
Hi, Family! Der Elternpodcast für Familien mit neurodivergenten Kids (ehem. Hi, Baby! Podcast)· Folge 427
Warum dein Kind Hilfe ablehnt, obwohl es sie dringend braucht – und wie du Hilfe besser anbieten kannst
Mittwoch, 30. September 2026 · 22 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
💜 Alle Links & Rabattcodes zu meinen Werbepartnern findest du hier: linktr.ee/hibabypodcast
Dein Kind kämpft sichtbar mit etwas, kommt nicht weiter, du bietest Hilfe an, doch anstatt sie anzunehmen, wird dein Kind nur noch wütender und brüllt: „NEIN! LASS MICH!“
Warum lehnen manche (neurodivergente) Kinder Hilfe ausgerechnet dann ab, wenn sie sie eigentlich dringend brauchen? In diesem "AHA! Moment" geht es um ein Verhalten, das im Familienalltag schnell wie Trotz, Sturheit oder unnötiger Widerstand wirkt – das aber oft mit etwas ganz anderem zu tun hat.
Eine kurze Folge über Autonomie, Überforderung, Scham und die Frage:
Wie kann ich helfen, ohne dass sich Hilfe für mein Kind nach noch mehr Stress anfühlt?
🎧 Hör rein, wenn du Unterstützung künftig so anbieten möchtest, dass sie auch wirklich ankommen kann.
📖 Isabel Demirels Buch "Anders glücklich – Familienleben jenseits der Norm" (amzlink.to/az0YgeWRqK9zd )
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Aha-Moment. Kurz erklärt, tief entlastet. Dein Wochenimpuls für weniger Grübeln und mehr Klarheit im bunten Familienalltag jenseits der Norm. Mit mir, Isabel Demirel, im HiFamily Podcast. Heute geht's um eine Situation, bei der man als Elternteil wirklich wahnsinnig werden kann. Eventuell kennt ihr das ja. Oder du merkst, dein Kind kämpft gerade mit irgendetwas.
Zum Beispiel mit dem Schuhe anziehen oder mit den Hausaufgaben, mit dem Reißverschluss der Jacke, der gerade klemmt oder mit irgendeiner Aufgabe. Und du siehst von außen, okay, mein Kind braucht gerade Hilfe. Also gehst du hin und sagst, komm, ich helfe dir. Und dein Kind nur so, nein, lass mich, dreht sich vehement weg von dir.
Du atmest nochmal kurz ein und aus und versuchst dann nochmal und sagst, hey, komm, lass mich doch nur mal schnell. Nein, ich habe gesagt, ich schaffe das schon. Und ganz offensichtlich möchte dein Kind gerade keine Hilfe und du merkst aber, es bräuchte diese Hilfe ganz dringend. Und wenn du dann nicht einschreitest, fliegen vielleicht drei Minuten später die Schuhe, quer durch den Flur und das Kind kreischt in einen Wutanfall, weil es die Schuhe eben doch nicht angezogen bekommt oder die Stifte fliegen durchs Zimmer bei den Hausaufgaben.
Und du denkst dir nur so, ja, genau, deshalb wollte ich dir ja helfen. So ein spannendes Thema, aber genau da lohnt sich ein zweiter Blick, denn Hilfe, die für uns nach Entlastung aussieht, kann sich für dein Kind ganz anders anfühlen. Und der heutige übergeordnete Aha-Moment ist, ein Kind kann Hilfe dringend brauchen und sie trotzdem ablehnen, weil sich Hilfe in diesem Moment für das Kind nach Kontrollverlust, Versagen, oder noch einer zusätzlichen Anforderung anfühlt.
Und wenn wir das verstehen, können wir Hilfe so anbieten, dass sie viel eher auch angenommen werden kann vom Kind. Ich starte wie immer mit einem Mini-Wissensblock ins Thema rein. Also zuerst mal ist es wichtig zu verstehen, Hilfe ist nicht automatisch hilfreich, nur weil sie von uns als Eltern gut gemeint ist.
Eine aktuelle niederländische Studie zum Beispiel mit Kindern zwischen sieben und neun Jahren fand heraus, Kinder, die ungefragt Hilfe bekamen, haben sich danach weniger kompetent gefühlt, und sich seltener getraut, schwierige Aufgaben selbst zu meistern, als Kinder, die keine Hilfe angeboten bekommen haben.
Und die Effekte waren zwar nicht so groß, waren jetzt eher klein, aber trotzdem ist ja der Punkt spannend, dass Hilfe eben auch diese Botschaft transportieren kann. A, offensichtlich kannst du das noch nicht alleine. Und insbesondere Kinder mit ADHS haben oft schon sehr viele negative Rückmeldungen erlebt, kennen wir alle.
Eine aktuelle Meta-Analyse zeigt, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS im Durchschnitt niedrigeren allgemeinen schulischen und sozialischen Selbstwert haben als gleichaltrige Kinder ohne ADHS, eben aufgrund dieses vielen negativen Feedbacks, das man so im Laufe eines Tages bekommt. Und bei Autismus kann zusätzlich eben auch noch Autonomie eine große Rolle spielen.
Und deswegen empfiehlt zum Beispiel die NICE ausdrücklich, Kinder und Jugendliche passend zu ihrem Entwicklungsstand in Entscheidungen einzubeziehen, und auch die Präferenzen der Kinder ernst zu nehmen. Also wie wollen sie Hilfe angeboten bekommen? Wie schnell mögen es diese Kinder, dass man einschreitet und die Hilfe anbietet und so weiter?
Also dein Kind lehnt manchmal nicht die Hilfe ab, sondern es lehnt das Gefühl ab, dass mit dieser Hilfe gerade im Moment verbunden wird. Und der erste Aha-Moment ist, Hilfe kann sich anfühlen wie, du kannst es nicht. Also stell dir vor, dein Kind kämpft jetzt seit einer Minute mit dem Reißverschluss.
Da kann ja eine Minute auch schon echt lange sein. Und normalerweise schafft es das Kind, den Reißverschluss von der Jacke hochzuziehen. Und jetzt gerade klappt es aber nicht und du merkst, okay, das Kind will es unbedingt schaffen. Und dann kommst du an und sagst, soll ich dir helfen? Und für dich bedeutet dieses, soll ich dir helfen, ein, ich sehe dich und ich bin für dich da und ich möchte dich unterstützen.
Beim Kind kann aber was ganz anderes ankommen, nämlich, aha, Mama oder Papa oder wer auch immer hat auch bereits gemerkt, dass ich es nicht hinkriege. Also das ist eine völlig andere, es ist ja so im Kommunikationsmodell, gibt es ja dieses Encoding und Decoding oder du, also Sender, Empfänger. Was du sendest, kommt nicht eins zu eins so beim Empfänger an.
Und deine Intention war eine total gute, aber bei dem Empfänger, bei deinem Kind, kommt halt was an, was das Kind total doof findet, was das Kind irgendwie so auch so runter macht. Und insbesondere Kinder, die im Alltag sowieso oft schon gehört haben, dass sie irgendwas nicht so gut können oder. Dass sie sich irgendwie anpassen sollen. Also sowas wie, jetzt konzentrier dich doch mal, jetzt pass mal besser auf, komm, das kriegst du doch auch hin, jetzt streng dich doch nur mal an.
Also gerade solche Kinder können dann auf so ein Hilfeangebot super empfindlich reagieren, weil dieses Angebot einer Hilfe für die Kinder ein Hinweis darauf sein kann, dass sie sich gerade schon wieder dabei befinden zu scheitern. Also dass sie schon wieder dabei sind zu scheitern bei etwas. Und dann ist halt für diese Kinder super wichtig, es irgendwie alleine hinbekommen zu wollen.
Und dann reagieren sie vielleicht auch total heftig in deinen Augen so, nein, ich kann das alleine. Obwohl du genau siehst, okay, das Kind wird immer hibbeliger, wird immer schneller, zappelt immer mehr an diesem Reißverschluss herum und du siehst genau, der hat sich verhakt und das Kind versteht es noch nicht.
Und eigentlich ist es gerade super schwierig, aber das Kind möchte es unbedingt alleine machen, weil es nicht schon wieder scheitern möchte. Also erster Aha-Moment. Manchmal schützt ein Kind mit einem Nein zur Hilfe gerade sein eigenes Gefühl von Kompetenz. Und was dann viel mehr hilft als, ja, aber ich sehe doch, dass es gerade nicht klappt, ist ein, okay, probier es erstmal alleine und ich bin da, falls du mich brauchst.
Dann hat das Kind noch so ein Minimum an Autonomie und Würde, um dann selbst entscheiden zu können, okay, jetzt hole ich dann doch Mama oder Papa zur Hilfe. Zweiter Acha-Moment, Hilfe kann sich eben auch wie Kontrollverlust anfühlen und das ist besonders wichtig bei Kindern mit starkem Autonomiebedürfnis, also PDA-Profil zum Beispiel, aber auch bei ADHS ist ja auch immer Autonomie ziemlich stark vorhanden oder häufig.
Also wenn ein Kind ohnehin schon merkt, shit ne? Ich verliere gerade diese Kontrolle über diese Aufgabe, ich will das eigentlich machen, ich mache das immer so. Eigentlich bin ich voll gut, den Reißverschluss zu machen und jetzt klappt das nicht, dann ist das ja so ein Mini-Kontrollverlust. Und dann kommt auch noch direkt ein Erwachsener und greift ein, kann sich das für das Kind eben auch so anfühlen, wie jetzt verliere ich auch noch die Kontrolle darüber, wie dieser Reißverschluss zugemacht wird.
Also so ein doppelter Kontrollverlust eigentlich. Also zweiter Aha-Moment nochmal kurz zusammengefasst. Ein Kind, das gerade Kontrolle verliert, lehnt manchmal genau deshalb Hilfe ab, weil es wenigstens noch die Kontrolle über die Lösung behalten will. Und dann ist es viel besser, das Kind zu fragen, hey, wie kann ich dir helfen oder soll ich dir gerade helfen, kann viel besser wirken, als wenn du zum Kind einfach sagst, hey, komm mal her, ich helfe dir mal schnell.
Sondern es geht einfach darum, dem Kind diese Autonomie noch zu lassen. Dritter Aha-Moment, im Stress ist sogar Hilfe manchmal noch eine weitere Anforderung. Und das ist ja auch was, was wir ganz schnell vergessen. Also das Kind ist zum Beispiel gerade bei den Mathehausaufgaben, es checkt irgendwie gar nichts, obwohl es eigentlich dachte, dass es Minusrechnen schon voll drauf hat.
Frustrationslevel ist bei 90%. Der Körper ist angespannt. Das Kind ist schon kurz davor, den Stift irgendwo in die Ecke zu werfen. Und dann kommen wir daher und sagen, schau mal, guck mal, du musst zuerst hier und dann, nee, Achtung, gib mal her, jetzt hör mir doch mal kurz zu. Und wir nennen das Hilfe und das Nervensystem des Kindes hört aber eigentlich, noch mehr Sprache, noch mehr Input und diese Erwartungshaltung der Eltern, dass ich das eigentlich checken muss.
Und dann wird eben aus, ich verstehe gerade diese Aufgabe nicht, plötzlich ein, geh weg, lass mich in Ruhe, ich hasse Mathe, ich mache jetzt überhaupt gar nichts mehr. Und zwar gar nicht unbedingt, weil die Hilfe unerwünscht ist, sondern tatsächlich, weil die Hilfe in diesem Moment zu spät kommt. Und das ist der dritte Aha-Moment.
Manchmal braucht dein Kind zuerst Regulation, wenn du merkst, ist eigentlich schon richtig frustriert und dann ist es bereit für Unterstützung. Also wenn du merkst, das ist jetzt eigentlich schon total am Limit, weil es es doch eigentlich kann. Wenn du dann direkt diese Hilfe anbietest, erst mal kurz mal eine Pause, magst mal was trinken, magst mal ein bisschen Trampolin springen.
Wir haben ja wirklich so einen kleinen Indoor-Trampolin für gerade mal so längere Hausaufgaben, wenn man mal wieder Bewegung braucht. Oder auch mal... Drei Minuten mit der Sanduhr einfach gar nichts tun, mal runterkommen und dann, wenn das Kind wieder reguliert ist, hey, wollen wir uns diese Aufgabe mal zusammen anschauen.
Und der letzte, vierte Aha-Moment, Hilfe annehmen ist selbst eine Fähigkeit. Vielleicht kennst du das ja auch von dir selbst. Wir denken immer so, hey, im Kind ist so das eigenständige, der eigenständige Kosmos Kind, der eigene Planet Kind. Und wenn wir das mal mit unserem eigenen Verhalten vergleichen, merken wir vielleicht, oh, ja, mir fällt es selbst auch voll schwer, Hilfe anzunehmen.
Und das finde ich auch total wichtig, immer wieder auch mal mit sich selbst das Ganze zu vergleichen. Wie würde ich jetzt reagieren, wenn da jemand zu mir kommt? Ich versuche gerade, was auch immer. Ein neues Apfelkuchenrezept zu backen oder so. Und dann kommt mein Mann an und meint, oh, guck mal, sieht das gerade nicht so gut aus, was du da machst.
Vielleicht musst du da noch mal ein bisschen mehr Mehl reintun. Kann ich diese Hilfe so auf diese Art und Weise gut annehmen? Wir tun oft so, als müsste ein Kind automatisch wissen, okay, ich komme jetzt hier gerade nicht weiter, ich erkenne das, da ist jemand, der bietet mir Hilfe an, das ist eine Unterstützung und ich nehme diese Hilfe jetzt dankend an.
Ähm, ja, das ist ungefähr fünf Kompetenzen gleichzeitig, ne? Das ist vielleicht auch was, was wir selbst als Erwachsene noch nicht so gut können. Das Kind muss zuerst merken, ich hänge fest, da klappt gerade was nicht. Und dann muss es auch aushalten, ich kann das gerade nicht. Und es muss dann auch noch darauf vertrauen können, der andere übernimmt jetzt nicht komplett, sondern korrigiert vielleicht eine Kleinigkeit, sodass ich danach wieder selbst weitermachen kann.
Und dann muss es auch noch kommunizieren können, welche Art von Hilfe es gerade braucht. Also das ist ja eigentlich, wenn man es mal so sieht, auch richtig viel. Deshalb vierter Aha-Moment. Hilfe annehmen muss man lernen. Oder müssen manche Menschen vielleicht auch erst lernen, ohne dass man sich dabei klein, unfähig oder fremdbestimmt fühlt.
Und genau da können wir als Eltern eben auch ansetzen und dem Kind beibringen, wie man Hilfe annehmen kann und das mit dem Kind auch gemeinsam erarbeiten zum Beispiel. Wie immer gibt es noch drei konkrete Alltagstipps in einem Aha-Moment bei mir. Der erste Tipp ist, so simpel, Frag um Erlaubnis. Also anstatt, dass du direkt eingreifst und sagst, hey komm, ich helfe dir mal schnell.
Es ist viel cooler, wenn du fragst, hey, darf ich dir einen kurzen Tipp geben? Oder willst du es erst allein probieren? Weil das stellt die Gleichwertigkeit des Kindes wieder her. Da hat das Kind auch wieder Würde. Aber will ich den Tipp gerade? Will ich die Hilfe gerade? Oder will ich es jetzt erst mal alleine probieren?
Oder möchtest du, dass ich mich erst mal daneben setze? Und auch das klingt jetzt vielleicht erst mal banal, wenn man dem Kind anbietet, dass man sich erst mal daneben sitzt und dabei ist. Aber auch das kann ja das Kind beruhigen. So zu wissen, okay, guck mal, Mama ist jetzt mal da und für den Fall, dass es irgendwie gar nicht mehr klappt, kann sie oder auch Papa natürlich mich unterstützen.
Das Wichtige dabei ist eben, dass du dem Kind die Autonomie lässt, und manchmal sind tatsächlich diese kleinen Veränderungen im Satzbau oder auch, im Blickwinkel, wie du auch auf das Kind zugehst, nicht so von oben herab, komm jetzt mal her, ich helfe dir da, sondern hey, möchtest du meine Hilfe haben, möchtest du es erstmal selbst probieren?
Und genau das sind so Unterschiede zwischen einem, lass mich, geh weg, ich schaff das schon und einem, ja stimmt, ich wäre dankbar, wenn du mir hilfst. Der zweite Tipp ist, bau eine kleine Hilfsleiter. Denn nicht jede Hilfe muss bedeuten, Mama oder Papa übernehmen jetzt. Du kannst es deinem Kind auch in drei Stufen zum Beispiel anbieten.
Dass du sagst, hey, willst du einen Hinweis? Sollen wir zusammen anfangen? Oder soll ich es kurz mit dir machen? Und das ist eigentlich richtig praktisch, denn es braucht ja nicht immer die komplette Lösung. Manchmal ist es ja wirklich so der erste Schritt, dass du zum Beispiel bei dem Kind sagst, beim Reißverschluss wieder, dass du sagst, guck mal, der Reißverschluss hängt da unten.
Ein kleiner Tipp, magst du einen kleinen Tipp haben? Da unten ist der Anfang falsch oder wie auch immer. Oder dass du dann dem Kind anbietest, hey, ich setze mich erst mal daneben und wenn du mich brauchst, dann bin ich da. Und plötzlich geht es, weil das Kind merkt, ah ja, guck mal, da ist jemand und ich kann mich ein bisschen beruhigen, ich konnte vielleicht auch ein bisschen runterfahren.
Dann kann man so ein bisschen nochmal von vorne starten und vielleicht klappt es allein deswegen schon. Und der dritte Tipp ist, besprecht Hilfe, wenn sie gerade nicht gebraucht wird. Das ist natürlich auch nur, je nachdem wie kognitiv reif das Kind ist, wie es sich schon ausdrücken kann. Aber es macht total Sinn, das mit dem Kind mal zu besprechen in einem ruhigen Moment.
Natürlich nicht mitten im Reißverschluss-Melddown, wenn das Kind nur noch rumschreit, lass mich, ich kriege das hin, fass es nicht an. Sondern danach, wenn das Kind ruhig ist, dass du einfach dann mit ihm besprichst, so hey, wenn ich merke, dass ich dich unterstützen könnte in etwas, ist es für dich cool, wenn ich das anbiete oder wie soll ich das anbieten?
Oder was stört dich denn daran, wenn ich dir meine Hilfe anbiete? Und vielleicht überrascht es euch, wie konkret euer Kind darauf bereits antworten kann. Und wenn es noch nicht so weit ist, dass es darauf direkt eine Antwort hat, dann ist es ja auch nichts verloren, wenn man mal versucht hat, drüber zu sprechen.
Und auch das finde ich total wichtig, weil das Kind allein dadurch merkt, hey cool, Mama oder Papa, wer auch immer, sieht mich und möchte das irgendwie mit mir gut hinbekommen. Also man merkt ja auch daran, die Bereitschaft der Eltern, dass wir eigentlich dem Kind wirklich was Gutes tun wollen und jetzt nicht irgendwie das Kind bevormunden oder das Kind für dumm verkaufen, was ja manche Kinder dann auch versehentlich so verstehen. Nein.
Also wenn dein Kind Hilfe ablehnt, obwohl es offensichtlich Hilfe braucht, dann ist es manchmal ja für uns Eltern so absurd, weil wir denken so, hey, was ist denn jetzt dein Problem? Ich will dir doch eigentlich nur was Gutes tun. Und es ist wichtig, dass wir verstehen, dass hinter diesem Nein zur Hilfe ganz viele versteckte Botschaften sein können.
Also zum Beispiel die Botschaft, ich will es selbst schaffen oder auch ich schäme mich, dass ich es gerade nicht selbst schaffe. Oder ich habe gerade das Gefühl zu versagen oder ich brauche gerade Kontrolle hier. Oder ich bin im Moment überfordert von noch mehr Input. Ich bin gerade eh schon überfordert von diesem doofen Reißverschluss und jetzt kommst du auch noch und laberst mir irgendwie in die Seite rein.
Das ist mir gerade zu viel. Und wenn wir das sehen, all diese Möglichkeiten, die hinter einem Nein zur Hilfe stehen, verändert sich eben auch unsere Reaktion auf die Antwort des Kindes. Also dann müssen wir Hilfe nicht stärker durchdrücken, sondern wir können sie vielleicht auch passender anbieten, mit mehr Autonomie, weniger Übernahme.
Und vor allem auch mit der Botschaft, die da so mitschwingt, Und du darfst auch Dinge schwierig finden und du darfst selbst mitentscheiden, wie ich dich dabei jetzt unterstütze. Wie immer habe ich noch zwei Aha-Sätze für dich. Und wenn du magst, kannst du dir gerne einen davon mitnehmen. Der erste ist, mein Kind lehnt manchmal nicht die Hilfe ab, sondern das Gefühl, dass diese Hilfe gerade auslöst.
Und der zweite ist, gute Hilfe nimmt meinem Kind nicht alles ab. Sie gibt ihm genug Halt, um selbst weiterzukommen. Genau. Ich hoffe, du hattest einige Aha-Momente in dieser kurzen Folge. Und sie hat dir geholfen, dein Kind besser zu verstehen, vielleicht auch dich selbst besser zu verstehen. Wir hören uns am Sonntag wieder zu einer neuen Hi-Family-Folge.
Ich habe das ja schon seit einigen Wochen oder vielleicht auch schon Monaten so, dass ich ja immer in den Mittwochsfolgen so kurze informative Folgen habe. Und in den Sonntagsfolgen ist mehr so, da labere ich mehr über unser Familienleben, wie es mir gerade geht, was bei uns gerade los ist. Also das sind mehr so diese Behind-the-Scenes-Folgen, diese Sonntagsfolgen, wo ich einfach mehr von uns auch erzähle.
Und die Mittwochsfolgen sind mehr so dieses kurze, zentrierte Wissen, wo ich euch einfach ohne viel Gelaber Infos mitgeben möchte. Genau, das nochmal erklärt. Hoffentlich bis Sonntag. Bis dahin, lasst es euch gut gehen, gönnt euch was. Alles Liebe, eure Isa.