Die Lage international mit Christian Mölling· Folge 303

Trump vor China–Staatsbesuch: „Der US-Präsident kommt bei Xi rasiert an“

Donnerstag, 7. Mai 2026 · 23 min

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Shownotes

Donald Trump versucht verzweifelt, das Iran-Desaster in den Griff zu kriegen, bevor er kommende Woche Chinas Staatschef Xi Jinping trifft. Warum ihm das wohl nicht gelingen wird.
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Es ist Donnerstag, der 7. Mai. Hallo und herzlich willkommen zum Stern-Podcast Die Lage International mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank European Policy Center. Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gasse. Ich bin Steffen Gassel, Diplomatischer Korrespondent des Stern.

Herr Mölling, vergangenes Wochenende habe ich mich ganz kurz gefragt, ob Donald Trump vielleicht unseren Podcast hört. Hier bei die Lage reden wir ja jetzt seit zwei Wochen über DPS oder ausbuchstabiert Deep Precision Strike Fähigkeiten, also die Fähigkeit mit Raketen mittlerer und langerer Reichweite entfernte Ziele anzugreifen.

Das ist ja eine wichtige Dimension sozusagen konventioneller Abschreckung. Sie hatten den Punkt als erster aufgegriffen, als wir vor zwei Wochen über die ihre Analyse der neuen Bundeswehrstrategie gesprochen hatten. Und dann kamen auch noch Nachfragen aufgeweckter Hörer, die dann sagten, die Amerikaner wollen doch sowas bei uns stationieren, was ist denn eigentlich damit?

So, und nun hat Donald Trump das Thema aufgegriffen am vergangenen Wochenende nur anders als erwartet. Diese geplante Stationierung von Tomahawk-Cruise-Missiles und Hyperschallraketen in Deutschland hat Trump abgesagt. Und zwar, warum? Weil er sauer ist auf Friedrich Merz über dessen offene Kritik am Iran-Krieg.

Wenn wir jetzt nochmal bei den Basics anfangen, Herr Merling. Wieso sollten diese US-Waffen nach Deutschland kommen? Das wäre ja eine Fähigkeit gewesen, die so bisher hier gar nicht vorhanden gewesen war. Oder anders gefragt, wie sehr schadet Trump mit der Retourkutsche gegen Merz unserer Sicherheit?

Ja, also müssen wir, glaube ich, mal ein bisschen auseinandernehmen. Also erstens, ja, diese Fähigkeit haben wir nicht. Da gibt es sozusagen eine Abschreckungslücke. Und dadurch, dass sie jetzt nicht kommen, bleibt diese Lücke. Jetzt ist es nicht so, dass das, was die Amerikaner angekündigt haben, was sie hier hinstellen wollten, also es sind auf der einen Seite Raketen, mit denen man sehr tief nach Russland reinschießen kann und da im Grunde genommen quasi die Produktionsanlagen für das, was Russland an der Front braucht, zerstören könnte. Das ist quasi die Funktion.

Oder aber eben die militärische Kommunikation zerstören könnte, indem man die Gefechtsstände zerstört. Das ist eigentlich der offensive Teil der Raketen. Der andere, der defensive Teil der Raketen, ist Raketenabwehr. Das heißt also die Fähigkeit, russische Raketen abzufangen und damit im Grunde genommen Europa und Deutschland sicherer zu machen.

Beides, muss man sagen, ist von dem, was die Amerikaner geliefert hätten, das hätte nicht alles abgedeckt, aber es wäre zumindest mehr gewesen, als das, was wir jetzt in Aussicht gestellt haben. Also das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt ist, unabhängig von dem, ob diese Raketen noch kommen oder nicht kommen, oder auch welche kommen, da kommen wir gleich vielleicht nochmal zu.

Hat die Aussage des amerikanischen Präsidenten ja eine Wirkung. Also Abschreckung ist etwas, was im Kopf passiert. Und wenn der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte, der Donald Trump nun mal leider ist, sagt, er würde das jetzt nicht mehr machen und er macht das offensichtlich, weil er gekränkt ist, dann wirft das natürlich ein unheimlich schlechtes Bild auf die Verlässlichkeit und die Frage, kommt der amerikanische Präsident denn, wenn es hier wirklich brennt?

Und, das ist das Besondere an dieser Fähigkeit ... Der hat halt ein hohes Eskalationspotenzial. Also wenn Sie das machen, dann machen Sie Ihrem Gegner wirklich Probleme, wenn Sie diese Systeme einsetzen. Ist er bereit, in einen Krieg gegen seine On-Off-Affäre Wladimir Putin einzusetzen? Das gehört auch noch mit dazu. Und alle diese Fragezeichen waren natürlich schon lange da, bevor Donald Trump jetzt gesagt hat, die Sachen kommen nicht mehr.

Der Punkt ist, glaube ich, dass sich zumindest in Teilen des politischen Berlins man sich nicht darauf vorbereitet hat. Die Militärstrategie, das heißt die Bundeswehr, hat das sehr wohl in Erwägung gezogen. Das ist, glaube ich, der Punkt, den man dabei sehen muss, dass die gesagt haben, naja, wir bereiten uns auf Eventualfälle vor.

Das ist Aufgabe der Bundeswehr. Man würde sich wünschen, andere Teile der Bundesregierung würden das genauso gut tun. Die haben halt geplant und gesagt, na, was wäre denn, wenn das nicht kommt? Dann müssen wir entscheidungsfähig sein und auch handlungsfähig sein. Und das ist das, was man aufbauen will.

Letzter Punkt ist, jetzt kommt das halt nicht. Also weder das, was die Amerikaner als sogenannte Multidomain-Taskforce angekündigt haben mit den Raketen, die da drin sind. Noch ist eine Anfrage der Bundesregierung. Für Tomahawk-Flugkörper, die wir kaufen wollten und dann selber hätten haben können oder auch selber entscheiden können, wann wir die einsetzen, ist bislang nicht beschieden worden.

Das heißt, dieses Schweigen sollte man als, es kommt dann auch nicht mehr möglicherweise deuten. So und das ist die Situation, in der wir jetzt sind. Das heißt, wir müssen schon nochmal neu überlegen, wie schnell wir diese Lücke geschlossen kriegen, die da jetzt erstmal rhetorisch, aber auch de facto entstanden ist.

Genau, da wollte ich auch genau gleich noch zu fragen. Da gibt es ja gerade in den letzten Tagen alle möglichen interessanten Aussagen von Leuten, denen man da Kompetenz zutrauen kann zu dem Thema. Davor aber nochmal, Sie haben gerade von der Fähigkeitslücke gesprochen. Wie ist die denn entstanden? Ist die dadurch entstanden, dass 2018 Russland diese eigenen Raketen, solche Reichweite in Kaliningrad stationiert hat?

Ist die dadurch entstanden, dass man Putin... Nach 2022 andere Dinge zutraut, dass das einfach, dass das Bedrohungsszenario ein anderes ist. Wie kommt das, dass wir jetzt etwas gerne hätten, was wir vorher nicht so sehr vermisst haben vielleicht? Ja, ich glaube, es sind drei Faktoren. Das eine, die zwei, die Sie genannt haben, nämlich Bedrohungsszenario ist anders, A und B, die quasi Hardwarefähigkeit, die die Russen aufgestellt haben, die ist auch zusätzlich dazugekommen.

Und da muss man wahrscheinlich nur drittens dazu sagen, wir sind nicht ausreichend. Wir hätten uns ja sozusagen mit Flugabwehr, mit Raketenabwehr ausstatten können, ausreichend. Das haben wir auch nicht getan. Und der vierte Faktor ist eigentlich der größte Faktor, ist, dass Donald Trump oder die Amerikaner nicht mehr die verlässlichen Partner sind.

Die für diese Gesamtkonstruktion, diese Architektur auch im Bereich der, ich sag mal, alles, was mit Raketen oder mit Lenkflugkörpern zu tun hat, Aber diese Architektur bricht gerade quasi zusammen. Und die Amerikaner haben in dieser Architektur die zentrale Rolle gespielt. Nicht nur, dass sie die Raketenabwehr in Europa eigentlich sicherstellen mit den Installationen, die sie in Europa dafür haben, sondern sie haben auch quasi ein Monopol auf die langreichweitigen Raketen, Raketen, die in Russland entsprechende industrielle und militärische Ziele zerstören könnten, um einen Angriff zu steuern oder verblassen zu lassen. Und das ist im Grunde genommen...

Die USA haben gerade den Schauplatz Europa verlassen und jetzt stehen alle da und sagen, ja, was machen wir denn jetzt eigentlich? Das ist, glaube ich, die Situation, vor der wir stehen und die Europäer haben sich halt immer in Sicherheit gewogen. Die Amerikaner, die machen das dann schon. So und jetzt gibt es ja Leute, die sagen, das ist zwar alles sehr misslich, aber so schlimm wie es sein könnte, ist es dann doch nicht.

Denn Europa habe selbst eine Menge Alternativen, die es auch relativ schnell auf die Beine stellen kann. Es gibt sogar Leute, die sagen, wir können Dinge bauen, die nicht nur besser, sondern auch günstiger sind, als zum Beispiel diese amerikanischen Synthoren Tomahawk-Raketen. In den Fokus rückt dann, wenn davon gesprochen wird, sehr schnell ELSA.

Noch so eine Abkürzung, das steht für European Long Range Strike Approach. Also das ist eine Kooperation von Deutschland und fünf anderen europäischen Nationen, wo solche Raketensysteme entwickelt werden sollen. Das dauert aber wohl noch eine Weile, bis das marktreif wird. Dann hat sich aber auch vor kurzem diese Woche die ranghöchste Soldatin der Bundeswehr, Nicole Schilling, zu Wort gemeldet.

Das ist die Stellvertreterin des Generalinspektors. Die hat auf X geschrieben, sie sei sicher, dass es Europa noch in diesem Jahrzehnt gelingen werde, solche DPS-Fähigkeiten aufzubauen, um zum Beispiel ausbleibende US-Tomahawks zu ersetzen. Was macht die Frau Generaloberstabsarzt, das ist, glaube ich, ihr korrekter Rang, was macht die da so sicher, Herr Mölling? Und wie geht das?

Wer bei uns kann sowas bauen und tut das vielleicht schon in Teilen? Was ist da los? Ja, also ich habe mit Frau Schilling nicht gesprochen, von daher kann ich nicht sagen, was sie so sicher macht. Aber man muss sagen, bis 2030 sind es nochmal vier Jahre. Aber lassen Sie uns mal gleich bei den Zeithorizonten bleiben. Die Lücke ist jetzt.

Das muss man ganz klar sagen. Wir haben jetzt eine Herausforderung. Und man muss auch sagen, es ändert sich. Solange diese Lücke da ist, nicht nur... Und die Lücke bei diesem speziellen Ding, jetzt kann man sagen, das ist ein Ding, es ist eine zentrale Fähigkeit, die wenn sie sie nicht haben, es bedeutet, dass sie quasi ganz anders kämpfen müssen.

Der Plan der NATO ist eigentlich, Russland bei einem Angriff auf die NATO frühzeitig zu stoppen, noch bevor sie NATO-Territorium erreichen und oder ihnen die Versorgung abzuschneiden. Also Logistik gewinnt Kriege. Das heißt also, wenn sie in der Lage sind, die Versorgung zwischen der Industrie, die das Material herstellt, das an der Front gebraucht wird.

Diese Logistik zu stoppen und zu zerstören oder sogar die Industrieanlagen zu zerstören. Dann geht ihnen sozusagen der Treibstoff für den Krieg irgendwo aus. Und das ist die Grundidee. Wenn das nicht geht, dann verlagert sich das Gefechtsfeld immer weiter an ihre Grenze ran. Und damit wird es immer gefährlicher.

Das ist eigentlich das Grundszenario. Und damit müssen wir jetzt umgehen. Das heißt, wir schwenken auch von einem Kriegsbild, das davon ausging, dass wir eine sehr kurze, aber hochintensive Kriegsphase haben, in der, das kann man sich, glaube ich, in Deutschland gar nicht vorstellen, in der Hunderte von Raketen jeden Tag starten und Tausende von Zielen angegriffen werden in Russland und überall da, wo sozusagen Russland uns Probleme macht.

Das ist dann auf einmal nicht mehr möglich. Das heißt, wir müssen eigentlich komplett umstellen. Wir müssen ein anderes Bild haben, das uns eher dazu bringt in ein anderes Extrem. Also wir rücken dann, wenn Sie so wollen, ein bisschen näher an das Ukraine-Kriegsszenario ran. Nämlich nach einer Anfangsphase, die intensiv ist, dann einen Abnutzungskrieg zu haben. Das ist eigentlich das Schwierige.

Und dafür sind wir wiederum industriell noch gar nicht aufgestellt. Das heißt, hier verschiebt sich nicht nur eine Sache, sondern eine ganze Menge an Dingen verschieben sich jetzt gerade. Das zeigt, wie neuralgisch diese Fähigkeit ist, weil sie halt tatsächlich, wenn sie so wollen, Türöffner oder Türverschließer ist.

Das muss man, glaube ich, einmal vorweg schicken. Und deswegen suchen alle jetzt händeringend danach. Es gibt günstige Lösungen. Die Amerikaner bieten das an. Die Amerikaner, da will das zurzeit natürlich niemand kaufen, weil sie nicht wissen, ob die amerikanische Regierung den Export überhaupt zulässt.

Und es gibt europäische Unternehmen, hier und da, ich will jetzt gar keine Namen nennen, die auch schon diese kurzfristigen oder die sozusagen günstigere Lösungen anbieten. Jetzt ist es aber nicht so, dass diese günstigen Lösungen genauso gut sind wie die teuren Lösungen, also die die Flugkörper eine Million oder mehr kostet.

Die können halt auch ein bisschen weniger. Ob das preislich alles im Verhältnis zueinander steht, das kann ich nicht beurteilen. Aber der Punkt ist, diese Systeme, die günstig sind und hoffentlich schneller da sein können, sind immer noch besser als nichts. Das muss man sich, also wir reden über eine neue Zwischenlösung, denn ELSA ist halt eben noch nicht da.

ELSA funktioniert nach einem klassischen intergouvernementalen Prinzip. Also Staaten tun sich zusammen und sagen, wir entwickeln jetzt mal. Es liegt aber kein Geld auf dem Tisch, es sind keine Aufträge verteilt. Das heißt, die Hoffnung, dass dieses Programm beschleunigt werden kann, ich würde es nicht aufgeben.

Aber ich glaube, das ist im Grunde genommen jetzt der Punkt, wie schnell beschleunigt man. Und ich habe gestern überlegt, naja, vielleicht ist das nochmal der Moment, wo man nochmal an gute Dinge sich zurückerinnern kann, die sogar aus der Europäischen Union gekommen sind. Nämlich es gab damals in der Europäischen Union das sogenannte ASAP-Programm.

Damit hat die Europäische Union Geld in die Hand genommen und Hersteller in Europa dafür bezahlt, Artilleriemunition herzustellen. Nun sind Flugkörper ein bisschen komplizierter als Artilleriemunition. Aber trotzdem ist das möglicherweise was, wie man jetzt schnell in die Spur kommen kann. Denn alle suchen jetzt händeringend nach der Lösung. Und also Sie haben jetzt gerade gesagt, Sie wollen da nicht zu sehr ins Detail gehen und irgendwelche Firmennamen nennen.

Aber haben wir denn solche Fähigkeiten in Deutschland? Können wir in Deutschland im Zweifel solche Ersatzsysteme selbst schnell herstellen? Also es sieht so aus. Ich habe sie noch nicht angefasst oder noch nicht gesehen oder so. Aber ja, das gibt es. Jetzt ist natürlich das Ding, die Tatsache, dass es sie gibt, Und jetzt gehen wir auf die industrielle und kommerzielle Seite sozusagen.

Das bedeutet auch, dass diese Unternehmen, die das herstellen, auch deutsche Unternehmen, die die herstellen, dass die Abnehmer haben. Sonst produzieren die das ja nicht. Das heißt, wir kommen an das Thema Skalierung oder Ramp-up, wie man so schön sagt. Sind die Unternehmen in der Lage und bereit, den Ramp-up zu machen?

In der Lage wahrscheinlich, weil sie das Know-how haben. Bereit hängt davon ab, wer übernimmt denn die Kosten eigentlich. Also ist die Bundesregierung oder eben die Europäische Union oder sonst irgendjemand bereit zu sagen, dann passt mal auf, hier ist ein Stapel Geld, macht mal bitte, und zwar ganz zackig.

Wir übernehmen mit dem Geld, das wir hier hinlegen, das Entwicklungsrisiko und das Investitionsrisiko. Weil die privaten Akteure natürlich sagen, sorry, also der Chef von MBDA oder der Chef von Deal, die sind natürlich nicht frei. Also es sind jetzt zwei deutsche Unternehmen, die sowas produzieren. Oder auch der Chef von Rheinmetall, die jetzt einen Joint Venture gemacht haben.

Auch da sollen solche Sachen produziert werden. Alle, die sind natürlich nicht komplett frei in ihrer Entscheidung, sondern sie müssen ihren Aktionären oder den Anteilseignern, den Leuten, die ihnen Privatgeld gegeben haben, erklären, warum das eine gute Sache ist, jetzt auf einmal noch eine neue Produktionsanlage aufzubauen.

Und das ist etwas, wo die Anteilseigner natürlich sagen, am Ende des Tages sind wir am Geld interessiert. Davon müsste man zumindest erstmal ausgehen. Das heißt, es wird natürlich viel einfacher, diese Firmen quasi einzukaufen, oder im wahrsten Sinne des Wortes einzukaufen, und dann sozusagen denen das ökonomische Risiko abzunehmen.

Dann kann ich das machen. Jetzt können wir noch viel tiefer rein in die ökonomische Logik von privaten Unternehmen. Aber das ist im Grunde genommen schon mal ein wesentlicher Punkt, wenn man nicht auf die Bedarfsseite, also Deutschland, Bundesregierung guckt, sondern auf die Produktionsseite, nämlich der Unternehmen, über die wir reden. Ja, Ein anderer Aspekt, der dann sehr schnell auch relevant werden könnte, ist ja, wen gibt es denn vielleicht außer den Amerikanern noch, der helfen kann oder vielleicht Komponenten bei sowas hat.

Da sind, Sie sagen jetzt vielleicht gleich, das sind Äpfel und Gurken, aber ich fand es trotzdem interessant. Zwei Meldungen mir aufgefallen diese Woche. Die eine kam aus Russland. Dort sind in einer Fabrik für Militärelektronik solche Mittelstreckenraketen ukrainischer Produktion eingeschlagen. Flamingo, Namen hat man vielleicht schon mal gehört.

Die sind, also dieser Standort von der Fabrik, etwa 600 Kilometer von der Ukraine weg. Also eine signifikante Reichweite. Die zweite Meldung kam aus der Türkei. Also dem Land, wo der Kanzler, wo das nächste Mal den US-Präsidenten treffen wird, beim NATO-Gipfel in zwei Monaten. Dort hat gerade eine große Rüstungsmesse stattgefunden und vorgestellt wurde, als Überraschung wurde da gesagt, eine...

Selbst produzierte Interkontinental-Rakete, sogar 6000 Kilometer Reichweite, das ist natürlich eine andere Kategorie. Aber man kriegt schon den Eindruck, dass da Staaten in unserer unmittelbaren Umgebung ein bisschen weiter vielleicht sind, als wir selber bei der Entwicklung solcher Systeme. Wie signifikant ist das für uns?

Ja, also ich fange nochmal vorne an. Also erstens muss man unterstreichen, die russische Fabrik, die da in Flammen aufgegangen ist, ist eben nicht von Drohnen angegriffen worden, sondern von, man würde fast sagen, klassischen, eigentlich uralten Lenkflugkörpersystemen, also Raketen. Warum? Naja, die haben halt immer noch einen Vorteil, die fliegen schneller und tragen mehr Sprengstoff. Das heißt also, ich kann damit was anstellen.

Die Ukrainer entwickeln ja selber, parallel zu der bei uns in Deutschland ja so stark gehypten Drohnenentwicklung, entwickeln sie diese quasi total altmodischen, würde man sagen, Waffen. Das heißt, es gibt eine Parallelität dieser Entwicklung. Es ist nicht entweder oder, sondern es ist beides. Das ist, glaube ich, ein wichtiger Fingerzeig, der bei uns ständig untergeht, weil wir diese Debatten einfach parallel führen und nicht sehen, wie die miteinander verbunden sind.

Das unterstreicht nochmal, wie wichtig so eine Fähigkeit ist. Gleichzeitig muss man sagen, Und der Unterschied zwischen auch dem, was die Türken gebaut haben, das ist eine ballistische Rakete. Das heißt, die fliegt in einer ballistischen Bahn, während solche Flugkörper wie Tomahawks zum Beispiel, die nutzen einen anderen Ansatz.

Die sagen, wir versuchen unterhalb des Radars zu bleiben, sodass wir nicht abgefangen werden können. Und umgehen auch, weil wir quasi eine Landkarte im Kopf haben, wo die einzelnen Flugabwehrsysteme stehen. die umfliegen wir einfach und versuchen, so ins Ziel zu kommen. Also es gibt keine Waffe, die nicht ohne eine Gegenwaffe ist. Sowas gibt es nicht.

Das sehen wir auch in der Ukraine. Also Drohnen werden durch Drohnen bekämpft oder aber vor allen Dingen durch Flugabwehrkanonen bekämpft. Und wir haben ständig quasi kleine Rüstungswettläufe in dem Zusammenhang. Die Türkei, schätze ich mal, ist insofern ein Sonderfall, als dass sie sich diese Fähigkeit erstmal technologisch jetzt gerade zulegt und das nach außen zeigt, wir können das.

Damit verbunden ist, dass man eine bestimmte Elaboriertheit im technologischen Bereich erhoben hat. Dass man sagt, hier, wir sind in der Lage, so eine Rakete zu bauen und die fliegt stabil und kommt ins Ziel. Das ist jetzt keine Banalität, weil normalerweise kaufen Sie sonst einfach solche Raketen, wenn Sie technologische Fähigkeit und Ingenieursfähigkeit nicht haben, kaufen Sie die im Ausland.

Und es kostet sie viel Geld, solche Sachen selbst zu entwickeln. Und auch viele machen viele Fehler dabei und so. Das heißt, die Türken zeigen, dass sie technologisch in der Lage sind, die nächste Generation mitzuspielen. Was sie dahinter militärisch im Kopf haben, das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich nicht sagen.

Gibt es ja dann auch immer noch andere Staaten, die solche Dinge weit vorantreiben, wo man sich dann eher Sorgen drum macht. Das beste Beispiel wäre wohl der Iran. Der ja gezeigt hat, was man mit genau solcher Raketentechnik und auch Drohnentechnik natürlich anrichten kann. Mal noch kurz zum Ende der Blick in die nächste Woche, Herr Mölling.

Donald Trump hatte ja parallel zu der Breitseite gegen Deutschland ein Project Freedom ausgerufen. Die USA, die US Navy sollte Tanker durch die Straße von Hormuz begleiten. Das hat schnell wieder aufgehört nach zwei Tagen, weil es offensichtlich Beschuss gab und weil, wie ich gerade heute Morgen noch gelesen habe, offenbar Saudi-Arabien nicht informiert war vorab und gesagt hat, und dem US-Militär die Nutzung des eigenen Luftraums und der US-Base in Saudi-Arabien dafür untersagt hat, was das dann sehr schnell zum Ende gebracht hat.

Donald Trump sagt nun, nein, nein, wir haben das unterbrochen, weil es jetzt gute Chancen auf eine diplomatische Lösung, auf ein Abkommen mit dem Iran gibt. Und dass er da so dringend drauf hofft, hat wohl einerseits sozusagen mit der Weltwirtschaft zu tun und andererseits mit dem Umstand, dass er nächste Woche bei Xi Jinping in China zu Besuch sein wird.

Und das könnte ja ziemlich peinlich werden, wenn das Iran-Schlamassel dann nicht irgendwie zumindest in der Außendarstellung als gelöst erscheinen kann. Mit Blick auf diesen Trump-Besuch in China nächste Woche, was haben Sie da für Erwartungen, Herr Mölling? Ich würde es, glaube ich, in der Kette so sehen, dass wir jetzt sehen, dass der Trumpsche Ansatz.

Immer schneller zu sein als die eigenen Lügen, dass der nicht mehr funktioniert. Er kommt an die Grenzen der Realität. Das Project Freedom hat quasi keine 24 Stunden gedauert und war das Projekt schon zu Ende. Das ist wahrscheinlich eines der kürzesten Projekte, das ich je in meinem Leben gesehen habe.

Wahrscheinlich auch nicht erfolgreich. Sein einziges Glück ist, dass er das Geld nicht zurückgeben muss, das er verbraten hat. Die Amerikaner haben komplett gefailed. Iran ist ein Desaster und es sieht auch nicht so aus, als ob die Iranis die USA schon vom Haken lassen. Das muss man ja auch ganz klar sehen. Also die Hoffnung, die zurzeit wieder verströmt wird, es würde hier ein Abkommen geben.

Donald Trump hat geblinkt, wie man so schön im Abschreckungsdeutsch sagt. Das heißt, er hat gezuckt. Das heißt, die Iraner haben gesehen, okay, da ist er jetzt wirklich verwundbar. Was sollte die Iranis davon abhalten, so viel rauszupressen, wie sie nur irgendwie können aus den USA, Denn mit jedem Tag, mit jeder Stunde sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Amerikaner nochmal in der Lage sind, einen großen Schlag gegen die Iranis durchzuführen.

Das heißt, die Iraner werden alles tun, was sie können, um für sich das Beste rauszuholen und holen gleichzeitig das Beste für die Chinesen raus, mit denen sie ja Partner sind. Der iranische Außenminister ist gerade in Peking gewesen. Also wie kann man das nicht sehen? Donald Trump fährt da hin und kommt quasi schon rasiert an.

Das muss man sich vorstellen. Der Mann ist im Grunde genommen so geschwächt wie nur irgendetwas, weil seine gesamte Fantasiewelt gerade an der Realität zerbricht. Das ist für uns teilweise gut, teilweise schlecht. Was die nächste Konsequenz ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber wir freuen uns darauf, dass Sie nächste Woche darüber sprechen können.

Dann lassen wir es für heute dabei bewenden. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mölling. Das war die Lage international. Wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, Hinweise, Fragen oder andere Anregungen haben, schreiben Sie mir gerne eine Mail an steffen.gassel.de. Die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden Donnerstag auf RTL Plus und überall sonst, wo Sie gern Podcasts hören.

Danke für Ihr Interesse und bis bald. Bis bald.

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