
Hi, Family! Der Elternpodcast für Familien mit neurodivergenten Kids (ehem. Hi, Baby! Podcast)· Folge 434
Alles zum Thema Pflegegrad bei Autismus & ADHS – sowohl emotional als auch die reinen Fakten
Sonntag, 25. Oktober 2026 · 55 min
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Shownotes
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Pflegegrad, Schwerbehindertenausweis, Begutachtung – und plötzlich soll man den Unterstützungsbedarf des eigenen Kindes in Punkte und Formulare übersetzen.
In dieser sehr persönlichen Hi, Family!-Folge plaudere ich aus dem Nähkästchen und erzähle von unseren eigenen Erfahrungen und Learnings rund um Pflegegrad und Schwerbehindertenausweis bei Autismus und ADHS. Es geht darum, wie sich dieser Schritt emotional anfühlt, was bei der Beantragung wirklich relevant ist, worauf Eltern bei der Begutachtung vom medizinischen Dienst achten sollten und welche Leistungen mit einem Pflegegrad verbunden sind.
Außerdem spreche ich darüber, warum gerade die viele unsichtbare Pflege- und Care-Arbeit bei neurodivergenten Kindern so leicht unterschätzt wird – auch von uns Eltern selbst.
Eine Folge für alle, die sich fragen: Braucht mein Kind einen Pflegegrad? Was steht uns zu? Und wo fange ich überhaupt an?
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Alle leise, wir machen jetzt Quatsch. Schön, dass du da bist bei HiFamily, dem Elternpodcast für Familien mit Autismus, ADHS und anderen Besonderheiten. Achtung, das fällt gleich runter. Mir doch egal. Und wer räumt das jetzt alles wieder auf? Ich nicht. Die Kackwurst-Mama. Der ist doch komplett irre.
Hallo, schön, dass ihr wieder zuhört bei HiFamily. euren Lieblings-Podcast. Gehe ich mal schwer davon aus. Heute gibt es ein Thema, das ist auf der einen Seite total trocken und faktenbasiert und Pflegegrad 1, 2, 3, 4 und was kriegst du, was brauchst du dafür, was ist relevant, und gleichzeitig vergisst man aufgrund dieser ganzen Fakten-Thematik auch total schnell, wie emotional das ist und was es auch mit Eltern macht, darüber nachzudenken für das eigene Kind, einen Pflegegrad zu beantragen oder dann mit einem Schwerbehindertenausweis im Geldbeutel rumzurennen für ein Kind, das auf den ersten Blick für 90% der Menschen, überhaupt nicht schwerbehindert oder schwerstbehindert aussieht.
Und das ist, finde ich, ein riesengroßes und auch superrelevantes Feld, weil, da bin ich auch ganz ehrlich, Das hat bei mir auch ganz, ganz viel gemacht in Bezug auf, wie ich mit dem medizinischen Dienst gesprochen habe. Der nämlich kommt, um den Pflegegrad festzustellen. Der kommt dann zu einem nach Hause.
Und ich möchte auch diesen emotionalen Aspekt heute in der Folge unbedingt. Teil der Folge sein lassen, weil ich das super wichtig finde. Das heißt, es geht auch um diese ganzen Gefühle, die da mit reinspielen. Natürlich gibt es auch ein bisschen Wissen und so, aber ich finde immer so dieses Wissen, hey, da fragt ihr mal kurz die KI eures Vertrauens und die haut euch dann auch raus, was da wichtig ist.
Aber auch da gibt es natürlich von mir noch mal ein paar Hintergrundwissen oder ein paar Sachen, wo ich denke, jetzt, wo wir nämlich den Pflegegrad noch mal überprüfen lassen, das ist jetzt eben auch schon zwei oder drei Jahre her, dass wir den erst zum ersten Mal bekommen haben. Und in den zwei bis drei Jahren habe ich einfach noch einiges dazugelernt.
Und das möchte ich heute mit euch teilen. Bevor wir damit starten, gibt es wie immer den gemeinsamen Check-in, also deinen Moment während des wuseligen, wilden Familienalltags, mal wieder bei dir anzukommen, dich mal kurz mit dir selbst zu verbinden und zu gucken, hey, wie schaut es eigentlich gerade hier bei mir aus?
Also mach voll gerne die Augen zu, wenn dir das gut tut. Wenn es gerade nicht geht, kannst du auch so den Blick ein bisschen weich werden lassen, in die Ferne schweifen. Oder wenn du die Möglichkeit hast, kannst du auch aus dem Fenster gucken und so ein bisschen achtsam irgendwas aus der Natur vielleicht anschauen.
Den Baum, Blätter, den Himmel, Vögel, was auch immer. Das beruhigt nämlich ganz automatisch das Nervensystem. Und dann kannst du gerne mal deinem Atem folgen, wie er ganz natürlich gerade ist. Und dich einfach mal selbst anschauen von innen heraus und gucken, was gerade los bei mir ist, wie fühlst du dich, welche Emotionen sind da?
Bist du entspannt? Bist du ausgeschlafen? Ernährst du dich aktuell gut? Und was ist die eine Sache, die du vielleicht innerhalb der nächsten zwei Stunden, tun kannst, um dir was Gutes zu tun? So ein kleiner Treat. Ist ja auch bald schon wieder Halloween. Gib dir mal Treat Yourself Girl oder Boy. So lustig, wenn man Boy sagt. Für Girl ist es immer so lustig und bei Boy ist es so, hä, Boy. Naja, ihr wisst, was ich meine.
Also, ich finde das Wichtigste bei dieser Innenschau ist, dass man wirklich mal ganz ehrlich auf sich selbst guckt. Um einfach ein echtes, authentisches Bild von sich selbst zu haben und dann gar nicht anfängt, gleich groß rumzuoptimieren. Wenn du jetzt nachgedacht hast, oh, ich habe mich diese Woche echt schlecht ernährt, mein Frühstück waren zwei duplos.
Ja, mein Gott, passiert. Dann musst du jetzt nicht gleich heute Nachmittag zum Biomarkt rennen und die halbe Gemüsetheke leer kaufen. Maximal motiviert, nur um in einer Woche dieses schimmelnde Gemüse aus dem Kühlschrank zu holen und maximal deprimiert in die Biotonne zu kippen. Hashtag Story of my life.
Genau, also du darfst gerne auch mal die eine Hand auf dein Herz legen, die andere Hand auf deinen unteren Bauch und dann tief und vollständig durch die Nase einatmen, in den unteren Bauch. Kurz die Luft anhalten, das aktiviert deine Zellen Und dann durch den Mund tief und vollständig auch wieder ausatmen.
Und beim Einatmen darfst du dir vorstellen, dass du irgendwas einatmest, was du jetzt gerade brauchst oder was dir gut tut. Ruhe, Leichtigkeit, Freude, gute Laune. Und beim Ausatmen darf einfach alles raus, was keinen Platz bei dir hat. Stress, Ärger, Wut, Müdigkeit, die atmen wir einfach aus, es ist so einfach im Leben, wir atmen das einfach aus und es ist aus unserem System draußen, ich kriege schon fast einen kleinen Hörsturz, wenn ich sowas erzähle.
Genau, du darfst jetzt gerne noch ein bisschen weiter dir was Gutes tun, während ich dir erzähle, wie ich heute da bin in dieser Podcast-Folge. Ich habe eben meinen Vorstellungspost auf Instagram beendet und ihr wollt nicht wissen, wie lange ich dafür gebraucht habe. Ich habe schon gesagt, ihr müsst in den Kommentaren schätzen, wie lange ich an diesem Post saß und nach diesem Wochenende werde ich euch die korrekte Antwort reinschreiben oder, den Leuten Bescheid geben, die die korrekte Antwort geraten haben.
Und so, deswegen bin ich eigentlich gerade ganz schön gestresst, weil ich habe natürlich viel länger gebraucht als überhaupt gedacht. Zeitblindheit und Hyperfokus, ja. Und wenn ich anfangen auf Canva irgendwas zu basteln, dann ist das bei mir immer der krasse Hyperfokus schlechthin. Ich bin dann immer völlig schockiert, wie spät es plötzlich ist und ich vergesse alles drumherum.
Gestern hat mich mein Bauch einfach aufgeweckt sozusagen, als der dann so laut gegrummelt hat, dass schon unser Kater davon gestresst war. Naja, und deswegen bin ich jetzt heute gestresst, weil es ist alles viel später als gedacht. Und ich muss jetzt in die Bötte kommen und diese Podcast-Folge, auf die ich mich richtig freue, weil auch so viel Input von euch dazu kam, die muss ich jetzt gut über die Bühne bringen.
Und dann muss ich loshetzen, meine Kinder abholen. Und dann habe ich meinen gehetzten, stressigen Alltag, wie ich ihn immer habe. Weil ich einfach, ja, Zeitmanagement, es ist schwierig und tatsächlich auch mit ADHS-Medikamenten, Zeitmanagement wird bei mir dadurch nicht besser. Also die Zeitblindheit verbessert sich dadurch überhaupt nicht.
Meine Impulsivität wird viel besser, meine Emotionsregulation ist ein Träumchen, unter, ich nehme ja Elwanse, unter Elwanse. Aber ja, es ist halt auch immer so, es hat kein Wundermittel und vieles ist ja auch wirklich Struktur. Ich arbeite dran. Leute, ich arbeite an diesem Zeitthema. Ich habe jetzt auch einen Wochenplan erstellt für die Arbeit, wo ich dann immer so sage, ja, der Montag ist Podcast-Tag, der Dienstag ist auch Podcast-Tag, der Mittwoch ist ein Instagram-Tag, der Donnerstag ist ein E-Mail- und Bürokratie-Tag und so weiter. Also so bin ich gerade dran.
Ich finde den Herbst immer so, ich weiß auch nicht, das ist so lustig. Eigentlich ist es klassischerweise ja der Frühling. Bei mir ist es immer der Herbst, wo ich so ganz viel nochmal umstrukturiere und ändere. Für mich ist das immer so ein Neubeginn. Es ist völlig gestört, es ist vollkommen umgedreht. Eigentlich stirbt im Herbst alles ab und bei mir beginnt immer alles nochmal neu.
Vielleicht liegt es daran, dass ich im Herbst Geburtstag habe und ein neues Lebensjahr von mir dann anbricht. So, genug gelabert. Jetzt geht es um das Thema Pflegegrad. Und wenn das Kind einen Pflegegrad bekommen soll oder vielleicht auch einen hat und ihr vor dieser Frage steht oder euch überhaupt fragt, was ist eigentlich ein Pflegegrad und wer bekommt den?
Ich möchte zuerst mal damit einsteigen, dass ich diese Information bekommen habe, als wir die Diagnose hatten für unseren Sohn, die Autismusdiagnose. Die kam zuerst, da war er viereinhalb und die ADHS-Diagnose kam später. Pah, fällt mir gerade ein. Hatten wir eigentlich bei der Begutachtung unseres, ersten Pflegegrades schon die ADHS-Diagnose? Das sind so Dinge.
Also wir hatten damals bei der Diagnostik dann auch die Info bekommen, wir waren im SPZ. Sozialpädiatrisches Zentrum. Und die hatten direkt gesagt, schauen Sie mal, wir haben hier eine Fachfrau, bei der können Sie einen Termin ausmachen und die bespricht mit Ihnen alles, was Ihnen jetzt zusteht. Und ich war so, oh mein Gott, wow, hier läuft ja mal was richtig gut.
Dann hatte ich mit der einen Telefontermin und ganz viele Zettel und so haben wir mitbekommen. Ganz viele Infozettel. Und dann ging es auch um den Schwerbehindertenausweis und die Vorteile, die man mit dem bekommt. Und zuerst brauchst du aber den Pflegegrad und so weiter und so fort. Und ich fand es auch schon krass, dass im Grunde, wisst ihr, ich habe ja die Diagnose meines Sohnes, dass er Autist ist, das habe ich gesagt, da war er zweieinhalb Jahre alt.
Da war ich mir sicher und bin immer wieder zu Ärzten gerannt. Du bekommst aber dieses Pflegegeld nicht rückwirkend. Die Diagnose Autismus, die entsteht ja nicht erst ab dem Moment, wo die Diagnose schwarz auf weiß irgendwo steht. Die hat das Kind ja schon sein ganzes Leben lang und du pflegst ja im Grunde dieses Kind dein ganzes Leben lang.
Schon, sein ganzes Leben lang schon. Und trotzdem, ab dem Moment. Wo der Pflegegrad dann festgelegt wurde, erst dann bekommst du auch Pflegegeld. Also das bekommst du nicht rückwirkend. Und das heißt, wenn ihr auch so eine Aufschieberitis habt und die Dinge dann gern mal irgendwo hinlegt, also bei uns war das so, okay, die Diagnose ist da, ich verarbeite jetzt erstmal die Diagnose, da liegen die ganzen Infos zu Pflegegrad, Schwäbi-Ausweis und so weiter.
Mache ich, wenn ich die Nerven dazu habe? Und dann sind einfach mal sechs Monate vergangen und wenn man im Nachhinein weiß, dass man da schon auch eine beträchtliche Summe Geld bekommt, könnte man sich denken, warum habe ich das nicht früher gemacht? Es ist aber trotz allem nicht so einfach. Ich finde erstmal diese Tatsache, dass man sich vorstellt, das eigene Kind hat einen Pflegegrad, also ist ein Pflegefall.
Das ist einfach heftig. Ich glaube, das liegt daran, dass wir einfach mit dem Wort Pflege Alter auch verbinden. Also da stelle ich mir einfach eine Oma, eine Uroma im Pflegeheim vor, ein alter Mensch, der bettlägerig ist oder wirklich ein Mensch mit einer schweren geistigen Behinderung, jemand, der im Rollstuhl sitzt, jemand, der gefüttert werden muss, jemand, der gewickelt werden muss.
Und da sind wir eigentlich auch schon wieder beim Thema. Ganz viele von unseren Kindern werden ja noch gewickelt und nässen, wenn auch nur mal nachts, aber sind nass, nachts Bettnässer so rum. Und das ist übrigens total normal. Das ist so normal. Ich kenne so viele erwachsene Menschen mit ADHS, die mir erzählt haben, Isa, ich bin erst mit zehn ohne Windeln ins Bett gegangen.
Und das hat auch, das muss man auch mal wissen, das sagt einem nämlich auch keiner, das finde ich auch immer so geil, man macht sich immer so Gedanken. Also gerade dieses nächtliche Bettnässen, das ist wirklich einfach auch. So eine Sache vom, ist es jetzt der Stoffwechsel oder ist es einfach so ein körpereigener Vorgang?
Dein Körper muss lernen, den Harndrang oder die Blasenaktivität herunterzufahren. Normal passiert das so zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr, dass der Körper das einfach lernt und umstellt. Bei Menschen mit einer Neurodivergenz ist das in der Regel wirklich, das ist so gängig, deutlich, deutlich, deutlich zeitverzögert.
Das heißt, die Kinder haben einfach eine aktive Blase, so als wäre es immer noch Tag. Und dann ist es gar nicht machbar, dass die in der Nacht nicht einnässen. Und deswegen ist es auch so, du kannst es dem Kind nicht beibringen. Das ist irgendwann, klar, man kann es immer wieder mal probieren, immer wieder mal gucken.
Und irgendwann klappt es halt einfach. Oder es klappt halt noch nicht. Aber das sind auch so Dinge, die einfach relevant sind. Und auch bei diesem Füttern, so, also klar, vielleicht könnte jetzt dein Kind auch einfach so das Schnitzel mit Pommes essen. Eventuell weißt du aber, dass dann zu 80-prozentiger Sicherheit drei Viertel dieses Schnitzels auf dem Boden landet und deswegen schneidest du das Schnitzel vor.
Und gibst vielleicht auch deinem Kind auch einen Suppenteller. Damit das Schnitzel nicht so leicht vom Teller rutscht. Das sind alles diese vielen kleinen Dinge. Und ich glaube, das Wort Pflege ist einfach doof. Also ich würde vielleicht auch das für mich im Kopf einfach umframen und sagen, intensive Care-Arbeit.
Wie intensiv... Begleitest du dein Kind im Alltag? Damit meine ich auch, braucht dein Kind regelmäßig Erinnerungen? Vergiss das ständig, was ist so ein ADHS-Ding. Braucht dein Kind regelmäßige Emotionsregulation? Riesenthema beim Pflegegrad. Hatte ich bis vor ein paar Monaten noch überhaupt nicht auf dem Schirm.
Emotionsregulation, weil Leute, wie anstrengend ist das denn, regelmäßig intensive Gefühle von einem Kind regulieren zu müssen? Oder naja, klar, du kannst auch sagen, nö, mach ich nicht, aber also, ne, so. Das ist auch Pflege in diesem Sinne, das ist auch Care-Arbeit. Also ich find's viel einfacher, wenn ich mir das im Kopf so übersetze, wie viel extra Care-Arbeit mache ich bei meinen Special-Kids, als jetzt zum Beispiel meine Nachbarin, die Kinder hat, wo ich einfach am liebsten an manchen Tagen weinen möchte, wenn ich die so in ihrem Alltag miterlebe. Das ist mal so ganz platt gesagt.
Und es geht auch um Themen wie das Kind begleiten. Hat das Kind vielleicht eine Angststörung? Und du weißt, eigentlich kann dein Kind alleine irgendwo von A nach B gehen, aber es hat vielleicht eine Angststörung vor roten Autos oder vor einer Kirchenglocke. Oder davor, wenn die Ampel von Grün auf Gelb springt. Das ist ja auch ein Riesenteil von Neurodivergenz.
Und dann kannst du halt dein Kind doch nicht alleine von A nach B laufen lassen, weil wenn die Kirnglocke anfängt zu bimmeln, dann kann es sein, dass dein Kind panisch irgendwo einfach nur noch wegrennt und vielleicht auch in die Straße rennt oder so. Also ist eine permanente Begleitung notwendig, ist eine permanente Beaufsichtigung notwendig, weil dein Kind vielleicht auf dem Spielplatz die Gefahrenlage nicht so gut einschätzen kann und einfach erstmal überall maximal weit hochklettern würde.
Genau, also auch so ein Thema. Kann dein Kind Gefahren richtig einschätzen? Wie intensiv musst du bei deinem Kind Übergänge begleiten? Das ist ja auch ein Riesenthema für Care-Arbeit. Und das geht ja auch dann darum, ich zum Beispiel, ich kann immer, also ich arbeite aktuell deutlich, deutlich, deutlich weniger, als ich, ohne Kinder schon lachen, weil das kann man echt nicht vergleichen, als ich ohne Kinder gearbeitet habe.
Und ich denke auch deutlich weniger, als wenn ich jetzt ein neurotypisches Kind hätte oder neurotypische Kinder, denn ich muss auch einfach zum Beispiel, wir fahren am Wochenende auf einen mini kleinen Ausflug und übernachten dort. Ja Leute, gestern saß ich eineinhalb Stunden da und habe recherchiert, was gibt es dort im Speiseplan, was gibt es im Restaurant zu essen, das sind Sachen, die sind für eins von meinen Kindern unfassbar relevant auf jeden Fall.
Wie sehen die Zimmer aus? Dann habe ich Fotos ausgedruckt. Dann habe ich geguckt, wie lange fahren wir dorthin? Welche Straßen werden wir dorthin nutzen? Das sind alles wichtige Informationen zur Regulation eines sehr, sehr, sehr, sehr, sehr feinen Nervensystems. Also ja, um Übergänge adäquat begleiten zu können, das braucht unfassbar viel Zeit, finde ich. Und das ist auch Pflege, also Care-Arbeit.
Braucht das Kind nachts jemanden? Braucht das Kind nachts Körperkontakt, damit es gut schlafen kann? Wacht das Kind immer wieder nachts auf? Ja, fuck ey, das ist mal Hardcore-Pflege. Das ist nicht, mein Kind ist jetzt zwei und schläft jede Nacht allein in seinem Bett durch und ich wache morgens auf und habe neun Stunden Schlafintus.
Außer das Kind ist mal krank. Hat das Kind extra Therapien? Muss das Kind irgendwo hingefahren werden? Musst du als Mama oder Papa regelmäßig irgendwelche Rezepte abholen? Dann musst du Dinge für dein Kind übernehmen, die andere Gleichaltrige, und das ist jetzt der ganz große Faktor, längst selbst können.
Also das ist so der große wichtige Faktor und jetzt mache ich das einfach hier vorweg, also ich habe eh keinen richtigen stringenten Faden hier im Podcast, aber, Es ist sehr, sehr häufig, dass ein Kind zum Beispiel mit fünf oder sechs Jahren einen Pflegegrad zwei bekommt oder vielleicht sogar nur eins, und später mit acht oder neun Jahren hochgestuft wird und einen Pflegegrad drei bekommt.
Denn man geht davon aus, dass ein Kind mit vier oder fünf oder lasst es auch sechs sein, also wenn ihr das nochmal wissen wollt, das kann zum Beispiel euch eine KI richtig gut sagen. Ich habe das auch neulich mit KI nochmal alles recherchiert, und die rattert dir das runter. Diese Dinge, die normalerweise für so ein Alter üblich sind, wie zum Beispiel, kann das Kind schon alleine auf die Toilette gehen?
Oder musst du halt immer noch nachputzen oder musst du komplett putzen? Kann sich das Kind alleine duschen oder baden? Leute, es gibt Tage, da diskutieren wir eineinhalb Tage vor dem Duschtag darüber, dass mein Kind keinen Bock hat zu duschen. Also da ist diese, wenn ich das Kind nur duschen müsste, dann wäre ja mein Leben schön.
Ich habe manchmal eineinhalb-tägige Diskussionen darüber und das Kind versucht alles, um nicht duschen zu müssen. Also das sind solche Dinge. Also du duscht ja auch nicht dein Kind eventuell einfach so normal. Und bei uns ist es so, manchmal geht der Brausekopf, manchmal geht der gar nicht und dann darf ich nur um Gottes Willen so ein kleines Becherchen nehmen, wo so drei Löcher unten drin sind und mit dem soll ich dann die Haare nass machen.
Dann sitze ich 20 Minuten von übergebeugt über der Badewanne und befeuchte Tropfenweise irgendwelche Haare, weil es sonst nicht geht. Ihr wisst, was ich meine, oder? Was ich damit sagen will, Pflege bei einem neurodivergenten Kind sieht häufig überhaupt nicht so aus, wie wir uns Pflege klassisch vorstellen.
Und deswegen ist es für uns auch erstmal schwierig, glaube ich, emotional zuzulassen, zu sagen, hey, ich beantrage jetzt einen Pflegegrad. Wahrscheinlich wird euch auch jeder in eurem Umfeld angucken, so, hä? Wie, du beantragst ein, hä, wie, aber dein Kind sitzt doch nicht im Rollstuhl. Und das sind eben genau diese Dinge. Also das, was ich jetzt gerade aufgezählt habe, wirklich diese Begleitung, dieses Beaufsichtigen, Gefahren irgendwie für das Kind einschätzen, das Kind erinnern, regulieren, bei Übergängen intensiv begleiten, Termine, von A nach B fahren, nächtliche, ja, dass du nächtlich nachts auch präsent sein musst und so weiter.
Und es ist auch nicht unbedingt Füttern oder so, sondern es ist vielleicht auch dieses Vorschneiden. Und bei mir war das wirklich so, dass ich bei der ersten Begutachtung des Pflegegrades, da hatte ich einen gewissen Stolz. Und für mich war es auch ganz wichtig zu sehen, was mein Kind alles kann. Und ich fand das voll schlimm, da jetzt wirklich so, ich dachte dann immer, ich kann jetzt auch nicht übertreiben. Also ist mein Kind trocken?
Ja, natürlich. Also immer wieder mal gibt es Unfälle, aber eigentlich ist mein Kind doch trocken. Und du möchtest für dich selbst eigentlich, das ist ja genauso dieses, weil es geht nur um die Defizite, es geht nur um das, was noch nicht so gut läuft. Und das dann auch alles so knallhart mal zu sammeln und niederzuschreiben und dann auch so eine, also sammelt das, schreibt das nieder, besprecht euch mit eurem Partner und riesengroßer Tipp, besprecht das mit einer Fachperson.
Entweder, wenn die Kinderärztin oder der Kinderarzt vertraut ist mit Pflegegrad und Autismus oder ADHS mit, dem oder ihr oder Kinderpsychiater oder Ergotherapeutin oder vor allem auch noch mal gleicht es mit KI ab. Denn es gibt so viele Punkte, die man einfach vergisst. Und ja, die Frau oder der Mann vom medizinischen Dienst, die dann kommen, um das noch mal in echt zu sehen und zu begutachten, die haben auch ihre eigenen Fragen. Aber diese Fragen, die greifen oft viel zu kurz.
Die sind eigentlich dafür gemacht, dass ihr möglichst keinen Pflegegrad bekommt oder den möglichst gering bekommt. Also erwähnt wirklich, wenn ihr euch dann dazu entscheidet, den Pflegegrad zu beantragen, erwähnt, wie anstrengend euer Alltag ist und zählt jeden kleinen Furz auf, was ihr alles anleiten müsst.
Natürlich kann sich das Kind eventuell selbst anziehen, nur dann ist vielleicht das Unterhemd über dem Pulli und die Hose falschrum angezogen. So, ja klar, das Kind ist angezogen, es kann so auch zur Not nach draußen gehen, aber im Alltag ziehst du es vielleicht zu 95% immer noch an. Oder du ziehst das Kind an, weil es einfach nicht in die Pötte kommt und ihr sonst morgens jeden Tag zu spät zum Kindergarten oder in die Schule kommen würdet.
Und das ist der Grund, warum du dein Kind anziehst und das ist aber dann auch aufgrund von ADHS vielleicht. Also solche Dinge. Oder musst du das anleiten? Musst du für dein Kind den Alltag strukturieren? Musst du es beruhigen? Musst du Risiken abfangen, die dann auch Alltag überhaupt erst möglich machen?
Das sind ja oft Dinge, die sind bei uns schon so drin, gerade wenn du ein Kind hast, das vielleicht jetzt schon 6, 7, 8, 9 ist oder noch älter, dann machst du das ja einfach schon viele Jahre. Dann ist es für dich total random, da überhaupt noch dran zu denken. Und deswegen besprich das mit jemandem, lass dir das auch noch mal vielleicht, wenn das geht, von jemandem bestätigen, also attestieren.
Wir haben jetzt nochmals, wir haben so eine ganz spezielle Ärztin für unseren Sohn. Da haben wir einfach Glück. Die ist wirklich spezialisiert auf Autismus und ADHS und glaube auch generell Neurodivergenz. Und die ist die Kinderärztin und die hat uns einen vierseitigen Bericht geschrieben, über unseren Sohn. Und sie hat auch dann zu mir gemeint, Frau Demirel, der ist jetzt schon hart zu lesen. Das ist hart zu lesen.
Sie müssen sich das nicht unbedingt durchlesen, nur das ist aber auch notwendig. Damit sie das bekommen, was ihnen auch zusteht. Also lasst euch, und im Übrigen haben wir den auch extra bezahlt, weil das ist keine Kassenleistung. Also nicht viel, aber trotzdem, vielleicht lohnt sich auch das, dann nochmal nachzufragen, wenn die sagen, nö, machen wir nicht, dass man fragt, naja, wie wäre es, wenn wir es privat bezahlen?
Weil das ist schon echt wichtig. Weil manchmal sind es ein paar Punkte. Das ist ja immer so, da gibt es so eine Punkte-Range. Wenn das Kind dann, die Frau hat diesen Fragebogen oder der Mann und dann wird da abgehakt und dann gibt es da Punkte. Und wenn das Kind dann so und so viele Punkte hat, dann ist es Pflegegrad 1.
Wenn es so und so viele hat, ist es Pflegegrad 2. Wenn es so und so viele hat, ist Pflegegrad 3. Und es macht auch Sinn, da dann im Nachhinein nochmal nachzugucken, wie viele Punkte hat denn mein Kind in der Begutachtung erreicht. Und ich kenne eine Mama, da war ein Punkt, da hat ein Punkt gefehlt zu Pflegegrad 3.
Da denke ich mir auch manchmal bei den Leuten, die das ausfüllen. Ein Punkt, komm. Also diesen einen Punkt, es ist doch schon fast im Pflegegrad 3 drin. Und manchmal, es ist ja auch individuelles Ermessen. Also wenn die dann da zum Beispiel reinschreiben, ich könnte mir auch vorstellen, ich glaube, es ist auch so mit diesem ist selbstständig, also dass es selbstständig essen tut, ist.
Und dann gibt es eine Skala, eine Punkteskala. Und ob du jetzt sagst, überhaupt nicht weitgehend oder komplett, dann hast du ja auch immer noch so einen individuellen Spielraum. Und ich kenne dann auch viele, die haben dann gesehen, okay, es sind ein oder drei Punkte, die da noch fehlen. Wir zweifeln jetzt diesem Pflegegrad an.
Wir wollen, dass nochmal jemand kommt. Und im Bestfall kriegst du dann halt auch nochmal mehr Punkte und kriegst dann auch den höheren Pflegegrad. Was auch ganz viele von euch wissen wollten, ob das Kind eine Diagnose braucht, um einen Pflegegrad zu bekommen. Und die Antwort ist ganz einfach, nein. Eine bestimmte Diagnose wie Autismus oder ADHS ist keine gesetzliche Voraussetzung für einen Pflegegrad.
Sondern es sind tatsächlich die gesundheitlich bedingten Einschränkungen der Selbstständigkeit, die entscheiden, ob das Kind ein Pflegegrad bekommt oder nicht. Also generell ist es ja so, dass ein Pflegegrad, das bekommt ein Mensch, der pflegebedürftig ist, nach §14 SGB VI, um ganz genau zu sein. Und da steht halt drin, wer aufgrund körperlicher, kognitiver oder psychischer Beeinträchtigungen seinen Alltag nicht ausreichend selbstständig bewältigen kann und deshalb Hilfe durch andere braucht.
Und dieser Zustand sollte mindestens sechs Monate lang bestehen. Und das ist auch das, was ich vorhin schon mal gesagt habe mit dem Alter, dass wenn du ein vierjähriges oder fünfjähriges, sechsjähriges Kind hast und du erzählst, wie intensiv der Alltag ist und dann sagst du halt so, ja, mein Kind wird noch gewickelt, mein Kind braucht Hilfe beim Essen, mein Kind braucht Hilfe bei der Körperhygiene.
Dann wird das anders eingestuft, als wenn dein Kind acht ist und es immer noch braucht. Und generell ist es super wichtig, da auch wirklich ins Detail zu gehen und eben auch das zu sagen und zu erzählen, wenn das intensiver ist. Die stellen sich sonst vor, ja gut, die sitzt dann halt da und wickelt das Kind mal kurz oder duscht das Kind mal kurz ab. Das sind ja zwei Minuten, das ist ja jetzt wohl nicht die Welt.
Und wenn du erzählst, mein Kind hat ein Riesenthema. Wie sich Duschen anfühlt, wie sich das Wasser anfühlt und hat vielleicht auch sogar eine Angststörung vor Wasser, was auch immer, dann verstehen die auch erstmal, wie intensiv dein Alltag dadurch auch funktioniert. Ja, ich will nicht sagen beeinträchtigt, weil es ist so ein negatives Wort, aber ihr wisst, was ich meine, oder? Also wie das den Alltag auch bestimmen kann.
Also ganz wichtig, die Person, für die der Pflegegrad jetzt bestimmt ist, die wird immer altersentsprechend, also mit einem altersentsprechend typisch entwickelten Gleichaltrigen verglichen. Und die Frage ist immer, wie viel mehr Unterstützung braucht mein Kind als ein gleichaltriges Kind normalerweise.
Also nicht, natürlich muss ich mein siebenjähriges Kind morgens daran erinnern, den Sportbeutel mitzunehmen oder so, sondern die Frage ist, reicht da eine Erinnerung, musst du dann jeden Schritt auch begleiten, musst du den Sportbeutel selber packen, musst du daneben stehen. Wie intensiv ist das dann auch?
Oder gerade auch zum Beispiel sowas wie duschen oder Essen zubereiten. Wie viele Extrarunden musst du gehen? Oder auch sowas wie, wenn dein Kind Meltdowns hat, dann sag auch nicht einfach nur, ja, ich begleite auch regelmäßig Meltdowns, sondern werde da konkret. Also das ist so der wichtigste Punkt, werde konkret.
Und das ist halt manchmal auch schmerzhaft. Das will man vielleicht auch gar nicht so. Da will man vielleicht auch gar nicht so reingehen. Vor allem, wenn das alles noch so frisch ist und so neu ist. Und plötzlich nimmst du hier dein Kind auseinander und schaust nur auf das, was schlecht ist, was problematisch ist, wo es nicht so läuft wie bei anderen.
Das ist unfassbar anstrengend und es macht einen psychisch irgendwo fertig. Aber es ist halt auch super wichtig. Ich sage nicht, dass ihr es sofort beim ersten Mal machen müsst. Wie gesagt, ich habe das auch nicht. Ich habe auch beim ersten Mal einfach manche Dinge auch schön geredet, weil ich es für mich schön reden musste.
Und jetzt war es irgendwie so an der Zeit, dass wir dachten, hey, zwei oder drei Jahre sind jetzt vergangen, wir lassen es nochmal angucken. Weil wir hatten wirklich jetzt, wir hatten eine sehr geringe Punktzahl, sag ich mal so. Und ich glaube schon, dass da inzwischen deutlich mehr Punkte rauskommen müssen.
Das heißt, wenn zum Beispiel auch Meltdowns bei euch eine Rolle spielen, dann sage mal ganz konkret, wie oft, was musst du da konkret tun und wie viel Unterstützung braucht es, wie geht es auch dir danach? Ich finde das auch so wichtig, zu sagen, und danach brauche ich erstmal drei Stunden Erholung für mich, weil das so intensiv ist. Ich kann danach auf gar keinen Fall nochmal irgendwie mich an Computer setzen und kognitiv was arbeiten.
Also das ist einfach auch nochmal wichtig, das ist übrigens in dieser Kategorie Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, da ist es wichtig. Generell ist es ja so, dass der medizinische Dienst sich die Mobilität anschaut, also aufstehen, Treppen gehen, Fortbewegung, so Körperposition, das ist jetzt glaube ich mal so bei neurodivergenten Kindern nicht unbedingt der entscheidende Bereich.
Dann kognitive und kommunikative Fähigkeiten kann schon wieder ein großes Thema sein. Drittens Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, da ist ziemlich viel. Wie Gefahren erkennen, Situationen verstehen, Bedürfnisse mitteilen, sich orientieren, Ängste, nächtliche Unruhe, Aggressionen, starke Abwehr oder den Bedarf an regelmäßiger Intervention durch Erwachsene. Also alles das.
Und Selbstversorgung ist ein weiterer Punkt. Der ist der am stärksten gewichtete Bereich übrigens. Also gerade das, waschen, duschen, Zähneputzen, anziehen, Toilette, essen, trinken. Aber auch sowas wie Medikamentengabe kommt jetzt beim nächsten Punkt erst, Krankheit und Therapien. Aber nochmal kurz, um auf diesen Selbstversorgungsding zurückzugehen.
Das ist der am stärksten gewichtete Bereich. Also wenn ihr bei eurem Kind die Zähne nachputzen müsst, wenn ihr beim Anziehen helfen müsst, beim Toilettengang, beim Essen, Trinken, wenn das Kind regelmäßig das Trinken verschüttet oder so und das Essen runterfällt, das sind alles Themen, die sind relevant.
Weil wenn das Kind nur sensorische Probleme hat, selektiv isst. Ja, wenn du manches auch völlig übernehmen musst für das Kind, Das sind die Punkte, das ist deine Pflege und das machst du jeden Tag mehrfach. Deswegen ist es auch so relevant. Und dann eben auch Medikamentengabe, Therapien, Arztbesuche.
Musst du da mit? Wie viel Zeit fordert das? Und der letzte Punkt, Alltag und soziale Kontakte. Kann das Kind den Tag schon selbst strukturieren? Und da wird dann eben auch immer geguckt, im Vergleich zu Gleichaltrigen natürlich. Kann das eine Beschäftigung alleine beginnen? kann das sich alleine beschäftigen.
Kann es soziale Kontakte gestalten? Auch das ist dann eben mit zunehmendem Alter auch mehr gewichtet oder anders relevant für den medizinischen Dienst. Und darum finde ich das auch so wichtig, immer wieder jetzt darauf hinzuweisen, dass es Sinn macht, aus genau diesen Gründen den Pflegegrad auch immer wieder mal anzupassen.
Und dann gibt es ja noch so ein Ding, finde ich, das spielt da auch mit rein, dass wir Eltern ja auch irgendwo, also nicht nur wir Eltern, ich glaube generell ist man ja so ein bisschen drauf trainiert, Dinge kleinzureden. Und dann zu sagen, ja passt schon, geht schon, ach das klappt mittlerweile ganz gut.
Und das kann vielleicht sogar stimmen. Die Frage ist immer, ist das im Vergleich zu einem normal entwickelten oder, klassisch entwickelten oder wie auch immer man das sagen will, zu einem mehrheitlich entwickelten Kind normal? Also, weil wenn wir dann sagen, ja, das passt schon so mit dem Essen, dann ist das vielleicht für uns ein Pass schon so.
Und wenn wir das dann mit anderen Kindern vergleichen, Gleichaltrigen, würden wir vielleicht denken, okay, ja nee, also wenn ich es mit denen vergleiche, dann passt es ja überhaupt nicht. Das ist ja wie Tag und Nacht, also läuft ja bei uns völlig anders ab. Und genau darum geht es ja. Und es geht ja auch darum, die Arbeit, die dahinter ist, zu zeigen.
Also ja, wenn wir dann sagen, das klappt jetzt, dann beschreiben wir auch das Ergebnis. Vielleicht hat es da einen riesen Arbeitsaufwand von uns auch gegeben. Zum Beispiel, dass wir sagen, ja, also inzwischen zieht sich mein Kind morgens selbst an. Aber eigentlich suchst du die Kleidung für dein Kind aus, du legst sie ihm hin, du erinnerst das Kind fünfmal daran, du musst vielleicht sogar daneben stehen und dann noch drei Zettel abschneiden, die jetzt irgendwie heute dann doch stören, die aber davor noch nie gestört haben, zum Beispiel.
Und dann ist das auch kein normales Anziehen, weil es vielleicht fünf Minuten bei einem neurotypischen Kind braucht und du hast mit deinem Kind zusammen ihr beide 25 Minuten dafür gebraucht. Also dann ist halt so, ja, mein Kind zieht sich selbstständig an, auch nur die halbe Wahrheit. Deswegen wirklich die große Empfehlung, überleg dir mehrere Wochen lang, also ich hatte dann auch immer so eine, auf meinem Handy in der Notiz-App immer wieder mir so Sachen aufgeschrieben, die mir dann wieder eingefallen sind.
Und spricht es mit einer anderen nahestehenden Person ab. Also Partner, Partnerin, Großeltern, Erzieherin, Ergotherapeutin, wer auch immer. Lasst euch im Bestfall noch so ein Gutachten von irgendwem schreiben. Und ja, vielleicht ist es auch gut, wenn da dann ein Elternteil ist, das solche Dinge echt gut rüberbringen kann, dass die Person dann auch das Sprechen übernimmt oder diesen Besuch mit dem medizinischen Dienst.
Super wichtig finde ich es auch, wenn der medizinische Dienst zu euch nach Hause kommt, dass ihr eine Beaufsichtigung für euer Kind habt, weil es ist für das Kind wirklich nicht gut, das zu hören. Sorgt dafür, dass nicht diese ganzen Defizite vor eurem Kind besprochen werden. Gebt auch diesen medizinischen Dienst Einhalt. Sagt mal, hey, Moment, das besprechen wir gleich in Ruhe.
Und dann schickst du dein Kind mit irgendjemandem in einen zweiten Raum, dass du da wirklich auch offen reden kannst und das Kind das nicht mitbekommt. Und zu guter Letzt habe ich noch ein bisschen Recherche für euch betrieben. Dieses Punktesystem beim Pflegegrad, wo ich gerade noch so meinte, naja, so und so und so viele Punkte, kann man ganz einfach googeln.
Pflegegrad 1, da braucht das Kind 12,5 bis unter 27 Punkte, also bis 26. Pflegegrad 2, 27 bis 47. Und dann 47,5, also da ein Kommapunkt, auch mit Komma, also schon ein krasser, feiner Plan. Genau, Pflegegrad 3 ist 47,5 bis unter 70. Pflegegrad 4 ist 70 bis unter 90. Und Pflegegrad 5 ist dann 90 bis 100 Punkte.
Und mehr Zeitaufwand allein wird nicht einfach in Minuten zusammengerechnet. Also bewertet wird vor allem Selbstständigkeit beziehungsweise die Fähigkeit innerhalb der festgelegten Kriterien und auch immer in Relation zu dem, was man von Gleichaltrigen eigentlich erwarten würde. und jetzt auch nochmal Butter bei die Fische, wie viel Geld gibt es denn jetzt im Jahr 2026, für den jeweiligen Pflegegrad und auch da ist es dann gleich so, man fühlt sich gleich schlecht und denkt, boah, ich kassiere jetzt auch noch, für die Behinderung meines Kindes.
So darfst du gar nicht erst denken. Also ganz ehrlich, ich sehe das so, das ist ein kleiner Muckenschiss an finanziellem Ausgleich für das, was ich nicht mehr an Erwerbsarbeit leisten kann. Weil ich dafür schlicht keine Zeit mehr habe. Weil mich dieser Alltag mit den Special Kids so viel Zeit kostet, weil der so intensiv ist, dass ich überhaupt gar nicht mehr in der Lage wäre, mehr zu arbeiten. Ich brauche auch morgens inzwischen mehr Erholung.
Ich brauche da auch einfach mal Zeit für mich oder manchmal hole ich Schlaf nach oder manchmal fahre ich dann einfach los und hole Rezepte oder ich buche Termine oder ich kümmere mich um neue Therapiemöglichkeiten. Also all das, wenn man das so sieht, dann ist das eine. Kleine minimale Kompensation und auch jetzt nicht irgendwas, wovon wir jetzt sagen, yo, hey, gehen wir mal für den Urlaub.
Also Pflegegrad 1, das sind die aktuellen Zahlen, stand eben jetzt Oktober 2026. You never know, wann das alles wieder eingestampft oder reduziert wird oder so. Wählt die richtige Partei Menschen, wählt ohne Witz, wählt die richtige Partei, informiert euch und lasst euch keinen Scheiß erzählen. Pflegegrad 1 gibt es kein Pflegegeld, finde ich ganz wichtig zu wissen.
Pflegegrad 2 bekommst du 347 Euro jeden Monat, on top aufs Kindergeld. Pflegegrad 3, das ist nämlich wirklich ein Unterschied. 599 Euro im Monat. Und ich sage es jetzt einfach mal aus meiner Erfahrung, ich kenne extrem viele Kinder mit ADHS, mit Autismus oder mit beidem, die einen Pflegegrad 3 haben. Ich kenne super viele.
Also es ist nicht unrealistisch, genau. 599 Euro, Pflegegrad 4, 800 Euro, Pflegegrad 5, 990 Euro. Und ich kenne auch einige, die haben Pflegegrad 4. Und das würde ich diesen Kindern auch überhaupt nicht ansehen. Aber ja, es ist halt auch immer noch eine individuelle Geschichte, wirklich, weil da sitzt ein Mensch mit dir am Tisch und füllt diesen Fragebogen aus, also der medizinische Dienst.
Und auch bei uns ist es so, dass da schon, also da heißt es dann schon, machen Sie mal den Termin lieber. An einem Mittwochvormittag, weil da arbeitet die eine Schreckschraube nicht, die so gut wie keine Punkte vergibt. Also wisst ihr, so ist es halt tatsächlich leider in der Realität schon auch. Und wenn wir jetzt schon hier über Geld sprechen, ist es auch wichtig zu wissen, es gibt, wenn man einen Pflegegrad hat, auch die Möglichkeit einen Entlastungsbetrag, zu bekommen. Das sind 131 Euro im Monat.
Das ist aber kein frei verfügbares Bargeld, sondern da kannst du Entlastungsangebote nehmen, wie zum Beispiel jemand, der kommt, um bei euch regelmäßig zu putzen oder zu kochen. Da müsst ihr euch aber noch mal informieren. Am besten auch direkt beim medizinischen Dienst. Ich glaube, das sind bestimmte besondere Personen, die da eine besondere Ausbildung brauchen.
Bei uns ist es schon so, dass der medizinische Dienst meinte, ja, ich weiß, theoretisch steht Ihnen das zu. Praktisch gibt es hier im Landkreis niemanden. Wir haben einen Riesenmangel an Menschen, die das machen. Und deswegen gibt es gerade niemanden. Also ja, du hast eigentlich diesen monatlichen Entlastungsbetrag.
Und ich bin mir gerade nicht sicher. Ja, es gibt, da müsst ihr auch mal gucken. Ob das sich sammelt in einem Topf, ob das jeden Monat dann wieder verschwindet, ob du es jeden Monat nutzen musst, ob du es über drei Jahre, über vier Jahre ansammeln kannst. Da müsst ihr nochmal nachgucken, also auch da gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Und dann gibt es eben auch noch die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Da gibt es seit Juli 2025 den gemeinsamen Jahresbetrag. Das hat sich damals auch nochmal geändert, das war davor separat. Jetzt aktuell ist es so, dass du bis zu 3.539 Euro in einem Kalenderjahr zur Verfügung hast für eine Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege ab Pflegegrad 2.
Das finde ich total relevant für uns. Das heißt, wenn du verhindert bist, dann hast du Anspruch darauf, dass jemand für dich einspringt und dein Kind pflegt. Und das kann auch eine verwandte Person machen, allerdings gibt es bei denen krasse Kürzungen. Die darf nicht bei dir im Haushalt wohnen, das ist wichtig, glaube ich.
Und wenn es jetzt die Oma ist, dann darf die Oma das machen, die kriegt auch finanziell was, aber halt wirklich deutlich weniger. Und auch da wirklich Leute, man denkt immer, man schickt das hin und das hat alles seine Richtigkeit. Wir haben da schon so krasse Dinge erlebt und man muss eigentlich bei allem nachfragen, man muss bei allem Widerspruch einlegen, man muss bei allem drei, vier Extrarunden gehen.
Ich habe auch schon mal gehört und auch wirklich von einer Person aus diesem Fachbereich, die zu mir meinte, na ja, also beim Schwerbehindertenausweis. Und den kannst du dann eben auch beantragen, wenn du einen Pflegegrad hast. Und der ist halt auch wirklich cool, weil du bekommst dadurch tatsächlich auch viele Vergünstigungen.
Du bekommst ein Ticket für den Nahverkehr. Das musst du auch noch beantragen, aber da kriegst du für einen echt, echt sehr, sehr, sehr günstigen Jahresbetrag ein kostenloses Ticket, um Nahverkehr zu fahren. Und wenn im Schwäbi-Ausweis auch noch ein B für Begleitpersonen drinsteht, darf diese Begleitperson kostenlos mitfahren.
Und dann darfst du in der Regel auch in Museen, in Freizeit, was auch immer, Parks, whatever, kostenlos rein. Und du kannst eine Priority-Schlange eventuell nutzen. Es gibt da wirklich inzwischen coole Sachen, wo man auch wirklich auf solche Menschen Rücksicht nimmt. Und ich finde es einfach nur gerechtfertigt, weil unser Alltag ist so knüppelhart und so anstrengend und es können sich Eltern, die nicht pflegen, die diese Extra-Care-Arbeit nicht leisten, die können sich das nicht mal ansatzweise vorstellen.
Ich weiß das, weil ich dann immer wieder in überraschte Gesichter gucke, wenn ich wirklich mal im Detail anfange, sowas zu erklären. Wie zum Beispiel jetzt mal das Thema Duschen. Und dann sind die so, oha. Und dann sage ich, ja. Und wenn es nur das Thema Duschen wäre, dann wäre trotzdem mein Alltag easy.
Das ist ja ein Punkt von vielen, vielen, vielen anderen. Und das hört nicht auf. Das ist keine Phase. Das ist auch nicht wie, ja, du hast einen schweren Autounfall gehabt und brauchst jetzt mal für ein halbes Jahr Hass im Pflegegrad. Nehmann, das bleibt und wir haben das dauerhaft. Und was uns das auch an Gesundheit kostet, also dieses Schlafmangel, dieser dauerhafte Stresspegel, es gab ja diese Studie, die schockiert mich einfach immer noch, die meinte, Eltern autistischer Kinder haben ein Stresslevel wie Soldaten an der Front.
Und ja, kann nicht nachvollziehen. Und dafür dann so ein bisschen irgendwo einen finanziellen Ausgleich zu bekommen, dass du nicht auch noch den Mörderstress hast, um irgendwie deine Miete zu bezahlen oder einigermaßen gutes Essen auf den Tisch zu kriegen. Ist einfach nur fair. Und bei uns ist es tatsächlich so, und da habe ich neulich eine Story auf Instagram zu gemacht, Wo ich meinte, bei uns ist es so, dass ganz viel von diesem Pflegegeld wirklich beim Essen drauf geht.
Also unser Sohn hat oft super spezielle Essenswünsche und auch die ändern sich. Also du kannst mit ihm auch alles absprechen, einen tollen Plan machen. Du kannst dir auf die Schulter klopfen und denken, juhu, ich habe einen Wochenplan erstellt, mega. Oder wir haben sogar besprochen, was wir die ganze Woche kochen und den Wochenplan wiederholen wir jetzt. Vier Wochen am Stück, das Kind hat zugestimmt.
Am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder anders aus. Und dann kommt das Kind aus dem Hort und hat ein riesiges Bedürfnis, ein riesiges. Jetzt sofort dieses eine Backstück vom Bäcker zu bekommen, von diesem einen Bäcker zu bekommen. Ich bin ja schon froh, wenn es nicht mehr heißt, es muss frisch aus dem Ofen sein.
Das hatten wir auch eine Zeit lang, weil dann gab es das einmal frisch aus dem Ofen und dann war es so, oh mein Gott, ich will das jetzt immer frisch aus dem Ofen. Kann der Bäcker bitte immer zur gleichen Zeit die Brezen frisch aus dem Ofen holen? Kann der das bitte takten, damit mein Kind die immer frisch aus dem Ofen kriegt?
Ja, Spaß, aber das sind so Dinge, das kann man sich nicht vorstellen, wie anstrengend das dann auch ist und wie intensiv die Gefühle dann sind, wenn das halt nicht funktioniert. Und da ist es bei mir inzwischen wirklich oft so, also früher hätte ich dann gesagt, hey, guck mal, wir können doch nicht jeden Tag zum Bäcker fahren und, dann noch das kaufen und noch das kaufen und dann schmeckt das nicht und du nimmst ein Bissen, dann werfen wir es wieder weg und dann kaufen wir das zweite und das schmeckt dann wieder nicht.
Und weißt du so, ja, auf welchem Baum wächst dieses Geld? Ja, bei uns wächst es inzwischen auf dem Pflegegrad Geldbaum. Weil ich da dann wirklich sage, hey, damit schone ich jetzt einfach meine Nerven. Und dann fahre ich da jetzt einfach nochmal zum Bäcker. Ich diskutiere jetzt nicht. Ich habe jetzt kein schreiendes Kind im Auto.
Auch das andere Kind ist dankbar, wenn es diese Diskussion mal nicht gibt. Ich finde, man muss auch echt oft an das Geschwisterkind denken, dass das dann alles mit aushalten muss. Und dafür ist dann einfach auch dieser Topf da. Und das, was dann vielleicht noch übrig ist am Ende des Monats, das nehme ich dann zu unserem normalen Gehalt und ersetze damit Dinge, die kaputt gegangen sind.
Das war nämlich auch was, was ihr ganz oft gesagt habt, dass unfassbar viel kaputt geht bei neurodivergenden Kindern und man sehr viele Dinge nachkaufen muss und neu kaufen muss. Und ja, was für eine Kacke, dass die Haftpflichtversicherung nicht greift, wenn es im eigenen Haushalt ist. Verstehe ich nicht. Also was unser Kind kaputt macht.
Ich habe schon so oft im ganzen Umkreis gefragt, hat jemand eine Haftpflicht? Kann jemand von euch? Hast du vielleicht einfach diese Vase für mich runtergeschmissen? Hast du mein neues iPhone von drei Meter Balkon runter auf die Einfahrt geschmissen? Kannst du das einfach gemacht haben? Kannst du bitte einfach mein iPhone mit dem Auto überfahren haben?
So sieht es nämlich aus. Also ja, zum Teil sind es wirklich auch teure Dinge, die dann da einfach kaputt gehen, die zu Bruch gehen, die in der Impulsivität, in dem unachtsamen Moment hinüber sind oder auch Sachen bei Freunden. Naja, also dafür geht dann auch dieses Geld relativ schnell drauf. Also guckt, dass ihr euch das holt, was euch zusteht. Habt bloß kein schlechtes Gewissen.
Und habt auch kein schlechtes Gewissen, wenn ihr es jetzt einfach emotional noch nicht packt, euch diese dunkle Türe. Der Dinge anzuschauen, die euer Kind noch nicht altersgerecht meistern kann. Es kann sich immer so viel verändern. Die Kinder entwickeln sich enorm. Und selbst wenn dein Kind mit 10 noch eine Windel trägt und du ihm das Schnitzel vorschneidest und du ansonsten auch extrem viel mit dem Kind machst, es gibt immer Bereiche, in denen sich unsere Kinder gnadenlos entwickeln.
Und wo wir wirklich stolz auf sie sein können. Und ich finde, das sind die Dinge, auf die wir uns in den Fokus legen sollten. Weil dazu habe ich ja auch mal viel recherchiert. Menschen mit einer Neurodivergenz, die es im Leben wirklich zu einer krassen Berühmtheit geschafft haben oder die Krasses geleistet haben.
Wenn man da mal die Biografien liest, dann sind das alles auch Menschen, die krass supported wurden von ihren engsten Bezugspersonen. Wo in der Regel die Mama auch dann komplett hinter dem Kind stand, dem Kind den Rücken gestärkt hat, dem Kind gezeigt hat, hey, du bist der Knaller, du bist genau richtig so, wie du bist.
Und alternative Wege für das Kind gegangen ist und geguckt hat, wie kriegen wir es hin, wo sind deine Stärken, was begeistert dich? Und darauf setzen wir den Fokus. Also ja, unsere Kinder haben Themen und Probleme und können vieles vielleicht nicht wie andere in ihrem Alter. Ja und, mein Gott, dafür.
Werden sie vielleicht mal irgendwann andere Dinge richtig herausragend tun. So, in diesem Sinne, ich muss jetzt los. Lasst es euch gut gehen, gönnt euch was. Bewertet den High Family Podcast, wo auch immer ihr ihn hört. Bitte schickt die Folge weiter, leitet es an jemanden weiter. Teilt es auch gerne mal in eurem WhatsApp-Profil oder auf Instagram oder in dem Familien-WhatsApp-Gruppen-Chat, den ihr habt oder so.
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