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Hi, Family! Der Elternpodcast für Familien mit neurodivergenten Kids (ehem. Hi, Baby! Podcast)· Folge 424

Grenzen setzen bei ADHS & Autismus: Klar sein ohne hart zu werden

Sonntag, 20. September 2026 · 35 min

MP3

Shownotes

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In dieser Hi, Family!-Folge spreche ich darüber, warum Grenzen für Kinder mit Autismus, ADHS und anderen Besonderheiten unglaublich wichtig sein können – und warum Klarheit trotzdem nichts mit Härte zu tun haben muss. Es geht um Machtkämpfe, Überforderung, Sicherheit, Bedürfnisorientierung und die Frage:

Wie setze ich meinem Kind Grenzen, ohne es dabei kleinzumachen?

Eine Folge über liebevolle Klarheit, echte Orientierung und darüber, warum eine Grenze manchmal genau der Halt ist, den ein Kind braucht.
📖 Isabel Demirels Buch "Anders glücklich – Familienleben jenseits der Norm" (amzlink.to/az0YgeWRqK9zd )

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Alle leise, wir machen jetzt Quatsch. Schön, dass du da bist bei HiFamily, dem Elternpodcast für Familien mit Autismus, ADHS und anderen Besonderheiten. Achtung, das fällt gleich runter. Mir doch egal. Und wer räumt das jetzt alles wieder auf? Ich nicht. Die Kackwurst-Mama. Der ist doch komplett irre.

Hallo, so schön, dass ihr wieder zuhört bei HiFamily, eurem Podcast für Familienleben jenseits der Norm. Heute mit einem Thema, das uns im Alltag gerade mal wieder richtig dolle beschäftigt, Grenzen setzen. Und wie ist das eigentlich in Kombination mit Neurodivergenz? Und was denken wir eigentlich über Grenzen setzen? Was sind da unsere eigenen Glaubenssätze?

Was macht dieses Thema Grenzen setzen mit Eltern? Wie können wir da einen schönen und guten Weg finden? Und was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu? Das möchte ich euch heute erzählen. Natürlich auch ganz viel Privates, Persönliches aus unserem Alltag. Warum das uns gerade so beschäftigt. Und bevor ich in dieses Thema reingehe, gibt es wie immer den gemeinsamen Check-in.

Um zumindest mal kurz heute im wuseligen Alltag einmal bei dir selbst einzuchecken, mal kurz bei dir selbst anzukommen. Also wenn du magst, schließ gern die Augen oder lass deinen Blick schweifen. Vertief auch gerne deine Atmung. Du kannst die linke Hand auf dein Herz tun und die rechte Hand auf deinen unteren Bauch.

Und dann mal tief durch die Nase in den Bauch einatmen. Kurz die Luft anhalten und dann tief und vollständig durch den Mund wieder ausatmen. Mach das gerne noch einmal. Komm dabei bei dir an, komm runter, beruhige dein Nervensystem. Die Atmung zeigt uns ja ganz oft, wie es uns gerade geht. Das ist einfach so ein biochemischer Vorgang. Das heißt, wenn wir tief und voll einatmen, dann signalisieren wir unserem ganzen System, alles ist gerade gut und wir sind in Sicherheit.

Also atme nochmal tief durch die Nase in den unteren Bauch ein. Halt kurz die Luft an und dann lass alles raus, was du jetzt gerade nicht mehr brauchst. Also du kannst dir gerne beim Einatmen Dinge vorstellen, die du heute in dir drin haben möchtest oder die du gerne mehr spüren möchtest. Entspannung, Ruhe, Liebe, Harmonie und beim Ausatmen dann auch all das gehen lassen, was du heute nicht mehr brauchst.

Stress, Müdigkeit, Sorgen, Wut, Angst, was auch immer. Und du darfst gerne noch so ein bisschen weiter für dich atmen, während ich dir erzähle, wie ich heute da bin. Ich habe heute einen total spontanen, freien, ungeplanten Tag gehabt. Das ist ja in meinem Alltag schon ziemlich besonders, dass ich mich einfach mal so treiben lassen kann.

Das passiert sehr, sehr selten. Und ich war eigentlich mit einer Freundin schon relativ früh verabredet und die hat dann eben noch ein paar andere Dinge machen müssen. Die hat lustigerweise auch ADHS, also es ist schon ziemlich lustig. Ich habe richtig viele Menschen in meinem Freundeskreis, die auch ADHS haben, weil, naja, Gleiches und Gleiches gesellt sich irgendwie gern.

Also ich komme einfach mit diesen Menschen besonders gut klar. Und ja, die hat mich dann immer wieder angerufen und gemeint, Sorry, Isa, ich bin jetzt gerade noch hier. Ich bin jetzt gerade noch im Douglas. Ich mache jetzt gerade noch das. Ich kaufe jetzt gerade noch ein Geschenk. Und als sie dann endlich zu mir kommen wollte, hat ihr Partner angerufen und sie daran erinnert, dass sie mit dem falschen Auto zu mir gefahren ist, nämlich mit dem Auto, in dem alle drei Kindersitze sind.

Und er musste mit den Kindern wohin. Dann hat sie mich ins Auto gepackt und ist mit mir wieder nach Hause gefahren, wo wir dann die Kindersitze wieder abgegeben haben. Und es war so ein Tag, der war dann so spontan und random und wir haben trotzdem total die coolen Sachen gemacht. Und ich habe dann auch total schöne Dinge gemacht, als ich halt so auf sie gewartet habe.

Und es war irgendwie cool. Und jetzt bin ich, ja, es ist so, ich finde, wenn man so einen frischen Wind mal im Alltag hat und mal was macht, was man sonst eigentlich gar nicht macht, dann ist es auch echt wie so ein kleines Reset. Also es tut dem System so total gut. Und so bin ich heute da. Und jetzt geht's los mit dem Thema...

Ich habe mir so übergeordnet, einfach so mal hier aufgeschrieben, dass ich persönlich der Meinung bin, wenn man im Kopf für sich das so geframed hat, Kinder testen gerne die eigenen Grenzen und Kinder gucken immer, wie weit sie gehen dürfen, dann ist das ja so ein negativer Frame. Dann unterstellt man ja auch dem Kind so eine Absicht dahinter und eine gewisse Bewusstheit, dass es jetzt gerade damit auch eine Grenze testet.

Und es kann natürlich durchaus sein, dass Kinder auch mal Grenzen testen, das will ich jetzt gar nicht pauschal verneinen. Ich finde trotzdem, dass wenn man mit diesem Frame oder aus dieser Blickrichtung an das Thema rangeht, dass es oft in die falsche Richtung führt. Dass ich es trotzdem super wichtig finde, so rum, neurodivergenten Kindern.

Insbesondere neurodivergenten Kindern, sehr viel Klarheit und Halt im Alltag zu geben. Also das ist was, was wir jetzt eben auch die letzten Wochen gemerkt haben. Klar, wir hatten hier Sommerferien mit wenig Regeln, wenig Struktur. Und dann auch so dieses Thema, zum Beispiel Eis essen. Also ich habe ja schon mal in der Podcast-Folge erzählt, das war vor den Sommerferien, da habe ich einen Post gesehen von einer Familienbloggerin oder Influencerin auf Instagram, die dann meinte, also bei uns ist eine der Regeln in den Sommerferien, so viel Eis, wie du magst.

Es gibt keine Grenzen beim Eis in den Sommerferien. Und das ist so ein mega schön gemeintes Ding. Und ich würde jetzt auch mal behaupten, zum Beispiel bei unserer Tochter würde das voll gut funktionieren, bei unserem Sohn, der würde einfach komplett eskalieren und dann sich übergeben oder Bauchschmerzen haben.

Und da irgendwo die Grenze nicht mehr finden oder diese natürliche Grenze, diesen natürlichen Stopp, jetzt ist genug. Und ich habe einfach in den letzten Wochen gemerkt, dass für ihn diese Grenzen, das ist einfach ein unfassbar wichtiger Halt. Und ihr kennt vielleicht ja auch dieses Buch von Nora Imlau, Meine Grenze ist dein Halt.

Kindern liebevoll Stopp sagen, große Empfehlung. Finde ich ein wahnsinnig tolles Buch. So war. Und das ist auch ein Thema, uns wurde das auch mal so erklärt im Kindergarten, dass ein Kind Grenzen braucht als Orientierung, also das ist ein Rahmen. Und das gibt dem Kind Sicherheit und Struktur, wenn es weiß, okay, das ist Nein und das Nein bleibt ein Nein.

Und nicht das Nein wird dann zu einem Vielleicht und am Ende dann doch zu einem Ja. Und ich weiß auch, wie herausfordernd das ist. Ich weiß so gut, wie unfassbar nervenzehrend und herausfordernd es ist, einem Neurodivergenten Kind eine Grenze liebevoll und klar zu setzen. Und trotzdem ist es so unfassbar wichtig. Und deswegen dachte ich mir, da müssen wir heute mal drüber sprechen oder lasst doch mal heute im High Family Podcast drüber sprechen.

Also ihr kennt es wahrscheinlich, dass das Kind irgendwas. Zum wiederholten Male macht. Jetzt gerade nehmen wir doch einfach dieses Beispiel mit Eis essen. Das Kind hat ein Eis bekommen und bei uns ist es oft der Fall, wir gehen nicht in die Eisdiele, weil Reizüberflutung, wir kaufen das Eis im Supermarkt und kostengünstig, das heißt wir kaufen so ein 12er Pack.

Mann, wie oft habe ich diesen 12er-Pack schon verflucht. Weil das Kind natürlich weiß, dass da nicht ein Eis drin ist, sondern fucking 12. Und dann genau weiß, jetzt sind noch 11 drin, jetzt sind noch 10 drin oder 10, 8 und so weiter, wenn so ein Schwisterkind auch was kriegt. Und ihr habt ganz klar davor ausgemacht, ganz schön, ganz ruhig, bevor das Eis gekauft wurde, nur so bilderbuchmäßig besprochen, ich kaufe jetzt diese Packung Eis und du bekommst oder ihr bekommt jeden Tag ein Eis und nicht mehr, ja?

Und die Kinder sagen ganz brav, ja, okay. Und dann kaufst du diese Packung und dann isst das Kind das Eis. Und zwei Stunden später steht es vor dir, bitte Mama, bitte, nur noch ein Eis, nur noch eins. Das war so klein und es hat so gut geschmeckt. Und mein Gott, diese Kinder können ja zum Teil argumentieren.

Die wissen auch genau, also genau, welche Knöpfe sie drücken müssen. Du bist so eine liebe, tolle Herzchen, Mama. Das würde mich jetzt so glücklich machen. Oder auch so ein Favorit bei meinen Kindern. Ich brauche das gerade unbedingt. Wirklich, ich brauche es unbedingt. Und bei uns ist dann auch so dieses, wenn ich anfange, meinem Kind zu erklären, warum es jetzt kein zweites Eis mehr gibt, dann kann ich nicht zu Ende reden.

Ich kann meinen Satz nicht zu Ende reden, weil bitte, bitte, bitte, nein. Sag jetzt bitte nicht nein. Nein! Und dann gibt es einen Gefühlsausbruch, der irgendwie auch, naja, von der Emotionsskala dem Tod des eigenen Haustieres gleicht. Also das ist dann so, der kann dann ausflippen und theatralisch weinen und sich auf den Boden schmeißen und heulen.

Und da muss ich wirklich alle Fans dazu machen, weil die Leute denken, ja wirklich, bei uns zu Hause ist das Lieblingshaustier gestorben. Also es ist so super dramatisch dann und du sagst dann einfach zum fünften Mal, zum zehnten Mal, zum fünfzehnten Mal, nein, wir haben das ausgemacht. Und es kann dann Menschen geben oder vielleicht denkst du das auch selbst mal, dass du dann denkst, okay, also mein Kind will jetzt einfach mal gucken, wie weit es gehen kann. Also der testet jetzt gerade deine Grenze, gib jetzt bloßlich nach.

Und die frühere Interpretation war halt, dass man das den Kindern eben auch so ein bisschen. Negativ ausgelegt hat. Dass man gesagt hat, also das Kind, das will dich jetzt provozieren. Das will jetzt gucken, wie weit kann es gehen. Und da ist so eine, wie nennt man das? Jetzt fehlt mir das Wort. Ihr wisst bestimmt, was ich meine. So eine Bösartigkeit dabei.

Jetzt gucke ich mal, wie weit ich gehen kann. Aber denkt mal anders, was, wenn Dein Kind Deine Grenze gar nicht testen will, sondern sie in diesem Moment tatsächlich noch nicht halten kann. Also das ist mal so eine Frage, da komme ich später gleich nochmal drauf zurück. Und im Grunde ist es ja wieder eine Sache der Einstellung.

Also wenn du jetzt an die Sache rangehst und sagst, mein Kind ist ein kleiner Tyrann, der will immer gewinnen, der möchte einfach nur. Meine Testen ausgrenzen, meine Grenzen austesten. Der will jetzt einfach gucken, wie weit er gehen kann und der reizt es dann immer mehr aus und immer mehr aus mit voller Absicht.

Das ist ja diese, man unterstellt dem Kind ja, dass es das mit voller Absicht macht. Und das finde ich das Schwierige, denn ich habe das Gefühl, bei neurodivergenten Kindern ist das eben nicht eine volle Absicht. Und wenn du diese Absicht da rein interpretierst, dann wird man schnell hart, finde ich. Also dann denkt man schnell so, hey, ich muss mich jetzt durchsetzen, ich darf jetzt bloß nicht nachgeben, sonst tanzt mir das Kind hier auf der Nase rum.

Das Kind muss sofort jetzt checken, wer hier bestimmt. Und plötzlich wird aus so einem Problem zwischen Kind und, ich sage jetzt mal Umwelt, also ich möchte noch ein Eis oder was auch immer, ein Machtkampf zwischen Kind und Elternteil oder Mutter und Kind, Vater und Kind oder wem auch immer. Und sobald ich das Verhalten als Machtkampf interpretiere, kommt Härte mit dazu, finde ich. Also sobald es hier um Macht geht, dann wird man hart als Eltern.

Dann fehlt irgendwie die Empathie. Dann kommt man so in dieses autoritäre Erziehen von oben herab. Wenn man laut, dann schreit man. Und ich finde es super wichtig, sich klarzumachen, dass man bei neurodivergenten Kindern einfach noch mal genauer hinschauen sollte. Also wenn das Kind wiederholt diese Grenzen überschreitet...

Dann kann es auch einfach sein, dass der Impuls, dass der Impuls einfach schneller ist als der Verstand. Also das ist so ein ADHS-Ding, impulsiv. Das Kind will einfach unbedingt dieses Eis und es geht gar nicht um was Böswilliges, sondern es ist einfach dieser Impuls, dieser Drang, boah, ich brauche jetzt aber einfach unbedingt noch ein Eis.

Ich verstehe gar nicht, dass es hier um eine Grenze geht und um eine Sache geht, sondern es ist einfach so ein Impuls. Die Regel wurde gehört, aber das Kind kann im entscheidenden Moment diese Regel gar nicht mehr abrufen, weil dann auch vielleicht bei anderen Themen auch Sprache zu abstrakt ist, weil das Kind schon zu überreizt ist, weil vielleicht auch der Übergang gerade schwierig ist.

Dass wenn man jetzt dann halt sagt, okay, wir gehen jetzt und das Kind sagt, ich muss unbedingt davor noch ein Eis essen. Nein, wir gehen jetzt. Dann ist ja da auch noch so dieses Thema, oh Gott, wenn ich jetzt aus dem Haus gehe, dann habe ich das Eis verloren. Dann ist das Eis in der Tiefkühltruhe und die ist zu Hause, dann kann ich es vergessen.

Dann ist es noch so ein zusätzlicher Stressor. Also vielleicht kennt ihr das, dass gerade auch so bei Übergängen das Kind plötzlich was will, was eigentlich ganz klar abgesprochen. Nicht zum Tag gehört. Also bei uns ist das wirklich so super häufig. Wir haben irgendeinen Übergang, wir wollen irgendwo hin und dann kommt, oh Gott, ich brauche jetzt aber unbedingt noch ein Eis als Beispiel jetzt.

Und du denkst, das ist jetzt aber nicht dein Ernst, oder? Wir sind gerade dabei zu gehen. Wir haben schon die Schuhe an. Ich habe die Schlüssel in der Hand. Und du weißt genau, jetzt geht es los. Jetzt kannst du dich auf eine krasse Diskussion gefasst machen. Und ich glaube, ganz oft ist das wirklich einfach noch so dieses kindliche Bedürfnis.

Also die sind halt auch sehr stark emotions- und bedürfnisgetrieben. Und das Bedürfnis ist dann wirklich einfach gerade super hoch. Ich habe das extreme Bedürfnis, jetzt unbedingt noch ein Eis zu essen. Ich brauche das, ne? Und vielleicht wird auch die Konsequenz zeitlich nicht ausreichend verknüpft, also kognitiv vom Kind.

Und natürlich braucht das Kind die Grenze von außen, weil die Regulation von innen gerade nicht reicht. Also das ist auch so wichtig. Es ist jetzt nicht, dass das Kind das austestet und dich damit an den Rande des Wahnsinns treiben will, sondern es braucht dich gerade, weil es kriegt es gerade selbst nicht gebacken, diese Grenze einzuhalten.

Und das ist vor allem ein ADHS-Ding, würde ich jetzt mal sagen, weil gerade da ist ja dieses Impulsive, dieses Emotionale ein großes Thema. Also eine Grenze fünfmal zu überschreiten beweist nicht automatisch, dass ein Kind sie fünfmal auch bewusst ignoriert. Und jetzt könnte man ja die Schlussfolgerung ziehen und sagen, ja gut, also dann gibt es halt diese Grenze auch nicht, dann erlaube ich halt meinem Kind das zweite, dritte, vierte Eis am Tag.

Und ich bin ganz ehrlich, ich habe das auch schon öfter mal gemacht, an Tagen, an denen ich einfach keine Energie mehr hatte oder in Momenten, wenn du gerade wirklich mit den Schlüsseln in der Hand an der Türe stehst, du willst raus, du hast jetzt einen Termin und dann kommt das Kind mit so einem Bedürfnis und du weißt genau, okay, wenn ich da jetzt versuche, diese Grenze zu halten, dann dauert das 20 Minuten, wenn ich sie versuche, liebevoll zu halten.

Ich meine, man kann ja auch das Kind einfach parken und ins Auto reinschmeißen und losfahren. Aber wenn du versuchst, jetzt diese Grenze, und da komme ich auch noch gleich dazu, liebevoll, ich finde das, das ist eigentlich der absolute Game Changer, die Grenze liebevoll. Und, ja, in Verbindung mit dem Kind zu halten.

Also so, dass du das Kind nicht, ja, verängstigst oder nicht dem Kind das Gefühl gibst, alleine auf der Welt zu sein oder so krasses Gefühl gibst, dass du es gerade hast, sondern wirklich liebevoll in Verbindung diese Grenze zu halten. Und das ist halt einfach was, das dauert. Und da habe ich manchmal einfach nicht die Zeit dazu. Und dann wäge ich ab, ja, wie viel ist es mir jetzt wert? Wie viel ist mir diese Grenze wert?

Ist mir diese Grenze jetzt wert, dass ich deswegen 20 Minuten zu spät zu diesem Termin komme? Wenn es ein Arzttermin ist und das Kind hat eine wichtige Impfung. Dann gibt es vielleicht auch einfach dieses blöde Eis. Und dann habe ich nicht diesen kleinen Tod gestorben. Und ich habe aber schon oft gemerkt, wenn ich diese Grenze dann aufweiche, dann geht es immer weiter, dann geht es immer weiter und dann geht es immer weiter.

Und deswegen ist es super wichtig, sich zu sagen, bedürfnisorientiert heißt nicht, dass das Kind einfach machen darf, was es will. Weil Grenzen sind ein Halt. Also Grenzen sind Struktur. Grenzen sind für die Kinder unfassbar wichtig. Und Kinder brauchen Eltern, die die Verantwortung übernehmen. Weil das ist es ja. Also wenn du diese Grenze jedes Mal dann aufweichst, dann machst du es dir ganz schön leicht.

Das ist natürlich easy. Dann hast du den Struggle nicht. Dann hast du den Meltdown nicht. Dann hast du die Diskussion nicht. Dann hast du das Geschrei nicht. Aber wenn du eine Grenze hast und zum Beispiel deine Grenze ist, ich lasse nicht zu, dass du mich schlägst. Ich lasse nicht zu, dass du bei Rot über die Ampel rennst.

Ich lasse nicht zu, dass du dein Geschwister, dass du das Geschwisterkind beschimpfst oder so. Oder auch sowas wie, ich sehe, du bist wütend und das Tablet bleibt jetzt trotzdem aus, weil Tablet-Zeit oder Medienzeit ist heute schon vorbei. Und natürlich darf das Kind diese Grenze scheiße finden. Na klar, das gehört ja voll zum Game.

Und das ist ja auch in Ordnung so. Und gleichzeitig darfst du diese Grenze liebevoll halten. Und das ist ja die Challenge bei so emotionsstarken Kindern. Also eine Grenze ist nicht erst dann liebevoll, wenn mein Kind mit ihr einverstanden ist. Das finde ich total wichtig. Es geht um die Art und Weise, wie du diese Grenze hältst, egal wie das Kind das findet.

Das Kind kann ja toben und schreien und es mega doof finden, aber meine Grenze ist nicht dasselbe wie eine willkürliche Regel. Also ich würde dann auch immer so differenzieren und sagen, ich möchte nicht geschlagen werden, das ist meine Grenze. Oder auch, wenn es um Sicherheit geht, dass ich sage, ich lasse dich nicht ohne Helm Fahrrad fahren. Das ist eine Grenze.

Oder auch Familienregeln. Gegessen wird nur am Tisch. Das ist eine Grenze. Nein, es gibt Schoko-Eis nicht auf unserem cremefarbenen Sofa. Oder wie auch immer, dass man guckt, dass man die Grenzen ganz klar benennt und nicht einfach irgendwie willkürlich setzt und dass es auch klar ist für das Kind. Und man kann sich immer wieder fragen, welche ist mir wirklich wichtig, wie wichtig sind mir Grenzen und an welchen Tagen weiche ich manches vielleicht ein bisschen auf, um es selber leichter zu haben. Das ist ja in Ordnung.

Aber es ist einfach ganz wichtig, sich klarzumachen, dass diese Klarheit einer Grenze für ein neurodivergentes Kind, also für alle Kinder und neurodivergente Kinder, finde ich insbesondere. Super entlastend ist. Weil es Orientierung bietet. Eine Grenze, wenn die Eltern diese Grenze liebevoll setzen, und dann kann das Kind schreien, dann kann das Kind boxen, Und dann musst du einfach nur bei deiner Meinung bleiben.

Also ich finde, ganz oft geht man dann ja auch so in diese Diskussion mit dem Kind und erklärt oder man versucht, das Kind abzulenken. Das ist ja was, es passiert ja so schnell auch ganz unterbewusst bei mir und ich muss dann immer ganz aktiv mich wieder so mit dem Fokus zurückschieben und mir sagen, nein, Isa, bleib bei deinem Nein und lass das Kind durch diese Emotionen gehen.

Begleitet das Kind bei diesen Emotionen. Und hör auf, es irgendwie ablenken zu wollen. Und dann muss man halt gucken. Also wir hatten jetzt auch schon hier Emotionen, wo das Kind dann so wild um sich geschlagen hat oder auch so wild versucht hat, mich selbst zu schlagen. Dann habe ich das Kind auch mal wirklich.

Aufs Sofa genommen und festgehalten. Nur der riesengroße Unterschied ist wirklich die Intention, mit der du das machst. Wenn du das Kind liebevoll und ruhig als erwachsene Person, die gerade Verantwortung für eine Grenze übernimmt, wenn du das Kind so dabei begleitest und einfach auch guckst, dass es niemand anderen verletzt, dann ist es für das Kind auch ganz anders in Ordnung, als wenn das Kind merkt, Mama oder Papa rasten gerade selbst dabei aus und werden selbst aggressiv oder so.

Also das ist so die Intention. Ich würde mal behaupten, das Kind spürt die Intention auf jeden Fall und das verändert alles. Also die Art und Weise, wie du deine Grenze verteidigst. Und Grenzen sind halt so wichtig, also gerade bei Autismus ist diese Grenze einfach unfassbar wichtig, weil diese Grenzen...

Vorhersehbarkeit schaffen, Struktur schaffen, Klarheit schaffen und all das ist für das Nervensystem eigentlich beruhigend. Und wirklich also dieses fehlende Vorhersehbarkeit, fehlende Struktur bei Kindern mit Autismus sind eine der Hauptfaktoren für herausforderndes Verhalten. Also weniger Verhandlungsschleifen, mehr Klarheit. Und was meine ich, wenn ich sage mehr Klarheit?

Ja, das heißt wirklich, also das ist sowas, das muss man, finde ich, einfach lernen. Wie kann ich meinem Kind liebevoll eine Grenze setzen? Da habe ich mich, ja, also dieses Buch von Nora Imlau kann ich euch wirklich nur empfehlen. Da habe ich mich durchgelesen und mir einfach dann auch immer wieder stichpunktartig das so innerlich vorgesagt, so wenig Worte wie möglich, ganz konkrete Sprache, den Satz immer wieder wiederholen.

Du lässt dich nicht auf eine Diskussion ein und du sagst, nein, es gibt heute nur ein Eis. Es gibt heute kein weiteres Eis. Also ganz konkret, mit ganz wenigen Worten und diese Grenze auch früh setzen. Nicht erst dann, wenn du selber schon so kurz davor bist, auszurasten. Und lass die Emotionen deines Kindes zu. Das ist okay. Das Kind darf Emotionen auf diese Grenze haben. Ja, Emotionen sind ja in Ordnung.

Und trotzdem hältst du halt diese Grenze und bietest dem Kind aber auch Unterstützung an. Du sagst, wir schaffen das zusammen, du kriegst es hin, ich bin da und ich meine es nicht böse. Also das ist was, was ich dann oft auch sage, weil mein Kind dann auch sagt, du bist so fies, du bist die kackblödeste Mama.

Warum sagst du zu allem nein, du hast mich gar nicht lieb? Und ich sage dann immer, hey, ich mache das für dich. Mir geht es um dich, ich möchte das Beste für dich. Und es ist meine Aufgabe als deine Mama, dass es dir gut geht. Und diese Grenze, die sage ich aus meiner ganzen Liebe heraus. Also ich versuche da wirklich so wenig wie möglich zu erklären und dem Kind trotzdem zu zeigen, ich mache das für dich und nicht gegen dich.

Weil das ist ja dann auch ganz oft so eine Interpretation vom Kind. Und Mama oder Papa haben jetzt hier eine Grenze gesetzt und die machen es, um mich zu ärgern. Die machen das, weil die mich nicht mehr lieb haben. Und da ist es einfach wichtig, sich selbst ganz klar zu machen. Ich setze diese Grenze für mein Kind und nicht gegen mein Kind.

Und ich finde, wenn man das nochmal ganz klar hat, dann kann man diese Grenze auch besser verteidigen und lässt sich nicht so leicht aufweichen. Weil man manchmal ja auch denkt, oh Gott, jetzt leidet mein Kind, jetzt weint mein Kind und sich dann immer wieder zu sagen, diese Grenze ist wichtig, die gibt meinem Kind Halt, die gibt meinem Kind Struktur.

Und wenn du früher dann vielleicht immer so doch wieder ins Erklären gegangen bist, wenn du die Grenze immer weiter ausgedehnt hast, dann ist es total wichtig, dir das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die Grenze ist für mein Kind. Und wenn du diese Grenze liebevoll hältst, dann lernt das Kind ja auch mit der Zeit, dass es keine Angst vor den Grenzen der Eltern haben muss, weil sie die Erfahrung machen, Hey, da ist ein Erwachsener, der weiß, wo Schluss ist und der mich auch dann noch liebt, wenn ich darüber richtig sauer bin.

Also das Problem ist nicht, dass wir Kindern Grenzen setzen. Das finde ich auch nochmal so diesen wichtigen Perspektivwechsel. Man denkt ja dann oft so, oh Mann, mein Kind leidet so sehr unter diesen Grenzen. Nee, das ist nicht das Problem. Diese Grenzen sind super wichtig und notwendig. Das Problem beginnt, wenn wir diese Grenzüberschreitung als Machtkampf verstehen.

Und dann auch in diese Grenzüberschreitung, also so eine geplante Bosheit des Kindes reininterpretieren. Also sagen, ja, das macht das Kind total bewusst. Und zum Beispiel habe ich einmal diese Szene gehabt, mein Sohn wollte unbedingt. Ein anderes Mittagessen. War wieder das Thema Essen. Ich habe ein Essen gekocht, das Essen war auch besprochen und wir hatten Freunde zu Besuch.

Und dann habe ich etwas an diesem Gericht, wirklich eine Kleinigkeit, habe ich verändert. Mein Sohn hat das sofort geschmeckt und das Essen ging für ihn nicht mehr. Er konnte das aber noch nicht verbalisieren in dem Moment. Das habe ich erst später erfahren, als ich mit ihm dann nämlich darüber gesprochen habe, im Nachhinein am Abend, als ich meinte, was war denn eigentlich da los, wir hatten das ja besprochen.

Und dann kam raus, hey Mama, Du hast eine andere Gemüsebrühe benutzt und da waren total die vielen großen Karottenstückchen drin. Und das stimmt. Ich habe eine neue Gemüsebrühe gekauft, ich habe die aufgemacht, ich habe nicht drüber nachgedacht und da waren einfach mehr größere Karottenstücke drin. Und dann ging das Essen für ihn nicht mehr.

Was aber sichtbar war in dem Moment, wir haben das Essen besprochen, das Essen steht auf dem Tisch, mein Sohn sagt, ich get, ne, bitte, bitte, bitte mach mir was anderes, bitte mach mir und dann, es ist ja auch so süß, dann geht er in die Küche und guckt, was könnte ich jetzt als einfache, schnelle Alternative für ihn machen.

Und dann guckt sie und sagt, Mama, guck mal, ich habe hier diese Nudeln, die brauchen nur neun Minuten. Ich esse Nudeln mit Pesto. Macht mir bitte diese Nudeln mit Pesto. Und dann haben aber echt Freunde zu mir gesagt, als ich dann eben. Den Topf geholt habe, weil ich mir dachte, ja gut, okay, ist in Ordnung, mache ich jetzt.

Dann haben die Freunde auch zu mir gesagt, boah, also Isa, du machst es aber nicht im Ernst, deinem Kind ein alternatives Essen, wo das Essen für uns alle schon auf dem Tisch steht und es war klar besprochen, dass es dieses Essen gibt. Und es war halt wieder so diese böse Absicht, diese Interpretation.

Und das haben die dann auch gesagt, weil es war dann nämlich so, als ich dann diese Nudeln ihm aufgesetzt habe. Also wir haben natürlich ein bisschen darüber diskutiert. Ich meinte, hey, das Essen war doch besprochen und hin und her. Und dann habe ich aber relativ schnell eingelenkt, weil ich gemerkt habe, okay, irgendwas ist mit dem Essen los. Ich kenne ja mein Kind.

Und dann ist mein Sohn eben zu den Gästen und hat dann gemeint, ja, hurra, juhu, ich krieg jetzt Nudeln, ich krieg jetzt Nudeln. Und das hat die dann total getriggert und die kamen dann zu mir und meinten so, ja, das hat der jetzt komplett aus Kalkül gemacht. Also der hat jetzt echt deine Grenze ausgetestet und ja, der scheucht dich ja schon ganz schön bewusst in der Gegend rum und dann freut er sich darüber auch noch.

Und es hat mich irgendwie so verletzt, weil man hat ihm so eine Bösartigkeit und eine Fiesheit unterstellt und ich habe dann so diese Freunde angeguckt und meinte es so. Naja, ist doch klar, dass er sich darüber freut. Also natürlich, irgendein Problem hat er mit dem Essen. Er kann das jetzt aus irgendeinem Grund nicht essen.

Ich weiß, eigentlich schmeckt ihm dieses Essen. Das ist ja irgendwie auch für ihn tragisch gerade. Und er freut sich jetzt, dass ich ihm was anderes zu essen mache. Also was ist daran fies und was ist daran böse und was, so warum sollte ich jetzt hier diese Grenze klarer verteidigen? Das war jetzt zum Beispiel was für mich, wo ich dachte, okay, so what, dann ist das halt jetzt so.

Das ist ja auch eins meiner Mottos, dann ist das so. Da mache ich immer so Daumen, Zeigefinger, dann Daumen, Mittelfinger, ist, Daumen, Ringfinger, das, Daumen, kleiner Finger, so. Dann ist das so ein Fingerspiel, wo ich mir dann wirklich oft sage, mein Gott, also ich kann es mir im Alltag auch schwer machen.

Und als ich dann mit meinem Sohn am Abend drüber gesprochen habe und meinte, was war eigentlich jetzt los mit dem Essen? Und er mir das dann erzählt hat, dann ist es mir so wie Schuppen von den Augen gefallen. Und ich dachte mir so, oh mein Gott, tut mir leid, du hast recht. Und ja, ich sollte das tatsächlich, ich hätte das nicht machen sollen.

Ich hätte nicht einfach diese andere Gemüsebrühe nehmen sollen. Ich hätte da besser drauf aufpassen sollen. Und auch da sind da Leute so, hä, was, jetzt entschuldigt die sich auch noch dafür? Ja, Mann, ich nehme mein Kind schon ernst. Also mein Kind ist mir schon wichtig und sein Wohlbefinden. Und das finde ich halt so, wenn du wirklich in Verbindung und in Liebe mit deinem Kind bist Und das Kind spürt das und das Kind merkt, okay, das ist jetzt eine Grenze, die kann man aufweichen, aber das sind die Grenzen, die sind Mama oder Papa wichtig und ich muss auch, also ich kann da mit extremen Emotionen dagegen ankämpfen.

Und es ist trotzdem sicher für mich. Also ich glaube, das ist auch sowas ganz Wichtiges, dass das Kind sich sicher fühlt, wenn es emotionsstark auf die Grenze reagiert. Genau das sind meine gedanken zu dem thema grenzen setzen und halt geben, und warum kinder das auch nicht automatisch immer als ja austesten und bösartigkeit voll kalkülmäßig durchdenken, ich hoffe du konntest was aus dieser folge für dich mitnehmen ich wünsche dir jetzt.

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