Ein Bayer und ein Halber – historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl· Folge 10

Warum der Bayerische Wald so wild ist

Donnerstag, 30. Oktober 2025 · 41 min

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Shownotes

In Folge 10 des Podcasts„Ein Bayern und ein Halber“ (pnp.de/podcasts/ein-bayer-und-ein-halber)wagen Dr. Richard Loibl und Johannes Munzinger sich hinein in die Tiefen des Walds und seiner Geschichte. Dabei erzählt Dr. Loibl eine durchaus tragische Geschichte. Jene eines Landstrichs, in dem das Handwerk blühte, in dem es eine leistungsfähige Industrie gab – und der dann durch die Ignoranz eines Königs nachhaltig abgehängt wurde. Weil im Wilden Woid lange etwas fehlte, das im Wilden Westen eine zentrale Rolle spielte: die Eisenbahn.

„Dreivierteljahr Winter und a Vierteljahr koid“ – so isser, der Woid, jedenfalls dem Volksmund nach. Der Bayerwald ist in der öffentlichen Wahrnehmung für den Freistaat das, was der Wilde Westen einst für die USA war. Urwüchsig, abenteuerlich, naturbelassen, schlecht erschlossen, mitunter gar unzivilisiert. Aber was ist dran an diesem Bild des wilden Woids?

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Das fragt sich MGB-Redakteur Johannes Munzinger. Der kennt den Bayerwald seit seiner Kindheit, schließlich ist er gleich ums Eck an der bayerisch-österreichischen Grenze aufgewachsen. Er, der halbe Bayern, weiß auch, dass der Wald und seine Bewohner mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Wenn ein Münchner auch nur vermutet, dass man aus der ungefähren Nähe des Bayerwald kommt, dann geht’s schon los: „Gibt’s dort schon Handyempfang? Leben da nicht lauter Wilde? Gibt’s da überhaupt Straßen? Wie kommt’s, dass dort im Winter nicht alle erfrieren?“

Dass das Wetter im Woid durchwachsen ist, kann Johannes Munzinger bestätigen. Aber der Rest? Der ist übertrieben, zumindest großteils. Soweit er das beurteilen kann, gelten überall im Wald dieselben Gesetze wie im Rest Bayerns auch, und der Woid ist heutzutage mit dem Auto durchaus gut befahrbar, jedenfalls mit Allrad. Und die Funklöcher sind auch nicht größer als im Rest Niederbayerns. Woher kommt also dieser schlechte Ruf?

Dr. Richard Loibl muss es wissen. Nicht nur, weil er als Historiker und Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte von Berufswegen Ahnung von allem Bayerischen haben muss. Er ist auch noch ein echter Woidler, geboren und aufgewachsen in Hengersberg. Außerdem hat er gerade erst ein Buch geschrieben mit dem Titel "Grüße aus dem Wilden Osten - Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes auf Ansichtskarten". Und er sagt: An Klischees mag ja oft ein Fünkchen wahr sein, aber das, was über den Bayernwald erzählt wird, ist vor allem Schmarrn.

Wenn Sie Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob für uns haben, schreiben Sie uns gerne an podcast@mgbayern.de.

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Buch: Loibl, R. (2025). Grüße aus dem Wilden Osten. Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes auf Ansichtskarten. Friedrich Pustet. (verlag-pustet.de/shop/item/9783791735948/grue-…)

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Also das ist jetzt auch wieder positiv für Österreich, aber man muss halt immer dazu sagen, alles Gute in Österreich stammt aus Bayern. Eklat. Ein Bayer und ein Halber. Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel. Ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Guten Tag, grüß Gott, servus miteinander und habe der Re.

Willkommen zurück zu Ein Bayer und ein Halber. Mit mir, dem halben Bayern Johannes Munzinger und dem Vollblutober über Niederbayern Dr. Richard Leubel. Schön, dass Sie wieder da sind. Ja, grüß Gott, Beirat. Ja, Sie wirken nervös, weil heute geht es um Ihre Heimat. Und Sie sind ja ein Waldler, oder? So ein Hängersperr ist schon im Wald, oder?

Ja, also der Wald ist natürlich sehr differenziert. Und es gibt mehr Ortschaften vorm Wald wie im Wald. Also Hängersperr könnte man halt sagen, das ist klassisch Donauregion, der Dungau, wie man früher gesagt hat. Aber gleich hinter Hängersperr können die ersten Anhöhen los mit dem Brotjagl-Riegel, und der Rusl und so wo man dann tatsächlich schon im Bayerischen Wald ist, also ich sage immer, weil ich eine große.

Sympathie für den Wald habe und als Kind schon im Wald unterwegs war, wenn ich weiter weg bin, dann sage ich immer, ich bin ein Weitler, aber das ist mir auch schon passiert in Rengsburg, da habe ich mich vorgestellt als wir mit dem Museum angefangen haben und dann habe ich gesagt, ich komme aus dem Bayerischen Wald und dann war jemand da, der mich kennt hat aus meinem Heimatort, aus Hängersperger.

Und er hat dann behauptet, dass ich der erste Hängersperger bin, der behauptet, dass er aus dem Borischen Wald ist, wo es wahrscheinlich stimmt. Aber rein wissenschaftlich, geografisch ist der Bayerische Wald das gesamte Gebiet nördlich der Donau bis zur böhmischen Grenze. Und auf der anderen Seite vom Regen, das kann man allerdings auch ein bisschen weiter auslegen, vom Regen auch wieder politisch gesehen bis zur österreichischen Grenze.

Wobei dieses Mittelgebirge über das ganze Oberösterreich komplett Mühlviertel bis nach Bresburg reicht. Da sieht man schon, das Verhältnis sogar vom Niederbayern zum Bayerischen Wald ist schwierig. Man verteidigt ihn zwar gern, so schlimm ist er gar nicht, aber dazugehören möchte man auch nicht so wirklich.

Meine Perspektive als Österreicher ist, also einen guten Ruf hat ein Niederbayerische Wald. Es ist dort ein Dreivierteljahr Winter und ein Vierteljahr kalt und es tut sich eigentlich nichts. Und wir haben das letzte Mal darüber geredet, über den Aufstieg und dann den starken Abstieg und die Brachlage des Donauhandels.

Und Niederbayern verkommt so ein bisschen, es haftet ihm sogar ein bisschen der Ruf des Armenhauses von Bayern an. Bisschen rückständig, wenig industrialisiert, da tut sich im 19. Jahrhundert nicht viel. Und noch schlimmer ist es im bayerischen Wald, der ist sozusagen die kalteste Falte am Gesäß der Welt.

Ja, Herr Dr. Läubel, gehen wir mal zurück ins Jahr 1840. Die erste Eisenbahn fährt durch Deutschland. Wie schaut es aus in Hängerspern? Also ich muss jetzt natürlich, da schaue ich massivst widersprechen. Sie haben da die ganzen Klischees jetzt natürlich aufgeführt. Bei Klischees weiß man ja, da ist manchmal ein bisschen was drauf, aber das meiste stimmt nicht.

Genauso ist es im Borrischen Wald und ist Niederbayern. Hängt von zwei Faktoren ab. Das eine ist immer der Blick der Industriegesellschaft zurück. Da sagt man, das ist alles so schlecht gewesen, was vorher war. Wir können uns eigentlich, eine landwirtschaftliche Gesellschaft, können wir uns gar nicht mehr neutral vorstellen, weil wir auf der einen Seite durch diese positiven Heimatfilme, auf der anderen Seite aber durch diese negativen Heimatfilme da vorgeprägt sind und eigentlich kein rechtes Verständnis mehr haben für diese andere Art der Gesellschaft.

Dadurch entstehen Vorurteile, die haben sich jetzt referiert. Das andere ist mit diesem, ich habe das erst in einem Buch alles sauber auseinandergefieselt und untersucht. Das andere ist, die Begriffe, sie haben den Begriff Armenhaus genannt, für Niederbayern, da beidelt es natürlich an Niederbayern Eiskalt ab, bei sowas, weil ein Armenhaus waren wir mir nie.

Also ein Armenhaus ist ja was, was du quasi als Insasse dahin siehst und zur Untätigkeit verurteilt bist, das ist ein Schmarrn, das waren wir mir nie. Es gibt natürlich immer Regionen in Niederbayern, wo es besser oder schlechter kann. ist. Der Begriff Arminhaus, das kann man genau nachvollziehen, woher der kommt, der ist, wie könnte es anders sein, in einem bayerischen Bierzelt erfunden worden von einem CSU, Oberbürgermeister von Landshut, der gesagt hat, wenn das mit dem Flüchtlingsstrom so weitergeht bei uns, also das sind wir in der Nachkriegszeit, nicht heute.

Also Erster Weltkrieg. Zweiter Weltkrieg, weiß ich jetzt nicht mehr genau, aber 46 oder 47 so in dem Dreh. Wenn das so weitergeht mit dem Flüchtlingsstrom, das sind die ganzen Sudetendeutschen. Gemeint, die man im Niederbayerischen nicht immer wirklich liebevoll als Rucksackdeutsche bezeichnet hat. Wenn das so weitergeht, dann wird Niederbayern zu einem armen Haus verkommen.

Also er hat ja nicht gesagt, dass Niederbayern ein armen Haus ist, sondern er hat die Richtung gewiesen. Und da sieht man schon die ganze Problematik, weil diese Flüchtlinge, die Sudetendeutschen, unsere Landsleute von der Entehoi, von der böhmischen Grenze, Die haben mittelfristig zu einem gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung Niederbayerns mit beigetragen.

Aber jetzt sind wir ja noch in einem ganz anderen Jahrhundert, jetzt sind wir 100 Jahre vorher ziemlich genau. Wie gesagt, 1840, die erste Eisenbahn, der Adler fährt durch Deutschland. Und ich habe das Gefühl, der bayerische Wald, also in Amerika haben sie einen Wild Wild West, die Final Frontier. Da muss man erst einmal Zivilisation hinbringen und Eisenbahn hinbringen und erst einmal Gesetze schaffen.

Und in Bayern haben sie einen Wald, Wald, Void. Der liegt zwar im Osten, scheint aber auch irgendwie rückständig zu sein und eine Eisenbahn hat es auch lange nicht gegeben. Und für Englischsprachige tut sich hier vielleicht ein fieser Wortwitz auf, weil Void heißt bei uns Wald, aber auf Englisch sowas wie gähnende Leere, Abgrund oder sowas.

Mit so einem sinistren Unterton. Fehlender Zivilisation. War es denn so schlimm? Also nein, aber da sehen Sie auch schon wieder das Vorurteil. Das kommt noch ein wenig aus der Aufklärung heraus, wo man ja alles sozusagen, wo keine Zivilisation ist, wo nicht der Schreibtisch vom Gelehrten steht, der irgendwas aufschreibt, ist dubios.

Und das ändert sich ja erst, dass diese Willnis- das im bayerischen Wald tatsächlich noch gegeben hat an manchen Stellen. Aber der ganz überwiegende Teil auch im bayerischen Wald war Kulturland, wo der Mensch schon lange eingegriffen hat. Also insofern, dass man Wildnis schätzt, das ist dann im Zeitalter der Romantik so.

Aber auch das ist ja keine festgestellte Realität. Das ist auch wieder ein Klischee. Also über das negative Klischee kommt jetzt das positive Klischee drüber und wird ein wenig schwierig. Ich möchte es einfach einmal so anschauen, von den wirtschaftlichen Gegebenheiten her, da muss man immer noch sagen, 1840, wenn man das Jahr hernimmt, was ist da los?

1840 ist diese landwirtschaftliche Gesellschaft am Höhepunkt und nährt noch Bauer und Bäuerin. Ein bisschen unterschiedlich, weil wenn du deinen Hof gehabt hast im Geibon, dann warst du natürlich der Hexte, du hattest nicht recht viel passieren können. Wenn du deinen Hof gehabt hast in die Rodungsgebiete, in die Jüngeren, in Leopoldsreuth oder Ausbergsreuth oder Firmiansreuth, das sind die Namen von den letzten Passauer Bischöfen, die haben dann Rodungsdörfer gegründet, einfach um das Land zu sichern vor die Böhmen.

Die Böhmen tasten sich auch heran, also es ist mehr politisch gesehen. Dahinter wird es natürlich schwierig, aber wenn du das Rohr da abbaust, das brauchst du gar nicht anfangen, weil das die Reifeperiode da oben nicht erreicht. Aber in andere Gegenden, also in England natürlich, aber auch in Deutschland, in Preußen, im Ruhrgebiet, das ja dann zu Preußen gehört, Da qualmen die Schornsteine, da rattern die Dampfmaschinen an die mechanischen Webstühle, da geht richtig was vorwärts, da wird die Produktion angeschmissen.

In Niederbayern? Nein, in Niederbayern ist das nicht so, mit einem positiven Grund und einem negativen Grund. Der positive Grund ist wieder der, warum soll man so ein dreckiges Gewerbe anfangen, wenn es mir eh nur gut geht über die Landwirtschaft. Weil da kann man natürlich schon streiten, ob es einer niederbayerischen Markt wirklich schlechter geht wie einer Industriearbeiterin im Ruhrgebiet.

Das können Sie nicht aus dem Handklink außer beantworten. In vielen Fällen ist der niederbayerische Markt besser gegangen. Also das ist der eine Grund. Landwirtschaft funktioniert nicht. Der zweite Grund ist, dass wir tatsächlich ein Problem mit der Verkehrserschließung gehabt haben, wo aber nicht die Niederbayern schuld sind, sondern ich habe mich das letzte Mal ein wenig abfällig behandelt, allen Royalisten entschuldige mich natürlich gleich für den Affen, aber in der Beziehung hat das natürlich einen Warenkern.

Was hat er sich denn geleistet, der Ludwig, den Sie als königlichen Primaten bezeichnet haben? Ja, der Ludwig hat sich tatsächlich geleistet, dass er mit seinem Konzept für die Landeserschließung. Dass er da seiner Ideologie und seiner Geschichtspolitik einen Vorrang eingeräumt hat vor einer realistischen Ansicht der ganzen Geschichte.

Der Ludwig, 1840, das Stichjahr ist er das, fährt die erste Eisenbahn in Bayern von Fürth nach Nürnberg. Man erkennt ganz schnell. Dem gehört die Zukunft. Eisenbahn ist super, was passiert. Es kommt relativ schnell. Als Nachfolgeprojekt, ich glaube, es sind keine zwei Jahre dazwischen, wird die Eisenbahnlinie Augsburg-München gegründet und die fährt sich ja ganz gut ein.

Und dann geht es weiter mit der berühmten Ludwig-Nord-Süd-Bahn, die dann quasi Lindau am Bodensee über Augsburg, da hängt dann auch München dran, wie wir gerade gesagt haben, Augsburg, Nürnberg, Bamberg, Hof und in Hofstätte die Verbindung hier zur Königlich-Sächsischen Eisenbahn. Die ist relativ schnell gemacht worden, hat aber damals nicht der Staat gebaut, sondern das ist eine Aktiengesellschaft, wo sich da Leute zusammen da haben.

Und das haut aber so gut hin, dass dann der Staat sagt, ja, das machen wir jetzt mehr. Ich komme noch mal darauf zurück, auf das. Aber da gibt es auch eine berühmte Karte, 1854, die bayerische Eisenbahnerschließung. Da haut es sich jetzt als Niederbayern-Schach um, weil da ist nur in der Westhälfte was, in der Osthälfte Null.

Ich wollte gerade sagen, also Nordbayern, Westbayern und Südbayern sind so ziemlich abdeckt, in Osten ist überhaupt keine Eisenbahn gefahren, oder? 0,0. Warum? War es zu gebirgig? War es zwänglos? Nein, es war eine königliche Entscheidung, weil sie ihr Arbeit hat, einen Karl den Großen zu übertreffen.

Er wollte der sein, der diesen Ludwig-Mein-Donau-Kanal baut und fertigbringt. Das hat er auch geschafft. Ihr Lieblingsprojekt? Das ist wirklich mein Lieblingsprojekt, mein Lieber. Also das war so ein kapitaler Schmarrn. Aber das hat er sich eingebaut, weil er halt größer ist wie Karl der Große. Und dann hat das gemacht werden müssen.

Herr Münzen, das müssen Sie sich Ihnen vorstellen, da sind 100 Fleißen, gell? Es ist aber kein so schleißig, wie es im Moderna-Kanal drin ist, wo das auch vor ein paar Minuten runter und runter ist. Da sitzt ein gelangweilter Beamter daneben, ein Kanalwärter und der Kurvidärner, so im Stil des königlichen Bayerischen Amtsgerichts Kurvidärner, der mit ihrem Skifauf oder runter.

Die Folge ist, dass sie, wenn sie außenrum fahren über die Weltmeere, also vom Schwarzen Meer in die Nordsee, dass sie nicht einmal die Hälfte von der Zeit brauchen, wie wenn sie in der Mitte durchfahren. Meistens sogar nur ein Drittel. Weil die Flüsse am einzigen Stau gleichen, weil es alle warten, bis die Schleusen endlich einmal weiter tun. Genau.

Und dann können sie natürlich auch nicht, das waren da ganz enge Kanäle, schaut heute, wenn es ein super Radweg ist, kann ich nur an jenen empfehlen, da auf Nürnberg rauf zu radeln oder weiter nach Bamberg. Das ist ja für unsere Verhältnisse, wenn du an einem großen Fluss aufgebrochen bist, das ist ein Bach besserer, also einfach so ein Abfallkanal, der da durchgeführt, da kannst du heutzutage mit einem Kanu fahren, aber mit einem Lastenschiff ist überhaupt nicht zum Drahtenger, deswegen haben sie dann auch noch mal reingebaut.

Und was hat er sich versprochen davon? Warum hat das jetzt verhindert, dass Schienen in den Wald reingelegt werden? Ja, also was hat er sich versprochen davon? Er war ein einfacher Fan, das hat ihm besser gefallen. Er wollte Regensburg zum zweiten bayerischen Zentrum ausbauen, deswegen steht da die Walhalla und die Befreiungshalle und die Domtürme, die sind abgeschlossen worden und das hat er sich natürlich nicht so vorgestellt, dass da vor allen Windrichtungen die Eisenbahnen zusammenkommen und alles verpesten, sondern es ist natürlich schön, sich das als Segelschiffhafen und Dampfschiffhafen da vorzustellen.

Und seine Verkehrskonzeption war quasi, dass der Kanal, der ja bei Kelheim in die Donau mündet, dass die Donau. Das fortsetzt bis Wien, wo es ja theoretisch, nicht nur theoretisch, praktisch gegangen wird. Und dann hat er sich vorgestellt und ich meine, da hört sich der Gespeichsitz im Nachhinein dann hat er sich vorgestellt, dass er auch die Isar kanalisiert.

Das ist ein völliger Blödsinn, auf der Isar hat nicht einmal eine Zille fahren können, da haben nur Flöße fahren können. Und das wollte er dann auch noch machen, wieder dem Rat aller Fachleute, die gesagt haben, jetzt hör mal auf mit dem Schmarrn. Und das gleiche wollte er dann noch einmal am Inn machen. Am Inn sind dann tatsächlich Dampfschiffe verkehrt, über Donaudampfschiffe haben wir das letzte Mal schon geredet.

Und das wirklich Schlimme war, aber mei, hätte er ja ein Drama können von seinem Kanal. Solange Eisenbau baut. Genau, aber er hat verhindert quasi, weil er den Kanal nicht gefährden wollte, dass die Eisenbahnen gebaut werden. Deswegen kriegt Passau, also diese Fortführung, Rengsburg an der Donaulinie entlang, das ist erst in den 1860er Jahren.

Dann nach Späder ist diese, was tut man da heute, wenn es nach München zum Studieren muss oder sonst irgendwas. Nach Späder kommt erst die Eisenbahnlinie Blattling-Lanzort München. Nach Späder kommt erst die In-Eisenbahnlinie, weil er das alles zurückhält und erst wird es nicht mehr geholfen. Er hat auch kein Geld mehr gehabt, für so Kanalgeschichten wird das aufgegeben.

Und dann kommen wir jetzt zum Bayerischen Wald. dann sind natürlich die Weidler, wenn Sie sich Niederbayern anschauen, war fast die komplette Industrie im Bayerischen Volk. Das ist die andere Seite von Rückständig. Ich möchte mal glauben, Industrie und Eisenbahn gehen doch eigentlich Hand in Hand. Wie kann es denn das eine ohne das andere geben? Schlecht.

Was für Industrie hat es denn gegeben? Ja, das war klassisch natürlich alles, was mit den Bodenschätze zusammenhängt, die da da sind. Es gibt die Holzindustrie, eigentlich noch nicht. Sagt nicht draufgekommen, dass man im Wald eine Holzindustrie machen kann. Fangen wir mal mit dem an, was es nicht gegeben hat.

Es hat tatsächlich eine Holzindustrie gegeben, seltsam. Wald und nichts da. Es hat keine Textilindustrie gegeben im Wald. Dabei hat es doch gerade in Böhmen und auch im Müllviertel bei uns einen Haufen Leinenweberreihen und Hamfweberreihen gegeben. Das war in Wegscheid hinten genauso. Und in Felder, in Viechtach war das auch so. Und die haben Riesenaufträge gehabt.

Also die bayerische Armee ist in der Hauptsache von Viechtach aus ausgestattet worden mit dem aus Hanf erzeugten Tuchleinen und. Doch, ist Leinen. Ja, freilich. Und da sehen wir jetzt aber, was eine Eisenbahn ausmacht. Weiter im Westen ist man in Oberfranken. Es hat genau dieselbe Struktur, haben Hausindustrie, Leinenweber.

Und in Oberfranken kann man sich aber ziemlich sicher sein, schon Anfang der 1840-Jahre, dass demnächst die Eisenbahn vorbeikommt. Was passiert? Die Industriellen in Augsburg und in Nürnberg investieren in Oberfranken und bauen Textilfabriken. Was passiert in Viechtach? nichts. Weil wohin mit dem ganzen Zeug und woher das ganze Zeug? Ja, und weil da halt es ist mittelfristig keine Eisenbahn zu erwarten.

Ich glaube, dahinter kommt es ja erst ziemlich spät an 1900 heran. Also es ist das nicht zu erwarten. Die Folge, es wird nichts investiert. Wiederum die Folge, es gibt ja keine Fabriken. Jetzt haben wir das gehabt, was es im bayerischen Wald nicht gibt. Jetzt reden wir über das, was es im bayerischen Wald gibt.

Storna. Es gibt Storna, es gibt Quarz etc., die Rohstoffe, die man für die Glasherstellung braucht. Die Glasindustrie, so als proto-industrielle Institutionen, gibt es seit dem Mittelalter dahinter. Also dahinter darf man nicht mehr sagen, da oben. Was sagen wir da drüben? Und das war für sich eine Geschichte, weil man ja lange gesagt hat, und da sind wir wieder bei den Vorurteilen, mei, Boris, was soll aus dem Boris schon kommen, die haben nicht irgendein Spiegelglas oder sonst irgendwas gemacht, das sind ganz primitive und einfache Sachen.

Die Realität ist, dass die eine Kunstfertigkeit gehabt haben, eine handwerkliche Präzision, wo alle anderen Glasstandorte. Die zumindest gleichwertig waren, eigentlich haben sie es übertroffen. Das sieht man noch schön. Wenn man vom Opa, bitte wieder Wertschätzung vom Opa oder vom Uroppa, ein Pixel, da heim hat ein Pixel, ist ein Schnupftabackglas, heute auch nicht mehr üblich, sind meistens aus Glas, aus, heißen aber Pixel, da sind oft 8, 9, 10 Glasschichten übereinander, ein Farbenreichtum, sondergleichen und da kann man quasi erkennen, dass das eine super Industrie war und die waren da stark exportorientiert, die haben ganz früh in die USA orientiert, haben die Fürstenhöfe beliefert, was total kompliziert war, weil du hast das mit... Hast du Geißenband?

Nein, weil freilich, ja, hast Fuhrwerke, da fällt dann wieder drum runter und du hast die Kraxenläufer, die haben... Über Stuck und Stur geht es, auf und runter. Ja, für Glas schlecht, kann man sich vorstellen. Aber trotzdem funktioniert das einigermaßen, aber die hätten natürlich, wenn die Eisenbahn der früheren da gewesen wäre, ein ganz anderes Geschäftsvolumen erreichen können.

Zweite Geschichte, die Steine, da ist vor allen Dingen der Granit wichtig, den man braucht für Denkmäler und allem möglichen, aber vor allen Dingen halt für das Pflastern der Verkehrsstraßen. Also für die Straßen, die im Bayerischen Wald nicht gebaut werden, braucht man die Storna aus dem Bayerischen Wald. Wunderbar.

Wenn man jetzt sagt, einer der Hauptorte für das Granit ist Harz und Berg, da glaube ich 1905 oder 1906 ist der Teilsbahnherrsteine gekommen. Und die hätten also gerade in dieser Phase, wo die Städte ausgebaut werden bei uns, wo sie ja trotz dieser schlechten Bedingungen in Wien beliefert haben, also ein großer Teil vom Pflaster in der Ringstraße, das sind die sogenannten Wiener.

Das heißt, ich bin in Wien schon mal über Waldlerpflaster beschäftigt. Garantiert. Das gleiche in Augsburg, in Nürnberg, in Hamburg, die heißen dann Hamburger, weil die haben da ein bisschen ein anderes Maß wie die Wiener, wird das verwendet. Aber die haben dann diese Storner quasi zentnerweise nur in die Fuhrwägen, was haben sie letztes Mal gesagt, 280 kann ein Pferd in einem Wagen ziehen.

Da müssen die natürlich auch wieder warten bis zum Winter, bis die Straßen gefroren sind. Es gibt keine Teerstraßen, keine Asphaltstraßen. Also das ist eine üble Geschichte. Und da kann man ermessen, wir wissen es natürlich nicht, weil das ist eine Hypothese, aber trotzdem, sie wird stimmen. Die hätten, wenn da schon früher Eisenbahn reingegangen ist, hätten die Millionen Umsätze gemacht.

Und jetzt also mit oder ohne Eisenbahn, wann die Wiener geschafft haben, dass die Störner aus dem Bayerischen Wald holen, Was war mit München? Möchten wir meinen, dass heute München eigentlich aus Granit aus dem Bayerwald bestehen müsste? München ist eine Hauptstadt der Bürokratie schon immer gewesen.

Und in München hat man jahrzehntelang untersucht, welcher Stor der billigste ist, inklusive Transportkosten. Und dann hat man die Stor verlegt und hat wieder gesehen, dass die nicht herhalten. Weil tatsächlich dieser Granit vor allen Dingen aus dem Dreiburgenland, also Dietling Fürsten Stor, ist unwahrscheinlich haltbar. und wenn er so ein Fuhrwerk da drüber radelt, ist da natürlich auch eine Belastung mit dabei.

Und die Münchner haben das dann, viele Fehlversuche gestartet und dann sind sie aber auch zum Bayerwald Granit übergegangen. Wobei ich mir jetzt da wieder sagen muss, zum Ludwig I., der hat sich stark für diesen Bayerwald Granit persönlich eingesetzt, weil ihm der gefallen hat. Und da gibt es ja diese berühmte Geschichte von der Befreiungshalle. Sagen Sie auch.

Architekt Giertner, den hat der Ludwig in den Wald reingeschickt, also eigentlich hat er ihn nach Mauthausen geschickt zuerst, aber da hat das von der Farbigkeit nicht gepasst, wie der Österreicher. Und dann war er in Passan, dann haben sie ihn in den Wald reingeschickt, nach Hauzenberg. Und es gibt einen ganz wunderbaren Brief an den König, da hat es offenbar Verständigungsschwierigkeiten gegeben, also der Gärtner hat es nicht verstanden. da drin.

Es hat aber auch offenbar technische Probleme gegeben, weil der Gärtner im Mai war halt der Architekt, hat so theoretisch seine Sachen gezeichnet und die werden ihm halt wahrscheinlich da drin in unverständlichem Weitlerisch gesagt haben, dass es so nicht geht. Vielleicht bin ich etwas rauher im Tonfall. Auf alle Fälle, er hat dann wieder eine vermissen, dann hat es funktioniert, und es sind für die Befreiungshalle in Gelheim, sind ich glaube sechs oder acht dicke, große Säulen bestellt worden und genauso viele dünne, kleinere Säulen.

Was heißt dicke Säule? Wie schwer war es da? Mehrere Tonnen natürlich. Man kann es selber einschätzen, wenn man in München ist und die Universität in München besucht und in der Amalienstraße im Hintereingang ist, da stehen zwei. Aber sei es wie es sei, die sind bestellt worden eigentlich für die Befreiungshalle und man hat dann versucht, die Großen zu transportieren und man ist nicht ums Verrücker.

Das ist mal im Oraststeck geblieben, sind die jetzt bracher? Ja, und dann sind sie über Brugtransportiert und ein Brug ist dann bracher. Das war alles auf das nicht ausgelegt. Das hätte er sich vielleicht vorher überlegen können, bevor er gesagt hat, wir machen keine Straßen in den Bayerischen Wald, bevor er den Tonnenweise gerade nicht ausholen würde.

Aber das war typisch Ludwig I., wenn sich der was im Kopf gesetzt hat, dann wollte er das haben, dann hat er seine Behörden angewiesen, sie sollen gescheite Straßen bauen und die Brücken befestigen und so weiter. Aber das geht halt nicht vom anderen Tag auf den anderen. Aber immerhin, man hat dann die kleinen Säulen an die Donau gebracht und dann wieder per Schiff natürlich nach Kelheim.

Und dann sind sie in Kelheim geliehen und dann ist ausgerechnet der Gärtner gestorben. Und der Klenze war seine Nachfolger und der hat wieder eine ganz andere Idee gehabt. Jetzt sind diese Granitzeile, die ist ehemals an der Befreiungshalle da verbaut worden, sondern die Kleinen sind in der Akademie der schönen Künste in Milden verbaut worden. und die Großen haben da hingekamelt in Hauzenberg.

Zum Glück sehr haltbar, haben wir gerade gehört, wie haltbar der Granit ist. Und dann haben die tatsächlich die Eisenbahner worgen können. Irgendwann sind ja dann tatsächlich Schienen verlegt worden im bayerischen Wald und irgendwann hat eine Toilzindustrie angefangen. Danke, dass Sie mich da wieder zurückholen. Wir haben 1870 in den Quellen eine Borkenkäfer-Kalamität gehabt.

Damals schon. Ja, Borkenkäfer-Kalamität, natürlich. Und Borkenkäfer war der eigene Geschichte, da macht man mal eine Sondersendung über den Borkenkäfer, mein Lieblingsinsenkt. Und der hat, also zuerst war ein großer Windwurf 1870, da sind wirklich Tausende von Baum flachgelegt worden. Und dann ist der Borkenkäfer gekommen und dann sind natürlich die dringestanden im Wald, aber auch raus und haben gesagt, ich darf aber nicht wahr sein, wir bringen mir dieses ganze Holz, das da, jetzt eine Freistünde für irgendwelche Verwendungen, wir bringen mir das gar nicht raus, weil man hat nur die Möglichkeit vom Wald über die Triffkanäle rauszubringen und da war diese Masse einfach, die war sauber zu groß.

Du wirst jahrelang wahrscheinlich den Fluss blockieren müssen mit Holz. Und dann ist natürlich, ist das Holz gelingen, ist der Borkenkäfer reingekommen und dann hat man gesagt, jetzt müssen wir aber schon langsam in die Gänge kommen, weil sonst frisst uns der das Holz zusammen. Und dann schafft man das tatsächlich als großes Ausnahmeprojekt.

Da gibt es die Familie der Poschinger, das sind die Glasbarone da hinten, der Benedikt von Poschinger war da eine ganz wichtige Figur, um das endlich zustande zu bringen, weil zuerst hat man die Regierung überzeugen müssen, dass man wieder ein Aktienprojekt draus macht, weil die haben keine Kohle nicht gehabt.

Da hat man gesagt, baut die Eisenbahn. Ja, wir haben ja kein Geld. Dann hat der Poschinger und die Münchner Banker haben gesagt, scheißegal, das Geld bringen wir mir her, ich will jetzt gebaut. Und dann bauen die da die Eisenbahnen, hinteren diese heute noch laufende, berühmte, eine Waldbahn, die von Blattling ihren Ausgangspunkt nimmt und dann über die berühmte Schlaufe, den Steilaufstieg über Ludwigsthal, wo jetzt leider die Brug wahrscheinlich weggerissen wird, war nicht der Letzten, dahinter nochmal ein Appell, wenn es geht, da holt sie bitte schon die Brug und die dann landet in Eisenstein.

Bayerisch Eisenstein sagt man damals noch nicht, es gibt einen Eisenstein, einen bayerischen und einen böhmischen Teil und die Eisensteiner in Böhmen haben es geschafft, dass die böhmische Eisenbahn da hingeht. Deswegen hat man jetzt quasi tatsächlich durch eine Privatinitiative, weil so weit haben die bayerischen Beamten da gar nicht gedacht und da können sie sowieso nicht, jetzt schafft man durch eine Privatinitiative die Strecke München-Prag. Jetzt gibt es die.

War er damit gezähmt, der wilde Wald? Also. Man muss es so sagen, da geht es eigentlich wirklich los, das ist diese erste Bahn. Und dann gibt es ja natürlich die Querdinge, die dann auch entstehen, weil man halt gesehen hat, man braucht eigentlich die Münchner gar nicht, man kann das selber machen, man braucht nur das Münchner Geld und das haben die Münchnerbänker, dann da zur Verfügung gestellt und das war schon die Phase, wo der richtig wild oder wild war, der Wald, weil wenn man die Fotos sieht, wie die die Eisenbahn da durchgetrieben haben, dann haben die diese großen Baumaßnahmen, die hat man mit den eigenen Leitnehmern bewältigt.

Da holt man aus Servo-Kurazien, wo es der Teufel aus Ungarn und aus Böhmen natürlich holt man die Arbeiter und wenn man die Fotos genau anschaut, da sieht man auch noch dieses Völkergemisch, das da zustande gekommen ist. Dann ist es eine Phase der Spekulation, zum Beispiel in Tittling, es gibt es öfters wie im Wilden Westen, dass die Unternehmer zuerst die Bahnhofsgastronomie bauen, weil sie meinen, die können da vorbeigehen.

Und manchmal haben sie das Dusel und die gehen wirklich vorbei. Manchmal finanzieren sie sogar Bahnhöfe, wo es mir dann gar nicht genau wie der Streckenverlauf ist. Das ist Spekulationsobjekte. Ja, genau, Spekulationsobjekte. Und wenn sie die Beutel anschauen, wissen sie, die stehen wirklich da mit dem Cowboyhut und so.

Und ich habe da in meinem Büchel habe ich da so Postkarten drin, wo so ein Spaßvogel bei so einem Beutel hat er die ursprüngliche Beschriftung Eisenbahnbau bei Titling Siebenhasen und so, hat er durchgestrichen und hat dann hingeschrieben, Grüße aus dem wilden Westen und dann drunter, dass das Goldarbeiter am.

Wie hat der kanadische Fluss geheißen, am Klondike und so, weil man das, so hat man das aus die Illustrierten kennt, so hat das auch in Amerika ausgesucht. Also da war er so richtig weit und das war so eine richtige weide Aufbruch-Epoche für den Wald. Jetzt muss ich parallel zeigen zu unserer letzten Folgen, wo wir über den Donauhandel geredet haben, weil im Grunde klingt das alles positiv.

Der Ludwig hat es verschlafen, die Eisenbahn ist spät gekommen, aber dann doch. Und es war ein Industriezentrum, das Borkenkäferholz ist rausgekommen und Glas haben sie exportiert und der Granit war europaweit gesucht. Und trotzdem, wenn man heute über den Wald redet, gerade ich als Außenstehender, dann ist das immer behaftet mit dem Leer, Fahrt, nicht erschlossen, da tut sich nichts. Notstandsgebiet. Notstandsgebiet.

Was ist da passiert? Ja, da ist passiert, dass, man muss sich das natürlich so vorstellen, als haben wir schon gesagt, diese Erschließung mit der Eisenbahn, die kommt total spät. Und da sind diese Industrien sowohl Glas als auch Granit total für Einnahmen verloren gegangen. Und das ist in anderen Regionen, Textilindustrie hat es nicht gegeben.

Wenn man sich zum Beispiel Augsburg im Vergleich anschaut, Augsburg hat total fehl Textilindustrie. Da kommen dann auch die Phasen, wo es ja nicht so gut geht, aber da wird einfach so viel Kohle erarbeitet, dass du das in die modernen Industrien dann, Maschinenbau, Elektrik, Chemie, dass du das da investieren kannst.

Das geht da drinnen, weil das Geld fehlt durch die Spätenjahrschließung. Und wenn es dann da war, war es schon später, haben dann andere links und rechts überholt schon gehabt. So ist es gerade bei der Textilindustrie. Hätten wir schauen, was machen können dahinter. Aber dann greift man uns 1871, Elsass Lothringen, auch mit der großen Textilindustrie.

Da ist ein Überangebot. Du brauchst das mit Textilfabriken nicht mehr aufhangen. Im bayerischen Wald hinter. Das ist deswegen Entwicklung verpennt, aber nicht verpennt im Sinne, dass die Weitler da was verpennt hätten, sondern weil die Erschließung so spät kommt. Das ist das eine. Das andere ist dann, dass diese klassischen Industrien in die Krise kommen, weil sich die Staaten zunehmend abschaden.

Da sind wir bei dem hochaktuellen Begriff des Schutzzahles. Die größte Dummheit, die man überhaupt anfangen kann, wirtschaftlich. Da schauen Sie auch wieder in den Wilden Westen in die USA. Ja, da schauen wir gerade sauber in den Wilden, der wird sich wundern. Was bei uns passiert ist, also auch mit USA-Schutzzölle, schlecht für Glasindustrie.

Für die ganze Region war aber katastrophal, dass mit diesen Kanalfantasien, dass man im Grunde diese alte Ostorientierung, Bayern ist süd- und ostorientiert, eben entlang der Donau, dass man sich die Möglichkeit da genommen hat, weil die Österreicher, die haben die Eisenbahn in Olischer Humbert drin gehabt, aber haben gesagt, ja, was soll man denn hin?

Wiederum parallel schauen sie nach, was mit Tirol jetzt ist, die sind fertig. Wir drehen mal übereinander, mit Bürgerentscheidungen und alles Mögliche. Also das ist jetzt auch wieder positiv für Österreicher, aber man muss halt immer dazu sagen, alles Gute in Österreich stammt aus Bayern. Also hat man sich diese Orientierungs- und Ausrichtungsmöglichkeit, genommen, auf der anderen Seite haben die Österreicher natürlich auch, da kann man sich jetzt lang streiten, was ist Ursache und Wirkung, wer war zuerst der Blöde und wer der Zweite, ich weiß gar nicht, muss ich dazu sagen, wir sollten wahrscheinlich auch noch erforschen, die Österreicher haben sich da natürlich auch irgendwann gesagt, rutschst du zur Bugel runter,

wir orientieren uns jetzt auch nach Osten, wo natürlich im großen Kaiserreich, oben mit Ungarn und so weiter, und mit den servokratischen Ländern und sogar mit Oberitalien, wo die natürlich alle Möglichkeiten gehabt haben. Für den Osten Bayern ist das total schlecht. Das hängt quasi in der Luft, weil nach Osten sind die Märkte innen verschlossen und im Westen ist kein Anschluss, weil alle anderen Regionen einfach ein paar Jahrzehnte Vorsprung gehabt haben.

Und da kann ich natürlich Kanalfantasien haben, was ich mag, wenn da drüben die Schiffe nicht weitergehen und wenn der Handelsaustausch fehlt, kann ich tausend Kanäle da oben bauen und das hilft nicht. Ich habe ja selten Sorge um die Gesundheit, aber immer, wenn die Sprache auf diesen Main-Trainer-Kanal kommt, dann merke ich, wie der Blutdruck steigt.

Der ist wirklich von allen dummen Projekten, die in Bayern verfolgt worden ist, ist der wirklich der Gipfel. Und wie ist es dann weitergegangen? Jetzt sind wir schon wieder bei der Jahrhundertwende, jetzt fahren die Eisenbahnen, das Autozeitalter kündigt sich schon leise an. Wie geht es am Wald und wie arm war er denn dann wirklich in der Folge?

Da kommt jetzt ein zweites Klischee dazu, wobei ich sagen muss, es ist natürlich der arme Wald sozusagen, dass im Wald beständig Notsituationen herrschen. Das ist so gesagt nicht richtig. Es gibt, und das ist richtig, es gibt zu bestimmten Zeiten im Wald, aber auch überall auf der Welt, gibt es Regionen, die notleidend sind.

Und im bayerischen Wald war es auch so, und jetzt kommt die nächste politische Entscheidung dazu. Dass 1918 unser wichtigster Ansprechpartner in Niederbayern, in Ostbayern, auch im östlichen Oberbayern, das Habsburger Reich auseinanderbricht. Wir haben vorher an der Bämischen Grenze, da waren lauter österreichische Zahlbeamte.

Ich habe die Postkarten gefunden, wo zum Beispiel der Postbeamte auf der bayerischen Seite schreibt seinem österreichischen Kollegen und sagt, du, ich möchte jetzt zwei Wochen mit meiner Frau in Urlaub fahren, kannst du dabei die Grenze übernehmen? Ja wirklich, das war so. Also da hat man die gleiche Sprache gesprochen und war auch im gleichen politischen System.

Eigentlich drin. Österreich verlässt ja den Deutschen Bund 1866, aber das war bis 1918 eigentlich, war man sich immer klar, man war ja dann auch verbündet im Ersten Weltkrieg, dass das eigentlich was ist, was da zusammenkehrt. Und dann kommt jetzt diese Tschechoslowakei, der man, und das muss ich jetzt wirklich dazu sagen, der man von deutscher und bayerischer Seite feindselig gegenübersteht.

Das, was da passiert ist, ist zum Teil, zum größeren Teil, nicht die Schuld von den Tschechen. Man ist dann hergekommen und das war wirklich eine Katastrophe. Also wie man sowas machen kann, das frage ich mich echt heute noch. 1923 hat man den kleinen Grenzverkehr, der immer üblich war. Wenn du da als kleiner Weitlerbauer dein Holztraht um mit Saat hast, bei Glaskraxen, sonst irgendwas, die hat man durchlost.

Man hat verzahlt, wenn die großen Ochsenherden und umgekehrt die großen Gänseherden. Ich habe da auch gehört, das ist Wahnsinn, wenn es da die Hunderten von ganz Gärtner wirklich auf der Straße da hinlaufen, köstlich. Man hat das immer laufen lassen, aber 1923 hat das eine ganz besondere Dimension gekriegt, weil wir mehr Inflation haben. Im Wald gewonnen.

Im Wald sage ich schon, in Tschechien, in Tschechoslowakei, die haben keine Inflation. Die haben ganz normale Preise. Jetzt geht der Handel natürlich nicht mehr. Und jetzt wollten die natürlich um, wie früher, die wollten für ihren Holztrat, wollten die Lebensmittel eintauschen. Geht aber nicht mehr.

Und dann haben die das so verschärft, dass dann, weil das hat ja keiner verstanden, warum soll das jetzt plötzlich nicht mehr sein, dann ist es geschmuggelt worden, das berühmte Schwirzer, dann haben die einen Schwirzer umgelegt. Jetzt sind wir wieder beim Wilden Westen. Und da kommt es dann beinahe zum Ausbruch von bürgerkriegsähnlichen Zuständen, ganz parallel zum Hitlerputsch.

Das läuft alles fast parallel, aber das ist völlig irrt. Dann spüren die zig Leute, fast hundert Leute spüren die auch dahinter wegen Hochverrats und Landfriedensbruch. Also da ist ganz massiv zur Sache gegangen. Und diese Krise vom Grenzgebiet, die überträgt sich dann in die Mitte, wie man relativ schlagartig und ohne das sozial aufzufangen vom Pflastern aufs Asphaltieren übergeht, wo der Waldler mit seinem Granitstor dann wieder mit den Ofer rein ins Gebirge schaut.

Das heißt im Grunde genommen, also bis heute hat es der arme Wald, war er ein Spielball großer Mächte und vorher Opfer einer Verschlafungsaktion sozusagen. Und bis heute zehrt er davon, dass es damals so ein wenig weitergegangen ist und wie es dann endlich aufgegangen ist, weil es wieder zugesperrt worden ist.

Ja, also das waren politische Fehlentwicklungen. Wenn wir noch weiter zurückgehen, muss man sagen, dass es in der Säkularisation, da hat es noch hingehört, sind wir wieder bei der vielgescholtenen Kirche. Das war aber da anders. Und wenn man nach vorn geht, kann man natürlich sagen, dass sich das Ganze nach dem Krieg mit viel Fördergeld, natürlich EU-Fördergeld und so, dass sich das im Wald schon wieder stabilisiert hat.

Aber man hat eigentlich zu viel auf Glas und Granit gesetzt und da zu viel investiert, weil das ist jetzt weg. Jetzt Enkel, da gibt es nur noch ganz kleine Traditionskerne, was im Wald eine Erfolgsgeschichte sondergleichen ist. Das muss man einmal sagen, ist der Tourismus. Wir haben vor 1945 nur ganz wenig Tourismus da drin gehabt. Das geht zwar los, um 1900 gibt es viele Pensionen und so weiter, aber auch viele Buskarten gefunden.

Der große Sprung, dass man gleichwertig ist mit Schwaben und mit dem Allgäu, kommt tatsächlich in die 50er, 60er Jahre mit den touristischen Erfolgsmodellen. Zum einen diese Pensionen und heute wieder, komischerweise, die hat ein Tele gehabt und heute ist es wieder erfolgreich. Der Urlaub am Bauernhof, das ist ganz spezifisch, das liegt im Bayerischen Wald.

Mittlerweile gleichwertige Säule sind die Wellnesshotels. Wissen Sie, welcher Ort in Deutschland die größte Wellnesshoteldichte hat? Sagen Sie mir das. Bodenweis. Da hätte ich jetzt ein paar Versuche brauchen. Also da sehen wir, die Weitler haben sich auch immer wieder auserzogen. Diese ganz wirklich schlimme Situation, die geherrscht hat in den Höhenlagen.

Die hat man auch in den 60er Jahren wieder einigermaßen in den Griff gekriegt, aber halt auch nur mit der Auswanderung, die hat es immer gegeben, sie war nicht so stark, wie wir gemeint haben, gerade die Amerika-Auswanderung ist viel kleiner, als es so gemeinhin geglaubt worden ist. Aber das zeichnet eigentlich den bayerischen Wald aus, dass die Regierungen, die wir gehabt haben, dass die politische Entwicklung im Grunde nicht gut war für den Wald, aber dass sie die Weitler immer wieder aus dem Außerkämpft haben.

Da sind wir jetzt auch am Zielbahnhof angelangt, die Strecke ist vorbei, wir haben jetzt lang genug geredet, wir steigen aus an dieser Stelle, aber es geht ja weiter, weil wie gesagt, ein neues Zeitalter bricht an, das Zeitalter der Individualmotorisierung, das Zeitalter des Automobils. Und Herr Dr. Läubel, danke, heute haben Sie viel bei uwarische Selbstgeißelung gerade sich als Wäutler machen müssen und das nächste Mal reden wir dann über eine Erfolgsgeschichte, nämlich wie Bayern zum Autoland wurde.

Euch, lieben Zuhörern, kann ich nur Danke sagen. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt, aber eine kleine Hausaufgabe bzw. ein Rätsel gibt es für das nächste Mal. Rat uns doch mal, was der Herr Dr. Läubel für ein Autofahrt. Herr Dr. Läubel, danke, dass Sie sich die Zeit wiedergekommen haben. Ich sage Dankeschön, alles Gute.

Wenn ihr die nächste Folge nicht verpassen wollt, dann lasst gerne ein Abo da. Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob? Dann schreibt uns gerne an podcast.mgbayern.de oder hinterlasst uns eine Bewertung. Ein Bayer und ein Halber historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel ist ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern.

Host und Recherche Johannes Munzinger und Dr. Richard Leubel. Konzept Dr. Richard Leubel, Johannes Munzinger und Martin Wanninger. Redaktion Johannes Munzinger. Produktion Anja Kurz Sprecherin Katharina Czaba Mundmusik von ScoreSquad über Soundtaxi Besonderer Dank an Walter Berndl.

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