
Ein Bayer und ein Halber – historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl· Folge 9
Warum auf der Wiesn alle Tracht tragen
Donnerstag, 25. September 2025 · 44 min
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Shownotes
Dr. Richard Loibl liebt seine Heimat. Aber Volksfeste? Die sind nichts für ihn. Bescheid weiß er trotzdem. Das trifft sich, denn der halbe Bayer Johannes Munzinger fragt sich: Was ist eigentlich eine „Dult“? Seit wann gilt das O’zapfen als quasi-magischer Moment? Und warum arten Volksfeste immer in Besäufnisse aus? Die Antworten hören Sie in Folge 9 des Podcasts „Ein Bayer und ein Halber - Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl“ (pnp.de/podcasts/ein-bayer-und-ein-halber).
Es ist wieder so weit: Herbstzeit ist Volksfestzeit. Aus allen Ecken Bayern schallte und schallt es dieser Tage wieder. Es ist der Schlachtruf der kollektiven Völlerei und des Exzesses, obwohl er so harmlos klingt: „Ein Prosit, ein Prosit, der Gemütlichkeit!“ Das Karpfhamer Fest und die Passauer Herbstdult sind gerade erst vorbei, der Kater kaum ausgeschlafen, und schon rückt der Endgegner an: das Oktoberfest in München. Millionen Menschen aus aller Herren Länder werden wieder in die Landeshauptstadt pilgern, um zu erleben, was „Bayerische Gemütlichkeit“ alles umfassen kann. Und das ist mehr als Bier, Brezn und Braten. Denn wenn’s blöd läuft, kann man sich durchaus auch „a boa Fotz’n“ einfangen.
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Einen wird man auf dem Oktoberfest höchstwahrscheinlich nicht antreffen, und das wirkt im ersten Moment seltsam. Dr. Richard Loibl ist ja ein Vorzeigebayer. Er liebt seine Heimat. Kaum einer weiß mehr über seine Historie, keiner organisiert mehr Ausstellungen über diese als er in seinem Haus der Bayerischen Geschichte. Dr. Loibl geht gern ins Wirtshaus, er trinkt gerne ein Bier (oder zwei), er schafkopft mit Begeistern, er hat’s gerne gemütlich. Aber Volksfeste? Die sind nichts für ihn.
Beziehungsweise: nicht mehr. Früher, ja, da schon, als es noch wirklich gemütlich war – und viel leiser.
Auskennen tut er sich aber trotzdem. Das trifft sich, denn der halbe Bayer Johannes Munzinger hat wieder einmal Fragen in Gepäck.
Warum heißen Volksfeste überhaupt Volksfeste? Was ist eigentlich eine „Dult“? Seit wann gilt das bürgermeisterliche O’zapfen als quasi-magischer Moment? Und warum – bzw. seit wann – arten Volksfeste immer in Besäufnisse aus? Darum dreht sich die Folge 9 des History Podcasts der Mediengruppe Bayern „Ein Bayern und ein Halber – Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl.“ In diesem Sinne: Oans, zwoa, drei – o’ghead!
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Und überall im Saal hatten sich die Leute von den Tischen erhoben und standen mit untergehakten Armen und erhobenen Krügen da, während sie das großartige Trinklied brüllten und im Takt hin und her schunkelten. Das ist doch 1928 schon wie heute. Ja, da sieht man, dass die Münchner die Fremden für Orgien gar nicht brauchten.
Ein Bayer und ein Halber. Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel. Ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Ja, guten Tag, grüß Gott, servus miteinander und HW Dere. Willkommen zurück zu Ein Bayer und ein Halber, historische Zeitreisen mit Dr. Richard Läubel. Ich bin Johannes Munzinger, euer halber Bayer und heute wieder bei uns zu Gast hier im Medienzentrum in Passau, Dr.
Richard Läubel. Schön, dass Sie wieder da sind. Grüß Gott, Herr Munzinger, grüß Gott beieinander. Herr Dr. Läubel, hören Sie was? Nein. Hören Sie mal genau hin. Es schwebt schon durch die Luft, durch den Äther. Ein Prost. Um Gottes Willen. Ein Prost. Aus ist. Arzabtis. Arzabtis. Volksfestzeit ist. Also zum Zeitpunkt dieser Aufnahme, liebe Zuhörer, das Kopfhammerfest ist gerade zu Ende gegangen.
Die Passauer Herbstduld geht quasi jetzt dann gleich los. Und am Horizont drohend krollt es schon. Das Oktoberfest fängt wieder an. Herr Dr. Läubel, Sie sind, wie ich gern betone, der bayerischste aller Bayern aus dem Wald. Sie kennen sich aus mit Bayern. Sie haben gerade vorher zu mir gesagt, keiner hat eine größere Bibliothek über die Geschichte Bayern.
Sie gehen gern ins Wirtshaus. Sie sind ein Meisterkartler. Das haben wir alles schon gehört. Und Sie gehen doch sicher gern auf ein Volksfest, oder? Nein. Wie nein? Nein. Was haben Sie gegen Volksfest? Ich habe gedacht, das wäre genau Ihr Wetter. Also, ich kann mich noch gut erinnern, wo das umgeschlagen ist.
Bei mir bin ich tatsächlich ein paar mehr Volksfeste gewesen, aber dann ist das angegangen, es hat vorher Blasmusik gespielt oder so, also Volksmusik oder volkstümlich. Ist doch was Schönes? Ja, nein, da sage ich gar nichts dagegen. Kann man sich anhören, ist jetzt nicht mein Musikgeschmack, aber es ist auch wurscht, kann man sich anhören.
Und dann hat das umgeschaltet, innerhalb von einem Jahr, dann sind die mit den Verstärker gekommen. Und da muss ich sagen, da war es für mich vorbei, weil wenn ich irgendwo hingehe, dann mag ich mich mit den Leuten unterhalten und mag jemanden treffen, den ich schon ewig nicht mehr gesehen habe. Aber wenn ich mein eigenes Wort nicht mehr verstehe da drin, dann ist für mich der Hauptzweck von so einem Fest verfehlt.
Und deswegen war ich, ich weiß genau, wann ich das letzte Mal auf einem Fest war, nämlich auf dem Gleibohenfest. 2019, wie ich die Sprachwurzel gekriegt habe und da habe ich sogar die Kapellen dirigieren dürfen. Ich habe also wochenlang geübt, damit das einigermaßen stimmt. Dann habe ich aber einen super Kapellenmeister gehabt, der mich geleitet hat und der mir dann gesagt hat, da habe ich aufhört zu sein.
Aber das klingt doch super, klingt ja mal zu gaudi. Warum geht man danach nie wieder auf ein Volksfest? Ja, das war auch schön, muss ich sagen. Da waren wir auch in einem Zelt drin am Nachmittag, wo jetzt nicht diese Dauerbeschallung war. Das war echt okay, aber für mich halt eine Ausnahme. Und vorher waren halt eigentlich diese teilweise diese Schreckenserlebnisse, teilweise muss ich allerdings auch sagen.
Ja, also sehr schöne Erlebnisse, die mich aber dann immer wieder, wenn ich das Oktoberfest sehe, auch traurig machen, weil ich habe einen Verwandten gehabt, das Spielgelau, das war der Lüge Franz. Der hat im Löwenpreizelt, war das, ich weiß jetzt nicht, wie man fachmännisch genau sagt, aber das war der Chef der Anzapfer sozusagen. sagen.
Und es gibt eine wunderbare Nummer, eine Festschrift vom Lübenbrotzeit, wo die wesentlichen Mitarbeiter vorgestellt werden und da ist er auch drin und da hat der Chef dann gesagt, dass er nur einem körperlich weh da hat, wenn er ganz korrekt einschränken hat müssen. Das war der Lübe Franz. Und der Lübe Franz hat die Marotte gehabt, dass er sich seinen Lohn vom Oktoberfest in Zehner auszahlen hat lassen.
Und da hat er quasi, also 10 Markscheine damals, und dann hat er ist er mit dem Geldkoffer, ist er dann meistens zu uns, weil er hat den Ablauf gehabt, gar nicht so untypisch für die Leute im Borischen Wald dieser Zeit, der ist im Frühjahr nach München auf der Baustelle und hat auf der Baustelle gearbeitet und sein Abschluss vom Münchenaufenthalt war die Tätigkeit am Oktoberfest.
Und dann ist er heim und hat halt dann entweder gestempelt oder ist dann zu uns in der Metzgerei und hat mitgearbeitet, weil er eigentlich ein gländer Metzger war. Aber einen Haufen Geld in der Tasche. Und dann hat er seinen Geldkoffer aufgemacht. Also das war wunderbar, muss ich sagen. Und ich habe ihn noch ein paar Mal besuchen dürfen draußen und habe das erste Mal einen Franz Josef Strauß auch gesehen, weil der hat einen Tag gehabt, da ist er ins Oktoberfest ausgegangen und dann herausgewankt.
Also der hat schon wirklich was getrunken da drin. Und ich bin halt da bei den Bedienungen und bei den Schankkellnern hintergesessen. Beziehungsweise sind da gekommen, wenn sie Pause gemacht haben. Dann habe ich Brotzeit gekriegt und Freimass. Und das war ganz was Schönes, muss ich sagen. Das klingt doch alles wunderbar, was Sie von Volksfest erzählen.
Also bis auf die Laudimusi ist das doch eine herrliche Geschichte. Ja, aber die Laudimusi übertönt halt leider alles andere. Und da muss ich sagen, um das zu erzählen, das ist was, was mich recht traurig macht, weil der hat so früh sterben müssen an einer Embolie. Das war so ein Bratgemann mit einer derartigen Kraft und ist dann, wie gesagt, ganz früh gestorben und dann bin ich ja nicht mehr ausgegangen und jetzt mal, wenn ich raus bin, schon später dann rausgegangen, muss ich dazu sagen, weil meine Frau ist ja Münchnerin.
Da muss man ins Oktoberfest, oder? Da muss man ins Oktoberfest, aber das ist jetzt vielleicht auch schon ein Beitrag zur Oktoberfest-Geschichte. Weil die haben sich immer getroffen und sind miteinander mit der U-Bahn halt rausgefahren, Nachmittag und haben sich auf die Bierbank vor der Bierzeit gesessen und haben da eine Brotzeit mit dabei gehabt.
Und es war früher erlaubt. Wie man es halt im Biergarten macht. Wie man es im Biergarten macht. Und dann haben sie es irgendwann davon gestampelt. Und seitdem sagt meine geschlossene Verwandtschaft, Oktoberfest, du hast mich gesehen, nie mehr wieder. Das heißt, das Volksfest bewegt sich weg. Von der Volkstradition dabei ist doch das eigentlich das, was ein Volksfest ausmacht, nämlich das so traditionell ist.
Über diese Tradition, bevor man wieder Herrn Dr. Läubel über das Oktoberfest schimpfen lassen. Reden wir mal ein bisschen über die Tradition und die Geschichte vom Volksfest. Nämlich, also man kriegt in Bayern gerne den Eindruck, man war schon lang vor Christi Geburt katholisch und seit Menschengedenken werden hier Volksfeste gefeiert.
Ist das denn so? Also gut, das mit katholisch und so weiter war dann doch ein bisschen nachgegeben. Aber ist, seit wann gibt es das Volksfest? Ja, also das mit katholisch ist unstrittig, das ist richtig. Das Volksfest in der Form, wenn Wir kennen das eigentlich eine Entwicklung im 19. Jahrhundert und das ist auch nicht auf einmal da, sondern man kann das schön am Oktoberfest nachvollziehen.
Das geht auch vom Pferderennen aus, wie viele andere gehabt haben zum Beispiel. Also wenn wir gehabt haben, wir eine Tradition geben wollen. Es ist die Anbindung nicht so ganz leicht, dann kommt man auch auf Pferdemarkt und Pferderennen und im Oktober war es auch so, 1810 das große Pferderennen zu Ehren vom König Ludwig I.
Und seiner Vermählung mit der Prinzessin Therese von Sachsen. Und dann waren die Münchner natürlich, also über die Münchner kann man sagen, was man mag, aber geschäftstüchtig waren es schon immer. Und dann haben die so eine Landwirtschaftsschau gehabt, die ist auch schon so opeinander gewabert und dann hat man gesagt, das könnte man ja damit verbinden.
Dann hat es einen tollen polytechnischen Verein gegeben, der immer schon quasi nah am Puls der Zeit war und Erfindungen abgegriffen hat und sowas und der hat auch eine Ausstellung gemacht und dann hat man gleich mal die ersten Jahre die Sachen zusammengeschmissen. Und dann ist man auf die Idee gekommen, dass du einen großen Festzug machen kannst.
Dann hat man tatsächlich eine Duld, sagen wir bei diesem schönen Begriff, eine Duld damit verbunden. Und dann schafft man das, dass mit diesen vielen Dingen, die man da zusammengeholt hat, übrigens das ganze Fest war damals noch im Oktober. Heute geht es ja nur ins erste Wochenende rein. Hat auch einen gewissen Grund dieser Entwicklung.
Also da hat man verschiedene kleine Sachen zur großen Geschichte zusammen. Gefügt und damit hat man das geschafft, dass man so 1860 rum schon auf 100.000 Besucher gekommen ist. Aber Volksfeste gibt es doch schon viel länger als Oktoberfest, das ist ja quasi ein Emporkömmling 1810, das ist ja gar nichts.
Und angeblich wird ja auch in anderen Bundesländern, feiert das Volk gerne. In Paderborn, habe ich gehört, gibt es ein Volksfest, das so über 1000 Jahre alt sein soll. Ja, also da sind wir natürlich bei den, wie soll ich sagen, bei den Versuchen eine möglichst lange Tradition irgendwo herzustellen. Und man kann natürlich, das passiert ja allen Talben, was die Kirchweihen betrifft.
Das ist auch so ein Ausgangspunkt für die Feste. Und da schaut man halt nach, wann ist diese Kirche geweiht worden und wenn da dann da steht, die ist 1000 geweiht worden, also im Jahr 1000, dann geht man davon aus, dass da diese Kircheweihe auch schon ein Fest stattgefunden hat und man denkt sich dann, ah um 1000, da sind die Karusselle schon gefahren und die Schirrs stand vielleicht halt nicht mit Gewehr, sondern mit Armbrust und was weiß ich, aber halt wie gesagt, das war ganz was anderes, das war ein kirchliches Fest, wo sie dann auch langsam mit der Zeit, nicht bei Olli, so ein Duld angesippt hat.
Duld ist aber im klassischen Sinne, ist das kein Volksfest, sondern Duld ist was, was du gerade die Welt einkaufen kannst. Jetzt haben sie schon den Begriff öfter gesagt und im Passau ist ja jetzt auch wieder in aller Munde, nämlich Duld. Was heißt das? Ich meine, Volksfest kann ich mir herlassen, das ist ein Fest fürs Volk, da ist das ganze Volk eingeladen, muss aber zahlen.
Jahrmarkt sagt man auch was. Wahrscheinlich ist da einmal im Jahr ein großer Marktstab abgehalten worden. Woher kommt das Wort Duld? Hat das was mit Erdulden zu tun? Nein, eigentlich nicht. Das hat was mit der ursprünglichen Bedeutung mit frei zu tun. Also das können wir uns halt sagen, das ist ein frei und ein freier Tag.
Wie kommt man von Duld auf frei? Also ich bin kein Sprachexperte, ich habe das auch jetzt nur nachgelesen. Also das ist die alte mittelhochdeutsche Bedeutung, angeblich. Also ich kann mir es von daher, wenn jetzt so gestanden wird, Volksfest hätte ich gesagt, kann nicht sein. Aber dort kann man in gewisser Weise, wenn das von frei und feier kommt, kann man schon herleiten, weil der Ausgangspunkt ist die Kirchweihe, die Feier des Namenspatrons der Kirche.
Jetzt klingt so eine Kirchweihe eigentlich noch eher an einem biederen Fest, Da wird dann schon ein bisschen Rotwein angetrunken und vielleicht gibt es ein Mess, also nicht im Sinne von wir zeigen her, was wir kennen, sondern im Sinne vom Gottesdienst. Ist denn vor 1000 Jahren oder sagen wir vor 500 Jahren vom Volksfest, war das schon dieses öffentliche Riesenbesäufnis, zu dem ja die meisten großen Volksfeste heute aushalten?
Nein, überhaupt nicht. Also völlig undenkbar sozusagen. Also man hat sich dann schon da hingehackt. Also man muss sich das so vorstellen, im Vordergrund steht das Kirchliche. Wie Sie gesagt haben, der Mess. Dann hat es Prozessionen gegeben. dann hat man auch schon, da sind wir jetzt bei dem, was später die Münchner geschäftstüchtig machen, das hat es natürlich zu der Zeit schon gegeben, dass man halt auf diese Kirchweih-Wallfahrten gelenkt hat, weil die eigenen Leute haben ja nicht gelangt, also wenn da was gehen hat sollen, hast du die Leute als andere dürfen und so wieder herziehen müssen und die sind dahin und dann hast du natürlich schon was zum Essen gekriegt und du hast was trinken können,
Aber dieses Ausarten sozusagen in ein Riesenfest mit Besäufnis und Völlerei bis zum Umfallen ist eigentlich was, was im Grunde erst im 19. Jahrhundert anwächst. Also jetzt kommen wir noch mal zur Maiduld. Sie waren ja lange im Passau, Sie müssen es ja auskennen. Die Passauduld gilt als das älteste, noch gefeierte niederbayerische Volksfest. Können Sie das bestätigen? Nein.
Aber bis ins 17. Jahrhundert soll die Geschichte so kommen. Ja, also die Maiduld und die Herbstduld geht quasi zurück auf so einen Krügerl, Morg. Und auch wieder auf die Kirchweih von der St. Nikolaakirche, deswegen auch diese zweierlei Geschichten und ist aber halt eine total regionale Sache, es ist sogar strittig, wie die Passauer mit dem umgegangen sind, weil wir sind mal vor 1806 in St.
Nikolaus vom Passau aus gesehen im Ausland, weil St. Nikolaus ist ja der letzte bayerische Vorposten, ist also ein Hofmarkt und man hat da schon genau geschaut, also dass, wenn geheiratet worden ist oder eben wen zu fester warnt, dass das eigene Bier drungen wird oder der eigene Wein und nicht das Fremde.
Also hat man sich das auch wieder, wie vorher gesagt, in ganz kleinem Rahmen vorzustellen. Und es gibt dann natürlich schon die Entwicklung, wobei ausgerechnet bei der Meidut ist es schon so, dass du viel darauf hinweist, dass du einmal 100 Jahre gar nichts isst. Und dann ploppt es wieder hoch, aber Meidut liegt in unserer Natur.
Wir suchen die älteren Bezugspunkte. Was ich, wenn ich das sagen darf, bei der Mai, was ich eigentlich am spannendsten finde, ist auch, wo es eben vergessen ist, ich meine, Sie wissen, wo es jetzt kommt, gell. Ich bin ein alter Freund von Max Peinkhofer, Und der Max Peinkofer hat zu dieser Maiduit ein ganz legendäres Gedicht verpasst, das man manchmal ein bisschen derb ist, aber das glaube ich immer noch trifft, wie das in den 20er Jahren war.
Das stammt aus dem Jahr, das stammt aus dem frühen 20er Jahre und das ist die erste Maiduit gewesen, die nach dem ersten Weltkrieg wird. Aber Kriegszeiten sind da immer Pausen, auch im Oktoberfest und so. Hat man nicht so richtig Lust auf Feiern? Nein, hast du nicht auf Feiern. Und der Peinkofer, es ist ganz kurz, ich lese jetzt da schnell zwei Gesetze, außer der Peinkofer schreibt, Also Leidln, riecht's eng zusammen, Dämmen, was wir ausgemacht haben, Rost in die Meidhut, heut mit mir, Zünfte, Hammer und das wir.
Lust, wie man's schon werkeln hört, so ein Gaudi ist ebbs wert. Seht's, ist dort die olt Kassern. Viertigot. heint hast du mich gern. Was hab ich da exerziert, Gewehrgriff klopft und zu Zillen probiert. Was hat uns da, da scheine Kunst und auf die Letzt war alles umsonst. Ich glaub, der Peinkoffer hätte auf so eine Schießbude heutzutage keine große Lust gehabt.
Nein, das hat er damals schon vorgefunden und zur Schießbude sagt er, also jetzt sagt erst einmal die Dame an der Schießbude, bitte schießen Sie, schöner her, schreit die See dort mit ein Gewehr. Freilein, lassen Sie mir mal Ruhe. Ich habe mir schon geschossen. Nur. Also wirklich eine kriegskritische Äußerung, ganz selten nach dem Ersten Weltkrieg.
Und von daher ist diese Maidwild vom Peinkoffer eigentlich wieder topaktuell. Schauen wir, dass wir trotzdem noch einen launigen Übergang jetzt finden, wieder zurück, weil heute Arten, diese Volksfeste ja aus, also da ist mit Besinnlichkeit wenig, da sind wir mal ehrlich, keiner denkt an eine Kirchweih oder irgendwelche Heiligentags, sondern da geht man hin, damit man Mords- und Steckerlfisch isst, dass man vielleicht mit der Achterbahnfahrt, idealerweise, bevor man sich aus der Welt geschossen hat, mit vier Maßbier.
Oder sechs oder sieben Maßbier. Für die Umgebung nicht schlecht, wenn man das vorher macht. Wann beginnt jetzt diese Entwicklung hin von hier ist Jahrmarkt, hier ist ein kirchliches Fest, hier ist man vielleicht einmal am Tag feierlich unterwegs und dann schaut man sich ein Messer an, zweierlei Messen in dem Fall jetzt, dann isst man was, dann trinkt man Bier und dann geht man wieder heim.
Wann ist das umgeschlagen zu diesen völlig fieschen Orgien? Ja, also ich glaube, der wichtigste Anknüpfungspunkt ist eigentlich die Nachkriegszeit nach dem zweiten Weltkrieg jetzt. Weil da ist zum Beispiel explodiert das München, das Oktoberfest. Also das ist dann ganz schnell vorher, ist man da immer noch im Bereich 100.000 zu den Jubiläumen, nochmal 200.000, 300.000 und in die 50er Jahre ist man dann ganz schnell in der Größenordnung von 5 Millionen.
Wie ist das so schnell gegangen? Weil nach dem Krieg sozusagen, da brauchst du jetzt etwas. Jetzt hast du auch wieder Geld, die Marke ist da, die ist was wert. Und dann hat das ganz schnell Popularität im ganzen Land gekriegt. Das ist ja vorher ein Münchner Fest. Es kommen zwar ein paar Versprengte aus dem Land, wo ein Zug schon hingeht und der König versucht, das immer zu beleben.
Es werden dann 35 Brautpaare immer eingeladen, die diesen Trachtenumzug da beginnen oder mitmachen. Aber es ist ein Münchner Fest. und in die 50er Jahre wird es jetzt auch schon international, wird ein deutsches Fest und mit steigender Bedeutung. Heute, wenn ich jetzt das, ich muss da immer meinen früheren Chef denken, Dr.
Wancher, das ist so ein Urmünchner, wenn man da hört, früher war das ein Münchner Fest, der packelt sozusagen vom Oktoberfest zusammen, und die fahren den Urlaub über das Oktoberfest, weil der das Pech hat, dass er in der Straße wohnt, wo die ganzen Italiener mit den Wohnwagen anrucken, Und da sagt er, kannst du zu Oktoberfestzeiten, brauchst dann Schlaf und sichern die Sachen nicht mehr denken und da suchst der immer das weiter.
Und das ist quasi die Umkehr der früheren Verhältnisse, früher Fest für die Münchner und jetzt hauen die Münchner ab, wenn es Oktoberfest ist. Jetzt habe ich aber vielleicht was, was dagegen spricht, dass das erst in den 50er Jahren so ausgeartet ist, weil mir ist nämlich untergekommen eine Erzählung des US-amerikanischen Schriftstellers Thomas Wolff.
Ein begnadeter Erzähler, leider viel zu früh, schon bevor er 40 Jahre alt war, verstorben. Der war 1928 in München. Justament war das Oktoberfest, also hat er es absurd. Und hat dann eine schöne Erzählung drüber verfasst mit dem Titel Oktoberfest. München hat mich beinahe umgebracht. Wie gesagt, 1928.
Und in dieser Erzählung heißt es, an Hunderten von Tischen saßen Leute zusammen und verschlangen Tonnen von Fleisch. Ochsenfleisch, große Teller voll aufgeschnittener kalter Würste, dicke Scheiben von Kalb und Schwein, nebst großen Steinkrügen, in denen jeweils ein guter Liter des kalten und starken Oktoberfestbiers schäumte.
Durch die Mittelgänge, wie er heit, und an den Seiten schob und drängelte sich eine nachrückende Menge, die rastlose Blicke durch das Gewühl warf und nach freien Plätzen Ausschau hielt. Und die stämmigen Landfrauen, die als Kellnerinnen tätig waren, bahnten sich resolut ihren Weg, trugen Teller randvoll mit Gerichten oder ein halbes Dutzend Maskrüge in der einen Hand und stießen mit der anderen menschliche Hindernisse brüsk beiseite.
Er schreibt da über die Leute, die dort waren. Und es klingt für mich, das hätte er auch, ja, jetzt die Woche schreiben können. Die Esser, schien es mir, waren zum größten Teil massige, schwere Leute, in deren Gesichtern schon etwas von der aufgedunsenen Saturiertheit von Schweinen lag. Ihre Augen waren stumpf und benebelt vom Essen und vom Bier.
Und viele von ihnen starrten die Leute um sie herum in einer Art Betäubung an. Als hätte man sie unter Drogen gesetzt. Jedermann aß, jedermann trank, ein mörderischer Hunger. Ein Hunger, der keine Besänftigung kannte, der sich alles gebratene Ochsenfleisch, alle Würste, allen Salzfisch der Welt einverleiben wollte, packte mich und hielt mich in seinen Klauen.
Also, er hat es dann recht gefallen, weil sie finden dann tatsächlich ein Blotz. Es heißt dann, im Auge dieses tosenden Orkans nahmen wir triumphierend Platz, keuchten Siegesstolz und bestellten sofort zwei Liter Dunkles und zwei Portionen Schweinswürstel mit Sauerkraut. Die Kapelle schmetterte die Melodie von »Ein Prosit, ein Prosit«.
Und überall im Saal hatten sich die Leute von den Tischen erhoben und standen mit untergehakten Armen und erhobenen Krügen da, während sie das großartige Trinklied brüllten und im Takt hin und her schunkelten. Das ist doch 1928 schon wie heute. Ja, da sieht man, dass die Münchner die Fremden für Orgien gar nicht gebraucht hätten.
Zum einen, interessant ist, ich habe die Stelle nicht gekannt, interessant ist für mich, Ich habe mir in Vorbereitung von unserem Gespräch heute die Festschrift vom Oktoberfest angeschaut von 1960. Und die ist sehr interessant, weil der einfach eine Chronologie gemacht hat. Und er hat gesagt, wo ist jetzt neu dazugekommen und wie ist das ausgegangen?
Und da gilt 1928 eigentlich als Krisenjahr, dass das Oktoberfest nur relativ klar gewesen ist. Es wurde dann für den armen Herrn Wulf zu einem Krisenbesuch beim Oktoberfest. Weil es heißt ja, der Untertitel der Erzählung ist ja, wie München mich beinahe umbrachte, weil das entformuliert ist, er schreibt dann in einem Brief an eine Freundin nicht in der Erzählung ja, er war halt dann, sagen wir es auf Deutsch so viel wie ein Steinesel sieben, acht Massen hat er getrunken, sagt er selber und beim Aussiege, hält er mal einen fest und er weiß nicht mehr so recht, was will der jetzt von mir weil erstens spricht er wohl Deutsch und zweitens sind alle angesoffen.
Und im Überschwang gibt er dem Kerl ein Renner. Und dann schreibt er, also so, dass er über den Tisch fiel, schreibt der Wolf über den Renner. Dann stürzte ich frohlockend hinaus, wie ein Kind, das ein Fenster eingeworfen hat. Ich hörte Rufen und Schreien hinter mir und als ich mich umdrehte, sah ich mehrere Männer hinter mir herlaufen.
Einer hatte einen Klappstuhl aus dem Bierzelt bei sich, ein Ding aus Eisen und Holz. Ich merkte, dass er mir damit eins über den Kopf geben wollte und ich weiß noch, dass mich das in Wut brachte. Es endet dann mit »Ich erinnere mich jetzt mit Grauen daran, wie an eine Hölle aus glitschigem Schlamm, Blut und Finsternis und der Regen fiel auf uns Tobsüchtige herab, die wir einander umbringen wollten«, Und unterm Strich steht bei ihm, nachdem er, also er ist dann ins Krankenhaus gekommen, wie es ist.
Ergebnis, ich hatte eine leichte Gehirnerschütterung, vier Schädelwunden und eine gebrochene Nase. Und das klingt ja, mei, hat alles, was ein anständiger Oktoberfest besucht. Bier, Ochsenfleisch und dann nur Barfs machen. Ja, es ist erstaunlich, aber man sieht halt, dass da im kleineren Rahmen auch schon heftig zur Sache gegangen ist.
Charakteristisch finde ich, von daher ist die Schilderung sehr interessant, dass er diesen Fleischkonsum und den Bierkonsum da als völlig überdreht eigentlich empfindet. Und das ist auch wirklich so, da hat man sozusagen wahnsinnig krachen lassen und hat wahnsinnig viel Fleisch gefressen und dann das Bier sowieso konsumiert, im Gegensatz zum Alltag.
Also da ist das überhaupt nicht üblich, weil sich das die wenigsten so leisten können. Keine Discounter, wo man selber sich seine Maulsuppen einfach so zum Aufwarmer kauft. Interessant ist, dass es auch bei diesen Speisen eine Entwicklung gibt, dass man also zuerst sozusagen fast ausschließlich Brotwürst isst.
Also zurück 1810, wie es wäre, wenn er noch war. Genau, und dann kommen langsam die Kikkel dazu, also die Händeln, wie man in München sagt. Und die neueste Zutat ist dann in die 50er Jahre, dass das Schaschlik große Sprünge gemacht hat und fast gleichwertig zu den anderen geworden ist dann da. Ist Ihr Lieblingsessen, geschnetzeltes Hawaii, nie zum Obwiesenhit geworden? Nein, ich glaube nicht.
Aber wie ist das? Wir haben ja in unserer ersten Folge lang, lang ist es her, über den Aufstieg des bayerischen Bieres gesprochen. Der fällt ja sagen wir mal in die Mitte des 19. Jahrhunderts 1850 um den Dreh. Der findige Brauer Sedlmayr lässt eine Kühlmaschine erfinden, geht auf die Weltausstellungen und erfindet das Image von Bayern, wenn wir es heute kennen.
Hat das auch mit dem Oktoberfest dann zusammengehängt? Weil es fängt als Pferderennen an und wenn man nicht austauscht, am Anfang ist nicht einmal Bier ausgeschenkt worden. Wie kommt jetzt das Bier auf die Wiese? Also hängt natürlich mit dem zusammen. Es ist genau richtig, wie Sie sagen, in dieser Anfangsphase gibt es übrigens auch kein Bierzeiter.
Die kommen relativ spät, erst nach dem Ersten Weltkrieg und vorher gibt es diese Brederboden. Dann in der Mitte drin sind diese Bierburgen, das sind wirklich so Wahnsinnsgebäude, die man da ganz aufwendig aus Holz hinbaut. Das kommt auch von den Schützenfester. Also das muss man so am Rande immer noch mit erwähnen, dass auch so um 1850 geht es los mit diesen riesen Schützenfestern, wo die richtige Dörfer baut und richtig festbaut.
Daher kommt der Ausdruck, Mauer die Bierzeiter machen. Hat sich das damals überhaupt gerechnet? Das muss einen Haufen Geld kosten. Das muss einen Haufen Geld kosten. Und wenn du kein Bier ausschenkst, vor allem nicht zu horrende Maßpreise, wie nimmst du das wieder ein? Da sind wir natürlich schon im Zeitalter, wo Bier massiv ausgeschickt worden ist. War aber damals wahrscheinlich nicht ganz billig.
War nicht ganz billig, weil sie vorher Sedlmacher genannt haben. Also das Volksfestbier, wie wir es kennen, das ja stärker einbraut ist und eine höhere Stammwürze hat und damit einen höheren Alkoholgehalt, das kommt von den Sedlmachers. Das ist dieses neue Märzen, es gibt ja früher schon ein Märzen, das ist quasi das Bier, das zuletzt ausgebraut worden ist im Winter und dann in die Sommerkeller gelagert worden ist.
Das braucht ein bisschen mehr Alkohol, damit es länger hält. Genau, weil du hast das, das hat halten müssen bis im November quasi. Ja, aber dann schenkst du es auf der Wiesnhaus noch alles zusammengesoffen. Ja, und der hat halt das mit dieser ganzen neuen Technik, die wir da besprochen haben, mit der Kühltechnik und diesen Sachen und dann vor allen Dingen halt mit dem Ausspionieren der Brauverfahren in England, hat der das halt hingebracht, dass man tatsächlich das Märzen dann auch im Sommer brauen hat können.
Und da haben sie am Anfang, und da sind wir auch so in der Zeit 1870 aufeinander. Da haben sie auf der Wiesn total Angst gehabt, weil sie gesagt haben, du spinnst da, das ist ja so ein starkes Bier, was wird da passieren und überhaupt die Steiriger kauft der Münchner nicht. Und der Sedlmayr hat dann gesagt, der Münchner kauft.
Das, was einem schmeckt und wo Qualität da ist. Und hat sie durchgesetzt und das ist dann der Weg des Märzens auf die Wiesen und von der Wiesen in alle anderen Oktoberfeste. Aber so ein gewisses Explosionspotenzial birgt es ja durchaus, das starke Bier. Also ich habe schon mehrere ausländische Freunde von mir erlebt, mit denen man zum ersten Mal auf die Wiesen geht und es passiert oft, entweder schläft man recht schnell ein, weil man es nicht kann, das starke Bier, oder man wird doch ein bisschen übermütig.
Ja, also möchte ich gar nicht abstreien. Aber jetzt haben sie billig den Kauf genommen. Und das ist, weil sie das gesagt haben, wie geht das dann mit dem bayerischen Bier, dass das so weltberühmt wird. Da spielt natürlich das Oktoberfest mit und beides beeinflusst sich. Das, was man lernt auf diesem Oktoberfest, das kommt, haben wir schon besprochen, geht in die Weltausstellungen dann raus, da werden da diese Bierzeiter und Mauer, die Bierzeiter und was. Paläste.
Und dann ist ein Heiztag sozusagen, wird man ja mit Musik da quasi betoniert dann da drin. Das ist auch nicht gewöhnlich gewesen. Man hat halt dann so ein Blasmusik ein wenig mitsparen lassen. Und dann kommt ein ganz besonderes Phänomen. Das verdankt das Oktoberfest ein Nürnberger Wirt. Alle jetzigen Oktoberfest Wirt, die werden abstreiten. dass ich sehe, wie es ein Nürnberger Wirt auf dem Oktoberfest gegeben hat.
Aber es hat eine ganz prägende Gestalt gegeben, mit Namen Lang. Das war der sogenannte Krokodilwirt, weil der in Nürnberg der Chefwirt von der Ledererbrauerei war. Und die Ledererbrauerei hat ein Krokodil im Logo gehabt. Deswegen haben sie gesagt, das ist der Krokodilwirt. und der hat in Nürnberg, bei die Feste hat der richtig, also entsprechend dem Nürnberger Stil, hat der so kleine Burgen als Bierzeiter hinbaut mit Türmen und so.
Da hat der Nürnberger tatsächlich Nürnberger Bier am Oktoberfest ausgeschenken dürfen. Das darf er da nicht mehr drauf. Ja, das ist auch eine spätere Entwicklung. Das war am Anfang gar nicht so wichtig, da waren die Wirt wichtig sozusagen. Es ist lange am Oktoberfest ein paar Deutzer Bier ausgeschenkt worden und der lange ist dahin und der hat zwei Sachen eingeführt. Zum einen, dass man so ein Riesen, wie soll ich sagen, auch schon ein Bierpalast auf die Wiese stellt.
Und das zweite, was man einführt, der teilt Gesangshäfte aus, wo die Texte dann drinstehen und der führt das ein, dass du mitsingst. Auf der Wiesn. Und da sieht man, dass da immer, es kommt von Jahr zu Jahr immer wieder ein bisschen was dazu, zu dem, was wir heute haben. Es fallen natürlich auch Sachen weg.
Interessant ist das, dass sich das Rahlrennen nie durchsetzen hat können auf der Wiesn. Es hat es eine Zeit lang gegeben als Ersatz für das Pferd. Also mit den Hochrädern sind die da Rennerts gefahren. Das ist übrigens eine Wurzel für das Sechstage-Rennen dann später, das es leider auch nicht mehr gibt in München. War ein riesengesellschaftliches Event, ist aber weg.
Und also das mit den Radl hat die Münchner nicht beeindruckt. Dann sind so Tierhetzen durchgeführt worden. Es hat auch dann Völkerschauen auf der Wiese gegeben, wo also Hawaiianer richtig eingeflogen sind. Damals noch nicht eingeflogen, aber halt irgendwie antransportierte Hawaiianer. Da hingekommen sind sogar der Buffalo Bill, war Realliter am Oktoberfest vertreten.
Und da hat dann einer gemeint, er muss so eine antike Tierharz halt einführen da, wo dann wirklich Pferde auch ums Leben gekommen sind, weil sie zu Tode gehetzt worden sind. Und da muss ich sagen, das spricht jetzt wieder sehr für die Münchner, die haben gesagt, das wollen sie nicht mehr sehen, weil das eine Tierquälerei ist und zwar schon im 19. Jahrhundert.
Was dazugehört zum Oktoberfest und mittlerweile eigentlich jedem bayerischen Volksfest, ist fast das Wichtigste, nämlich das Anzapfen selbst. Da kommt dann der höchste Bürgenträger der Region, meistens ist es der Bürgermeister und dann wird genau hingeschaut, wie viele Schläge braucht, dann hat er überhaupt nur Schmalz und kann er das überhaupt noch?
Und dann schäumt das Bier und dann ist es anzapft und das ist immer ein magischer Moment bei jedem Volksfest, zumindest wird es einem so verkauft. War das schon immer so? Hat 1810 dann der Kini Ludwig selber das erste Fassl Bier anzapft? Oh nein, das wird nichts geworden, glaube ich. So hätte ich ihn jetzt auch nicht eingeschaut.
Aber ist auch eine sehr gute Frage, weil bis 1918, bis zur Revolution, waren die Könige schon präsent am Oktoberfest und haben da eigenes Königszeit gehabt. Also da ist im Umzug sozusagen, ist der Hofstaat, nicht nur der König allein, im Oktoberfest eingefahren und das Festzeit war dann natürlich immer an der Pferderehmbahn und haben sich die ganze Gaudi dann angeschaut.
So Sachen wie ein Azzapf oder so, also das wäre kaum in den Sinn gekommen, sondern das ist eine relativ junge Geschichte, da sind wir wieder in den 1950er Jahre, wo das eine Münchner Legende das erste Mal Azzapft hat, nämlich der Wimmer damals, ich glaube der erste oder einer der ersten jedenfalls Oberbürgermeister der Nachkriegszeit, das so ein richtiger gestandener Münchner war, der sich auch noch einen Dialekt reden hat getraut, nicht die Verdruckten von heute, die sie auch noch kannten, aber dann irgendwie versuchen, da irgendwie gespitzt. Sie wollen keine Namen nennen, merke ich schon.
Nein, also das meint ja jeder, wenn ich meinte, die zwei letzten, sage ich einmal. Und der hat das eingeführt, aber Sie haben zwar erzählt, ich habe die Geschichte nicht gekannt, mit dem Schottenhammel. Es ist mir zugetragen worden, angeblich soll der findige Schottenhammel wird, einer der ersten legendären großen Wirte der Nachkriegszeit, der Wimmer ist zu spät Kummer für den Umzug. Vielen Dank.
Und der Schottenhammel hat ihn halt in seinen Kutschen mitgenommen, Geweihraff war halt mir, die nehmen die schon mit. Und so will ich dann gesagt haben, zumindest hat er das dann kolportiert, und weißt du was, jetzt zapft bei mir gleich noch das erste Fasselbier an. Was gegen die These spricht, dass das so eine spontane Aktion war, ist, dass die Presse schon gewartet hat im Zelt darauf, dass der Oberbürgermeister zum Anzapfen kommt.
Nein, aber ich muss sagen, wie der Italiener, Senone Vero, ich bin nicht trovata, wenn die Geschichte nicht wahr ist, dann ist es auf alle Fälle gut erfunden. Und ich würde es beiden zutrauen, muss ich sagen. Also, jetzt haben wir schon geklärt, die meisten Traditionen sind gar nicht so alt, wie man es vielleicht macht. Also, vor 400 Jahren ist nicht in den Massen begesoffen worden.
Das Bier, das gesoffen wird heute, hat es noch überhaupt nicht gegeben, weil es ja erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden worden ist. Das Anzapfen gibt es noch keine 100 Jahre. Wie schaut es denn mit der Tracht aus? Weil wenn eine Sache Geld in die Kassen von Deutschland und überhaupt von München und Bayern spült, dann sind das Horden von Ausländern, entweder aus dem Inland oder tatsächlich aus dem Ausland, die sich für das Oktoberfest oder für irgendein Volksfest extra ertracht haben, nämlich ein Originalsdirndl und eine originale Lederhose. Ja.
Wie original sind die eigentlich? Ja, das kann man sich schön anschauen. An der Einfalzpforte für das Oktoberfest, der Münchner Hauptbahnhof, gibt es zwei Geschäfte. Und ich habe mir sagen lassen, die waren auch nicht drin, aber ich habe in die Schaufenster geschaut. Da sind halt die Dirndl made in Bangladesch und so, nach dem Motto Hasi und Mausi, einmal hin und mit, einmal angezogen und wieder passé für sehr günstige Preise.
Früher hat man mal kolportiert, 5 Euro, das kann man mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Und Lederhosen kannst, also gescheite Lederhosen, die kriegst du eigentlich nicht unter 1.000. Du musst schon was investieren, aber das ist auch so ein Kunstleder oder was weiß ich. Was das ist, also da kannst du schon richtig ausstarten und das machen da viele, ich habe das beobachtet.
Aber hat man sowas tragen vor 100 Jahren, vor 150 Jahren? Nein, also das war immer schon so eine künstliche Geschichte. Die Könige haben halt, vor allen Dingen der Max II., der wollte das Oktoberfest zum Nationalfest hochstilisieren, weil die natürlich eins kapiert gehabt haben, wenn es die Bayern saufen lässt und feiern lässt, dann ist Ruhe sozusagen, dann wird da nicht Revolution.
Das hat ja der Ludwig I. auch durch Freibier so manchen Aufstand kurz unterbunden. Ja, also das ist immer eine gute Möglichkeit. Und wo war die jetzt? Ja genau, der Maximilian wollte das zum Nationalfest aufziehen und auch schon beim Ludwig I. Gibt es schon Ansätze und dann versucht man halt so einen Festzug zu organisieren.
Das zieht sich aber auch nicht durch, das ist einmal wieder so ganz unten und dann zum ersten Jubiläum 1860 schießt man dann wieder Geld rein. Da kommt das mit dem, was ich schon erwähnt habe, mit den 35 Brautpaaren, denen wird die Fahrt nach München gezahlt und die werden da auch eingekleidet. Dann hast du schon einmal wenigstens 70, die da in der Tracht mitmarschieren.
Aber wie sind die eingekleidet worden? Heute kennt man zumindest die männliche Tracht, ist klar, dass das rot-weiß karierte Hemd und der kurze Lederhosen. Ja, also der rot-weiß karierte, glaube ich, war das nicht. Da hat man also mehr Gewicht gelegt auf den Janker sozusagen. Sagen wir mal so, das war auch schon so die Urform Janker und Lederhosen.
Und in München haben sie natürlich die kurzen Lederhosen gehabt, weil das halt gebirgig angehaucht ist. Also bei uns war kein Mensch, also in Niederbayern oder sonst irgendwo in der Oberpfalz, das ist auch erst, was tatsächlich mit den Nazis kommt. In die 30er Jahre, dass da plötzlich die kurzen Lederhosen aufgedauern.
Vorher hat man lange Lederhosen gehabt, bei uns unter anderem. Und auf dem Land rennt man ja sehr früh städtisch gekleidet obereinander, also mit einem Anzug zum Beispiel, weil man halt da nicht zurücksteht, weil ganz einfach. Also das sind immer so Sondergeschichten dann, die Herrscher versuchen das hochzubloppen und dann gibt es tatsächlich ein verbürgtes Ereignis für die Neuzeit, das sich mit einer Passauerin verbindet, das ist die Gabi Weishäupel.
Die Gabi Weishäupel war viele Jahre Tourismuschefin der Stadt München, sehr erfolgreich. Und vor allen Dingen war so ihr Spezial... Haben wir da in die 60er, 20. Oder 70er? Ja, so circa 1980 oberen. Vielleicht spät in den 70er, weiß ich jetzt nicht genau. Gabi, wenn du mich hörst, und ich bin zu früher dran, entschuldige bitte.
Also so in dem Dreh, in die 1980er-Jahre wird das gegangen sei und da war Tabula Rasa, Was Trachten betrifft, ist kein Mensch mit der Tracht da hingegangen, außer vielleicht schon die eine oder andere Bedienung. Erinnere mich noch aus Geschichten von meinem Vater, der aus den 50er Jahren in München ist und gesagt hat, kein Mensch hat eine Lederhose zur Wiesen-Adzung. Was soll denn das?
Also die sind halt gerade zu der Zeit mit der Jeans und mit dem Hemmert und was weiß ich, mit dem Sack zur Jeans oder sowas. Außer vielleicht ist der eine oder andere schon auf die Idee gekommen, dass er eine Janker zur Jeans-Adzung hat. Das ist eine höchstmögliche Trachtenkombination. Haben sie keine Lederhosen? Nein, ich auch nicht.
Wir sind die zwei einzigen Männer überhaupt, glaube ich, in ganz Deutschland, die keine Lederhosen haben. Wissen Sie, woher das bei mir kommt? Das kommt aus der Familientradition. Weil mein Vater hat in den späten 40er Jahren, Anfang 50er Jahre, ist zu seinem Vater hin, zu meinem Großvater und hat gesagt, ich möchte Lederhosen.
Und dann hat er ihm der Watschen gegeben. Wie man halt so reagiert. und wissen Sie warum? Weil das für meinen Großvater ein Nazi-Gewand war. Weil die HJ, da haben die oberen Dienstgrade diese kurzen Lederhosen gehabt und die niederen Dienstgrade haben so Stoffhosen auch gehabt, die aber den Schnitt von der Lederhose gehabt haben.
Jetzt hat der das, weil das war in Niederbayern nicht üblich, jetzt hat der das total, mit Nazitum verbunden und mein armer Vater, der das wahrscheinlich in diesem Konnex überhaupt nicht gehabt hat, ist dann also sauber abgefertigt worden da drinnen. Und Sie haben sich nie Fragen getraut? Ich habe meine, also ehrlich, kurze Lederhosen, weiß ich, die brauche ich nicht.
Ich würde mir vielleicht wenn einmal überlegen, dass er mir lange zulegert. Aber aus dem wird wahrscheinlich auch nichts mehr. Zurück zur Gabi. Die Gabi ist dann bei einer Pressekonferenz zum Oktoberfest, ist aufgekreuzt mit dem Dirndl von ihrer einer Großmutter war es. Und die Großmutter war die Tourismuschefin der Stadt Passau.
Damals hat man im Tourismus gesagt, sondern Fremdenverkehrschefin. Mir fällt jetzt gerade der Name leider nicht ein. Aber manche würden sie vom Namen her noch kennen in Passau. Aber helft jetzt nicht. Da hat sich die Gabe Weisheipel gedacht, das ist ja eigentlich nicht schlecht, wenn ich das anziehe. Und dann ist das sehr gut angekommen.
Und dann hat man gesagt, ja, das wäre doch was, wenn nicht nur du sowas ansiehst, sondern auch deine Truppe, die anderen Damen aus dem Tourismusbüro. Das heißt, das war so ein richtiges Originals Passau? Ja, die gibt es da. Kann man auch schauen, bei uns im Museum steht jetzt, bei uns im Museum. Das heißt, die Passau haben die Münchner dabei geholfen, dass sie ihr modernes Volksfest für sich erfinden?
Ja, nicht nur geholfen, sondern der hat es wirklich aufgebracht. Und dann haben sich die Wirtis abgeschaut und dann sind auch die Männer mit der Lederhose dahergekommen, weil das hat es in München natürlich auch aus der NS-Zeit noch reichlich gegeben. Und dann hat sich das so etabliert bis zu diesem Trachten-Wahnsinn von heute, wo ja ich von meinen Kollegen in Stuttgart und Weißder Teufel in Hamburg und so schimpft wir, weil die sagen, dass diese Bio-Varisierung der Bundesrepublik ist überhaupt nicht mehr auszuhalten.
Es ist selbst ein Cannstatter-Fest und was weiß ich, ist sozusagen ganz gar nicht mehr hingewiesen, wenn es nicht Trachten hat. Jetzt neigt sich die Folge langsam am Ende zu. Sie als alter Volksfestmuffel, es gibt doch jetzt die Eude-Wiesen und überhaupt auch alle möglichen Volksfeste entdecken, das wieder für sich jetzt machen, war wieder mal Volksfest, so wie es früher schon nie war.
Ist das nichts für Sie, dass man sich so ein bisschen mit einem echten Blasmusé, die so ein bisschen vor sich hin säuselt, treffen wir uns nicht auf einem Maß? Ja, das wäre eher was für mich. Also was ich sehr gerne mag, muss ich sagen, sind diese tatsächlich Relikte von Originalfesten in Franken. Zum Beispiel die Limmersdorfer Lindenkirchweih, wo es ganz was Besonderes ist.
Ich schaue nur deswegen, weil da ist wie früher, ist der Tanzband noch auf der Linden oben. Also du musst aufsteigen und aufkrexeln und dann sind die aber so schlau und es gibt schon drei Ersatzlinden. Weil wenn die alte Linden einmal weg ist, dann hat man sozusagen für die Folgenden. Und da ist das wirklich wunderbar zum Anschauen. Da geht kein Mensch, ist jetzt vielleicht übertrieben, aber fast niemand geht da in irgendeiner biovarisierten Tracht, sondern die gehen dem Alltagsgewand dahin und tanzen miteinander.
Und das ist halt eine richtige Kirchweite, geht auch wirklich an mit dem Gottesdienst. Muss vielleicht auch nicht sein, aber das ist halt an vielen Dingen noch im Original, Während ansonsten diese Kerver, sagt man ja in Franken, auch schon langsam zum Wahnsinn wird. Und es gibt mittlerweile viele Kerverorte, da gibt es gar keine Kirche.
Also da ist es schwer, einen historischen Ansatzpunkt zu finden. Wie schaffe ich es jetzt, dass ich Sie doch überrede, dass wir heuer noch auf die Wiese gehen? Weil an die Stadt man über Sie wahrscheinlich jederzeit kriegen. Ja, das kann sogar sein. Also Mai, wenn es ein kurzes Besuch auch geht, dann man nicht Papa bleiben muss, dann schauen wir mal.
Liebe Zuhörer, danke fürs Einschalten. Wir wünschen, auch wenn Herr Dr. Läubel ein Volksfest- und Oktoberfestmuffel ist, viel Spaß, wenn sie hingen. Sängen werden sie wahrscheinlich dort nicht, aber wir verabschieden uns trotzdem natürlich stilecht mit einem 1, 2, 3, Wenn ihr die nächste Folge nicht verpassen wollt, dann lasst gerne ein Abo da.
Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob? Dann schreibt uns gerne an podcast.mgbayern.de oder hinterlasst uns eine Bewertung. Ein Bayer und ein Halber historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel ist ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Host und Recherche Johannes Munzinger und Dr. Richard Leubel. Konzept Dr.
Richard Gläubel, Johannes Munzinger und Martin Wanninger Redaktion Johannes Munzinger Produktion Anja Kurz Sprecherin Katharina Czava Mundmusik von ScoreSquad über Soundtaxi Besonderer Dank an Walter Berndl.