Die Lage international mit Christian Mölling· Folge 300

Experte sieht Iran als möglichen Gewinner des Krieges mit den USA

Donnerstag, 16. April 2026 · 19 min

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Shownotes

Trotz US-Gegenblockade könnte der Iran langfristig gestärkt aus dem Konflikt mit den USA hervorgehen. Politologe Christian Mölling erklärt, welche strategischen Vorteile Teheran nutzen – und welches zweite Land ebenfalls profitiert.
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Es ist Donnerstag, der 16. April 2026. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Die Lage International, einem Podcast des Stern. Mir zugeschaltet ist Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank European Policy Center. Und mein Name ist Miriam Holstein, Chefreporterin Politik beim Stern.

Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Frau Holstein. Herr Mölling, am Wochenende sind ja die Iran-USA-Verhandlungen ergebnislos gescheitert. Doch jetzt könnte eine neue Runde unmittelbar bevorstehen. Das hatte ja Donald Trump in den letzten Tagen angedeutet und jetzt schreibt das Wall Street Journal, beide Seiten hätten sich tatsächlich auf ein neues Treffen verständigt.

Und das ebenfalls amerikanische Portal Exius schreibt, der Iran habe signalisiert, er sei zu einer Teilöffnung der Straße von Hormuz bereit. Nämlich er sei bereit, die freie Durchfahrt auf der omanischen Seite der Meerenge zu gewährleisten. Wenn umgekehrt die USA dafür die Sanktionen aufheben würden und auch die eingefrorenen Vermögen freigeben würden.

Was mit der Forderung ist, dass der Iran auch auf die Urananreicherung verzichten müsste. Trump hat ja gefordert, dass es für mindestens 20 Jahre sein müsste. Ist noch völlig unklar. Aber die Frage ist trotzdem, könnte jetzt alles ganz schnell gehen mit einem Friedensabkommen? Oder sind Sie da eher skeptisch? Nein, ich würde skeptisch bleiben.

Ich glaube, die Iraner verhandeln und machen so ein Angebot. Aber sie haben es ja gerade gesagt, das ist ein Angebot, Das mit einer Gegenleistung einhergeht. Und die wesentliche Frage ist, ob die Amerikaner bereit sind, das Nuklearthema vom Tisch zu nehmen. Jetzt versucht man, also es kann sein, dass man jetzt versucht sozusagen, die Sachen schon mal ins Werk zu setzen, über die man sich verständigen kann.

Das bedeutet aber möglicherweise, dass die Amerikaner dann das wesentliche Faustfand möglicherweise aus der Hand geben in dem Augenblick. Also die Iraner versuchen das wegzuverhandeln und ihren Vorteil rauszuverhandeln. Das ist total normal. Ich glaube, wir werden eine weitere Verhandlungsrunde sehen und dann vielleicht noch weitere Verhandlungsrunden, bis das alles durchverhandelt ist.

Es sei denn, die Amerikaner machen den Fehler und schnüren das Paket auf in dem Zusammenhang. Das wäre wahrscheinlich was, wo sie, also wenn man jetzt annimmt zumindest, dass sie wirklich ein Ziel bei den Verhandlungen verfolgen, das auch mit dem Uran zu tun hat, dann wäre das sicherlich nicht super hilfreich für sie.

Wenn es zu so einer Lösung käme, Was wäre der Erfolg, den Donald Trump für sich verbuchen könnte? Eigentlich ist ja fast dann nichts durchgesetzt. Also gut, wie Sie sagen, die Urananreicherung ist der entscheidende Punkt. Aber eigentlich kann er doch nichts mit nichts rausgehen und sagen. Da haben wir mehr erreicht, als mit dem wir diesen Krieg begonnen haben, oder?

Ja, also natürlich kann Donald Trump das sagen und das wird er auch sagen. Also es ist egal, was das Ergebnis ist, es steht jetzt schon fest, das ist der größte Erfolg, den Donald Trump jemals gemacht hat und er hat einen weiteren Frieden herbeigebracht, in Klammern von einem Krieg, den er selber vom Zaun gebrochen hat, aber das zählt für ihn ja nicht, für ihn zählt ja nur das, wie er sich selbst in dem Zusammenhang wahrnimmt.

Der Rest der Welt wird drauf gucken und sagen, wow, wir sind schlechter danach aufgestellt als vorher. Also die Iraner werden besser aufgestellt sein in dem Zusammenhang. Das Risiko der Urananreicherung wird wahrscheinlich nicht vom Tisch genommen sein. Es gibt vielleicht eine zwischenzeitliche Schwächung des Iran-Bundes, Bei den ballistischen Raketen und bei anderen Technologien. Aber nichts, was das Regime nicht wieder rausholen könnte.

Plus es sitzt fester im Sattel mit Blick auf die eigene Bevölkerung. Also ich würde zumindest annehmen, dass der Mut der eigenen Bevölkerung, jetzt nochmal aufzubegehren gegen das System, dass das deutlich gesunken ist. Für wie wahrscheinlich halten Sie eine dauerhafte Störung der Schifffahrt in der Straße von Hormuz durch den Iran?

Es gehen ja viele Experten davon aus, dass er Teile bereits vermint haben könnte und damit hätte er dann dauerhaft auch ein Druckmittel in der Hand, selbst wenn jetzt es noch keine Lösung gibt und den USA tatsächlich, wie er behauptet wird, eine Gegenblockade erfolgreich gelingen könnte. Ja, also ich glaube, das ist einer der Bereiche, wo der Iran besser aufgestellt ist.

Er macht jetzt für sich die Möglichkeit auf, quasi hier einen Wegzoll einzunehmen, also eine moderne Wegelagerei und dementsprechend steht er nachher besser da. Aber das ist eine Lösung, so muss man es glaube ich sagen, die möglich ist, weil letztendlich die Akteure, die durch diese Straße von Hong Kongs durch müssen, sind ökonomische Akteure.

Die werden sagen, okay, kann ich den Preis umlegen oder mache ich trotzdem noch weiterhin meinen Gewinn? Dann werde ich das im Zweifelsfall in Kauf nehmen. Und ich glaube, das weiß der Iran auch. Es sei denn, andere fallen ihm da im Grunde genommen in den Arm und sagen, nee, so geht das im Grunde genommen nicht.

Wir sehen ja schon, dass einige Staaten, insbesondere Singapur und andere Staaten, die an solchen Knotenpunkten liegen, sagen, wenn wir damit anfangen, das zu machen, dann bricht quasi die rechtliche Grundlage für ökonomische Aktivität, so muss man es etwas abstrakt sagen, nämlich die freie Seefahrt, die bricht damit im Grunde genommen zusammen.

Wir öffnen Tür und Tor für mehr Wegelagerei und für sozusagen Wegezoll, der in Zukunft eingenommen wird. Und das wird global die Preise in die Höhe treiben. Also das heißt, auch das würde Trump als ein... Sieg verkaufen, es gibt ja auch Gerüchte, dass er sich selber an einer solchen Wegelagerei beteiligen möchte.

Also nicht die USA, sondern wahrscheinlich dann er selber. Das halte ich für zynisch und möglich. Aber genau darin liegt dann letztendlich das Risiko, dass die Preise auch für die amerikanischen Verbraucher dadurch weiter steigen möglicherweise. Es ist ja auch noch völlig unabsehbar, wie groß der wirtschaftliche Schockeffekt durch die Störung der Durchfahrt in der Straße von Hormuz am Ende sein wird.

Jetzt hat der Internationale Währungsfonds aufgrund dieser Krise gerade seine Wirtschaftswachstumsprognose für 2026 verändert und Wirtschaftswachstumerwartungen auf 3,1 Prozent abgesenkt und zugleich ein noch düstereres Szenario entworfen. Jetzt sind wir wieder so ein bisschen im apokalyptischen Bereich.

Sollte die Unterbrechung des Schiffsverkehrs noch bis ins kommende Jahr dauern, könnte das Weltwirtschaftswachstum auf rund zwei Prozent fallen. Einen solchen Abschluss hat es seit 1980 nur vier Mal gegeben. Stehen wir möglicherweise vor der größten Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte? Das kann ich nicht wirklich beantworten, weil ich kein Ökonom bin.

Ich glaube, was man sicherlich sagen kann, ist ... Dass inmitten all der großen Veränderungen, die wir zurzeit erleben, und das ist wahrscheinlich ein Unterschied zu den vorherigeren Krisen. Das alles inmitten eines großen globalen Systemwechsels im Grunde genommen stattfindet. Also hier verändert sich gerade ganz viel.

Die Frage ist, ob daraus sich Möglichkeiten ergeben. Und man sagt, naja, der Markt, die Märkte passen sich darauf an. Das bedeutet, dass man Alternativen schafft. Im Grunde genommen ist es ja quasi ein Incentive, ein Anreiz, um sich von bestimmten eingefahrenen Routen, die ökonomisch sinnvoll sind, möglicherweise zu befreien oder zumindest eine zweite Alternativroute aufzumachen oder auch im Handelsbereich oder auch im Produktionsbereich zu sagen, wir verlagern Produktionen in andere Gebiete, die nicht so anfällig sind durch solche Knotenpunkte.

Das hängt aber im Wesentlichen davon ab, wie lange tatsächlich dieser Anreiz, dieser negative Anreiz anhält. Ja, Südkorea hat ja gerade mit den Golfstaaten und Kasachstan Lieferverträge für Öl abgeschlossen. Also das könnte natürlich dann passieren, dass es zu auch tiefgreifenden geostrategischen Veränderungen am Ende des Tages führt, wenn diese Krise noch länger andauert, oder?

Genau, also es sortiert sich alles neu im Großen wie im Kleinen oder im sozusagen geostrategischen Bereich, wie wir das im Krieg zwischen der Ukraine und Russland sehen, aber auch in anderen Teilen der Welt werden auf solche Schocks Reaktionen folgen. Und dann ist, glaube ich, eher die Frage, bleiben die lange erhalten?

Bei Öl geht es ja letztlich, Öl ist ein relativ, wie soll man sagen. Einfach handelbares Gut, dessen Herstellung relativ einfach ist. Und dann geht es nur noch um die Handelswege. Und das ist relativ kurzfristig handelbar. Das heißt also, Sie können so einen Markt, der kann sich verschieben in andere Länder und kann sich dann wieder rückverschieben.

Das ist eine reine Frage des Angebots in dem Zusammenhang. Und schaffen Staaten Alternativmöglichkeiten? Sind sie bereit zu investieren? Dass ihnen das in Zukunft nicht passiert. Also ich glaube, das ist die wesentliche Frage, ob Staaten bereit sind, sich für die nächste Krise eigentlich zu wappnen. Und das Problem ist immer, man nimmt dann immer an, dass die nächste Krise so ist wie die letzte Krise.

Das heißt, die nächste Krise ist vielleicht gar nicht im Bereich Öl, sondern ist im Bereich irgendwas anderes. Und darauf sind wir auch nicht vorbereitet. Wasser kann das sein. Das kann pharmazeutische Versorgung sein, die jetzt ja schon ein bisschen mit in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir haben das Taiwan-Szenario, das immer noch da ist, was unsere Industrien zum Stillstand bringen würde.

Wir könnten sagen, eigentlich kennen wir alle Szenarien und wir sind auf keines dieser Szenarien eigentlich vorbereitet, weil wir immer wieder die ökonomische kurzfristigen Gewinn auch auf Startseite über die langfristige Sicherheit oder man nennt es heute dann Resilienz stellen. Und das wird uns regelmäßig immer wieder auf die Füße fallen.

Weil wir jetzt die ganze Zeit so düster unterwegs sind. Lassen Sie uns mal auf einen anderen Aspekt einen möglicherweise unerwarteten positiven Effekt dieser Krise haben. Nämlich wie in der Pandemie ja ein absoluter Digitalisierungsschub erlebt wurde, dass die Blockade dazu beitragen könnte. In ihren Auswirkungen letztendlich, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien verringert wird, weil es eben Anpassungen und einen Systemwechsel gibt.

Es gibt Berechnungen, denen zufolge der Ausfall von Gas gar nicht so erheblich ist. Insgesamt gesehen, ich hatte gelesen, 3-4 Prozent, und binnen neun Monaten kompensiert werden könnte durch den Ausbau von erneuerbaren Energien. Beim Öl sieht es natürlich ganz anders aus. Das kann man nicht schnell kompensieren.

Aber glauben Sie, dass da auch eine andere Entwicklung in diese Richtung einsetzen könnte? Also könnte sicherlich. Hängt glaube ich wieder davon ab, was die... Diejenigen, die das zu entscheiden haben, wie man darauf reagiert, ob die sagen, okay, wir glauben, dass das entweder die Situation länger anhält und sich dadurch die Investition lohnt oder sie sagen, wir bauen im Grunde genommen vor, wir investieren hier ins Risiko und machen den Systemwechsel.

Das sind, glaube ich, die beiden unterschiedlichen Varianten, die man haben kann in dem Zusammenhang. Aber gleichzeitig gibt es ja Akteure, die genau das Gegenteil wollen. Also die Golfstaaten, die ja ihren Wohlstand auf Gas und Öl zumindest erstmal aufgebaut haben, die versuchen zwar da rauszukommen, aber es ist immer noch eine wesentliche Einnahmequelle, die wollen natürlich so schnell wie möglich wieder zurück ins Geschäft kommen.

Das heißt, da gibt es eher den Schub zum schnellen Wiederaufbau in der Infrastruktur für die Lieferungen. Und Sie haben es gesagt, das Öl ist nicht einfach so substituierbar, weil es eben nicht nur ein Energieträger ist, der genutzt wird. Wir haben die Tankstellendiskussion. Aber für viele pharmazeutische Produkte, für Drogerieprodukte.

Für viele Formen von Kunststoffen und viele, viele andere Anwendungen ist erst mal das Öl immer noch ein wesentlicher Grundstock, den man hat. Und solange man da nicht rauskommt, schätze ich mal, dass das schwieriger zu substituieren ist. Sie haben die Taiwan-Frage angesprochen. Ich würde es gerne nutzen, um nochmal auf die Rolle von China zu schauen. Es gibt Viele, die sagen, China ist in dieser ganzen Krise der strategische Gewinner.

Dabei ist es ja eigentlich von der amerikanischen Gegenblockade gerade besonders betroffen, weil mehr als 80 Prozent des iranischen Rohöls nach China gehen. Und Xi Jinping hat auch schon klargemacht, dass wenn dauerhaft chinesische Tanker abgefangen werden sollten, dass man dann auch militärisch reagieren würde.

Gleichzeitig sehen wir, dass die chinesisch-russische Achse sich verstärkt. Peking will im Mai Putin empfangen, der schon auch zugesichert hat, bei Ölengpässen auszuhelfen. Xi Jinping hat ja gerade das russisch-chinesische Verhältnis als besonders precious bezeichnet, besonders wertvoll. Und wir erleben etwas, was ein bisschen wie eine Kehrtwende in der Taiwan-Politik wirkt.

Nämlich Xi hat die taiwanesische Oppositionsführerin empfangen, erstmals seit zehn Jahren. Wie würden Sie diese Entwicklung einordnen? Also ich fange mal mit dem hinteren Teil an, den kann ich nicht so gut einsortieren, aber wenn die... Oppositionsführerin von Taiwan empfangen wird, dann ist ja die Frage, gehört sie zu denjenigen, die im Grunde genommen die weitere Ankopplung an China stärker unterstützen?

Also ich kann mir nicht vorstellen, dass China seine Politik gegenüber Taiwan verändert, denn das würde Xi Jinping ja selber in Frage stellen. Also so radikale Veränderungen entsprechen auch überhaupt nicht der Art und Weise, wie Politik gemacht wird in China. Also ich glaube, das ist eher der Versuch, auf der politischen Ebene ein Signal Richtung Taiwan zu senden, dass man auch bereit ist, im Grunde genommen das Land politisch und gesellschaftlich zu destabilisieren.

Ansonsten, man ist immer sehr schnell damit zu sagen, China ist der strategische Gewinner. Wenn man es, ich sage mal, aus relativen Perspektiven guckt, also wer verliert am wenigsten, dann ist das wahrscheinlich sicherlich so, aber auch für China tickt natürlich ein bisschen die Uhr, Deswegen kann ich mir schon vorstellen, dass die Chinesen sagen, naja, wir können das auf Dauerhaft, können wir das so eigentlich nicht akzeptieren.

Und deswegen, glaube ich, ist man daran interessiert, eine Lösung für die Taiwan-Straße, für die Straße von Hormuz zu finden. Aber man will das natürlich nicht mit einem großen Auftritt machen, weil man sicherlich Sorge hat, vor den Augen der Welt so zu scheitern wie Donald Trump. Auf der anderen Seite...

Man muss es sich umgekehrt vorstellen, irgendjemand anders würde die Straße von Hormuz blockieren und amerikanische Schiffe nicht durchlassen. Dann würden die Amerikaner auch ihre Navy schicken, um denen den Weg frei zu machen. Und das hätte eine gewisse Legitimität, wo man sagen muss, naja, also dass unsere Schiffe, die jetzt mit dem Konflikt nichts zu tun haben, also oberflächlich gesehen nichts zu tun haben, jetzt in Mitleidenschaft gezogen werden durch eine amerikanische Blockade, ist nicht so ganz verständlich, wenn die Iraner uns hier im Grunde genommen durchlassen.

Also ich glaube, das ist eine Sache, wo die Chinesen, glaube ich, versuchen, lange im Hintergrund zu bleiben, solange ihre Reserven ausreichen. Und das ist im Grunde einer der Zeitachsen, auf die man sicherlich hier gucken muss. Oder sie finden Alternativen, aber der chinesische Öldurst ist so groß, dass das, glaube ich, nicht so super einfach ist.

Und so lange werden die Chinesen, glaube ich, versuchen, das rauszuzögern. Und natürlich sind die Russen total happy, dass sie sich andienen können. Und ich kenne die wortwörtliche Übersetzung nicht von dem, was Xi gesagt hat, aber wenn es so ist, wie Sie gesagt haben, dass er gesagt hat, es ist eine besonders wertvolle Verbindung, dann hat es natürlich damit zu tun, dass China im Grunde genommen noch mehr Kontrolle über Russland im Grunde genommen hat und hier Möglichkeiten nutzt, dass Russland sich andient und sein Öl, dass es zurzeit immer schlechter exportieren kann, weil seine Ölexportinfrastruktur zerstört wird durch die Ukrainer, ist auch verständlich.

Die Frage ist dann letztendlich, wie machen sie das? Weil wenn ich das richtig sehe, so richtig viele oder überhaupt Pipelines für Öl gibt es, wenn ich das richtig sehe, nicht. Wenn das so ist, ist die Frage, wird das dann per Lastwagen transportiert oder wie stellt man sich das im Grunde genommen vor?

Das wäre eine riesige Menge durch ein riesiges Land zu transportieren. Aber klar haben die Russen Interesse daran, sich anzudienen und Geld zu verdienen. Denn so gut sieht es natürlich nicht aus bei ihnen. Letzte Frage und da würde ich gerne nach Europa kommen. Wir haben ja am Sonntag einen sehr Krimi-Thriller-artigen Wahlabend erlebt, weil er mit einer so dramatischen Niederlage des amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orban verbunden war.

Ja, ist diese Niederlage, diese überdeutliche Niederlage, auch eine Schwächung für Donald Trump? Er hatte Orban ja sehr offensiv unterstützt, ihn quasi als seinen Stadthalter im Herzen Europas da verkauft gegen die EU und hatte sogar zuletzt seinen Vize J.D. Vance nach Ungarn geschickt, um für Orban zu werben. Hat das Auswirkungen auch auf Trump oder muss man am Ende des Tages sagen, Ungarn ist aus amerikanischer Sicht dann doch zu klein und zu weit weg?

Donald Trump ficht es ja nichts an. Also von daher, das ist auf irgendeine Art und Weise wahrscheinlich auch wieder ein Sieg für ihn. Keine Ahnung, wie er sich das im Kopf zurechtdreht. Aber es kann gar nicht anders sein. Also er ist ja gottgleich. Also von daher ist das, glaube ich, unvorstellbar, dass er hier verliert.

Aber es ist, glaube ich, vor allen Dingen eine Schwächung für Putin. Und es ist eine Schwächung für die Chinesen. Ich meine, das ist, glaube ich, das Interessante, dass Ungarn ein Spielplatz gewesen ist und immer noch ist für all diese Akteure, sowohl für die Amerikaner als auch für die Russen, als auch für die Chinesen, vor allen Dingen wirtschaftlich, für die Russen als Störfaktor gegen die Europäische Union.

Zuletzt ja sehr offensichtlich geworden in den offensichtlichen Verbindungen zwischen dem ungarischen Außenminister und dem Kreml, der hier offensichtlich tagtäglich Dossiers abgeliefert hat. Aber die Chinesen sind wirtschaftlich und industriell ganz stark investiert in Ungarn. Das heißt, das ist ein schwerer Kampf, wo sich die neue Regierung, wenn sie dann im Angt ist, auch überlegen muss, wie komme ich eigentlich aus diesen Abhängigkeiten, die jetzt da sind, eigentlich raus.

Die Amerikaner spielen da eigentlich die geringere Rolle. Die Frage ist, ob sie sagen, uns ist Ungarn nicht als wirtschaftlicher Markt, aber als Trigger für das, was in Europa passiert, so wichtig, dass wir da bereit sind, Marktanteile anderen, den Chinesen vor allen Dingen, wieder wegzunehmen. Aber meine Vermutung ist, dass dafür der Markt in Ungarn einfach viel zu klein ist.

Dafür ist das Land wirtschaftlich nicht bedeutend genug. Für die EU war es jedenfalls eine gute Nachricht, das Ergebnis dieser Wahl. Herr Mölling, vielen Dank für Ihre Analyse. Sehr gerne. Das war die Lage für heute. Und in der kommenden Woche können Sie hier meinen Kollegen Steffen Gassel im Gespräch mit Herrn Mölling wiederhören.

Mich dann wieder in zwei Wochen. Bis dahin. Bis dahin. Tschüss.

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