Bedingungen ist der nicht zu gewinnen. Das heißt, das ist eine Rückwirkung auf der strategischen Ebene.
Auf der militärischen Ebene haben die Amerikaner durch das, was sie da gemacht haben, jetzt schon quasi die strategische Tiefe, also das, was an Munition, militärischen Fähigkeiten und so da ist. In erheblichem Maße reduziert. Das heißt also, das fehlt uns gerade an strategischer Tiefe. Die Amerikaner verlieren deswegen in gewisser Art und Weise auch an Wert, es sei denn, die Abschreckung in Europa basiert, wie das bei vielen so ist, eigentlich nur auf dem Prinzip Hoffnung. Aber auf der militärischen Seite hat man ein Minus zu verzeichnen.
Und für die Ukraine bedeutet das eben zum jetzigen Zeitpunkt weiter Unberechenbarkeit. Zelensky hat ja diese Forderung, das ist das Besondere, öffentlich gemacht, die Trump dargestellt hat mit der Abgabe von Donetsk. Und von daher glaube ich, dass man jetzt... Für einen Moment lang den Druck auf die Ukraine erhöht. Dass Trump aber einfach, weil er sich ständig in irgendwas verliert, auch hier wieder die Aufmerksamkeit verlieren wird.
Und die Frage ist, ob man überhaupt Druck gegen ihn aufbauen kann in dem Zusammenhang. Russland sieht sich, obwohl es auf dem absteigenden Ast war, jetzt erstmal für den Moment gestärkt. Die haben eine Atempause gekriegt. Oder ich will mal sagen, der Verfall ist etwas abgebremst worden. Da ist natürlich die Rückwirkung, sobald der Ölpreis wieder runtergeht, und das tut er zurzeit, er ist jetzt schon unter 100 Dollar, spült es weniger Geld in die Kassen rein.
Die Ukraine gleichzeitig ist dabei, eine der größten Kampagnen im Nordwest Russlands zu machen, also im baltischen Raum, in dem es versucht, die Ölreserven oder die Ölverschiffungsmöglichkeiten Russlands weiter zu degradieren. Und die Frage ist, wie die Amerikaner darauf reagieren werden. Also überall ist im Grunde genommen mehr Unsicherheit oder im Grunde genommen sogar für uns Europäer weniger Sicherheit. Das Ergebnis dieses Konfliktes, weil die Amerikaner sich als unberechenbarer Partner dargestellt haben.
Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Mölling. Sehr gerne. Das war die Lage für heute. Wir hören uns wieder am Donnerstag, 2. April. Dann werden wir wahrscheinlich auch wieder ein bisschen mehr auf die Ukraine schauen, je nachdem, was sich im Iran entwickelt. Und wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, in der Zwischenzeit mehr über die Entwicklung im Iran oder auch über die militärischen Details der Koram-Shaffier-Raketen wissen wollen, dann schauen Sie gerne auf unsere Website www.stern.de.
Bis dahin. Bis dann. Tschüss.