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Shownotes
Einmal den höchsten Berg der Welt sehen! Das ist Sunitas großer Traum. 10 Tage soll sie im Frühjahr 2018 zu Fuß unterwegs sein, um dann einen atemberaubenden Blick auf den Mount Everest zu erhalten. Nur: Dazu wird es nie kommen. Denn schon kurz nachdem der Aufstieg beginnt, fühlt sich Sunita unwohl. Es sind die klassischen Symptome der Höhenkrankheit: Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit. Ihr Guide ist sofort zur Stelle: Das ist doch gar kein Problem, wir können einfach einen Helikopter rufen und der bringt dich sicher zurück ins Tal. Sunita stimmt zu, und nur kurze Zeit später, liegt sie im Krankenhaus. Sie überlebt den Schock, aber nach und nach stellt sich heraus: Sie ist Teil eines Betrugssystems, das über mehrere Jahre 20 Mio. Dollar abgeschöpft haben soll – und bei dem unzählige Menschen gezielt vergiftet wurden sollen.
Den ganzen Bericht von AFP findet ihr hier: correspondent.afp.com/scam-roof-world
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Einmal den höchsten Berg der Welt sehen. Das ist Sunitas großer Traum, der in Erfüllung geht, als sie im Frühjahr 2018 nach Nepal aufbricht. Zehn Tage wird sie unterwegs sein, um dann einen atemberaubenden Blick auf den Mount Everest zu erhalten. Nur dazu wird es nie kommen. Denn schon kurz nachdem der Aufstieg beginnt, fühlt sich Sunita unwohl.
Es sind die klassischen Symptome der Höhenkrankheit. Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit. Ein Weiterlaufen ist in diesem Moment quasi unmöglich und kann tödlich enden. Ihr Guide ist sofort zur Stelle. Das ist doch gar kein Problem. Wir können einfach einen Helikopter rufen und der bringt dich sicher zurück ins Tal, sagt er.
Sunita stimmt zu und nur kurze Zeit später liegt sie im Krankenhaus. Sie überlebt den Schock, aber nach und nach stellt sich heraus, sie ist Teil eines Betrugssystems geworden, das über mehrere Jahre 20 Millionen Dollar abgeschöpft haben soll und bei dem unzählige Menschen gezielt vergiftet wurden sollen.
Das ist Foodcrimes. Was schmeckt dahinter? Mit Lili Temme und Florian Reza. Florian. Das klingt ja total spooky. Es ist auch spooky und es ist wirklich, es ist eine wilde Geschichte, ein wilder Ritt auf den höchsten Berg der Welt. Auf den wir beide wahrscheinlich niemals kommen werden. Nee, und ich glaube auch, wir werden heute herausfinden, warum.
Also es hat, glaube ich, unterschiedliche Gründe, warum wir da nie drauf kommen werden. Hat der Mount Everest für dich eine Faszination? Ja, also der hat für mich auf jeden Fall eine Faszination, weil ich schon unzählige Dokus geguckt habe und ich auch den Film Everest geguckt habe, den Spielfilm, der aber, glaube ich, auf wahren Begebenheiten beruht.
Wir beide teilen ja die Liebe zu Google-Bewertungen. Es gibt fantastische, also ich finde sie fantastisch, ich finde das sehr lustig, das ist meine Art von Humor, sehr lustige Google-Bewertungen zu Mount Everest im Sinne von, scheiße, kalt da oben, da gibt es überhaupt kein richtiges Restaurant und so.
Also ja, es gibt eine Faszination. Ich finde aber diesen Tourismus, den es gibt, der außerhalb der ja wirklich vorbereiteten Hiking-Community stattfindet, also im Sinne von wirklich unvorbereitete Leute zahlen viel Geld dafür, dass sie da hoch können, den finde ich wirklich kritikwürdig und das ist nichts für mich, nee.
Ja, auf den werden wir heute natürlich noch zu sprechen kommen. Ja, ich bin gespannt, ob die Hauptfigur... Genau, in dieser Welt bewegen wir uns. Ja. Aber nehmen wir mal an, du unternimmst jetzt eine Reise zum Mount Everest. Was würdest du denn da essen? Wovon würdest du dich ernähren wollen auf dem Berg?
Wollen oder müssen? Also für mich... Du wirst ja jetzt natürlich nicht irgendwie Spargelcreme-Süppchen mit Champagner essen. Sondern schon realistisch, was du da oben essen wirst. Ja, realistisch würde ich da wahrscheinlich irgendwie so Astronautennahrung mitnehmen. Und Sachen, die wenig wiegen und viel Kalorien haben und mich schnell satt machen.
So, das würde ich da essen. Wie hoch ist denn der Mount Everest? Oh, das ist über 8000 Meter. Weißt du es genau? 8,4. Nee? Nee. Sag. Okay. 8.848 Meter und 46 Zentimeter. Das ist ein kleiner Funfact, den ich bei der Recherche herausgefunden habe, dass der Mount Everest 2020 neu vermessen wurde und dabei festgestellt wurde, dass der Berg gewachsen ist und zwar um 46 Zentimeter.
Das passiert ja weiterhin dadurch, dass die indische Platte sich auf die eurasische Erdplatte schiebt. Und dadurch wächst der Mont Everest tatsächlich immer weiter an. Also es wird von Jahr zu Jahr schwerer, dort hochzukommen. Dieser Fakt hat dich gerade überhaupt nicht begeistert, ne? Also du hast das so dermaßen unemotional einfach weggeatmet.
Ja, die paar Zentimeter, mein Gott. Okay. Sorry, ich bin wahrscheinlich, heute ist es spät, ich bin glaube ich mit, heute bin ich mit allen Wassern gewaschen. Da musste schon mit was krasserem um die Ecke kommen. Tut mir leid, aber klar, einen halben Meter pro Jahr wachsen ist natürlich jetzt auch nicht. Nee, nicht pro Jahr.
Einfach insgesamt ist der Berg ein bisschen gewachsen. Ja gut, war unspektakulär der Fakt, aber ich habe ein bisschen darauf gesetzt, dass du die Höhe kennst, also die alte Höhe von 8.848 Metern. Und dann wollte ich kommen mit aber 46 Zentimeter. Wir verzetteln uns. Komm, wir kommen zum Fall, der wirklich sehr spektakulär ist und sehr viele Ebenen hat, die wir heute hier auseinanderdröseln.
Wir haben sonst immer viele Fotos, die ihr bei Instagram sehen könnt. Heute eher wenig. Das hat Gründe. Ein paar habe ich, aber ich versuche heute, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. So wie wenn man an Höhenkrankheit leidet, da kriegt man auch manchmal Halluzinationen und muss sich Bilder im Kopf. Ich habe ja mal eine Alpenüberquerung gemacht und einer aus der Gruppe wurde höhenkrank. Das ist wirklich nicht ohne.
Und ich glaube nicht, dass das das Höhenkrank war, was man bekommt, wenn man den Mount Everest erklimmt, aber so eine Vorstufe davon und dann bist du da oben und bist richtig am Leiden, also das ist wirklich nicht ohne, Es gibt ja nicht direkt das schnelle Gegenmittel dagegen, aber wir kommen später noch dazu, was die Höhenkrankheit ist und wie sie sich auswirkt, aber ich würde sagen, wir reisen jetzt erstmal nach Nepal.
Für viele Menschen ist Nepal und das Himalaya das ultimative Reiseziel. Die majestätischen Berge, die kristallklare Sicht und das Gefühl, buchstäblich auf dem Dach der Welt zu stehen, zieht jedes Jahr Tausende von Menschen an. Manche sagen, ein paar Tausende zu viel. Denn der Mount Everest und das damit verbundene Basislager sind seit der Erstbesteigung vor gut 70 Jahren zu einem Massentourismus-Hotspot geworden.
Spätestens seit den 90ern, als kommerzielle Touren auf den Markt kamen, ist der Tourismus auf und um den höchsten Berg der Welt ein bedeutender Wirtschaftszweig geworden. Fast 400 lokale Kletterunternehmen haben heute eine offizielle Genehmigung, Aufstiege und Touren am Mount Everest anzubieten. Denn die meisten Menschen klettern natürlich nicht bis auf 8.848 Meter und 46 Zentimeter.
Sie bleiben im Basislager. Das Basislager liegt auf einer Höhe von 5.364 Metern. Wer sich dort einen romantischen Ort zum Zeltaufschlagen vorstellt, wo man in Ruhe auf den Aufstieg wartet, der liegt falsch. Denn das Basislager ist eine kleine Stadt, die sich quasi zu jeder Saison neu von Null aufbaut.
Und von dem Basislager habe ich einmal ein Bild dabei, dass du so ein Gefühl dafür bekommst, wie es dort aussieht. Das war mir auch nicht so bewusst, wie riesig das eigentlich ist. Übrigens, ich habe ein Funfact, ich weiß nicht, ob du den auch gelesen hast bei deiner Recherche. Die norwegische Regierung hat Sherpas aus Nepal angeheuert und dafür bezahlt, dass die in den Bergen Norwegens Natursteintreppen und Wege bauen, weil die sich eben sehr gut mit schwer begehbaren Gebieten auskennen. Spannend.
Spannend. Wollte ich noch mal kurz hier reingeben, diesen kleinen Funfact. Oh, ja, also ich, das ist das Basislager, ja. Das ist das Basislager, ja. Das befindet sich auch schon über den Wolken. Man sieht, also da ist man auch schon relativ weit oben. Und das sieht eigentlich aus wie eine Landschaft, auf der man nicht leben sollte.
Es sieht aus wie eine menschenfeindliche Gegend. Also da ragen so Eiszapfen aus dem Boden, überall liegt Geröll. Ja, tausende Zelte liegen verteilt oder stehen verteilt rum. Rechts geht so sehr steil so eine kleine Schlucht hinab. Also mein lieber Scholli. Also die Landschaft zieht dich jetzt gar nicht an.
Also es macht nichts mit dir, dass du sagst, da muss ich unbedingt hin. Der Hintergrund sieht wahnsinnig schön aus. Also da die Gipfel, der Sonnenuntergang oder Aufgang, ich weiß jetzt nicht, was das ist. Das sieht natürlich wahnsinnig schön aus. Aber nee, also mich persönlich zieht es nicht ins Basislager des Mount Everest. Nee, da gehe ich lieber in die Dolomiten.
Schön auf der alte Badia. Gibt es auch tatsächlich besseres Essen? Zum Essen kommen wir gleich. Es gibt zwei Hauptsaisons am Mount Everest oder ich würde sagen generell im Himalaya. Einmal im Frühling von März bis Mai, wenn die Natur anfängt zu erblühen und die Bedingungen für die ganzen Rekordversuche am besten sind.
Auch Edmund Hillary und Tenzing Norgay standen zu dieser Zeit am 29. Mai 1953 zum ersten Mal auf dem Gipfel. Die zweite Saison ist dann im Herbst zwischen September und November nach der Monsoonzeit. Dann werden die Nächte zwar kälter, aber die Sicht noch klarer und beeindruckender. Auch Sunita, eine Studentin aus London, möchte im Frühjahr 2018 die nepalesischen Gipfel erleben.
Den Trubel im Basislager will sie sich aber nicht antun. Sie entscheidet sich für das Gorgio Valley, das etwa 15 Kilometer Luftlinie vom Everest-Basislager entfernt liegt. In nur zehn Tagen soll sie mit ihrer Gruppe auf 5357 Meter steigen und von dort einen unvergleichlichen Blick auf den höchsten Berg der Welt haben.
Und von diesem Blick habe ich auch nochmal ein Foto dabei. Der Mount Everest ist der linke von den drei in der Mitte. Ja, das sieht fantastisch schön aus. Also da muss ich mein gehässiges Gerede von eben wieder ein bisschen zurücknehmen. Ich rudere zurück. Ja, vorne einen toll türkisblauen See und dann eben wie Treppen, riesige Treppenstufen geht das dann hinten hoch bis zu Mount Everest.
Und das ist ein atemberaubender Blick. Jetzt kann ich verstehen, warum man dahin wandert. Ja, ne? Ja. Wenn du mal unten an den See ranzoomst, da sind Häuser. Dann siehst du auch einmal die Dimension, wie weit das alles dort ist, wie groß das alles dort ist. Ja, und an dem See, da wohnen da Leute? Ist das ein Dorf?
Naja, das ist so ein Endpunkt von Verwanderung. Also du kannst eben diesen Track machen und dann kommst du an diesem See unten raus. Da werden sicher auch Menschen wohnen, ich würde sagen saisonal. Das ist auf jeden Fall noch ein bisschen Zivilisation dort unten. So, Sunita möchte also diese Tour machen, möchte diesen Blick erleben und für die zehntägige Tour zahlt Sunita 950 Dollar, also umgerechnet gut 800 Euro. Das geht.
Genau, das geht. Damit liegt sie so im Mittelfeld dessen, was für Touren dieser Art aufgerufen wird. Es gibt auch schon Touren ab 700 Dollar, aber es gibt auch welche bis zu 1500 Dollar. Also es gibt auf jeden Fall eine Spanne. Ich werde heute vor allem die Dollarpreise immer nennen, weil das eigentlich überall die Währung ist bei diesen Touren.
Ihr könnt euch das so umrechnen, Euro ist ein bisschen weniger. Also bei 950 Dollar sind das dann 800 Euro ungefähr, also ist ein bisschen weniger. Die Preise übrigens, wenn man bis ganz hoch möchte zum Mount Everest, die sehen dann nochmal komplett anders aus. Also da sollte man dann mindestens, das wird jetzt auch ein Grund sein, warum wir dort oben auch nie ankommen werden, 40.000 Dollar einplanen.
Allein die Aufstiegsgenehmigung pro Person kostet 15.000 Dollar. Und dann weißt du ja noch nicht mehr, ob du es schaffst, ne? Nö. Wenn das Wetter scheiße ist, dann war es das, ne? Dann ist das Geld futsch. Wer es noch luxuriöser mag, und da sehe ich dich dann eher beim Glamping am Mount Everest. Bekommst du begehbare Zelte, echte Betten, unbegrenzten Strom und Yoga-Zelte.
Ja. Naja, ich meine, es kann natürlich sein, dass du da tagelang an diesem Basiscamp verharren musst, bis du weiterlaufen kannst. Ja, und dann gnade dir Gott, wenn du mal zwei Tage Camp Pilates machen kannst. Richtig. They better be prepared. Ja. Wie du mich hier darstellst. Leute, der Florian, der Scherz. Ich hoffe, das ist allen klar, die hier zuhören.
Aber ja, da ist man dann schnell bei 90 bis 100.000 Dollar für eine Tour. Das ist wirklich nur für eine kleine Gruppe der Menschheit möglich. Genau, aber Sunita, die bleibt bei den einfachen Menschen. Die bleibt bei ihrer Tour für knapp 100.000 Dollar. Und was da noch drauf kommt, ist der Preis fürs Essen. Das muss sie dann nämlich immer noch extra bezahlen.
Da der Appetit und die Vorlieben in der Höhe variieren, inkludieren die Anbieter das Essen meist nicht im Preis. Stattdessen zahlt man dann alles einzeln vor Ort. Es gibt Dahl, also einen lokalen Linseneintopf, der kostet etwa 4 bis 7 Dollar. Eier 2 bis 4, Toast 1,5 bis 3 Dollar. Dazu gibt es Hühnchen, Tee oder Kaffee.
Seit Monaten hat sich Sunita auf den Aufstieg gefreut. Bestlich des Mount Everest Base Camps im nepalesischen Dorf Namche bereitet sie sich auf die Tour vor. Doch schon am nächsten Tag, kurz nach Beginn des Aufstiegs, fühlt sich Sunita nicht gut. Sie ist erschöpft, hat Kopfschmerzen, ihr ist schwindelig.
Es scheint, als würde Sunita die Höhe nicht gut vertragen. Einer der Guides kommt zu ihr und beruhigt sie. Kein Problem, die Höhenkrankheit kann jeden treffen. Sie können jetzt einfach einen Helikopter rufen und der würde sie schnell zurück ins Tal und in ein Krankenhaus bringen. Außerdem, genau dafür hatte sie ja am Vortag noch die Versicherung abgeschlossen.
Die würde das eh vollständig bezahlen. Sunita stimmt zu und wenige Minuten später surrt der Hubschrauber über ihr. Sunita ist gerettet und Teil eines perfekt durchorchestrierten Betrugssystems. Okay, also das ist der Tag nach der ersten Etappe? Ja. Okay, und das hört sich gerade so an als ... Wäre die Etappe von den Guides so geplant, dass die halt nicht bis zum Ende stattfindet, sondern dass die die Leute vielleicht ein, zwei Etappen mitnehmen, dann werden die abtransportiert und die Leute bekommen ihr Geld und müssen halt nicht zehn Tage mit den Touris wandern.
Im Sinne von, okay, also hier buchen Leute jetzt diese Tour, wir werden diese Tour aber niemals mit denen zu Ende gehen, sondern wir werden dafür sorgen, dass die vorher höhenkrank werden, abtransportiert werden, wir das Geld trotzdem bekommen für die Tour und halt nach zwei, drei Tagen wieder zu Hause sind anstatt nach zehn.
Okay, das ist eine spannende Theorie. Also völlig Hanebüchen, ehrlich gesagt. Ja. Aber so hat das gerade für mich geklungen. Ja, wir kommen gleich dazu. Ich würde sagen, ich fasse noch einmal kurz zusammen, was die Höhenkrankheit ist, weil wir haben jetzt schon ein paar Mal so ein bisschen drüber gesprochen.
Es ist im Grunde das Resultat eines zu schnellen Aufstiegs und passiert meistens ab einer Höhe von 2500 Metern, wenn der Luftdruck und auch der Sauerstoffgehalt sinkt. Wenn der Körper mit der Anpassung nicht schnell genug hinterherkommt, dann führt das zu Sauerstoffmangel im Gewebe, daraus folgenden Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schlafstörungen und Kurzatmigkeit.
Was hilft, ist das Tempo zu drosseln, viel zu trinken und im Zweifel abzusteigen. Was ich spannend fand, ist, dass die Fitness tatsächlich keine Rolle spielt. Also du kannst Marathonläufer sein und trotzdem in großer Höhe Probleme bekommen, wenn du dem Körper keine Zeit zur Akklimatisierung gibst. Ja, voll. Das ist ja das Risiko, was man eingeht. Und das ist das Unberechenbare.
Du kannst fit wie ein Turnschuh sein und schon zehnmal hochgelaufen sein und beim elften Mal wirst du höhenkrank. Ich glaube, ich war erst einmal wirklich auf so einer Höhe über 2.500 oder 3.000 sogar. Ich glaube einmal in den Dolomiten, aber ansonsten, ich war noch nie wirklich auf 3.000, 4.000, 5.000 sowieso nicht, aber auf 3.000, 4.000 Metern war ich noch nie.
Und wenn du da warst, hast du aber keine Beschwerden gehabt? Ich kann mich schon daran erinnern, dass das damals in den Dolomiten, also auf dieser Höhe, dass ich es gemerkt habe. Dass die Luft dünn wird. Aber ich hatte jetzt keine Symptome, aber man merkt das natürlich, dass man schneller außer Atem ist.
Dass die Luft schneller wegbleibt. Ja, so ging es mir auch. Wir bewegen uns ja heute in Nepal und um diesen Fall auch noch etwas besser zu verstehen, müssen wir, glaube ich, noch ein bisschen in die Geschichte oder in das Land selber eintauchen. Nepal ist ein kleines Land mit großen Abhängigkeiten. Zwei Wirtschaftszweige tragen quasi das Land. Auf der einen Seite Männer, die im Nahen Osten unter oft unmenschlichen Bedingungen auf Infrastrukturbaustellen arbeiten.
Sie schicken das Geld nach Hause, das gut ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Danach kommt sofort der Tourismus. Seitdem Anfang der 90er die Bergsteiger Rob Hall und Gary Ball demonstrierten, dass es möglich ist, auch völlig unerfahrene Kletterer auf den Gipfel des Everest zu bringen, boomt die Branche.
Rob Hall ist übrigens der Bergsteiger, der die Expedition geleitet hat, die schiefgegangen ist, aus der dann später der Film Everest entstanden ist, den du gesehen hast. Der, Gott, jetzt darf ich nichts Falsches erzählen, bei dieser Expedition, der glaube ich auch gestorben ist. Spoiler. Anmerkung der Redaktion, das ist so korrekt. Als diese Branche also Fahrt aufnimmt, passt Nepal aber auch auf, dass die eigene Bevölkerung davon profitiert.
Internationale Firmen dürfen zwar Reisen nach Nepal anbieten, aber vor Ort müssen sie immer mit einem nepalesischen Unternehmen zusammenarbeiten. Die lokalen Partner holen dann die Genehmigung ein, organisieren die Logistik und stellen die Sherpas an. So war lange die Verteilung. Vor gut zehn Jahren aber beginnen immer mehr nepalesische Firmen komplette Touren anzubieten und sich nicht mehr auf die internationalen Unternehmen zu verlassen.
Ein Vorteil ist, dass sie mit lokalen Guides einfach bessere Preise anbieten können. Die Auswirkungen zeigen sich deutlich. Der Preis für eine Besteigung des Everest-Basis-Camps ist seit 20 Jahren quasi stabil. Der Aufstieg auf den Gipfel selbst hat sich sogar halbiert. Besonders bemerkenswert ist, dass die Preise auch nach dem verheerenden Erdbeben von 2015 gleichbleiben, als große Teile des Landes verwüstet sind.
Ab jetzt wird der Wettbewerb noch härter. Denn die Reiseunternehmen kämpfen um eine immer kleiner gewordene Gruppe an Touristen. Und auch wenn wir es nicht mit genauer Sicherheit sagen können, lässt sich vermuten, dass die große Betrugsmasche zu dieser Zeit beginnt. Aber um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, müssen wir einen Schritt zurückgehen.
In Nepal ist es im Geschäftsleben nichts Ungewöhnliches, dass Provisionen fließen. Die Gehälter sind niedrig und kleine Aufmerksamkeiten oder Schmiergelder gelten als selbstverständliche Einkommensaufbesserung. Ein Taxifahrer, der einen Touristen beim Hotel absetzt, bekommt eine kleine Zuwendung vom Hotel.
Eine Ärztin bessert ihr Gehalt auf, indem sie Blutproben an ein bestimmtes Privatlabor schickt. Und der Krankenwagenfahrer wird von dem Krankenhaus bezahlt, in dem er seinen Patienten abliefert. Hinzu kommt, in der Tourismusbranche in Nepal ist man, nett ausgedrückt, sehr eng vernetzt. Ein Bericht einer Journalistin der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge besitzt ein einziger Mann, ein Hubschrauberunternehmen, eine Chartergesellschaft, ist Gründungsmitglied eines zweiten Helikopterunternehmens, eines Krankenhauses für zwei Tracking-Unternehmen und ist Vorstandsvorsitzender einer Fluggesellschaft.
Was von außen also wie ein vielfältiger, wettbewerbsreicher Markt aussieht, ist in Wahrheit ein engmaschiges Netz aus miteinander verflochtenen Dienstleistern. Und als der Tourismus Mitte der 10er Jahre zu schwächeln beginnt, findet eine Gruppe gewiefter Akteure eine Möglichkeit, genau mit diesem Netz einen Extra-Dollar dazu zu verdienen.
Und das, ohne dass die Touristen irgendwas davon mitbekommen. Denn es gibt in diesem System einen Spieler, der diesem Betrug schutzlos ausgeliefert ist. Die Versicherungsunternehmen. Das Schema, mit dem abgecashed werden soll, ist simpel. Wenn es auf einer Tour einen medizinischen Notfall gibt, ruft der Guide einen Helikopter. Der Tourist wird ins Krankenhaus gebracht.
Danach reicht die Tracking-Firma einen Versicherungsantrag ein, bei dem man etwas übertreibt, was die Gefahren und den Aufwand angeht. Das extra Geld wird verteilt an den Guide, die Hubschrauberfirma, das Krankenhaus und die Firma, die offiziell die Kommunikation mit der Versicherung übernimmt. Für eine Versicherung, die aus Europa, Australien oder den USA operiert, Es ist schlicht unmöglich, Ereignisse zu überprüfen, die sich auf 5000 Metern Höhe in einem abgelegenen Himalaya-Tal zugetragen haben.
Sie müssen ihren Dienstleistern vertrauen. Es gibt nur ein kleines Problem. Wie kommt es zu dem medizinischen Notfall? Naja, da kann man ja ein bisschen nachhelfen. Okay, also ich habe verstanden, dass es sich um einen Versicherungsbetrug handelt. Ja. Können wir denn nochmal aufdröseln, wie der genau vonstatten geht?
Ja, also wer, wo, wann, wie Geld bekommt und wie das Geld dann abgeschöpft wird, das erzähle ich dir gleich. Wir gehen gleich nochmal ins Detail. Aber Fakt ist, jemand muss erstmal krank werden. Genau, also die werden jetzt nicht einfach so vom Berg runter geflogen, sondern es steht schon immer eine Erkrankung oder eine gefühlte Erkrankung im Vordergrund. Okay.
Hast du schon mal eigentlich so eine, ich nenne es mal exotische Tracking-Tour gemacht? Außer jetzt die Alpenüberquerung. Ja, die war ja jetzt nicht besonders exotisch, würde ich sagen. Nee, nee, eben. Nee, also so richtig ehrlich gesagt nicht. Die weitesten Länder, die ich bereist habe, waren Sri Lanka und Mexiko.
Und da habe ich mal so Eintagestouren zu Wasserfällen oder so gemacht. Oder nee, jetzt in Tansania war ich ja vor kurzem. Da haben wir auch nur so eine Eintagestour gemacht. Tatsächlich würde ich gerne so eine machen. Also man kann zum Beispiel so Walking Safaris machen. Das finde ich ganz cool. Aber bis jetzt habe ich es noch nicht gemacht. Okay.
Ja, ich habe vor, glaube ich, zehn Jahren in Guatemala mal so eine viertägige Tracking-Tour gemacht. Ich habe in der Vorbereitung nochmal überlegt, das Ganze zu rekonstruieren. Und ich glaube, die ging von Quetzal-Tenango zum Lago Atitlan. Also diesem wunderschönen See in Guatemala, der so in den Bergen drin liegt.
Und ich kann das so ein bisschen nachvollziehen, dass wenn man einfach auf dieser Tour ist. Also wir waren dann am zweiten und dritten Tag, nachdem wir da irgendwie mehrere Berge überquert haben, haben wir bei irgendeiner Familie zu Hause gepennt, einfach auf dem Steinboten dünne Matten ausgelegt. Ich habe noch nie so schlecht geschlafen. Also es war wirklich, es war nicht vergnügungssteuerpflichtig, wie man sagt.
Und ich kann das irgendwie nachvollziehen, dass wenn du da im Nichts bist, so niemand weiß, was da passiert. Niemand weiß, was da wirklich los ist. Was du da gegessen hast, was da irgendwie... Welche Krankheit dich da überfällt, sondern da bist du so, bist du auf den Guide angewiesen? Die einzige Person, die sich da noch auskennt. Ich hätte nicht gewusst, wie ich da irgendwie wieder wegkomme.
Genau, und diese Erfahrung, dieses Gefühl, das habe ich natürlich auch schon häufiger erlebt und gemacht, wenn man irgendwelche Touren bucht oder in Ländern ist, in denen man sich nicht auskennt, da legt man sein Vertrauen und sein Leben ganz häufig in die Hände anderer Menschen. Und das ist ja auch das Schöne, weil man auch vielen Menschen vertrauen kann.
Und wenn man eine Erfahrung macht, die positiv ist, ist das das kennen wahrscheinlich alle, so was. Warmes und Schönes, wenn man denkt, wow, ich habe hier einfach am anderen Ende der Welt dieses kleine Abenteuer erlebt mit einer Person, die ich vorher nicht kannte, die hat mir das, oder die hat das möglich gemacht, auch wenn man dafür Geld bezahlt hat und du bist einfach auf andere Menschen angewiesen, und ja, niemand von außen kann so richtig nachvollziehen, was da eigentlich gemacht wurde, ja.
Ja, und der war auch super nett, ne, und das war, wir waren nur zu viert oder so in der Gruppe, es war eine ganz kleine eine Gruppe, wo man dann zu so einem engen Kreis zusammenschweißt in dieser kurzen Zeit. Auch danach, sobald man wieder in der Zivilisation ist, geht jeder seiner Wege. Und es ist, als hätte man sich nie gekannt.
Aber wenn der jetzt gesagt hätte, wir müssen hier raus und wir müssen im Helikopter wegfliegen, dann, ja klar, machst du das dann. So, ich wollte ja noch ein bisschen erzählen, wie das ganze System jetzt vonstatten ging, beziehungsweise wie es eigentlich dazu kam, dass die Leute krank wurden. Petra Homens ist eine deutsche Wanderin auf dem Weg nach Nepal.
Bilder von ihr gibt es wie von Sunita keine. Und auch die Informationen zu Petra sind sehr spärlich. Warum nenne ich ihren Namen jetzt aber? Petra ist im Grunde das, was in der Welt der Betrüger das perfekte Opfer ist. Sie ist eine Reisende, die einfach eine schöne Wanderreise machen möchte. Sie wollte so nah wie möglich an den Mount Everest. Und klar, das Gelände ist anspruchsvoll, aber für regelmäßige Wanderer wie Petra eine machbare Herausforderung.
Und genau auf solche Menschen hat es das System abgesehen. Denn diese Menschen waren auch nicht immer perfekt darüber informiert, wie lange so eine Tour gehen sollte. Vor allem bei den günstigeren Reisen wurden die Reisepläne so zusammengestrichen, dass kaum Zeit blieb, sich in der ungewohnten Höhe zu akklimatisieren.
Dass eine oder sogar mehrere Personen an der Höhenkrankheit erkrankten oder sich einfach unwohl fühlten, wurde so wahrscheinlicher. Und wenn die Natur nicht schnell genug mitspielte, dann half man nach. Mit einem simplen Haushaltsmittel. Natron. Denn in größeren Mengen wirkt Natron im Körper relativ unangenehm.
Und hier wird es jetzt kurz explizit. Denn das Salz bindet Wasser im Darm. Um die hohe Salzkonzentrationen auszugleichen, zieht der Körper Wasser aus dem Gewebe in den Darmtrakt. Der Stuhl wird dadurch weicher und voluminöser, was einen Entleerungsreflex auslöst. If you know what I mean. Die Scheißerei geht los. Richtig.
Das Ergebnis sind Krämpfe, Durchfall und Erschöpfung. Symptome, die sie in großer Höhe von echter Höhenkrankheit kaum unterscheiden. Für die Guides ist es in diesem Moment leicht, die Erkrankten davon zu überzeugen, einen Helikopter zu rufen. Woher wissen wir das alles? Bereits im September 2018 veröffentlicht die französische Nachrichtenagentur AFP einen ausführlichen Bericht über die Betrugsfälle am Mount Everest.
Die Journalistin Annabelle Symington beschreibt nicht nur die Natronvergiftungen, Sie legt auch offen, wie die Versicherungen systematisch geschröpft werden. Denn werden mehrere Touristen gleichzeitig in einem einzigen Helikopter evakuiert, wird der Flug jeder Versicherung separat in Rechnung gestellt.
Und die Kosten etwas übertrieben. Eine Evakuierung kostet normalerweise rund 4000 Dollar. Das ist auch das, was so eine Versicherung meistens abdeckt. Abgerechnet werden aber auch gerne mal 12.000 Dollar. Annabelle Simington beschreibt auch, dass manche Guides Quoten erfüllen müssen, um Ihren Anteil zu bekommen.
Denn bis zu 500 Dollar Provision pro vermitteltem Notfall winken Ihnen. Bei einem Tagesverdienst von gut 22 Dollar am Tag ist das also fast ein Monatsgehalt. Klar ist aber auch, die Versicherungsunternehmen sind längst im Bilde darüber, was in den Bergen passiert. Firmen aus Australien, Neuseeland und Großbritannien stellen Nepal ein klares Ultimatum.
Wenn der Betrug nicht bis zum 1. September 2018 behoben ist, werden sie die Everest-Reisen nicht mehr versichern. Nepal, das so stark vom Tourismus abhängig ist, gibt nach. Im Juni 2018 wird eine offizielle Untersuchung eingeleitet. Der zuständige Ermittler Prakash Shama Dakal erklärt, man werde Maßnahmen gegen 15 Unternehmen vorschlagen.
Klingt schwammig? Ist es auch. Denn die nepalesische Regierung scheint wenig daran interessiert zu sein, das Problem wirklich anzugehen. Und so kommt es, wie es kommen muss. Der große Betrug geht weiter, professioneller als je zuvor. Das ist ja unglaublich. Also es ist bekannt und trotzdem wird es einfach weitergemacht.
Was ich mich gerade gefragt habe, nehmen die mit diesen fingierten Krankheitsflügen nicht Hubschrauber und Personal weg, was sich um wirklich erkrankte Menschen kümmern müssen? Da kommen wir noch dazu. Ja, da kommen wir noch dazu. Schon im Januar 2019 wird klar, der Betrug ist noch weitaus größer als bisher angenommen.
Und das Essen der Touristen soll nicht nur Natron, sondern auch rohes Hühnchen und Rattenkot gemischt worden sein. Darüber hinaus wird Wanderern geraten, das Medikament Diamox, das eigentlich vor der Höhenkrankheit schützen soll, mit viel Wasser einzunehmen. Die Folge sind genau die Symptome, die das Medikament verhindern soll.
Und auch in den Krankenhäusern geht das System nahtlos weiter. Ärzte erstellen gefälschte Krankenakten, verwenden alte Röntgenbilder anderer Patienten und ordnen unnötige Intensivbehandlung an. Alles, um die Versicherungssummen weiter in die Höhe zu treiben. Für viele der internationalen Guides vor Ort ist das System längst ein offenes Geheimnis. Nur dagegen etwas unternehmen können sie nicht.
Die Unternehmen werden von ganz oben gedeckt. Auch als es schwere Vorwürfe direkt aus dem nepalesischen Tourismusministerium gibt. Angestellte berichten der britischen Zeitung The Independent, dass die gefälschten Evakuierungen in einigen Fällen dazu geführt haben sollen, dass Menschen, die wirklich Hilfe brauchten, zu lange warten mussten und starben.
Ob sich diese Berichte belegen lassen? Nein. Denn wir stehen hier vor demselben Problem wie die Versicherungen. Was genau auf dem Berg passiert ist, wissen wir nicht. Was sich aber mit Sicherheit sagen lässt, in der Hochsaison gibt es teilweise bis zu 17 Helikopterflüge am Tag im Kumbu Valley. Das ist das Tal, das von Süden auf den Mount Everest und das Basecamp zuläuft.
Bei einem Tag mit, sagen wir mal, acht Stunden Licht ist das Einflug alle 30 Minuten. Also das ist wirklich absurd, finde ich. Ich habe irgendwo den Begriff Helikopter Highway gelesen, weil wenn du da in diesem Tal rundherunter läufst und da alle eine halbe Stunde ein Helikopter über dich herfliegt, das ist eine absurde Menge.
Absolut. Wenn die Fälle schon so lange bekannt waren und eigentlich auch bekannt war, dass das nicht aufhört, Gab es da nicht mal irgendwelche mutigen JournalistInnen, die gesagt haben, wir machen jetzt den Selbstversuch, wir melden uns jetzt auch da an und wir gucken, ob wir auch Opfer dieser Masche werden?
Ja, tatsächlich hat Annabelle Symington, das ist die Journalistin, die im September 2018 schon dazu geschrieben hat, in ihrem Beitrag, ich kann ihn auch gerne verlinken unter der Folge, es ist sehr lang und sehr ausführlich. Sie beschreibt, wie sie in, ich weiß nicht mehr genau, in welcher Stadt das war, ob das in Kathmandu war oder in einer anderen Stadt, selber auf die Suche geht, eine günstige Tour zu finden.
Und sie sagt im Grunde, ja, sie haben nicht so richtig viel Zeit, können wir irgendwie eine schnellere Tour machen oder gibt es eine günstigere Tour? Und sie bekommt die auch angeboten. Und im Grunde, und da wäre ich später nochmal darauf zurückgekommen, das ist wichtig, auch wenn ihr nach solchen Touren sucht, Akklimatisierung ist wichtig. Und wenn Anbieter diese Tage unterschlagen ...
Und einem günstiger anbieten, dann ist das eine Red Flag. Das sollte man nicht machen, weil das ist einfach ein essentieller Teil dieser Routen. Und wenn man dann denkt, 14 Tage und davon sitze ich nur sechs rum. Ja, weil ansonsten könnt ihr die anderen acht nicht machen. Das ist das, was sie als Selbstversuch macht, eine günstige Tour zu buchen.
Sie selber konzentriert sich in dem Artikel, aber eher darauf, Opfer zu finden oder mit Menschen zu sprechen, die das erlebt haben. Krass. Ich habe noch nie davon gehört. Das finde ich vor allen Dingen auch so erstaunlich. Und wahrscheinlich werde ich es gleich googeln und tausend Artikel und Headlines finden und mich fragen, ob ich unter einem Stein lebe.
Du wirst vor allem aus einem anderen Grund sehr viele Headlines, so habe ich das auch gefunden. Es gibt nämlich aktuelle Entwicklungen zu diesem Fall, aber da kommen wir gleich dazu. Viele Jahre läuft das System so weiter. Doch dann kommt der September 2025. Eine neue Generation hat genug. Genug von der Korruption, genug von der Arbeitslosigkeit, genug von leeren Versprechen.
Angeführt von der Generation Z kommt es in Nepal zu großen Protesten, die sich zuspitzen, eskalieren und auch gewaltsam werden. Und ich weiß nicht, ob du das noch im Kopf hast, was da letztes Jahr in Nepal los war. Ich habe einmal einen Beitrag vom Spiegel dabei mit Interviews, wo zwei Personen so ein bisschen ihre Motivation einmal in die Kamera sprechen.
Das würde ich dir gerne einmal zeigen. Dieses Land gehört uns, Generation Z. Alle Politiker sind geflohen. Diese Politiker sind korrupt und faul. Alles, was passiert ist, ist nicht wegen der Social-Media-Sperre passiert. Wir brauchen eine junge Führung. Wir wollen Veränderung. Die Zeit der alten Führung ist abgelaufen.
Wir brauchen sie nicht. Wir brauchen die Jugend. Hast du von den Protesten was mitbekommen? Ja, habe ich auf jeden Fall. Aber ich hätte dir jetzt nicht mehr im Detail sagen können, was da wann passiert ist. Also von dieser Social-Media-Sperre habe ich auf jeden Fall mitbekommen. Und die wurde ja dann so ein bisschen als Grund genannt, warum die Leute so auf die Barrikaden gegangen sind.
Aber das war ja eigentlich nicht der tieferlegende Grund. Genau, das war wahrscheinlich der berühmte Tropfen, der das fast zum Überlaufen gebracht hat. Und es ist wirklich, also auch in dem Spiegelbeitrag, es gibt auch noch so Bilder, es waren wirklich schlimme Szenen, die da passiert sind. Also die Proteste waren nicht friedlich, es sterben über 50 Menschen, Hunderte werden verletzt und nach Tagen der Proteste tritt dann der Premierminister zurück.
Die neue Interimsregierung unter Präsidentin Sushila Kagi setzt Korruptionsbekämpfung im Tourismus ganz oben auf die Agenda. Und als die Gruppe der Spakter Gen Z, auf Deutsch patriotische Gen Z, in offizielle Beschwerde beim Central Investigation Bureau einreicht und beantragt, die Akten zum Betrugssystem aus dem Jahr 2018 wieder zu öffnen, kommt wieder Bewegung in den Fall.
Vier Monate dauern die Ermittlungen an, doch dann erhöht im Januar 2026 ein 700-seitiger Bericht zum ersten Mal das ganze Ausmaß des Systems und die Personen, die dahinter stehen. Jetzt bin ich aber mal gespannt und vor allen Dingen würde mich interessieren, inwiefern die alte Regierung dann da mit drin hing.
Ja, das habe ich versucht so ein bisschen herauszufinden und zu recherchieren. Da kommen wir jetzt vielleicht nochmal an den Punkt, dass es irgendwie schwierig war, Bilder zu finden. Und zwar gibt es unter den Personen, die hinter diesem System stehen sollen, gibt es einen Namen, der exakt der gleiche ist wie der ehemalige Premierminister des Landes, der aber schon 2018 oder 2019, glaube ich, bei einem Helikopterflug ums Leben gekommen ist.
Das heißt, wenn man diese Person googelt, dann findet man nur den ehemaligen Premierminister. Ich weiß nicht, wie diese Person aussieht. Und so ging mir das in vielen Fällen, dass ich tatsächlich zu den angeblichen Personen, die dahinterstehen, keine Bilder finden konnte. Das heißt, es wird heute keine Bilder von diesen Personen geben.
Aber es ist ein kleines Land und es ist, wie ich ja schon beschrieben habe, auch ein sehr kleiner Zirkel an Leuten und Firmen, in denen man sich bewegt. Und es ist davon auszugehen, dass sie natürlich genügend Beziehungen hatten in politische Kreise, dass da nicht ermittelt wurde und dass es da keine Konsequenzen gab, bis es eben zu diesem Systemwechsel kam und diese Proteste im September 25 ausschlaggebend dafür waren, dass dieser ganze Fall, der wie gesagt schon acht Jahre oder sieben Jahre zu diesem Zeitpunkt bekannt war, nochmal aufgerollt wurde.
Im Januar 2026 verhaften die nepalesischen Behörden sechs zentrale Drahtzieher hinter dem weit angelegten Trackingbetrug. Die Ermittler des Central Investigation Bureau können beweisen, dass zwischen 2022 und 2025 fast 20 Millionen US-Dollar von internationalen Versicherungsgesellschaften erschwindelt wurden.
Von den knapp 4.800 internationalen Touristen, die in diesem Zeitraum in den beteiligten Krankenhäusern behandelt wurden, waren mindestens 300 gefälschte Notfälle. Bei den sechs verhafteten Personen bleibt es aber nicht. Im März 2026 werden offiziell 32 Personen angeklagt. Wegen organisierter Kriminalität, Betrug und Vergehen gegen den Staat.
Drei Unternehmen stehen im Mittelpunkt des Prozesses, die hunderte gefälschte Rettungen durchgeführt haben sollen. Auch die beteiligten Krankenhäuser spielen eine Schlüsselrolle. Das AERA International Hospital verzeichnet Einnahmen von über 15,8 Millionen Dollar aus diesen Fällen. Das Schreidi International Hospital kommt auf über 1,2 Millionen.
Die Beweise, die die Ermittler dem Gericht vorlegen, sind erdrückend. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen Touristen, die offiziell als kritisch krank gemeldet waren, wie sie zum Zeitpunkt ihrer angeblichen Behandlung entspannt Bier in einem Café trinken. Die Akten offenbaren weiter gefälschte Flugberichte, manipulierte Beladungslisten, medizinische Berichte mit digitalen Unterschriften von Ärzten, die die Patienten nie gesehen haben.
In einem Fall verwendet ein Krankenhausmitarbeiter sein eigenes ein Jahr altes Röntgenbild, um eine Behandlung für einen Touristen vorzutäuschen. Und dann ist da noch ein WhatsApp-Chat von Petra Homens. Sie beschwert sich bei ihrem Tracking-Anbieter, dass die Hubschrauber-Rettung zweimal abgebucht wurde.
Der Chef des Unternehmens räumt den Fehler ein und bietet ihr eine Rückerstattung an. Die Ermittler wetten das als Beleg für vorsätzliche Manipulationen. Von den 32 Angeklagten wurden übrigens bisher nur neun verhaftet und im Gericht in Kathmandu vorgeführt. Die restlichen 23 gelten als flüchtig. Das Verfahren läuft und das Gericht stuft den Fall als hochkarätiges Korruptionsverfahren ein.
Ein Urteil steht aktuell aber noch aus. Doch dass es überhaupt zu diesem Verfahren gekommen ist, ist für viele Menschen in Nepal, die sich eine Zukunft ohne Korruption wünschen, ein Riesenschritt nach vorne. Ja, voll, absolut. Und das ist voll interessant jetzt gewesen für mich zu hören, dass diese Proteste, die einem ja nur im Kopf bleiben mit diesen schrecklichen Bildern, das ist die wirklich positive Proteste.
Konsequenzen hatten. Ja, und auch die Tourismusbranche wieder so ein bisschen rehabilitieren, weil das ist mir auch nochmal wichtig, jetzt nach der Geschichte zu sagen, das ist kein Generalurteil. Ich habe ja gesagt, es gibt hunderte von Anbietern, die Touren anbieten und wenn ihr vorhabt, mal so eine Tour zum Everest Base Camp oder in der Region zu machen, dann, informiert euch ausführlich, lest Reiseberichte und bucht die Touren vielleicht nicht spontan vor Ort, weil das ist das, wie wir jetzt auch erfahren haben, wo man schnell auf besonders günstige Touren reinfallen kann, wo man Preise nicht so gut vergleichen kann, wo man auch vielleicht Reiserouten nicht so gut vergleichen kann.
Und das ist einfach eine Region und eine Gegend, wo man glaube ich jetzt nicht spontan mal sagen sollte, ah ja, ich mach mal hier, mach mal hier kurz einen Abstecher, sondern da sollte man sich vorbereiten. Aber Leute, die kurz spontan einen Abstecher in Simalaya machen, die sind vielleicht eh ein bisschen loko, oder?
Auf die Leute hat es das System natürlich so ein bisschen abgesehen. Keine Ahnung, so ein paar Backpacker, die in Indien waren, dann nochmal irgendwie eine Runde nach Kathmandu gedreht haben und sich dachten, ah geil, sollen wir vielleicht nochmal Basecamp machen? Yo, lass mal machen. 600 Dollar, chillig. Bei dieser Skrupellosigkeit kann man auch nur von Glück sprechen, dass die nicht zu härteren Mitteln gegriffen haben, was so Vergiftungen angeht.
Also wer weiß, wo das noch hingeführt hätte. Ja, das stimmt. Ja, das stimmt. Und ich finde es auch wichtig, dass du sagst, dass man jetzt nicht alle Reiseunternehmen in Nepal unter Generalverdacht stellt, weil du ja gesagt hattest, wie viele von den Menschen in den Krankenhäusern mutmaßlich Opfer dieser Betrugsmasche wurden.
Und das waren ja irgendwie 300 zu über 4000 kranken Menschen. Und es gibt auch offensichtlich noch Leute, die da lagen, weil sie wirklich krank waren und einen Grund hatten, da zu sein. Ja. Ja, und die 4800 sind nur die, die erkrankt sind. Also man kann sagen, dass wenn es 300 Notfälle oder gefälschte Notfälle gab, auf alle Touristen gerechnet, ist natürlich die Menge sehr klein.
Aber das Geld, was aus diesen wenigen Menschen rausgeholt wurde, ist absurd. Die Summen, die du genannt hast, sind wirklich sehr, sehr hoch. Aber das geht ja schnell. Das ist ja eh was im Gesundheitssystem. Ich bin ja großer Fan davon. Petition, dass wenn man gesetzlich versichert ist und zum Arzt geht, man nie weiß, was das eigentlich kostet.
Ich bin großer Fan davon, dass Leute immer mal so eine Rechnung bekommen, was das eigentlich kostet, weil das sind ja Beträge, die da ausgegeben werden, wenn man einfach mal so zum Arzt geht oder relative Routineuntersuchungen hat. Wie schnell das teuer wird. Und vor allem, wenn du in so einem Krankenhaus liegst und dann wirst du nochmal geröntgt und dann wirst du nochmal einen Tag länger dort behalten und dann dies, das, ananas, da kommt dann sehr schnell Geld zusammen.
Ja, das ist eine Seite der Medaille. Oder du wirst einfach auch total schnell wieder weggeschickt. Also ich finde, das Gesundheitssystem, das ist sehr facettenreich kompliziert und auch problematisch an manchen Ecken und Enden. Obwohl wir uns in Deutschland natürlich glücklich schätzen können mit unserem Gesundheitssystem auch. Es muss auch gesagt werden, aber ja.
Ich habe jetzt auch keine Namen der Firmen und Personen genannt, weil es, wie gesagt, noch offen ist. Das Urteil steht noch aus, es eh keine Bilder gibt. Weiß man denn, was denen droht? Also wie schwer der Betrug dann liegt? Nee, leider nicht. Deswegen, ich hoffe, es gibt bald ein Urteil, dass ich das nachreichen kann in der gemischten Platte. Und wir nochmal ein bisschen ausführlich darüber sprechen können, weil bis jetzt sind die Informationen, die ich habe, die es gibt.
Ja, tatsächlich eine meiner größten Quellen war die Kathmandu Post, die zu diesem Fall sehr viel und ausführlich recherchiert und immer noch berichtet und die neuesten Entwicklungen begleitet. Das heißt, die werde ich beobachten die nächsten Monate, um zu schauen, was da rauskommt. Okay, ja, dann bin ich gespannt auf das Urteil und danke dir für diesen Fall, der wirklich ein Ausmaß angenommen hat, was ich anfangs nicht für möglich gehalten habe.
Und die Geschichte ist wirklich skrupellos und irre. Skrupellos und sketchy und irre. Und wir waren nochmal in einer Region, die wir so noch nie hatten. Richtig. Was wir so auch noch nie hatten, war der nächste Foodcrime, den du uns jetzt mitteilst. Denn diese Woche bist du wieder dran, uns zu berichten, was dir so richtig auf den Senkel geht, kulinarisch, beziehungsweise was du vielleicht in der Community gelesen hast.
Ich schwanke. Ich glaube, ich werde den Community Foodcrime erst beim übernächsten Mal mit dir besprechen. Ich habe heute einen Crime, für den ich dich gerne anklagen möchte, Florian. Und zwar Höre mir gut zu. Ich bin gespannt, was du zu deiner Verteidigung zu sagen hast. Du hast mir die Pfundsmolkerei in Dresden vorenthalten.
Wir beide, wir waren jetzt schon zweimal zusammen in Dresden und ich habe von dieser Molkerei gehört, von diesem Milchladen, der mittlerweile ja ein Käseladen und ich weiß nicht, Weinladen ist und der komplett zugefließt ist mit tollen Willeroy und Boch Kacheln, der wunderschön aussieht und du hast mir ja deinen Dresden gezeigt und jetzt sehe ich den Laden und denke mir, Florian, wieso hast du mich denn da nicht hingebracht?
Ach, das ist doch mein Garten eben Käse und Wein. Hast du die 36 Hours in Dresden von den New York Times gelesen? Oder wie bist du da draufgekommen? Nee, privat. Privat. Ey, ganz ehrlich, ich war da noch nie drin. Das ist so ein Ding. Und ich weiß nicht, ob es das in Köln auch gibt. Aber es gibt so Touri-Dinge in manchen Städten, da geht man als Einheimischer irgendwie nicht rein.
Ja, aber trotzdem gehe ich ja in den Kölner Dom. Ja, das ist vielleicht was anderes. Aber die Funzmolkerei ist winzig. Da ist immer sau viel los. Da stehen immer irgendwie drei Reisebusse davor. Das ist so ein Ort, wo du dir denkst, boah, nee. Okay. Aber dann würde ich doch mal irgendeinen Donnerstagnachmittag abwarten, wenn die Touris aus der Stadt sind und es regnet. Und würde mir das doch da mal angucken.
Ich wohne seit 14 Jahren nicht mehr in dieser Stadt. Diese Molkerei gibt es seit 1879, mein Lieber. Ich weiß, aber als ich 16 war, war es nicht meine erste Priorität, mir einen Donnerstagnachmittag oder Vormittag freizunehmen, um mal in die Pfundsmolkerei zu fahren. Also ich höre deine Frustration und ich würde sagen, wir nehmen das für den nächsten Dresden-Aufenthalt auf die Liste.
Vielleicht auch, hey, liebe Pfundsmolkerei, wenn ihr mal einen Live-Podcast bei euch haben möchtet oder ihr gerne Werbung schalten wollt in diesem Podcast, meldet euch doch gerne. Wir kommen vorbei, wir verkosten eure Käse. Wir machen alles möglich, damit Lilly endlich mal in die Pfundsmolkerei kommt.
So, mehr wollte ich doch gar nicht. Also dein Foodcrime dieser Woche war, dass ich dir von diesem kulinarischen Ort noch nie etwas erzählt habe, beziehungsweise ihn dir vorenthalten habe. Okay. Fair enough. Richtig. Dann entschuldige ich mich hier aufrichtig. Welches Wort haben wir am, ich nehme die Entschuldigung sofort an.
Eine Fugordnungswidrigkeit. Welches Wort haben wir hier nochmal gelernt letzten Samstag bei der Gemischung? Richtig, vielleicht war es auch nur eine Ordnungswidrigkeit. Da lasse ich dann, winke ich nochmal ab mit meiner Kelle hier. Gibt es 50 Euro und zwei Sozialstunden. Wie wir diesen Podcast auch nennen. 50 Euro und zwei Sozialstunden.
So. Das war's für diese Woche. Das war ein schöner Foodcrime. Ich freue mich auf nächste Woche, auf deinen Fall. Und dann hören wir uns nächste Woche wieder. Salut, baba. Richtig, wenn es da wieder heißt Foodcrimes. Auf Wiedersehen. Liebe Grüße. Tschüss. Tschüss.