
Hi, Family! Der Elternpodcast für Familien mit neurodivergenten Kids (ehem. Hi, Baby! Podcast)· Folge 429
Ist mein Kind einfach stinkfaul? Warum dein Kind oft den leichtesten Weg sucht
Mittwoch, 7. Oktober 2026 · 22 min
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Dein Kind sucht scheinbar bei allem die einfachste Lösung?
„Mach du.“
„Kannst du?“
„Geht das nicht schneller?“
„Ich will das so nicht.“
Und irgendwann fragst du dich vielleicht: Ist mein Kind einfach bequem?
In diesem AHA! Moment – kurz erklärt, tief entlastet schauen wir darauf, warum gerade neurodivergente Kinder im Alltag oft Wege wählen, die von außen nach Faulheit oder Vermeidung aussehen – und was dahinter wirklich stecken kann. Eine kurze Folge über Energie, Motivation, innere Hürden und die wichtige Frage: Muss Entwicklung eigentlich immer anstrengend sein?
🎧 Hör rein, wenn du danach anders auf das nächste „Mach du!“ schauen möchtest.
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Aha-Moment. Kurz erklärt, tief entlastet. Dein Wochenimpuls für weniger Grübeln und mehr Klarheit im bunten Familienalltag jenseits der Norm. Mit mir, Isabel Demirel, im HiFamily Podcast. Hast vielleicht hast du ja auch zu hause so ein kind das scheinbar absolut saul ist und scheinbar für alles die energiesparendste variante findet, es soll seine jacke anziehen macht du es kommt nach hause und soll die jacke ausziehen sagt wird einfach auf den boden geworfen genau durch Dort, wo das Kind gerade läuft.
Es hat Durst. Mama, kannst du mir ein Wasser holen? Es soll sich die Schuhe binden. Und oh, plötzlich sind Crocs die größte Erfindung der Menschheitsgeschichte. Hausaufgaben? Warum einen ganzen Satz schreiben, wenn man auch drei Wörter hinschludern kann? Und beim Aufräumen, vom Aufräumen will ich einfach erst gar nicht anfangen.
Auf jeden Fall wird dieses Kind auch nicht einfach so mal sein Zimmer aufräumen. Und du als Mama oder Papa oder als Oma, Opa, wer auch immer, als erziehende Person oder als enge Bezugsperson, denkst dir irgendwann, mein Gott, warum sucht sich dieses Kind immer den leichtesten Weg? Und vielleicht kommt dir sogar dieser Gedanke, ist mein Kind einfach stinkfaul?
Muss ich vielleicht härter durchgreifen? Sollte ich mehr verlangen? Helfe ich diesem Kind zu viel? Denn das Verrückte ist ja, dasselbe Kind kann zwei Stunden an einem Lego-Set sitzen. Es kann 48 Details über U-Bahnen recherchieren. Es kann für eine Sache, die es unbedingt will, unfassbar viel leisten.
Aber die Brotdose aus dem Schulranzen zu nehmen und in die Küche zu tragen, absolut unzumutbar. Menschenrechtsgerichtshof ist bereits informiert. Lasst uns da doch mal genauer hinschauen. Und der übergeordnete Aha-Moment dieser Folge ist, wenn ein neurodivergentes Kind häufig den leichtesten Weg sucht, geht es nicht automatisch um möglichst wenig Leistung.
Manchmal versucht sein Gehirn, möglichst wenig unnötige Energie zu verbrauchen. Und das ist natürlich schon ein ganz großer Unterschied. Ich starte wie immer mit einem Mini-Wissensblock in diese kurze Folge rein. Erstmal wichtig, es gibt wissenschaftlich keinen simplen Befund, der sagt, Menschen mit ADHS sind anstrengungsvermeidend.
Oder auch Menschen mit Autismus sind anstrengungsvermeidend. Die Forschung zum Erleben von Anstrengungen bei ADHS jetzt ist tatsächlich noch ziemlich dünn und teilweise tatsächlich auch widersprüchlich. Und es gibt einen aktuellen Forschungsüberblick, der genau zu diesem Ergebnis kommt. Aber wir wissen gut, ADHS und Autismus gehen häufig mit Unterschieden bei sogenannten exekutiven Funktionen einher. Also das bedeutet...
Für neurodivergente Menschen kann es anstrengender sein, bestimmte Handlungen zu beginnen, zu planen, zu wechseln, also von einer Handlung in die andere, zu organisieren, richtig zu priorisieren oder auch dran zu bleiben. Bei ADHS spielt außerdem Belohnung noch eine ziemlich große Rolle. Studien zeigen unter anderem eine stärkere Tendenz, kleinere, sofortige Belohnungen gegenüber größeren, späteren Belohnungen zu bevorzugen bei ADHS.
Und die NICE-Richtlinie empfiehlt sowohl bei ADHS als auch bei Autismus ganz ausdrücklich, dass man immer die Umwelt, die Anforderungen, die Struktur und. Die individuelle Belastungsgrenze des jeweiligen Menschen mitdenkt. Und anstatt ein bestimmtes Verhalten, wie zum Beispiel, mein Gott, mein Kind kommt von der Schule und schmeißt einfach alles nur von sich.
Und egal, wie oft ich es sage, häng doch bitte die Jacke auf, der Kleiderhacken ist genau neben der Tür. Stell doch bitte die Schuhe ordentlich hin, dass da nicht jeder drüberfällt. Egal wie oft ich das sage, es klappt nicht. Und anstatt dieses Verhalten isoliert zu betrachten, ist es einfach wichtig, diese ganzen, also Umweltanforderungen, Struktur, individuelle Belastungsgrenze, all das mitzudenken.
Kommen wir also zum Aha-Moment Nummer 1. Dein Leicht ist nicht automatisch das Leicht für jeden anderen. Was ich damit meine ist, Leicht ist nicht für jedes Gehirn gleich. Also nehmen wir was völlig Banales. Zieh dich bitte an. Vielleicht für dich, wenn du gerade zuhörst, ist es so, naja, voll easy. Ich gehe zum Kleiderschrank, ich fange mit der Unterhose an und dann geht es eben so weiter.
Und dann bin ich fertig. Für andere ist das schon so, okay, zieh dich bitte an. Wie ist das Wetter draußen? Mit was fange ich an? Nehme ich Kleidungsstücke, die schon getragen sind und die gerade im Bad liegen? Oder habe ich darauf gerade keine Lust? Soll ich dann die Klamotten nehmen, die im Schrank sind? Oder vielleicht auch lieber die, die ich irgendwo über den Stuhl geworfen habe? Wo ist eigentlich mein Lieblingst-T-Shirt?
Also das ist so, was ist leicht? Das ist für jeden Menschen vielleicht auch ein bisschen was anderes. Für Kinder kann eben auch in diese Handlungsaufforderung, zieh dich jetzt mal bitte an, wirklich so beginnen, wo sind eigentlich meine Sachen? Mit was fange ich zuerst an? Vielleicht kennt ihr das, da zieht sich das Kind an und du siehst, das hat den Schlafanzug noch drunter und du denkst dir so, äh, sorry, wie oft haben wir uns schon gemeinsam angezogen?
Zieh mal deinen Schlafanzug aus. Also das ist so, da können 15 kleine Anforderungen dahinter stecken. Auch diese Frage, hey, welches Shirt ziehe ich denn jetzt an? Was passt zum richtigen Wetter? Oh Mist, das eine kratzt, suche ich ein neues, dann stolpe ich gerade über die Socken. Ah ja, welche Socken.
Ich wollte doch eigentlich noch kurz hier das Lego anschauen, das direkt neben meinen Socken am Boden liegt. Warum stehe ich jetzt eigentlich hier und schaue Lego an? Was sollte ich eigentlich nochmal tun? Und du bist als Mama im Badezimmer, denkst, okay, zehn Minuten sind vorbei. Mein Kind ist bestimmt schon angezogen.
Kommst ins Kinderzimmer und siehst ein Chaos von Kleidung, ein halbnacktes Kind und irgendwie ein halb zusammengebautes Lego-Set oder so. Also erster Aha-Moment kurz zusammengefasst, Kinder wählen, manchmal nicht den Weg mit der wenigsten Arbeit, sie wählen den Weg mit den wenigsten inneren Hürden und das kann nach außen dann auch sehr schnell nach, Bequemlichkeit aussehen.
Zweiter Aha-Moment. Aber bei seinem Spezialinteresse kann er oder sie das doch auch. Oder bei Dingen, die das Kind gerne mag. Da geht es dann plötzlich. Wenn du irgendwo hinfahren möchtest, wo es gerade cool ist, dann kannst du plötzlich alles anziehen, alles machen, alles tun. Das ist ja auch so der Klassiker, den wir dann den Kindern manchmal vorwerfen.
So, hm, ja, komisch, ne? Also wenn du jetzt gerade Minecraft spielst, dann kannst du dich zwei Stunden am Stück konzentrieren und ganz ruhig dasitzen. Wenn du morgen ein wichtiges Fußballspiel hast, dann springst du ganz früh aus dem Bett und bist in Nullkommanix angezogen. Wenn du zu deinem Freund oder zu deiner Freundin willst, dann kannst du plötzlich ganz schnell, ganz toll aufessen.
Ja. Und? Ja. Man könnte jetzt ja meinen, das wäre ein Widerspruch, aber eigentlich ist es das nicht. Denn Motivation ist kein gleichmäßiger Tank. Besonders bei ADHS beeinflusst einfach das Interesse, ob das jetzt was Neues ist, ob es eine unmittelbare Belohnung gibt oder ob es total dringlich ist. Das beeinflusst super stark, wie gefüllt der eigene Motivationstank ist.
Also wie leicht dann auch die Aufmerksamkeit und die Aktivierung mobilisiert werden können. Und Forschung zur Belohnungsverarbeitung und verzögerter Belohnung bei ADHS zeigt Unterschiede genau in diesem Bereich. Ein Kind kann also für etwas, das sein Gehirn gerade maximal aktiviert, so morgen ist das wichtige, coole Fußballspiel, erstaunlich viel Energie mobilisieren und ist dann auch voll konzentriert, voll dabei.
Und denkst so, wow, wieso kann dieses Kind nicht immer so toll, so schnell, so ohne großes Chaos essen? Und dann ist aber ein paar Stunden später das Fußballspiel vorbei und es geht, zum Abendessenstisch und alles sieht schon wieder ganz anders aus. Also zweiter Aha-Moment, dass dein Kind für eine Sache unglaublich viel Energie aufbringen kann, beweist nicht automatisch, dass jede andere Sache genauso leicht fällt.
Das kann man halt leider nicht miteinander vergleichen. Vielleicht kannst du es dir auch so vorstellen, als würde jetzt jemand zu dir sagen, hey, neulich auf der Feier oder auf diesem Event, da hast du zwei Stunden am Stück durchgetanzt. Dann kannst du jetzt ja wohl auch zwei Stunden den Keller aufräumen und die alten Kinderkleider aussortieren oder so.
So rein technisch vielleicht, was die Motivation betrifft, ich bitte dich. Nein, natürlich nicht. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Dritter Aha-Moment. Abkürzungen können eine Form von Selbstregulation sein. Und das ist ein Punkt, den finde ich ganz spannend. Manchmal, manchmal machen unsere Kinder tatsächlich etwas ziemlich Kluges.
Sie merken nämlich, oh, das hier kostet mich ganz schön viel an Reserven. Zum Beispiel die Jacke auszuziehen oder die Schuhe dann zu nehmen und irgendwie ins Schuhregal zu stellen. Oder die Hausaufgaben zu machen, weil Feinmotorik schreiben, wie auch immer. Und dann versuchen sie, es sich einfacher zu machen.
Sie lassen die Schuhe einfach direkt vor der Türe stehen, sie werfen die Jacke dort ab, wo sie sie eben ausziehen oder sie schreiben einen Drei-Wortsatz. Und wir denken dann automatisch, man ey, dieses stinkfaule Kind, kannst du es nicht einmal richtig machen? Aber vielleicht hat das Kind gerade intuitiv für sich einen Weg gefunden, um einigermaßen gut durch den Takt zu kommen.
Ich gehe nochmal auf die NEC-Leitlinien ein. Bei Autismus empfehlen die ausdrücklich, dass man Umwelt und Abläufe so anpasst. Dass es für das Kind eine zumutbare Belastung ist und auch sensorische Faktoren mitdenkt. Und das ist einfach genau sowas wie die Jacke an- und ausziehen. Das ist einfach für ein Kind, das eine andere Körperwahrnehmung hat, einfach schon eine Herausforderung und eben nicht so leicht, wie wir denken.
Natürlich heißt es nicht, von jetzt an trägt das Kind Crocs, Crocs, auch im Winter, macht keine Hausaufgaben mehr und wird von uns, bis es 34 ist, angezogen. Schade eigentlich, ne? Warum eigentlich nicht? Wäre doch echt nice, ne? Hätte ich mir auch mal gewünscht, dass ich nie Hausaufgaben hätte machen müssen.
Ne, ihr wisst schon, was ich meine. Nicht jede Vereinfachung ist ein Problem. Also nochmal den dritten Aha-Moment kurz zusammengefasst. Manchmal ist der leichte Weg keine Vermeidung von Entwicklung, wie wir das fälschlich annehmen. Manchmal ist er eine ziemlich clevere Anpassung an ein Gehirn, das an anderer Stelle schon sehr viel leisten muss oder musste.
Und dann dürfen wir uns fragen, muss diese eine Sache jetzt wirklich noch sein? Oder kann ich es diesem Kind jetzt nicht auch leicht machen? Letzter Aha-Moment, der vierte, leichter machen und Fähigkeiten aufbauen können gleichzeitig stimmen. Und das bringt jetzt das Ganze wieder so ein bisschen in Balance, zumindest ist es mein Versuch, denn natürlich ist es wichtig, dass unsere Kinder sich entwickeln, Fähigkeiten lernen, Fähigkeiten aufbauen und dass wir unseren Kindern auch was zutrauen.
Dass die Kinder lernen, mit Frust umzugehen oder Dinge zu üben oder selbstständiger zu werden. Nicht bei jeder kleinen Schwierigkeit zu rufen, Mama, bitte mach du das oder Papa oder wer auch immer, wer gerade da ist. Aber Entwicklung braucht nicht permanent maximalen Widerstand, sondern es ist halt immer so dieses weder schwarz noch weiß, sondern am besten irgendeinen coolen Mittelweg finden.
Also wenn dein Kind nach sechs Stunden Schule nach Hause kommt und wirklich eigentlich am Limit ist, vielleicht ist dann nicht auch noch der Moment, an dem du es belehrst, weil es die Schuhe und die Jacke einfach dort fallen lässt, wo es zur Türe reingekommen ist. Vielleicht übst du das erst mal am Wochenende mit dem Kind, wenn der Akku noch voller ist.
Und das finde ich so einen wichtigen Unterschied, sich zu fragen, kann mein Kind diese Fähigkeit grundsätzlich noch nicht? Also kann es generell sowas nicht, was ich jetzt gerade dem Kind vorwerfe, dann, okay, üben? Oder kann mein Kind das eigentlich und hat aber jetzt gerade keine Kapazität dazu? Und dann kannst du dir eben überlegen, ob du da jetzt nicht auch einfach mal nachsichtig bist und das Kind unterstützt.
Also, vierter Aha-Moment, noch mal kurz und knackig. Nicht jede Alltagssituation muss gleichzeitig eine Fördermaßnahme sein. Manchmal darf der leichteste Weg einfach der Weg sein, auf dem noch genug Energie für den Rest des Tages übrig bleibt. Und ich finde, wenn man sich das selbst auch sagt, dann entlastet das brutal.
Weil wenn du dann einfach auch ohne mit dir selbst in diesen Kampf zu gehen und einfach sagst, mein Gott, mich kostet es gerade nichts, diese Jacke zu nehmen, diese Schuhe zu nehmen und es einfach mal kurz dahin zu packen, wo es hingehört, ist für mich vielleicht 0,5 Prozent meiner heutigen Energiereserven. Dann mache ich es halt.
Weil wir dann auch aufhören können, aus jeder kleinen Sache eine pädagogische Grundsatzentscheidung zu machen. Also entlastet eigentlich auch uns Eltern, finde ich. Wie immer bekommst du noch drei konkrete Praxistipps im Aha-Moment. Der Erste, frag nicht zuerst, warum machst du das jetzt nicht richtig?
Sondern frag, was ist daran jetzt gerade anstrengend? Also wenn dein Kind versucht, dich wieder zu holen, damit du ihm ein Glas Wasser bringst und du weißt eigentlich, mein Kind weiß, wo das Glas ist, mein Kind weiß, wo unsere Flaschen stehen oder wo der Wasserhahn ist, warum zur Hölle macht es das nicht selbst?
Dann komm nicht gleich mit, Mann, ey, du bist einfach stinkefaul, sondern guck wirklich, also lösungsorientiert, schau, wo ist die Hürde? Was fällt dem Kind jetzt schwer? Ist es vielleicht der Start? Ist es eine Entscheidung, die getroffen werden muss? Ist es sensorisch ein Problem? Ist es einfach zu langweilig?
Ist das Kind zu erschöpft? Also guck, wo liegt das Problem? Und am besten sagt dir das Kind einfach selbst, wo das Problem liegt. Und dann wird vielleicht aus, mein Kind will jetzt seine Brotbox nicht in die Küche bringen, ein... Es verliert bei dreiteiligen Aufträgen ständig den Faden. Also es geht zum Schulransen, macht den auf, sieht dann, oh, das sind noch die Hausaufgaben, die ich im Hort nicht gemacht habe.
Ups, das muss ich ja Mama noch erzählen. Oh mein Gott, ich will es Mama nicht erzählen. Ich mache den Schulransen wieder zu und gehe in mein Zimmer und spiele. Wie auch immer. Und dann kannst du dein Kind einfach besser unterstützen, gezielter helfen, wenn du weißt, was eigentlich das Problem ist. Zweiter Tipp, mach den Start kleiner.
Also gerade bei exekutiven, schwierigen Aufgaben ist ja nicht die komplette Aufgabe das Problem, sondern oft wirklich dieser Einstieg. Dieses, oh Gott, es ist so komplex. Zum Beispiel, du musst deine Hausaufgaben machen und das Kind weiß genau, das ist dieses eine schlimme Arbeitsblatt, ich weiß überhaupt nicht, wo ich anfangen soll.
Es ist einfach schon zu viel verlangt, dass ich jetzt überhaupt meinen Schulranzen hole. Und dann hilfst du dem Kind und machst den Einstieg einfacher. Du holst vielleicht den Schulranzen, du öffnest ihn und legst ihm das Blatt hin. Du öffnest auch das Mäppchen und gibst ihm einen Stift und dann sagst du so, wir fangen jetzt hier an.
Als Beispiel. Dann hat es nicht mehr diesen ganzen Ablauf, was mache ich jetzt hier und da und überhaupt und welchen Stift und was, sondern du sagst, du fängst jetzt hier an. Und dann hast du eine Sanduhr nebendran und die drehen wir um und die geht fünf Minuten. Wenn die fünf Minuten um sind, dann kannst du einmal, wir haben einen Indoor-Trampolin, dann kannst du einmal auf dem Indoor-Trampolin hüpfen und dann setzen wir uns an den zweiten Satz. So mal, als Idee.
Dritter Tipp, entscheide bewusst, üben wir gerade oder sparen wir gerade Energie? Und das ist eigentlich mein Lieblingstipp. Frag dich, ist heute ein Lernmoment-Tag oder ist heute ein Wir-sparen-Energie-Tag? Samstagvormittag, Kind hat ausgeschlafen, es gibt keine Termine, alles klar. Dann kannst du vielleicht einen Lerntag machen und du bringst dem Kind bei, wie es nach Hause kommt.
Wo die Schuhe hingehören, wo die Jacke hingehört. Dienstagnachmittag, 17.30 Uhr, Schule war eine Katastrophe, Kind hat Hunger, Geschwisterkind brüllt und ihr müsst in sieben Minuten nochmal schnell los zum Bäcker, weil es nichts zu Abendessen gibt. Scheiß auf die Schuhe, lass dein Kind die Crocs anziehen, wirklich, ihr macht es euch einfach leichter dadurch.
Also, wenn dein Kind scheinbar ständig den leichtesten Weg sucht, lohnt sich da auch ein zweiter Blick. Vielleicht ist dein Kind manchmal wirklich faul. Darf ja auch mal sein. Sind wir vielleicht ja auch mal. Kinder sind schließlich auch nur Menschen. Ich suche auch lieber nach einem Parkplatz direkt vor der Tür, als nach dem pädagogisch wertvollsten Parkplatz 1,8 Kilometer entfernt oder so.
Aber gerade bei neurodivergenten Kindern kann eben hinter diesem Verhalten auch mehr stecken. Wie schon gesagt, exekutive Hürden, sensorische Belastung, Erschöpfung, Motivation, Situationen, Schwierigkeiten beim Start oder einfach dieses Gefühl, hey, ich habe gerade überhaupt keine Energie mehr. Und dann ist unsere Aufgabe nicht, jede Abkürzung zu verhindern und einfach ein ständiger Pain in the Ass für unser Kind zu sein, sondern wirklich.
Als bewusste Eltern zu gucken, wo braucht mein Kind Unterstützung, wo braucht es Übung und wo darf ich ihm das Leben auch einfach mal ein bisschen leichter machen. Wie immer habe ich noch zwei Aha-Sätze für dich zum Mitnehmen. Der erste ist, mein Kind sucht nicht immer den Weg mit der wenigsten Arbeit, manchmal sucht es den Weg mit den wenigsten inneren Hürden.
Und der zweite Satz ist, nicht jede Alltagssituation muss ein Lernmoment sein. Manchmal darf der leichteste Weg einfach Energie für wichtigere Dinge übrig lassen. Ich hoffe, du hattest in diesem Aha-Moment ein paar eigene Aha-Momente für dich. Und wir hören uns am Sonntag wieder zu einer regulären Hi-Family-Podcast-Folge.
Bis dahin, lass es dir gut gehen, gönn dir was. Alles Liebe, deine Isa.