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GEO Epoche - Menschen, die Geschichte machten

Tod am Vulkan: Die letzten Tage von Pompeji

Dienstag, 28. April 2026 · 33 min

MP3

Shownotes

Am 24. Oktober des Jahres 79 n. Chr. verschlingen Glutlawinen vom Vesuv Pompeji. Mithilfe aktueller Ausgrabungen lässt sich so genau wie nie zuvor das Drama rekonstruieren, das sich in den Mauern der antiken Stadt abgespielt hat - sowie die letzten Stunden jener Menschen, die ihm zum Opfer gefallen sind.

Historische Reportage: Manuel Opitz (GEO)
Sprecher: Peter Kaempfe
Host und Redaktion: Insa Bethke (GEO)
Audio-Produktion: Leah Fritsch (GEO)

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Als die ersten Sonnenstrahlen über die Terrakotta-Ziegeldächer von Pompeji wandern, herrscht in den Bäckereien längst Hochbetrieb. Maultiere trotten angeschirrt im Kreis um schwere Mahlsteine herum. Sklaven und weitere Arbeiter, Haut und Haare weiß vom Staub, vermengen das Mehl in Steintrögen mit Sauerteig, Wasser und Salz und lassen die Masse eine Weile gehen.

Schließlich formen sie auf Holztischen runde Leibe und schieben sie in die halbrunde Öffnung des gemauerten Ofens, in dem Holz lodert. Menschen, die Geschichte machten. Ein Podcast über große und kleine historische Momente und die Frauen und Männer, die sie geprägt haben. Präsentiert von GEO Epoche. Weitere hochwertige Audioinhalte aus der Welt von GEO hören Sie auf GEO+.

Hastig entleeren ein paar Einwohner ihre Nachttöpfe auf den Straßen. Spätestens jetzt, bei Tagesanbruch, müssen die letzten Esel- und Maultierkarren von den Wegen verschwinden. In Rom verband ein Gesetz Fuhrwerke tagsüber von den Straßen. Gut möglich, dass dies auch in Pompeji der Fall ist. Denn für Karren gibt es bald kein Durchkommen mehr.

Über 20.000 Menschen leben in der Stadt, umschlossen von einer 3200 Meter langen Mauer. Von Nordosten nach Südwesten durchziehen zwei parallel verlaufende Hauptstraßen aus großen Basaltblöcken die Stadtfläche, gesäumt von Gehsteigen. Eine weitere breite Straße führt von Norden nach Süden. Davon gehen Seitenstraßen und Gassen ab.

In Pompeji, am Golf von Neapel, gut 200 Kilometer südöstlich von Rom, fließt die Mittelmeerwelt zusammen. Am Hafen südlich des Walls, wo der Sarno ins Meer mündet, landen Flusskähne mit Holz und Getreide aus dem Binnenland genauso an wie Lastschiffe mit farbigem Marmor aus Ägypten. Am Foren mit heimischem Wein, Pompejs Exportschlager vom Fuß des Versuchs, verlassen hier die Stadtrichtung Sardinien, Spanien, Nordafrika, Kleinasien.

An den Hauptstraßen liegen mehrere Dutzend Bäckereien. Manche verkaufen ihre Brote direkt an der Theke, andere liefern aus. Gut möglich, dass an jenem 23. Oktober ein Bediensteter einige Leibe ins Haus von Aulus Vettius Conviva und Aulus Vettius Restitutus im Nordwesten der Stadt trägt. Die beiden haben es geschafft. Einst selbst Sklaven gehören sie nun zu den Neureichen.

Nur zu gern zeigen sie ihren Wohlstand. Besucher betreten ihr Anwesen durch eine reich geschmückte Vorhalle und gehen rechts der Tür an einem Gemälde des Fruchtbarkeitsgottes Priapus vorbei. Darauf wiegt er einen riesigen entblößten Phallus gegen einen Geldbeutel auf. Einige der Anwesen von Pompeji werden die Katastrophe zumindest in Teilen überleben, doch wer sich an diesem Tag dort auffällt, kann niemand sicher wissen.

Wenn die Fettier aber in Pompeji sind, dann sieht ein Vormittag bei ihnen wohl so aus. Hinter der Vorhalle, im Atrium, einem offenen Hof, sammeln sich bereits die ersten Tagelöhner, Handwerker, Händler. Sie alle warten darauf, vorgelassen zu werden. Haben die beiden Aufsteiger vielleicht Jobs zu vergeben? Lassen sich mit ihnen Geschäfte machen?

Während der Wartezeit können sie nicht umhin, den Wohlstand der Fetja zu bestaunen. Im Atrium sind, gut sichtbar, zwei große Bronze-Truhen platziert. Zudem blicken die Klienten in einen prächtigen Garten, den ein Säulengang rahmt. Vormittags, 27 Stunden bis zum Vulkanausbruch. Ein paar Häusernblocks südlich vom Haus der Fetja füllt sich das Forum.

Richter und Anwälte laufen über den mit hellem Kalkstein gepflasterten rechteckigen Platz, vorbei an Ehrenstatuen hin zur Hohen Halle der Basilika, in der Gerichtsfälle verhandelt werden. Priester steuern das nördliche Ende des Forums an, das Kapitol, jenen Tempel, der den Göttern Jupiter, Juno und Minerva gewidmet ist.

Hinter dem Tempel sehen sie ein grünes, idyllisches Bergmassiv mit flacher Kuppe aufragen, Den Vesuv. Von der tödlichen Gefahr, die sich unter ihm verbirgt, ahnen die wenigsten Menschen in Pompeji. Zwischen einem doppelstöckigen Säulengang, der das Forum umschließt, unterrichtet ein Lehrer seine Klasse.

Schüler folgen seinen Ausführungen mit Schreibtafeln auf ihren Knien. Unter den Arkaden haben fliegende Händler Stände aufgebaut. Einer verkauft Kupfertöpfe, ein anderer Werkzeug für die Landwirtschaft. Ein weiterer preist seine Schuhe für den nahenden Winter an. Ein Bettler in Lumpen fleht um Almosen.

So stellt zumindest ein Künstler das Treiben am Forum dar, auf einem Relief eines Hauses. Hier, im Herzen der Stadt, zeigen sich noch die Spuren des letzten Unglücks, das Pompeji heimgesucht hat. 17 Jahre ist es her, dass ein Erdbeben die Mauern und Wände aufriss, Häuser zum Einsturz brachte. Noch immer dauern die Wiederaufbau- und Ausbesserungsarbeiten an.

Das Forum ist auch der Umschlagplatz für Nachrichten und Neuigkeiten. Gerade erst ist die Weinlese zu Ende gegangen. Von welcher Qualität der Wein dieses Jahr wohl sein wird? Welche Gewinne sind zu erwarten? Wie stark ist die neue Konkurrenz aus Gallien? Oder wann werden wohl die Renovierungsarbeiten in den städtischen Thermen abgeschlossen sein?

Nur eine von vier Badeanlagen ist geöffnet. Heute aber dürfte vor allem ein Thema in Pompeji für Gesprächsstoff sorgen, die Erdstöße. Dass die Erde immer mal wieder wackelt, daran sind die Menschen gewöhnt. Allerdings hat sich die Frequenz zuletzt gesteigert, mehr noch. Viele öffentliche Brunnen an den Gehsteigen, aus denen sonst unaufhörlich Wasser sprudelt, liegen heute offenbar trocken.

Und so ziehen Inspektionstrupps durch die Straßen Pompejis, lassen hier und da Straßen aufklopfen und untersuchen die unterirdisch verlegten Bleirohre. Derweil müssen Menschen das Wasser in Kübeln aus dem Sarno heranschaffen oder auf Zisternen zurückgreifen, die das Regenwasser sammeln. Auch die Fettcher haben in ihrem Garten einen derartigen Speicher.

Deshalb spritzt dort vielleicht auch an diesem Tag aus dem irrigierten Penis einer Marmorskulptur des Priapus ein Wasserstrahl. Mittags, 24 Stunden bis zum Vulkanausbruch. Als die Sonne am höchsten steht, drängen sich in Pompejiz Straßen die Menschen. Passanten schieben sich über die großen Basaltblöcke, vorbei an den zweigeschossigen weiß-rot getünchten Häusern, den Maultieren, die an kleinen Löchern an den Kanten der Bordsteine festgebunden sind, den Tuchhändlern, die vor ihren Läden bunte Stoffmuster aufgespannt haben, und den Verkäufern, die in Krügen ihr hochwertiges Garum anpreisen, eine Wirtssoße, hergestellt aus gesalzenem, vergorenem und gekochtem Fisch.

Von gemauerten Theken an den Gehsteigen aus bieten Geschäftsinhaber Nüsse, Linsen, Trockenobst, Kichererbsen und Bohnen an, die in Terrakotta-Gefäßen lagern. An manchen Häusern baumeln Reklametafeln oder Bronzefiguren, Windspiele mit Glöckchen, die Kunden begrüßen. Wer hungrig ist, kauft sich in einer der Garküchen einen deftigen Eintopf, den er mit nach Hause nimmt oder gleich auf der Straße isst.

Geschäftigkeit auch in den Werkstätten und bei den Gewerbetreibenden, wie bei dem Unternehmer Markus Vesonius Primus, einem Mann im fortgeschrittenen Alter mit länglichem Gesicht und recht kahlem Kopf. So jedenfalls sieht die Büste aus, die er von sich anfertigen ließ und in seinem Haus im Norden, unweit dem der Fettje, platzierte.

Neben der Eingangstür prangt, wie bei so vielen Eigentümern, sein Name. Und eine Warnung. Ein Mosaik zeigt in tausenden kleinen Steinchen einen großen schwarzen Hund, der mit einer roten Leine angebunden ist. Kein Bluff. Tatsächlich wacht im Atrium ein Vierbeiner über das Anwesen, wenn der Hausherr seinen Geschäften nachgeht.

Dazu muss Vesonius nur wenige Schritte gehen. Schon wabert ihm der Geruch entgegen, auf dem sein Reichtum gründet, der von Urin. Der Unternehmer betreibt eine Großwäscherei. In mehreren Steinbecken stampfen Arbeiter barfüßig Stoffe in einer Lauge aus Wasser, Soda und Urin von Menschen und Tieren. Nicht nur bei Vesonius wird gearbeitet. Anderswo hämmern Schmiede auf heißes Eisen, verarbeiten Walker Tierhaare zu Filz, stellen Parfümeure aus Blüten Duftstoffe her.

Wohnen und Arbeiten, in Pompeji findet beides direkt nebeneinander statt. An den Weggabelungen treffen sich Nachbarn, plaudern. Manche bleiben an den Mauern stehen, lesen die neuesten dort angeschlagenen Inserate, Zimmer zur Vermietung, Termine für Gladiatorenkämpfe. Die meisten Graffiti aber sind Schmierereien. La Dicula ist ein Dieb, prangt an einer Hauswand.

Attimetus hat mich geschwängert an einer anderen. Ich wundere mich, oh Mauer, dass du nicht eingestürzt bist, wo du so viel ekelhaftes Gekritzel ertragen musst, befindet ein Witzbold. Abends, 18 Stunden bis zum Vulkanausbruch. Wenn die Geschäftsinhaber ihre Läden schließen und sich die Straßen allmählich leeren, dann bricht die Zeit der Karren wieder an.

Fuhrleute erobern mit ihren Maultieren die Wege. Mit Getöse rumpeln die eisenbeschlagenen Räder die Basaltsteine entlang, bringen Amphoren mit Getreide, Wein, Garum und anderen Waren in die Stadt. Die zumeist günstigen Wirtshäuser füllen sich mit Menschen, die wenig Geld haben. Es sind all die Schmiede, Werkzeugmacher, Weber, Töpfer und Färber, die mit ihrer Familie über ihrer Werkstatt in Einraumwohnungen ohne Herdstelle leben.

Sie suchen Lokale wie jenes von Lucius Vitucius Placidus auf und seiner Frau Ascula an einer Hauptstraße östlich des Zentrums. Gut möglich, dass die beiden auch an diesem Abend hinter ihrer ellförmigen, mit farbigen Marmorbruchstöcken verzierten Theke stehen und Kunden bedienen. Oder in den hinteren Räumen des Lokals Gerichte auf kleinen Öfen erhitzen und den Gästen an ihren Platz bringen.

Wer Geld hat, speist daheim. So wie die beiden Fettje. Veranstalten sie auch an diesem schicksalhaften Herbstabend ein Abendessen bei sich? Dann machen sie und ihre Gäste es sich in einem der Speisezimmer auf Liegesofas bequem, während Musiker Melodien auf der Flöte spielen und Hausdiener Wein und Häppchen servieren, Würstchen aus Schweinefleisch, Oliven, Zwiebeln, Kohl, Käse, Obst, Hülsenfrüchte.

Wenn die eingeladenen Männer und Frauen den Blick über die Wände schweifen lassen, sehen sie eine Mythenwelt in Farbe. An der rückwärtigen Wand etwa einen nackten Mann, der auf ein Rad gebunden wird. Doch nur die Gebildeten können die Darstellungen deuten und geistreiche Kommentare zur Unterhaltung beisteuern.

Beim nackten Mann handelt es sich um Ixion, der die Göttin Juno, Gemahlin des Jupiter, vergewaltigen wollte und nun bestraft wird. »Ganz anders der Abend in den Schenken. Rülpse ordentlich, wenn du trinkst, und trau dich, wenn du den Magen voll hast, die Hinterbacken knattern zu lassen. Lass es donnern!«, hat jemand an die Wand einer Kneipe geschrieben.

In der Taverne des Salvius im Westen Pompejis zieren Wandbilder, frühe Cartoons, die Räume. Sie zeigen wohl typische Szenen in Kneipen wie diesen. Die Gäste zechen. Einige zanken sich, wem der bestellte Wein gehört, sodass eine Bedienung einschreiten muss. Ein Paar umschlingt sich küssend. Zwei Männer sitzen sich auf Hockern gegenüber ein Spielbrett auf den Knien, würfeln und geraten an einander.

Du Verbrecher, ich hatte die drei, ich war's, schimpft der eine. Hör auf, du elender Spitzbube, ruft der andere. Schließlich wirft der Wirt die Streithähne raus. Voll ist es auch im Bordell ein Stück weiter südlich. Ein Kunde nach dem anderen betritt das Eckhaus. Im Erdgeschoss lassen sich die Männer während der Wartezeit von Wandbildern anregen.

Die Gemälde zeigen Paare beim Sex in verschiedenen Stellungen. Aus fünf schmalen Kammern, getrennt nur durch einen Vorhang, gerade groß genug für eine Liege, dringt Gestöhne. Viele Klienten hinterlassen Kritzeleien an den Wänden, auch ihre Namen. Felix hat mit Fortuna geschlafen, heißt es in einer der Kammern.

Hermeros, Phosphorus und Placidus haben sich ebenfalls verewigt. Mirtis, du bläst gut, befindet einer. Manche zahlen den Prostituierten lediglich zwei Asse, so viel wie für zwei Kelche Wein. Nachts. 14 Stunden bis zum Vulkanausbruch. Die letzten Tavernenbesucher stolpern in der Dunkelheit mit einer Laterne in der Hand über die unebenen Gehsteige nach Hause.

In der Villa von Civita Giuliana, jenseits der Stadtmauern im Norden Pompejis, ziehen sich zwei Sklaven und ein Kind in ihre Kammer zurück. Drei Pritschen, ein Nachttopf, ein paar Tonkrüge und Amphoren. Mehr befindet sich nicht in dem 16 Quadratmeter großen Raum. An der kahlen Wand baumelt eine Öllampe an einem Nagel und spendet etwas Licht.

Die drei schlafen in ihren Pritschen nicht auf Matratzen. Sie legen sich auf ein Hängenetz aus Seilen und Schnüren, schlüpfen unter Wolldecken. Morgens, 24. Oktober, 79 nach Christus, sechs Stunden bis zum Vulkanausbruch. Über den Bergen im Osten Pompejis geht die Sonne auf, ein letztes Mal erwacht die Stadt, wieder duftet es in den Gassen nach Brot.

Vielleicht wundern sich manche Einwohner, dass an diesem Morgen die Vögel nicht zwitschern oder dass die Pferde und Hunde unruhig sind, für die meisten aber beginnt zunächst der Alltag. In einem Anwesen im Osten der Stadt fangen drei oder vier Maler mit ihrer Arbeit an. In einem 50 Quadratmeter großen Saal stellen sie an zwei Wänden Gerüste auf.

Sie rühren in bottigem Putz an, mischen Farben. Dann wirft einer den Kalkputz an die Wände, während seine Kollegen Pinsel aus Schweineborsten in die Farben tunken und diese rasch auf den nassen Putz auftragen. Sie bringen schwarze und blaue Felder auf die Wände. Zeichnen gerade Linien und feine geometrische Kurven.

Nicht nur hier sind Handwerker bei der Arbeit. Im Norden der Stadt haben sie in einem Raum, der renoviert werden sollte, kurz zuvor mit Kohle ein Datum auf die Wand gemalt. 16. K. November. 16 Tage vor den Kalenden des Novembers, dem Beginn des neuen Monats. Im Zentrum von Pompeji verfällt der Bäcker Modestus in seiner Backstube in hektische Betriebsamkeit.

Um seine Kundschaft auch während der Mittagszeit mit Brot versorgen zu können, schiebt er 81 Runde Laibe in seinen Backofen und schließt die Tür. Vormittags, eine Stunde bis zum Vulkanausbruch. Immer wieder wackelt jetzt der Boden. In den Häusern der Reichen zerbricht Glas. Die Menschen in Pompeji hören ein Grollen, das aus den Tiefen der Erde zu ihnen empor dringt, und am Himmel sehen sie kleine graue Wolken über dem Vesuv aufsteigen.

Einige beschleicht nun vielleicht ein ungutes Gefühl, und sie verlassen die Stadt. Andere schließen ihre Läden und eilen zum Forum. Vielleicht weiß dort jemand, was am Vesuv vor sich geht? Dort brodelt es unter der Erdoberfläche, wirken gewaltige Kräfte. Seit Millionen von Jahren schon schiebt sich die kleinere adriatische Kontinentalplatte langsam unter die größere eurasische Platte und schmilzt im Erdmantel.

Heißes Magma sammelt sich in einer Kammer unterhalb des Versuchs und drückt unaufhörlich nach oben. Noch blockiert ein gigantischer Pfropfen aus Gestein und Erde am Schlot des Vulkans den Weg des Magmas an die Oberfläche Doch der Druck wächst jetzt unaufhaltsam Das aufsteigende Magma stößt auf das Grundwasser im Vulkankegel Das Wasser erhitzt sich, verdampft und sprengt schließlich den verstopften Schlot des Vesuvs frei Die Katastrophe beginnt Mittags Der Vulkan bricht aus.

Plötzlich schießt eine gewaltige dunkle Säule aus Asche, Magma und Gestein in den Himmel. Dann ertönt ein dumpfer Knall. Die Kuppe des Vesuvs explodiert. Felsbrocken fliegen aus der Säule heraus und schlagen donnernd auf den Boden auf. Die Aschewolke verdunkelt den Himmel. Dann hören die Menschen ein Prasseln, das anschwillt.

Erbsen große zu Bimsstein geronnene Lava, leichter als Wasser, aber heiß oder glühend geht auf die Stadt nieder. Wie reagieren die Einwohner der Stadt? Bricht eine Massenpanik aus? Helfen sie sich gegenseitig? Sicher leert sich das Forum schnell. Die Menschen flüchten unter die Säulengänge oder in ihre Häuser, versuchen in dem Chaos ihre Liebsten zu finden.

Daheim wenden sich viele ihrem Hausschrein zu, flehen die Götter um Schutz an. Vielleicht treten auch die Fettierbrüder an ihren Schrein im Atrium heran. Darauf spendet der Herr des Hauses Weihrauch und opfert den beiden Hausgöttern, die ihn flankieren. In der Sklavenkammer der Villa von Civita Giuliana fällt im Moment des Vulkanausbruchs die Tonlampe von der Wand und zerschellt.

Die beiden Erwachsenen und das Kind, die hier hausen und gleichzeitig arbeiten, hantieren gerade mit einer Wagen Deichsel und stürzen aus dem Zimmer. In dem Anwesen, in dem die Maler zugange sind, kippt auf einem Gerüst ein Eimer mit Gips um und fällt gegen eine Wand Die Männer ergreifen die Flucht, ihre Pinsel, Farbtöpfe und Werkzeuge bleiben zurück, Der Bäcker Modestus rennt aus seinem Laden, die 81 Brote verkohlen im Ofen.

35 Kilometer entfernt, in Misenum, auf der gegenüberliegenden Seite des Golfs von Neapel, schreckt der Naturforscher und Befehlshaber der kaiserlichen Flotte, Gaius Plinius Secundus, von seinen Studien hoch. Seine Schwester macht den Mann Mitte 50, der einmal Plinius der Ältere genannt werden wird, auf ein Naturspektakel am Himmel aufmerksam.

Im Osten, über dem Vesuv, sehen sie eine gigantische Wolke in Form eines Pinienbaums aufsteigen. Plinius, der für sein epochales Werk zur Naturgeschichte das Wissen von 400 Autoren zusammengetragen getragen und in 37 Büchern mit 2493 Kapiteln niedergeschrieben hat, will sich die Wolke aus der Nähe anschauen und lässt ein Boot bereit machen.

So beschreibt es Plinius' Neffe, Gaius Plinius, Cicilius Secundus, Plinius der Jüngere in einem Brief. Seine Schilderungen sind die wichtigste Textquelle zum Vulkanausbruch. Nachmittags, zwei Stunden nach dem Vulkanausbruch. Pompeji ist eine Stadt auf der Flucht. Die Wirts-Eheleute Lucius, Fetutius, Placidus und Ascula verstecken in der Theke in einem Terrakottatopf unter einer Schicht Kiecher, Erbsen oder Bohnen mehr als 1300 Münzen, bevor sie aufbrechen.

Viele raffen Schmuckspiegel, ein paar Münzen zusammen, packen das, was sie tragen können, binden sich zum Schutz vor dem Steinregen ein Kissen um den Kopf, schließen ihre Haustüren ab und eilen zum nächstgelegenen Stadttor. Manche führen Esel mit sich, Wagen und Schubkarren. Die Familie Sulpizius schleppt eine Truhe mit Finanzpapieren, nur um sie hinter dem Stadttor schließlich doch zurückzulassen.

Bloß raus hier, Richtung Süden, nach Stabie, gegen Osten, nach Noceria. Oder doch zum städtischen Hafen auf eines der dort ankernden Schiffe? Letztere Hoffnung erweist sich als trügerisch. Der Wind weht von Westen, hält die Schiffe an der Küste fest. Nicht nur kleine Steinchen gehen auf die Stadt nieder, auch Asche.

Den Menschen in der Stadt fällt das Atmen zunehmend schwerer. Manche halten sich ein Tuch vor Mund und Nase, Mühsam bahnen sie sich ihren Weg durch die Bimssteine Je länger sie zögern, desto schwieriger wird es, Pompeji zu verlassen Jede Stunde wächst die Bimsschicht um 15 Zentimeter Trotzdem ziehen sich viele in ihre Häuser zurück Hoffen hier, die Katastrophe zu überstehen.

Nicht jeder, der fliehen möchte, kann Pompeji verlassen. In einer Villa, unmittelbar vor den Toren der Stadt, lassen die Besitzer einen ihrer Sklaven zurück, an einen Steinpfosten gekettet mit dicken Eisenringen um Knöchel und Waden. In Bisenum, Stützpunkt der kaiserlichen Flotte, will Plinius gerade sein Boot besteigen, als ihn einen Hilferuf per Brief erreicht.

Die mit ihm befreundete Rectina, die am Fuße des Vesuvs lebt, bittet ihn, sie per Schiff zu retten. Jetzt erkennt der Naturforscher und Kommandant den Ernst der Lage und lässt Truppentransporter bereit machen. Er erklärt die kleine Forschungs- zu einer groß angelegten Evakuierungsmission und nimmt Kursgen-Vesuv der tödlichen Gefahr entgegen.

Abends, sechs Stunden nach dem Vulkanausbruch. Wer jetzt noch in Pompeji-Wald ist verloren. Die Häuser, in denen Einwohner Zuflucht gesucht haben, entpuppen sich als tödliche Fallen. So hoch ist die Steinschicht mittlerweile gewachsen, dass sich viele Türen nicht mehr öffnen lassen, während gleichzeitig das Gewicht der Bimssteine auf den Flachdächern lastet.

Erste Dachbalken brechen zusammen und begraben Menschen in ihren Häusern. Plinius' Flotte nähert sich der Küste. Aschebrocken gehen auf die Schiffe nieder, doch der General hält in dem aufgewühlten Meer Kurs. Sechs Kilometer südlich von Pompeji, in Stabiae, legt er schließlich an. Evakuieren kann er die Einwohner nicht, drückt doch auch hier der Wind die Schiffe an die Küste.

Während der Vesuvrum mohrt, die gewaltige Wolke immer höher steigt, Flammenstreifen die Dunkelheit durchbrechen, Bimssteine auf den Ort regnen und die Einwohner voller Panik die Götter um Beistand anflehen, besucht Plinius einen befreundeten Senator, nimmt ein Bad und legt sich schlafen. Nachts, zwölf Stunden nach dem Vulkanausbruch Schon ein paar Stunden später wird Plinius instabier geweckt.

Erdstöße erschüttern die Häuser. Menschen flüchten zum Strand. Dort ankern die rettenden Schiffe, die jedoch immer noch nicht auslaufen können. Der Vesuv schleudert noch mehr Gas und Gestein in die Höhe, bis aus seinem Inneren nichts mehr nachkommt. Der Rauchsäule fehlt der Druck von unten. Die Aschepartikel und Gase in der Wolke kühlen ab, sind nicht länger leichter als die Luft, die sie umgibt.

Teile der Rauchsäule fallen in sich zusammen und stürzen aus gewaltiger Höhe auf die Erde. Asche, Gase und Steine formieren sich zu Lawinen bis zu 400 Grad heiß. Diese pyroklastischen Ströme rasen nun den Hang des Vulkans hinab. Vernichten auf ihrem Weg alles. Zuerst das Städtchen Herkulaneum an der Westflanke des Vesuvs.

Morgens, 18 Stunden nach dem Vulkanausbruch. Gegen 6.30 Uhr erreicht die erste Glutlawine Pompeji. Sie zerschellt an der Stadtmauer. Obwohl der Tag anbricht, bleibt der Himmel über Pompeji dunkel, die Aschewolke hängt über der Stadt, der Vulkan grollt, die Erde bebt. Kurz darauf erreichen zwei weitere heiße Wellen die Stadt.

Nun überwinden sie den Wall, büßen den Großteil ihrer Zerstörungskraft jedoch ein. Zwanzig Stunden haben Menschen in der Stadt ausgeharrt, der Hölle getrotzt. Vielen aber ist klar, sie müssen raus aus Pompeji. Gegen sieben Uhr dreißig springt im Norden ein Mann vom Balkon seines Hauses auf die Straße, in der sich die Bimssteine mittlerweile zwei Meter hoch stapeln.

Bei sich trägt er einen Stoffsack mit Münzen aus Silber und Kupfer und seinen Haustürschlüssel. Mühsam wartet er in der Finsternis durch die kleinen Steinchen Jeder Schritt kostet Kraft. Zeitgleich, ganz im Süden der Stadt, versucht eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von 13 Menschen durch ein Tor aus der Stadt zu entkommen. Kinder, Frauen, Männer.

Im Osten lässt eine weitere Gruppe Pompeji auf einer Ausfallstraße bereits hinter sich. Eine der Frauen trägt eine kleine Silberstatuette bei sich. Es ist die Glücksgöttin Fortuna auf einem Thron. Doch von Norden her donnert der Tod heran. Diese Glutlawine rollt über die Mauern hinweg, dringt in die Stadt, reißt die Obergeschosse fast aller Gebäude mit sich.

Niemand kann ihr entkommen. Der Mann nicht, der vom Balkon gesprungen war und gerade die nächste Kreuzung erreicht, auch nicht die 13 Menschen am Südrand. Als die Welle sie zu Boden wirft, halten viele die Hände schützend vors Gesicht. Ein Mann versucht, sich mit letzter Kraft aufzustützen. Ein Junge fasst sich an die Brust, öffnet den Mund zu einem Schrei.

Die Frau, die Fortuna bei sich trägt, kommt um, ebenso der Sklave, der in einer Villa angekettet ist. Auch der Wachhund des Wäscherei-Unternehmers Vesonius kann nicht entkommen. Sie alle sterben binnen weniger Sekunden, ersticken, als heiße Aschepartikel in ihre Lunge dringen oder erliegen dem Hitzeschock.

Auch am Strand von Stabie spitzt sich die Lage zu. Plinius, übergewichtig und Asthmatiker, der das Naturschauspiel untersuchen und Menschen evakuieren wollte, wird Opfer seiner eigenen Rettungsmission. Am Strand bricht er zusammen und stirbt, berichtet sein Neffe. Was ist mit Plinius' Freundin? Rectina? Überlebt sie oder kommt auch sie um?

Über ihr Schicksal schweigt Plinius, der Jüngere. Nach dem Vulkanausbruch. Pompeji liegt unter einer meterdicken Ascheschicht begraben. Die Stadt, in der 700 Jahre lang Menschen gelebt haben, wird an nur einem Tag ausgelöscht. Als der Vesuv sich beruhigt hat, kehren einige Überlebende noch einmal zurück, suchen nach Habseligkeiten.

Auch Plünderer machen sich zu schaffen. Einige versuchen, die Stadt wieder zu besiedeln, lassen sich auf den Ruinen der oberen Etagen nieder. Doch der Wiederaufbau scheitert. Pompeji gerät in Vergessenheit. Mehr als tausend Jahre lang. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts graben Archäologen die Stadt aus bis heute.

Sie legen das prächtige Anwesen der Fettier frei und finden die Marmoskultur mit dem Phallus. In der Bäckerei des Modestus öffnen sie den Ofen und entdecken die 81 Brotlaibe. An einer Hauswand entziffern sie die Inschrift 16K NOV. Manche Forschende schließen daraus, dass die Eruption wahrscheinlich am 24.

Oktober stattgefunden hat, nicht am 24. August, auf den der Brief des Plinius verweist. Zudem stoßen sie auf die Überreste von mindestens 1300 Opfern des Vulkanausbruchs. Ihre Körper verwesten unter der ausgehärteten Asche Zurück blieben Hohlräume Forschende gießen Gips hinein Und erschaffen detaillierte Abgüsse jener Frauen, Männer, Kinder Angst verzerrt ihr Antlitz Manche schützen den Kopf mit den Armen Andere kauern auf dem Boden Zwei Menschen umarmen sich ein letztes Mal Sie sind die Gesichter der Katastrophe von Pompeji bis heute.

Das war Menschen, die Geschichte machten. Wir hoffen, dass Ihnen diese Folge gefallen hat und würden uns freuen, wenn Sie Menschen, die Geschichte machten, in Ihrer Podcast-App abonnieren, wenn Sie uns weiterempfehlen und wenn Sie auf GeoPlus vorbeischauen. Dort finden Sie ein breites Themenangebot aus den Bereichen Psychologie, Gesundheit, Wissenschaft, Natur und natürlich viel Geschichte.

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