
Hi, Family! Der Elternpodcast für Familien mit neurodivergenten Kids (ehem. Hi, Baby! Podcast)· Folge 432
Was niemand sieht: Die unsichtbare Arbeit pflegender Mütter (am Beispiel meines beruflichen Berlin-Trips)
Sonntag, 18. Oktober 2026 · 46 min
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Shownotes
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Es sind nicht nur die großen Dinge. Es sind die tausend kleinen Extrarunden dazwischen.
Planen. Mitdenken. Vorbereiten. Abfangen. Erklären. Organisieren. Rücksicht nehmen. Noch schnell dies. Noch eben das. In dieser sehr persönlichen Hi, Family!-Folge nehme ich dich mit auf meinen Berlin-Trip – und spreche darüber, wie viel unsichtbare Care-Arbeit, Mental Load und emotionale Verantwortung viele pflegende Mütter jeden Tag tragen, ohne dass es von außen überhaupt sichtbar ist.
Es geht um Familienleben mit Autismus, ADHS und anderen Besonderheiten, um permanente Zusatzaufgaben, um Erschöpfung – und um die Frage: Wie viel leisten wir eigentlich jeden Tag, ohne dass es irgendwo mitgezählt wird?
Eine Folge über die Arbeit hinter der Arbeit. Und über all die Dinge, die so selbstverständlich wirken, obwohl sie es überhaupt nicht sind.
📖 Isabel Demirels Buch "Anders glücklich – Familienleben jenseits der Norm" (amzlink.to/az0YgeWRqK9zd )
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Alle leise, wir machen jetzt Quatsch. Schön, dass du da bist bei HiFamily, dem Elternpodcast für Familien mit Autismus, ADHS und anderen Besonderheiten. Achtung, das fällt gleich runter. Mir doch egal. Und wer räumt das jetzt alles wieder auf? Ich nicht. Die Kackwurst-Mama. Der ist doch komplett irre.
Hallo, so schön, dass ihr wieder dabei seid bei einer neuen Folge von Hi Family, eurem Podcast für Familienleben jenseits der Norm. Heute mit einer ganz aktuellen oder persönlichen Folge, die mir super spontan kam. Spontan ist eigentlich das Wort, ne? Mit einer spontanen Folge, die ich jetzt so einschiebe in meinen eigentlichen Themenplan, weil ich diese Woche zwei Tage in Berlin war, für eine Podcast-Aufnahme im Podcast von Evelyn Weigelt, Alle meine Eltern.
Die kommt übrigens auch bald hier in den Hi-Family-Podcast, dürft ihr euch schon drauf freuen. Und ich war für zwei Tage in Berlin und habe euch da so ein bisschen mitgenommen. Und auf der Rückreise, als ich wieder zurück nach München gefahren bin, saß ich so im Zug und dachte mir. Ich habe euch jetzt eigentlich auch wirklich nur die Schokoladenseite dieses Berlin-Trips gezeigt, und diese ganzen real-life pflegende Mama-Momente, die eigentlich diesen Trip komplett begleitet haben, die habe ich einfach nicht erwähnt.
Die waren nicht da und ich dachte dann so, ja, das passiert eigentlich so häufig, dass man so ein Bild von außen, sieht oder ich auch ein Bild für euch generiere, wo alles so cool wirkt und so fancy und die Leute denken jetzt, boah, also ihr denkt jetzt so, hey, wie cool, die ist auch pflegende Mama und die kann einfach mal für zwei Tage nach Berlin fahren und dann Podcast-Interview machen und gönnt sich voll. wie geil.
Und ich dachte dann so, nee, aber das ist eigentlich gar nicht so. Also es ist halt einfach nur die eine Seite der Medaille oder ein Teil des Bildes. Und das, was alles auch in dieser Zeit passiert ist oder wie ich da auch trotz allem noch eingebunden war in den Alltag mit meinen Kindern, das ist genauso da gewesen und hat stattgefunden, nur ich habe es nicht gezeigt.
Und ich glaube, das passiert ganz, ganz vielen, dass dieses pflegende Elternsein, unfassbar häufig unsichtbar ist. Und deswegen Menschen, die das nicht leben, diesen Alltag, auch ganz oft vergessen, wie anstrengend unser Alltag, also der Alltag von uns pflegenden Eltern einfach ist, weil wir diese Momente, auch ungern teilen und zeigen.
Es hat natürlich auch viel mit Privatsphäre oder mit Charme zu tun. Und ich habe mir jetzt einfach gedacht, es ist super wichtig, euch auch diese andere Seite zu zeigen und. Euch auch klarzumachen, hey, das war jetzt nicht nur Fancy, Isa reist nach Berlin und hat hier ihren famous Moment im Podcast von Evelyn Weigelt, sondern da gab es eben auch noch diese anstrengende Seite, diese Seite, wo ich dachte, boah, ich bin am Limit.
Wo ich einfach auch so am Anschlag war und versucht habe, alles parallel irgendwie zu handeln. Und genau darum geht es heute in dieser Podcast-Folge. Da zeige ich euch jetzt einfach, was sonst noch so passiert ist. Was ich auf Instagram zum Beispiel, da heiße ich isabell-demirel. Falls ihr mir da noch nicht folgt, könnt ihr voll gerne folgen, was ich auf Instagram eben nicht gezeigt habe.
Genau, und bevor wir in die Folge rein starten, gibt es wie immer den gemeinsamen Check-In. Das ist dein Moment, an dem du dich mit dir selbst verbinden kannst, an dem du mal kurz aufhören darfst, dich immer in erster Linie um andere zu kümmern oder deine Aufmerksamkeit auf anderen Dingen oder Menschen zu haben und die Aufmerksamkeit einfach auf dich lenkst.
Das heißt, wenn du möchtest, schließ gerne mal die Augen, Wenn es nicht möglich ist, kannst du auch einfach versuchen, so den Blick ein bisschen weich werden zu lassen, in die Ferne schweifen zu lassen. Und dann beobachte einfach mal deinen Atem, wie der jetzt gerade im Moment geht. Ist der tief und entspannt oder ist er eher flach oder ist er gestresst?
Unser Atem ist das einfachste Tool, an dem wir eigentlich sehen können, wie es uns gerade geht. Das war ja zum Beispiel auch bei mir, als ich 2022 meine erste Psychotherapie begonnen habe. Dann habe ich auch zuerst am Atem gemerkt, das was nicht in Ordnung ist bei mir. Da habe ich angehende Panikattacken gehabt und ich hatte immer so das Gefühl, ich bekomme nicht genug Luft. Und bin deswegen zu meiner Hausärztin und habe gemeint, irgendwas ist los.
Ich kriege nicht mehr richtig Luft. Und ich habe gedacht, vielleicht habe ich so ein Long-Covid, Post-Covid-Ding, dass meine Lunge nicht mehr richtig funktionsfähig ist. Und naja, anhand des Atems dann eben gemerkt, okay, das sind angehende Panikattacken, irgendwas ist nicht in Ordnung. und dann hat es mich am Ende zu einer Therapeutin überwiesen.
Genau, das heißt, beobachte einfach mal deinen Atem und wenn du magst, darfst du gerne eine Hand auf dein Herz und eine Hand auf deinen unteren Bauch legen und dann wirklich mal, ganz gezielt diese tiefe Bauchatmung machen, also durch die Nase einatmen in den unteren Bauch. Kurz die Luft anhalten und dann...
Tief und vollständig ausatmen. Mach das gerne noch einmal. Atme durch die Nase in den unteren Bauch. Tief und vollständig ein. Halt die Luft kurz an. Und dann, alles wieder raus. Dann schau auch mal. Du darfst gerne so weiter atmen. Und diese Ruhe, die sich vielleicht auch durch diese Atmung einstellt, dann dazu nutzen, dass du einfach mal so einen kleinen Check-In bei dir selbst machst und guckst, hey, wie geht es mir gerade, wie bin ich gerade da, wie fühle ich mich, welche Emotionen sind da, und da geht es nicht darum, irgendwas zu bewerten, sondern wirklich mal sich ein ehrliches, echtes Bild von sich selbst in diesem Moment zu machen.
Und dann mach noch eine Sache, die dir gut tut. Wenn du magst, massier dir selbst kurz den Nacken oder streck dich und reck dich. Oder umarm dich selbst oder gähn einmal ganz tief. Oder mach dir jetzt einen leckeren Tee. Irgendwas Schönes, Gutes für dich. Und ich erzähle dir noch, wie ich jetzt gerade da bin. was bei mir los ist.
Ich hatte eigentlich eine total wilde Woche, dadurch, dass ich in Berlin war, zwei Tage, und hatte heute auch so einen wilden Tag, so einen typischen ADHS-Tag eigentlich, in dem ich so viel gemacht habe, das nicht wirklich weit oben auf der Prioliste stand, aber halt trotzdem einfach schon lange da draufsteht.
Das sind so Dinge wie den Garten, Winterfest machen, auch bei den Hochbeeten neue Erde reinpacken. Die Hochbeete sacken ja immer so runter. Und das ist so ein geiles, wie sich die Hobbys ändern, wenn man älter wird. Früher hätte ich einen Fick auf Hochbeete gegeben. Was ist das? Warum hat man ein Hochbeet?
Und jetzt erzähle ich euch, dass die Hochbeete jedes Jahr um 15 Zentimeter Erde runtergehen. Und da habe ich eben so riesen Säcke Erde bestellt, die hier schon seit vier Wochen liegen. Und die habe ich jetzt endlich mal da reingefüllt. Und da haben wir alle zusammen den Garten so ein bisschen winterfest gemacht.
Und ich hatte dann auch so plötzlich so einen Putzfimmel und habe dann rumgeputzt in der Wohnung. Also so tausend Dinge getan, anstatt irgendwie mal wieder mich an den Computer zu setzen und zu arbeiten. So Prokrastination kann ich einfach auch so unfassbar gut. Und jetzt sitze ich endlich am Computer und freue mich auch voll darauf, diese Folge heute für euch einzusprechen. Deswegen starte ich jetzt gleich rein ins Thema.
Also diese Unsichtbarkeit oder dieses Unsichtbarsein von dem anstrengenden Alltag pflegender Eltern, das ist schon so ein Thema, das mich ganz oft zum Nachdenken bringt, das mich auch ganz oft so ein bisschen. Nachdenklich macht, weil es geht wirklich auch selbst bei mir engen Familienmitgliedern so, dass die oft nicht sehen, wie herausfordernd manche Momente im Alltag für mich sind oder wie herausfordernd manchmal der Alltag ist.
Und ich dann merke, okay, wenn man das halt nicht ständig zeigt und nicht ständig drüber spricht und nicht ständig sichtbar macht, dann ist es in den Köpfen von ganz, ganz vielen Menschen einfach nicht präsent, weil sie das selbst nicht so kennen. Es war jetzt zum Beispiel auch bei uns wieder so Thema im neuen Kindergarten unserer Tochter, das ist eine Eltern-Kind-Initiative.
Und bei Eltern-Kind-Initiativen ist es ja so, dass die Eltern sich mit einbringen und mit anpacken und mitmachen. Und dann wurde ich gefragt, ob ich so eine recht anspruchsvolle Aufgabe in dieser Eltern-Kind-Initiative übernehmen möchte, die auch ziemlich zeitintensiv ist. Und ich war dann kurz so irritiert. Also ja, man darf natürlich alles fragen und ich weiß auch, dass das komplett wertschätzend gemeint war.
Aber ich war eben kurz so, hey Leute, ich bin pflegende Mutter, mein Alltag ist wirklich, wirklich schon anstrengend, bis zum geht nicht mehr. Ich muss so viele Dinge tun, die viele Eltern einfach gar nicht tun. Und eigentlich kam mir dann so der Gedanke, wäre das auch voll angebracht, wenn man generell bei Eltern, die ein Kind haben mit einem Pflegegrad zum Beispiel.
Wenn man da andere Maßstäbe setzt und sagt, hey, ja, ihr müsst vielleicht auch einfach fünf Stunden weniger im Jahr leisten als die anderen Eltern, weil es euch einfach, ja, weil ihr anders gefordert seid, so einfach, ja, als Teil von Inklusion und damit wir vielleicht auch überhaupt in diesem Kindergarten mit, Teil sein können, weil das ist schon so, wo ich dann denke, boah, krass, jetzt muss ich da auch noch 15 Stunden im Jahr leisten, an Elternarbeit, was soll ich denn noch alles tun?
Also allein die Zeiten, die Stunden, die draufgehen, um zu irgendwelchen Therapien zu fahren im Alltag, um das Kind irgendwo hinzubringen, zu wichtigen Terminen, Arztbesuchen, also es ist so häufig. Alleine diese, wenn das Kind ein ADHS-Medikament nimmt, das sind keine Rezepte, die auf deine Karte einfach kommen.
Dieses Rezept musst du persönlich abholen. Und dann ist es so, dass du in der Regel... Also wir holen das nicht beim Kinderarzt ab. Ich glaube, ein Kinderarzt darf das auch gar nicht verschreiben, sondern das ist beim Kinderpsychiater. Und in der Regel ist der Kinderpsychiater nicht bei dir um die Ecke.
Also wir fahren da 25 Minuten einfach hin. Und ja, dann muss man halt allein sowas regelmäßig, musst du dann da hinfahren. Also du musst da anrufen, das Rezept wieder bestellen, dann musst du da hinfahren. Dann musst du das Rezept zur Apotheke bringen. In der Regel ist dieses Medikament nicht vorrätig.
Dann musst du am nächsten Tag wieder hingehen, das Rezept, also das Medikament abholen und so weiter und so fort. Das ist jetzt einfach eine Sache, die mir gerade spontan einfällt. Nur von denen gibt es ja einfach auch jede Menge, die da im Alltag dann einfach aufkommen. Und ich habe dann irgendwann auch in dieser Eltern-Kind-Initiative, als dann eben die Idee war, dass ich diesen anspruchsvollen Elternjob übernehme.
Und ich dann so meinte, Leute, guckt mal, mein Alltag ist wirklich super intensiv. Und dann habe ich erzählt, ihr wisst ja, mein Sohn ist Autist. Und die so, ja, ja, wissen wir. Und ich habe dann so ein bisschen einfach mal von unserem Alltag erzählt und gemerkt, dass die überhaupt nichts davon sich hätten denken können.
Dann waren die so, was? Okay, oh krass. Oh, ist ja voll anstrengend. Oh Mann, ja gut, ja, dann verstehen wir das. Und ich war wieder so, okay, das ist in den Köpfen einfach nicht so präsent. Wie der Alltag von pflegenden Eltern ist, wie herausfordernd, wie anstrengend. Und man denkt oft nicht so drüber nach und denkt sich so, oh Mann, jetzt sagt die schon wieder ab, jetzt kommt sie schon wieder nicht mit, jetzt hat sie schon wieder keine Zeit.
Da muss man einfach öfter auch drüber reden und diesen Alltag auch zeigen. Und das war eben der Gedanke, dann diese Folge auch zu machen, Weil ich eben selbst dann auch gemerkt habe, wie oft ich diese Anstrengungen in meinem pflegenden Mama-Alltag fühle. Und unsichtbar mache, indem ich sie nicht erzähle, weil ich oft auch denke so, ja, ich will ja jetzt auch nicht auf der Mitleidsschiene hier, rumdüsen und die ganze Zeit erzählen, wie schlimm und wie anstrengend das alles ist.
Und ja, es ist vielleicht auch nicht unbedingt schlimm, nur es ist halt anstrengend und es ist einfach intensiv. Und gerade auch so diesen Berlin-Trip, ich bin dann auf dem Rückweg im Zug gesessen und dachte mir, hä, warum habe ich jetzt eigentlich nur die coolen Sachen gezeigt? Gerade euch, gerade euch meiner Community auf Instagram, die ja hauptsächlich aus pflegenden Eltern besteht.
Da hätte ich euch doch auch einfach die anderen Sachen zeigen können, um euch zu zeigen, hey, es ist nicht alles nur mega cool und fancy gewesen in Berlin. Und eine Sache, die zum Beispiel mega präsent war in Berlin, ist, also ich war eine ganze Nacht weg und am zweiten Tag bin ich, wäre ich eigentlich abends um Viertel nach acht nach Hause gekommen und bin aber dank der deutschen Bahn erst um halb zehn nach Hause gekommen.
Und das Thema war, dass unser Sohn ein Riesenproblem damit hatte, dass ich beim Einschlafen nicht zu Hause war. Also der kann mit dem Papa total gut eigentlich ins Bett gehen, wenn er weiß, dass ich auch in der Wohnung bin. Und das ist so eine Sache, die war uns lange gar nicht bewusst. Und jetzt war es eben auch wieder so, dass er meinte, er kann nicht einschlafen, wenn ich nicht da bin. Das geht für ihn nicht. Und das war ein riesengroßes Thema.
Und bei mir ist das so, ich war genauso ein Kind wie mein Sohn. Bei mir ging das los. Ich glaube, ich war... Ich war sieben Jahre alt, als das losging, dass ich nicht mehr irgendwo anders schlafen konnte, wenn nicht, also ich glaube, es war vor allem in meiner Erinnerung meine Mutter, wenn meine Mutter nicht dabei war.
Und ich kann es euch gar nicht so genau erklären, wo das herkam, aber es war die nackte Panik, wenn ich irgendwo übernachten sollte oder musste und meine Mutter war nicht dabei. Das war für mich ganz, ganz schlimm. Es war dann auch irgendwann peinlich, weil so ganz viele Freundinnen diese Übernachtungspartys gemacht haben, Bitschama-Partys, oh, magst du mal bei mir schlafen?
Alle haben das gemacht und ich konnte nicht. Und ich wollte aber den Freundinnen auch nicht sagen, dass ich mich nicht traue, dass es nicht geht. Und dann bin ich da halt hin mit all meinen Übernachtungssachen und habe dann eben jedes Mal Übelkeit vorgetäuscht und habe dann wirklich auch zum Teil erbrochen.
Und Bauchschmerzen oder irgendwas, dass ich dann halt abgeholt werden musste. Damit ich bloß nicht mir die Blöße geben muss und zu sagen, hey, ich kann nicht einschlafen, wenn meine Mama nicht da ist. Und deswegen aufgrund meiner Geschichte kann ich eben, also ich wollte noch sagen. Als ich 15 wurde, war das dann auch plötzlich weg, das Thema.
Aber es war ein sehr großes Thema, das wirklich auch jahrelang bei uns in der Familie sehr präsent war, weil meine Mutter halt auch krass an die Wohnung gebunden war. Und es war selbst bei meinen Großeltern. Also ich habe auch nicht bei meinen Großeltern geschlafen und auch nicht bei meiner Patentante und auch bei Menschen, die ich eigentlich total mag und schon mein ganzes Leben lang kenne.
Es ging nicht und es war eine Blockade und es wurde zum Teil auch mal einfach mit Gewalt probiert, dass ich irgendwo anders schlafe. Und es ging dann einfach immer so weit, dass ich mich übergeben habe und Panikattacken hatte wirklich und nur noch geschrien und geweint habe und nichts mehr bei mir ging und man mich immer, jedes Mal abholen musste.
Und mit dieser Hintergrundgeschichte passiert jetzt halt dasselbe mit meinem Sohn, dass er wirklich ganz große Angst davor hat, einzuschlafen, ohne dass ich da bin. Und das war jetzt schon drei Tage vor Abreise. Also ich habe fünf Tage, bevor ich losgefahren bin, habe ich das überhaupt erst erzählt, damit es nicht so ein Riesenthema ist, das ihn schon zwei Wochen davor beschäftigt, weil ich wusste, dass das ein Thema sein wird.
Und dann war das einfach bei uns das präsente Thema des Tages. Also es wurde ständig danach gefragt. Ich habe gemerkt, dass unser Sohn diese Riesenangst davor hat und ganz viel Unsicherheit da war, ganz viel Unklarheit. Und ich habe ständig, es kamen tausend Fragen dazu. Ich habe dann immer versucht, alles zu beantworten, aber allein das war schon super zeitintensiv. Wirklich so immer wieder diese Fragen nach dem Aufwachen als erstes. Mama, jetzt sind es noch zwei Tage, bis du abreist.
Mama, ich kann das nicht. Ich habe riesengroße Angst. Ich werde nicht ohne dich schlafen. Ich werde die ganze Nacht wach bleiben. Ich werde die ganze Nacht wach bleiben müssen. Und dann dieses Diskutieren und dieses Aushandeln und dieses Versuchen, doch noch eine Alternative zu finden. Und auch die Fragen dann so von meinem Sohn, Mama, kann ich nicht einfach mit?
Nein, Schatz, du hast Schule und das ist Schulpflicht und generell. Bitte nimm mich mit, Mama, warum kannst du mich nicht mitnehmen? Liebst du mich nicht genug? Du weißt doch, wie schlimm das für mich ist. Also das ist dieses Fragen. Ich meine, meine Tochter hat auch gefragt und ein bisschen mit mir so versucht zu verhandeln, nur wie mein Sohn mit mir verhandelt und fragt.
Diese Dringlichkeit und die Inzentität und die Dauer und dieses nicht drauf eingehen, wenn ich sage, es geht nicht, sondern einfach weiterzumachen und einfach weiterzumachen, immer wieder mit demselben Thema anzurücken. Also allein das war schon echt anstrengend, wo ich wirklich in den letzten drei Tagen vor Abreise dachte, ich flipp jetzt echt gleich aus, weil er noch einmal, mit dieser Diskussion ankommt, dass er mit möchte.
Und gleichzeitig verstehe ich ihn ja auch. Und ja, es zerreißt einen irgendwo selbst. Und ich habe dann auch echt so überlegt, Mann, ist es mir das wirklich wert, dieser Trip? Und dann sind wir dorthin und wir haben wirklich vieles besprochen und versucht, so viel Sicherheit und Klarheit wie möglich, ihm da zu geben.
Und dann war es aber so, dass er schon um 17 Uhr, also ich bin um 16.30 Uhr. Bin ich angekommen in Berlin und um 17.30 Uhr hat er mich schon heulend angerufen und ich sehe dann auch immer gleich, also mit Videocall, ich, sehe den Unterschied zwischen, ich weine jetzt aus Frust, ich weine jetzt aus Traurigkeit und ich weine, weil ich wirklich komplett verzweifelt bin.
Und das war eben so diese dritte Kategorie, dieses wirklich verzweifelte Weinen und mein Sohn war völlig fertig mit den Nerven und hat nur noch gewimmert und gemeint, Mama, ich schaffe es nicht, ich kann es nicht ohne dich, du musst bitte zurückfahren, es geht nicht. Und dann haben wir miteinander telefoniert und ich habe dann eben einfach gemerkt, der steigert sich da gerade total rein und es wird immer schlimmer, das Weinen wird immer heftiger.
Und dann hatte ich so diese Idee und habe gemeint, weißt du was, wie ist es für dich, wenn wir einen Videocall haben, während du abends im Bett liegst? Und mein Sohn dann so, aber Mama, die ganze Nacht, du musst die ganze Nacht am Telefon bleiben, ich schaffe das sonst nicht. Und ich habe dann einfach gesagt, ja, weil ich kenne das von ihm, es war schon oft so dieser Fall, dass er meinte, er kann dann nicht einschlafen, wenn ich nicht da bin und er möchte die ganze Nacht wach bleiben und wenn man ihm diese Erlaubnis gibt.
Dann entspannt er sich und schläft auch eigentlich ein. Und dann war das so, okay, ich habe gesagt, ja, alles klar. Ich habe gesagt, Schatz, wenn es sein muss, bleibe ich die ganze Nacht für dich am Telefon. Okay, Mama. Und ab wann können wir dann den Videocall machen? Und ich so, okay, ab 19.30 Uhr.
Weil eigentlich ist so 19 Uhr bei uns die Get-Bet-G-Zeit. Und dann wird noch ein Buch gelesen. Und dann so 19.30 Uhr dachte ich mir, schläft schon unsere kleine Tochter. Und dann kann ich danach einfach noch mit ihm per Video da sein. Und mein Mann ist dann auch mit dabei und beruhigt ihn und streichelt ihn und dann kann er hoffentlich irgendwie einschlafen und wenn er schläft, dann legen wir auf.
Ja, und dann ging es halt schon so los, dass ich ein bisschen länger in der Stadt gebraucht habe. Ich habe noch ein paar Erledigungen gemacht, wenn man mal wieder so in so einer Großstadt ist. Und es hat ein bisschen länger gebraucht. Und dann war 19.30 Uhr und er hat mich angerufen und ich war noch mitten in einem Laden, war kurz davor, was abzuschließen, und habe dann diesen Videocall währenddessen schon gestartet und gemerkt, Mist, ich habe ja noch gar nichts zu Abendessen mir selbst besorgt und habe dann mit ihm am Handy mir auch noch ein Abendessen geholt, bin dann hoch aufs Hotelzimmer und habe, am Ende bis 22.30 Uhr mit ihm den Videocall gehabt.
Er ist zweimal zwischendrin eingeschlafen und wir haben dann noch so sieben Minuten gewartet, und dann den Call beendet und dann ist er aber zehn Minuten später wieder aufgewacht, und hat panisch gemerkt, die Mama ist nicht mehr am Video, nicht mehr am Handy und hat mich dann wieder angerufen. Das war natürlich doof, aber ja, also aus der Erfahrung, wenn er einmal schläft, dann schläft er, aber er hat dann auch so gesagt, ich kann einfach nicht schlafen, ich kann mich überhaupt nicht entspannen, ich kann nicht loslassen.
Ist auch krass, wie er das eigentlich auch schon so gut kommunizieren kann mit seinen acht Jahren. Und es war dann einfach so, dass ich dachte, boah krass, ich hatte eigentlich vor, an diesem ersten Abend in Berlin, ich habe ja selbst zwei Jahre in Berlin gelebt, ich habe da studiert und ich hatte so viele Ideen für diesen einen Abend, an dem ich in Berlin war, wo ich essen gehen könnte, welche Straßen ich entlang schlendern wollte.
Und im Endeffekt habe ich nichts davon getan, weil ich im Hotelzimmer saß und mit meinem Sohn den Videocall gemacht habe, weil eben auch mein Handy gerade, Akkuprobleme hat und ich musste mein Handy am Ladekabel haben und so weiter. Aber auch generell, ich hatte jetzt auch keine Lust, da irgendwie durch Berlin zu spazieren und meinen Sohn im Videocall zu haben, sondern ich wollte einfach, den Fokus auf ihm haben und mich um ihn kümmern und ich musste ihm dann auch ganz viele bestimmte Dinge erzählen, die ihn beruhigen.
Und das war schon so, ich dann dachte, boah, völlig anders, als ich es mir eigentlich vorgestellt habe, dieser eine Abend in Berlin. Na gut, ich habe irgendeinen Scheiß gegessen. Ich habe das nächstbeste Takeaway angesteuert und mir da irgendetwas geholt, weil ich schon gesehen habe, mein Akku war bei 6% mit dem Videocall.
Und ich musste einfach ganz schnell jetzt ins Hotel und habe mir dann da etwas so Takeaway bestellt, während er im Video dabei war und immer gesagt hat, Mama, hörst du mich? Mama, jetzt bestell doch endlich. Mama, jetzt mach mal schneller. Und dann kannst du auch gar nicht in Ruhe dir was aussuchen. Sondern ich habe das nächstbeste bestellt. Das hat schrecklich geschmeckt.
Ich hatte noch voll Hunger. Aber als wir dann endlich fertig waren mit dem Call, dass er endlich geschlafen hat, um halb elf, hatte ich auch keinen Bock mehr, irgendwo hinzugehen. Dann habe ich einfach noch ein bisschen mein Buch gelesen und bin eingeschlafen. Und der nächste Tag war dann auch tagsüber alles gut, alles in Ordnung.
Und dann war halt das nächste Thema, dass er unbedingt wissen wollte, wann ich ankomme, also unser Sohn. Und wir haben ihm dann zuerst auch eine falsche Uhrzeit genannt für den Fall, dass irgendwie die Züge Verspätung haben. Weil wenn ich jetzt wirklich gesagt hätte, ach, ich komme um 20.15 Uhr an und dann wäre was passiert und es wäre irgendwie 21.15 Uhr geworden, dann wäre das halt für ihn echt super dramatisch.
Deswegen haben mein Mann und ich gesagt, okay, ich sage eh direkt von Anfang an, ich komme um 10 erst nach Hause, dass er weiß, okay, macht gar keinen Sinn, auf die Mama zu warten. Und dann war es aber eben an diesem einen Abend so hochdramatisch, dass er auch meinte, Mama, du musst morgen früh herheimkommen.
Ich kann das nicht, ich schaffe das nicht. Und bitte, bitte schau, dass du irgendwie früher kommst. Und na ja, ich bin da vielleicht auch vorbelastet, weil ich das aus eigenem Erleben kenne. Diese nackte Panik tatsächlich, die man einfach auch nicht logisch erklären kann. Und dann habe ich auch zu ihm gesagt, weißt du was, ich schaue, dass ich es schaffe, um 20.15 Uhr da zu sein.
Und dann war das schon so ein Druck, dieses 20.15 Uhr muss ich zu Hause sein, es muss irgendwie klappen. Und natürlich ist genau dann im Zug Personen auf den Gleisen, die Fahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Und dann habe ich ihn gleich angerufen, weil es war schon 18 Uhr und habe gemeint, hey, guck mal, ich habe gerade die Durchsage bekommen, mit dem Video auch gezeigt, ich stehe jetzt hier.
Und dann war das einfach alles hochdramatisch. Es war ganz schlimm für ihn und ich war ab da auch wieder die ganze Zeit am Handy und habe mir einen Mörderstress gemacht zu gucken, gibt es Alternativen, kann ich umsteigen? Weil wir sind dann am Bahnhof angefahren und haben dann dort eigentlich gewartet und die ganze Zeit geguckt und bin dann auch so in der Todeshektik, zu der, als ich dann endlich am Bahnhof war, zu der nächsten S-Bahn gerannt, die zwei Minuten nach Ankunft meines ICEs abfuhr und ich nur noch so an allen vorbei gerannt, als würde es halt um Leben oder Tod gehen.
Weil ich wusste, ich muss jetzt diese S-Bahn bekommen, die nächste fährt erst 20 Minuten später und es ist halt einfach schon 21.15 Uhr gewesen, wenn ich dann ankomme. Und so dieses, man denkt, man hat irgendwie so eine coole, so einen coolen Business-Trip und ist in einer mega coolen Stadt. Und eigentlich ist man dann doch die ganze Zeit mit den Gedanken und mit dem Herzen zu Hause und versucht noch so einfach.
Ja, das Kind irgendwie aus der Ferne zu regulieren und für das Kind da zu sein. Und das sind halt auch so die Momente, die man dann in den Instagram-Stories oder in den Reels nicht sieht, die aber halt genauso da sind. Und das Nächste, finde ich, ist dann auch, wenn man dann sowas erzählt... Dann wird man auch ganz oft nicht richtig verstanden.
Also ich habe dann auch so diese Geschichte guten Freundinnen erzählt und da war eben auch eine dabei, die dann so meinte, hey Isa, aber da muss jetzt halt auch einfach dein Sohn lernen, wie er da einen Weg findet. Das ist ja sein Papa und der vertraut doch auch seinem Papa und die haben doch auch voll die innige Beziehung und das muss doch irgendwie möglich sein.
Wieso funktioniert denn das nicht? Du musst ihm doch jetzt auch diese Möglichkeit geben, dass er das lernt, mit dem Papa richtig einzuschlafen. Und ich verstehe das Argument auf der einen Seite total, ich verstehe es total, und gleichzeitig spüre ich eben auch, dass es gerade nicht möglich ist. Und das ist was.
Vielleicht übertreibe ich total, vielleicht projiziere ich komplett meine eigene Kindheitsgeschichte auf meinen Sohn, der ja nicht ich ist. Oder vielleicht bin ich auch einfach nur sehr gut und eng mit meinem Sohn verbunden und spüre, wo, sind jetzt gerade Entwicklungsschritte möglich und wo ist es jetzt aber auch einfach so, wo ich sage, okay, das ist jetzt einfach so.
Das kann man halt nicht mit Maßstäben von. Der normentsprechend entwickelten Kindern, wie auch immer man es ausdrücken will, vergleichen. Und er hat eben nun mal eine Autismusdiagnose. Und ganz häufig ist wirklich eine Autismusdiagnose möglich. Also ich kenne das gerade so bei Rezepten oder bei irgendwelchen Dingen und wenn du dann mit der Ärztin sprichst, dann sagt die Ärztin so, ja, ist gar kein Problem, ihr Sohn hat eine Autismusdiagnose und dann das kriegen wir alles durch.
Also das ist schon so, da merkst du einfach auch, wie krass das ist. Nur für die meisten Menschen, die das nicht so kennen, die den Alltag auch nicht so kennen, die denken halt oft so, ja Autisten, Autistinnen, das sind halt so Menschen, die total in sich gekehrt sind, die in ihrer eigenen Welt leben, die nicht so viel kommunizieren, die nicht so sozial sind. Aber ja.
Der Struggle, mega anstrengend ist das nun vielleicht ja auch nicht so. Aber diese ganz spezifischen Sachen, die da so dann mitkommen und dass eben gerade sowas vielleicht dann auch nicht möglich ist, dass ich sage, ja, verstehe ich, dass du sagst, ich soll ihm die Möglichkeit geben, auch zu lernen, mit seinem Papa einzuschlafen.
Nur das müsste ganz anders ablaufen. Das ist erstmal okay. Wenn ich in der Wohnung bin, dann klappt das gut. Dann würde ich vielleicht beim nächsten, also dann machst du das sechs Wochen, merkst, das funktioniert. Und dann müsste ich vielleicht mal in einem anderen Stockwerk sein. Und würde dann bei uns im Hobbyraum, im Keller mal fernsehen und der Papa bringt ihn ins Bett. Und ich glaube, schon das wäre herausfordernd.
Und dann machst du das mal sechs Wochen. Und dann gehst du mal kurz zum Einkaufen, während das Kind ins Bett gebracht wird. Also das ist so, ja, das kann man bestimmt machen. Man kann bestimmt auch Kinder mit einer Neurodivergenz an andere Dinge oder an Anpassungen heranführen. Nur das ist eben ganz häufig viel, viel anstrengender geworden.
Als es bei einem neurotypischen Kind ist. Und ich sehe ja ganz oft den Vergleich zu unserer Tochter. Und ich sage auch, dass unsere Tochter eigentlich neurodivergent ist. Nur ich glaube, die hat, also ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass sie auch, wie in meine Richtung geht, also auch mit ADHS, die ist mir schon extrem ähnlich.
Und allein dadurch, dass sie in Anführungszeichen nur ADHS hat, Wobei die auch einige, naja, es gibt auch ein paar Züge, die mich an Asperger-Autismus erinnern. Also ich sage jetzt Asperger-Autismus, obwohl man ja eigentlich nur noch Autismus sagt. Aber ja, in manchen Dingen ist das für mich für den Kopf nochmal so ein bisschen eine Unterscheidung.
Ja, also die ist auch wirklich im Vergleich zu Kindern aus unserem Freundeskreis, ist sie auch schon echt anstrengend. Und wenn ich dann aber sie und unseren Sohn nochmal vergleiche, dann sind das wirklich auch nochmal Welten. Also da ist sie, trotz diesen ganzen Besonderheiten, die sie allein mitbringt, ist sie einfach ein Spaziergang bei Sonnenschein.
Und das sind so diese Dinge, diese vielen kleinen... Also Extrarunden, Umwege, Situationen im Alltag, die wir mit unseren Kindern irgendwie meistern wollen, die so anstrengend sind und die so viel Energie kosten. Und als ich dann da bei Evelyn Weigelt im Podcast ankam am nächsten Morgen und, dann habe ich mir auch so gedacht, wenn sie mich jetzt fragt, na, wie war es in Berlin? Bist du gut angekommen? Hast du dir einen schönen Abend gemacht?
Ja, was sagst du dann? Also die Frage hat sie jetzt nicht gestellt, aber wenn sie das gefragt hätte, dann hätte ich ihr wahrscheinlich nicht die Wahrheit erzählt, weil die Wahrheit auch erstmal irritiert. Das ist so eine Floskel wie, na, alles gut. Und dann sagst du halt ja und bei dir, weil du willst jetzt auch nicht da so deep dive rein.
Und wenn ich da jetzt den Leuten gesagt hätte, so nee, also mein erster Abend in Berlin war zweieinhalb Stunden Videocall mit meinem Sohn, der ein paar Panikattacken durchleben musste leider, weil ich beruflich weg war. Ja, geil, ne? Erzählst du halt nicht. Und von diesen Beispielen im Alltag gibt es, glaube ich, unfassbar viele.
Also es war dann auch so, dass halt auch mein Mann dann. Mit unseren Kindern alleine war und ganz viel aber auch nochmal die Oma, mit angepackt hat, weil alleine mit zwei Kindern, so wenn du den Alltag nicht regelmäßig mit ihnen machst, Weil mein Mann arbeitet eben 40 Stunden die Woche und ist nicht so beruflich, frei wie ich, sondern ist fest angestellt.
Dann habe ich schon gewusst, okay, wenn es irgendwie noch geht, dann holen wir noch die Oma mit dazu, damit die eben zum Beispiel auch Dinge mit unserer Tochter machen kann, bei denen es halt ultra anstrengend wäre, wenn unser Sohn jetzt mitmüsste. Und auch das sind so Dinge, die dann die Leute einfach vergessen, die dann sagen so, hä, wieso kann jetzt dein Mann nicht einfach für beide Kinder da sein oder zuständig sein?
Ja, klar, es geht schon, nur es ist halt vor allem für unsere Tochter einfach schöner, wenn jemand Zweites da ist, der dann auch Dinge machen kann, die sie sich wünscht. Weil es geht halt für uns, also für unseren Sohn gehen manche Dinge einfach nicht. Die sind zu reizüberflutend, die sind zu overwhelming.
Da würde er einfach nur einen Meltdown bekommen. Und das geht dann auch einfach nicht. Deswegen ist halt so, ja, da muss dann halt auch die kleine Schwester den Kürzeren ziehen. Und allein das ist einfach schon so schmerzhaft auch für Eltern, das immer wieder auch mitzuerleben. Dann wie das Geschwisterkind dann zum Teil darunter leidet oder sich halt hinten anstellen muss, weil das Bedürfnis des anderen, des Kindes mit der Behinderung oder eben mit dem Pflegegrad, weil das halt...
So viel dringlicher oder intensiver ist, dass man halt sagt so, ja Mist, ich würde es dir gerne ermöglichen, aber geht halt nicht. Und das war mir jetzt einfach ein Bedürfnis, nochmal eine Folge dazu zu machen anhand von diesem einen Beispiel. Ich habe hunderte von diesen Beispielen und das ist aber auch für mich immer super, ja ein totaler Gewissenskonflikt.
Wie viel erzähle ich davon hier im Podcast, weil mir natürlich die Privatsphäre meines Sohnes total wichtig ist. Und deswegen verändere ich auch immer so ein paar kleine Details, wo ich sage, okay, das ist im Grunde immer noch dasselbe, nur es ist nicht identisch, so passiert. Ihr versteht trotzdem, um was es geht. Und ich kann halt auch nicht, ich erzähle halt auch nicht fünf von diesen Beispielen, sondern jetzt eines, das ich so ein bisschen eben modifiziere.
Und ich hatte auch einmal die Kritik bekommen, wo dann eine meinte, du sprichst immer so viel über dich, über dich als Mutter und was es mit dir macht. Und es geht immer nur um dich in deinem Podcast und überhaupt nicht um deine Kinder. Und für mich war das eigentlich voll das Kompliment, weil ich habe irgendwann auch mit Absicht genau das so ein bisschen geswitcht, weil ich gemerkt habe, hey, ich muss ja auch voll auf die Privatsphäre meines Kindes achten oder meiner Kinder achten und natürlich darf ich über mich erzählen und von mir erzählen, und wenn ich was über meine Kinder erzähle, auch damit ihr das wisst, dann verändere ich meistens kleine Dinge, damit es dann wirklich nicht mehr so relatable für mein Kind ist,
eins zu eins das, was passiert ist und trotzdem einfach die Thematik echt und ehrlich dargestellt. Und natürlich war der Berlin-Trip trotzdem total schön und ich hatte super coole Momente in Berlin und ja, bin froh, dass ich es gemacht habe, aber ich war dann schon am nächsten Tag auch echt durch, Weil ich gemerkt habe, wie krass mich das geschlaucht hat, dieses, aus der Ferne mein Kind zu regulieren, und auch zu merken, also diese Verantwortung, die Last, die dann da auf, den Schultern von mir als pflegender Mama liegt und zu wissen, hey, nicht mal der Papa kann das Kind, in Extremsituationen.
Das ist regulierend. Das ist einfach krass. Und man ist dann auch manchmal so verzweifelt und denkt sich, shit. Das liegt an mir und das ist meine Verantwortung und auch diese Last, die ich da trage, zu wissen, wenn es hart auf hart kommt, bin ich diejenige, die ihn am besten kennt, die ihn am besten versteht oder die ihre Kinder am besten kennt und am besten versteht.
Und ich weiß halt auch sehr gut, welche Punkte ich drücken muss, was ich machen kann, damit es ihnen besser geht. Und allein das ist Hochleistungsarbeit für mich, da mich rein zu versetzen, empathisch zu sein, mich mit dem Kind zu verbinden, um dann zu gucken, okay, was könnte jetzt helfen, was braucht das Kind jetzt, wie kriege ich es irgendwie hin?
Und wenn dann noch jemand von außen kommt und anfängt, darüber zu urteilen, und das ist dann auch noch eine Person, die eigentlich die Situation gar nicht richtig kennt, das ist halt wirklich so das I-Tüpfelchen. Das ist so die Kirsche auf der Sahnehaube von allem, was nicht nötig sein muss. Und dann denkst du, Alter, ich habe gerade eh schon den Stress meines Lebens.
Ich habe einen super krassen Tag und einen super anstrengenden Moment gerade. Und jetzt kriege ich auch noch von dir so deine Haltung dem gegenüber, wo du es gar nicht richtig erfassen kannst und überhaupt nicht richtig Ahnung hast, um was es hier eigentlich geht. Lass mich doch einfach machen. Oder auch gerade so bei, manchmal ist es ja auch wirklich im engen Familienumfeld.
Und manchmal ist es tatsächlich auch so, dass mein Mann das dann nicht versteht und sagt, boah Isa, also ich hatte danach auch noch meinen Mann Streit, weil er so meinte, wieso hast du jetzt eigentlich den Plan geändert? Unser Plan war, wir sagen unserem Sohn, du kommst um 22 Uhr nach Hause und jetzt änderst du den Plan und sagst, okay, ich schaue, dass ich auf 20.15 Uhr komme.
Und dann war das auch noch so für mich, oh Mann, jetzt muss ich das auch noch ihm erklären, warum ich das gemacht habe. Und es hatte schon alles, also ich habe das nicht einfach so gemacht, sondern ich habe halt gemerkt, wie wichtig das für ihn war. Und er brauchte diese Sicherheit. Und klar habe ich mir am Anfang gedacht, besser, wenn er das nicht weiß und einfach entspannt mit dem Papa einschläft.
Weil wenn du dann merkst, das klappt nicht und du dann versuchst irgendwie so, das ist wie. Du fährst Schlauchboot und denkst, das ist die Route, so und so läuft und plötzlich, kommen da lauter richtig kritische Stellen und du hast das Gefühl, du bist jetzt in einem richtig schlimmen Strudel und steuerst auf irgendeinen Wasserfall zu.
Und dann machst du halt auch Dinge, die vorher nicht abgesprochen waren, weil du nicht gecheckt hast, dass es vielleicht eine richtig heftige Bootsfahrt wird. Und dann kommen auch noch Leute, du versuchst gerade irgendwie alle lebendig da rauszubringen und dann kommt am Ende einer her und sagt, hey, aber du bist ja jetzt am Ende, hast du irgendwie eine halbe Stunde länger gebraucht, als wir ausgemacht haben.
Das ist jetzt irgendwie doof. Und du denkst dir so, ey, ist das jetzt dein Ernst? Muss ich mir jetzt hier auch noch rechtfertigen? Und natürlich ist es auch wichtig, immer wieder zuvor. Miteinander darüber zu sprechen, weil ich bin ja auch nicht perfekt und ich mache auch nicht alles immer richtig. Und dann ist es ja auch cool, wenn mal jemand sagt, hey Isa, guck mal, ich habe das jetzt so und so mal beobachtet und ich habe mich gewundert, warum du das so und so machst.
Ich hätte gedacht, es wäre einfacher, wenn man es so und so macht. Das ist auch immer die Frage, wie und wann man was anspricht. Und es ist schon wichtig, wenn man auch so gespiegelt wird in seinem Verhalten. Nur das ist dann halt oft auch noch für mich so ein Extra-Struggle. Und ich habe von vielen anderen pflegenden Mamas ähnliche Geschichten gehört.
Dass man halt zum einen das Kind hat, das man regulieren muss. Also co-regulieren muss. Und dann eben auch noch von irgendwelchen anderen für die Art und Weise, wie du das Kind regulierst, die aber funktioniert, auch noch irgendwie kritisiert wirst. Und das sind halt so Struggles, die kennen Eltern nicht, die so einen Alltag nicht haben.
Und deswegen war es mir wichtig, da heute einfach mal drüber zu sprechen, um euch auch zu zeigen, dass auch ich diese Struggles ständig habe, auch wenn ich sie nicht immer zeige. Und ich zeige sie halt ganz oft deshalb nicht, weil es dann wirklich auch so, Privatsphäre-Geschichten sind, wo ich dann versuche auch nicht zu viel aus dem Alltag meines Sohnes zu zeigen, um ihn da auch zu schützen.
Und trotzdem solltet ihr wissen, dass es das auf jeden Fall bei uns gibt und zwar immer dauerhaft, auch wenn das eben zu 95 Prozent unsichtbar ist. Genau, ich hoffe, die Folge hat euch gut getan und hat euch gezeigt, wir sitzen alle im selben Boot. Ich wünsche euch jetzt eine gute Restwoche, einen guten Start in die neue Woche, wann auch immer ihr diese Folge anhört.
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Gönnt euch was, ich meine das immer von Herzen, wenn ich das sage, weil wir gönnen uns eigentlich viel zu wenig. Gönnt euch was, lasst es euch gut gehen. Wir hören uns hier am Mittwoch wieder zu einem neuen kurzen Aha-Moment. Und wie immer am Sonntag zu einer persönlichen Isa spricht über ihr außergewöhnliches Familienleben Folge.
Bis dahin, alles Liebe, eure Isa.