
Food Crimes - Was schmeckt dahinter?
Wer hat den Sohn des Fleischgroßhändlers entführt?
Dienstag, 3. Februar 2026 · 58 min
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Shownotes
Am 1. September 1993 wird der Anfang 30-jährige Achim Heftrich, Sohn eines Fleischgroßhändlers aus Dietzenbach, entführt. Seine Ehefrau beobachtet die Tat und ist die einzige Zeugin. Der junge Polizist Roland Fritsch übernimmt die Leitung der Sonderkommission – ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Denn obwohl die Familie gar nicht wohlhabend ist, fordern die Entführer 2 Millionen D-Mark Lösegeld. Nach sieben Tagen scheint der Albtraum beendet. Doch erst später wird klar: Dieser Fall ist noch lange nicht abgeschlossen. Und er wird weitere Opfer fordern.
Noch mehr Infos zum aktuellen Fall findet ihr auf Instagram unter @wasschmecktdahinter.
Die in dieser Folge geschilderten Informationen zum Entführungsopfer und seinen Gedanken basieren auf einer Podcastfolge von "Aktenzeichen XY… Unvergessene Verbrechen" vom 5.7.2023.
"Food Crimes - Was schmeckt dahinter?" wird produziert von Storyhouse Productions.
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Als Roland Fritsch am 1. September 1993 seinen Dienst auf der Polizeistation in Offenbach antritt, ahnt er noch nicht, dass dieser Tag sein Leben auf den Kopf stellen wird. Denn in Dietzenbach, im Landkreis Offenbach in Hessen, wurde der Anfang 30-jährige Sohn eines Fleischgroßhändlers entführt. Sein Name ist Achim Heftrich und die Ehefrau des Entführten hat alles beobachtet und ist die einzige Zeugin.
Der junge Polizist Roland Fritsch wird zum Leiter der Sonderkommission benannt. Das ist aufregend, denn mit Mitte 30 ist er noch ganz schön jung. Er und sein Team machen sich schnell an die Arbeit und merken, so richtig klar ist ihnen nicht, wieso der Sohn des Fleischgroßhändlers entführt wurde. Normalerweise werden Menschen entführt, deren Familien sehr viel Lösegeld zahlen können.
Das ist bei der Familie von Achim Heftrich aber gar nicht der Fall. Als die Entführer dann doch noch 2 Millionen D-Mark Lösegeld fordern, müssen sich Roland Fritsch und sein Team etwas überlegen Und es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn ein Menschenleben steht auf dem Spiel, Nach sieben Tagen sieht es erstmal so aus, als hätte der Albtraum ein Ende, Doch was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt, die Entführer von Achim Heftrich werden tatsächlich noch jemanden ermorden Und eine Catering-Firma wird noch eine Rolle spielen.
Aber auch das weiß im September 1993 noch niemand. Das ist Foodcrimes. Was schmeckt dahinter? Mit Florian Reza und Lili Temme. Hallo, hallo, hallo, hallo. Eine neue Folge Foodcrimes. Ich dachte, ich überlege mir mal was Neues für unser kleines Intro. Die Leute wissen ja mittlerweile, wie wir heißen. Sollte man meinen und hoffen. Wild.
Wir befinden uns heute mal wieder in Deutschland. Um genauer zu sein, in Hessen. Im schönen Hesse. Im Landkreis Offenbach. Warst du da schon mal? Es liegt südöstlich von Frankfurt am Main. Warst du in dieser Klinik schon mal? Nee, ich war bisher immer nur nördlich. Nördlich und westlich von Frankfurt.
Aber Offenbach noch nie. Wild. Ich auch nicht. Achso, weil ich gefragt hatte. Ja, weil du gefragt hast. Ganz spannendes Intro. weil ich finde, da steckt so viel drin. Es ist eine Entführung, aber irgendwie ja doch keine Entführung. Wieso ist es keine Entführung? Also es ist eine Entführung, aber du hast ja darauf hingewiesen, dass es irgendwie auch noch um was anderes gehen wird.
Also ich bin gespannt, welche verschiedenen Ebenen dieser Geschichte du heute entblättern wirst. Und ich habe, kann ich jetzt schon sagen, noch nichts davon gehört. Also da klingelt gar nichts. Da klingelt gar nichts. Ich gucke mal eben, ob das ein Tipp war oder ja. An der Stelle möchte ich mich bei Alex bedanken, der mir diesen Fall über Instagram geschickt hat.
Alex, schön, dass du unseren Podcast hörst und mir geschrieben hast. Wir haben in letzter Zeit viele Vorschläge. Und in der nächsten Zeit, ich habe auch noch einige Vorschläge von euch auf dem Zettel, die da wohl kommen werden. Das heißt, der Aufruf, bitte schickt uns die Geschichten weiterhin gerne privat, damit wir die nur einzeln bearbeiten.
Weil wir geben uns immer so leichte Stichworte, immer mal so vorab, so, keine Ahnung, jetzt in dem Fall hättest du, du hast mir gar nicht gesagt, worum es heute geht, aber du hättest jetzt wahrscheinlich gesagt, Offenbach-Entführung. Ja, genau. Sowas sagen wir uns immer in weiser Voraussicht für die nächsten Wochen, damit wir nicht Gefahr laufen, den gleichen Fall zu bearbeiten.
Aber Stand jetzt ist das noch nicht passiert. Nee. Ich finde es total cool, eure Nachrichten zu lesen und eure Vorschläge aufzuschreiben, zu notieren, weil wir ja auch ein bisschen Varianz hier in unsere Fälle reinbringen wollen und da hilft das manchmal, einen kleinen Tipp zu bekommen, um das ein bisschen breiter zu fächern hier, die Fälle. Also keep them coming.
Richtig, schreibt uns gern. Mir ist auch letztens eingefallen oder aufgefallen, dass wir noch nie was aus Südamerika besprochen haben. Ja. Afrika ist auch noch komplett leer. Ich suche ganz gezielt nach Fällen aus Südamerika. Falls ihr da irgendwas kennt oder mal was gehört habt, schreibt mir gerne. Ich jag das dann durch alle Übersetzermaschinen dieser Welt und...
Weil ich dann der Sprachen, die dort gesprochen werden, nicht mächtig bin. Ja, und des Deutschen scheinbar auch nicht, wie wir gerade gehört. Vorsichtig, mein Freund. Ja, ich würde sagen, wir starten auch gleich rein. Ich wollte nochmal Danke sagen, dass ihr uns so fleißig hört und weiß, dass die letzte Folge, die ich gemacht habe, also die, die ihr vor zwei Wochen gehört habt, etwas hart war.
Weil es sich auch ein paar gewünscht haben und jetzt wiederum haben auch ein paar geschrieben, dass es zu hart war. So ist das halt manchmal. Der Fall heute ist natürlich auch ein schwieriger und schlimmer Fall, weil es um eine Entführung geht und ein Menschenleben auf dem Spiel steht, aber ganz so grausam wie vor zwei Wochen wird es heute nicht.
Das kann ich versprechen. Ich weiß, dass diese Hinweise die ein oder andere Person manchmal nerven, aber wenn ihr diese Folge gerade hört, greift kurz zu eurem mobilen Endgerät, Leute. Bewertet diesen Podcast mit fünf Sternen und kommentiert die Folge. Damit helft ihr uns nämlich total, weil wir dadurch mehr gesehen werden und vor allen Dingen Leuten angezeigt werden, die uns vielleicht noch nicht kennen.
Und damit sich das ändert, brauchen wir euch. Und jetzt geht's aber los. Versprochen. Ich brauche dich heute auch, Flo. Hier und da. Ich werde dich heute diverse Male ansprechen. In diesem Fall. Denn ich brauche immer wieder deine Vorstellungskraft. Sehr gut. Wer beim Offenbacher Fleischgroßhändler Möhring einkauft, sucht vor allem seltenere Fleischsorten.
Im Angebot sind Strauß und Emu, die werden am meisten bestellt. Danach kommen Känguru und Krokodil. Außerdem verkauft Möhring auch Bison und inzwischen wieder häufiger Pferdefleisch. Flo, was davon hast du denn schon gegessen? Bison, Strauß, Pferd. Also doch drei von den Dingen, ja. Was hat dir davon besonders gut geschmeckt? Bison, also weil das ist einfach ein sehr, sehr intensives Rindfleisch. So schmeckt es zumindest.
Das war sehr lecker. Pferd, ehrlich gesagt, boah, nee. Da nochmal der Hinweis auf unsere, glaube ich, vierte oder fünfte Folge zum Pferdefleisch-Skandal. Da besprechen wir das ganze Thema nochmal ausführlich. Und Strauß, soweit ich weiß, ich habe das Gefühl, über dieses Restaurant haben wir auch schon einmal gesprochen.
Und zwar gab es in Dresden, ich weiß nicht, ob es das immer noch gibt, aber das Restaurant Mama Afrika. Also, schwieriger Name, aber da konnte man, ja, Fleischsorten aus der Gange. Exotisches Fleisch. Ja, exotisches, auch Krokodil und so. Ich glaube, das gab es in jeder Stadt einmal. Da war ich mal, ja. Ja, so ein Restaurant gab es auch mal in Köln.
Und da habe ich mal Krokodil gegessen. Das ist jetzt schon sehr lange her. Dieses Restaurant gibt es auch nicht mehr. Und ich glaube, aktuell reizt mich das auch gar nicht, Krokodil zu essen. Aber damals war das irgendwie mal kurz so ein Hype, dass man halt sowas mal probiert. Aber dann wüsstest du wenigstens, wo deine Handtasche herkommt.
I wish. Aber was heißt I wish? Für Handtaschen habe ich wirklich gar nichts übrig. Okay. Ach so, das ist das Problem. Ich glaube, eine Handtasche verhält sich wie ein Schuh. Passt immer. Im Gegensatz zu anderen Kleidungsstücken. Deswegen ist es schon irgendwie ein gutes Piece. Man kann damit natürlich auch Outfits aufwerten. Aber ich habe da überhaupt keinen...
Interesse dran. Ihr könnt mir natürlich trotzdem tolle Handtaschen schenken, wenn ihr möchtet. Flo, wir mutieren langsam zu so einem Podcast, der über andere Wege an Reichtum gelangen möchte. Das lassen wir. Das lassen wir aber mal sehr schnell wieder sein. Außer November ruft an und lädt uns zum Abendessen ein.
Richtig. Okay, also es ist jedenfalls so, dass der Chef in diesem Fleischgroßhandel der Vater von Achim Heftrich ist, also der Anfang-30-Jährige, der arbeitet auch in dem Betrieb. und am 1. September 1993, es ist ein Mittwoch, frühstückt Achim zusammen mit seiner Ehefrau und den gemeinsamen Kindern um 5 Uhr morgens.
Es ist der Hochzeitstag der beiden Eheleute und das wollen sie bei einem gemeinsamen Frühstück zusammen zelebrieren, bevor Achim zur Arbeit fährt und seine Frau zu Hause bleibt. Um 5.30 Uhr verabschiedet er sich von seiner Familie, schnappt sich seine Tasche und verlässt das Haus. Draußen ist es noch dunkel. Er geht zu seinem Auto und nimmt zwei Männer wahr, die am Zaun des Nachbarns stehen, aber er denkt sich nicht viel dabei, weil was soll schon passieren, Aber ehe er sich versieht, kommen die beiden Männer auf ihn zu, halten ihn fest, schlagen auf ihn ein und zerren ihn weg, Achim wehrt sich, ruft um sich, wodurch seine Frau ans Fenster kommt und mit ansieht, dass zwei Männer ihren Mann wegschleppen Seine Tasche bleibt auf der Straße zurück,
Während seine Frau gerade versucht zu verstehen, was da passiert, fragt sich Achim das Gleiche. Was um alles in der Welt soll das? Was wollen sie von ihm? Er ist weder prominent noch besonders reich. Es macht für ihn keinen Sinn, dass diese zwei Männer ihn gerade entführen. Aber trotzdem wird er auf die Ladefläche eines Autos gezerrt und muss sich beuchlings auf einen Schlafsack legen.
Einer der Männer macht den Schlafsack zu, während der andere auf ihm sitzt, um ihn zu fixieren. Er kann sich, gefangen in dem Schlafsack, nicht bewegen, nur sein Kopf schaut raus. Dann fährt das Auto los. Der eine Mann sitzt am Steuer, der andere bewacht ihn. Achim steht unter Strom. Er ist wirklich 0,0 auf so eine Situation vorbereitet.
Aber irgendwas muss er doch tun können. Und Flo, ich weiß, dass es sehr schwer ist, sich in die Lage von Achim hineinzuversetzen. Aber stell dir vor, du liegst da jetzt in einem Auto, in einem Schlafsack gefangen, kannst dich nicht bewegen. Was würdest du tun? Oder woran würdest du denken in so einer Situation?
Ich glaube, diesen Gedanken, den er da hat, so, hä, warum denn ich? Ich glaube, der wäre sehr präsent, auch bei mir. Den kann ich auf jeden Fall nachvollziehen, diesen Gedanken. Wurde ihm der Mund zugebunden? Wahrscheinlich nicht, hast du jetzt nicht gesagt. Dann würde ich schon mal fragen, was das soll.
Man wird keine Antwort bekommen, aber es ist trotzdem, also es kommt ja völlig aus dem Nichts. Vielleicht gibt es irgendeinen anderen Fleischhändler in der Gegend, von dem wir jetzt noch nichts wissen, der es irgendwie auf ihn abgesehen hat. Weil so auch in zwischen kleineren Geschäften kann es ja Beef geben.
Das müssen ja nicht immer die großen Multikonzerne sein, sondern möglicherweise gibt es dann da doch irgendwo im Landkreis jemand, der nicht so gut auf ihn zu sprechen ist, aber dann direkt eine Entführung anzuordnen. Boah. Und wenn du jetzt mal in Richtung Krimiserien und so denkst, es ist ja schon so, dass immer in Aussicht gestellt wird, dass die entführte Person irgendwann wieder freikommt, gegen ein Lösegeld.
Das heißt, die entführte Person ist ja dann in dem Nachgang auch Zeuge oder Zeugin. Unter dem Aspekt betrachtet, was könnte Achim jetzt in diesem Auto machen? Du fragst hier ganz kryptische Sachen, als möchtest du etwas von mir hören. Naja, ich würde mir wohl oder übel alles so gut wie möglich einprägen und merken.
Wenn ich in seiner Situation wäre, wüsste ich aber auch, dass ich leider ein Gehirn wie ein Sieb habe und viele Details wieder vergessen würde. Okay, ja, aber man kann ja nur hoffen, man muss ja vom Guten ausgehen und kann hoffen, dass man sich vielleicht dann doch nachher noch an Sachen erinnert. Also er sucht auf jeden Fall mit seinen Blicken nach irgendwelchen Anhaltspunkten, weil er ja auch überhaupt nicht weiß, wo die ihn jetzt hinbringen, guckt sich in der Umgebung um und versucht sich die Straßenlaternen, an denen sie vorbeifahren, zu merken.
Ah, die Augen sind auch nicht verbunden, stimmt. Bisschen dilettantisch, die Entführer, oder? Wer weiß. Nach einer gefühlten Ewigkeit halten sie an. Achim muss sich eine Stofftasche über den Kopf ziehen, damit er nichts mehr sieht. Dann wird er aus dem Auto gezerrt und ein Stück getragen und abgelegt.
Dann öffnen sie seinen Schlafsack und befehlen ihm, dass er nach vorne kriechen soll. Das macht er und dann hört er, wie hinter ihm eine Klappe zugemacht wird. Die Tasche darf er jetzt vom Kopf nehmen. Und als er wieder sehen kann, entdeckt er, dass er in einer Holzkiste liegt. Die Kiste ist circa drei Meter lang, ein Meter hoch und ein Meter breit.
Er ist gefangen. Irgendwo. Seine Armbanduhr haben sie ihm abgenommen. Er verliert also nicht nur die Orientierung, sondern auch den Sinn für Zeit. Niemand weiß, wo er ist, außer seinen beiden Entführern. Aber was die Männer mit ihm vorhaben, sagen sie ihm nicht. Sie interagieren eigentlich überhaupt nicht mit ihm.
Und dann wird es still. Bei so einer Holzkiste, da kickt der so eine ganz leichte Klaustrophobie ein bei mir. Also so, buh. Ja, und dazu kommt ja dann eh nochmal die Angst, die man in so einer Situation empfindet. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie sich das anfühlen muss, aber ich neige auch zu so leichten Beklemmungsgefühlen in zu engen Räumen, beziehungsweise kann mich da gut reinsteigern.
Ja, stelle ich mir schrecklich vor. Steht die Kiste draußen oder steht die irgendwo drin? Wissen wir das? Weiß er das? Das weiß er nicht. Währenddessen hat Achims Ehefrau die Polizei angerufen. Auf der Polizeistation in Offenbach wurde ein junger Polizist zum Leiter des Führungsstabs ernannt. Sein Name ist Roland Fritsch.
Er trägt die Verantwortung für das ganze Unterfangen. Ein Polizeiführungsstab ist eine zusammengestellte Organisationseinheit zur Koordination und Steuerung komplexerer Polizeieinsätze. Es gibt unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Spezialgebieten in diesem Führungsstab. Alle haben unterschiedliche Aufgaben, die sie zu erledigen haben.
SEK und MEK, BeraterInnen, der Psychologische Dienst, der Technische Dienst und die Verhandlungsgruppe. Sie alle sind zusammengetrommelt worden, um sich um die Entführung von Achim Heftrich zu kümmern und sie aufzuklären. Wirklich viele Menschen sind jetzt drauf und dran herauszufinden, wo er steckt und wollen verhindern, dass Schlimmeres passiert.
Aber auch seine Frau wird jetzt rund um die Uhr bewacht und betreut und natürlich soll ihr Telefon abgehört werden für den Fall, dass sich die ihren Führer melden. Das Problem ist nur, die Polizeistation in Offenbach ist leider nicht für so einen großen Einsatz ausgelegt. Es fehlt zum Beispiel an Stühlen und Leitungen, damit alle hinzugezogenen Polizistinnen telefonieren und vernünftig arbeiten können.
Wow, das ist so ein Uhrzeitproblem, dass es nicht genügend Telefonleitungen gibt. Ja, aber da habe ich mir auch wieder gedacht, ja, so eine Polizei, da geht es auch nicht anders zu als in jeder anderen Behörde. Klar, natürlich. 1993, das ist ja jetzt nicht vor 800 Jahren, Lilly. Manche Menschen sagen sogar, dass wir da geboren sind in diesem Jahr. Manche sagen das, ja.
Ja. Ja, und zu wenig Stühle gab es auch. Ja, auch ein Problem der 90er. Ja, ganz klar. Roland Fritsch ist erst seit einem Jahr Einsatzleiter bei speziellen Operationen. Er ist also nicht der erfahrenste Mensch, wenn es um Entführungen geht. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Als er 1993 zum Einsatzleiter im Fall Achim Heftrich ernannt wird, heißt es also als allererstes, möglichst viele Informationen sammeln.
Das Problem ist nur, die einzige Zeugin ist die Ehefrau des Entführten. Aber besser als gar niemand. Die Ermittlungen werden eingeleitet, aber hier versteht am Anfang wirklich niemand so genau, wieso Achim entführt wurde. Kann es vielleicht sein, dass die Entführung nur gespielt war? Will sich irgendjemand an Achim rächen? Oder ist es wirklich eine richtige Entführung?
Da Sie bis jetzt noch nichts von den Entführern und einer möglichen Lösegeldforderung gehört haben, wollen Sie vielleicht, dass Achim selbst zur Bank geht und dort Geld abhebt? Die Sonderkommission um Roland Fritsch muss wirklich jedes Szenario durchdenken. Deshalb lautet die erste Amtshandlung, alle Orte überwachen, bei denen Achim oder seine Entführer möglicherweise auftauchen könnten.
Alle Banken in der Umgebung werden daraufhin überwacht, MitarbeiterInnen der Polizei werden beim Fleischgroßhandel abgestellt und überwachen, wer hier ein- und ausgeht. Aber auch die Telefonanschlüsse der Firma werden überwacht, ebenso der Anschluss bei Familie Heftrich zu Hause wird überwacht. Sie stellen seiner Frau auch Menschen beiseite, die sie psychologisch betreuen, Und falls es Kontakt zu den Tätern geben sollte, stehen ihr auch hier Expertinnen unterstützend zur Seite.
Ich habe übrigens keinen Namen von der Ehefrau, sonst hätte ich den genannt. Nur falls sich jemand fragt, warum ich nur von der Ehefrau spreche, konnte er da keinen Namen herausfinden. Spannend, okay. Die Polizei arbeitet so eng wie möglich mit Achims Ehefrau zusammen. Damit sie sich aufgefangen und betreut fühlt, beziehen sie sie, soweit das möglich ist, in alle Arbeits- und Ermittlungsschritte mit ein.
Hat sie irgendeine Ahnung, wer die Täter sein könnten? Nein. Gibt es im Umfeld Menschen, mit denen er Streit hatte? Nein. Durch seine Arbeit im Fleischgroßhandel hat er ja sicher mit vielen Menschen zu tun. Weiß sie von einem Vorfall? Gibt es geschäftliche Auseinandersetzungen? Nein. Alle Angestellten der Firma werden befragt und überprüft, alle Menschen in seinem Umfeld ebenfalls, aber sie finden keinen einzigen Anhaltspunkt.
Und auch Achim hat keine Ahnung, wieso er in diese Situation geraten ist. Er ist allein. Es ist still in seiner Holzkiste. Manchmal darf er die Kiste verlassen und in ein kleines Badezimmer gehen, um sich zu waschen, sich die Zähne zu putzen und auf die Toilette zu gehen. Dabei muss er die Stofftasche auf dem Kopf lassen, damit er nichts sieht.
Ansonsten kauert er gefangen in der Holzkiste und wartet darauf, dass irgendwas passiert. Die Entführer geben ihm zwar Essen, ein halbes Hähnchen und trockene Brötchen und Wasser bekommt er, aber ansonsten sprechen und interagieren sie nicht mit ihm Und wenn er sich dann manchmal doch traut nachzufragen, was passiert ist und was sie mit ihm vorhaben, ignorieren sie ihn entweder komplett oder sie hauen von oben auf die Kiste drauf, um zu signalisieren, dass er Ruhe geben soll.
Achim hat Angst Wie lang soll das noch so gehen? Was wollen sie von ihm? Und noch viel schlimmer? Werden sie seiner Frau und den Kindern etwas antun? Am 2. September, also einen Tag nach der Entführung, klingelt gegen 18 Uhr am Abend das Telefon bei Familie Heftrich. Zu hören ist Achim. Schnell ist klar, dass es sich um eine Tonaufnahme des Opfers handelt.
Das ist natürlich aus Tätersicht schlau, wenn man seine eigene Stimme nicht preisgibt und nicht Gefahr läuft, später vielleicht wegen der Stimme überführt zu werden. Auf der Tonbandaufnahme ist zu hören, dass jemand zu einer bestimmten Bushaltestelle in der Nähe fahren soll, da sei eine VHS-Kassette in einem blauen Müllsack zu finden.
Weitere Anweisungen gebe es auf dieser VHS-Kassette. Und tatsächlich, ein paar Straßenecken weiter, findet die Polizei einen blauen Müllsack mit einer VHS-Kassette. Sie bringen die Kassette aufs Präsidium und spielen sie ab. Zu sehen ist Achim, wie er mit angezogenen Beinen in einer Kiste sitzt und ihnen mitteilt, dass sie 2 Millionen D-Mark Lösegeld beschaffen sollen.
Außerdem soll vier Tage später, am 6. September, eine Annonce in der Frankfurter Rundschau geschaltet werden. Die Annonce soll folgende Überschrift beinhalten. Wir suchen dringend fünf Ausbeiner bei guter Bezahlung. Das Erscheinen der Annonce soll den Tätern signalisieren, die Familie ist zahlungsbereit.
Fünf Ausbeiner? Weißt du, was ein Ausbeiner ist? Das klingt wie ein ganz rougher Job in einem Schlachtbetrieb. Also sind das die, die Tiere einfach dann komplett zerlegen, auseinandernehmen? Ausbeiner? Ja, genau. Ausbeiner sind Menschen, die das Fleisch oder die Tiere zerlegen und Knochen von Fleisch trennen.
Und an der Stelle gibt es einen ganz komischen Bezug zur Folge von vor zwei Wochen. Weil die Täterin ja auch. im Schlachtbetrieb gearbeitet hat. Ja. Zwei Millionen ist eine Ansage zu Außen im Nichts. 2 Millionen D-Mark, wow. Ich bin wirklich, ich bin komplett blank. Also diese Geschichte macht ja vorn und hinten noch gar keinen Sinn.
Du wirst mir hier natürlich irgendwas verschweigen, was du hoffentlich bald auflösen wirst, aber das scheint ja auch aus der Innsicht heraus für niemand aus dem Umfeld irgendwie Sinn ergeben zu haben, warum jemand ihn entführt hat. Aber am Ende hat er vielleicht irgendwo noch so ein kleines Süppchen irgendwo gekocht, hat irgendwo noch so ein Nebengeschäft geführt, von dem er natürlich niemandem was erzählt hat, was dann irgendwie schiefgegangen ist.
Vielleicht stand der Betrieb doch nicht so gut da, wie es vielleicht schien und der hat sich irgendwo Geld besorgt, was er dann nicht zurückzahlen konnte. Das sind gerade so erste Gedanken, die ich dazu habe, wer da vielleicht dahinter stecken könnte, wenn niemand irgendwas mitbekommen hat. Also du tippst auf eine private Fäde oder irgendeine geheime Nebentätigkeit?
Ja, man kann es natürlich negativ sehen und sagen, er hat irgendwo versucht, noch nebenbei Geschäfte zu machen. Oder er hat irgendwie versucht, am Ende den Betrieb zu retten und hat sich irgendwo Geld auf eher inoffiziellen Wegen besorgt. Weil die Bank ihm vielleicht keine Kredite mehr geben wollte und dann hat er.
Über drei Ecken einen Kontakt zu jemandem bekommen, der ihm vielleicht das Geld geben wollte unter anderen Bedingungen, Mhm. So wie dir ging es natürlich auch allen ermittelnden Personen und wir hatten ja auch schon in diesem Podcast ein paar Entführungsfälle und das waren immer Fälle, bei denen Leute entführt wurden, an denen sehr viel Geld hing, ne? Also so wie man das auch kennt.
Es werden Kinder von reichen Menschen entführt oder reiche Menschen selber, weil sich die Täter natürlich erhoffen, dass da viel Geld zu holen ist, aber das ist bei Achim halt nicht so richtig der Fall. und deswegen tappen alle im Dunkeln. Achim selber versteht ja auch nicht, was da eigentlich gerade mit ihm passiert.
Aber Fakt ist jetzt, die Familie des Entführten soll eine Annonce in der Frankfurter Rundschau schalten, in der steht, dass fünf Fleischzerleger gesucht werden. Diese Annonce soll am 6. September erscheinen und signalisieren, es gibt zwei Millionen D-Mark Lösegeld. Bis dahin würden weitere Hinweise kommen, sagt Achim noch in dem Video.
Spätestens jetzt ist den ermittelnden Personen klar, diese Entführung muss echt sein. Denn Achim wirkt ängstlich und eingeschüchtert. Sie halten die Nachricht für authentisch. Denn, ich habe ja zu Beginn gesagt, die Option, dass das alles nur inszeniert war, gab es ja immer noch bis dato. Bis jetzt zumindest. Am Abend des 2. September 1993 ist aber klar, es handelt sich um eine echte Entführung.
Und wie das bei echten Entführungen in den allermeisten Fällen der Fall ist, wollen die Täter Lösegeld. Im Gegenzug dazu kommt das Entführungsopfer wieder frei. Falls das mit der Lösegeldübergabe nicht klappt, steht das Leben der entführten Person auf dem Spiel. Jetzt heißt es also, Geld beschaffen und zwar schnell. Denn Zeit ist bei einer Entführung immer ein wichtiger Faktor.
Das Problem ist nur, Familie Heftrich hat keine 2 Millionen D-Mark. Das ist echt viel Geld, ne? Das ist sehr viel Geld. Die Familie Heftrich hat nicht so viel Geld. Deswegen die Frage an dich. Hast du eine Ahnung, was man in so einem Fall macht? Das ist schwierig, weil du möchtest ja nicht zur Bank gehen und sagen, hallo, ich würde gern zwei Millionen D-Mark leihen. Worum geht es denn?
Achso, wir müssen eine Entführung bezahlen. Ach, kein Problem. Also ich glaube, man muss ganz offen sprechen und einfach sagen, wir haben dieses Geld nicht. Also was sollst du denn machen? Ich meine, am Ende, wer blinzelt zuerst? Sind es die Entführer oder ist es die Familie? Okay. Wo sollst du diese zwei Millionen herbekommen?
Du kannst den Betrieb verkaufen, du kannst deine Häuser verkaufen, was weiß ich. aber ob die da auf zwei Millionen kommen? Vor allen Dingen haben sie ja auch nur vier Tage Zeit, ne? Ja. Ich weiß aus sicherer Quelle, dass es tatsächlich Firmen gibt, die Versicherung gegen Entführungen anbieten. Mhm. Ja, so eine Versicherung hat die Familie nicht. Das kann ich schon mal sagen.
Ich finde es spannend, dass dein Weg damit umzugehen wäre, das Spiel zu spielen und zu sagen, ja, wer blinzelt zuerst? Haben wir nicht? Pech gehabt? Können wir uns irgendwo anders treffen? Sage ich jetzt aus meiner Haltung natürlich heraus, aber wie soll es möglich sein, Das werde ich dir jetzt sagen. Ja, okay. Na dann. 2 Millionen D-Mark.
Das ist die Summe, die die Entführer als Lösegeld fordern. Die Familie leitet zwar ein großes Lebensmittelunternehmen, aber 2 Millionen D-Mark haben sie nicht einfach irgendwo rumliegen. Deshalb brauchen sie Hilfe von Roland Fritsch und seinem Team. Denn auf solche Fälle ist die Polizei vorbereitet. Liegen alle zusammen auf der Wache.
Sie wendet sich an die Hessische Landeszentralbank. Und tatsächlich, die Landeszentralbank Hessen stellt die Summe bereit. Spannend. Allerdings nur als Kredit. Als Absicherung muss Achim Heftrichs Familie einen Gegenwert hinterlegen. Sämtliche Familienmitglieder bringen ihre eigenen Häuser als Sicherheit an, darunter auch Achims Oma und sein Onkel. Boah.
Das heißt aber auch, sollte irgendwas schief gehen, sollte das Geld verschwinden und nicht zurückkehren, dann müssten die eingebrachten Häuser verkauft werden, um die Schulden bei der Bank zu begleichen. Achims Familie setzt ihr gesamtes Hab und Gut aufs Spiel und damit auch, dass der Fleischhandel pleite geht.
Aber im Gegenzug sollen sie ja Achim zurückbekommen. Stell dir mal vor, der kommt zurück und das Geld ist aber weg. Da wird das nächste Weihnachtsfest aber unangenehm. Vor allem, wo feiert man das? Oh Mann, ey. Es ist übrigens so, dass das Geld jetzt zwar erstmal von einer Landeszentralbank kommt, aber der Staat grundsätzlich nicht für Lösegeldforderungen aufkommt, weil das Risiko, dass das ein Anreiz für Kriminelle sein könnte, viel zu hoch wäre.
Aber die Bank leiht der Familie das Geld, damit Achim freikommen kann. Dafür muss Achims Vater jedoch auch noch einen Haftungsausschluss unterschreiben. Das heißt also, wenn die zwei Millionen bei der Geldübergabe verloren gehen sollten, aus welchen Gründen auch immer, dann bliebe der Verlust bei ihm hängen.
Achims Vater zögert nicht lang und unterschreibt. Am wichtigsten ist, dass sein Sohn zurückkommt. Wenn er nicht unterschrieben hätte, hätte es keine Lösegeldübergabe gegeben. Weil niemand das Risiko eines plötzlichen Verlusts getragen hätte. Und in zwei Tagen soll es ja schon soweit sein. Ganz kurz, dass das Geld nicht zurückkommt, das ist ja am Ende auch eigentlich Aufgabe der Polizei, oder?
Meinst du, wenn die Lösegeldübergabe geklappt hat, das Geld dann zurückzuholen? Genau. Also, weil das hatten wir auch schon in einigen Fällen. Ich denke da an die Heineken-Entführung, dass man natürlich erstmal, man übergibt das Geld, aber hat dann den Ausgangspunkt des Geldes, weil das ist ja dann wirklich was, was man nachverfolgen kann und den Tätern irgendwie hinterherreisen kann.
Oder man stellt Geldscheine aus, die nachverfolgbar sind, weil sie bestimmte Ziffern haben und so weiter. Aber was ich sagen möchte ist, ob das Geld zurückkommt oder nicht, das liegt ja am Ende auch gar nicht mehr so richtig in der Hand der Familie. Also sie legen ihr komplettes Hab und Gut. Die Polizei kann machen, was sie will eigentlich mit dem Geld. Genau.
Sie legen ihre komplette Zukunft in die Hände der Polizei an der Stelle. Ja. Aber das ist natürlich der einzige Weg, um Achim zurückzubekommen und deshalb machen sie das. Ja. Die Zeitungsannonce soll dann am 6. September geschaltet werden und alle hoffen, dass der grausame Spuk dann endlich ein Ende hat.
Und dann, am 4. September, also drei Tage nach der Entführung, melden sich die Täter plötzlich wieder. Und zwar bei Achims Vater. Der wohnt in Frankfurt und hat einen Brief ohne Briefmarke in seinem Briefkasten. Der Brief besteht zu einem Teil aus einem ausgedruckten Text und zu einem anderen Teil aus handschriftlichen Notizen von Achim, die erkennt sein Vater sofort.
In dem Brief steht allerdings erstmal nichts Neues. Also im Prinzip wiederholen die Täter ihre Forderungen nur, 2 Millionen D-Mark Lösegeld und in zwei Tagen die Annonce in der Frankfurter Rundschau. Aber sie schreiben auch, dass es nur einen einzigen Versuch für die Lösegeldübergabe geben werde. Sollte die schief gehen, würden sie sich nie mehr melden.
Derjenige, der das Geld abholen werde, sei übrigens nur ein Bote und kenne die Täter nicht. Achims Notizen ist zu entnehmen, dass er furchtbare Angst hat, denn er sitzt ja jetzt schon seit drei Tagen in dieser Kiste und weiß nicht, ob er das Ganze überleben wird. Er bittet seine Familie, das Geld zu zahlen und dass er nach seiner Freilassung alles dafür tun werde, um das Geld wieder ranzuschaffen, damit niemand wegen ihm in finanzielle Schwierigkeiten geraten muss.
Die Anspannung auf Seiten der Familie und der Ermittler wird immer größer. Und es gibt noch so viele Fragen. Wie soll die Lösegeldübergabe stattfinden? Wird alles gut gehen? Und was wird danach passieren? Denn sie müssen sich ja auch überlegen, wie es weitergeht. Sollte das mit der Übergabe klappen? Dann würden sie natürlich alles daran setzen, das Geld zurückzuholen.
Ohne Achim weiter zu gefährden, versteht sich. Aber den müssten sie natürlich erstmal unversehrt zurückbekommen. Und dann ist es soweit. Es ist Montag, der 6. September. Achim kauert mittlerweile seit sechs Tagen in der Holzkiste. Und am Morgen erscheint in der Frankfurter Rundschau eine Annonce. Wir suchen dringend fünf Ausbeiner bei guter Bezahlung.
Für die Täter das Zeichen dafür, dass das Geld bereit liegt. Außerdem steht noch eine Nummer unter der Anzeige, eine Nummer, bei der sich die Entführer melden können. Natürlich ist die von der Polizei eingerichtet. Und es ist so, dass die Polizei diesen ersten Anruf, bei dem die Tonbandabnahme abgespielt wurde, zurückverfolgen konnte und festgestellt wurde, dass das von einer Telefonzelle in der Nähe von dem Haus von Familie Heftrich stattgefunden hat.
Deswegen lassen sie jetzt sämtliche Telefonzellen in der Umgebung überwachen. In der Hoffnung, dass die Täter natürlich wieder zu einer Telefonzelle da kommen. Und ein paar Stunden, nachdem die Zeitung erschienen ist, um 10.26 Uhr am Morgen, melden sich die Täter dann zum ersten Mal per Telefon wieder eine Tonbandaufnahme mit der Stimme von Achim.
Aber der Anruf kommt nicht von irgendeiner überwachten Telefonzelle, sondern sie finden später heraus, dass die Telefonzelle am Frankfurter Flughafen steht. Die wurde nicht überwacht. Ja. Am nächsten Tag, am 7. September, am Abend, soll die Lösegeldübergabe stattfinden. Das ist die Tonbandaufnahme zu entnehmen.
Mehr wissen sie erstmal nicht. Ein weiterer Anruf kommt am selben Tag, also am 6. September, dem Montag, spät am Abend gegen 22 Uhr. Ein Familienmitglied soll noch in derselben Nacht eine Tankstelle in Langen anfahren. Langen liegt ungefähr 20 Autominuten westlich von Dietzenbach, wo Achims Familie wohnt.
Ihr könnt es euch ja denken, diese Autofahrt wird natürlich nicht von einem Familienmitglied übernommen, sondern von einem Zivilpolizisten. Der fährt also zu der angegebenen Tankstelle und findet dort eine weitere Anweisung. Er soll jetzt zu einem Rastplatz auf der A3 fahren und da nach einem neuen Hinweis Ausschau halten.
Und tatsächlich, er findet dort die Aufgabe, zu einer Tankstelle auf der A66 vor Wiesbaden zu fahren. In einem Mülleimer sei der nächste Hinweis versteckt. Als er dort ankommt, staunt er nicht schlecht, denn schon am nächsten Ort soll die Geldübergabe stattfinden. Und das überrascht jetzt natürlich alle Beteiligten, weil die davon ausgegangen sind, dass das erst am nächsten Tag stattfinden soll.
Es ist ja noch der 6. September. Ihnen wurde eigentlich gesagt, am 7. soll das stattfinden. Trotzdem sind sie natürlich alle am Start, aber die haben sich jetzt auf eine sehr lange Übergabe eingestellt. Also so wie man das von anderen Entführungen auch kennt, dass es wie so eine richtige Schnitzeljagd durch die halbe Republik teilweise passiert.
Und jetzt soll das eben schon nach dem dritten oder vierten Hinweis passieren. Und der Plan der Polizei ist es, die Entführer noch bei der Übergabe selber zu fassen. Das ist ein sehr riskanter Plan, aber Roland Fritsch hat lange hin und her überlegt und ist zu dem Entschluss gekommen, dass das die beste Lösung ist.
Und danach wollen sie dann herausfinden, wo Achim festgehalten wird. Tatsächlich ist das so, dass die Geldübergabe für Täter die kritischste Situation ist. Und es gibt unterschiedliche Arten, wie eine Lösegeldübergabe von Seiten der Polizei durchgeführt werden kann. Ist es entweder so, dass man sich passiv verhält und den Forderungen der Täter oder des Täters nachkommt und die erfüllen will, eher im Hintergrund bleibt und hofft dann, dass das Opfer freikommt und dann erst versucht?
Hinweise, die man gesammelt hat, denen nachzugehen und erst nach der Freilassung zu ermitteln und die Täter zu schnappen. Und dann gibt es aber auch die risikoreichere Variante, die, wenn man sich für den Zugriff entscheidet, dass man noch am Ort selber versucht, die Täter festzunehmen und das Opfer danach ausfindig macht.
Man läuft aber auch Gefahr, dass wenn da irgendwas schief geht oder es zu irgendwelchen Überreaktionen kommt, dass das Opfer vielleicht doch nicht freikommt. Die Überlegung ist jetzt nur, Achims Ehefrau hat ja die Täter gesehen und sie hat angegeben, dass sie bei der Kidnappung nicht maskiert waren. Das heißt, die Polizei geht davon aus, dass Achim seine Täter gesehen hat, dass er die beschreiben kann, dass er die wiedererkennen würde.
Und das führt dann letztendlich dazu, dass die Polizei sagt, sie wollen die risikoreiche Variante machen, die Täter schnell schnappen, damit Achim danach nicht mehr in Gefahr ist. Ich muss auch gerade daran denken, dass das Gladbäcker-Geiseldrama ja zu dem Zeitpunkt noch nicht so lange her ist. Und ich habe da erst vor ein paar Monaten tatsächlich durch die Folge von unseren Freunden von Ehrenwort, bin ich da wieder reingekommen und habe mir dann auch danach, es gibt auf Netflix, weiß nicht, ob die noch auf Netflix ist, auf jeden Fall eine Doku, die komplett ohne Off-Ton irgendwas auskommt.
Und das ist wirklich nur anhand der realen Bilder erzählt. Das ist ganz intensiv. Die Kombination aus den beiden kann ich empfehlen, um das Ganze zu verstehen. Aber ich glaube schon, dass da ja auch ein Learning da war aus dieser Geiselnahme, dass man erst mal auf die Forderungen der Täter eingeht und eben nicht irgendwie hofft, dass das Ganze wieder verschwindet und eigentlich gar kein Drama ist, sondern...
Erstmal das Geld übergeben und dann weiterschauen ist auf jeden Fall die bessere Variante, glaube ich, in jedem Fall. Vielleicht als Info noch ganz interessant zu wissen, ist, dass die Aufklärungsquote auch bei ungefähr 90 Prozent liegt bei Entführungen. Also die Chance, dass alles glatt geht für die Täter oder Täterinnen ist relativ gering.
Ja. Um die 200 Polizistinnen sind in dieser Nacht unterwegs, auch die Wasserschutzpolizei auf dem Rhein. Die Übergabe soll schließlich auf der Schiersteiner Brücke stattfinden, etwa 15 Minuten von der Tankstelle entfernt, wo der letzte Hinweis gefunden wurde. Die Brücke verbindet Wiesbaden und Mainz.
Und ich habe mal einen Screenshot von Google Maps für dich, Flo. Es ist schon eine sehr große Brücke, die über den Rhein führt und wo das Lösegeld übergeben werden soll. Okay, krass. Und mein erster Gedanke ist natürlich, du hast unterschiedliche Fluchtwege. Du hast vor allem den Rhein als Fluchtweg, du hast dann aber auch diese Insel da in der Mitte, die sehr bewachsen oder verwachsen aussieht.
Die Insel sieht total schön aus. Ich weiß nicht, ob man da drauf kann, aber die sieht schick aus. Also weiß man, wo sie das da ablegen sollen oder wo die Übergabe stattfindet? Das ist schon genau beschrieben. Wir nähern uns jetzt der Übergabe. Die Anweisung ist, dass 100 Meter nach dem Schild auf Wiedersehen in Hessen Ein rotes Tuch am Geländer der Brücke hängt und das Geld dort die Brücke hinuntergelassen werden soll.
Das Geld ist natürlich in einer Tasche. In der Tasche befindet sich ein Sender und die Scheine sind natürlich präpariert. Das kennen wir von anderen Fällen. Es gibt damals sogar ein neuartiges Verfahren aus einem anderen Bundesland, mit dem man die Scheine präpariert hat. Und da ist natürlich Sinn der Sache, dass die Scheine, wenn sie nachher irgendwo im Verkehr sind, schnell wieder gefunden werden.
Und die Leute, die mit den Scheinen zu tun hatten, gefunden werden. Es ist jetzt also alles bereit. Das Geld ist in dieser Tasche. In der Tasche befindet sich ein Sender. Die Zufahrtsstraßen sind abgeriegelt bzw. Stehen unter Beobachtung. Und die Polizei ist sich sicher, die Täter sitzen in der Falle.
Der Beamte in Zivil nähert sich gegen Mitternacht der Brücke. Und er findet das rote Tuch und seilt die Tasche langsam ab. Und jetzt wird es kurz ganz interessant, weil an dem Ort, wo die Tasche abgeseilt wird, ist jetzt nicht nur einer der Täter, sondern auch Achim Heftrich. Und der sitzt jetzt seit ungefähr zwei Stunden im Dunkeln mit einem der Täter und wartet, dass irgendwas passiert.
Und die letzten Stunden sind für ihn ein einziger Albtraum gewesen, weil er natürlich mitbekommen hat, dass jetzt irgendwas passiert. Oder er musste ja auch in den Videobotschaften sagen, was der Plan ist. Aber wenn es dann losgeht und man hofft, dass einfach nur alles gut geht und man endlich freikommt, aber natürlich nicht weiß, dass das auch wirklich so sein wird. Der hat ja keinen Kontakt zu irgendjemandem gehabt.
Der war einfach sehr angespannt und sitzt jetzt da am Rhein im Dunkeln mit seinem Entführer und der Entführer sagt ihm, dass diese Tasche da gleich runtergelassen wird und Achim sitzen bleiben soll und wenn er die Tasche greifen kann. Dann soll er die Tasche nehmen und dem Entführer zuwerfen und warten.
Der Entführer würde dann verschwinden und Achim dürfte dann nach 10 bis 15 Minuten ungefähr den Weg in die Freiheit finden. Sitzen die beiden, oder weißt du das, ob die beiden auf dieser Insel sitzen oder sitzen die am, ich nenne es mal Festland? Die sitzen am Festland. Okay. Ja, risky auf jeden Fall. Sich so nah an den Tatort zu bewegen oder an den Übergabeort.
Plus ist ja weiterhin jetzt der Fall, dass Achim zu 100 Prozent weiß, wie der Täter aussieht. Weil wenn er ihm das zuwerfen soll, dann muss er ihn ja sehen, oder? Oder hat er da noch den Beutel an? Ich habe zu dem Status der Maskierung zu dem Zeitpunkt keine Informationen. Das ist wirklich eine Mutmaßung. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass der Täter so unüberlegt auf einmal ist, dass er sich komplett entblößt.
Es ist aber ja auch dunkel noch dazu. Ich kann mir vorstellen, dass Achim da vielleicht mit dem Beutel über dem Kopf hingeführt wurde und jetzt sitzt er da und sieht eh nichts. Aber ich kann dazu nicht genau sagen, wie es war. Ich habe keine Infos drüber Ich weiß nur, dass er jetzt mit dem einen Täter da am Rhein sitzt Wartet Und die Tasche in Empfang nehmen soll Irgendwann merken sie und sehen sie Okay, da oben hält ein Auto, Und eine Tasche wird langsam die Brücke runtergelassen, aber dem Entführer, dem einen, dem dauert das zu lange, weil das wirklich so ganz langsam nur passiert und er hält eine Taschenlampe nach oben und schreit den Zivilpolizisten an, dass er das schneller machen soll. Okay,
jetzt wird es dilettantisch. Der wiederum erschreckt sich so sehr, dass irgendwas mit dem Runterlassen nicht mehr so ganz funktioniert und die Tasche runterfliegt und der Täter sich die Tasche selber holt und weg ist. Es geht alles ganz schnell. Achim hat nicht gesehen, wo der hin ist. Der Täter ist weg und Achim sitzt da jetzt, wartet kurz, wie ihm das ja befohlen wurde und läuft dann irgendwann los und läuft Richtung Licht und kommt bei einem Nachtschalter vor irgendeinem Gebäude an und meldet sich da und sagt, ja, ich bin Achim Höftrich.
Ich wurde entführt, ich bin jetzt hier freigelassen worden. Bitte helfen Sie mir. Ich bin doch Kaiser von China, bekommt er dann als Antwort von so einem Nachdienstmitarbeiter. Genau. Der schlechte Laune hat. Entführt, genau. Sonst noch was? Ja, und so spaßig, wie wir da gerade drüber sprechen, so ernst ist natürlich für alle Beteiligten die Sache.
Und Herr Fritsch, der Sonderkommissionsleiter, bekommt nach 20 Minuten den Anruf, dass Achim frei ist und lebt. Und ist erleichtert. Auf der anderen Seite bekommt er auch die Info, dass der Täter mit der Tasche weg ist. Das Problem ist aber nicht nur das, sondern auch, dass das Signal an der Geldtasche weg ist.
Das heißt, der Plan, die Täter auf frischer Tat zu ertappen, ist erstmal gescheitert. Achim ist frei, aber alles andere ist leider überhaupt nicht nach Plan gelaufen. Der ist abgegangen, als die Tasche runtergefallen ist? Das wissen die zu dem Zeitpunkt noch nicht. Die große Frage ist jetzt natürlich, wie der das geschafft hat, weil ja alle Landwege überwacht wurden. und die Wasserschutzpolizei war ja eigentlich auch informiert.
Was glaubst du, wie er das geschafft haben könnte? Hat er sich einfach dort in der Nähe versteckt und ist gar nicht geflohen, sondern hat vielleicht einfach Unterschlupf gesucht, bis die Situation sich ein bisschen entspannt und aufgelöst hat? Nee, das ist es nicht. Der hat sich da nicht versteckt. Die Polizistinnen, die da vor Ort sind, durchkämmen natürlich das Gebiet und suchen alles ab und niemand wird gefunden.
Boah, schwierig. Ganz, ganz schwierig. Ich dachte, er sich verkleidet. Ich habe wirklich gar keine Ahnung. Also daran seht ihr auch, dass ich ein sehr, sehr schlechter Entführer wäre, dass ich nicht wüsste, wie ich das jetzt umsetzen würde an dieser Stelle. Du würdest dich verstecken. Ich würde mich verstecken.
Ich kläre auf. Mach mal. Der Täter... Ist ein erfahrener Taucher. Er hat die Tasche umgepackt und ist durch den Rhein entkommen. Und ich habe ja gesagt, die Wasserschutzpolizei war zwar in Alarmbereitschaft, aber die haben nicht damit gerechnet, dass jemand unter Wasser entkommen könnte. Und das heißt, das Geld ist jetzt erstmal weg. Aber es wurde ja präpariert, das habe ich ja gesagt.
Nur leider gibt es da auch ein paar Missgeschicke, will ich es jetzt mal nennen. Denn es dauert acht Wochen, bis die ersten Scheine, die präpariert wurden, entdeckt werden. Es ist so, dass die nicht als präparierte Scheine entdeckt wurden, sondern in der Landeszentralbank München als beschädigte Scheine aus dem Verkehr gezogen wurden und nicht als präparierte Scheine erkannt wurden.
Deswegen ist das nicht aufgefallen. Also das Geld ist in Umlauf gebracht worden. Verschiedene Geräte haben erkannt, dass mit dem Geld irgendwas nicht stimmt, haben aber gedacht, das ist einfach irgendwie kaputt. Dann wurde das einbehalten, einkassiert, aber es wurde halt nicht gemeldet, nicht an weitere Stellen.
Und auf dem Weg zwischen der Polizei und den Landeszentralbanken sind Informationen verloren gegangen. Es wurde auch nicht deutschlandweit kommuniziert, dass diese Scheine in Umlauf geraten werden. und einzelne Bundesländer, man kennt es ja, man kennt ja das Problem in Deutschland. Das ist genau wieder der Rückblick zum Fall von Gladbeck.
Das war ja eigentlich auch gerade ein Problem, dass die einzelnen Behörden und Bundesländer untereinander halt nicht kommuniziert haben und sich nicht ausgetauscht wurde. Das heißt, ich nehme alles zurück. Scheinbar wurde aus dem Fall gar nichts gelernt. Ja, jetzt ist es so, dass sie nach acht Wochen herausfinden, dass bereits 200.000 D-Mark in Umlauf waren, aber man konnte nicht herausfinden und zurückverfolgen, wer den Umlauf gebracht hatte.
Also da ist einiges schief gelaufen. Deswegen heißt es jetzt auch, sie brauchen die Hilfe von den Medien, weil bis zu der Freilassung nichts an die Öffentlichkeit geraten ist über diese Entführung und erst nach der Freilassung mehrere Medien über die Entführung berichtet haben. Und dann meldet sich tatsächlich auch ein Zeuge. Ein älterer Mann, der gegen 22 Uhr mit seinem Hund auf der Schiersteiner Brücke spazieren gegangen war, hat da ein Auto gesehen am Straßenrand und hat gesehen, wie ein junger Mann ein rotes Tuch an das Brückengeländer geknotet hat.
Nicht nur das, der Mann erinnert sich sogar an das Auto selbst, das ist ein dunkler Audi gewesen und er erinnert sich daran, dass es ein Wiesbadener Kennzeichen war und außerdem war noch ein S auf dem Kennzeichen. Und deswegen werden jetzt natürlich alle Autos, die auf die Beschreibung des Zeugen passen, gesucht. Es sind insgesamt um die 600 Fahrzeuge.
Die Polizei ist sich sicher, einer der Fahrzeughalter muss etwas damit zu tun haben. Dann kommt es jetzt aber allerdings zu einer weiteren ungünstigen Situation, will ich es jetzt mal nennen. Denn sie besuchen tatsächlich einen der Täter zu Hause und befragen ihn zu dem Auto. Und der sagt, dass er das Auto schon längst verkauft hat und das auch schon vor dem 7. September war, dass er damit gar nichts zu tun haben kann.
Das kann man doch nachverfolgen. Die fragen an wen. Er sagt an irgendeinen Polen. Den Namen habe er aber nicht mehr. Der Wagen ist jetzt schon weg. Und für die Beamten, die den Mann befragen, gilt diese Spur in der Sekunde als erledigt. Ach komm. Der hier einer von den Polnischen, der Fladek. Ja, wo ist der jetzt?
Der ist tot. Und hier die Marina, die ist auch tot. Kleiner, sorry, Bezug auf dieses Gerhard Schröder-Meme, wo er in seiner alten Heimatstadt unterwegs ist. Aber so kommt mir das gerade vor. Wo ist der denn? Ja, tot. Oh Mann, ey. Ja, genau. Das heißt, die glauben diese Geschichte einfach und finden deshalb auch nicht heraus, dass der Vater dieses Mannes ein verurteilter Verbrecher ist und sich im Haus eine komplette Tauchermontur befindet.
Es heißt jetzt also weiterhin Informationen sammeln und irgendwie herausfinden, wer die Täter sein können, wo sie ihn hingebracht haben könnten, weil das weiß Achim ja auch alles nicht, der hat ja nie was gesehen. Und ich habe am Anfang ja gesagt, dass er sich versucht, die Straßenlaternen einzuprägen.
Und das ist ein wichtiger Hinweis, denn er fährt fast zwei Tage lang mit der Polizei durch sämtliche Straßen in der Hoffnung, dass er irgendwelche Laternen wiedererkennt. Aber keine Chance. Die Ermittler tappen im Dunkeln und die tappen für ganze drei Jahre im Dunkeln. Wow. Das Geld ist natürlich nicht zurück. Und drei Jahre später passiert etwas, was nicht unmittelbar was mit Achim Heftrich zu tun hat, aber es wird der sehr, sehr reiche Geschäftsmann Jakob Fischmann entführt.
Er ist damals einer der reichsten Männer Frankfurts und die Täter fordern 3,5 Millionen D-Mark Lösegeld. Leider läuft diese Lösegeldübergabe alles andere als geplant und dann soll eine weitere stattfinden, da wird noch mehr Geld gefordert. In der Zwischenzeit wurde Jakob Fischmann aber getötet und die Täter entkommen.
Aber eine Sache ist der Polizei bei der gescheiterten Lösegeldübergabe aufgefallen. Und zwar überprüfen sie einen Wagen, der ihnen aufgefallen ist. Da haben sie nämlich zwei verschiedene Nummernschilder entdeckt. Und der Halter dieses Wagens ist kein Unbekannter, sondern jemand mit einem langen Vorstrafenregister.
Sein Name ist Rainer Körpen. Seine Frau wiederum arbeitet in dem Unternehmen der Fischmanns. Und kurze Zeit später finden sie das Lösegeld für die Entführung von Herrn Fischmann im Garten von Rainer Köppens Schwiegereltern. Das geht relativ schnell. Sie finden auch seinen Komplizen, seinen Sohn Sven und werden verhaftet.
Dann geht alles ganz schnell. Die beiden Männer belasten sich gegenseitig. Der 28-jährige Sohn ist emotional sehr abhängig von seinem Vater, fürchtet sich vor ihm. Und schnell zeigt sich eine Querverbindung zu Achim Heftrich. Denn dieser Fall wiederum, also die Entführung von Herrn Fischmann, geht damals durch alle Medien.
Das ist ein Riesenskandal, da ist ja auch jemand gestorben. Und einer der Mitarbeiter von Achim Heftrich aus dem Fleischgroßhandel sieht in den Nachrichten den Entführer und mutmaßlichen Mörder von Herrn Fischmann und erkennt den Entführer, denn der hat mal in der Cateringfirma gearbeitet, die einen Teil der Fläche des Fleischgroßhandels angemietet hatte.
Und geht zu Achim Heftrich und sagt, hier der Täter, der kommt mir bekannt vor, der hat doch hier mal gearbeitet, der ist doch hier ein- und ausgegangen, der war Fahrer für die Catering-Firma und Achim Heftrich sagt, ja, das ist absolut korrekt und das ist der erste Anhaltspunkt, der dafür sprechen könnte, dass das der gleiche Täter ist, der ihn damals auch entführt hat, weil er ihn kannte.
Die Polizei befragt natürlich die beiden Männer danach und guckt sich nochmal die Beweislage an Und dann finden die tatsächlich auf der blauen Mülltüte, in der die VHS-Kassette drin lag, Fingerabdrücke vom Sohn, von Sven. Sven, Sven, Sven. Und Sven ist geständig. Und belastet seinen Vater aber schwer. Und ich habe ja eben schon mal gesagt, dass sein Vater ein erschreckendes Vorstrafenregister hat.
Er ist gelernter Malermeister. Das ist jetzt keine Vorstrafe. Hat einen Zuhälter erschossen. Das wurde aber als Notwehr gewertet. Dann hat er seine erste Ehefrau getötet. Das ist die Mutter von seinem Sohn Sven. Dafür saß er aber für über zehn Jahre schon im Gefängnis. Okay. Sein Sohn gesteht alles, gesteht die Taten. Rainer hingegen leugnet alles bis zum Schluss und sagt, dass sein Sohn schuldig sei.
Trotzdem wird vor Gericht ein Urteil gefällt, was für beide nicht gut ausgeht. Sein Sohn Sven bekommt 14 Jahre. Er wird 2007 entlassen und nimmt sich 2010 das Leben. Und Rainer wird zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und außerdem wird eine anschließende Sicherheitsverwahrung verhängt. Das heißt, er wird nicht vorzeitig freikommen. Und wurden sie für den Fischmann-Fall, für den Achim-Fall oder für beide verurteilt? Für beide. Okay.
Und von den beiden habe ich auch ein Foto. Ja. Ja, sehr intensive Person. Also... Ich habe mir den Vater grobschlechtiger vorgestellt tatsächlich. Der könnte auch so ein Bankangestellter sein, also so eine Bankfiliale leiten. Und Sven sieht sehr in Neukölln aus. Die sind zurückgegelten Haaren. Ja, das sind halt die 90er, ne?
Ja, stimmt. Das ist ja gerade wieder voll im Trend. Ja, aber der Vater, dem möchtest du nicht nachts auf der Straße begegnen. Wird auch als so ein bäriger, großer Typ beschrieben, vor dem man wirklich Angst haben kann. Es gibt zu dem Fall wenig Fotos, offensichtlich, sonst hätte ich mehr gezeigt. Ich kann mir vorstellen, dass es aus einfach Schutzgründen keine Fotos von Achim Heftrich gibt.
Ich war mir hier und da noch nicht mal sicher, ob das sein richtiger Name ist. Okay. Weil ich natürlich im Handelsregister und so, ich habe natürlich alles versucht zu finden, was ich über diese Familie finden kann und das war nicht so easy. Man würde ja auch verstehen, wenn er seinen Namen geändert hat.
Deswegen, ja, habe ich auch nicht viele Fotos, sondern nur die, die ich dir heute gezeigt habe. Für Achim, und das kann man sich ja vorstellen, ist nach der Entführung nichts mehr wie vorher. Er geht bis heute nicht mehr allein im Dunkeln nach draußen, obwohl er ein sehr großer und erwachsener Mann ist.
Er verkauft auch die Firma und arbeitet seitdem als Berater für die Firma, die die Firma gekauft hat. Die Geschichte verfolgt ihn aber bis heute und nicht nur emotional, sondern auch finanziell, denn es gibt ja immer noch die Sache mit dem Lösegeld. Die Hälfte des Lösegelds ist zurückgekommen, also eine Million D-Mark, die Täter hatten unter anderem ein Haus gekauft oder Geld an die Frau verschenkt und das wird alles zurückgegeben, die andere Hälfte ist jedoch bis heute weg.
Wohin das Geld geflossen ist, lässt sich nicht nachweisen und Achim Heftrich musste eine Million D-Mark zurückzahlen, damit sein Onkel und seine Oma ihre Häuser nicht verlieren. Und dafür hat er ungefähr 30 Jahre gebraucht. Das ist mittlerweile abbezahlt. Achim kritisiert, und das kann ich auch nachvollziehen, das deutsche Recht dahingehend, dass er als Opfer das Geld zurückbezahlen muss und nicht die Täter. Ja, das stimmt.
Da beißt sich so ein bisschen die Katze in den Schwanz, weil man kann es in keine Richtung richtig machen, weil wenn die Bank dann sagen würde, die Täter müssen das abstottern, die haben aber kein Einkommen, dann bleibt die Bank wieder darauf sitzen, dann würde die Bank das gar nicht in the first place machen, überhaupt so einen Kredit herauszugeben.
Ja, ist schwierig, aber es ist, dass er das zu 100% zurückzahlen muss, was dann noch offen ist, das ist krass. Ja, das war die Entführung von Achim Heftrich, dem Sohn eines Fleischgroßhändlers Anfang der 90er Jahre, die erst viele Jahre später aufgeklärt wurde, weil die Täter nochmal zugeschlagen haben. Vielen Dank fürs Zuhören.
Danke dir fürs Erzählen. Und um euch wieder zurück in die Realität zu holen, möchte ich dich nach deinem heutigen Foodcrime fragen, Flo. Aber natürlich, gerne doch. Ich möchte in dieser Woche das Thema Gewürzgurken mit dir besprechen. Um alle Zweifel erstmal auszuräumen, Gewürzgurken sind fantastisch.
Ja, ich hatte kurz Angst. Ich wollte sagen, ganz dünnes Eis, mein Freund. Halt inne. Okay, ich halte inne. Sondern das Problem sind Gewürzgurken, die schon zu lange im Glas liegen, die schon zu lange eingeweckt sind und dann keinen Knack mehr haben. Und das ist vor allem bei, oft tatsächlich bei Marken Gewürzgurken der Fall, finde ich.
Es ist zu viel Essig drin, die sind dann auch zu süß, die sind auch schon zu durchgesappt. Weißt du, wenn man da drauf beißt und kein Widerstand da ist, sondern man nur so ganz kurz drauf beißt und dann schon direkt in diesem schwabbeligen, saftigen Inneren ist. Das geht nicht. Da ist bei der ersten Gurke das Glas schon passé.
Kannst du eigentlich direkt alles wegwerfen. Noch schlimmer sind dann so kleine Cornichons. Da geht das ja noch schneller. So kleine, schwabbelige Cornichons, die schon zu lange in der Brühe liegen, wo es keinen Knack mehr gibt. Schrecklich, da bin ich raus. Da bin ich auch raus, da sind wir raus. Das Foodcrime-Gericht urteilt, wir sagen Nein zu labbrigen Gewürzgucken.
Ich finde auch gut, mit welcher Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit du das hier formulierst. Natürlich, das ist ja kein lustiges Thema. Wir wollen natürlich so leicht in den Alltag zurückkommen, aber es ist weiterhin ein schweres Thema. Richtig. Was wir hier besprechen. Ich glaube, ich werde jetzt im Anschluss auch eine essen. Mach das, ja. Oh, das mit Käse umwickelt.
Schön, schön. Aber ja, deswegen glattige Gewürzgurken in Gläsern, die schon zu lange eingelegt sind, ganz oben auf der Abschlussliste des Foodcrime-Gerichts. Jawohl, schließe ich mich an. Wir sprechen und ihr hört uns nächste Woche wieder, wenn es wieder heißt Foodcrimes. Was schmeckt dahinter mit Florian Reza und Lili Temme? Und Gast.
Gast. Richtig. Und Gast. Gästin. Gästin. Ich freue mich. Das wird schön. Das wird sehr schön. Vielen Dank für den Fall. Sehr spannend. Avec Plaisir, wie der Italiener sagt. Liked, kommentiert, bleibt dabei. Macht, was ihr wollt, aber macht uns glücklich. Und fühlt euch geküsst. Tschüss. Tschüss.