
Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast· Folge 266
Geza Schön – Moleküle, Duft und Wahrnehmung - 2025
Dienstag, 9. Dezember 2025 · 57 min
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Shownotes
Geza Schön – Moleküle, Duft und Wahrnehmung im Kunstpodcast die Leichtigkeit der Kunst
Ein Gespräch über das Unsichtbare – bzw. was passiert, wenn Reduktion zur Haltung wird?
Wenn ein Duft nicht auffallen will, sondern mitgeht. Wenn Moleküle nicht überwältigen, sondern andocken. Wenn das, was wir riechen, nicht beschrieben, sondern erlebt werden will.
Diese Folge ist eine Einladung zum Nachdenken über Duft als Wahrnehmungsform. Über Moleküle, Reduktion, Erinnerung. Und über die Kunst, mit sehr wenig sehr viel zu sagen.
Geza Schön
Parfümeur und Molekularästhet. Gründer von Escentric Molecules, einem Duftkonzept, das auf einem einzigen Molekül basiert. Geza Schön denkt Parfum nicht als Dekoration, sondern als Ausdruck. Seine Kreationen sind direkt, eigensinnig, reduziert. In seinem Atelier in Berlin spricht er über das Zusammenspiel von Idee, Erinnerung und Haut. Seine Düfte entstehen aus Konzept, Materialerfahrung und Instinkt.
Zur Folge
Geza Schön spricht über Kindheitserinnerungen an Duft, die Magie des ersten Riechens, den Umgang mit Willkür in der Parfümwelt – und darüber, warum seine Arbeit immer mit einer Idee beginnt. Die Folge erzählt von Zellen, die tanzen, von Hautwärme, die Moleküle aktiviert, und von Düften, die sich nicht festhalten lassen.
Eine sinnliche Spurensuche zwischen Geruch, Gesellschaft und Gestaltung.
Themen der Folge
Duft als Kunstform · Geruch und Erinnerung · Molekulare Parfümerie · Wahrnehmung und Gesellschaft · Reduktion als Stilmittel · ISO E Super · Sensorische Erlebnisse · Ästhetik des Geruchs · Duft und Psyche · Minimalismus in der Parfümerie
Warum jetzt?
Weil Wahrnehmung nicht laut sein muss. Weil Reduktion nicht Verzicht bedeutet, sondern Konzentration. Weil Duft nicht Trend, sondern Sprache sein kann. Und weil Moleküle manchmal mehr sagen als Kompositionen.
In einer Welt, die überreizt ist, öffnet diese Folge einen leisen Raum für ein sensorisches Nachdenken: Was nehmen wir wahr? Was prägt uns olfaktorisch? Was bedeutet es, einen Duft nicht zu tragen, sondern mit ihm zu leben?
Zitate aus dem Gespräch
• „Das mit dem Riechen, das war irgendwie meine eigene kleine Welt.“
• „Wenn man was Schlechtes riecht, ist es in der Regel ja schon zu spät. Man hat’s ja gerochen.“
• „Wir gewöhnen und wir entwöhnen uns an Gerüche, die uns im Laufe der Zeit so begleiten.“
• „Ich habe gerne eine Logik und einen konzeptionellen Anfang in einem Geruch oder einem Duft.“
• „Die Zelle fing an zu tanzen.“
• „Die Willkür in der Parfümerie, das klappt nicht meiner Ansicht nach.“
• „Wir sind sicherlich mit das subtilste gut riechendste, was es im Markt gibt.“
• „Wir mögen Düfte, weil wir sie in der Kindheit idealerweise unter guten Umständen erfahren haben.“
• „Es gibt eine Korrelation zwischen einem olfaktorischen Empfinden und einem momentanen situativen Moment.“
• „Man muss immer neugierig bleiben.“
Weiterhören
• Die Folge mit Robert Müller-Grünow zu Duftkonzepten für Marken und Institutionen. (dieleichtigkeitderkunst.de/ich-rieche-dich)
• Das Gespräch mit Michael Sailstorfer über „Tears’Trees“ und Duft in seiner Kunst (dieleichtigkeitderkunst.de/michael-sailstorfer…)
• Alle Folgen zum Thema Kultur, Gesellschaft & Wahrnehmung (dieleichtigkeitderkunst.de/category/kultur-und…)
• Alle Podcastfolgen mit Künstler:innen (dieleichtigkeitderkunst.de/category/kuenstler-…)
Links & Credits
Escentric Molecules (escentric.com)
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Letzte redaktionelle Überarbeitung: Januar 2026
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Herzlich willkommen zu meinem Podcast Die Leichtigkeit der Kunst. Einem Salon Podcast über Kunst, Kultur und Gesellschaft, Mein Name ist Claudia Linzel und ich freue mich sehr, euch hier begrüßen zu dürfen. Fühlt euch eingeladen, mit mir in die Geschichten, Chancen und Herausforderungen einzutauchen, die Kunst, Kultur und Gesellschaft prägen.
Wie viele Zutaten braucht es, um eine Wirkung zu erzeugen? Wann ist etwas zu viel? Wann ist es genug? Und was bleibt, wenn wir alles überflüssige weglassen, Diese Fragen begleiten uns in der Kunst, in der Philosophie, doch sie stellen sich auch in einem Bereich, den wir oft unterschätzen in der Welt der Düfte.
Was passiert, wenn wir die Welt nicht nur mit den Augen oder dem Verstand erfassen, sondern mit der Nase. Ganz bewusst fast forschen, kann das unsere Wahrnehmung vielleicht sogar unser Denken verändern. Durftest unsichtbar und doch allgegenwärtig. Er prägt unser Leben, beeinflusst unser Verhalten, unsere Erinnerungen, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und vielleicht sogar unsere Entscheidungen für die Zukunft, Ganz besonders freue ich mich daher auf das Gespräch mit Gesa schön. Ein Parfumeur, der die Regeln der traditionellen Duftkomposition auf den Kopf gestellt hat Mit Essenric Molecules hat er einen völlig neuen, reduzierten Ansatz in der Parfümerie etabliert und damit eine eigene olfaktorische Sprache geschaffen.
Gleichzeitig bewegt er sich an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Philosophie. Immer auf der Suche nach der Essenz der Dinge. Gesa, erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du gemerkt hast, dass Duft deine Ausdrucksform ist, Eijeijei. Sagen wir mal, ich habe früh gemerkt, dass mir das Thema irgendwie nahe ist oder dass mir das Spaß macht und dass ich irgendwie, auch im Nachhinein erinnern konnte, dass ich ähm früher als Kind viel gerochen habe. Nun war ich auch in Umgebungen, in denen es eben roch, also zum Beispiel im Garten meiner Großeltern oder, Wo man draußen ist und Materialität dann auch eine Rolle spielt und man irgendwie in den Dreck greift und umbringt es von Gras und anderen
Materialien und Naturphänomen, dann muss man sich dessen nur bewusst werden und dann könnte das theoretisch wahrscheinlich jeder auch riechen und wahrnehmen und das war mir vielleicht. Vielleicht war mir das näher als anderen. Auf jeden Fall hat das dann ja angefangen, als ich 13 war, dass ich sozusagen konkret Testmuster, Proben gesammelt habe von Düften So ging's halt los. Du bist in Kassel aufgewachsen, in der Documentastadt Absolut, so ist es, bin in Kassel geboren. Ähm Abitur gemacht und Zivildienst und dann bin ich bin ich raus, aber ich bin komplett in Kassel aufgewachsen. Das war auch super hat Kunst und Kultur damals schon eine Rolle gespielt und denkt natürlich in Kassel aufgewachsen und so. Mein Vater war Kunsterzieher. Der hat an der Goetheschule in Kassel,
Kunst unterrichtet. Insofern war sowieso schon immer irgendwie eine starke Kunstaffinität bei uns in der Familie und natürlich war ich auch auf allen Dokumenten, die irgendwie. Seit 1972 ähm Documenta fünf hat mich mein Vater in das, Büro für direkte Demokratie von Joseph Beuys geschleppt und hat sich dann eine seiner Plastiktüten ähm signieren lassen für mich. Die habe ich heute noch. Die hängt an der Wand. Da steht dann für Gesa von Joseph Beuys das ist natürlich schon scheiße cool. Ähm ich bin ein bisschen neidisch. Ja. Auf jeden Fall, Klar ist die ähm die Affinität zur Kunst immer schon da. Hattest du das Gefühl, dass du immer viel ausprobieren durftest? Ja, ich habe auch viel ausprobiert,
in unterschiedlichster Form, also klar so das Gekrackel und das Rumgemale und Rumgebastle, was irgendwie jedes Kind macht, bis es irgendwie ein paar Jahre alt ist, das sowieso, aber ich erinnere mich so, dass ich dann auch später mich ausprobiert habe in so Ding. Also ich habe Skulpturen gebastelt, die ich mit, in einen, ich weiß noch, ich habe in einen Granitblock sieben Löcher gebohrt mit einem Holzbohrer rückwärts.
Das ging aber auch. Also ich war sehr resistent und habe irgendwie viel Spaß am Machen gehabt, ohne irgendwie viel zu wissen und war so Autodidakt. Ich habe T-Shirts gemacht mit so bespray und ich habe dann später ganze Linien von Schmuck gemacht aus unterschiedlichsten Materialien aber das mit dem Riechen, das war irgendwie immer so.
Das war schon immer irgendwie das Coolste, also auch meine Sammlung, die wuchs dann, als ich dann eben drei1 war, wie gesagt, fing ich an und die wuchs und wuchs und ich war dann auch noch mal, als ich fünfundachtzig, als ich in Amerika war für einen Monat, da habe ich dann noch mal ganz andere Proben mitgebracht, weil die natürlich andere Düfte hatten und damals gab's einfach noch nicht so viele Herrenunterarmen Noten.
Und so war das schon immer da. Also das mit dem Riechen, das war irgendwie meine eigene kleine Welt. Ich kam in der Regel dann so von der Schule nach Hause und hatte dann irgendwelche Pakete oder Päckchen da liegen, die abgegeben wurden für mich, wo Duftproben drin waren von irgendwelchen Düften, die es damals gab und ich habe da immer, wie wild Postkarten hingeschickt, und habe die gebeten, dass sie mir doch äh bitte von ihren Linien Testmuster schicken mögen und das, was sie auch gemacht haben Kannst du dich noch an einen Moment erinnern, wie du darauf kamst? Ja, das weiß ich ganz genau. Mein Vater hatte ähm der hatte sich auch immer so, Materialien bestellt. Er war auch ein großer Bastler, ist auch heute noch und der bastelt so ständig was. Und dann habe ich mal gesehen, wie Momente. Schreibe da einfach nur wieder hin und dann kriegt der so eine Kiste nach Hause geschickt. Und ich hatte irgendwie dann in so einem
Keine Ahnung, im Spiegel oder in irgendeinem anderen Magazin, was da rumlag. Da gab's immer einen sogenannten Depot-Nachweis bei den Duftanzeigen bei den wenigen, die es damals gab und da stand die Adresse und da habe ich hingeschrieben und das funktionierte bei allen diesen Firmen. Es war unglaublich. Und eine Postkarte kostete damals, weiß nicht, 40 Pfennig oder so.
Das ging noch. Mit 13 Düfte zu sammeln. Es fühlt sich im ersten Moment so ungewöhnlich an, auf diese Idee zu kommen. Bist du mit deiner Mutter normal ins Geschäft gegangen und hast gedacht, oh prima, das sammele ich jetzt Nee, wir hatten diese Kultur bei uns zu Hause überhaupt nicht. Also meine Eltern, wir hatten auch einfach nicht das Geld. Mein Vater war Lehrer, meine Mutter hatte halbtags in der Kita gearbeitet. Wir hatten nicht so diese Kultur, dass irgendwie mein Vater.
Dufttrug und meine Mutter irgendwie eine Duftgarderobe hatte oder so. Das war einfach nicht da. Mein Vater hatte dann später so Sachen wie der hat sich da mal einen oder mal ein Asaro-Purum oder so gekauft, aber das war schon das war schon echt ein Investment. Ist ja auch, ich finde das im Nachhinein total sympathisch, dass man einfach, Dass dieser Teil aufgrund der der ökonomischen Lage auch in der Familie natürlich jetzt nicht irgendwie total ausgeprägt war. Wir auch. Warum? So, vielleicht auch deswegen, da hatte ich so was eigenes, da musste ich nur mit mir klarkommen, während des Riechens.
Vielleicht war das auch ein Grund dafür, dass ich das irgendwie toll fand. Ist ja eigentlich auch interessant. Du sagst aufgrund der ökonomischen Lage, was uns gar nicht so möglich diesen Duftmantel anzuziehen. Ich frage mich, wie ist denn die Geschichte des Dufts eigentlich? Vermutlich könnten sich ursprünglich nur sehr vermögende Menschen na klar.
Und der Rest musste mit seinem Alltagsschweiß zurechtkommen. Wir können uns nicht vorstellen, wie die Leute früher untereinander sich gerochen haben. Müssen. Das können wir uns nach heutigem kulturellen Standard nicht mehr vorstellen, glaube ich. Also wir hatten natürlich alle möglichen Pflegeprodukte zu Hause, die man so brauchte, aber es gab halt nur ein Shampoo, weil es gab irgendwie nur eins im Supermarkt und ich 50 oder 250 wie heute, Das war kein Problem. Das war einfach nicht wichtig, aber doch mal, je mehr ich drüber nachdenke, desto klarer wird's, dass wahrscheinlich diese Duftgeschichte, da hatte ich so was ganz Eigenes. Mein Vater war auch manchmal immer noch so, der hat dann auch mal den einen oder anderen ketzerischen Kommentar gemacht.
Weil er sich für einen Witzbold hielt, aber das hat mich nicht gestört. Was waren das für Kommentare? Weißt du, so ein Typ, der ist irgendwie, dreizehn oder 4zehn und wechseln so eine Kleinstadt auf und klar, ich war auch im Fußballverein und habe Fußball gespielt und habe sehr jungstypische Sachen gemacht, aber Düfte sammeln, das war sicherlich sehr fremd und sehr.
Wie sagt man? Herausfordernd. Ja, nicht nur herausfordernd, sondern das hatte so was Exaltiertes. Das ist das Wort. Das war sehr ungewöhnlich. Und natürlich dachten die alle dann äh später, ich bin schwul und so. Das kommt dann halt mit, ne? Das ich komme noch aus einer Zeit, wo so was irgendwie das gab's nicht. Welcher Jahrgang bist du? 9sechzigund. Mhm. So kann ich mir vorstellen, dass das ein bisschen schwierig wird. Hast du denn damals schon festgestellt, Das gefällt mir besser und das vielleicht auch mit bestimmten Personen verknüpft. Die Gruppe, die riecht so und die Gruppe riecht. Also, Ich glaube, in den sagen wir, in den Achtzigern, wo ich so angefangen habe, also zweiundachtzig, 83 hat diese Leidenschaft begonnen.
Da gab's einfach noch so wenig. Äh ich habe dann selber mal mir später, ich weiß noch, ich habe eine kleine Flasche Fahrenheit und auch eine kleine Flasche gekauft, Ende der Achtziger. Das war aber so das Höchste der Gefühle. Also wie gesagt, die Idee, dass man irgendwie dafür, 40, fünfzig, 100 D-Mark damals ausgehabt, das war einfach vollkommen. Dafür wurden andere Sachen gekauft. Mhm.
Aber ich habe zu all diesen Düften, die ich damals gerochen habe, ich habe die noch in der Nase. Das war so intensiv und so einzigartig. Natürlich waren auch sagen wir mal die Charaktere der, die damals lanciert wurden. Die hatten einfach eine andere Güte als heute die Düfte die lanciert werden. Da gibt's wenige Ausnahmen, aber, Im Prinzip ist die große Masse an Klassikern, die so entstanden sind. Die sind nicht in den letzten zehn oder 20 Jahren entstanden, sondern davor. Zum Beispiel?
Ich denke an Tresor. Tresor ist 1 davon, ganz klar, so viel Großmann von der IFF, die damals eben ihren Stil hatte und viele Düfte gemacht hat. Tresor ist wahrscheinlich das Paradebeispiel für ihre Signature für ihren Style, aber Also noch mal, gehen wir zurück, dann tatsächlich auch zu Co-Water oder Fahrenheit.
Auch Asarofurum gilt als Klassiker. Viele andere Düfte, die eben auch aus der Zeit kommen, wo bestimmte Klaviaturen sozusagen noch nicht gespielt wurden, Irgendwann ist glaube ich alles mal irgendwie miteinander kombiniert und geguckt worden. Können wir denn sozusagen mit der Harmonie, die wir hier jetzt wieder kreiert haben, funktioniert das auch noch. Man kann natürlich völlig verrückt Parfümerie machen, aber, die dürfte basieren in der Regel auf eine Art kulturellem Vorwissen, was der Konsument im Laufe der Zeit im Laufe seiner olfaktorischen Sozialisation quasi erworben hat, Und das muss dann passen. Da kommen selten Sachen rein, die auf einmal völlig anders riechen und die auch sofort gemocht werden
Das ist eben schwierig. Das ist anders als bei anderen Disziplinen, wo man sich glaube ich leichter öffnet, auch weil es in der Regel natürlich visueller, Bespaßung dann dient, die sozusagen. Das Ganze ganz leicht laufen lässt. Wir können zum einen weggucken, zum anderen sind wir visuell, glaube ich, so abgestumpft, dass man viel mehr zulässt, als wir beispielsweise bei bei Gerüchen zulassen.
Ne? Wenn man was Schlechtes riecht, irgendwo ist es in der Regel ja schon zu spät. Man hat's ja gerochen. Wir können aber eben diesen Geruchssinn, Manchmal nicht so richtig kontrollieren und ich glaube, es gibt eher eine Tendenz, alles kontrollieren zu wollen und irgendwie on top of the Game zu sein, von allem und Gerüche sind da so ein, ja so schwierig zu greifen, so ein bisschen dazwischen. Wie ist denn unser Duftgedächtnis geprägt?
Eben sprachen wir ganz kurz darüber, dass sich nur die außerordentlich vermögenden Menschen, Düfte, Öle leisten konnte, um etwas Besonderes darzustellen. Warum wurden. Parfums. Ursprünglich erfunden und wie sehr prägt das Verständnis von diesen einstigen Gerüchen, die vielleicht über Jahrhunderte eine Rolle gespielt haben? Unser heutiges von Wohlgeruch. Also ja, gehen wir mal zurück zu den Anfängen. Klar, wenn man jetzt in die, in die Dufthistorie reinschaut, dann landet man wahrscheinlich irgendwann bei den alten Ägyptern, die eben damals schon irgendwelche Blüten in irgendwelche Fette und Wachse eingelegt haben, mit denen sie dann nachher Kerzen oder sonstige Prozessionen bespielt haben, die wahrscheinlich so einem,
religiös, kulturell, rituellem Hintergrund geschuldet waren, so wie es dann später in der Kirche mit dem Weihrauch passiert ist. Also man man hat verstanden, das zu bestimmten. Umständen zu bestimmten Feiern oder Tagen oder Dingen, in denen irgendwas gedacht und gefeiert wurde, dass man dazu Geruch dazu gab. Das hatte was, Besonderes. Das hat diesen Moment natürlich sinnlich noch mal mehr bespielt als, Jetzt wenn man nur guckt oder nur was hört. Klar, das vermischt sich und das macht das spannender. Später dann, also schreit man ruhig mal in die, zu Zeiten der französischen Revolution und der der großen Kaisern, die sich eben parfümiert haben. Also früher kamen die, Viele dieser Zutaten wahrscheinlich aus Gras, weil der Handel einfach noch nicht so,
Schätze mal noch nicht so florierend war Ende des 18. Jahrhunderts, dass man auf diese ganzen Naturprodukte leichtens Zugreifen konnte. Insofern war das wahrscheinlich sehr limitiert, aber das konnten sich natürlich nur die Reichen leisten, ist ganz klar. Das war teuer. Dafür mussten auch damals schon viele Leute, viele Blüten pflücken, um irgendwie das bisschen, riechendes aus den Blüten rauszuquetschen. Das ging dann, sagen wir mal, machen wir mal einen Schritt hin in die Zeit von Chanel Nummer fünf. Also 1921 wurde schnell Nummer 5 lanciert.
Und da war das eine Sensation sozusagen, weil eben über diese Überdosierung, diese alte Hüde, eine neue Wahrnehmung entstand. Vorher waren's auch schon Düfte, aber man hatte diesen hohen Einsatz an all die Hüten der dort eben stattfand, das hatte man noch nicht gesehen. Und damals, das war so das Hippeste, was es irgendwie gab. Das hatte zwar noch keiner so gerochen, aber das trugen die Leute trotzdem, die sich das leisten konnten. Das war schon, Statement. Und das hat sich irgendwann, glaube ich, ein bisschen abgeschwächt, dass man so, Ein Statement machen durfte oder auch wollte, also ich erinnere mich, als ich aufgewachsen bin, das war schon also die Girls trugen irgendwann alle irgendeinen Duft, so Mitte der Achtziger, aber die Typen,
irgendwie keiner einen Duft. Wenn wir überhaupt hatten, sind Deo zu Hause stehen und haben das benutzt, aber es gibt sozusagen unterschiedliche Intensitäten über die Zeit, in denen Duft eine unterschiedliche Rolle auch da gespielt, indem man eben stark riechbar und wahrnehmbar ist oder nicht so stark. Und wir haben gerade wieder seit ein paar Jahren so eine Zeit, wo's gar nicht stark genug riechen kann.
Und die Leute damit überhaupt kein Problem haben. Ich weiß auch in den achtziger Jahren, da gab's in New York Schüler in Restaurants zustand wenn du das und das und das trägst, kommst du hier nicht rein. Whitely Soap, das kann ich total nachvollziehen. Das ist so ein bisschen wie heute, wie man geht in Restaurants und man hat sich dran gewöhnt, dass da nicht mehr geraucht wird und dann irgendwann ist man mal, Keine Ahnung, in äh Frankreich oder Italien oder sonstwo und da rauchen die dann noch oder da da zieht das dann irgendwie so rein und man denkt so Das kann doch nicht wahr sein. Also wir gewöhnen und wir entwöhnen uns an Gerüche, die uns im Laufe der Zeit so begleiten, aber Parfum war lange ein sehr.
Kostspieliges Gut, was sich nur wenige leisten konnten bis in die siebziger, 80er Jahre rein, Und dann wird es etwas generischer? Ja. Für jeden zugänglich? Genau. Und auch die unterschiedlichen Strömungen. Ja auch dadurch, dass es dann billiger wurde oder es dann irgendwie Marken gab, die Düfte halt günstiger anboten. Also ich erinnere noch meine Oma, die hatte natürlich immer eine Flasche Tosca und eine Flasche 7undvierzig elf. Und dann immer noch diesen kleinen Mini, der irgendwie in die Handtasche passte. Mit dem roten Deckel, genau, von Mühlens. Glockenkasse. Ja, das war so da, aber, Darüber hinaus gab es nicht oder zumindest in meiner Familie jetzt nicht irgendwie die kulturelle Notwendigkeit, sich auf jeden Fall zu den anderen Menschen durch einen Duft abzugrenzen oder auffallen zu wollen. Das war einfach nicht da.
Und dann wurde es eben günstiger in den Achtziger, 90ern, jetzt natürlich sowieso. Also wir haben gerade neulich waren so Leute hier, die brachten ein Original von Lancom mit. Und dann vier Dups, Wort hat sich mittlerweile auch irgendwie eingefunden, also Kopien von einem existierenden Original, in dem Falle von Lancome eine Darmnote und dann, vier Kopien, die im Markt eben erhältlich waren, von ich glaube ein Euro neunundneunzig für fünfzig Milliliter Duft.
Bis zu Pan zwanzig, Pan 30 das Original kostete sagen wir mal 50 oder 60 Euro von Lankom. Und das war spannend zu sehen, wie, wie natürlich man, Den Duft verändern muss, wenn man tatsächlich das jetzt, sagen wir mal, für einen Euro 99 in irgendeinem Discounter anbieten muss, dann hat man halt als Parfumeur, Also so eine dermaßen begrenzte Anzahl an Rohstoffen, die einem überhaupt noch bleiben, damit noch irgendwas riecht. Da hat man dann kein Geld hingegen, Wenn ich jetzt für Lankoven damals an dem Originalbriefing gearbeitet hätte, dann hätte ich eben 30 Euro vielleicht Materialkosten pro Kilo Duft und die ihr Produkt für 199 verkaufen, die haben dann halt nur noch, sechs Euro fürs Kilo und nicht dreißig.
Und da kann man keine teuren Natur ansetzen, da ist dann fast alles Synthese und das riecht man dann natürlich auch. Wie sieht denn so ein Briefing aus? Kriegst du dann gesagt, wir stellen uns jetzt eine Frau vor, eine Podcasterin, die durch den deutschsprachigen Raum reist. Also das wäre natürlich, ein Echtschrittes Briefing, also eine Podcasterin, das ähm kommt mir das so bekannt vor, genau. Irgendjemand ähm, Also ich bin generell gegen gegen die Willkür. Mhm. Von den Dingen. Und ich bin auch gegen die Willkür, was sozusagen also kein, Konzeptionelles Denken zu haben, bevor man an so einen Duft rangeht, macht eigentlich keinen Sinn. Klar, man kann auch irgendwas zusammenschütten und irgendwie hoffen, dass es irgendwie schon irgendwie gut riecht, aber man muss ja eine Idee haben, wie bei jedem kreativen Prozess.
Hoffe ich doch zumindest, ist am Anfang erst die Idee, Und dann irgendwie vielleicht auch noch ein bisschen die Intuition und dann aber die Ausführung und die Umsetzung und bei Duft ist das also das hat auch eine technische Seite, weil man kann nicht alles zusammen tun, weil sich viele Dinge untereinander nicht befeuern, sondern eher erdrücken.
Und da muss man schon wissen, wie bestimmte Riechstoffe zusammen mit bestimmten Naturprodukten und auch mit welchen Mengen dieser Produkte eben zusammengehen oder eben nicht. Deswegen ist das Ganze auch ähm häufig also die Leute denken dann immer, dass die Intuition, wach küsst und man dann auf einmal das perfekte Ei legt und alle finden super, wenn es denn so einfach wäre, würde das ja jeder Parfume ständig machen. So ist es ja nicht.
Und deswegen ob das jetzt eine Podcasterin ist oder eine Frau, die irgendwie, Im Krankenhaus arbeitet oder eine Lehrerin ist oder keine Ahnung, wer das ist. Das ist eher völlig unwichtig, ob die eine Podcasterin ist, würde ich sagen als erstes. Da würde ich erstmal denken, würdest du mir jetzt echt erzählen, dass irgendwie.
Der Duft, den die Leute erwarten würden von einer Podcasterin, auf jeden Fall anders riechen muss, als der für eine, Kioskbesitzerin oder eine Professorin oder eine sonst was, Frau. Das ist völlig willkürlich. Viel wichtiger wäre es zu wissen, was hat die Frau für eine olfaktorische Substitalisation hinter sich.
Wo kommt die her? Klar, was mag die? Was mag die nicht? Da würde ich eher dann in die die Frau individuell reinschauen wollen. Mich auf so eine Kategorie festlegen zu lassen, dann dass also jemand von mir erwarten würde, Ich müsste jetzt also die Duftkreation tatsächlich in diesen Podcast da so reinlesen können, den würde ich rausschmeißen wahrscheinlich. Das ist absurd. Das ist Gefasel und da steckt sozusagen keine tatsächliche Information drin, die mir helfen würde.
Was ist denn eine olfaktorische Sozialisation? Na, wenn ich eben in Kassel aufgewachsen bin in den achtziger Jahren, dann habe ich Kontakt gehabt mit Produkten, die sind typisch für die Zeit und jemand, der in Frankreich oder in Argentinien oder in China aufwächst, um die gleiche Zeit. Der hat Kontakt zu ganz anderen Körperpflegeprodukten Ritualen.
Dringlichkeiten, hygienischen Anforderungen et cetera. Das alles macht was mit einem. Wir mögen Düfte, weil wir sie in der Kindheit, Idealerweise unter guten Umständen erfahren haben. Ja, man war im Bad, man die Mutter hat einem die Haare gewaschen. Das ist ja eher positiv besetzt. Es Also quasi das Geruchsgedächtnis entscheidend, ob man in der Reife einen bestimmten Duftmark, als Beispiel ich habe oft Urlaub in Frankreich gemacht, also würde ich vielleicht Lavendeldüfte gut? Ja, also es kommt wie gesagt, es kommt immer drauf an, ob die Situation positiv besetzt ist oder nicht. Ja also wenn ihre Familie, Durch die Lavendelfelder schlendern, aber der Vater irgendwie, keine Ahnung, Der Mutter eins in die Fresse haut, um's jetzt mal völlig komplett bescheuert, brutal darzustellen,
dann ist das ein wahnsinnig negativer Moment und dieses Kind, was das Ganze mitbekommt, wird wahrscheinlich für den Rest seiner Tage den Geruch von Lavendel absolut hassen. Mhm. Es gibt also eine Korrelation zwischen. Einem olfaktorischen Empfinden und einem momentanen situativen Moment, der eben durch den Geruch angereichert wird, aber eben ob der positiv oder negativ ist, spielt eine Riesenrolle.
So und dann gibt ja so den Klassiker, was weiß ich, äh jemand mag keine sauren Gurken, weil irgendwie irgendeine Großmutter das damals gefordert hat, das auch zu dem Essen auf jeden Fall auch dieser Ohrengurken Gürkchen dazugehören, aber man wollte das gar nicht und man hat sie dann irgendwie in den Mund geschoben bekommen und seitdem Fass man die Dinger nicht an. Also wir sind sehr nachtragend und genauso eben auch sehr abspeichernd, was solche Sachen angehen.
Die eben eine bestimmte olfaktorische Untermalung hatten. Und so hatten wir alle unterschiedliche, olfaktorische Sozialisation, also nenne ich's halt, weil wir aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, die unterschiedliche, olfaktorische Momente erzeugen. Wie bei Pflegeprodukten, wie beim Essen, wie bei der Umwelt, wie bei allem, was uns als Menschen, eben anders macht zu anderen. Wir haben so ein bisschen aufgehört über deine Biografie zu sprechen, als du 13 warst und angefangen hast, Düfte zu sammeln. Wie ging das weiter? Also wir sind ja, also okay, wir sind jetzt nicht direkt, Nachkriegsgeneration. Aber meine Eltern waren Nachkriegsgeneration. Mein Vater ist vierundvierzig geboren, meine Mutter achtundvierzig. Die kommen noch voll aus dieser Zeit und wir waren so,
Sprösslinge eben dann schon Ende der 60er Jahre waren wir dann da. Die Eltern wussten selber noch gar nicht, was sie mit dem Leben anfangen konnten auf einmal und wir wuchsen so mit auf. Ich hatte halt diese Großeltern, die diesen tollen Garten hatten, wo ich oft war und da passierten Gerüche. Und Kinder, die halt das Pech haben irgendwie vielleicht nur im Hochhaus aufzuwachsen und irgendwie gar nicht draußen spielen können oder so, die die kriegen viele Sachen geruchlich natürlich nicht mit. Deswegen, ist jede olfaktorische Sozialisation von jedem Menschen, anders. Wie ging's bei dir beruflich nach der Schule weiter? Also ich hatte ja schon Kontakt zu Hameln und Reimer. Da war ich ja sogar nur in der, ich glaube in der 11ten Klasse. Da bin ich da ja.
Hingefahren, habe mich einfach in den Zug gesetzt und fuhr nach Holzminden. Nachdem ich Dagmar Skoperik kennengelernt hatte, die war die Tochter von, Herrn Skooperik, der war der Chef von Hamel und Reimer in Holzminden damals. Die habe ich kennengelernt in Wiesbaden, eine völlig skurrile Szene. Auf jeden Fall, Habe ich die kennengelernt und da war ich 16 oder so, schätze ich mal. Und die, der konnte mir natürlich sagen, an wen ich mich da in der Firma wenden musste. Also völlig irre, dass sozusagen die Tochter vom Chef des Ganzen mir da äh Auskunft geben konnte, Und dann bin ich da hingefahren nach Holzminden und habe gesagt, kann ich mal mit jemandem reden hier?
Ich finde das toll mit dem Parfumeur sein und die waren natürlich völlig so wie aber haben Sie denn einen Termin? Und dann habe ich gesagt, nee ich habe keinen Termin und dann ja, dann Sie brauchen aber einen Termin und dann nach circa einem halben Jahr hatte ich dann meinen Termin, fuhr dann wieder dort hin und dann haben die sich sehr Mühe gegeben und haben mir sagen so Geruchstests und so Assoziationstests und so einen Kram mit mir gemacht. Das war alles gut. Ich meine, ich war ja auch schon wirklich trainiert. Ich hatte all diese verschiedenen, zu Hause stehen und konnte die alle sicherlich blind benennen und konnte, glaube ich, auch das mit Attributen, glaube ich, zueinander abgleichen oder irgendwie darüber reden. Auf jeden Fall fanden die das spannend und gut genug, dass da irgendwie so ein Typ aus Kassel kam, der irgendwie da so einen Narren gefressen hatte.
Und ich blieb dann einfach mit denen in Kontakt. Ich meine, das war ich war ja nur sechzehn. Ich war in der 11. Klasse vielleicht und, habe Abitur gemacht und war immer noch mit denen Kontakt, habe da ein Zivildienst gemacht, 20 Monate. Und dann war so zum Ende des Zivildienst auf einmal kriege ich den Anruf, Februar.
1990 war das tatsächlich. Und dann haben die gesagt, dass sie sich entschieden hätten oder sie würden mich fragen, ob ich denn für ihre nächste Ausbildung, ob ich noch Interesse hätte. Und da bin ich natürlich völlig ausgerastet. Das war natürlich das Geilste, was ich je gehört hatte und dann bin ich tatsächlich im August 90 dann dahin nach Holzminden und habe erst anderthalb Jahre so, Praktikum gemacht, In unterschiedlichsten Stationen innerhalb dieser Firma. Also ich war im im Kosmetiklabor und im Haushaltslabor und ich war in der Produktion und ähm habe irgendwie überall reingucken dürfen dazu, hatte ich noch ein eigenes Büro, also ich hatte einen eigenen Raum mit einer eigenen Waage und den ganzen Rohstoffen an der Wand. Das war schon sehr.
Spannend und da war dann natürlich auch dieser Moment dabei, wo ich eben sicherlich am ersten, spätestens am zweiten Tag ISOI super gerochen habe zum ersten Mal, was damals ja Ein ganz normaler Riebstoff war wie alle anderen auch, die im Regal standen und ab da, wo das dann. Spannend für mich, auch weil ich eben was gesehen habe, was irgendwie dann ja, später auch tatsächlich so ein bisschen die Parfümerie verändert hat, weil eben der Fokus auf einmal auch auf synthetischen Produkten gerichtet sein durfte, ohne dass man sich schämen musste. Und bis dahin war also jeder Pyramide über jeden Duft, die man Lars mit Top, Herz und Basisgeruch, da standen nur Naturprodukte drin, So, was ja Blödsinn ist, weil die meisten Düfte auch damals schon bestanden natürlich zu einem
großen Prozent äh Teil aus Synthese und nicht aus Natur, Egal, also das, so ging's damals los und ich war dann als in Holzminden gelandet und ich weiß noch, wie ich am ersten Tag, als ich da hinkam, Da bin ich bis abends um, Ich war bis um halb sieben oder so in der Firma. Die waren alle schon längst zu Hause, weil die fingen damals noch die fingen quasi alle um viertel nach sieben an zu arbeiten. Es war auch ganz egal, was du gemacht hast. Da waren alle um viertel nach sieben da.
Und ging um kurz nach vier nach Hause. Ist ja auch, kann man ja machen. Ist ja alles gut, aber da gab's dann auch noch Trouble später, weil ich da da kam ich nicht mit klar, so früh anzufangen. Auf jeden Fall, ich weiß noch, wie ich äh An diesem ersten Tag wie ich abends in meiner Pension kam, die ich mir für die erste Woche gemietet hatte und wie ich mich aufs Bett gelegt habe, und einfach nochmal durchatmen wollte und wie ich dann tatsächlich eingeschlafen bin und erst am nächsten Morgen genau in der gleichen Pose wieder aufgewacht bin. Ich war also völlig erschlagen und.
Mein Körper war voll mit diesen Geruchseindrücken. Das hat mich so dermaßen müde gemacht, dass ich da so weggedämmert bin ist denn so eine Ausbildung in einem so großen Parfümeriebetrieb nur geprägt von schönen Düften? Oder haben die dich auch mal herausgefordert und deine Nase trainieren wollen mit bisschen intensiveren Situationen? Also alle diese Gerüche, die dort passieren, sind ja, eigentlich gewollt. Also also klar gibt's dann auch gegen die riechen dann total schräg, aber dann braucht man die eben für eine bestimmte Base, für den Eindruck von irgendeinem bestimmten Holz, vielleicht auch dann nur in einer ganz kleinen Menge, aber ohne diesen Stoff riecht's dann eben.
Nicht so perfekt wie mit dem Stoff. Also es gibt viele schräge Riechstoffe, die einen schmunzeln lassen oder wo man sich wundert, aber es gibt immer einen Grund dafür, warum die da sind. Kannst du mir ein Beispiel nennen? Ja, also das Schrillste, was mir mal passiert ist, da war mir noch Trainees, Und da kam dann irgendwie einer aus der Forschung rüber, die eben gelegentlich kam, um neue, Produkte zu zeigen, die sie gerade irgendwie gekocht hatten im Labor. Und da stand dann so ein Riechstreifen rum von so einem Stoff, der roch wie Sperma, Aber so was von krass, genauso und stark und der hatte genau dieses cremig pilzige, was ja irgendwie das das tut mir ja leid, dass ich das so sagen muss, aber das war so dermaßen offensichtlich und ich weiß noch, wie wir da saßen und so gestaunt haben, was für ein was für ein Stoff das der was der für eine Strahlung auch hatte und da kam dann so eine Mischfrau
runter aus dem vierten Stock, die hießen früher so Mischfrauen. Muss man sich mal vorstellen. Und die kam dann da rein, weil da auf der dritten Etage, wo wir waren, da war die Toilette, dass die ganzen Leute ständig da an unseren Wagen ständig rein und rausgingen, weil er das Klo war und dann haben die gefragt, Wonach riecht's denn hier eigentlich? Seid ihr frech? Und die hat also nur ganz schnippisch.
Weggeguckt und sagte, das sage ich nicht. Und dann verschwand sie im Klo. Also das war sicherlich dadurch weil das eben so ein, Ungewöhnlicher Moment war sozusagen so ein so einen olfaktorischen Eindruck, den man also nur aus den intimsten Momenten, irgendwie selber kennt, den auf einmal in so einem Raum gepresst, riechen zu dürfen, das war völlig schräg und völlig schrill und ich schätze mal, die haben sogar diesen Stoff nie lanciert. Ich glaube, dann hätte ich darüber was gehört. Wann hast du denn gemerkt, dass ein bestimmter Stoff eine bestimmte Wirkung erzeugt?
Also jeder umgibt sich ja wenn er kann oder wenn er ein Faible dafür hat, mit schönen Dingen. Ja, also wir wollen ja alle irgendwie attraktiv wirken, wir wollen uns alle wohl fühlen in unserer Haut, wir wollen alle irgendwie uns pflegen und uns gut anziehen und das hat alles, was damit zu tun, dass man irgendwie, man möchte ja akzeptiert werden, man möchte ja eine Bestätigung bekommen und und Geruch, gehört insofern mit dazu, als dass es eben natürlich leider auch viel schlecht Düfte gibt, aber es gibt ja auch ganz tolle Düfte, die Leute dann auch komplementieren und irgendwo auch sogar ein vielleicht bis hin zu einer Identität erschaffen.
Also es gibt ja viele Leute, die tragen seit 50 Jahren den gleichen Duft, aber das ist auch gut so. Man kennt die nur mit diesem Geruch. Das hat was Tolles für dich, wenn jemand, dem man eben, durch eher durch eine gemeinsame Zeit, die man verbracht hat, kennt, wenn der aber eben immer diese gleiche olfaktorische Handschrift mit sich herumschleppt, ob das jetzt ein Typ oder eine Frau ist, völlig egal.
Aber das hat was, finde ich. Wann war denn der Moment, dass du gedacht hast, diese eine Essenz? Die ist es. Wir brauchen gar nicht viel mehr. Na das das kam tatsächlich über diesen Test, den ich damals gemacht habe. Also es muss Herbst. 1990 gewesen sein. Ich hatte also easy super zum ersten Mal gerochen. Habe das dann abgefüllt in ein kleines Fläschchen und fuhr nach Kassel am Wochenende. Habe das dann einem Freund gegeben, meinte hier Schmiere davon jeweils einen Tropfen an den Hals.
Bevor wir ausgegangen sind in Kassel, am Freitagabend und, Wir standen da rum, das war noch ziemlich leer, es war relativ früh, dass wir da waren und ich weiß noch, wie wir wir standen einfach da, hatten irgendwie eine Flasche Bier in der Hand und das war's und dann kam so eine Frau, die ging an uns vorbei, ging auf Toilette und kam wieder zu uns, weil sie da hinten irgendwo dann saß und die blieb vor uns stehen und meinte, wer riecht denn eigentlich hier so gut?
Und das war damals nicht so wie heute, dass irgendwie heute quatscht jeder jeden an und Scham existiert nicht und solche Dinge und das war so besonders, dass die ich kannte die auch nicht, aber die, Konnte nicht anders, als mich das fragen. Die war so überwältigt von dem Geruch von meinem Freund, der nun eben ISUI super trug, dass die uns gefragt hat. Ich habe mich da mit ihr unterhalten und es kam raus, die mochte Tresor und Fahrenheit.
Zwei sehr unterschiedliche Düfte, Tresorene Damennote, sehr pudrig, blumig, fruchtig, süß. Unfahrenheit sehr maskulin, sehr frisch, sehr holzig, Patschuli und so. Und das bindende Glied von diesen beiden Düften war easy super. Tresor hatte damals, glaube ich, circa 20 Prozent und fahren halt 25 Prozent easy super als Zutat. Und, Ich habe dann so gedacht, na ja, warum sollte die jetzt zwei so krass unterschiedliche Sachen gut finden und sie trägt nur die und das waren eben auch damals schon, Die Noten, wo am meisten ISOI Super mit drin war sozusagen. Also, es ist nicht belegt, aber ich glaube nach wie vor dran, das eigentlich auch das war, was sie an diesen Düften angezogen hat. Gerade weil die so unterschiedlich waren und,
Das habe ich dann einfach für mich nur so vermerkt. Das war für mich eine Art rein empirische Feststellung, dass dieser Stoff was Besonderes war. Ich wollte aber ja nur ein Parfumeur werden. Ich wollte ja jetzt nicht irgendwie. Minutiös vorgehen und das Ganze irgendwie sezieren, sondern ich wollte ja lernen, wie man Düfte macht. Oder paar Vermittler. So, genau. Deswegen, das kam erst wieder zur Sprache neunzehnhundertvierundneunzig, da Arbeiteten wir also auch die Jugendparfume an dem ersten Dieselduft, Und da habe ich noch zu dem Verkäufer gesagt, hier zeig denen doch mal Isoli super, weil Diesel, das war die coolste Brand der Welt. Die hatten die, äh Werbeanzeigen in Zeitungen, äh ich weiß noch, Diesel Living und dann waren da immer irgendwelche Freak-Szenarien gezeigt. Das war echt irre.
Und wir hatten also die Gelegenheit mit diesem Duft zu arbeiten und der Verkäufer hat dann zu mir gesagt, nee, also Iso ist super als Riechstoff. Das ist selbst für diese zu abgefahren. Und damit war die Sache gegessen. Ich habe dann glücklicherweise tatsächlich den Duft dann gewinnen können. Also das war dann 94 stand auf einmal der erste Dieselduft bei Douglas in Göttingen, wo ich damals wohnte im Schaufenster, das war sehr erhebend, aber, Dann war's für mich auch wieder so, okay der also selbst für Diesel hatte das irgendwie nicht mitgenommen nur zum zeigen das hätte natürlich für Diesel genauso funktioniert wie für jede andere fucking Brian auf der Welt genauso, weil das eben einfach so gut riecht. Aber dazu kam's nicht und dann ist es erst wieder dazu gekommen.
Als ich tatsächlich 2005 in London mit meinen Partnern damals, Das noch selber händisch jeweils 5000 Flaschen in der Garage abgefüllt haben, um dieses Produkt dann zu lancieren. Jetzt, Arbeitest du natürlich für große Firmen, aber du arbeitest auch mit, KünstlerInnen zusammen, um eine Art Editionsduft zu entwickeln Ja, ist ganz unterschiedlich. Also manchmal ist es mehr so eine Enviro-Mental-Geschichte. Also ich erinnere mich an so Sachen wie ganz am Anfang mit äh Sisle Tolas zusammen, dann mit Jepper Hein, Für den habe ich was gemacht, für so eine Ausstellung, wo er eben er wollte den Geruch des Waldes und dann ist er hat er viel Zeit im Wald verbracht und dann sollte das eine Rolle spielen innerhalb seines Kunstwerks.
Was er damals gemacht hat. Ich habe dann aber auch für Wolfgang Georgsdorf, der da mittlerweile auf meiner Terrasse in einem in meinem Sonnenstuhl liegt. Der hat ja so eine Geruchsmaschine gebaut, Smeller nennt er das? Was sehr beeindruckend ist, da habe ich eben halt dann damals die ganzen Gerüche für gemacht. Ich habe dann auch mit ähm Rosemarie zusammen einen Duft gemacht, Die habe ich also dann mehrfach getroffen und mit ihr daran gearbeitet und so ist das immer.
Ganz unterschiedlich. Michael Salzdorfer, mit dem habe ich auch einen Duft gemacht. Das ist überraschenderweise immer, sehr einfach. Man will ja erstmal so denken, oh Künstler das wird schwierig, aber vielleicht hatte ich auch nur Glück, dass bisher die Leute, die sich in diese olfaktorische Welt vorwagen, dass die dann auch irgendwie verständlich sind.
Da wird noch was kommen. Da das ist sicherlich erst nach wie vor nur in den Kinderschuhen. Was macht denn den Duft? In der Kunst so wichtig? Also eigentlich tun sie das ja nicht, weil es hat ja bisher wirklich nur ganz wenige Versuche gegeben, die darstellende Kunst mit einem Geruch zu versehen, das gibt's ja eigentlich nicht wirklich, weil in der Regel ist es natürlich eine rein visuelle Geschichte. Klar, manchmal kommt auch irgendwie, Tape oder ein Video oder ein Audio oder irgendwie wird mit dazu getan und dann aber das ein Geruch, eine visuelle Arbeit unterstützt, ist ja bisher wirklich nur ganz selten passiert. Auch da sind Künstler, In der Regel rein visuell gesteuert, so dass das dann hinten runterfällt. Also das kommt jetzt so langsam so ein bisschen, also in der Regel kommt ja auch ein Kunstwerk von einem einzelnen Künstler. Das sind ja selten,
Konglomerate oder Gruppen, die irgendwie ein Kunstwerk erstellen, sondern da gibt's einen Gerhard Richter oder eine Rosemarie Trockel und deswegen bleibt's in der Regel bei der Idee und die Idee erschöpft sich in einer visuellen Darstellung. Und eben nicht in der Vermischung der Sinne. Was kannst du denn von diesen visuellen Reizen lernen, wenn du die ulifaktorisch umsetzt? Ach so, das kommt natürlich drauf an, schaue ich mir jetzt was an und lasse mich davon irgendwie, inspirieren und aus dem Ganzen, was ich da sehe, bildet sich ein Duft in mir oder gibt mir sozusagen einen Künstler auch von sich aus dann eben was vor, so eine wie eine Art Vorlage oder ein Moodboard oder irgendwie manchmal erreichen auch ein paar Wörter.
Die mich dann inspirieren sollen. Aber es ist eben, ich versuche ja immer. Die Willkür so wie's geht zu vermeiden, einfach weil also die Willkür in der Parfümerie, das klappt nicht meiner Ansicht nach. Da muss schon immer eine Idee dahinter sein. Damit das Ganze nachvollziehbar wird und deswegen, wenn es jetzt irgendwie darum geht, Also soll ich wirklich jetzt versuchen, also Rosemarie Trockel in die zu bringen und nicht Gerhard Richter, klar der einzige Typ, der andere ist eine Frau, das hat einen Anfang, Aber ich tue mich schwer damit, wirklich ernsthaft auch vertreten zu können, warum ich sozusagen eine Zutat einer bestimmten Person jetzt zu assoziiere. Das ist mir zu sehr Gelaber.
Das kann mal passieren, das kann mal passen aber in der Regel ist das, So das ist so ein bisschen wie zum Architekten, zu sagen, tanz mir ein Haus. Mhm. Und ich hätte dich jetzt so gerne gefragt, wenn du ein Werk von Anselm Kiefer siehst. Mhm. Der Nachbar. Also, waren Sie im Kiefer finde ich ähm ganz spannend.
Der macht hier nur noch wirklich sehr, sehr großformatige Dinge, aber also wenn du jetzt nur schreiben würdest, du wärst jetzt also Literat, du schreibst ja auch nicht nur so zum Spaß für dich. Nur weil du schreiben willst, wo du genau weißt, damit machst du nachher dann nix mehr. Dann machst du was anderes und du schreibst dann, wenn du gut sein musst und so versuche ich das beim beim Düfte machen auch zu halten, da ich habe gerne so eine Logik und so eine konzeptionellen Anfang in so einem Geruch oder einem Duft.
Als dass mir jetzt einer sagt, tanz mir einen Duft. Das hätte mich schon interessiert, ob du, Werke auch in einen olifaktorischen Sinn überträgst. Also es ist einfacher finde ich zum Beispiel eine Reise zu machen. Wenn man jetzt irgendwo hinfährt, wo die Dinge eben anders sind, die riechen anders. Das Essen ist anders, die Leute schauen anders aus, das Wetter ist anders, die.
Ja, Flo und Fauna ist anders. Das hat einen großen Einfluss. Also ich erinnere mich an, Wahrscheinlich mein erstes ähm Mal, wo ich das so konkret umsetzen konnte, als ich damals zum ersten Mal in Asien war. Da bin ich im Rucksack, wochenlang durch Asien gereist. Da habe ich dann mir viele Notizen gemacht und, Da habe ich dann versucht, aus diesen Eindrücken sozusagen einen asiatischen Duft zu machen. Und das habe ich dann auch gemacht und der riecht auch für die heute noch gut.
Das war leicht möglich, weil die Vorgabe eben auch da das andere war, nämlich die Reise in andere Länder, in fremde Länder, die ich noch nicht kannte, die eben genau diese unterschiedlichen, Diese kulturellen, Gerüche halt haben, die andere Länder nicht haben. Das ist ein guter Anfang. Klar kann ich jetzt auch eine Flasche Whiskey oder ein Buch oder, Schuh versuchen optisch in einen Duft zu pressen, aber das ist mir zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Ich finde ein Starting Point ist für alles eine gute Sache.
Egal, was es ist. Was war denn dein Starting Point für Feminister? Oh Feminister, oh Gott, das ist ja schon so viele Jahre her. Da habe ich schon lange nicht mehr dran gedacht. Ich weiß noch, wie ich, das musste ein Duft werden, der auf jeden Fall der musste feminin sein, musste aber auch modern sein, das heißt, da musst du auf jeden Fall viel Holz rein und da musst du auch eine Maskulinität rein, weil eine moderne Frau ist nicht nur feminin, sondern, soll ja auch stark sein und so. Also ich müsste mir noch mal die Rezeptur anschauen, um genau zu verstehen, was ich damals gemacht habe, aber ich hatte auf jeden Fall.
Eine Vorstellung davon, wie in wo die Reise hingeht. Also der ist auf jeden Fall, finde ich, eine Damennote, aber mit, unisex anklängen, weil das Ganze ja auch an so einer Art politischem Konzept aufgehangen war. Das durfte jetzt nicht nach, Girl riechen, das hätte nicht gepasst, fand ich und dementsprechend sind da auch Noten drin, die vielleicht auch in Herrennoten eingesetzt werden, aber ich konnte das Ganze nicht, einen typischen, wie jeder eben das als, oh, das ist aber eine Darmnote, identifiziert hätte. Das hätte nicht gepasst. Da musst du auch eine gewisse Härte rein und eine gewisse was Kraftvolles.
Weil Feminist da, War ja wie gesagt politisch angelehnt und sollte ja auch na ja nicht das Neue oder das andere, aber irgendwo eine eine eher intellektuelle, eine eher politisch interessierte, eine eher moderne Frau repräsentieren. Ecentric Molecules, Das ist vor einigen Jahren gegründet, was ist die Identität von Ecentric Molecules? Warum ist es wichtig auch bestimmte Substanzen, Zutaten wegzulassen?
Ja, also wir haben natürlich die Simplizität schon auf unsere Fahnen geschrieben. Also die, die Moleküle haben eine eine Linearität, die an Einfachheit natürlich nicht zu überbieten ist, weil es sind einheitliche, synthetische Riehstoffe, die normalerweise immer im Zusammenhang mit anderen synthetischen Riebstoffen und natürlich Naturprodukten zusammen eben.
Duft ergeben sollen und das Ganze so zu minimieren, zu sagen, dass man also eine einzelne Zutat auch noch einen synthetischen Riehstoff, in eine Flasche füllt und das als als Duft deklariert. Das war natürlich verrückt. Das haben viele Leute auch nicht verstanden und. Genauso viel Kritik wie auch Lob bekommen für diese Idee. Da habe ich also Parfumeure angerufen, die kannte ich nur aus den Geschichtsbüchern der der Parfümerie, die mir sagen wollt, wie toll sie das finden, Und so gab's sozusagen eine Art Befreiung über, Diesen Aspekt der Moleküle innerhalb unserer Brand, die Ecentrix sind ja im Gegensatz zu den Molekülen komplexe Düfte, von der Struktur her wie im klassischen Sinne, also in der Regel mit einer Kopf einer Herz- und einer Basisnote und so ist eben,
In dem Zusammenhang, also um das zu vergleichen, es gibt Moleküle null eins und es gibt Ecentrik null eins. Und die Centrale eins ist sozusagen meine Hommage an das Molekül, meine Idee, wie ich einen Duft am besten darstellen würde mit einer großen Menge Isois super, also Moleküle null eins, Innerhalb eines Duftes. Ein anderer Parfum würde das wahrscheinlich ganz anders machen, aber nun ist es eben sozusagen meine Brand und natürlich mache ich da, was ich will und was ich denke, was am besten ist.
So sind wir dann über die Lancierung der nächsten vier Moleküle. Wir sind ja mittlerweile bei fünf sind wir, dahin gekommen, weitere Moleküle zu lancieren und weitere Ecentrixs dazu zu tun. Also es taucht immer in einem Paar auf. Und das war nun sozusagen unser Hauptgeschäft. Jetzt machen wir ja seit mehreren Jahren eben M Plus, was wir auf Molke 01 basiert, wo wir gesagt haben, Wir bieten eine große Menge Morlock null eins an plus eins.
Und so gibt es eben mittlerweile Mandarine, Patschuli und Iris und Ingwer, Black Thie und Guarea Holz, in Kombination mit ISOE super, als sozusagen eine Extension unserer unseres Chors, nämlich der Molecueseday Centrix, gibt's also jetzt Moll Kilo eins plus und daher heißt die Serie M Plus. Glaubst du denn, dass der Duft etwas mit der Wahrnehmung macht, sowohl mit der Eigenwahrnehmung als auch mit der Fremdwahrnehmung? Ah nee, wir wissen, was es macht mittlerweile. Also wir haben ja ohne einen tollen äh Mann in unserem Land, nämlich Professor Doktor Hans Hartz, der ja in der Ruhr-Uni in Bochum, lange Jahre Forschung betrieben hat über den Rhein Biophy, chemischen, sozusagen dem Ganzen da auf den Grund zu gehen, um zu verstehen, wie wir überhaupt riechen, wie funktioniert das alles überhaupt und,
Den habe ich kennengelernt und der habe den dann angefangen zu treffen und das war immer spannend und er hat natürlich aus einer ganz anderen Warte heraus das Riechen eben empfunden als ich und wir konnten uns da irgendwie gut austauschen, wir mochten uns auch und äh haben bis heute eine, eine intensiven Austausch, was diese Dinge angeht und der erzählte mir irgendwann, ich habe ihn gefragt, was machst du denn gerade in der Forschung und der sagte dann, na ja, sie gucken gerade wie eine eine singuläre Zelle auf, die Injektion eines synthetischen Riechstoffs reagiert.
Habe ich gesagt, das ist ja total verrückt. Wie kriegt ihr das überhaupt da rein? Meinte, ja, wir haben so Geräte, die können das und da habe ich gesagt, was habt ihr denn bisher gespritzt, den Zellen? Und dann hat er mir das gezeigt. Da meinte ich, ja gut, das sind jetzt aber nur so Standardsachen. Was ist denn passiert bisher? Er meint, ja, ist noch nicht so richtig viel passiert. Und dann habe ich gesagt, ja du musst mal, Nimm mal ein paar geile Riechstoffe mit, ein paar spannende Sachen. Da habe ich ihm eine ganze Liste und einen ganzen Sack voll Proben mitgegeben und dann hat er die, sicherlich ausprobiert und dann habe ich ihn nach Monaten angerufen und gefragt, Wie hat denn die Zelle auf Isois super reagiert? Und da sagte er, Mensch, die Zelle fing an zu tanzen. Und da wurde, glaube ich, dann zum ersten Mal,
auch ihm bewusst, dass es eben tatsächlich Unterschiede gibt offensichtlich zwischen den verschiedenen Riehstoffen, was die, biophysikalische Wahrnehmung angeht, nämlich dieser Stoff auf einmal, wie sie dann später in noch folgenden Tests herausgefunden haben, der stimuliert einen unserer fünf verbliebenen Pheromonrezeptoren beim Menschen.
Du riechst es, es macht was mit dir. Das ist der Grund, warum die Leute äh andere auf der Straße anhalten, wenn es jemand trägt und sich trauen zu fragen. Das ist genau das Gleiche wie damals, 1Neunhundert90, wie in dieser Bar standen und diese Frau war einfach so angezogen von diesem Geruch. Du musst dann fragen, du willst das wissen. Das riecht so geil. Du willst wissen, was das ist. Woran arbeitest du zur Zeit? Na, das ist wirklich ganz unterschiedlich. Also zum einen Entwicklungen für uns. Wir wollen auch noch weitere M Plus machen.
Wie habe ich gerade eigentlich abgeschlossen, aber da gibt's Probleme mit den Naturprodukten da drin, weil die Qualitäten auf einmal anders riechen als letztes Jahr und das ist äh ein großes Drama, aber das kriegen wir auch irgendwie hin. Es gibt eine Idee für eine neue Brand mit Düften, wo es noch mal, Anders ist, beziehungsweise wo das Ganze konzeptionell noch mal anders aufgehangen ist. Das gibt's komischerweise auch immer noch nicht, wie wir gerade feststellen. Das mache ich wahrscheinlich auch zusammen mit einem anderen Parfumeur, Es ist wirklich ganz unterschiedlich. Also sowohl für, Toilette und äh soeben Düfte im klassischen Sinne, wie auch Enviro Mental Sense. Das ist also für große Firmen, die sozusagen eine Art Corporate Cent für sich kreieren lassen wollen. Das ist grade total,
da gibt's ganz viele, die schon verarztet habe. Und ich suche mir aber auch jetzt nicht irgendwie noch mehr Arbeit. Also ich bin auch froh, wenn dann mal nicht so viel da ist und ich irgendwie andere Dinge machen kann, Deswegen, ja. Sag mal, klar, in unserer Zeit, in der wir jetzt leben, das sind ganz viele Umbrüche, Kriege, KI, Klimakatastrophe und, und, und, und, und.
Beeinflusst das, Den Anspruch an einen Duft fordern die Menschen irgendwie ein ein Duft, der ein bisschen Sicherheit vermittelt oder, Ich will jetzt nicht sagen also was mich so erinnern kann ist vor allem, dass eben Corona anfing und die Leute auf einmal, Also nicht mehr morgens ins Office ging, sondern irgendwie alle nur noch im Schlafanzug zu Hause rumsaßen. Da hatten wir so gedacht, oh, das geht jetzt aber, Jetzt wir werden unser Business, das werden wir verschmälern müssen, weil einfach die Leute natürlich.
Ja, ich war in F, die werden keinen Duft mehr tragen, weil sie ja nicht mehr zur Arbeit gehen müssen, monatelang, Das war aber überhaupt nicht so. Den Leuten war's wohl entscheidend, wie wir im Nachhinein wissen, sehr wichtig, dass sie eben gerade dann ihr Zuhause olfaktorisch, auch noch bespielt haben und eben nicht darauf verzichtet haben, sondern ganz im Gegenteil, sich dann auch irgendwelche Kerzen oder irgendwelche anderen Raumerfrischer irgendwie angeschafft haben, um sich, ein heimeliges Environment zu schaffen. Also nun, Könnte man jetzt in der Parfümerie Geschichte zurückgehen und dann feststellen, dass oh ja, auf einmal in den 70er Jahren kamen die ganzen Oriental Düfte raus, die es vorher noch nicht so gab. Also richtig,
süße Sachen und dann sagen die jetzt, ja, es gab ja auch die Öffnung zu diesen Ländern und äh ja, vielleicht war das so, aber also ich weiß, zum Beispiel in den Neunzigern, da gab's da eine Welle an so aquatischen zum ersten Mal, ne? Da roch auf einmal alles nach, Meeresbrise. Das gab's vorher noch nicht, aber auch weil keiner bis dahin sich getraut hatte, diesen einen Stoff, nämlich Callone, so heißt der, irgendwie mal in größeren Mengen einzusetzen, zu sehen, oh, der riecht hier nach Meeresbrise oder wir können den zumindest dem Marketing das so verkaufen und das, ist dann glaube ich eher der Eigendynamik innerhalb der Disziplin der Parfümerie geschuldet, Dass eben auf einmal einer anfängt mit dem Stoff zu arbeiten, den vorher alle irgendwie nicht richtig angeguckt haben.
Als mit gesellschaftlichen Umwälzungen. Ich glaube, es wäre zu viel verlangt sozusagen die Parfümerie als eine Art Medizin zu verstehen. Dann in einem Moment, wenn es einer Gesellschaft geht, heilt oder aufstachelt oder beflügelt oder sonst wie einen Einfluss drauf hat, das wäre, zuvor fätscht, würde ich sagen. Ja, ich denke an die Neunziger, als sich alles so ein bisschen gelöst hat, gesellschaftlich. Es wurde alles ein bisschen offener und auf einmal hatten wir diese ganzen Unisexdüfte.
CK One fällt mir als erstes ein. Ja, das stimmt. Vierundneunzig äh CK one. Auch diese Anzeige in den Zeitungen, wie da diese halbnackten Androgynen, Teenager irgendwie rumstanden und nix mit sich anfangen konnten. Das war schon sehr lustig zu sehen, fand ich. Das war auch bezeichnend, Aber genauso gab's ja vorher auch, also wenn man sich jetzt, wir bleiben ja bei Calvin Klein, also es gab ja erst Obsession, Anfang der achtziger Jahre, ne, mit einer nackten Katemaus aufm Sofa. Danach kam dann Eternity.
Achtundachtzig, glaube ich. Da gab's dann schon ein Bewusstsein über Aids und deswegen also jetzt jetzt aber mal Eternity, weil, die Familie Christy Tourington am Strand mit Kind und ihrem Mann Eternity. Und dann gab's Anfang der Neunziger Escape, bleibt zwar bewusst bei Calvin Klein es gäbe, Ja, die Jappies in New York, die dann also auf jeden Fall mit dem Mountainbike auch am Wochenende durch den Wald fahren müssen, weil ist ja alles viel zu verrückt. Escape, Wir flüchten ja und dann kamen vierundneunzig CK one, Die Androgyne Welle und danach haben sie sich dann verloren bei Karin Klein. Leider bis dahin war das sehr, beeindruckend zu sehen, was sie gemacht haben, jeweils dann ja auch mit Herren und Damennote zu den Themen und dann nach äh CK One kam Contodition,
geiler Flakon, weil der Aluminiumdeckel sowohl bei der Herren wie bei der Damennote. Der war, sozusagen 80 Prozent des Flakons, man stülpte also diesen riesigen Deckel über den Glasflakon und man sah unten nur noch so, fünfzehn, 20 Prozent des Glasflakons mit dem Saft drin. Geile Idee, war wirklich innovativ, war anders und contodition war's ja irgendwie auch, den quasi durch den Deckel einfach verschwinden zu lassen, Aber die Düfte waren scheiße. Die waren einfach so dermaßen langweilig und austauschbar, aber das war dann auch schon im Zuge dessen, die Industrie erkannt hatte, wie viel Geld man eigentlich mit Duft machen kann viel dabei rumkommt, ja. Also wir wissen alle Wolfgang Joop hat mit seinen Düften, weiß keine Ahnung, wie viel mal mehr verdient als mit seiner Mode damals. Das schließt sich dann erst so ins Bewusstsein der der Firmen ein,
Was da für wie viel Geld da drin war und, so hat sich irgendwann die Parfümerie verloren und war eben auch waren viele Düfte schon gemacht und viel mehr an Kombinationen und neuen Harmonie erzeugen, die eben dann Sinn machten, gab's auch nicht mehr. Und so. Dudelt die Parfümerie bis heute da so hin bis ins Jahr zwanzig fünfundzwanzig. Wie gesagt in den letzten Jahren war wenn überhaupt diese starken Düfte, so rausgekommen sind, auch mit diesem ne, mit dem mit dem Aderholz aus den arabischen Ländern und deren Kultur, was das angeht, da kam auf einmal so eine sehr starke, Parfümerie in den Markt, die bis heute eigentlich anhält und äh also Subtilität ist auf jeden Fall zurückgedrängt, was die Düfte angeht.
Was sich an Molecule One besonders schön finde ist dieser Gedanke die Fokussierung auf das Eine, auf das Wahre, auf den Kern. Kein Firlefanz, kein Schnickschnack, sondern eine Aussage. Die Grundidee geht auch damals zurück auf diese Zeit, als ich ähm, so anfing, auch in Holzminden zu arbeiten und irgendwie natürlich für mich das Thema Duft ein Riesenthema war, aber ich eben auch sah, dass viele meiner Freunde, die trugen einfach keinen Duft, weil das war denen damals schon zu viel, die Idee sozusagen jemandem auch quasi zu also zu einer olfaktorische Identität geben zu können, der riecht nach was und das riecht auch noch gut, aber das erschlägt ihn nicht, ja? Wenn man Molke 01 trägt, das atmet man nicht mit jedem,
Atemzug ein, wenn man das selber trägt. Man vergisst das und viele Leute wollen nicht ständig. Also wenn der Baggerer Rouge trägst, Mein Gott, das hast du mit jedem Atemzug in der Nase so ungefähr und das wollen halt nicht viele Leute. Und da unterscheiden wir uns natürlich, wir sind also sicherlich mit das subtilste, gut riechendste, was es da gibt im Markt. Nicht kompliziert. Bedeutet, eine gewisse Leichtigkeit? Ja. Was verbindest du mit Leichtigkeit? Also.
Reingeruchlich gesehen, tendiere ich eigentlich auch eher dazu, weil ich das grade hier auch sehe. Ähm das ist das, was ich auch trage, wenn ich mal was trage, weil das einfach, bin großer Ingwerfan und ähm da sind zwei ganz tolle Ingwerölqualitäten drin, die ich da verwendet habe und äh das reicht mir dann schon. Das ist also ein bisschen frisch und würzig und klingt dann direkt holzig aus und ist so dermaßen leicht und unkompliziert und da stehe ich selber auch drauf.
Ansonsten ja, eher Leichtigkeit als zu schwer. Also, leichte Düfte sind mir viel angenehmer als diese Klopper, die man manchmal so auf der Straße riecht, wenn jemand was trägt. Das schnürt mir auch den Hals zu, Also insofern bin ich da auf jeden Fall, eher subtil unterwegs. Vielen, vielen Dank, dass du hier mit mir gemeinsam ein Stück weit unterwegs warst und wir ja vielleicht nicht deine Nase, aber dein Denken ein Stück weit, Forschen konnten. Sehr gerne. Vielen Dank.