
Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast· Folge 267
Birte Bosse und Thomas Rentmeister – Ateliergespräch | 2025
Freitag, 12. Dezember 2025 · 43 min
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Shownotes
Birte Bosse und Thomas Rentmeister im Kunstpodcast die Leichtigkeit der Kunst
Geplant war ein Gespräch mit dem Künstler Thomas Rentmeister (thomasrentmeister.de)
Doch manchmal öffnen sich Räume anders – und lassen tiefer blicken als gedacht.
Spontan kommt die Künstlerin Birte Bosse (birtebosse.de) dazu.
Und aus einer Begegnung zu zweit wird ein Gespräch zu dritt – ruhig, offen, konzentriert.
Im Atelier
Im Atelier vor den Toren Berlins treffen Zeichnung auf Skulptur, Alltag auf Material, Erinnerung auf Form.
Birte Bosse (birtebosse.de) und Thomas Rentmeister (thomasrentmeister.de) sprechen über künstlerisches Arbeiten, über das feine Gespür für Kritik – und über Nutella, Wäscheständer, Kindheit und räumliche Entscheidungen.
Das Gespräch bewegt sich zwischen Berlin und Brandenburg zwischen Reken und Worpswede – zwischen Theorie und Gegenwart, zwischen Nähe und Eigenständigkeit.
Was entsteht, ist ein spannender Dreiklang: beobachten, arbeiten, miteinander sein.
Themen der Folge
– Kennenlernen Throwback in die 00er Jahre
– Birte Bosse & Thomas Rentmeister, Günther Uecker & Alfonso Hüppi: Studieren und Lehren
– Beobachtung als künstlerische Praxis
– Atelier und Alltag als geteilter Raum
– Atelierarbeit als Paar: zwischen Kritik & Vertrauen
– Zeichnung, Skulptur und Materialien des Dazwischen
– Materialwahl zwischen Nutella und Wäscheständer
– Erinnerungen an die Dorfstraße 23 – Ausstellung im Sprengel Museum
– Arbeiten und Wohnen – zwischen Berlin und Brandenburg
– Unerwartete Nähe und das feine Geschenk eines offenen Gesprächs
Links & Credits
Gäste & Rollen
→ Birte Bosse (birtebosse.de), Zeichnerin und Bildhauerin
→ Thomas Rentmeister (thomasrentmeister.de), Bildhauer und Professor für Bildhauerei
Galerien
→ Galerie Nave (en.galerianave.com/butterflies-and-black-holes)
→ Galerie Tobias Naehring (tobiasnaehring.de/artists/thomas-rentmeister)
→ Galerie Paulina Caspar (paulinacaspari.com/artists)i
Hören:
︎ Kunstpodcast auf Spotify hören (open.spotify.com/show/3bu58aRrqvrA0Q4b2ibZF5?s…)
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︎ Die Leichtigkeit der Kunst auf YouTube (youtube.com/@dieleichtigkeitderkunst)
Weitere Gespräche aus Ateliers und mit Künstler:innen
Wer Lust hat auf mehr Einblicke in künstlerische Prozesse, findet unter folgendem Link weitere Atelier- und Künstler:innengespräche:
www.dieleichtigkeitderkunst.de/kuenstler:innen (dieleichtigkeitderkunst.de/?s=Künstler%3Ainnen)
Ausstellungshinweise
Birte Bosse:
Einzelausstellung Butterflies & Black Holes in der Galeria Nave in Lissabon – noch bis zum 19. Dezember 2025.
Thomas Rentmeister:
Einzelausstellung Flight Mode in der Galerie Tobias Naehring in Leipzig ab 10. Januar 2026
Einzelausstellung in der Galerie Paulina Caspari in München ab September 2026
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Und herzlich willkommen zu meinem Podcast, die Leichtigkeit der Kunst, bin Claudia Linsel und freue mich sehr, euch heute bei zwei ganz besonderen Menschen begrüßen zu dürfen. Eigentlich hatte ich ein Gespräch mit Thomas Rendmeister geplant, dem Künstler, der mit Penatencreme, Nutella oder Kühlschränken arbeitet, und damit Werke schafft, die gleichzeitig humorvoll, klug und ziemlich eigen sind.
Aber manchmal kommt es anders und das muss in diesem Fall ein großes Glück, ganz spontan und für mich wirklich völlig überraschend ist nun auch Birte Bosse mit dabei, Zeichnerin, Bildhauerin und wie ich jetzt erst erfahren habe, Thomas Wagnerin. Was nun entsteht, ist weniger ein klassisches Interview, sondern vielmehr ein gemeinsames Gespräch. Offen, neugierig, mit kleinen Umwegen, in denen sich viel Nähe und vielleicht auch viel Gelächter zeigen darf, Für mich ist das ein echtes Vorweihnachtsgeschenk und vielleicht für euch, liebe Hörende, ja auch Liebe Birte, du kommst ja jetzt ganz spontan mit ins Gespräch. Ich freue mich wirklich so sehr, dass du jetzt hier mit dabei bist, ganz gespannt bin ich nun natürlich mehr über dich und dein Weg zur Kunst
zu erfahren. Ja, ich freue mich auch. Tja, also äh ich komme aus Worpswede, ne, aus dem niedersächsischen Künstlerdorf. Ja, mein Vater ist Künstler und dadurch bin ich einfach ganz früh damit in Berührung gekommen, aber ähm. Ja für mich war eigentlich so in der Jugend immer klar, dass ich äh niemals Kunst studieren möchte, so ein bisschen wie, Der Vater, der Jurist ist und von seinem Sohn dasselbe erwartet, zu studieren. Das habe ich irgendwie auch immer so verspürt, dass mein Vater gerne möchte, dass ich Kunst studiere, aber, Ich habe mich dagegen immer gesträubt, aber irgendwann ist mir dann bewusst geworden, ich bin das und ich komme daher und ich möchte das sein und das ist meine Identität und ich kann auch einfach Kreativität am besten und deswegen habe ich mich dafür dann doch entschieden.
Du bist Malerin und Zeichnerin und hast in der Klasse eines Bildhauers studiert, Warum? Ja genau aus dem Grund, also ich bin durch meinen Vater eben sehr früh, also mit Zeichnungen und äh Grafik aufgewachsen und, war sozusagen da immer so ziemlich selbstsicher in diesem Feld und habe wollte auch eigentlich immer, Malerin sein, am Anfang des Studiums und habe dann aber schnell gemerkt, dass ich.
Mich auch so für alle Bereiche interessiere. Ich wollte so gerne alles ausprobieren, was möglich war und ich habe äh durch meinen Vater zwar sehr viel Zeichnen gelernt und wie man die Dinge betrachtet und sie richtig zu zeichnen oder wie man Fantasiewelten erschafft. Also so einen gewissen Bereich von seiner Art Kunst zu machen, habe ich äh früh aufgesogen, aber ich habe dann gemerkt, ich habe eigentlich total viele, Bereiche nie wahrgenommen. Also er hat mich eigentlich so ein bisschen im Dunkeln auch darüber gelassen, was es sonst so gibt in der Kunstwelt und hat mich auch wenig in Museen mitgenommen oder so leider.
Und daher, war ich dann plötzlich so, weil ich ja auch immer gemerkt habe, ich bin so ein bisschen in die Fußstapfen immer meines Vaters getreten, was so die Gestaltung angeht, wollte ich gerne, einfach anders sein und als ich dann zum ersten Mal Skulptur gelernt habe praktisch, also kennengelernt habe, was in der Skulptur möglich ist und dann ja kam zufällig Thomas Rendmeister äh an unsere Hochschule und ich bin dann einmal in seinem Vortrag gesessen. Es war, glaube ich, dein Vorstellungs.
Vortrag, glaube ich, an der HBK oder so. Ich saß da und ich war so fasziniert und beeindruckt von eben dieser Leichtigkeit, auch von diesem Humor, der in dieser Handlung mit Materialien so möglich ist. Also ich kam aus dem Grinsen nicht mehr raus und aus dem Lachen. Ich muss ich fand alles gut. Ich fand auch die Art, wie er darüber geredet hat, gut, weil, ganz oft war's so, ja, dann habe ich das gemacht. Ja und dann habe ich das da hingelegt und dann äh ja, dann war das. Oh ja, nächste Arbeit. Und es war so eine so eine freche, selbstsichere Art, einfach zu tun, was man möchte, einfach frei sein und die Frechheit zu haben, es nicht erklären zu müssen. Und da habe ich gedacht, yes, das würde ich auch machen. Das das war keine einzelne Arbeit, sondern ich fand also,
Allein diese Konsequenz, mit der er alles gemacht hat, fand ich richtig gut. Also ich kann mich an den Chipsraum, ich glaube, das war im MMK in Frankfurt, ne? Äh wo das Treppengeländer so in diesem Raum verschwindet und um die Ecke scheint so ein Licht und es ist eigentlich wie so ein Swimmingpool aus Chips und das war so mystisch und so frech, so stark, gleichzeitig das fand ich richtig gut. Und da habe ich gedacht also das das möchte ich machen. Ich möchte mich frei fühlen und ich möchte nicht nur auf der Fläche mich aufhalten, sondern ich möchte in den Raum gehen und verstehen, wie das ist, da Kunst zu machen und das war so neu für mich, dass ich da ein bisschen, angefangen habe so zu forschen, aber trotzdem die Zeichnung eben auch immer,
nie aus den Augen lassen wollte und jetzt bin ich so, ich glaube, ich habe damals schon angefangen, Immer nach dieser Verbindung zu suchen so, nach meiner Zeichnung, was bin ich, so das ist mein Ursprung und wie kann ich das verknüpfen mit meinem neuen Ich-Disku sozusagen. Und jetzt zu dir, lieber Thomas. Du bist geboren und aufgewachsen in Reken. Genauer genommen klein Reken, ja. In der Dorfstraße dreiundzwanzig.
Richtig. Wie hat dich deine Kindheit geprägt? Mit Kunst hatten wir überhaupt nichts am Hut, aber ich hatte trotzdem eine sehr große, Freiheit als Kind. Ich konnte irgendwie spielen ohne Ende. Ich hatte Raum, ein Nebengebäude mit einer Werkstatt. Ich hatte einen Onkel mit einer ganz tollen Werkstatt und bei mir ist glaube ich diese Freiheit, die man als Kind hatte, also dass man einfach wirklich auch mit Materialien, gearbeitet hat beziehungsweise gespielt hat. Das wurde dann bei mir irgendwann.
Ja, ich habe gedacht, wenn ich das machen kann in einem Raum, dann bin ich glücklich und ich habe gedacht, ich muss dann diesen Beruf ergreifen. Wusstest du damals eigentlich schon, was ein Künstler ist Ich wusste natürlich, was ein Künstler ist, aber ich habe mir das ganz anders vorgestellt, als es in Realität ist. Also ich habe auch gedacht, auf der Kunstakademie lernt man hauptsächlich, Techniken, wie man malt, wie man Bilder aufspannt und so weiter, aber dass so was, wenn man dann mal dort ist, ich habe in Münster angefangen zu studieren, Orientierungsbereich hieß das, also das erste Jahr dort gemacht, dann kriegt man natürlich mit, dass alles ganz anders ist, als man sich das gedacht hat. Und wie war dann das Erwachen? Na ja, ich fand das schon ziemlich toll, dass dann also man kann sich ja in dem Alter,
komplett umorientieren. Und das geht ganz schnell innerhalb von wenigen Wochen wusste ich, okay, darauf kommt's nicht an. Es kommt auf andere Sachen an. Ich glaube, so weit ich mich erinnere, ich habe nach dem Abitur erstmal ein Jahr. Nichts gemacht beziehungsweise bin viel rumgereist. Früher war das ja so per Anhalter und so weiter. Ich war immer unterwegs und habe mich ich glaube in Berlin beworben an der Kunstakademie, bin aber dort nicht genommen worden. Und dann habe ich mich, glaube ich, ja, in Münster beworben, Damals war das so eine Filiale von der Kunstakademie Düsseldorf, dann habe ich dort angefangen zu studieren, bin ein Jahr später nach Düsseldorf gewechselt. Ich glaube, zwischendurch habe ich noch meinen Zivildienst in Köln gemacht, weil ich das hinter mir haben wollte. Und dann warst du bei Günther
Genau, dann bin ich in die Klasse von Günther Uecker gewechselt. Später, dann noch mal in die Klasse von Alfonso Hippie. Wir haben die beiden damals auf dich gewirkt. Günter Uecker, Kam immer sehr selbstbewusst und selbstsicher daher und hat mehr oder weniger Vorträge gehalten und so gesagt, wie's geht und hat auch zugehört. Also es war ein sehr netter Mann, aber er war halt so nicht so vielleicht ganz so nah dran an den Studierenden, was auch okay ist. Und daher von so Hippie, also die Klasse war einfach diverser. Also da gab's viel unterschiedlichere Leute.
Und das hat mich damals auch ein bisschen mehr angezogen. Deswegen bin ich da nach einigen Jahren auch gewechselt in die Klasse. Hast du eigentlich auch gezeichnet? Ich habe sehr, sehr viel gezeichnet. Ich habe vor allem auch draußen gezeichnet in der Natur. Ich habe mich auf die Wiese gesetzt, habe Tiere gezeichnet. Ich bin in den Wald gefahren, habe Bäume gezeichnet, tausende von Zeichnungen habe ich gemacht. Das hat aber dann irgendwann aufgehört, weil einfach viel anderes los war.
Äh dass ich einfach keine Zeit mehr richtig oder keine Muße hatte und ich habe Zeichen früher immer dazu benutzt, wenn ich keine Ideen hatte auf neue Ideen zu kommen. Das das war das Gute an der Zeichnung. Das ist auch sehr ökonomisch. Es ist billig. Es kostet nur ein bisschen Papier und Bleistift und man hat die unendliche Freiheit. Man kann einfach machen, was man will auf dem Blatt und das ist schon faszinierend.
Ich möchte nochmal auf die 23 zurückkommen dein Elternhaus. Ein Ort, der im ich glaube November 24 im Sprengelmuseum eine große Rolle gespielt hat. Wir haben dort sehr persönliche Dinge gesehen, ein Klavier, eine Zigarettenschachtel. Bei vielen Zigarettenschachteln. Magst du mehr erzählen? Genau wir sitzen jetzt hier in unserem neuen Ateliergebäude, was wir vor drei Jahren gekauft haben und renovieren.
Es ist schon mal ein riesiger Umbruch. Also wir sind aus Berlin sozusagen mit den Ateliers hier aufs Land gezogen und parallel dazu, musste meine Mutter in einen Altersheim wechseln, weil sie zu Hause in unserem Einfamilienhaus eben in Reken in der Dorfstraße 23 nicht mehr alleine zurecht kam, was zur Folge hatte, dass wir, Hausstand auflösen mussten, das Haus verkauften um auch das, Altenpflegeheim meiner Mutter bezahlen zu können und irgendwann hatte ich halt die Idee.
Ganz einfach. Alles, was mobil im Haus war, Kunst daraus zu machen, also alles, was irgendwie nicht festgeschraubt war, wie Heizung oder, Fußboden, also alles, was man raustragen kann, habe ich dann eingelagert in, Hochseecontainer, die ich mir extra deswegen gekauft hatte und hier auf das Grundstück gestellt hatte, wo unser Ateliergebäude ist. Also wir sind mit 37,5 Tonnen dreimal hingefahren und haben alles rausgeholt, was nicht niet und nagelfest war und eingelagert bis zur Ausstellung.
Ich habe natürlich meine Mutter und meine Schwester gefragt, ob ich das darf, und die fanden das beide okay, meine Mutter sagte, ja du machst ja sowieso immer Ausstellungen, so nach dem Motto kann man eh nicht verhindern. Mach ruhig. Was du willst. Und so kam das zustande, dass ich dann, eben diese wirklich ja für mich sehr wichtige Ausstellung gemacht habe, zwei große Räume im Sprengelmuseum und eigentlich hatte ich vor, Diese Ausstellung hier in den Räumen unserer neuen Ateliers vorzubereiten, sprich irgendwie ganzen Sachen vielleicht durchzusägen, zusammenzuschrauben, zu Modulen zu verarbeiten, was aber nicht möglich war, weil einfach Baustelle hier war. Es heißt Theater halt nur dieser die Porensachen aus denen ich dann diese große Installation gemacht habe, wo ich im Nachhinein froh drüber bin, dass ich's nicht vorbereitet habe, weil das dann viel direkter und spontaner und,
purer war, also genau. Ist dieses Wiedersehen mit der alten Erinnerung für dich eher emotional oder eher abstrakt? Also es hielt sich in Grenzen. Also Ich hab's versucht als Bildhauermaterial zu betrachten, sonst hätte ich das gar nicht machen können, wenn da irgendwie persönliche und natürlich waren das viele persönliche Gegenstände. Es waren auch teilweise Frühwerke von mir dabei und auch Negativformen von meinen Polyesterarbeiten, die visuell sehr präsent waren, zumindest in einem der beiden Räume, weswegen die Ausstellung auch sehr gut funktioniert hat, weil es eben nicht nur normaler Kram war, normaler Hausrat, sondern weil eben diese komischen Negativformen auch dazwischen war und es wurde alles vermischt. Es wurde zu einem großen.
Zu einer großen Geste einfach alles zusammengebraten und vermischt und das hat glaube ich ganz gut funktioniert. Ist das eine Situation, die deine Begleitung erforderte? Ja, also ich habe tatsächlich gar nicht so viel dazu beigetragen. Du hast ziemlich viel alleine gemacht, erinnere ich mich. Also ich war nicht im Haus und habe mit ausräumen geholfen. Ich war auch nicht hier dabei um die Dinge zu sortieren. Ja auf seelisch hast du vor allen Dingen ja habe ich dich unterstützt, aber ich, war mir auch bewusst darüber, dass Thomas da jetzt nicht wahnsinnig emotional werden würde.
Mit diesen Materialien, sonst hätte er die Idee glaube ich gar nicht haben können, das zu tun so. Und apropos gemeinsam ist eure Arbeit vom Miteinander geprägt? Ja zumindest wenn Bibo sagt, das ist scheiße, dann dann mache ich dann mache ich das nicht. Dann ziehe ich das zurück. Das wenn sie ganz sicher sagt, dass es schlecht ist, dann, bis auf ein, zwei Ausnahmen vielleicht habe ich immer alles zurückgezogen. Das ist ein ziemlich sicheres Ding, also ein sicherer Barometer, das ist dann wirklich nicht so gut, ist die Idee oder die die Arbeit. Ja das ist tatsächlich so. Also wir wir sind eigentlich ziemlich autonom in unseren Prozessen, aber.
Ich glaube auch, das hat sich in den letzten Jahren gewandelt, also als ich so frisch aus dem Studium kam, da war ich natürlich noch sehr unsicher mit meinen Arbeiten und wusste gar nicht so, wohin. Die Reise geht und dann bin ich sehr oft zu Thomas gegangen, wenn ich irgendwas gemacht hätte und habe ihn gefragt, kannst du nicht mal gucken, wie findest du das? Und dann kam eben ganz oft eine Reaktion, mit der ich nicht gerechnet hatte oder also mit der Kritik konnte ich oft nicht umgehen, wenn er sagt, oh, das finde ich nicht gut oder das kannst du besser. Da habe ich war ich immer ein bisschen beleidigt und irgendwann habe ich dann aber auch festgestellt, dass ich das dann gar nicht mehr so brauche, dieses Feedback oder ich habe auch oft dann gemerkt, mir selbst zu vertrauen und zu das, was ich dann da äh irgendwie geschaffen habe, das war dann,
irgendwie in meinem Sinne und Thomas immer wenn er das nicht gut fand. Dann war es meistens so, dass ich das dann ganz toll fand und so wurde das dann so, dass ich nicht mehr so oft gefragt habe und wenn ich Thomas, Jetzt erlebe, wie er irgendwie eine Findungsphase hat und eine Arbeit eine neue macht, dann kommt er zu mir und fragt, wie findest du das? Und Ich bin sehr rigoros in meinen meine Ansicht. Ich nehme da kein Blatt vorn Mund und du, Ja, du nimmst es dann auch sehr ernst, was ich dazu zu sagen habe und manchmal sage ich dann auch würdest es ja auch nicht verantwortungslos machen. Nee, überhaupt gar nicht, also ich weiß ja, was für ein Qualitätsanspruch du hast und den also, Ich würde dir niemals sagen, wie du deine Arbeit machen sollst, das machst du ja bei mir auch nicht, aber es ist so ein Gefühl,
Dass man den anderen darin unterstützt, nicht zu fahrlässig zu sein oder so. Vom Professor zum Partner mhm. Von der Studentin, zur Partnerin. Ja, das war ganz schwierig die Zeit. Also wir sind ja ziemlich schnell, nachdem wir uns kennengelernt haben, war ich erstmal in seiner Klasse äh ein Jahr und danach haben wir uns, Praktisch verliebt schon und ich bin währenddessen weiter in seiner Klasse geblieben und zu der Zeit im Studium, war das für mich gar kein Problem. Also es es hat sich toll angefühlt. Ich habe ganz viel gelernt und es war ganz nah, aber.
So mit den Jahren ist das dann auch ein bisschen schwierig geworden eben mit dieser Kritik und da habe ich dann auch irgendwann gelernt, dass ich Abstand davon nehmen muss, alles auf die Goldwaage zu legen, was eher als mein Partner und Slash Professor dazu zu sagen hat. Also ich habe Sehr früh dieses diesen Professorblick abgelegt. Das war er war eigentlich seitdem ich ihn kennengelernt habe, immer schon meinen Partner. Also und im Bereich der Zeichnung warst du ja von Anfang an extrem autonom und das habe ich immer bewundert dieses ausm Kopf zeichnen können, Also hunderte, tausende, gefühlt tausende von Zeichnungen, Kleinzeichnungen und einfach dieser, dass man, einfach ausm Kopf ein Repertoire,
teilweise so ein bisschen ins Comicartige, aber auch ins abstrakte oder was weiß ich wohin gehende. Und ich glaube, das hast du wirklich auch von deinem Vater. Mhm. Das glaube ich auch, ja. Kein Horror Wakui hat vor dem Blatt Papier wie ich zum Beispiel. Ich muss immer irgendwas sehen, also. Das stimmt auch nicht ganz, aber äh dies das Zeichnen ist eigentlich, deine Domäne immer gewesen. Später kam die Skulptur dazu. Das hat sich dann ja auch, professionalisiert mit den Skulpturen. Gibt es etwas, was du von Birte, Bibo?
Darf ich auch selbstverständlich ja, dass du gelernt hast? Ja oh wahnsinnig viel. Vor allem fair zu sein, ganz, ganz fair zu diskutieren, Ohne gleich in den Sack zu hauen, also das Handtuch zu werfen, sondern differenziert zu diskutieren, habe ich gelernt oder hoffe ich zumindest. Mhm. Ja. Also außerhalb der der Kunst haben wir sehr viel voneinander gelernt. Natürlich also in 15 Jahren Beziehung ist das glaube ich auch einfach natürlich, ne, dass man voneinander lernt, aber Kennt ihr diesen Moment, wenn eine Idee sich gar nicht so sehr entwickeln möchte? Klar, hm, wie geht man damit um? Also bei mir ist die Idee an sich, eigentlich nie so richtig wichtig. Für mich ist eher der Prozess der Handlung erst mal irgendein Beginn
wichtig, die Idee kommt dann vielleicht mit der Zeit dann ein bisschen mehr so eine Richtung, die mir zeigt, was ich machen will, dann ist das eine Idee, aber, Ich kann schwer so äh mir vorher was überlegen, die Idee manifestieren und dann darauf hinarbeiten. Das ist immer so ein organischer Prozess bei mir und bei Thomas ist es glaube ich, ein bisschen anders. Ich weiß nicht genau, also es gibt bestimmt Ideen, die ich dann umsetze. Es gibt aber eher so abstrakte, Ideen, Wolken, das sind also keine scharfen Ideen, das sind eher so, ja, einfach so eine Richtung vielleicht, wo ich dann dran arbeite. Also mir ist dann auch wichtig, so Zufälle oder das Material oder was gerade passiert und daraus entwickelt sich dann die Arbeit. Es ist also nicht eine klare Idee, sondern es ist irgendwie so ein Gefühl vielleicht auch einfach nur erstmal,
arbeitest ja viel mit Nahrungsmitteln, Chips, Zuckerwürfeln, Nutella. Wie gehst du damit um, dass das manche Leute schnell als sagen wir, Einladung zum Probieren empfinden? Ja natürlich, also nicht stresst das dann in dem Moment, also als ich diese riesige Nutellaarbeit gemacht habe Ich glaube, sie war so siebzehn Meter lang, das war kein Nutella, es war nur Xenia, also eine andere Nuss-Nougat-Masse, da lief bei der Eröffnung.
Kunstverein 20001 war das, äh lief ein Hund dadurch, und Tapse durch den ganzen Kunstverein im Nachhinein finde ich das lustig, aber an dem Abend habe ich dann so gedacht, hm, sehr lustig finde ich das, glaube ich, nicht irgendwie und dann habe ich mich aber auch daran gewöhnt und fand's dann auch am Abend noch am Schluss doch ganz lustig und solche Sachen passieren permanent, also in der Arbeit in Frankfurt, da ist auch direkt jemand, reingelatscht Echt? Und äh die Restauratoren hatten da echt ihre liebe Mühe mit, dass neu zu machen und dann sind die auch verblasst, die Chip im Laufe musste dann auch mal eine neue obere Schicht gemacht werden. Also es ist alles gar nicht so einfach, wie's dann aussieht bei der Eröffnung standen die Leute in den Nachbarräumen und haben Chips gegessen, ne?
Aus dem Swimmingpool entnommen haben und so das das sind so Storys, die vergisst man dann, das ist schmälert ja auch nicht die Schönheit der Arbeit, aber Es gibt dann schon auch so Sachen, die gehören einfach irgendwie auch dazu. Wir reagieren ausstellungsweise darauf. Ich meine, arbeiten mit Ameisen? Ja, eine Ameisenstraße gab's im Haus am Waldsee, aber da da gibt's ja auch so Zeug, was man da auf den Boden stellen kann, dann gehen die woanders her, also.
Ja, es gibt da mehr oder weniger ängstliche Häuser. Äh also das ist ganz unterschiedlich. Warum Alltagsgegenstände? Was fasziniert daran? Also Alltagsgegenstände, damit hast du ja angefangen Kunst zu machen. Also zu Hause gebastelt hast du äh irgendwie mit dem, was da war und deine Polyesterskulpturphase, von diesen hochglanz polierten artifiziellen Objekten wurdest du äh irgendwann ja inspiriert das Gegenteil zu machen, weil auch glaube ich grade deswegen, weil auch Leute, da ganz gerne angefasst haben und du fandst das damals hast du mir erzählt auch schon, blöd, dass die einfach an diese sensible Oberfläche immer gegen kommen und dann hast du irgendwann, glaube ich, aus dem Grund mal.
Nutellaarbeit gemacht, so dass man sozusagen sich's oder einen Penatencreme oder so, dann ich weiß nicht, ob das jetzt der Grund war, aber dass man sich so ein bisschen an den respektlosen Besuchern recht durch die Schmutzigkeit von dieser Arbeit. Ja. Das mag vielleicht so ein Nebenespekt mal gewesen sein, aber im Laufe der Zeit äh ist es dann auch doch nicht so wichtig. Es gab dann schon mal Pelzmäntel mit Pinatencreme dran, wo dann die Damen sich beschwert haben, warum ich denn solche Kunstwerke mache.
Aber Sie dürfen Sie natürlich nicht mit Ihrem Pelzmantel drankommen. Ist ja auch klar, ne? Aber die Frage war ja eigentlich, nach den Gegenständen, Ich habe angefangen im Studium mit Gegenständen zu arbeiten, Kombinationen von Gegenständen. Hm das ging sehr schnell und ich habe sehr viele, Arbeiten gemacht äh in der Art und irgendwann ging mir das zu schnell und am Ende meines Studiums habe ich angefangen, die Werkstätten in der Kunstakademie Düsseldorf zu nutzen.
Am Ende meines Studiums hätte ich mal früher machen sollen und habe dann, Also das war eigentlich fing das schon vorher an in der Kunsthochschule Münster, Früher war das eine Filiale von Düsseldorf. Da hatte ich ja angefangen, da hatte ich Rainer Ruthenbeck mal Arbeiten gezeigt. Den habe ich wahnsinnig verehrt als Künstler und er hat mir gesagt, ich sollte doch mal was machen, was so aussieht, dass ich selber erstaunt bin, dass ich das gemacht habe.
Und das hat bei mir so ein richtig jahrelang gewirkt, Gesessen im Kopf, so wie so ein Satz, den ich den habe ich auch heute noch nicht vergessen und Dann habe ich irgendwie versucht Sachen zu machen, wo das vielleicht zutrifft und letztendlich habe ich sie, glaube ich, in diesen Polyesterarbeiten, die ich dann am Ende meines Studiums mit diesen Benutzung der Werkstätten in Düsseldorf, angefangen habe äh fing das dann an, dass ich, sagen wir mal monatelang an einer Arbeit gearbeitet habe bis zu einem Jahr oder einem Dreivierteljahr an einem Gipsmodell gesessen und in Abformung äh das war dann sozusagen das Gegenteil von diesen schnellen Objektgeschichten, die ich vorher gemacht hatte.
Und das habe ich dann wirklich in den neunziger Jahren sehr, sehr ausgiebig, betrieben. Habe sehr wenige Arbeiten gemacht, aber dafür immer sehr lange an ihnen herumgearbeitet und sie wurden dann auch dementsprechend perfekt. Wie wichtig ist es, sich selbst mit der eigenen Arbeit zu überraschen? Ja, also das ist tatsächlich so irgendwie, dass man sich ja mit der Arbeit überraschen will, ja. Also man tritt ja immer irgendwann so einen Schritt zurück und guckt.
Ist es das oder nicht und, da entwickelt man irgendwie jeder, glaube ich, persönlich als Künstler oder Künstlerin irgendwann so eine so einen Dialog mit sich selber, wann ist das fertig oder so? Das ist ja die essenzielle Frage auch, ne, in in der Kunst, ähm die man selber macht, wann ist das gut genug oder muss da noch was dran, muss da noch was weg? Und da ist ja dieser diese Frage, dass man sich selbst überrascht, glaube ich, schon ganz stark, ja. Fällt euch das leicht zu sagen? So, jetzt ist die Arbeit fertig? Nee, nicht immer.
Früher fiel mir das sehr leicht, ja, da habe ich ganz schnell mein also teilweise äh fällt mir das auch leicht, ich kann auch sehr schnell eine Arbeit machen, so zwischen Tür und Angel da habe ich auch Spaß dran manchmal, aber ähm, Ich habe in den Jahren auch gelernt, dass es nicht immer die Qualität ist, die man dann, in der Zukunft noch davon hat, wenn man das betrachtet. Also ob das dann der Zeit der Betrachtung standhalten kann oder nicht, das muss man dann für sich selber rausfinden Und bei dir? Ähm das ist immer eine leichte Stresssituation für mich, das zu entscheiden, also äh oder oft bei einigen Arbeiten Manchmal ist es aber auch ganz klar, zum Beispiel in dem ersten Raum in meiner Installation in Hannover äh letztes Jahr,
Da war's so, dass ich wusste, okay, das sieht jetzt so. Stimmig, jetzt darf ich nicht weitermachen. Dann kam auch der Museumsdirektor rein, meinte, boah, das ist ja toll. Dann habe ich gesagt, okay, wer wir lassen das jetzt so, das ist fertig, bis auf so eine Ecke, die habe ich dann später noch gemacht, aber das Grobe war dann fertig, habe ich auch dann nichts mehr dran gemacht.
Und den Rest des ganzen Hausrates, den habe ich dann im zweiten Raum, verbrauchen müssen, was dann auch stressig war, weil das passte eigentlich gar nicht mehr auf die Fläche, wo dann die Installation stattfinden sollte. Und das war dann auch wiederum so eine Quälerei, dass man alles untergebracht kriegt. Also da habe ich schon auch Adere ich immer mit, wann ist die Arbeit fertig? Es gibt ja auch immer so Zwischenstadien, das sieht dann toll aus, ist ja auch immer eine sinnliche Sache.
Und man weiß aber, nee, ich habe noch so viele Material, ich muss das noch verbraten. Also das war auch damals schon ich erinnere mich grad an so einer Anekdote dass äh als wir im Kölnischen Kunstverein hatte Udo Kittelmann, das irgendwie hingekriegt, dass wir ganz viel Nuss-Nougat-Creme zur Verfügung haben äh von einem Sponsor und ich fand dann so nach der Hälfte, die Arbeit schon so gut, dass ich dann, gefragt habe, ich würde am liebsten aufhören. Da meinte er zu mir, nee, wir zeigen, was wir haben.
Und das das weiß ich noch wie heute und dann habe ich halt weitergemacht und dann musste ich auch irgendwie andere Sachen verändern. Ich musste dann die Struktur noch so ein bisschen auflockern. Dann haste auch wieder geklappt. Also mit dem Aufhören, das ist echt, Immer ein bisschen stressig für mich. Ich erstelle mir das auch wahnsinnig anstrengend vor mit diesen Materialien zu arbeiten. Also du bist ja und gedanklich unterwegs und auch noch mit der Nase. Ja wobei das mit der Nase, das ist Zufall gewesen mit diesen Chips. Also mich hat eigentlich mehr die Materialien interessiert und die Farbigkeit und Die Stofflichkeit, also nicht so sehr der Geruch, aber äh manche Sachen riechen halt und das kam dann einfach später dazu. Also ganz,
Deutlich wurde mir das auch 2006 im Museum im Ostwall in Dortmund, wo ich mit Chips gearbeitet hatte und das ganze Museum nach Chips roch Und es gab dann auch einen Totalverriss in der Sendung Bilderstreit, also Bad Sandbrock hatte das absolut in Grund und Boden verrissen bis zum geht nicht mehr so was.
Sowas schlimmes ist mir vorher noch nie passiert, nachher auch nicht hat aber sehr viel gebracht. Viele Artikel in Kunstzeitschriften und sowas alles, also das war insofern ganz gut aber da ist mir auch bewusst geworden, wie schrecklich dieser Geruch eigentlich ist und dass das zur Arbeit dazugehört und ab da habe ich dann auch wirklich bewusst mit dem Geruch, zumindest bewusst, dass das auch dazugehört. Wie geht ihr mit Kritik um? Ja also gute Frage. Also von Thomas Kritik zu bekommen ist wahrscheinlich das Schwierigste. Mhm. Aber ich kann mich ziemlich gut distanzieren, weil ich denke, es ist ja Kunst, es ist ja Freiheit, also es ist ja jeder kann ja seine Meinung gerne haben und wenn jemand die Farbe Blau nicht schön findet, dann dann ist das total okay für mich, wenn wenn ich die aber mag so,
Kritik ist ist da, aber ist nicht so wichtig für einen selber, glaube ich. Also vielleicht schon zum Wachsen, aber, Mhm. Ja. Ich erinnere mich grad in den neunziger Jahren, als ich diese hochästhetischen Polyesterarbeiten gemacht habe, hatte ich so ein Gefühl. Dass ich von bestimmten Kreisen als Künstler nicht für vollgenommen werde, äh also äh dass meine Kunst zum Beispiel nicht politisch genug ist. Ich hatte zum Beispiel auch nie irgendwie auch nur den leise, die leiseste Erwähnung in der Zeitschrift Texte zur Kunst.
Glaube ich zumindest. Also äh zumindest keinen Artikel und nix und das hat mich immer so ein bisschen gewurmt, weil ich dachte, irgendwas stimmt bei mir nicht, aber mittlerweile ist mir das sowas von, Ehrlich gesagt äh weil. Es gibt so viele verschiedene Richtungen und Leute in der Kunst äh dass man nicht irgendwie alle bestimmen, Klientel hinterher laufen muss. Also ich habe auch heute habe ich das Gefühl, dass ich mit meiner Kunst vielleicht auch schon wieder so ein bisschen also ich habe ja auch schon viel gemacht, viel Erfolg gehabt und viele Ausstellung und so weiter, deswegen ist äh die Selbstsicherheit jetzt mehr da, aber grade auch an der Uni jetzt dieses Bewusstsein, was die jungen Studierenden haben, das geht mir manchmal wirklich
also dieses Bewusstsein und ich denke, äh dass ich da jetzt anachronistisch unterwegs bin, aber dann denke ich auch wieder, irgendwie muss man's auch erst mal hinkriegen so eine Ausstellung wie zum Beispiel in Hannover zu machen D dreiundzwanzig, das war eine richtig gute Sache, finde ich und da bin ich auch stolz drauf und da kann mir auch keiner vormachen, dass das keine Berechtigung hat.
Wir sind ja hier in eurem neuen Studio. Erstmal herzlichen Glückwunsch dazu. Ein wunderschönes, altes Gebäude. Vor den Toren Berlins. Kennt ihr die Geschichte dieses Orts? Es ist eine ehemalige Landmaschinenreparaturwerkstatt. Also hier wurden Mähdrescher und Trecker repariert, ganz einfach, Wir haben das im Internet gesehen. Wir wollten halt einfach was kaufen, was Eigenes, weil, Die Situation mit Ateliers in Berlin wird immer teurer, immer schlimmer und wir wollten halt einfach unsere Existenz sichern und etwas kaufen, nachdem wir dann in Berlin einen Anlauf gemacht hatten, haben wir uns entschieden, wir ziehen aufs Land, als wir das jetzt hier gefunden haben, das haben wir über ImmoScout gefunden dann haben wir noch geguckt, ah diese schönen, großen Fenster, scrolle doch mal zurück, weißt du noch? Ja, das war, ich weiß noch genau, welcher Tag, der 28. Dezember,
In Berlin im Atelier in Weißensee waren wir und haben da Weihnachten gefeiert mit meiner Mutter und Thomas Tochter und wir hatten, glaube ich, alle Harry Potter Filme und Herr der Ringe durchgeguckt und Weihnachten war schon langsam zu Ende und dann haben wir überlegt, was machen wir jetzt? Wir hatten diesen Beamer aufgebaut und hatten äh eine große Projektionsfläche an der Wand und, Thomas meinte dann, komm, mach doch mal Immo-Scout auf, lass doch mal jetzt Ateliers gucken.
Und ja, ich habe gesagt, ja aber Emoscouter findet man ja eh nichts, aber egal, wir machen's mal aus Spaß. Hätte ich auch sagen können, ja und wir so wie es halt so ist, ne, wie halt wir hatten auch zig Jahre vorher ja schon immer wieder gesucht und, Dann scrollen wir da so durch und Thomas, ich war an der Maus und Thomas äh hat von hinten kommentiert und hat gesagt, komm, klick noch mal da drauf und dann habe ich gesagt, nee, das ist nix und doch geh noch mal zurück, guck mal die Fenster.
Und dann sahen wir nur aufgrund dieser Fensterstruktur hast du da irgendwie aufgehorcht und dann bin ich noch mal zurück und habe da drauf geklickt und dann haben wir unsere Daten, die wir ja schon so im Kopf hatten, was es äh alles für Bedingungen erfüllen muss. Abgeglichen und haben gesehen, ah Deckenhöhe, vier Meter fünfzig, super, Quadratmeter auch Preis passt auch eine Stunde von Berlin entfernt war auch gerade so unser Radius, wo wir uns die Grenze gesetzt hatten.
Und dann haben wir gedacht, Wahnsinn, wo ist der Haken? Wann können wir das angucken? Nee, vor allem weißt du noch, es gab ja ganz viele Fotos von den Räumen hier und da haben wir dann überlegt, was produzieren die denn da? Was ist das denn? Da stehen so viele Kisten rum und so weiter und dann irgendwann kam ich drauf, das ist Kunst. Das ist eine Art von Minimal-Art.
Riesiger Tisch mit ganz vielen Tassen und tatsächlich, das war halt ein Künstler, der vorher auch drin war, Paul Pfarrer, PFA RR aus Berlin, der das Besaß das Gebäude vorher gekauft hatte und der war dann mit fünfundachtzig glaube ich oder dreiundachtzig, und seine Witwe Isolde hat es dann verkauft, weil sie einfach nicht mehr wusste, was sie damit machen soll.
Und das ganze Gebäude war voll mit großen Installationen von Paul Pfarr. Ja und das Schöne war, Als wir dann hierher kamen, ich glaube, das war auch erst eine Woche inseriert oder so. Es war ganz frisch. Und als wir hierherkamen, sahen wir dann eben noch genau wie auf den Fotos diese riesigen Installationen von dem VLV und, sind hier durchgelaufen und haben gedacht, Wahnsinn, es ist die Räume sind Wahnsinn, die Kunst ist toll, Und Isolde sagte uns dann auch schon so Tränen erfüllt, wie es mit ihrem Mann dann zuging, dass er eben verstorben ist und dass sie gar nicht weiß, wohin mit den Kunstwerken. Ja, das müssen wir alles wegschmeißen wahrscheinlich und war ganz traurig und, Ich habe dann gesagt, also.
Wir sind auch Künstler, ne? Wir wir verstehen die Problematik. Also wir wollen helfen. Wir möchten gerne nicht, dass dass diese wundervolle Kunst hier irgendwie weggeschmissen wird. Es muss bewahrt werden. So und dann haben wir auch, unter anderem dadurch, dass wir diese Hilfe angeboten haben, die Arbeiten zu vermitteln, auch direkt natürlich einen Stein im Brett gehabt bei Isolde.
Sie hat dann so bisschen äh hatte Leuchten in den Augen, als wir das gesagt haben, da war sie sofort. Also den Blick werde ich nie vergessen. Ja, vor allem, das ist ja auch ein Problem, was uns selber betrifft. Ich erinnere mich an eine, Situation, wo unser Vermieter in Berlin damals in mein Atelier kam und ich war, hinten im Lager und mit ach hi Tom wie geht's? Ich suche eine sehr ich sage dann Ja, es wird immer voller hier irgendwie. Also ich es Lager platzt aus allen Nähten. Der meinte da, ja warum verkaufst du die Sachen denn nicht?
Dann sage ich, ja, es ist gar nicht so einfach, große Kunstwerke oder Rieseninstallationen zu verkaufen, so teilweise, Materialienreste von großen Installationen. Da meinte er, eBay? Er meinte, ist gut. Also er meinte es wirklich gut. Hilfreich und so und ich habe dann echt ich fühlte so Panik in mir aufsteigen, was ist was ist mit meinen Hinterbliebenen, wenn ich mal sagen wir mal sterbe oder so, dann sitzen die auf so einem Riesenhaufen von Zeug.
Und dann müssen die von jetzt auf gleich. Auflösen, weil die Miete nicht mehr bezahlt werden kann, das ist ja irre teuer auch in Berlin, ne? Und ähm das war auch der Grund, warum wir seitdem suchen, was uns gehört als Gebäude, was man nicht mieten muss, dass man zumindest nicht dieses Problem erstmal ganz akut hat, ne?
Und die Entscheidung aufs Land zu gehen, raus aus dem pulsierenden Berlin, Ist es schwergefallen oder nee, wir wohnen ja noch in Berlin und haben auch eine Wohnung in Berlin und können ja beides haben, Mhm. Kein Problem und ich find's hier aufm Land einfach wunderbar auch. Hier kann man prima arbeiten und sich richtig gut konzentrieren.
Ja, also für uns beide war das irgendwie die ursprüngliche Idee, wie wäre es, wenn wir ein Atelier auf dem Land haben würden, weil wir beide Landkinder, Und klar in der Stadt wohnt und aufm Land arbeiten ist natürlich auch manchmal ein Hin und Her, aber, Also mich zieht's immer immer mehr aufs Land, muss ich sagen. Und da wo wir jetzt wohnen, in Weißensee ist es ja auch relativ nicht ländlich, aber es ist äh, ruhiger, also nicht im Mittelpunkt von Berlin, das ist schon auch ein bisschen angenehm da, also mir mir gefällt das ganz gut, eher etwas ruhigeres zu haben so. Und sag mal.
Die Studios sind unterschiedlich groß. Wie war denn die Diskussion, wer welchen Raum bekommt? Also ich hätte beide genommen. Also eigentlich äh war das ziemlich schnell, Klar, wir sind hier durchgelaufen und ich weiß noch, wir sind hier Thomas, Julia und ich, sind hier im Entenmarsch durchgewandert im Winter und haben uns äh schweigend, angeguckt von vorne nach hinten und haben mit dem Kopfgenick, mit Fragezeichen und von Julia äh unserer Tochter kam dann nur ein ganz äh energisches Jahr äh zurück und das war, Also dann sicher, dass wir das hier gut finden und äh am liebsten kaufen wollen, aber ja die Ausfall vom Atelier war auch direkt eigentlich klar, ne?
Und Thomas wollte am liebsten den größten möglichen Raum, weil du hast aber den schönsten ich wollte, weil dieses Gebäude eben so eine kleine L-Form hat, wollte ich unbedingt diesen diesen Trakt, der nach hinten auf den Hof rausgeht und ja, es waren optimale, Entscheidung eigentlich, ne? Das ist ein bisschen kleiner, aber nicht viel kleiner und war nicht viel Diskussion. Und liebe Berta, ich will ja jetzt hier nicht in die Stereotype Falle treten.
Aber ich sehe hier einen Wäscheständer. Ja stimmt. Der Wäscheständer. Ja, also es ist eine Skulptur, die aussieht wie ein Wäscheständer aus sechs Millimeter Stahlstangen geschweißt. Diese Stangen sind auch, eigentlich eine recycelte Arbeit äh eine, Arbeit aus sechs Meter Stahlstangen, eine Installation, die ich mal in der Spinnerei in Leipzig gemacht habe, Und beim Auseinanderbauen von dieser Arbeit habe ich dann um die Teile in mein Auto zu bekommen.
Teile zersägt und wieder gerade gebogen und dann habe ich sie wie Puzzleteile in meinem äh Atelier oder in Thomas Atelier dauert's nochmal. Es war zu klein. In Berlin äh auseinander, Also sortiert und angeguckt und habe dann festgestellt, dass sich daraus ein perfekter Wäscheständer basteln lässt, weil Wäscheständer sind für mich immer irgendwie Skulpturen gewesen. Ich weiß auch nicht, dass es so eine so eine so ein vergessenes Objekt, was einfach oft, rumsteht und behangen oder nicht behangen ist einfach so, Es steht immer so ein bisschen verloren im Raum. Eigentlich will man ihn nicht so gerne haben, weil man klappt ihn, wenn er dann nicht mehr benutzt wird zusammen und stellt ihn in die Ecke. Aber ich finde,
der hat so seine Daseinsberechtigung und ja, das ist eigentlich wie so eine Zeichnung eines Wäscheständers. Also ist nicht klappbar, es er ist statisch, aber ähm, Ja, es war so ein bisschen eine Hommage an an dieses Geschöpf, Wäscheständer. Ihr zwei. Jetzt können wir ja hier mal die Katze aus dem Sack lassen, In dieses Gespräch ist nämlich in aller Spontanität entstanden, Du, lieber Thomas, hast mich vom Bahnhof abgeholt und was erzählt ja und im neuen Atelier meine Frau ist auch dort und ich habe schon gemerkt, dass du gegrinst hast Ich habe aber nicht deuten können. Warum? Ich habe gedacht, dir wird immer so viel Humor hinterher gesagt, oh je, oh je, jetzt nimmt er mich gleich bestimmt mit irgendwas auf den Arm.
Und hatte schon ein bisschen Respekt. Wer oder was mich denn erwarten. Tür zu dem neuen Studiogebäude geöffnet und sagte Ibo, schau mal, wer da ist. In ein Strahlen geguckt und musste selber strahlen und dann habe ich dich erkannt, liebe mich so gefreut. Ich wusste nicht, Dass ihr ein Paar seid. Bis zum Schluss auch verheimlicht. Und ich mich so sehr, dass Dieses Gespräch, was eigentlich wir beide geführt hätten, Thomas nun zu einem wunderbaren Dreiergespräch ist und wir wahrscheinlich ja Gedanken geschenkt bekommen haben, die sonst nie möglich gewesen wären. Vielen, vielen Dank für euer Vertrauen. Würdet ihr für dein ja für deinen Mut so spontan hier der Anfrage zuzustimmen, das zu dritt zu machen und ja, ich bedanke mich,
die ihr mir hier im Brandenburger Land geschenkt habt. Ja, total gerne. Wir und wir finden's richtig gut, dass du bis zum Schluss nicht drauf gekommen ist. Ich habe noch zu Thomas gesagt, na lass Klaudi und mal kommen, ob sie mich wiedererkennen. Ich bin froh, dass du mich erkannt hast und ich bin auch sehr dankbar, dass, mit drei eingeladen hast auf jeden Fall und das war ja auch so lustig, weil ihr du nennst äh Pötte und, und auch das habe ich nicht geschnarrt. Ich finde das ein Abenteuer, ein kleines Abenteuer, das man jetzt so gemacht zu haben oder.