
Hercule Poirot – Deutsche Krimi-Hörspiel· Folge 17
Hercule Poirot: Tödliches Schachmatt im letzten Zug | Deutsche Krimi-Hörspiele
Sonntag, 11. Oktober 2026 · 1 h 20
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Shownotes
Hercule Poirot ermittelt in einem tödlichen Schachrätsel, bei dem jeder Zug eine neue Spur enthüllt. Als ein scheinbar perfektes Remis zum Mordfall wird, muss der Meisterdetektiv Logik, Täuschung und verborgene Motive entschlüsseln. Dieses spannende Krimi-Hörspiel bietet klassische Detektivarbeit, raffinierte Wendungen und eine mörderische Partie. Jetzt anhören und miträtseln! #HerculePoirot #KrimiHörspiel #Detektivgeschichte #Mordfall #Schachrätsel
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Hier in der Stille eines regnerischen Abends, mit einer warmen Tasse Tee in der Hand und der Stille draußen, lade ich Sie ein, sich zurückzulehnen, die Augen zu schließen und zuzuhören. Willkommen bei Die kleinen grauen Zellen. Heute Abend tauchen wir ein in das neblige England der 1930er Jahre. Ein abgelegenes Herrenhaus, ein uraltes Elfenbeinschachspiel und acht brillante Köpfe, die sich zu einem schicksalhaften Turnier versammeln. Dann erscheint Hercule Poirot nicht als Spieler, sondern als derjenige, der das tödliche Spiel entschlüsseln wird. Denn es geht hier nicht nur um Schach, es geht um Mord.
Machen Sie es sich bequem, schließen Sie die Augen und lassen Sie die kleinen grauen Zellen ihre Arbeit tun. Kapitel 1 Der Zug nach Little Fanning Es regnete, wie es nur in England regnen kann. ein gleichmäßiges, hartnäckiges, fast beleidigtes Brasseln, das gegen die Scheiben des Zuges schlug, als wollte es sagen, ihr habt mich doch eingeladen, jetzt beklagt euch nicht. Hercule Poirot saß kerzengerade in der Ecke des Erste-Klasse-Abteils, die kleinen Hände über dem silberbeschlagenen Knauf seines Spazierstocks gefaltet. Sein Blick ruhte auf der vorbeiziehenden Landschaft, die jedoch kaum mehr als ein graues, verschwommenes Aquarell aus Feldern, Hecken und fernen Hügeln bot.
Neben ihm saß Captain Arthur Hastings, der sich gerade die fünfte Zigarette dieses Nachmittags anzündete.» Wirklich, Poirot!« begann Hastings und blies den Rauch zur Decke. Ich verstehe immer noch nicht ganz, warum wir diese Einladung angenommen haben. Ein Schachtturnier in einem gottverlassenen Kaff namens Little Fanning? Das klingt doch eher nach einer Strafarbeit als nach einem Wochenende auf dem Land. Poirot bewegte nur minimal den Kopf, sodass ein winziger Sonnenstrahl, der sich verirrt hatte, auf seine pomadisierten Schnurrbarthaare fiel. Mon ami, antwortete er leise, es handelt sich nicht um irgendein Schachtturnier.
Es handelt sich um das alljährliche Ivory Masters Tournament. Nur acht Teilnehmer, nur die besten und nur ein Preis, ein komplettes Schachset aus antikem Elfenbein, das einmal dem Großmeister Andersen gehörte. Das allein wäre schon Grund genug. Aber... Er machte eine kleine dramatische Pause, wie ein Dirigent vor dem ersten Takt eines schweren Allegro.» Es ist die Art der Einladung, die mich interessiert. Persönlich, von Hand geschrieben, mit schwarzer Tinte und mit dem Satz» Kommen Sie, Monsieur Poirot«. Hier wird eine Partie gespielt werden, die selbst ihre kleinen grauen Zellen herausfordern wird.
Hastings pulled up his eyebrows.» It sounds suspiciously like a challenge.«» Precisément,« murmured Poirot,» and I will never ignore challenges of this kind.« The train slowed down its journey. A shrill whistle sounded. Through the rain, the first houses of Little Fanning became visible. Niedrige Cottages mit Schieferdächern, ein Pub mit dem Namen The Black Knight, und dann, etwas abseits auf einer sanften Anhöhe, das Herrenhaus, Fanning Court. Es war ein graues, etwas düsteres Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert, mit hohen Schornsteinen und unzähligen kleinen Fenstern, die wie Augen in die nasse Landschaft starrten.
Im Vorgarten stand eine riesige, uralte Eiche, deren Äste sich wie die Finger eines Riesenkrake über den Kiesweg legten. Als der Zug hielt, wartete bereits eine schwarze Limousine mit Chauffeur. Der Mann trug einen langen, glänzenden Regenmantel und hielt einen Schirm, der kaum groß genug war, zwei Personen trocken zu halten.
Monsieur Poirot? fragte er mit tiefer, fast militärischer Stimme.» Oui. Und Captain Hastings?« Hastings nickte.» Mr. Llewellyn erwartet Sie bereits, wenn Sie mir bitte folgen wollen.« Während sie durch den strömenden Regen zum Auto gingen, beugte sich Hastings zu Poirot und flüsterte.» Wer ist dieser Llewellyn eigentlich?« Poirot lächelte ganz leicht.
Das Lächeln eines Mannes, der bereits drei Züge im Voraus denkt. Evan Llewellyn, ehemaliger Champion der British Chess Federation. Sehr reich, sehr exzentrisch. Und, wie man hört, seit einigen Jahren sehr krank. Die Autotür schloss sich mit einem satten Geräusch. Der Motor sprang an. Der Wagen rollte langsam die Anhöhe hinauf. vorbei an dem schmiedeeisernen Tor, auf dem zwei geschnitzte Springer einander gegenüberstanden.
Im Inneren des Wagens war es still, abgesehen vom Trommeln des Regens auf dem Dach. Poirot schloss die Augen. Hastings, sagte er plötzlich, ohne die Lieder zu heben. Ja? Sagen Sie mir, wie viele Springer hat ein Schachspiel normalerweise? Hastings lachte leise. Vier. Zwei weiße, zwei schwarze. Poirot nickte langsam. Bon, merken Sie sich das, mon ami. Es könnte später wichtig werden.
Hastings wollte noch etwas fragen. Doch in diesem Moment bog der Wagen in die Auffahrt ein. Und Fannincourt erhob sich vor ihnen. Groß, still und auf eine unbestimmte Weise. Bedrohlich. Das Spiel hatte begonnen. Kapitel 2 Das Haus am Schachbrett Die große Eingangshalle von Fenningcourt roch nach altem Holz, Bienenwachs und einem Hauch von feuchtem Stein. Ein riesiger Kronleuchter hing von der hohen Decke, doch nur wenige Kerzen brannten, gerade genug, um die Schatten tanzen zu lassen. An den Wänden hingen Portraits längst verstorbener Llewellyns, Alle mit demselben scharfen, leicht spöttischen Blick.
Der Butler, ein hagerer Mann namens Grimshaw, dessen Gesicht aussah, als hätte es schon zu viele Partien remis gespielt, nahm ihnen die Mäntel ab. Mr. Llewellyn erwartet die Herrschaften im großen Salon, sagte er mit der Stimme eines Menschen, der es gewohnt ist, schlechte Nachrichten zu überbringen. Wenn Sie mir bitte folgen wollen. Sie durchquerten einen langen Korridor, an dessen Ende eine Doppeltür aus dunklem Mahagoni stand. Dahinter lag der große Salon, und er war atemberaubend. Der Raum war fast quadratisch, vielleicht zwölf mal zwölf Meter. Die Wände waren mit dunkelgrünem Samt bespannt. In der Mitte stand der Grund, warum man diesen Raum überhaupt gebaut hatte. ein riesiger Schachttisch aus Ebenholz
und Elfenbein, fast drei Meter im Quadrat. Die Figuren, doppelt so groß wie normale Schachfiguren, waren Meisterwerke der Schnitzkunst. Der weiße König trug eine Krone aus echtem Elfenbein, die schwarze Dame einen Schleier aus hauchdünnem Silberdraht. Um den Tisch herum saßen bereits sechs Personen. Alle drehten sich um, als Poirot und Hastings eintraten. Evan Llewellyn erhob sich als erster. Er war Ende 60, sehr schlank, sehr blass. Sein Haar war schneeweiß, die Augen von einem durchdringenden Blau. Er ging am Stock, doch seine Haltung war die eines Mannes, der nie gelernt hatte, sich zu beugen. Monsieur Poirot? sagte er mit leiser, aber fester Stimme.» Willkommen in meinem kleinen Königreich. Und Captain Hastings.
Eine Freude.« Poirot verbeugte sich leicht.» Die Freude ist ganz meinerseits, Monsieur. Ihr Haus ist beeindruckend. Und Ihr Tisch magnifique.« Llewellyn lächelte dünn.» Er ist mein Lebenswerk. Und heute Abend wird der Schauplatz einer Partie sein, die in die Annalen eingehen wird. Er wandte sich den anderen zu. Darf ich vorstellen? Sir Reginald Thorne, unser amtierender britischer Meister. Ein großer, rotgesichtiger Mann, Ende 50, nickte knapp. Sein Händedruck war wie ein Schraubstock. Miss Evelyn Carver, fuhr Llewellyn fort. Die beste weibliche Spielerin der Insel und vielleicht die einzige, die mich je im Ernstfall geschlagen hat.
Miss Carver war vielleicht dreißig. hatte rabenschwarzes Haar und Augen, die alles zu sehen schienen. Sie lächelte Poirot an, ein Lächeln, das mehr Fragen stellte als beantwortete. Professor Julian Blackwood, unser Schachttheoretiker. Der Professor war klein, trug eine Nickelbrille und hatte die nervöse Angewohnheit, ständig mit den Fingern zu trommeln. Dr. Alistair Crane, unser Hausarzt und ein leidenschaftlicher Amateur. Dr. Crane war ein stämmiger Mann mit buschigem Schnurrbart und der ruhigen Art eines Menschen, der schon viel Tod gesehen hat. Und schließlich Lady Margaret Ashford, Mäzenin der Künste und des Schachs. Lady Margaret war über siebzig.
He wore a black top dress and a look. He said, I've already experienced worse. Llewellyn made a small gesture. We are eight. Perfect for our tournament. The first round begins tomorrow morning. But tonight, tonight only a little demonstration game. I against Nunia. He looked at Poirot. Maybe against you, monsieur.
Poirot hob beide Hände.» Non, non, cher Monsieur. Ich bin ein Liebhaber des Spiels, kein Meister. Meine kleinen grauen Zellen sind für andere Rätsel geschaffen.« Llewellyn lachte leise, ein Lachen ohne viel Freude.» Wir werden sehen.« Grimshaw servierte Sherry. Die Unterhaltung floss, höflich, oberflächlich, mit jener englischen Kunstfertigkeit, nie wirklich etwas zu sagen. Doch Poirot bemerkte alles, wie Sir Reginald immer wieder auf seine Taschenuhr sah. Wie Miss Carver die Figuren auf dem Brett mit den Fingerspitzen berührte, fast zärtlich.
Wie Professor Blackwood ständig Notizen in ein kleines schwarzes Büchlein kritzelte. Wie Dr. Crane die Hand von Lady Margaret kurz drückte, als wollte er sie beruhigen. Und wie Evan Llewellyn selbst. Wie er alle beobachtete. Wie ein Großmeister, der die Stellung studiert, bevor er den ersten Zug tut. Plötzlich schlug die große Standuhr zehn. Llewellyn erhob sich. Meine Damen und Herren, ich schlage vor, wir beenden den Abend. Morgen um neun Uhr beginnt die erste Partie. Und ich verspreche Ihnen, es wird eine Partie werden, die man nicht vergisst. Alle erhoben sich.
Man wünschte gute Nacht. Als Poirot und Hastings die breite Treppe hinaufgingen, flüsterte Hastings,» Seltsame Gesellschaft! Finden Sie nicht?« Poirot blieb auf dem Treppenabsatz stehen. Er drehte sich langsam um und blickte zurück in die Halle, wo nur noch das Schachbrett im schwachen Licht stand. Die Figuren, reglos, wartend. Seltsam, mon ami. Non, gefährlich. Hier ist etwas, nicht im Gleichgewicht.
Etwas steht kurz davor, zu kippen. Er berührte leicht seinen Schnurrbart. Und ich, Hercule Poirot, werde da sein, wenn es geschieht. Die Kerzen flackerten. Irgendwo im Haus schlug eine Tür leise zu. Das erste Spiel hatte noch nicht einmal begonnen. Und doch war der erste Zug bereits getan. Die Bühne ist bereitet und der nächste Zug steht bevor. Also, liebe Hörerinnen und Hörer, wo schalten Sie sich heute Abend ein? Aus einer gemütlichen Stadtwohnung, einem ruhigen Landhaus oder an einem so nebligen Ort wie im alten England? Schreiben Sie Ihren Standort in die Kommentare.
Ich freue mich, von Ihnen zu hören. Und wenn Sie diese Rätsel fesseln, abonnieren Sie den Kanal und aktivieren Sie die Benachrichtigungen, damit Sie keine Wendung verpassen. Kapitel 3 Der erste Zug Matt in Weiß Der Morgen des 15. Oktober 1932 brach grau und feucht an. Der Regen hatte aufgehört, doch die Luft war schwer, als hätte sie alle Feuchtigkeit der Nacht in sich aufgesogen. Im Speisesaal von Fenningcourt wurde das Frühstück schweigend eingenommen. Toast, Marmelade, Eier im Becher, schwarzer Kaffee und Tee, der so stark war, dass man damit eine Uhr aufziehen konnte. Poirot saß am Kopfende eines langen Seitentisches, Hastings zu seiner rechten. Gegenüber hatte sich Miss Evelyn Carver niedergelassen,
die mit eleganten, sparsamen Bewegungen ihren Toast butterte. Sie trug ein dunkelgraues Kostüm, das ihre Figur betonte, ohne vulgär zu wirken.» Guten Morgen, Monsieur Poirot«, sagte sie ohne aufzublicken.» Haben Sie gut geschlafen?«» Wie ein Baby, Mademoiselle«, erwiderte Poirot. Allerdings ein Baby, das die ganze Nacht über die Decke betrachtet und über die merkwürdigen Geräusche im Haus nachgedacht hat. Sie lächelte knapp.
Alte Häuser sprechen. Man muss nur zuhören. Sir Reginald Thorne kam als letzter herein. Sein Gesicht war noch röter als am Vorabend, die Augen blutunterlaufen. Er ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen. Verdammter Regen, brummte er. und diese Matratzen, wie auf einem Brett geschlafen. Professor Blackwood, der bereits mit einem Notizbuch vor sich saß, murmelte ohne aufzusehen, Interessant, die Matratzen sind aus Rosshaar, historisch korrekt, aber unbequem. Llewellyn erschien pünktlich um halb neun. Er stützte sich stärker auf seinen Stock als gestern. Meine Damen und Herren, begann er mit ruhiger Stimme. Heute beginnen wir. Das Ivory Masters Tournament. Vier Partien heute. Zwei Halbfinals, dann das Spiel um Platz drei
und das Finale. Jede Partie klassische Zeitkontrolle. Zwei Stunden für 40 Züge, danach eine Stunde Bonus. Er machte eine kleine Pause. Doch bevor wir beginnen, eine kleine Zeremonie. Grimshaw trat vor und stellte eine schmale, mitsamt ausgekleidete Schachtel auf den Tisch. Als er sie öffnete, lag darin das berühmte Elfenbeinset. Die echten Figuren, nicht die überdimensionierten Dekorationsstücke im Salon. Sie waren makellos, fast durchscheinend, von einem warmen Kremten. Der weiße König war etwas größer als die anderen Figuren, als wollte er seine Überlegenheit unterstreichen. Diese Figuren, sagte Llewellyn, werden nur im Finale benutzt.
Der Gewinner darf sie behalten oder sie mir zurückgeben, wenn er möchte. Ich habe sie nicht mehr lange nötig. Ein unbehagliches Schweigen senkte sich über den Tisch. Poirot betrachtete die Figuren lange. Sehr schön, sagte er schließlich. Und sehr zerbrechlich. Genau wie das Leben, antwortete Llewellyn trocken. Um neun Uhr begann die erste Partie. Sir Reginald Thorne gegen Dr. Alistair Crane.
Die beiden setzten sich an den großen Schachttisch. Thorne spielte weiß. Er eröffnete mit ersten E4, klassisch, aggressiv. Crane antwortete mit der sizilianischen Verteidigung. Die anderen Teilnehmer und Poirot saßen im Halbkreis um den Tisch herum. Hastings flüsterte, Thorn sieht aus, als wollte er jemanden umbringen. Vielleicht tut er das gerade, murmelte Poirot. Die Partie entwickelte sich schnell. Thorn spielte forsch, fast brutal. Crane konterte kühl und präzise. Nach 22 Zügen stand Thorn deutlich besser. Ein Bauer mehr. Angriff auf den Schwarzen König. Dann passierte es. Thorn zog seinen Turm nach H8.
Ein scheinbar harmloser Zug. Crane starrte das Brett an. Lange. Sehr lange. Plötzlich wurde er bleich. Unmöglich, flüsterte er. Was ist unmöglich, Doktor? fragte Llewellyn. Crane deutete auf den weißen Turm. This tower. It was still on F1. I saw it. Two trains ago... it was still on F1. Thorne laughed briefly and rudely. Nonsense. You're hallucinating, Crane. No. Crane's voice became sharp. I saw it. And now? Now it's on H8.
That's impossible. Poirot bent over. Seine Augen funkelten. Darf ich? Er nahm die Lupe aus seiner Westentasche, eine kleine silberne Lupe mit Elfenbeingriff, und betrachtete den Turm genau. Dann richtete er sich auf. Monsieur, es stimmt. Auf diesem Turm ist ein winziger, kaum sichtbarer Kratzer, genau an der Stelle, wo der weiße Turm auf F1 normalerweise steht. Dieser Turm hier Er deutete auf den auf H8. Hat keinen Kratzer. Ein Raunen ging durch den Raum. L'Ouellen runzelte die Stirn. Was wollen Sie damit sagen, Monsieur Poirot? Poirot lächelte. Jenes kleine, gefährliche Lächeln, das Hastings so gut kannte. Ich sage, dass soeben ein Springer getauscht wurde. Nein, ein Turm. Jemand hat während der Partie einen weißen Turm ausgetauscht. einen echten alten
gegen einen neuen, makellosen. Er sah in die Runde.» Und das, meine Damen und Herren, ist der erste Mord.«» Mord?« fragte Lady Margaret scharf.» Passe encore«, sagte Poirot leise.» Noch nicht, aber der erste Zug, der Eröffnungszug, und er wurde nicht von einem der Spieler getan.« Die Standuhr schlug halb elf.
Auf dem Brett stand der Turm auf harte Acht und drohte Matt zu setzen. Doch das wahre Schachmatt, so ahnte Poirot bereits, würde nicht auf dem Brett stattfinden. Es würde in diesem Haus geschehen. Und es würde bald geschehen. Kapitel 4 Die Dame in Schwarz Die Atmosphäre im großen Salon hatte sich verändert. Es war, als hätte jemand die Luft mit einem unsichtbaren Schachbrett überzogen. Jeder Atemzug, jeder Blick, jede kleine Bewegung war jetzt ein möglicher Zug. Nach der Unterbrechung der ersten Partie hatte Evan Llewellyn entschieden, dass man fortfahren würde, aber unter verschärften Bedingungen. Niemand durfte mehr ohne Erlaubnis den Tisch verlassen. Grimshaw stand wie ein Wächter neben der Tür.
Und Poirot? Auf ausdrücklichen Wunsch Llewellyns saß nun nicht mehr nur als Zuschauer, sondern als eine Art inoffizieller Schiedsrichter und Beobachter. Die zweite Partie des Vormittags begann um 11 Uhr. Miss Evelyn Carver, weiß, gegen Professor Julian Blackwood, schwarz. Miss Carver eröffnete mit dem Damenbauern, solide, klassisch, fast konservativ. Blackwood responded with the Indian defense. His fingers trembled slightly as he pulled the jumper to F6. Poirot sat behind Miscava. He immediately noticed how her attitude changed as soon as she sat on the board. Her shoulders relaxed, her gaze concentrated, almost hypnotic. She didn't just play chess, she lived it.
An interesting woman! murmelte Hastings leise zu Poirot.» Oui«, erwiderte Poirot,» und gefährlich. Nicht, weil sie schlecht spielt, sondern weil sie sehr, sehr gut spielt, und weil sie es weiß.« Die Partie entwickelte sich langsam, aber mit zunehmender Spannung. Nach 18 Zügen opferte Miscava einen Läufer für zwei Bauern und einen offenen Angriff auf den Schwarzen König. Blackwood runcelled his forehead. He thought long. Too long. Suddenly he raised his head.'' Excuse me,'' he said with a broken voice.'' I... I have to get some fresh air.'' Llewellyn nodded slightly.'' Five minutes. Not more.'' Blackwood stood up and left the salon. The door fell quietly behind him into the castle. Miss Carver leant back
and looked at the board. Her lips formed a tiny, almost invisible smile. Poirot also got up, seemingly casually, and went to the window. He acted as if he were looking at the wet landscape, but his eyes followed the door through which Blackwood had disappeared. Zwei Minuten vergingen, drei, vier. Dann hörten sie es. Ein dumpfer Schlag. Etwas Schweres, das zu Boden fiel. Ein kurzer, erstickter Schrei. Hastings sprang auf.
Was zum Teufel war das? Poirot war bereits an der Tür. Er riss sie auf. Im Flur, nur wenige Meter entfernt, lag Professor Julian Blackwood auf dem Rücken. Seine Augen waren weit aufgerissen. Aus seiner Brust ragte der Griff eines Brieföffners. Silbern, mit einem kleinen Elfenbeinknauf in Form eines Springers. Und auf seiner Stirn, mit Blut geschrieben, stand ein einziges schiefes Wort.
Dame Poirot kniete sich sofort neben den Toten. Er berührte vorsichtig den Hals. Kein Puls mehr. Tod, sagte er ruhig. Seit höchstens zwei Minuten. Die anderen kamen nun ebenfalls herausgelaufen. Miss Carver blieb als letzte stehen. Ihr Gesicht war ausdruckslos.» Wer, wer tut so etwas?« flüsterte Lady Margaret. Poirot erhob sich langsam.
Er betrachtete den Brieföffner und dann das Gesicht der Toten.» Jemand«, sagte er leise,» der eine sehr klare Botschaft senden wollte. Der Professor war schwarz. Die Dame ist die mächtigste Figur auf dem schwarzen Brett.« Er drehte sich zu den anderen um. Seine Stimme war plötzlich hart wie Elfenbein.» Madames et messieurs, das Spiel hat sich verändert. Wir spielen nicht mehr um einen Preis. Wir spielen um unser Leben.« Er sah Llewellyn an.» Monsieur Llewellyn, ich fürchte, Ihr kleines Turnier hat nun einen echten Großmeister als Gegner.« Und dieser Gegner spielt schwarz. Die Standuhr im Salon schlug zwölf. Zwölf tiefe, hallende Schläge. Und irgendwo im Haus, in einem der dunklen Flure, schien jemand
leise zu lachen. Kapitel 5 Ein Turm fällt im Nebel Die Leiche von Professor Julian Blackwood war in ein Nebenzimmer gebracht worden. Dr. Alistair Crane hatte die Untersuchung übernommen. mehr aus Pflicht als aus Hoffnung, noch etwas zu finden.» Brieföffner direkt ins Herz«, sagte er mit tonloser Stimme, während er sich die blutigen Hände an einem Handtuch abwischte.» Sofortiger Tod, kein Kampf, er hat den Mörder nicht einmal kommen sehen.« Poirot stand am Fenster des Zimmers und blickte hinaus in den nebligen Garten. Der Nebel war so dicht, dass die alte Eiche nur noch wie ein dunkler Fleck zu erkennen war.
Kein Kampf, wiederholte er leise. Und doch ein sehr präziser Zug. Der Täter wusste genau, wo er zustechen musste. Und er wusste, dass Blackwood in genau diesem Moment allein sein würde. Hastings, der neben der Tür stand und versuchte, nicht zu blass auszusehen, fragte, aber wie konnte der Mörder so schnell handeln? Blackwood war doch erst seit vier Minuten draußen. Poirot drehte sich um.
Seine Augen waren schmal. Weil der Mord geplant war, mon ami. Nicht spontan. Der Professor musste nur noch den Köder schlucken. Und der Köder war die Luft, die frische Luft. Jemand hat ihn genau dazu gebracht, diesen Raum zu verlassen. Evan Llewellyn saß in einem hohen Lehnstuhl in der Ecke. Sein Gesicht war grau, doch seine Stimme fest. Wer immer es war, er oder sie, hat das Haus wie seine Westentasche gekannt.
Die Dienstbotentreppe ist nur zehn Schritte von hier entfernt. Man konnte kommen und gehen, ohne gesehen zu werden. Poirot nickte langsam. Précisément. Und nun die Botschaft. Er deutete auf die Stirn des Toten, von der das Blut inzwischen mit einem Tuch abgewischt worden war. Dame, mit Großbuchstaben, in Blut geschrieben. Das ist keine spontane Geste.
Das ist ein Statement, ein Schachstatement. Miss Evelyn Carver stand etwas abseits. die Arme verschränkt. Sir Reginald Thorne schnaubte. Oder er wollte sagen, dass die nächste Figur fällt. Die Dame. Also eine der Frauen. Lady Margaret Ashford richtete sich kerzengerade auf. Wollen Sie damit andeuten, Sir Reginald, dass ich oder Miss Carver in Gefahr sind? Nein, antwortete Thorngrob. Ich will damit sagen, dass wir alle in Gefahr sind. Und dass dieser Wahnsinnige ein verdammtes Schachspiel aus uns macht. Poirot hob die Hand, eine kleine elegante Geste, die sofort Stille erzwang.» Madames et Messieurs, hören Sie mir zu. Wir haben nun zwei Möglichkeiten. Die erste, wir rufen die Polizei. Das nächste Dorf ist zwölf Meilen entfernt.
Der Nebel ist dicht. Die Telefonleitung...« Er machte eine kleine Pause.»... ist seit heute Morgen tot. Jemand hat sie durchgeschnitten. Wir sitzen fest.« Mindestens bis morgen früh. Die zweite Möglichkeit, wir spielen weiter, aber nach meinen Regeln. Llewellyn hob eine weiße Augenbraue. Ihre Regeln, Monsieur Poirot? Oui, keine Partien mehr ohne Zeugen.
Jeder bleibt im Blickfeld der anderen. Niemand geht allein irgendwo hin. Und vor allem... Er ging zum großen Schachttisch im Salon zurück und legte die Hand auf den schwarzen Turm.» Wir untersuchen dieses Brett, jedes Detail, jede Figur, denn ich bin überzeugt, der Schlüssel liegt im Spiel, im echten Spiel.« Er nahm den schwarzen Turm hoch und betrachtete ihn im Licht.» Sehen Sie hier«, sagte er,» ein winziger Riss, kaum sichtbar, aber frisch.« Jemand hat diesen Turm benutzt. Vielleicht als Hebel. Vielleicht als Werkzeug.
Oder vielleicht... Er drehte den Turm um. Auf der Unterseite war, mit feiner Nadel eingeritzt, ein winziges Symbol, ein kleines schwarzes Kreuz. Poirot lächelte, jenes gefährliche, wissende Lächeln. Ah, nun wird es interessant. Jemand hinterlässt Visitenkarten. Das Kreuz, das Zeichen der schwarzen Seite.
Und vielleicht das Zeichen des wahren Spielers. Dr. Crane trat vor. Was schlagen Sie vor, Monsieur? Poirot legte den Turm sorgfältig zurück. Ich schlage vor, dass wir heute Abend weiterspielen. Das Turnier muss weitergehen. Der Mörder will es so. Er will, dass wir spielen. Und während wir spielen, werde ich beobachten, ich werde hören, ich werde denken, und irgendwann werde ich den nächsten Zug des Mörders vorhersehen. Er sah in die Runde.
Acht Augenpaare, die ihn anstarrten. Angst, Misstrauen, Berechnung. Denn wissen Sie, fügte er leise hinzu, in einem Schachspiel gibt es nur eine Regel, die wirklich zählt. Der König darf nicht fallen. Aber manchmal muss man einen Turm opfern, um den König zu retten. Die Standuhr schlug eins. Der Nebel draußen wurde dichter.
Und irgendwo im Haus tickte eine Uhr. Schneller als die große Standuhr. Viel schneller. Der Nachmittag kroch dahin wie ein Bauer, der Zug um Zug vorwärts geschoben wird, ohne je wirklich voranzukommen. Der Nebel draußen hatte sich in eine milchige Suppe verwandelt, die jedes Geräusch dämpfte. Im Haus selbst herrschte eine andere Art von Stille. Die Stille von Menschen, die einander nicht mehr trauten. Poirot hatte sich in die Bibliothek zurückgezogen und einen kleinen, aber sehr gut bestückten Raum im ersten Stock.
Die Regale reichten bis zur Decke, gefüllt mit ledergebundenen Bänden über Schachgeschichte, Endspieltheorie und, interessanterweise, Kriminalistik. Hastings saß ihm gegenüber in einem tiefen Ledersessel, die Beine übereinandergeschlagen, eine kalte Pfeife zwischen den Zähnen. Poirot, began he quietly, we sit here like the rats in the trap. And the murderer runs around freely. Why don't we just call everyone together and, I don't know, search each other? Poirot, who was just studying an old book about the mat through two jumpers, closed it slowly. Because that's what the murderer expects, mon ami.
He expects panic. Er erwartet Chaos, und Chaos ist der beste Schutz für den wahren Spieler. Er legte das Buch beiseite und faltete die Hände über seinem Bauch. Lassen Sie uns die Fakten ordnen. Methode, Ordnung, das ist alles, was zählt. Er begann an den Fingern abzuzählen. Eine Geste, die Hastings immer wieder faszinierte. Erstens. Professor Blackwood wird getötet, kurz nachdem er den Salon verlassen hat. Die Tatwaffe, ein Brieföffner mit Elfenbeingriff in Form eines Springers. Zweitens, auf seiner Stirn das Wort Dame, in Blut geschrieben. Drittens, der Täter muss das Haus sehr gut kennen. Dienstbotentreppe, kurzer Weg, keine Zeugen. Viertens, die Telefonleitung ist durchgeschnitten. Fünftens, der Turm auf dem Brett
mit dem kleinen Kreuz auf der Unterseite. Hastings runzelte die Stirn. Das Kreuz? Glauben Sie, es hat eine religiöse Bedeutung? Poirot schüttelte den Kopf. Nur ein winziges, präzises Schütteln. Non, in der Schachwelt ist das schwarze Kreuz ein altes Symbol. Es wurde von einigen Meistern des 19. Jahrhunderts verwendet, um ihre privaten Analysenotizen zu kennzeichnen. Besonders von einem Mann. Hastings beugte sich vor. Wer? Ignaz Kolbe, ein ungarischer Meister, der in den 1880er Jahren verschwand. Man munkelte, er sei wahnsinnig geworden.
Obsession mit dem perfekten Mord auf dem Brett. Er schrieb ein unveröffentlichtes Manuskript. Die schwarze Partie, wie man das Leben matt setzt. Das Buch verschwand mit ihm. Poirot stand auf und ging langsam zum Fenster. Und nun? Evan Llewellyn besitzt das berühmteste Elfenbeinset der Welt. Ein Set, das einmal Andersen gehörte und später, für kurze Zeit, Ignaz Kolbe. Hastings pfiff leise durch die Zähne.» Sie glauben, Llewellyn hat etwas mit Kolbe zu tun?«» Ich glaube«, sagte Poirot,» dass jemand hier im Haus die Partie nachspielt. Nicht nur ein Mord, eine ganze Partie. Und die Figuren sind wir.« Er drehte sich abrupt um.» Sagen Sie mir, Hastings, wer im Raum hat am meisten zu verlieren, wenn das Turnier abgebrochen wird?« Hastings thought.
Llewellyn herself. It is his life's work. His last tournament. If one may give faith to the rumors about his illness. Or Poirot raised a finger. Someone who necessarily wants the prize money or the set. Someone who knows that Llewellyn dies and that his testament makes the set the winner. Hastings starrte ihn an.» Steht das im Testament?« Poirot lächelte dünn.» Ich habe heute Morgen ein sehr interessantes Gespräch mit Grimshaw geführt.
Der Butler ist redselig, wenn man ihn mit der richtigen Tasse Tee versorgt.« Er ging zurück zum Tisch und nahm ein kleines Blatt Papier aus seiner Tasche. Eine hastig gemachte Skizze des Schachbretts vom Vormittag. Sehen Sie hier. Die Stellung, als Blackwood ging. Weiß hatte leichten Vorteil. Aber Schwarz, Schwarz hatte die Dame noch. Und die Dame war, er tippte auf eine Stelle. Auf D8, genau in der Ecke, sicher, aber isoliert. Bereit zum Sprung. Poirot sah Hastings direkt in die Augen. Die Dame in Schwarz ist noch nicht gefallen, Monami.
Aber sie beobachtet. Und sie wartet auf ihren Moment. In diesem Augenblick klopfte es leise an der Tür. Grimshaw steckte den Kopf herein. And she's waiting for her moment. In this moment, it knocked quietly at the door. Grimshaw put his head in. Excuse me, Mr. Poirot. Mr. Llewellyn asks everyone to go to the salon. He wants to continue the tour. Poirot nodded slowly. Of course he wants that.
He stroked his mustache. Then let's go. Aber merken Sie sich eines, Hastings, in dieser Partie ist derjenige, der am verzweifeltsten weiterspielen will, oft derjenige, der am meisten Angst hat zu verlieren. Sie verließen die Bibliothek. Die kleinen grauen Zellen arbeiteten auf Hochtouren. Und irgendwo im Nebel, tief im Inneren des Hauses, bewegte sich eine schwarze Figur lautlos von Feld zu Feld. Kapitel 7 Das Geheimnis des fehlenden Springers Der Salon war hell erleuchtet, alle Kronleuchter brannten, als wollte man die Schatten vertreiben. Doch die Schatten saßen bereits am Tisch, in den Gesichtern der Anwesenden. Evan Llewellyn hatte entschieden, dass das Turnier fortgesetzt werden sollte, wenn auch in veränderter Form.
Nur noch eine Partie heute Abend. Sir Reginald Thorne, Weiss, gegen Miss Evelyn Carver, schwarz. Poirot hatte zugestimmt, unter der Bedingung, dass er und Hastings unmittelbar neben dem Brett sitzen durften. Niemand widersprach. Die Figuren wurden aufgestellt. Thorne, dessen Hände leicht zitterten, eröffnete mit erste D4, Miss Carver antwortete mit eher SF6, die Nimzowitsch-Indische Verteidigung. Ruhig, kontrolliert, fast gelangweilt. Die Züge folgten schnell aufeinander. Nach zwölf Zügen stand die Stellung ausgeglichen. Doch Poirot bemerkte etwas, das die anderen noch nicht sahen. Miss Carver hatte ihren schwarzen Springer nach C6 gezogen. Aber auf dem Brett fehlte plötzlich ein Springer. Poirot beugte sich vor.
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Doch sie durchschnitt die Stille wie ein Messer. einen Moment bitte. Alle erstarrten. Poirot nahm den schwarzen Springer vom Brett, den, der gerade gezogen worden war, und hielt ihn ins Licht. Dieser Springer ist nicht der gleiche wie der, der zu Beginn auf B8 stand. Er drehte die Figur um. Auf der Unterseite war wieder das kleine schwarze Kreuz eingeritzt. Der echte Springer, fuhr Poirot fort. hatte eine winzige Kerbe am Sockel. Dieser hier ist makellos, neu, ersetzt. Thorn schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. Verdammt nochmal! Wer macht hier eigentlich mit den Figuren herum? Miss Carver blieb vollkommen ruhig. Sie nahm den Springer aus Poirot's Hand, betrachtete ihn kurz und
stellte ihn wieder aufs Brett. auf genau dasselbe Feld. Vielleicht, sagte sie mit sanfter Stimme, sollte man fragen, wer die Figuren als letztes berührt hat, bevor das Turnier begann. Alle Blicke richteten sich auf Evan Llewellyn. Der alte Mann lächelte schwach. Ich habe sie gestern Abend selbst aufgestellt. Allein. Niemand war dabei.
Poirot nickte langsam. Natürlich. Das ist ja das Schöne an einem guten Rätsel. Jeder hat ein Alibi. Und doch hat jeder Gelegenheit. Er wandte sich wieder dem Brett zu. Aber sehen Sie, der fehlende Springer ist nicht nur ein Detail. Er ist ein Hinweis. Im Schach ist der Springer die einzige Figur, die über andere Figuren springen kann. Er ignoriert Hindernisse.
Er kommt aus unerwarteten Winkeln. Und genau das hat unser Mörder getan. Er springt. Er ersetzt. Er hinterlässt Zeichen. Und er will, dass wir es bemerken. Hastings beugte sich zu Poirot. Was bedeutet das Kreuz wirklich? Poirot antwortete leise, sodass nur Hastings es hören konnte. Es bedeutet, ich bin noch da.
Ignaz Kolbe hat es immer benutzt, wenn er eine Variante in seinen Analysen als die wahre, die tödliche Linie markierte. Jemand hier im Raum glaubt, er spielt die wahre, tödliche Linie dieser Partie. Plötzlich stand Lady Margaret auf. Ihre Stimme zitterte. Ich halte das nicht mehr aus. Ich gehe auf mein Zimmer.
Poirot hob die Hand, eine kleine, bestimmte Geste. Lady Margaret, ich muss Sie bitten zu bleiben. Aus Sicherheitsgründen und aus einem anderen Grund. Sie starrte ihn an. Welchem anderen Grund? Poirot ging langsam um den Tisch herum, bis er direkt vor ihr stand. Weil der fehlende Springer vielleicht gar nicht fehlt.
Vielleicht wurde er nur umgestellt. Und vielleicht... Er drehte sich plötzlich zu Grimshaw, der immer noch reglos an der Tür stand. Grimshaw, würden Sie bitte die Schublade des kleinen Sekretärs dort drüben öffnen? Die linke untere. Der Butler zögerte nur eine Sekunde. Dann ging er hinüber, zog die Schublade auf. Darin lag, auf einem schwarzen Samttuch, der echte schwarze Springer. Mit der kleinen Kerbe am Sockel. und daneben ein zweites kleines schwarzes Kreuz, in die Tischplatte der Schublade geritzt. Ein Raunen ging durch den Raum. Poirot nahm den Springer vorsichtig heraus.» Sehen Sie, der Springer ist nicht verschwunden. Er wurde nur aus dem Spiel genommen, vorübergehend. Genau wie Professor Blackwood.« Er legte die
Figur langsam zurück aufs Brett. auf das Feld, auf das sie eigentlich gehörte. Und nun, meine Damen und Herren, spielen wir weiter, aber diesmal mit offenen Augen. Miss Carver lächelte, ein winziges, fast unsichtbares Lächeln. Einverstanden, Monsieur Poirot. Sie zog ihren nächsten Zug, DC-7. Die Dame trat ins Spiel, und Poirot wusste. Die Partie hatte gerade erst begonnen, wirklich gefährlich zu werden. Kapitel 8 Gespräche bei Tee und Schach Der Regen hatte wieder eingesetzt, ein monotones, gleichmäßiges Trommeln gegen die hohen Fenster des Salons. Nach der Entdeckung des zweiten Springers hatte niemand mehr Lust, Schach zu spielen. Trotzdem saßen alle um den großen Tisch herum, als wäre es das Einzige,
was sie noch zusammenhielt. Grimshaw hatte Tee gebracht. Stark, schwarz, fast bitter, genau wie die Stimmung. Poirot rührte langsam in seiner Tasse. Das silberne Löffelchen machte ein leises, rhythmisches Klirren. Nun begann er schließlich. Wenn niemand mehr spielen möchte, dann sollten wir wenigstens reden. Reden ist manchmal nützlicher als ein Springerzug.
Sir Reginald Thorne brummte etwas Unverständliches in seinen Schnurrbart. Worüber denn zum Teufel? Darüber, wer von uns der Nächste ist? Poirot lächelte mild. Non! Mon cher Sir Reginald, darüber, warum jemand so viel Mühe auf sich nimmt, um uns mitzuteilen, dass er oder sie die Figuren kontrolliert. Miss Evelyn Carver nahm einen kleinen Schluck Tee. Dann stellte sie die Tasse mit präziser Bewegung ab. Vielleicht will derjenige gar nicht verstecken, wer er ist. Vielleicht will er, dass wir es wissen, dass wir Angst haben. Angst macht unvorsichtig. Unvorsichtige Menschen machen Fehler.
Lady Margaret Ashford lachte kurz und trocken auf. Ein Lachen ohne Freude. Sehr philosophisch, Miss Carver. Aber sagen Sie mir doch, warum sollte ausgerechnet ich Angst haben? Ich bin die Älteste hier. Wenn jemand stirbt, dann doch wohl zuerst ich, von ganz allein. Dr. Alistair Crane legte seine große Hand beruhigend auf ihren Unterarm.» Niemand stirbt hier von allein, Lady Margaret, nicht mehr.« Evan Llewellyn, der bis dahin geschwiegen hatte, räusperte sich leise.» Ich habe Ihnen allen gesagt, dass dies mein letztes Turnier sein würde.
Ich bin krank, sehr krank. Die Ärzte geben mir noch Monate, vielleicht Wochen.« Deshalb wollte ich dieses Set noch einmal sehen. Im Spiel. Noch einmal die Figuren spüren. Und wenn ich sterbe, soll er... es an jemanden gehen, der es wirklich verdient hat. Poirot nickte langsam. Ein sehr schöner Gedanke, Monsieur. Und ein sehr gefährlicher. Denn plötzlich hat jeder hier ein sehr starkes Motiv.
Das Elfenbeinset. Unschätzbar. Ein Vermächtnis. Und für manche vielleicht die letzte Chance auf Ruhm. Hastings, der bisher nur zugehört hatte, stellte seine Tasse ab. Aber Mord wegen eines Schachsets? Das ist doch verrückt. Verrückt, wiederholte Poirot sanft. Vielleicht. Aber Schach ist ein verrücktes Spiel, Hastings. Man opfert Figuren, um zu gewinnen.
Man opfert sogar die eigene Dame, wenn es sein muss. Warum sollte jemand nicht auch Menschen opfern? Er sah in die Runde. Lassen Sie uns ehrlich sein. Jeder von Ihnen hat eine Geschichte mit diesem Haus. Mit Herrn Llewellyn, mit dem Set. Er wandte sich zuerst an Sir Reginald. Sir Reginald, Sie haben vor drei Jahren gegen Herrn Llewellyn verloren. Im Finale der British Open. Ein Remisangebot abgelehnt. Und dann... Matt in sieben. Sie haben nie wieder ein großes Turnier gewonnen.
Ihr Name verblasst. Aber dieses Set... Das würde sie wieder ins Rampenlicht bringen. Thorn wurde rot. Das ist lächerlich. Poirot hob nur die Schultern. Dann Miss Carver. Sie haben Llewellyn einmal geschlagen. Vor zehn Jahren. Ein Skandal damals. Die junge Frau besiegt den alten Meister. Man sagte, er hätte absichtlich verloren.
Um sie zu fördern. Oder um sie zu demütigen. Wer weiß das schon? Miss Carver lächelte kalt. Er hat nicht absichtlich verloren. Ich war einfach besser. Poirot neigte den Kopf. Und Professor Blackwood. Er war der Einzige, der die Theorien von Ignaz Kolbe wirklich verstand. Er schrieb darüber. Er suchte das Manuskript. Vielleicht hat er es gefunden, hier, im Haus.
Er machte eine kleine Pause. Dr. Crane, Sie behandeln Herrn Llewellyn seit Jahren. Sie wissen mehr über seinen Zustand als jeder andere. Vielleicht wissen Sie auch, wie lange er wirklich noch hat. Crane schwieg. Und Lady Margaret, Sie haben das Set vor vielen Jahren finanziert. Es war ihr Geld, mit dem Llewellyn es kaufte. Im Testament steht, dass es ihnen zurückfällt, wenn er vor dem Turnier stirbt. Aber wenn das Turnier beendet wird und er gewinnt, dann gehört es dem Sieger.
Lady Margaret presste die Lippen zusammen. Sie haben wirklich alles herausgefunden, Monsieur Poirot. Non, sagte Poirot leise, noch nicht alles. Aber genug, um zu wissen, der Mörder ist keiner von ihnen. Oder alle von ihnen. Und das ist der springende Punkt. Plötzlich stand Evan Llewellyn auf. Langsamer als sonst, aber mit überraschender Entschlossenheit.
Genug geredet. Morgen früh setzen wir das Turnier fort. Finale. Nur noch zwei Spieler. Wer gewinnt, bekommt das Set. Und wer verliert, vielleicht sein Leben. Er sah Poirot direkt an. Und Sie, Monsieur Poirot, Sie werden Schiedsrichter sein und Richter und, wenn nötig, Henker. Poirot verbeugte sich leicht. Wie Sie wünschen, Monsieur.
Die Teetassen waren leer. Der Regen wurde stärker. und in den kleinen grauen Zellen Poirot's formte sich langsam, ganz langsam die Gestalt eines Zuges, der alles verändern würde. Kapitel 9 Der Läufer schlägt zu Die Nacht war unruhig. Fensterläden klapperten im Wind. Irgendwo im Haus knarrte altes Holz. Und in den Köpfen der Menschen knarrte es noch lauter. Poirot hatte niemanden allein gelassen. Nach dem Tee hatte er vorgeschlagen, dass alle im Salon bleiben sollten. Unter dem Vorwand, man könne gemeinsam über die verbleibenden Partien sprechen. In Wirklichkeit wollte er jeden im Blick behalten. Acht Personen. Acht mögliche Züge. Acht mögliche Mörder. Gegen Mitternacht hatte Llewellyn sich entschuldigt. Meine Medizin,
hatte er gesagt, und mein alter Körper verlangen Ruhe. Grimshaw hatte ihn die Treppe hinauf begleitet. Die anderen waren geblieben, ein seltsames, angespanntes Kartenspiel, bei dem niemand wirklich spielte. Poirot saß in einem Sessel am Kamin, die Augen halb geschlossen, doch wach wie ein Falke. Hastings döste neben ihm, die Zeitung über dem Gesicht. Plötzlich ein Geräusch. Ein leises metallisches Klicken.
Wie eine Figur, die auf ein Schachbrett gestellt wird. Poirot war sofort auf den Beinen. Alle Köpfe drehten sich. Am großen Schachttisch stand niemand. Doch eine der Figuren war bewegt worden. Der weiße Läufer, der auf C1 gestanden hatte, stand nun auf H6. Ein unmöglicher Zug. Ein Läufer kann nicht über das ganze Brett springen. Poirot ging langsam zum Tisch. Die anderen folgten ihm wie Schatten. Er nahm den Läufer hoch.
Auf der Unterseite das schwarze Kreuz. Und darunter, mit feiner Nadel eingeritzt, ein weiteres Wort. Nächster Miss Carver lachte leise. Ein kaltes, kontrolliertes Lachen. Er spielt mit uns, wie mit Kindern. Sir Reginald Thorne fluchte. Genug! Ich gehe nach oben. Ich sperre meine Tür ab und warte, bis die Polizei kommt.
Poirot hob die Hand. Non, Sir Reginald. Wenn Sie jetzt gehen, sind Sie allein. Und allein ist man verwundbar. In diesem Moment hörten sie es. Von oben. Ein dumpfer Fall. Dann Stille. Hastings war als erster an der Treppe. Llewellyn, rief er. Poirot folgte ihm, gefolgt von Dr. Crane und den anderen. Sie fanden Evan Llewellyn in seinem Schlafzimmer. Er lag auf dem Teppich, neben seinem Nachttisch. In seiner Brust steckte, wie ein makabres Schachfigurenopfer, der weiße Läufer aus dem kleinen Elfenbeinset.
Der echte, der antike. Die Spitze war durch das Nachthemd gedrungen, direkt ins Herz. Neben seiner ausgestreckten Hand lag ein zerknülltes Blatt Papier. Nur drei Worte, in zittriger Handschrift. Das war Remy. Poirot kniete sich hin. Er berührte die kalte Hand des Toten. Kein Puls mehr, sagte er leise. Seit höchstens fünf Minuten. Dr.
Crane untersuchte den Körper kurz. Ein einziger Stoß, sehr kräftig, sehr präzise. Poirot took the sheet of paper and smoothed it. Remis, he repeated. Ein remis. That means, no one has won. And no one has lost. Or, both have lost. He looked up. The runner has struck. The runner who can look the farthest. The runner who attacks diagonally. And diagonal, that means from the back. Lady Margaret Ashford stood at the door, pale as a ghost.» He was so weak,« she whispered.» Maybe, maybe he did it himself.« Poirot shook his head, slowly, determined.» No, Lady Margaret, that wasn't suicide.
That was a sacrifice. Someone sacrificed Llewellyn to end the party. Or to put her on a new board.« Er stand auf. Und nun hören sie mir alle sehr genau zu. Seine Stimme war plötzlich scharf wie eine Klinge. Der Mörder hat nun drei Figuren geschlagen. Den Springer, Professor Blackwood. Den Läufer, Evan Llewellyn. Und die Dame. Die Dame ist noch auf dem Brett. Aber sie ist isoliert. Und sie weiß es.
Er sah Miss Evelyn Carver direkt an. Mademoiselle Carver, Sie sind die Einzige, die noch nie eine Figur geopfert hat. Nicht im Spiel, nicht im Leben. Miss Carver erwiderte seinen Blick, ohne zu blinzeln. Vielleicht, sagte sie leise, weil ich weiß, wie man gewinnt, ohne zu opfern. Poirot lächelte, ein kleines, trauriges Lächeln. Vielleicht, aber in dieser because I know how to win without sacrificing. Poirot smiled, a small, sad smile. Maybe, but in this game someone will have to sacrifice, and very soon. The clock in the living room rang two.
Two deep, sad beats. And outside in the fog the house seemed to breathe, like an old grandmaster breathing. der auf den letzten entscheidenden Zug wartet. Kapitel 10 Die Partie wendet sich Der Morgen des 16. Oktober brach an, ein fahler, kraftloser Morgen, als hätte die Sonne selbst Angst, über Fennincourt aufzugehen.
Der Nebel hing noch immer schwer über dem Park, doch der Regen hatte aufgehört. Stattdessen lag eine unnatürliche Stille über dem Haus. als würde es den Atem anhalten. Im Speisesaal saßen nur noch fünf Personen. Evan Llewellyn lag aufgebahrt im kleinen Salon. Professor Blackwood war bereits in einem der oberen Zimmer zugedeckt worden. Die Stühle der Toten blieben leer. Eine stumme Mahnung. Poirot saß am Kopfende des Tisches. Vor ihm stand eine frische Tasse Kaffee, die er nicht angerührt hatte.
Seine kleinen grauen Zellen arbeiteten mit einer Präzision, die fast schon unheimlich war. Wir sind nun bei der Endphase angelangt, begann er ruhig. Nur noch drei lebende Spieler des Turniers, Sir Reginald Thorne, Miss Evelyn Carver und Dr. Alistair Crane. Crane hob den Kopf. Sein Gesicht war grau, die Augen rot gerendert. Ich habe nicht mitgespielt. Ich war Arzt, kein Teilnehmer.
Poirot neigte den Kopf. Sie waren der Hausarzt. Sie kannten Llewellyn's Geheimnisse. Sie wussten, wie schwach er wirklich war. Und sie waren der Einzige, der den Läufer aus dem kleinen Elfenbeinset nehmen konnte, ohne dass es jemand bemerkte, weil sie ihm die Medizin gebracht haben. Sir Reginald lachte bitter. Und was ist mit Carver? Sie hat die ganze Zeit wie die Spinne im Netz gesessen. Kalt. Berechnend? Miss Carver antwortete nicht sofort. Sie faltete sorgfältig ihre Serviette zusammen, legte sie neben den Teller und sah Poirot direkt an. Monsieur Poirot, Sie wissen es bereits, nicht wahr? Poirot lächelte, ein kleines, fast zärtliches Lächeln. Oui, mademoiselle, ich weiß es. Aber ich möchte,
dass Sie es selbst sagen. Aus Respekt vor dem Spiel. Ein langes Schweigen folgte. Dann sprach Miss Carver, leise, aber klar. Ich habe das Turnier nie gewinnen wollen. Nicht das Set, nicht den Ruhm. Ich wollte nur Gerechtigkeit. Hastings runzelte die Stirn. Gerechtigkeit? Evan Llewellyn fuhr sie fort. hat vor 25 Jahren Ignaz Kolbe ruiniert. Er hat dessen Manuskript gestohlen. Hat es als sein eigenes ausgegeben. Kolbe hat alles verloren. Seine Karriere, seine Familie, seinen Verstand. Er verschwand. Man hielt ihn für tot. Aber er war nicht tot. Er lebte noch viele Jahre als Schatten.
Und ich war seine Enkelin. Ein Raunen ging durch den Raum. Seine Enkelin? flüsterte Lady Margaret. Miss Carver nickte. Ich habe jahrelang gewartet. Gewartet, bis Llewellyn schwach genug war. Bis er sein letztes Turnier wollte. Bis er das Set wieder aus dem Safe holte. Ich habe das Turnier organisiert. Ich habe die Einladungen geschrieben. Auch Ihre, Monsieur Poirot? Weil ich wusste.
Wenn jemand das Rätsel löst, dann sie. Poirot nickte langsam. Und die Morde? Ich habe niemanden ermordet, sagte sie ruhig. Ich habe nur die Partie nachgestellt, die Figuren ersetzt, die Zeichen hinterlassen, die Angst geschürt, aber getötet, getötet hat er selbst. Sie deutete auf Dr. Crane. Crane sprang auf. Das ist eine Lüge! Poirot hob die Hand. Non, Doctor, es ist die Wahrheit. Sie haben Llewellyn seit Jahren behandelt. Sie wussten, dass er nur noch wenige Wochen hatte. Sie wussten, dass er das Set seinem Sieger vermachen würde. Aber sie wollten es nicht riskieren. Sie wollten es jetzt, sofort. Also haben sie ihm geholfen, schneller zu gehen. Crane wurde bleich. Er hat mich gebeten, flüsterte er. Er wollte nicht leiden. Er
wollte ein würdiges Ende. Ein mattwürdiges Ende. Poirot sah ihn an, mit einem Blick, der weder verurteilte noch vergab. Und Blackwood? Warum er? Crane senkte den Kopf. Er hatte das echte Manuskript gefunden. Im safe. Er wollte es veröffentlichen. Llewellyn's Ruf zerstören. Ich konnte das nicht zulassen. Poirot stand langsam auf. Und der Läufer. Das letzte Opfer. Das war Llewellyn selbst. Er wusste, dass er sterben würde. Er wollte es dramatisch. Ein Remis.
Kein Sieger. Kein Verlierer. Nur das Ende der Partie. Miss Carver nickte. Er hat mich in der Nacht zu sich gerufen. Er hat mir alles gestanden. Und dann hat er mich gebeten, den Läufer zu nehmen. und ihn ihm zu geben. Er hat sich selbst gestoßen, mit meiner Hand auf seiner. Eine lange, schwere Stille folgte. Poirot ging zum Fenster und sah hinaus in den Nebel, der sich langsam lichtete. Dann ist es vorbei, sagte er leise. Die Partie ist remise, aber das Gesetz, das Gesetz spielt nicht remise. Er drehte sich um. Dr. Crane, Sie werden sich der Polizei stellen. Miss Carver, Sie haben niemanden getötet, aber Sie haben geholfen, die Bühne zu bereiten.
Das wird man prüfen müssen. Sir Reginald Thorne lachte heiser. Und das Set? Wem gehört es jetzt? Poirot lächelte, das erste echte, warme Lächeln seit Tagen. Es gehört niemandem mehr. Es gehört der Geschichte. Und vielleicht einem Museum. Er ging zur Tür. Und nun, Mesdames et Messieurs, die Polizei wird bald kommen. Der Nebel lichtet sich. Die Straßen werden wieder befahrbar sein. Und wir, wir haben eine Partie gespielt, die keiner von uns je vergessen wird. Die Standuhr schlug acht.
Acht klare, helle Schläge. Das Spiel war zu Ende. Kapitel 11 Die Enthüllung am Brett Der große Salon war still wie ein Friedhof. Nur das leise Knistern des Feuers im Kamin und das Atmen von fünf lebenden Menschen durchbrachen die Stille. Die Leichen waren fortgebracht worden, in provisorische Aufbahrungsräume, bis die Polizei kommen würde. Doch das Schachbrett stand noch immer in der Mitte. Die Figuren in der Stellung der letzten gespielten Partie erstarrt. Poirot had asked everyone to gather around the table in a semicircle. No one sat down. They stood like spectators at a public event. Poirot stepped up to the board. His small hands rested lightly on the edge of the table, as if he wanted to stroke the wood.«
Madame et Monsieur», he began with a gentle but unassuming voice. Es ist Zeit für die Wahrheit. Die ganze Wahrheit. Nicht nur die Morde, sondern das Motiv. Den Plan. Und den wahren König dieser traurigen Partie. Er sah zuerst Sir Reginald Thorne an. Sie, Sir Reginald, hatten ein Motiv. Rache. Demütigung.
Aber sie hatten kein Talent für Subtilität. Sie hätten zugeschlagen. Laut. Brutal. Direkt. Nicht mit Symbolen, nicht mit Kreuzen, nicht mit einem Remis. Thorne schnaubte, sagte aber nichts. Poirot wandte sich Dr. Alistair Crane zu. Sie, Doktor, hatten das stärkste physische Motiv. Das Set, das Geld, die Zukunft. Sie haben Llewellyn geholfen zu sterben. Ja, aber nicht, weil sie ihn hassten, sondern weil sie ihn liebten, auf ihre Weise. Ein barmherziger Mord. Doch die anderen Tode, Blackwood, die Zeichen, die Manipulation der Figuren, das waren nicht ihre Handschrift.
Sie sind ein Mann der Medizin. Blackwood, the signs, the manipulation of the figures, that was not their handwriting. They are a man of medicine, not of poetry. Crane lowered his head. His shoulders sank down. Poirot turned slowly to Miss Evelyn Carver. She stood there completely calm, her hands loosely folded in front of her body, her gaze clear.
And now to them. Mademoiselle Carver. Er machte eine kleine Pause. Die Art Pause, die ein Dirigent macht, bevor das Finale beginnt. Sie haben die Einladungen geschrieben. Sie haben das Turnier ins Leben gerufen. Sie haben die Figuren präpariert. Die Kreuze eingeritzt. Die Springer und Türme ausgetauscht. Die Worte in Blut geschrieben.
Die ganze Inszenierung war ihr Werk. Lady Margaret whispered, but she said she hadn't killed anyone. Precisely, said Poirot. She hadn't killed anyone, but she had set up the party so that the figures sat down against each other. He took the black king off the board and held him up. The true king of this party was Evan Llewellyn. He knew that he was dying. Er wusste, dass sein Geheimnis, der Diebstahl von Kolbe's Manuskript, bald ans Licht kommen würde.
Professor Blackwood hatte es bereits gefunden. Er wollte es veröffentlichen. Llewellyn's ganzes Lebenswerk wäre zerstört worden. Poirot legte den König langsam zurück. Also trafen Llewellyn und Dr. Crane eine Abmachung. Ein würdevolles Ende. Ein dramatisches Ende. Aber Llewellyn wollte mehr. Er wollte, dass sein Fall unvergesslich wird. Ein Schachrätsel für die Ewigkeit. Poirot sah wieder Miss Carver an. Und da kam sie ins Spiel, Mademoiselle. Die Enkelin von Ignaz Kolbe.
Die Einzige, die das Recht hatte, Rache zu üben. Llewellyn rief sie zu sich. Er gestand alles. Und dann bat er sie um einen letzten Gefallen. Machen Sie aus seinem Tod ein Meisterwerk. Ein Schachproblem, das die Welt nie vergessen wird. Miss Carver sprach zum ersten Mal seit Minuten. Er sagte, lassen Sie es aussehen wie eine Partie, die ich verloren habe.
Aber lassen Sie sie unentschieden enden. Ein Remis. Das ist die einzige Gerechtigkeit, die mir noch bleibt. Poirot nickte. Und so haben sie die Figuren manipuliert, die Hinweise gelegt, die Angst geschürt. Blackwood musste sterben, weil er das Manuskript hatte und weil Llewellyn ihn nicht mehr aufhalten konnte. Dr. Crane führte den Stich aus. Llewellyn selbst nahm sich den Läufer ins Herz, mit ihrer Hand als der seinen. Und alles...
Alles war so arrangiert, dass es aussah wie das Werk eines wahnsinnigen Schachmörders. Poirot machte eine kleine Verbeugung in Richtung Carver.» Es war brillant, Mademoiselle. Fast zu brillant. Aber es gab einen Fehler.« Er nahm die schwarze Dame vom Brett.» Die Dame! Sie haben sie nie wirklich bewegt. Sie blieb immer in Sicherheit.« Weil sie wussten, wenn die Dame fällt, verliert Schwarz. Und sie wollten nicht verlieren. Miss Carver lächelte. Traurig, aber ohne Reue.
Und nun? Poirot legte die Dame sanft zurück. Nun ist das Spiel vorbei. Remy. Llewellyn ist tot. Auf seine Weise siegreich. Blackwood ist tot, weil er die Wahrheit kannte. Crane wird für Beihilfe und Totschlag verurteilt werden. Sie, Mademoiselle, Sie haben kein Blut an den Händen, nur Tinte und Symbole und ein gebrochenes Herz. Die Standuhr schlug neun. Neun klare, endgültige Schläge.
Poirot trat einen Schritt zurück. Und ich, Hercule Poirot, habe nun nur noch eines zu sagen. Er sah in die Runde, jeden einzelnen. Schach ist ein edles Spiel. Aber wenn man es mit dem Leben spielt, dann verliert immer jemand. Er drehte sich um und ging zur Tür. Die Polizei wird gleich hier sein. Ich wünsche Ihnen allen eine ruhige Nacht.
Die Tür fiel leise hinter ihm ins Schloss. Das Brett blieb stehen, unvollendet, remis und für immer unvergessen. Kapitel 12 Das letzte Matt und der wahre König Kapitel 13 Ordnung und Methode. Schluss. Die Sonne stand bereits hoch, als die ersten Polizeiwagen die Auffahrt von Fenningcourt hinauffuhren. Der Nebel war endlich verschwunden. Die Welt draußen sah wieder normal aus. Grüne Wiesen, graue Hecken, ein klarer Himmel. Doch im Inneren des Hauses hing noch der Geruch von altem Elfenbein, kaltem Tee und etwas, das man nur als Ende einer Ära bezeichnen konnte. Poirot stand am großen Schachttisch. Er hatte die Figuren sehr sorgfältig in ihre Ausgangsstellung zurückgestellt, als wäre nie etwas geschehen. Nur
der weiße König stand etwas abseits, leicht geneigt, wie ein müder alter Mann nach einer sehr langen Partie. Hastings trat leise neben ihn.» Es ist vorbei, nicht wahr?« Poirot nickte langsam.» Oui, mon ami, vorbei, Rémy. Kein klarer Sieger, kein klarer Verlierer, nur eine sehr traurige Pattstellung.« Miss Evelyn Carver stand am Fenster.
Sie hatte ihre Reisetasche bereits gepackt. Die Polizei hatte sie bereits befragt, stundenlang. Man würde sie nicht verhaften. Nicht für Mord. Nur für Behinderung der Ermittlungen. Vielleicht für Beihilfe zu einer Selbsttötung. Ein paar Monate, höchstens. Genug Zeit, um über alles nachzudenken. Sie drehte sich zu Poirot um. Habe ich falsch gehandelt, Monsieur?
Poirot betrachtete sie lange. Sie haben nach dem Gesetz ihres Großvaters gehandelt. Nach dem Gesetz der Rache. Nach dem Gesetz des Schachs. Aber das Gesetz des Lebens, das ist ein anderes Brett. Ein Brett ohne Regeln. Nur mit Konsequenzen. Sie nickte. Ein kleines, fast kindliches Nicken. Dann war es wenigstens schön gespielt.
Poirot lächelte. Das letzte Lächeln dieses Falles. Sehr schön gespielt, Mademoiselle. fast meisterhaft. Dr. Crane wurde in Handschellen abgeführt. Er weinte nicht. Er sah nur sehr müde aus, wie ein Mann, der endlich aufhören konnte zu lügen. Sir Reginald Thorne stand noch immer am Kamin. Er starrte ins Feuer.» Ich werde nie wieder Schach spielen,« murmelte er. Poirot antwortete nicht. Manche Dinge muss man nicht kommentieren. Als letztes ging Poirot zum kleinen Elfenbeinset.
Er nahm den schwarzen König in die Hand, drehte ihn einmal um und stellte ihn dann sanft zurück. Der wahre König, sagte er leise zu Hastings, war immer Evan Llewellyn. Er hat die Partie dirigiert. Bis zum letzten Zug. Selbst sein Tod war sein Zug. Ein Remisszug. Der einzige Zug, mit dem er noch gewinnen konnte. Hastings schüttelte den Kopf. Ich verstehe es immer noch nicht ganz. Warum so kompliziert? Warum nicht einfach sterben? Poirot legte eine Hand auf Hastings Schulter.
Eine sehr seltene Geste. Weil er ein Künstler war, Mon Ami. Ein Großmeister. Und Großmeister sterben nicht einfach. Sie geben auf. Oder sie geben matt. Die Polizisten kamen herein. Man bat Poirot um eine kurze Zusammenfassung. Poirot verbeugte sich leicht. Monsieur, es war eine Partie. Eine sehr alte Partie. Begonnen vor 25 Jahren. Beendet heute Morgen. Remis durch gegenseitiges Einverständnis. Der leitende Inspektor runzelte die Stirn. Remis? Bei drei Toten? Poirot lächelte ganz leicht. Im Schach gibt es keine Toten, nur gefallene Figuren, und manchmal ein König, der sich selbst opfert.
Er nahm seinen Hut, seinen Stock, seinen Mantel.» Und nun, wenn Sie erlauben, ich habe eine Zugfahrkarte nach London, und dort wartet eine Tasse sehr guter Schokolade auf mich.« Hastings folgte ihm. An der Tür drehte sich Poirot noch einmal um.» Das Schach«, stand da, perfekt aufgestellt, die Figuren reglos, wartend auf die nächste Partie. Poirot berührte leicht seinen Schnurrbart.» Bon, Ordnung ist wieder hergestellt.« Methode hat gesiegt und das Leben, das Leben geht weiter. Die Tür fiel leise ins Schloss.
Draußen schien die Sonne. Und irgendwo in einem stillen Museum der Zukunft würde man eines Tages das Elfenbeinset betrachten und sich fragen, ob es je wirklich gespielt wurde. Oder ob es nur darauf wartete. dass jemand mutig genug war, den ersten Zug zu tun.