Food Crimes - Was schmeckt dahinter?

#98 Minamata: Die Gefahr lauert überall

Dienstag, 13. Oktober 2026 · 58 min

MP3

Shownotes

1971 reist der berühmte Fotograf W. Eugene Smith nach Minamata, einer kleinen Küstenstadt im Süden Japans. Drei Monate möchte er dort bleiben, um eine Fotoreportage zu machen. Doch aus drei Monaten werden drei Jahre. Und es entstehen Bilder, die um die Welt gehen werden.
Eines davon wird Jahrzehnte später sogar einen Jungen namens Barack Obama so tief berühren, dass er es in seiner Autobiografie erwähnt.
Im Januar 1972 eskaliert die Situation in Japan: Mehrere Männer stellen sich Smith in den Weg und schlagen ihn brutal zusammen. Von diesem Angriff wird er sich nie wieder vollständig erholen. Doch was treibt einen weltberühmten Fotografen in eine abgelegene japanische Küstenstadt? Was entdeckt er dort?
Und warum sind manche Menschen bereit, so weit zu gehen, um zu verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt?
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Als der Fotograf W. Eugene Smith, der von allen nur Gene genannt wird, 1971 seinen New Yorker Loft ausräumt, ahnt er noch nicht, was ihn bei seiner nächsten Reise erwarten wird. Er und seine Partnerin Aileen, die 31 Jahre jünger ist als er, wollen für eine Fotoreportage drei Monate nach Minamata reisen, einer Kleinstadt an der Westküste von Kyushu, der südlichsten der japanischen Hauptinseln.

Doch aus geplanten drei Monaten werden drei Jahre. Und zu diesem Zeitpunkt weiß niemand, dass die Fotos, die dort entstehen, um die Welt gehen werden. Eines davon wird niemand geringeren als Barack Obama als Kind so bewegen, dass er es später in seiner Autobiografie erwähnt. Als sie in Minamata ankommen, leidet Gene bereits unter zahlreichen gesundheitlichen Beschwerden und Verletzungen.

Einige davon hatte er sich während seiner Arbeit im Zweiten Weltkrieg zugezogen, andere stammen von zwei Flugzeugabstürzen. Trotzdem fotografiert er jeden Tag. Im Januar 1972 stellen sich ihm Männer in den Weg und schlagen ihn so zusammen, dass er sich davon nie mehr richtig erholen wird. Was macht ein weltberühmter Fotograf in einer japanischen Kleinstadt am Meer?

Und was gibt es dort, das jemand so dringend verbergen will, dass er dafür zuschlägt? Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Mit Florian Reza und Lili Temmer. Und heute fast live. Fast live. Wir können ja ganz transparent sein. Montagnachmittag um 15.30 Uhr auf. Und das heißt, ihr habt diese Folge in guten acht Stunden druckfrisch in euren Ohren.

Ja, deswegen kann es sein, dass sich der ein oder andere Fehler oder das ein oder andere Ähm oder der Versprecher oder so eingeschlichen hat. Das kann ich sein. Weil wir wahrscheinlich keine Zeit haben werden, die fertige Folge nochmal Probe zu hören. Das war das royale Wir, das du gerade gesprochen hast. Ja, das war das royale Wir.

Ich bin gespannt. Ich sehe mich gerade hier im Video. Ich habe ja ganz kleine Augen. Zum Glück ist das kein Videopodcast. Stand jetzt. Vielleicht entscheide ich mich heute ganz spontan dazu, dass wir das doch als Video hochladen, die ganze Folge. Das ist ja auch der Grund, warum wir vielleicht etwas knapp aufnehmen.

Ich bin wieder zu Hause und wir hatten letzte Woche nicht wirklich Zeit, das früher aufzunehmen. Ja, deswegen machen wir das jetzt einfach mal so. Wir sind ja immer für eine Überraschung gut und wir sind heute vor allen Dingen mal wieder in Japan. Ja. War aber lang nicht gewesen. Und ich frage mich schon wieder, was hat das mit Food zu tun?

Weil stand jetzt sind wir ja noch ein Food Crimes Podcast. Ja, das hat sehr viel mit Food zu tun. Aber ich dachte mir, ich schreibe mal ein richtig spannendes Intro, was noch nicht so viel verrät. Und warum hast du das nicht vorgelesen? Weil ich die Kritik, die bei der letzten Folge kam, dass manche Leute dann schon sofort wussten, was jetzt eigentlich Sache war, die habe ich mir natürlich zu Herzen genommen.

Wenn gleich die Personen, die das bemängelt haben, auch direkt dazu geschrieben haben, dass sie den Fall eh schon kannten. Dann dachte ich mir, ja gut, dann kann man ja endlich überrascht werden. Aber gut. Also, der heutige Fall spielt in Japan. Ja, ich freue mich. Waren wir lange nicht mehr. Und ich bin sehr gespannt. Ich bin wirklich sehr gespannt.

Na gut. Eine Sache müssen wir noch verkünden, Lilli. Und zwar, dass unsere erste Live-Online-Folge bevorsteht. Das stimmt. Wir haben es schon am Samstag in unserer Steady-Bonus-Folge verkündet und jetzt nochmal für euch alle. Ich schaue auf den Kalender. 6. November. Das ist ein Freitag. Wir müssen uns auf die Uhrzeit festlegen. Das schicken wir dann zeitnah rum, aber so, dass ihr danach abends noch was machen könnt und auch, also zwischen Arbeit und und, keine Ahnung, KitKat oder wo ihr halt dann so hingeht. Richtig.

Werden wir eine Live-Online-Folge machen, an der ihr teilnehmen könnt, beziehungsweise Teil dessen sein könnt, wenn ihr uns bei Steady abonniert. Im Cocktail, wenn ihr den Cocktail bei Steady abonniert. Das heißt, wenn ihr das machen wollt, dann macht das gerne vor dem 6. November. Ihr bekommt beim Cocktail, das muss man dazu sagen, ihr bekommt quasi zwei Zugänge.

Das heißt, wenn ihr das abonniert, dann könnt ihr das an Freunde, Familie, wen auch immer weitergeben. Oder wenn ihr eh jemanden kennt, mit dem ihr die Folgen immer hört, dann könnt ihr das zusammen abschließen. Und bekommt dann unsere Live-Bonus-Folge, wo wir dann natürlich auch ein bisschen in die Interaktion gehen können.

Ja, und wo wir vielleicht noch dazu sagen sollten, dass die natürlich online stattfindet. Also das ist keine Live-Aufzeichnung an einem Ort, an dem wir uns gemeinsam treffen, sondern wir treffen uns digital gemeinsam, in einem virtuellen Raum. Richtig. Die technischen Details und so, die bekommt ihr dann natürlich alle rechtzeitig, aber das ist ein Goodie sozusagen vom Steady. Abo.

Aber wir beide werden zusammen in einem Raum sein. Das ist absolut richtig. Ja. Freue ich mich. Hatten wir auch lange nicht mehr. Gerichtlich war das ja lange verboten, aber jetzt ist es schön, dass wir das wieder dürfen. Ja. Näheres dürfen wir nicht besprechen. Das wurde von den Anwälten untersagt. Erklären wir dann in der Bonus-Folge. In der Online-Bonus-Folge.

Alles in der Bonus-Folge. Gut. Heute haben wir aber noch eine ganz normale Folge. Richtig. Eine ganz normale Folge und zwar die Folge Nummer 98. Leute, wir nähern uns der 100. Ist das nicht verrückt und schön? Der Fall heute wurde mir von Johanna vorgeschlagen, die ich an dieser Stelle liebgrüßen möchte und euch den Hinweis geben möchte, dass wenn ihr auch Geschichten habt oder von einem Foodcrime gehört habt und denkt, Lilly, erzähl den doch mal bitte, dann schreibt mir eine Nachricht bei Instagram oder schreibt mir eine Mail an Lilly etwas schmeckt dahinter.de, und dann landet der hier vielleicht. So wie der heutige Fall.

Es gibt natürlich wie immer Fotos, die findet ihr auch wie immer auf unserer Website www.waschmecktahinter.de, beziehungsweise ich verlinke euch da auch eine Seite, auf der es mehr Fotos gibt. Das ist hier heute nämlich teilweise aus Pietätsgründen so, dass es die Fotos nicht direkt zu sehen gibt. Oh, okay.

Flo, gibt es ein Foto, das du nie wieder vergessen hast? Also so wie das eine Foto, das Barack Obama nie wieder vergessen hat. Eins, das du irgendwo mal gesehen hast und das dir einfach im Kopf geblieben ist, weil es besonders schrecklich war oder weil du besonders gestaunt hast, weil es schön war. Fällt dir da irgendwas ein? Weil es heute natürlich um solche Bilder geht.

Denn im Intro habe ich ja von einem Fotografen gesprochen. und Fotografen machen halt nur mal Fotos. Ja, sehr gut. Es gibt viele solcher Fotos. Ich bleibe immer mal wieder bei so Fotoreihen hängen, vor allem bei TikTok, wo so interessante Momente der Zeitgeschichte fotografiert werden. Zum Beispiel, ich wusste nicht, dass es ein Foto gibt von der Amtseinführung von Abraham Lincoln.

Es gibt so ein Foto, da steht so ein First Nation auf so einem Berg irgendwo in Arizona und schaut auf die erste Eisenbahnstrecke, die in den USA gebaut wurde. Weißt du, solche Momente, solche Fotos gibt es oft, wo man so merkt, das ist ein Moment in der Zeit, wo sich was verändert, den man vielleicht in dem Moment gar nicht so wahrgenommen hat, aber jetzt, 100 Jahre später, denkt man sich, krass, dass es da ein Bild gibt.

Das ist jetzt zwar ein bisschen allgemein, aber bei solchen Fotoreihen bleibe ich oft hängen. Nee, das ist total spannend. Naja, weil sie halt eben Momente, die man selber nicht miterleben kann, konnte und auch nie wird, Und wie du gesagt hast, eigentlich nur vielleicht manchmal den Anschein gemacht haben, als wären sie ein kleiner Moment gewesen, aber dann halt eben doch einen sehr großen Impact hatten vielleicht.

Ja, also es geht heute unter anderem auch um solche Bilder und um den Mann, der sie gemacht hat. Den habt ihr im Intro schon kurz kennengelernt. Von W. Eugene Smith, den wie gesagt alle Gene nennen und den ich heute auch so nenne, habe ich auch ein Foto für dich. Ja, sehr intensiver Blick hat der Herr drauf.

Also mein erstes Gefühl war, der sieht irgendwie ganz warm aus, ganz herzlich, aber jetzt umso länger ich hinschaue, hat er auch ein bisschen was Einnehmendes, Kühles. Vielleicht macht ihn der Bart, also er hat einen weißen, großen Vollbart, vielleicht macht ihn das so ein bisschen wärmer, aber die Augen finde ich schon sehr intensiv.

Er hat eine sehr hohe Stirn, also die Haare fallen ihm aus, aber er hat noch Haare oben und hinten, eine Metallbrille und schaut ja so intensiv in die Ferne. Ist ein ausdrucksstarkes Foto, oder? Ja. Und diesen Zwiespalt, den du da vielleicht gerade versucht hast zu beschreiben, den gibt es auch. Also er ist bekannt dafür, dass er sehr, sehr akribisch, fast schon manisch manchmal an Projekten arbeitet.

Also Leute, die mit ihm zusammenarbeiten, vor allen Dingen Magazine oder Publikationen, JournalistInnen, für die ist das zeitweise ziemlich anstrengend, mit ihm zusammenzuarbeiten. ja. Und gleichzeitig ist er bekannt für seine Fotoreportagen und Fotoreihen, in die er sich so reinwühlt und richtig reingräbt.

Und die sind eben auch nur so gut, weil er so akribisch ist und sich so mit den Menschen auseinandersetzt oder den Situationen, die er begleitet und fotografiert. Und deswegen wird er natürlich dann auch gefeiert für diese Art. Aber es ist wirklich dieses Herzliche auf der einen Seite und irgendwie warme Empathische und auf der anderen Seite auch was sehr Schwieriges, was in ihm steckt.

Um zu verstehen, was Jean und Aileen 1971 in Minamata erwartet, müssen wir jetzt erstmal ein paar Jahrzehnte zurückspringen. Minamata liegt an der Westküste von Kyushu, der südlichsten der japanischen Hauptinseln, mit Blick auf das Shiranui-Meer. Hier wieder der Hinweis, ich versuche alles richtig auszusprechen, bin der japanischen Sprache aber gar nicht mächtig, deswegen verzeiht, wenn ich hier irgendwas falsch ausspreche.

Rings um Minamata stehen Berge, ein Stück die Straße hinauf gibt es heiße Quellen. Anfang des 20. Jahrhunderts ist das noch ein kleines Fischerdorf, in dem jeder jeden kennt. Die Bucht ist voller Fisch und Schalentiere und die Familien leben seit Generationen davon. Und wo das jetzt ungefähr liegt, wo wir uns befinden, das kannst du dir jetzt hier auf Google Maps anschauen.

Wundere dich nicht, du musst kurz ein bisschen suchen. Ich habe Minamata rot eingekreist, aber versucht den Großteil von Japan mit auf die Karte zu kriegen. Deswegen ist der rote Kreis sehr klein. Okay. Aber ich habe ja schon beschrieben, auf welcher der Hauptinseln es liegt. Oh Mann, ne, ach da unten.

Ja, okay. Also da befinden wir uns. Ich finde, du warst ja auch noch nie in Japan, ne? Das ist so ein faszinierendes Land, weil es ja. Auch so viele Zonen, also so Vegetationszonen und Klimazonen abdeckt, da unten in so Richtung Süden. Und es gibt ja noch ein paar kleinere Inseln, die da noch weiter südlich im Pazifik liegen.

Da hast du ja wirklich tropische, südseeartige Zustände. Dann mehr im Norden, diese hohen Berge der Schnee. Also wirklich ein faszinierendes Land. Aber ja, wir sind im Süden, in der Nähe von Nagasaki. Das sind alles noch so Städte. Da kommt die WM 2002 nochmal hoch. Nagasaki, Osaka. Für viele Menschen ist Minamata Anfang des 20. Jahrhunderts das Paradies auf Erden. Aber das wird sich schon bald ändern.

Und gleich werdet ihr auch wissen, warum. 1908 eröffnet am Stadtrand von Minamata eine Fabrik. Die Firma heißt irgendwann Shiso Corporation. Das erste Produkt ist Dünger, denn Japans Landwirtschaft wächst und das ganze Land industrialisiert in rasantem Tempo. Die Fabrik bleibt aber nicht klein. In den 1930er Jahren stellt die Chisoo Corporation immer mehr Industriechemikalien her.

Eine davon wird für unsere heutige Geschichte wichtig. AZ-Aldehyd. Aus AZ-Aldehyd macht man Kunststoffe und andere Materialien, ohne die in der modernen Fertigung nichts läuft. 1932 beginnt die Chisoo Corporation damit und produziert im ersten Jahr 210 Tonnen. 1951 sind es schon 6000 Tonnen. 1960 erreicht die Fabrik mit 45.245 Tonnen ihren Höchststand.

Zwischen einem Viertel und einem Drittel des gesamten japanischen Z-Aldehyds kommt aus diesem einen Werk in Minamata. Aus dem kleineren Fischerstädtchen hat sich jetzt in nahezu jeder Hinsicht eine Fabrik Stadt entwickelt. Die Chiso Corporation und ihre Tochterfirmen stellen ein Viertel aller Arbeitsplätze.

Zeitweise stammt mehr als die Hälfte der städtischen Steuereinnahmen von Chiso und seinen Beschäftigten. Die Firma baut Wohnungen für ihre Leute und finanziert Schulen. Wenn es der Fabrik gut geht, geht es der Stadt gut. Und wer die Firma infrage stellt, stellt die Jobs seiner Nachbarn infrage. Und auch von der Fabrik kannst du dir jetzt ein Foto anschauen.

Sehr schön, sehr viele Fotos. Ja, ich starte mit vielen Fotos rein und am Ende wird es immer weniger. Wo kann ich die denn sehen, Lilly, die Fotos? Die Fotos gibt es alle zu sehen auf unserer fantastischen Website www.wasschmecktdahinter.de. Das ist ja spannend. Wow, okay. Also das ist, ich meine, das ist natürlich auch, wie es fotografiert ist. Hat er das fotografiert? Ist das ein Foto von ihm? Nein.

Okay, weil das ist natürlich durch die Perspektive sehr, sehr verdichtet. Also wir sehen im Hintergrund den Ozean, den Pazifik und im Vordergrund die Fabrik, wo es raucht und qualmt und rohre überall. Und also, wenn man es nicht wüsste und schnell hinschaut, könnte das auch irgendwo im späten industriellen Großbritannien sein, wo man das Gefühl hat, Arbeiterrechte sind ein Fremdwort und man stirbt mit 35 an der Lungenvergiftung.

Also schon ein sehr intensives industrielles Bild. Aber für Leute, die was für Industrieromantik übrig haben, die sollten sich das mal anschauen. Das hast du sehr schön gesagt. Ich finde vor allen Dingen das Foto ganz gut, weil das eben nochmal zeigt, wo die Fabrik liegt. Also wirklich direkt am Meer und links sieht man ja auch so einen kleinen Hügel.

Das ist wirklich eine ganz schöne Gegend da und die Fabrik liegt eben da direkt am Wasser. Das ist schon... Lage, Lage, Lage. Ja, Lage, Lage, Lage. Das erinnert mich gerade auch wieder an Fukushima, wo man auf die Idee gekommen ist, fantastische Idee, ein Atomkraftwerk direkt ans Meer zu bauen, weil natürlich, da hast du kühles Wasser, musst du dich nicht um die Kühlung groß kümmern, aber halt direkt ans Meer. Ich meine, wir wissen alle, wie es ausgegangen ist.

Auch hier, das ist schon nah. Das ist nah. Ja. Aha, okay. Ja. Auch wenn in Minamata augenscheinlich alles super ist, dass hier irgendwas nicht stimmt, merkt eine andere Berufsgruppe in Minamata schon früh. Die Fischer. Ihre Fänge werden nämlich kleiner und das Meer verändert sich auffällig. Sie beschweren sich, dass die Rohre der Fabrik schuld sind.

Seit die Fabrik immer größer wurde, ist die Fischpopulation immer kleiner geworden. Das kann kein Zufall sein. Und damit verschwindet auch die Lebensgrundlage vieler Fischer. Sie beschweren sich. 1926 zahlt Shiso der Fischereigenossenschaft deshalb Geld für die Schäden. 1943 noch einmal. Die Firma nennt das Entschädigung aus Mitgefühl. What?

Okay, die guten Semerite. Doch Anfang der 1950er Jahre fangen die Katzen in Minamata an, sich seltsam zu benehmen. Sie taumeln beim Gehen oder verlieren ihr Gleichgewicht. Sie bekommen Krämpfe, ihre Körper zucken unkontrolliert. Manche Leute beschreiben das damals als eine Art Tanz. Die Einheimischen nennen es deshalb die tanzende Katzenkrankheit.

Viele Tiere laufen zum Wasser und stürzen sich ins Meer. Die meisten BewohnerInnen von Minamata denken sich nicht viel dabei. Ein Virus vielleicht oder ein Parasit ist zwar traurig, aber ein Problem der Katzen. Doch dann fallen Krähen vom Himmel. Am 21. April 1956 wird ein fünfjähriges Mädchen in das Betriebskrankenhaus in der Chissou Corporation in Minamata gebracht.

Es kann kaum noch gehen, spricht undeutlich und hat Krampfanfälle. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte haben solche Symptome noch nie gesehen. Zwei Tage später zeigt ihre jüngere Schwester dieselben Anzeichen. Die Mutter erzählt den Medizinern, dass die Tochter ihrer Nachbarin ähnliche Beschwerden hat.

Als man sich in der Nachbarschaft umhört, findet man immer mehr Menschen, die ebenfalls erkrankt sind. Am 1. Mai 1956 meldet der Krankenhausdirektor dem örtlichen Gesundheitsamt eine Epidemie, deren Ursache niemand kennt und die das Nervensystem angreift. Damit gilt die Minamata-Krankheit offiziell als entdeckt.

Das Erschreckende, die Krankheit kommt ohne Vorwarnung. Die PatientInnen verlieren von einem Moment auf den anderen das Gefühl in Händen und Füßen. Sie können plötzlich keine Knöpfe mehr schließen und stolpern beim Gehen. Die Stimmen verändern sich, viele haben Probleme beim Sehen, Hören und Schlucken. Und mit der Zeit wird es schlimmer.

Es folgen schwere Krampfanfälle und komatöse Zustände. Bis Oktober 1956, also ein paar Monate nachdem das 5-jährige Mädchen ins Krankenhaus gekommen ist, kennt man 40 Erkrankte, 14 von ihnen sind gestorben. Weil die Fälle gehäuft in bestimmten Haushalten und Nachbarschaften auftreten, vermutet man erst eine ansteckende Krankheit.

Die Patientinnen werden isoliert, ihre Häuser desinfiziert. Die Familien müssen mit Ansehen wie ihre Angehörigen das Gen verlernen und die Sprache verlieren. Am 24. August 1956 gründet sich eine Forschungsgruppe der Universität in Kumamoto. Das ist eine Universitätsstadt, ungefähr 90 Kilometer weit weg. Ja, die kennt man.

Ja, klar, die kennt man. Gut. Ich sag's trotzdem dazu. Sie untersuchen Patientinnen dieser ominösen neuen Krankheit im Universitätskrankenhaus. Den WissenschaftlerInnen fällt ein Muster auf. Die Kranken leben fast alle in Fischerdörfern rund um die Bucht. Fisch und Meeresfrüchte stehen bei ihnen oft mehrmals am Tag auf dem Tisch.

Und auch die Katzen dort zeigen dieselben Symptome. Und auch Katzen essen Fisch oder stromern am Hafen lang und essen irgendwelche Abfälle, die sie finden. Die Forschenden füttern deshalb jetzt erstmal gesunde Katzen mit Fisch aus der Bucht, um zu schauen, ob das irgendeinen Impact hat. Nach wenigen Wochen taumeln und krampfen auch diese Tiere. Katzen, die Meeresfrüchte aus anderen Gewässern bekommen, bleiben gesund.

Am 4. November 1956 veröffentlicht die Gruppe ihr erstes Ergebnis. Es handele sich um die Vergiftung durch ein Schwermetall, das vermutlich über Fisch und Meeresfrüchte in den Körper kommt. Welches Metall ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar? Im März 1958, also anderthalb Jahre später, besucht ein britischer Neurologe Mina Marta.

Die Symptome erinnern ihn an Vergiftungen mit organischem Quecksilber und ab da suchen die Forschenden gezielt danach. Im Februar 1959, also wieder ein Jahr später, untersuchen sie Fische, Meeresfrüchte und den Schlamm der Bucht. Die Werte sind erschreckend hoch. Und am höchsten sind sie genau da, wo der Abwasserkanal der Chiso-Fabrik in den Hafen mündet.

Und das kannst du dir hier auch nochmal genauer anschauen. Der Pfeil, den du siehst, der zeigt eben auf den Hafen, in dem die Abwasserabfälle der Fabrik laufen. Und von da geht es dann ins Meer. Ah, okay, das ist eine Karte. Das ist jetzt kein Bild des echten Flusses. Nur um das nochmal zu verorten. Das wird gleich auch nochmal wichtig. Also merkt dir, wie die Fabrik da liegt und wie das so um sie herum aussieht.

Ja, das ist ja wie eine Art Halbinsel, auf der die Fabrik liegt. Und in dieser Halbinsel geht dann aber nochmal so eben dieser Hafen rein, der Hyakkenhaber, wie das auf der Karte dort beschrieben ist. Rechts von der Halbinsel ist der Fluss. Und ich meine, die Halbinsel entsteht durch diesen Hafen. Aber es ist.

Halbinselig. Man kann es, glaube ich, auch noch krasser sagen, egal in welche Richtung das Zeug fließt, irgendwie wird das Ganze im Wasser landen, was da aus der Fabrik kommt. Ja, das hast du gut erkannt und das wird an anderer Stelle gleich auch nochmal wichtig. An der Mündung, also an der Hafenmündung, messen die Forschenden zwei Kilogramm Quecksilber pro Tonne Sediment.

Das ist so viel, dass sich einen Abbau von diesem Quecksilber wirtschaftlich gelohnt hätte, um das einladen zu können. Alter Schwede. Sorry, dass ich da gerade reingehe, aber wenn die das nicht gewusst haben, dann ist es natürlich grob fahrlässig. Wenn die das gewusst haben, könnte man ja sogar sagen, wenn die das aufgefangen hätten und dann wieder verkauft hätten, wäre das ja ein weiteres Geschäftsfeld gewesen für die Fabrik.

Flo, du bist ein Tausendsasser. Merk dir den Gedanken und da kommen wir dann gleich nochmal drauf zurück. Genau, ich sollte eine umweltverschmutzende Fabrik leiten. Ja, also in dir sind auf jeden Fall kriminelle Energien unterwegs, die du ja nicht auslebst, sondern die du hier nur. Verbal auslebst. Das ist quasi eine therapeutische Abarbeitung meiner dunkelsten, Seiten. Schön, dass ich dabei sein darf.

Das ist wie so ein, wie heißen die, so ein Demolition Room, wo man so hingehen kann und dann alles kaputt und kleinschlagen kann. Das ist dieser Podcast für mich. Gedanklich alles kurz und kleinschlagen. Schön. Jetzt wird es kurz chemisch. Ich gehe jetzt nicht so mega, mega, mega. Sorry mal, ganz kurz.

Schau mal, was ich heute für eine Tasse habe, aus der ich trinke. Oh, wow, das ist nicht dein Ernst. Ist das ein Zufall? Das kann kein Zufall sein. Nein, wir haben nämlich zwei Tassen. Also ich trinke gerade aus der Tasse mit dem Obama Presidential Portrait. Und wir haben auch noch die mit Michelle Obama.

Und aus der trinke ich heute Kaffee. Oh, das ist ein Kaffee. Ja. Oh, ist das süß. Was ein Zufall. Das ist wirklich ein Zufall. Und sowas finde ich ja total toll. Also das erwärmt mein Herz. Das kann man jetzt nicht fühlen. Ja, das ist ein richtiger Humpf. Das ist fast so groß wie dein Kopf. Da geht richtig FK-Filterkaffee-Gitter durch das Getriebe durch. Oh, ja, ja.

Und dann durch das Getriebe, sag ich dir. Deswegen muss ich ja innerhalb von einer Folge auch immer dreimal aufs Klo rennen. Ja. Das muss ich auch alles rausschneiden. Ich wollte gerade sagen, das wissen die Leute ja immer nicht. Leute, wir sitzen hier immer Stunden, weil Flo mehrfach auf Toilette geht.

Mach weiter, ich muss gleich. So, es wird jetzt kurz ein bisschen chemisch. Nicht allzu chemisch, aber so, dass man ungefähr hoffentlich verstehen kann, was da jetzt passiert. Also Quecksilber kennen wir alle aus Thermometern. Das ist diese silbrige Flüssigkeit. Und so ist diese Flüssigkeit auch schon giftig, aber der Körper nimmt die gar nicht so leicht auf.

Bei Chissos Verfahren, Abfälle aus der Chemieproduktion zu entsorgen, entsteht nebenbei aber etwas anderes und zwar Methylquecksilber. Und das ist eine Quecksilberverbindung, die sich viel leichter im Körper verteilt, weil sie sich im Wasser löst. Sie kommt durch Zellwände und sie kommt sogar bis ins Gehirn.

Also das ist ein großes Problem und das Gift, was abgeleitet wird, bleibt natürlich nicht im Wasser, denn winzige Lebewesen nehmen es aus dem Schlamm auf, erst nur in kleinen Mengen. Kleine Fische fressen tausende von diesen kleinen Lebewesen und speichern das Quecksleber in ihrem Körper. Größere Fische fressen die kleinen Fische und es wird immer mehr.

Und am Ende der Kette steht der Mensch, der jeden Tag Fisch aus der Bucht isst. Das nennt man Biomagnifikation, also die zunehmende Konzentration von Schadstoffen entlang einer Nahrungskette. Das ist wie so eine Quecksilber-Matroschka. Ja, sehr gutes Bild, auch wenn es sehr tragisch ist. Wie viel sich da letztendlich ansammelt, zeigen später Haarproben.

Bei Menschen außerhalb der Region liegt der Wert im Schnitt bei vier Teilen pro Million. Bei einem Erkrankten aus Minamata messen die Forschenden 705, also ungefähr das 176-fache. Am 12. November 1959 kommt auch das Gesundheitsministerium zu diesem Schluss. Die Minamata-Krankheit ist eine Vergiftung, die vor allem das Nervensystem angreift durch den Verzehr großer Mengen Fisch und Meeresfrüchte aus der Bucht.

Hauptverursacher eine organische Quecksilberverbindung. Die Chisso Corporation steht jetzt vor einer Wahl. Die Firma kann mit den Forschenden zusammenarbeiten, den verdächtigen Prozess stoppen und nach einer Lösung suchen, oder sie schützt ihre Produktion. Und Flo, was glaubst du, wofür sich ein Unternehmen entscheidet, an dem ein Viertel der Stadt hängt?

Für das, was die Produktion schützt. Richtig. Die Chissel Corporation entscheidet sich für die Produktion. Sie arbeitet nicht mit der Universität oder irgendwelchen Forschenden zusammen und hält Informationen über ihre Verfahren zurück, sodass die Forschenden raten müssen, was die Fabrik überhaupt genau herstellt und was für Abfallprodukte da eigentlich so anfallen.

Im September 1958 leitet die Chissel Corporation das Abwasser dann außerdem heimlich in den Fluss in Minamata um. Vorher floss es in den Hafen von Hürken, das habe ich eben gezeigt, auf den sich alle Untersuchungen konzentrieren. Jetzt landet es aber eben auch in dem Fluss, der in einen anderen Abschnitt des Shiranui-Meeres mündet.

Problem? Es ist gemütlich, zumindest für die Firma. Doch auch an der Flussmündung sterben die Fische und bald treten neue Fälle in Fischerdörfern entlang der Küste auf, in denen vorher niemand krank war. Das Gift wandert dorthin, wohin die Rohre es leiten. Dabei weiß, die Chisoo Corporation ist längst besser. Im Juli 1959 richtet Hajime Hosokawa, der Direktor des Werkskrankenhauses, in der Forschungsabteilung der Fabrik ein Labor ein.

Er mischt Abwasser aus der Azet-Aldehyd-Produktion und das Futter gesunder Katzen. Nach 78 Tagen zeigen manche Katzen die Symptome der Minamata-Krankheit. Seine Untersuchung bestätigt also eine Vergiftung durch organisches Quecksilber. Die Chissel Corporation gibt das Ergebnis aber nicht an die Forschenden weiter und weist Hosokawa an, seine Versuche einzustellen.

Öffentlich verbreitet die Firma stattdessen andere Erklärungen. Das Quecksilber könne aus Munition stammen, die im Krieg versenkt wurde, oder aus natürlichen geologischen Quellen. Belege gibt es dafür keine. Chisso, das Ministerium für internationalen Handel und Industrie und der japanische Chemieverband finanzieren sogar Untersuchungen zu alternativen Ursachen, um die Theorie der Universität Kumamoto zu untergraben.

Die Fischer merken aber in der Zwischenzeit, was das Ganze für sie heißt. Zwischen 1953 und 1957 brechen die Fangmengen um 91 Prozent ein. Händler aus anderen Regionen wollen keine Ware mehr aus der Bucht von Minamata annehmen. Die Präfektur erlässt ein teilweise Verkaufsverbot für Fisch. Ein vollständiges Verbot verhängt sie nicht, denn das würde sie rechtlich zur Entschädigung der Fischer verpflichten.

Im August 1959 dringen wütende Fischer gewaltsam in die Fabrik ein und fordern Geld. Der Bürgermeister setzt einen Ausschuss ein, der vermitteln soll. Der ist stark zugunsten des Unternehmens besetzt, doch es gibt einen Vorschlag, den die Fischereigenossenschaft annimmt. Sie bekommt 20 Millionen Yen, das sind heute ungefähr 743.000 Euro und einen Fonds für die Erholung der Fischerei.

Fürs Erste sind sie ein wenig besänftigt. Aber es sind ja nicht nur die Fischer, die in Minamata vor einem großen Problem stehen, sondern auch die vielen erkrankten Menschen. Nach einer Sitzblockade vor den Werkstoren im November 1959 bitten viele erkrankte Patientinnen den Gouverneur der Präfektur, ihre Forderungen ernst zu nehmen.

Sie wollen gehört werden und Entschädigungen erhalten. Und Schisso? Stimmt zu. Das Ergebnis? Erwachsene sollen jährlich 100.000 Yen bekommen. Umgerechnet wären das ca. 3.700 Euro. Kinder 30.000, ca. 1.100 Euro. Die Familien von Verstorbenen erhalten einmalig 320.000 Yen. Das sind ungefähr 1.800 Euro.

Im Gegenzug verzichten die Betroffenen auf alle weiteren Ansprüche. Und im Vertrag steht ausdrücklich, dass die Ursache der Krankheit noch nicht geklärt sei. Man bekommt also offiziell Geld für eine Krankheit, deren Ursache nicht geklärt ist und soll dann nach Ruhe geben. Man darf nicht vergessen, wo wir hier sind. Also Minamata ist ja eine Fabrikstadt.

Wird die Firma verurteilt oder gar geschlossen, sind etliche Jobs und Steuereinnahmen weg. Familien, die sich öffentlich beschweren und über ihre Krankheit aufklären, werden isoliert. Die Angst vor Ansteckung wird zu einer Bestrafung dafür, die wirtschaftliche Sicherheit der Gemeinschaft zu gefährden.

Manche Familien verlassen daraufhin sogar ihre Häuser. Der Druck von außen ist einfach zu groß. Für einige Patientinnen ist diese Ablehnung beängstigender als die Krankheit selbst. Und wir hatten das hier bei Food Crimes ja schon ein paar Mal, dass in Japan eine Schamkultur herrscht also das bedeutet, dass das soziale Verhalten stark davon gesteuert wird wie man von anderen wahrgenommen wird und ob man das Gesicht verliert, um einem Gesichtsverlust zu entgehen werden manche Familien also einfach isoliert oder isolieren sich selbst und stimmen damals diesem Deal zu, der aber nichts Gutes verheißen soll.

Ja, das ist wirklich Pest oder Cholera. Entweder sterben wir, weil wir die Fabrik hier lassen, leben lassen, oder wir gehen zugrunde, weil wir die Fabrik schließen und dann ist hier gar nichts mehr, was die Stadt irgendwie hochhält. Schrecklich. Aber ja. Was ich so krass finde, es wirkt ja so, als wäre das irgendwie ein Problem, was irgendwie lösbar wäre. Muss man das abwassern, Da muss man den ganzen Schmarrn einfach so eins zu eins ins Wasser, in die Umwelt zurückleiten.

Es wirkt wie ein Problem, was ja auch lösbar ist. Dazu kommen wir in genau dem nächsten Absatz, was man denn eigentlich machen könnte. Damit nämlich wieder ein bisschen Ruhe einkehrt, ordnet das Ministerium für internationalen Handel und Industrie am 21. Oktober 1959 an, das Abwasser erstmal wieder in den Hafen von Hyakken zu leiten und schnell eine Reinigungsanlage zu bauen.

Am 19. Dezember eröffnet Chiso eine Anlage namens Cyclator mit einer großen Zeremonie. Diese Anlage soll eben das Abwasser reinigen, bevor es dann in das Gewässer geleitet wird. Und der Präsident der Firma trinkt dabei ein Glas Wasser, das angeblich vom Cyclator gereinigt wurde. Ein Glas Wasser als Beweis für die Unbedenklichkeit.

Jetzt soll hier alles wieder im Lot sein. Das Abwasser der Chisoo Corporation werde in Zukunft gereinigt, man brauche sich jetzt also keine Sorgen mehr zu machen. Doch in Wahrheit wird das Abwasser zu diesem Zeitpunkt gar nicht mit dem Cyclator behandelt. Die Täuschung funktioniert. Fast alle Betroffenen glauben, das Abwasser sei seit Dezember 1959 unschädlich.

Ärztinnen rechnen nicht mehr mit neuen Fällen. Für die meisten Menschen ist das Problem gelöst. Die Zeit von 1959 bis 1969 wird oft die zehn Jahre des Schweigens genannt. Das stimmt zwar nicht so ganz, weil Forschende weiterarbeiten und auch einige lokale Journalistinnen weiterberichten und Familien natürlich auch nicht vergessen haben, was ihnen passiert ist.

Aber Verträge, die weitere Ansprüche ausschließen, sozialer Druck und eine Regierung, die dem Wirtschaftswachstum mehr Gewicht gibt als dem Schutz der Gesundheit, bremsen alles. Ende 1960 und Anfang 1961 untersuchen die Präfekturen Kumamoto und Kagoshima gemeinsame Haarproben von Menschen rund um das Shiranui-Meer.

Bei Hunderten liegt der Wert über 50 Teilen pro Million, ab da droht schon Nervenschädigung. Der höchste Wert wird bei einer Frau auf einer Insel gemessen, der Wert ist 920. Die Präfekturen veröffentlichen diese Ergebnisse aber nicht und sie unternehmen auch nichts. Selbst Leute, die Proben abgegeben und ausdrücklich nachgefragt haben, erfahren ihre Werte nicht.

Bei Nachuntersuchungen zehn Jahre später sind viele der Untersuchten aus unbekannten Gründen gestorben. Es dauert noch bis zum 26. September 1968, mehr als zwölf Jahre nach dem fünfjährigen Mädchen im Krankenhaus, bis die japanische Regierung offiziell erklärt, die Minamata-Krankheit entsteht durch den langfristigen Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten aus der Bucht.

Der Stoff ist Methylquecksilber, ist entstand in der Azetaldehydanlage der Fabrik und wurde über das Wasser eingeleitet. Das ist ein kleiner Sieg für die ganzen erkrankten Familien, denn viele sind erleichtert und dankbar, dass die Obrigkeit ihre Not endlich anerkennt. Aber die Erklärung der Regierung hat Fehler.

Sie behauptet, die letzten Fälle seien 1960 aufgetreten und der Ausbruch sei vorbei. Das stimmt nicht. Sie führt das auf Reinigungsanlagen zurück, die es seit Januar 1960 gegeben habe. Aber auch das stimmt nicht, denn der Cycleiter hat kaum etwas entfernt. Und sie tut so, als sei nur die Bucht betroffen. Dabei hat sich das Gift längst an der ganzen Küste des Shiranui-Meeres verteilt.

Aber es geht ja jetzt, meine wie viele Jahre geht das jetzt schon? 10? Über 10. Das geht schon seit 15. Ewigkeiten. Im Juni 1969 tun Patientinnen und ihre Familien dann etwas, das 10 Jahre vorher nahezu undenkbar gewesen wäre. Sie verklagen die Chisso Corporation. Vor dem Bezirksgericht Kumamoto sagen sie, dass die Fahrlässigkeit der Firma beim Einleiten des Abwassers direkt zu den Vergiftungen geführt hat.

Chisoo soll dafür rechtlich und finanziell gerade stehen. Und sie sind dabei nicht allein. WissenschaftlerInnen, JuristInnen und AktivistInnen gründen eine Forschungsgruppe, die den Prozess unterstützt. Forschende, die die Vergiftung jahrelang dokumentiert haben, sagen als Sachverständige aus. RechtswissenschaftlerInnen untersuchen, wann eine Firma für ihr Handeln haftet.

Alle anderen Wege sind gescheitert, jetzt soll das Gericht für Gerechtigkeit sorgen. Der Prozess dauert vier Jahre. Besonders belastend für die Chisoo Corporation sind die Aussagen aus der eigenen Firma. Hosokawa, der Direktor des Werkskrankenhauses, der schildert vom Krankenbett aus seine Katzenversuche.

Ein ehemaliger Fabrikleiter sagt, dass Produktion und Gewinn immer Vorrang vor der Sicherheit hatten, auch als sich die Hinweise auf die Schäden verdichteten. Der frühere Präsident räumt ein, dass die Führung die Theorie von der versenkten Kriegsmunition verbreitet hat, obwohl sie wusste, dass sie nicht stimmt.

Interne Dokumente und Aussagen zeigen ein Unternehmen, das die Gefahr kannte, sie ignorierte und dann versuchte, seine Verantwortung zu verschleiern. Am 20. März 1973 verkündet das Bezirksgericht Kumamoto sein Urteil. Es ist ein Sieg für alle Klagenden. Das Gericht sagt, die Annahme, dass der Beklagte bei der Einleitung des Abwassers aus seiner Azetaldehydanlage von Anfang bis Ende fahrlässig gehandelt hat, ist umfassend belegt.

Die Verträge von 1959 sind ungültig. Chisso muss für jeden verstorbenen Patienten eine einmalige Entschädigung zahlen, für jeden Überlebenden ebenfalls. Insgesamt sind das 937 Millionen Yen, die höchste Summe, die ein japanisches Gericht bis dahin je zugesprochen hat. Insgesamt sind es etwa 5,3 Millionen Euro.

Und das Gericht erklärt die Kulanzvereinbarung von 1959 für ungültig. Wer damals auf weitere Ansprüche verzichtet hat, um ein bisschen Geld zu bekommen, hat sein Recht also nicht verloren. Für Familien, denen jahrelang gesagt wurde, sie hätten ihre Entschädigung doch schon angenommen, ist das eine späte Bestätigung.

Man könnte jetzt sagen, die Gerechtigkeit hat gesiegt, aber dem ist nicht ganz so, denn das Urteil gilt nur für Kläger. Aber wer klagt, steht unter massivem Druck, die Klage zurückzuziehen. Eine Frau wird zum Beispiel von einem leitenden Chiso-Mitarbeiter besucht und von ihrem Nachbarn schikaniert, damit sie die Klage zurückzieht.

Das Fischerboot ihrer Familie wird ohne Erlaubnis benutzt, ihre Netze werden zerschnitten, Menschen werfen ihr auf der Straße menschliche Fäkalien entgegen. Ei, ei, ei, ei. Und die, die nicht klagen, müssen sich von einem medizinischen Ausschuss als Opfer anerkennen lassen. Und der legt extrem strenge Maßstäbe an.

Als Grundlage dient das Hunter-Russell-Syndrom, das bei britischen Industriearbeitern dokumentiert wurde, die hohen Dosen Quecksilber ausgesetzt waren. Verlangt wird eine ganz bestimmte Kombination von Symptomen, oft alle gleichzeitig. Gefühlsstörungen, Koordinationsprobleme, ein eingeschränktes Gesichtsfeld, Hörstörungen und Sprachverlust. Sprachprobleme.

Wer nur einige davon hat oder einen milderen Verlauf, wird abgelehnt. Keine Anerkennung, keine Entschädigung. Dabei haben die Menschen in Minamata das Gift über Jahre mit dem Essen aufgenommen. Ihre Symptome sehen deshalb sehr unterschiedlich aus. Mehr als 17.000 Menschen stellen einen Antrag. Bis März 2001 werden 2.265 offiziell anerkannt.

Über 10.000 weitere bekommen von Chiso zwar trotzdem Geld, werden aber nie als Opfer anerkannt. Eine vollständige epidemiologische Untersuchung wird nie durchgeführt und erfasst ist nur, wer selbst einen Antrag gestellt hat. Viele tun das nicht. Sie wissen nicht, dass sie einen Anspruch haben, sie scheuen die Stigmatisierung oder sie kommen mit der Bürokratie nicht zurecht.

Forschende der Universität Kumamoto halten es für möglich, dass rund um das Shiranui-Meer Zehntausende belastet wurden. Etwa 3.000 Menschen sollen an der Vergiftung gestorben sein, so die Schätzungen. Und jetzt kommen der Fotograf Jean und seine Partnerin Aileen ins Spiel. Aileen haben wir ja noch nicht gesehen, ihn schon, aber es gibt jetzt nochmal ein Foto von den beiden zusammen.

Zeigst du mir eigentlich das Foto, was Obama so bewegt hat? Du nimmst mir hier schon alles vorweg. Naja, also wenn du jetzt das Bild so groß angesprochen hättest und es nicht dabei gewesen wäre, dann ist es das Foto von ihr jetzt? Nein, das ist jetzt das Foto von Jean und Aileen Ah, das ist aber ein süßes Foto Es wirkt sehr viel jünger als er Ja, sie ist 31 Jahre jünger Ah ja, siehste Na gut, dann, es wirkt halt schon ein bisschen mehr wie Vater und Tochter als Mann und Frau.

Ist sie ja so um die 20? Ja, naja alter Künstler und seine junge Frau, ne? Ja Aber das Bild ist süß. Die beiden reisen 1971 nach Japan, weil sie ein Mitglied der Minamata-Bewegung kontaktiert hat. Er und Aileen räumen ihr Loft in New York aus, reisen nach Tokio und ziehen inzwischen verheiratet mit einem Assistenten nach Minamata.

Geplant sind drei Monate. Das kleine Haus, in dem sie wohnen, gehört der Familie von einem Opfer. Ihr Name war Toyoko Mizuguchi. Ihr Foto hängt auch noch über dem Bett, in dem Jean und Aileen jetzt schlafen. Der Plan ist, die Menschen dort kennenzulernen, sie zu begleiten und daraus eine Fotoreportage zu erstellen.

Doch dabei müssen sie natürlich behutsam und sensibel vorgehen. Auch wenn ihnen die Vergiftungsopfer aufgeschlossen gegenüber treten, wollen sich Jean und Aileen nicht aufdrängen. Sie wollen die Situation vor Ort möglichst realistisch dokumentieren. Auch mit Chisso führen sie Interviews, doch allzu viel lässt man sie dort nicht sehen.

Bei den betroffenen Familien sieht das schon anders aus. Jean kann teilweise sehr enge Beziehungen aufbauen und das zeigt sich auch in seinen Fotos. Eines seiner bekanntesten Bilder aus Minamata heißt Tomoko und ihre Mutter beim Baden. Ich beschreibe es jetzt nur, denn die Familie möchte nicht, dass es weiter öffentlich verbreitet wird.

Es zeigt eine Mutter, die sich um ihre Tochter kümmert. Der Körper des Mädchens ist durch die Krankheit schwer verkrümmt und sie scheint ihre Umgebung kaum wahrzunehmen. Tomoko wurde schon im Mutterleib vergiftet. Die Aufnahme entsteht an einem kühlen Dezembernachmittag im Jahr 1971. Jean und die Mutter inszenieren das Bild gemeinsam, mit ihrer Zustimmung, um die Folgen der Krankheit so deutlich wie möglich zu zeigen.

Und das Foto geht um die Welt. Und plötzlich weiß man auch außerhalb von Minamata und Japan, was hier eigentlich seit Jahrzehnten passiert. Dieser Skandal sorgt natürlich weltweit für Schlagzeilen. Alle großen Medienhäuser berichten jetzt darüber. Am 7. Januar 1972 kommt es dann zu dem Vorfall, den ich im Intro angedeutet habe.

Jean und Aileen sind in Goy in der Stadt Ichihara bei Tokio, einem Standort von Shiso, und berichten über eine Versammlung in der Fabrik. Plötzlich taucht eine Schläger-Truppe auf. Sie drohen den beiden, dass sie verschwinden sollen. Dann wird es gewalttätig. Jean wird so schwer verletzt, dass ihm ein Nerv zwischen Finger und Hals gequetscht wird.

Auf einem Auge erblindet er vorübergehend und sein Sehvermögen bleibt dauerhaft schlechter. Wenn er den Arm hebt, fällt er in Ohnmacht. Und trotzdem fotografiert er weiter. Eine Zeit lang bedient er den Kabelauslöser mit dem Mund. Im selben Jahr erscheinen seine Fotos in Live, einem Magazin, das das 20. Jahrhundert durch Fotoreportagen über Kriege, Politik, Kultur und Gesellschaft geprägt hat.

Spätestens jetzt weiß die ganze Welt von einer der schwersten, durch Menschen verursachten Umweltkatastrophen der Geschichte. 1975 folgt das Buch Minamata, das Gene gemeinsam mit Aileen schreibt. Es soll seine letzte große Fotoreportage sein. Gene stirbt 1978 im Alter von 59 Jahren. Seine Gesundheit hat sich nach dem Angriff nie mehr richtig erholt.

Und die Bucht? Das Quecksilber verschwindet natürlich nicht von selbst. Es liegt im Schlamm, am Meeresboden und jeder Sturm, jede Gezeit und jeder Bootsanker kann es aufwirbeln und zurück ins Wasser bringen. Ab Ende der 1970er Jahre startet Japan eines der größten Umweltsanierungsprojekte seiner Geschichte.

Arbeiter baggern etwa 1,5 Millionen Kubikmeter belasteten Schlamm aus. Der wird vor Ort zwischen sauberem Boden und Barrieren eingeschlossen und so entstehen rund 58 Hektar neues Land, genau dort, wo das Wasser am stärksten verseucht war. Perfekt ist das nicht, denn das Quecksilber ist weiter da, nur eingeschlossen.

Aber es gilt als eine der besten Möglichkeiten, die Menschen vor weiterer Belastung zu schützen. 1997 gilt das Wasser wieder als unbedenklich. 1995 stimmt die Regierung einer politischen Einigung zu. Nicht anerkannte Opfer bekommen Einmalzahlungen, medizinische Kosten und weitere Gesundheitsleistungen, aber nur, wenn sie auf weitere rechtliche Ansprüche verzichten.

Das kommt einem mittlerweile bekannt vor. Die meisten Gruppen sind nach Jahrzehnten erschöpft und nehmen diesen Vorschlag an. Nur eine kleinere Gruppe aus der Kansai-Region lehnt ab, weil sie die Regierung sonst aus der Verantwortung entlassen würde. Sie klagt weiter, 15 Jahre lang. 2010 stimmt die Regierung einem neuen Programm zu. Einmalzahlungen und monatliche Zuschüsse zu den medizinischen Kosten für rund 2000 bis dahin nicht anerkannte Opfer.

Die Chisoo Corporation muss sich an der Finanzierung beteiligen. Trotzdem bleiben viele außen vor. Forschende der Universität Kumamoto weisen darauf hin, dass es rund um das Shiranui mehr Zehntausende Betroffene geben könnte, weit mehr als in allen offiziellen Zahlen. Viele haben nie einen Antrag gestellt. Sie wussten nicht, dass sie Anspruch hatten, hatten Angst vor Stigmatisierung oder kamen eben nicht mit dem Verfahren zurecht.

Doch wie leben die Betroffenen heute? Die Symptome sind von Mensch zu Mensch verschieden, vieles ist aber ähnlich. Taubheitsgefühle und Kribbeln in Händen und Füßen gehen nicht mehr weg. Feine Bewegungen fallen schwer, ein Hemd zu knöpfen, Essstäbchen halten, einen Brief schreiben. Das Gleichgewicht ist gestört, man stürzt leichter, viele sind dauerhaft erschöpft.

Bei manchen verengt sich das Gesichtsfeld auf einen kleinen Kreis, umgeben von Dunkelheit. Andere hören schlecht oder sprechen undeutlich. Bei vielen kommen Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme dazu. Wer schon im Mutterleib vergiftet wurde, hat oft schwerere Schäden. Viele kamen mit Symptomen auch zur Welt, die einer Cerebralparese ähneln und brauchen seit der Kindheit ständig Betreuung.

Also das können Spastiken sein, das können geistige Behinderungen sein und Entwicklungsverzögerungen. Diese Menschen sind heute in ihren 60ern und 70ern. Gepflegt werden sie oft von ihren Eltern, die inzwischen in den 90ern sind, oder von Geschwistern, die jahrzehntelang versucht haben, ihr eigenes Leben mit diesem großen Schicksal zu vereinbaren.

Auch die Stigmatisierung ist nie ganz verschwunden. Manche Familien verbergen ihre Verbindung zur Krankheit aus Angst vor Nachteilen bei der Arbeit oder bei der Heirat. 1978 gründet die Regierung das Nationale Institut für Minamata-Krankheit. 1988 eröffnet die Patientenorganisation Soshisha ein eigenes Museum, in dem die Betroffenen ihre Geschichte erzählen.

Minamata will heute eine ökologische Modellstadt sein, mit Recycling, Ökotourismus und nachhaltiger Entwicklung. Das steht in einem schwierigen Verhältnis zu den Patientinnen, die finden, ihr Leid sei noch immer nicht vollständig anerkannt. Im Oktober 2013 kommen VertreterInnen aus mehr als 100 Ländern in der Präfektur Kumamoto zusammen und verabschieden das Minamata-Übereinkommen über Quecksilber.

Betroffene sind bei der Zeremonie dabei. Das Abkommen begrenzt Emissionen aus Industrieanlagen, sieht den schrittweisen Ausstieg aus quecksilberhaltigen Produkten vor und regelt den Umgang mit kontaminierten Standorten. Bis 2024 haben mehr als 145 Länder es ratifiziert. Die größte Quelle der Quecksilberverschmutzung ist heute der kleine Goldbergbau, vor allem in Entwicklungsländern.

Die Bergleute nutzen Quecksilber, um Gold aus dem Erz zu lösen, weil es billig ist. Im Amazonasgebiet, in Teilen Afrikas, südlich der Sahara und am Fluss Atrato in Kolumbien ist es dokumentiert. Die Menschen dort berichten von neurologischen Symptomen, die jedem bekannt vorkommen, der die Geschichte von Minamata kennt.

Das war der heutige Foodcrime. Mehr als drei Jahrzehnte lang unternehmen weder die Regierung noch die Chiso Corporation nennenswerte Anstrengungen, um die Verschmutzung und Vergiftung des Wassers zu verhindern. Und so kommt es, dass tausende Menschen über Jahrzehnte hinweg vergifteten Fisch und vergiftete Meeresfrüchte essen und entweder selbst erkranken oder unbewusst ihre noch nicht geborenen Kinder vergiften.

Schätzungen zufolge sind circa 3000 Menschen gestorben. Dass die Welt davon erfahren hat, ist unter anderem dem Fotografen W. Eugene Smith zu verdanken, der drei Jahre lang in Minamata gelebt hat. Und auch Barack Obama erwähnt in seiner Autobiografie, dass ihn als Kind ein Foto im Magazine Live tief bewegt hat.

Das Foto einer Frau, die ihr behindertes Kind baden möchte. Als Obama Präsident der Vereinigten Staaten wird, setzt er sich stark dafür ein, die Bemühungen um ein internationales Abkommen zur Eindämmung der Quecksilberverwendung voranzubringen. Aileen ist überzeugt, dass das Foto, an das Obama sich erinnert, Jeans Aufnahme von Tomoko gewesen sein muss.

Das, was nicht mehr verbreitet werden soll. Genau, ich habe ja gesagt, dass ich das jetzt hier aus Pietätsgründen nicht zeige. Ich verlinke euch auf der Website aber eine Seite, auf der ihr euch mehrere Fotos von Jeans anschauen könnt. Sie sind auf der Website vom Eileen Archive zu sehen, was die Urheberrechte an der Fotoreportage Minamata verwaltet. Und auf den Fotos kriegt man auf jeden Fall einen sehr guten Eindruck von der Situation in Minamata.

Und ich habe auch noch zwei Medientipps. Es gibt einen sehr bekannten Dokumentarfilm, der heißt Minamata, The Victims and Their World von Noriyaki Tsushimoto aus dem Jahr 1971. Und natürlich gibt es auch einen Spielfilm, Dieser heißt Minamata, er ist von 2020 und dort spielt Johnny Depp, den Fotografen W. Eugene Smith.

Ich habe beide Filme noch nicht geguckt. Ich muss auch sagen, mir fällt das manchmal schwer, nachdem ich mich dann so intensiv mit Fällen auseinandergesetzt habe, die Spielfilme dazu zu gucken, weil die ja dann doch immer noch, also zumindest ist das immer mein Eindruck, irgendwie romantisiert werden und, irgendwie irgendwas sträubt sich in mir immer dagegen.

Aber falls ihr euch den anschauen wollt, ich schreibe euch alles auf die Website dann könnt ihr das tun und ihr könnt auch gerne schreiben, wenn ihr den Film geguckt habt und wie ihr ihn fandet, vielleicht schaue ich ihn mir ja dann doch noch an. Ja, danke. Krasser Fall. Wie immer, nichts davon gehört. Und die Fabrik gibt es heute immer noch?

Die Chisso Corporation gibt es immer noch. Die wurde 2012 zwar umbenannt in JNC, also Japan New Chisso. Es ist immer noch ein großer Konzern. Heutzutage ist es ein bedeutender Hersteller von Flüssigkristallen für LCD-Bildschirme und die gehören zu einem großen Unternehmensverbund und mussten sich also infolge von dem, was passiert ist, nicht auflösen.

Und auch die Fabrik, der Standort, der existiert noch? Ja, auch den Sitz in Minamata gibt es noch. Die Headquarters befinden sich sogar nach wie vor in der Stadt. Crazy. Ja. Also nicht nur, dass das passiert ist und über welchen Zeitraum hinweg das passiert ist, das kann man sich, finde ich, schon kaum vorstellen.

Ich finde vor allen Dingen auch krass, wie häufig sie versucht haben, einfach mit Geld die Leute irgendwie zu besänftigen, wie sie versucht haben, das alles zu vertuschen, dass teilweise die Regierung ja auch mitgemacht hat und dass dafür irgendwie einfach keine Konsequenzen gezogen wurden, sondern dass am Ende alles über Geld geregelt wurde.

Es ist wirklich schrecklich, wie lange das von der Fabrik durchgezogen wurde. Auch, was mir gerade einfällt, die Leute, die in der Fabrik gearbeitet haben oder die dafür verantwortlich waren, die werden doch auch irgendwie in der Gegend gewohnt haben. Also du bist doch davon dann selber betroffen ein Stück weit.

Das finde ich so krass, dass du deinen eigenen Vorgarten vergiftest. Ja, es ist hundertprozentig so. Es gibt einfach so viele Momente, in denen man den Kopf schütteln möchte, weil das eigentlich nicht vorstellbar ist, was da passiert ist, aber es ist eben passiert und so viele Leute sind gestorben. Also.

Ja, das ist der Minamata-Unfall, von dem ich vorher auch noch nie was gehört hatte und in den ich mich jetzt aber reingegraben habe. Ja, vielen, vielen Dank. Sehr gerne. Du weißt, was jetzt kommt, Flo, oder ihr alle wisst, was jetzt kommt. Wir kommen zum persönlichen Foodcrime der Woche, der diese Woche von wem kommt?

Von Nico. Nico hat uns eine Sprachnachricht geschickt. Danke, Nico. Und ich würde sagen, da hören wir doch mal rein. Hallo ihr beiden. Ich muss auch mal meinen persönlichen Foodcrime, den ich dieses Wochenende mal wieder ins Gedächtnis gerufen bekommen habe, mit euch teilen. Und zwar war ich auf einem Streetfood-Festival und da bin ich wieder an einem Stand vorbeigekommen, der den sogenannten Drachenatem verkauft.

Und als ich das wieder gesehen habe, dachte ich mir wieder, das muss ich auf jeden Fall nochmal mit euch teilen, wie das dann sein kann, dass so 30 Gramm oder 50 Gramm gepuffter Mais mit ein bisschen Stickstoff übergossen wird und das dann für 8 Euro verkauft wird. Schön die Zielgruppe Kinder ansprechen, damit da schön das Geld fließt und.

Dieser sinnlose Atem, der dann rauskommt, der gegebenenfalls auch noch gesundheitsschädlich sein kann, schön an Kinder vermarktet wird. Das ist für mich ein absoluter Foodcrime. Viele Grüße, Nico. Drachenatem, ist das, glaube ich, was Nico hier beschreibt, habe ich noch nie gehört. Ich auch nicht. Ich habe erst gedacht, das muss irgendwas Scharfes sein.

Also dass man so was Scharfes ist, dass man danach Feuer speien muss. Dann hat er ja gesagt, dass das irgendwas ist, was Kinder zu sich nehmen, also gepuffter irgendwas. Ich habe das jetzt gerade mal gegoogelt. Das sind so gepuffte Bällchen, die bunt sind und wenn man die dann verzehrt hat, kommt anscheinend irgendwie Rauch aus dem Mund. Also so sieht das jetzt zumindest aus. Das klingt auf jeden Fall fragwürdig.

Das klingt wirklich fragwürdig. sehr gefährlicher Food-Trend. Drachenatem soll verboten werden. Das ist ja meine, ja, wenn du da Stickstoff im Mund hast, ich meine auch, wenn das dann sofort verpufft, also die Frage, also ich muss ganz ehrlich sagen, Nico, ich würde da eher gerade drauf gehen und fragen, wie sowas überhaupt verkauft werden darf an Kinder, als dass jetzt das Geld hier eine Rolle spielt, weil das auf so Jahrmärkten, dass man da jetzt keinen Schnapper macht, das, würde ich mal sagen, ist mal dahingestellt, dafür, dass man Kindern einfach flüssigen Stickstoff verkauft.

Den man dann essen kann. Das ist für dich fraglicher noch als das Geld. Das ist ja wirklich... Also, du merkst, wir sind beide ein bisschen fassungslos. Ja, Drachenatem. Und kennen das Produkt nicht. Aber das, was uns da gerade das Internet rausgespuckt hat, sieht auf jeden Fall fragwürdig aus. Es hat sich fragwürdig an. Und ich glaube, wir müssen auch nicht mehr wissen als das und sagen, das gehört verboten. Das ist ein Punkt.

Punkt, ja. Verurteilt. Ich finde, Stickstoff gehört nicht in den Mund. Wir haben ja schon mal drüber gesprochen. Und irgendwann, zum Kult gibt es das nicht mehr so. So diesen Trend, wo man dann irgendwie so mit Trockeneis und dann dieser wabernde, Sushi-Teller mit irgendwie so wabernden Nebeln und so weiter.

Das ist ja völliger Schwachsinn. Das gehört ja verboten. Genauso verboten gehört es, dass man Kindern Puffreis gefüllt mit Stickstoff gibt. Also wer dafür dann auch noch 8 Euro zahlt, schrecklich, schrecklich. Also Nico, danke für diesen Hinweis zum Drachenatem. Foodcrime zu 100 Prozent. Ja, Stempel drauf.

So, Akte wird geschlossen. Wir hören uns am Wochenende wieder, wenn wieder eine gemischte Platte auf eure Ohren tönt und es dann auch wieder heißt, das ist die gemischte Platte, das ist der perfekte Tag. Ich weiß, ihr habt es vermisst, ich auch. Es gibt Leute, die das vermisst haben. Die Gesangsstimme ist mir dann auch enthanden gekommen.

Aber sie ist wieder zurück. Abhanden ist auch gut. Die Gesangsstimme ist wieder abhanden gekommen. Aber sie ist jetzt wieder zurück. Okay, ich glaube, das ist jetzt unser Stichwort. Wir hören auf und wir hören uns am Samstag und sagen GLG. Ganz liebe Grüße heute mal. Tschüss. Nach einer Sitzblockade vor den Werkstoren. Toren. Toren.

Das ergibt, ne? Schisso? Erwachsene? Schisso. Und Schisso? Du bist so ein Schisso. Stimmt zu. Das ist nach der Folge auf jeden Fall eine heftige Beleidigung. Also pass auf, was du zu mir sagst, Kollege. Ja, ja, ja. Ich muss ganz kurz meinen Laptop noch anschließen. Ich habe das Kabel dran zu machen. Oh, das wäre schlecht, wenn du jetzt hier sonst abbrechen würdest.

Au! Oh nein. Oh Gott, das hat ja richtig gescheppert. Warte mal, das muss ich mal eben noch gucken. Mach das mal, dann gehe ich mich mal ganz kurz auf die Seite.

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