
Hi, Family! Der Elternpodcast für Familien mit neurodivergenten Kids (ehem. Hi, Baby! Podcast)· Folge 420
Ich kämpfe nicht mehr jeden Kampf – Was mir im Familienalltag inzwischen einfach egal ist
Sonntag, 6. September 2026 · 46 min
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Shownotes
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Muss ich diesen Kampf wirklich führen – und wenn ja, für wen eigentlich?
In dieser sehr persönlichen Hi, Family!-Folge spreche ich darüber, welche Dinge mir im Familienalltag inzwischen deutlich weniger wichtig sind – und warum genau das bei uns für mehr Ruhe, Leichtigkeit und Verbindung sorgt.
Es geht um Erwartungen, gesellschaftliche Regeln, alte Erziehungsideen und die Frage: Was braucht mein Kind wirklich – und was mache ich nur, weil man es eben so macht?
Eine ehrliche Folge über Autismus, ADHS, Elternsein und Familienleben jenseits der Norm – mit einigen Dingen, bei denen ich heute ganz bewusst sage: Das ist mir inzwischen einfach egal.
📖 Isabel Demirels Buch "Anders glücklich – Familienleben jenseits der Norm" (amzlink.to/az0YgeWRqK9zd )
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Alle leise, wir machen jetzt Quatsch! Schön, dass du da bist bei HiFamily, dem Elternpodcast für Familien mit Autismus, ADHS und anderen Besonderheiten. Achtung, das fällt gleich runter! Mir doch egal! Und wer räumt das jetzt alles wieder auf? Ich nicht! Die Kackwurst-Mama! Der ist doch komplett irre!
Hallo und so schön, dass du wieder zuhörst im High Family Podcast, deinem Podcast für Familienleben jenseits der Norm mit Kindern, die einfach ein bisschen mehr sind, mehr wollen, mehr fordern, und gleichzeitig auch mehr Leben in die Bude bringen, in der das Leben einfach so ein bisschen mehr Achterbahnfahrt ist.
Das sage ich auch ganz oft, wenn ich versuche zu beschreiben, warum unser Familienalltag so anders ist wie der von neurotypischen Familien. Und das Thema, das ich heute mit euch besprechen will, ist eins, das mir eigentlich inzwischen wirklich ganz, ganz oft im Alltag begegnet, wenn mich Menschen fragen.
Boah, also du bist ja entspannt oder du gehst ja aber ganz locker mit der Sache um. Oder ja, warum sagst du denn da jetzt gar nichts? Lässt du ihm das einfach durchgehen oder lässt du ihr das einfach durchgehen? Und es ist sowas, mit dem ich immer wieder mal, ich sage jetzt nicht so, also ich will gerade sagen, konfrontiert werde, aber im Grunde ist es ja auch eher so, dass es die Menschen überrascht, wie entspannt ich bei manchen Dingen bin.
Und ich sage dann oft zu ihnen, naja, choose your battles. Also wenn du so einen krassen, intensiven Familienalltag hast, dann kannst du eben auch nicht einfach bei allen Dingen, die dir irgendwie wichtig sind. Immer wieder anfangen, mit deinem Kind zu diskutieren, dein Kind darauf hinzuweisen, oder versuchen, dein Kind irgendwo wieder in diese Norm reinzupressen, die du dir vielleicht gewünscht hast, bevor du dann genau dieses besondere Kind bekommen hast.
Also warum ich nicht mehr jeden Kampf kämpfe und was mir im Familienalltag inzwischen einfach egal ist. Ich erkläre euch heute, wie ich unterscheide, welchen Kampf ich kämpfe und welchen nicht, und welche Kämpfe mir wichtig sind und wo ich dann auch sage, okay, das ist mir eigentlich relativ egal und wie das im Familienalltag dann tatsächlich so in der Praxis aussieht.
Genau. Und bevor ich ins Thema rein starte, gibt es wie immer hier im High Family Podcast den gemeinsamen Check-In. Das ist der Moment hier im Podcast, an dem du einmal den Fokus komplett auf dich setzen darfst. Das heißt, wenn du die Möglichkeit hast und es auch gerade gerne machen möchtest, dann schließ doch mal kurz die Augen.
Alternativ kannst du die Augen auch einfach so ein bisschen weich werden lassen. In die Ferne schweifen lassen und check mal bei dir ein. Also fahr mal deine Antennen alle ein und richte den Fokus auf dich selbst. Betreib so eine kleine Innenschau. Wie geht's dir gerade? Happiness barometer wie glücklich bist du gerade auf einer skala von 0 bis 10, und versucht die zahlen einfach nur hinzunehmen und so ganz neugierig zu akzeptieren ohne sie direkt zu bewerten, wie gestresst bist du gerade, wie traurig bist du gerade.
Und dann kannst du dir auch gerne sagen, es ist alles okay, so wie es gerade ist. Und du gibst dein Bestes. Und das, wie du gerade bist oder was die letzten Tage war, das ist einfach deine beste Version gewesen. Und wenn die nicht zu deiner Zufriedenheit war, dann ist das eben einfach auch mal so. Es gibt dann auch wieder Tage, die sind besser.
Und wenn du dir jetzt gerade so denkst, ich habe eigentlich die letzten Tage super, super krass performt, ich war mega, ich war eine Mega-Mama, ich war ein Mega-Papa, dann ist auch das total schön. Atme einmal tief durch die Nase in deinen unteren Bauch. Halte die Luft kurz an und dann lass die Luft durch den Mund wieder ausströmen.
Atme noch mal ganz aktiv durch die Nase in den unteren Bauch und entspann dabei ganz bewusst deine Schultern. Halt die Luft kurz an und dann... Tief und bewusst wieder ausatmen. Schick nochmal so eine Welle der Entspannung durch deinen Körper. Und mach noch ein bisschen von dem, was dir gut tut, während ich dir kurz erzähle, wie heute mein Tag war, wie ich heute da bin.
Ich bin leider erkältet und sitze hier gerade mit so ein paar kleinen Fieberschüben. Sowas doof ist. Wir sind immer noch in den Sommerferien. Es ist das erste Jahr, an dem wir in den Sommerferien überhaupt nicht weggefahren sind, weil wir davor eben auch viel schon weg waren. Und ich habe das Gefühl, diese Sommerferien sind endlos.
Und ich merke gerade auch, dass die Luft raus ist. Dass sowohl die Kinder sind wahnsinnig gelangweilt gewesen die letzten Tage, und ich bin irgendwie auch durch und weiß auch nicht mehr so recht, was ich machen soll mit denen. Also ich habe so das Gefühl, es wird jetzt gerade echt Zeit, dass unser normaler Alltag wieder beginnt und die Sommerferien zu Ende sind, oder wir vielleicht doch noch hätten wegfahren sollen.
Das ist gerade so. Ich denke, oh, boah, ist gerade irgendwie so, ja, fühlt sich an wie eben die letzten 100 Meter von so einem Marathon. Also irgendwie bin ich ganz schön schlapp und jetzt eben auch noch krank geworden, was doppelt blöd ist. Und ja, ist halt so, passiert halt, kann man auch nicht ändern.
Jetzt freue ich mich aber schon auf die Folge mit euch zum Thema Ich kämpfe nicht mehr jeden Kampf. Lass uns mal da rein starten. Also ich habe für uns im Familienalltag irgendwann entschieden, dass ich ein gewisses Kontingent pro Tag habe für Nörgeleien, für Kämpfe oder für Rechtfertigungen. Da gibt es ja diese schöne Metapher, vor allem wird die hergenommen für Kinder.
Die einen sagen, das ist die Löffelmetapher, die anderen sagen, das ist eine Bälle-Metapher. Ich habe sie auch in meinem Buch Anders Glücklich erwähnt. Auf jeden Fall geht es in dieser Metapher darum, dass ein Mensch jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Bällen oder eben Löffeln zur Verfügung hat. Und das sind so jedes Mal Anforderungen, die passieren.
Also bei unseren Kindern ist es zum Beispiel so, dass man dann sagt, je nachdem wie die Nacht war, hast du auch schon direkt zu Beginn des Tages einen nicht mehr ganz vollen Rucksack, mit Bällen und dann gibt es morgens das falsche Frühstück oder deine Lieblings-Cornflakes sind leer, dann sind vielleicht direkt zwei Bälle noch mehr weg und dann gab es eine Verspätung beim Schulbus, noch ein Ball weg, weil das ja auch Stress ist.
Dann gab es einen Konflikt mit einem Klassenkameraden, noch ein Ball weg. Dann gab es vielleicht auch was Schreckliches zum Mittagessen im Hort, noch ein Ball weg. Und dann kommt das Kind nach Hause am Nachmittag und eigentlich sind bereits. Alle Bälle weg im Rucksack. Und dann ist das Kind einfach nicht mehr fähig zu kooperieren oder irgendwas zu tolerieren, und dann wird einfach wegen Kleinigkeiten ausgeflippt oder du kriegst als Elternteil zu Hause nur noch Nein, Nein, Nein zu hören, weil das Kind eben einfach keine Bälle mehr übrig hat, ne, so.
Das ist diese Metapher und die gilt natürlich genauso auch für uns Erwachsene. Und für mich ist es so, dass ich mir irgendwann gedacht habe, ich habe eine gewisse Anzahl an Bällen zur Verfügung und einige davon nutze ich dann für Kämpfe, im Familienalltag, wo ich dann für eine Überzeugung kämpfe oder für etwas, das mir wichtig ist oder wo ich dann eben mit meinem Kind in einen Konflikt gehe.
Jetzt nicht unbedingt in einen Kampf, klingt jetzt vielleicht auch ein bisschen radikal, aber wo ich dann vielleicht sage, hey komm, kannst du das jetzt bitte mal machen oder nee, das geht jetzt nicht, oder wo ich halt für eine Überzeugung, die ich habe, einstehe oder wo ich mein Kind dann für etwas zurechtweise.
Und irgendwann ist bei mir dann aber auch dieses Kontingent aufgebraucht und irgendwann kann ich dann auch nicht mehr und dann habe ich für mich beschlossen oder entschieden, dass ich dann eben auch mal sage, okay. Für heute ist mein Kontingent aufgebraucht und wenn jetzt noch Dinge passieren, die für mich auf einer Skala von 0 bis 10 nicht schlimmer sind als eine 7, dann lasse ich es einfach gut sein.
Dann kämpfe ich da nicht, dann gehe ich da einfach gar nicht erst in den Kampf. Das ist ja auch so eine Regel, die ich auch in meinem Buch ja beschrieben habe, aber in der Paarbeziehung habe ich die, glaube ich, mit drin. Die 7 zu 3 Regel. Also alles, was dich auf einer Skala von 0 bis 7 nervt. Ist gar nicht der Redewert eigentlich.
Und ab einer 7 aufwärts, also diese letzten 3 Prozent, alles, was dich darüber hinaus stört, das ist dann der Redewert. Und da lohnt es sich dann auch, ins Gespräch zu gehen, in den Konflikt zu gehen und das anzusprechen. Und genau so mache ich das eigentlich jetzt auch im Familienalltag. Das ist ganz spannend. Mir hat neulich eine Hörerin oder eine Followerin geschrieben und gemeint, boah Isa, mir ist neulich was passiert im Freibad.
Und da war ich im Freibad und ein Kind hat mir, ich glaube es war irgendwie so, ein Kind hat mir einen Ball an den Kopf geworfen. Und das Kind hat dann einfach nur gelacht und ich war aber ganz schön irritiert und habe mir gedacht, hey, was soll denn das, warum wirft das Kind mir den Ball an den Kopf?
Und dann war da der Papa von dem Kind und der war irgendwie sichtlich gelangweilt und hat in der Zeitung geguckt oder Zeitung gelesen. Und als meine Hörerin den Papa dann darauf angesprochen hat, so hey, guck mal, dein Kind hat mir gerade den Ball an den Kopf geworfen, wäre irgendwie cool, wenn ich eine Entschuldigung höre oder wie auch immer.
Ich weiß gar nicht mehr, wie genau sie das gesagt hat, aber sie hat ihn auf jeden Fall angesprochen. Da hat der Papa irgendwie nur so völlig belanglos gemeint, ja, tut mir leid, mein Kind hat eine Behinderung. Und sie hat mir dann geschrieben und gemeint, so irgendwie hat sie das total irritiert, wie der damit umgegangen ist und wie es ihn überhaupt nicht gejuckt hat und dass er irgendwie gar nicht vielleicht auch sich entschuldigt hat und so.
Und das kann ich total nachvollziehen. Ich glaube, mir wäre es sehr ähnlich gegangen und gleichzeitig verstehe ich eben auch den Papa, weil ich sofort gedacht habe, naja, wahrscheinlich war sein Rucksack mit den Bällen einfach schon leer. Oder auch ein anderes Beispiel. In der Arztpraxis, wo wir mit unserem Sohn hingehen und das ist eine besondere Ärztin. Also die hat vor allem Kinder mit Behinderungen, macht ganz viel Autismus, ganz viel ADHS, aber auch noch andere Sachen.
Und da hat mir die Sprechstundenhilfe neulich auch irgendwie so erzählt, dass es manche Eltern gäbe, wenn die Kinder da im Wartezimmer, ah genau, mein Sohn wollte, da gibt es so eine riesen Wand, so eine Tafelwand und mein Sohn hat die Kreide dafür gesucht, weil er was an die Tafel malen wollte. Und dann hat die Sprechstundenhilfe nur gemeint, ja, die Kreide haben sie leider wegnehmen müssen, weil die Kinder im Sprechstunden-, im Wartezimmer auch die anderen Wände oder die Spielsachen, was auch immer, angemalt haben.
Und dann hat die Sprechstundenhilfe auch gemeint, ja, sie versteht es auch nicht, was es dann für Eltern sind, die das dann nicht ansprechen oder die das dann auch nicht wegmachen. Und deswegen haben sie einfach die Kreide weggenommen. Und da habe ich auch wieder gedacht und dann auch zu ihr dann gesagt, hey, ich kann das total nachvollziehen, ich würde das auch richtig kacke finden, ich würde mir auch wünschen, dass die Eltern das wegmachen und ich würde es wahrscheinlich auch als Mutter wegmachen, wenn ich noch die Kapazität dazu hätte.
Weil der Alltag mit Kindern, die sehr herausforderndes Verhalten eben auch an den Tag legen, der ist einfach nicht vergleichbar mit dem Alltag. Von Eltern von neurotypischen Kindern. Das kannst du einfach nicht vergleichen. Es ist ein völlig anderes Level an Stress, an Konflikten, an Streitereien und irgendwann, je nachdem wie anstrengend dieser Tag war, können wir nicht mehr.
Da ist einfach Ende im Gelände und es ist dann auch so bei mir, dass ich Dinge, wie zum Beispiel, ich könnte auch irgendwann mal diese Mutter sein, die dann mit ihrem Kind im Freibad liegt, wobei Freibad machen wir jetzt nicht, wir sind ja hier am See, aber trotzdem. Die dann halt mit ihrem Kind irgendwo ist und wenn das Kind einem Erwachsenen den Ball an den Kopf haut.
Die dann einfach sagt, ja, du, tut mir leid, mein Kind hat eine Behinderung. Weil ich keine Kraft mehr habe, zum 15. Mal an diesem Tag mich zu entschuldigen für mein Kind, mein Kind zurechtzuweisen, mit meinem Kind darüber zu sprechen. Und auch eine Sache, die ich schon ganz, ganz lange mache, ich beiße mein Kind nicht in der Öffentlichkeit, also in der Regel, manchmal ist es natürlich auch so dramatisch oder ich bin so außer mir, dass ich es auch vergesse, aber in der Regel versuche ich mein Kind nicht in der Öffentlichkeit zu maßregeln, um nicht noch mehr Scham, auf ihn draufzupacken.
Also ganz oft, finde ich, machen die Kinder Dinge, gerade auch bei ADHS, die dann negativ aufstoßen, wo man sich dann entschuldigt und die meisten Menschen erwarten dann, dass man jetzt das Kind maßregelt und dann sind die auch erst so zufrieden. Die wollen dann, dass man, ja, das geht doch so nicht und du gehst jetzt dahin und du entschuldigst dich und so.
Und das mache dann oft ich für mein Kind und entschuldige mich und manchmal erkläre ich mehr, manchmal erkläre ich weniger. Also es kommt bei mir immer auch auf meine Kapazitäten und meine Stimmung drauf an und auch so auf mein Gefühl. Lohnt es sich gerade dieser Person einfach zu sagen, hey, tut mir leid, mein Kind hat eine unsichtbare Behinderung und hat es nicht mit Absicht gemacht?
Oder sage ich einfach nur, hey, sorry. Und dass ich dann mit meinem Kind darüber spreche, das mache ich meistens am Abend, wenn wir zusammen im Bett liegen, weil ich weiß, dass mein Kind dann, viel zugänglicher für das Thema ist und auch wirklich was daraus mitnehmen kann. Wenn ich es in diesem Moment mache, ist doch eh gerade Alarmstufe rot, die Alarmglocken schrillen im Kopf Und mein Kind ist so, vielleicht damit beschäftigt, diese Peinlichkeit gerade auszuhalten, all diese Gefühle auszuhalten, die damit gerade einhergehen.
Irgendwie das zu kompensieren. Vielleicht lacht es unangebracht oder hüpft gerade in der Gegend rum oder hält sich selber auch die Ohren zu, weil es gerade auch einfach zu viel ist. Wenn man dann meint, man muss jetzt noch das Kind maßregeln, das ist halt wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Das verpufft sofort. Deswegen mache ich das auch zum Beispiel immer, wenn ich halt die Möglichkeiten habe, das dann später, wenn man es nicht mitbekommt.
Und ich werde auch da ganz oft, glaube ich, falsch gelesen von Menschen, weil die dann denken, boah, die lässt ja ihrem Kind alles durchgehen. Nee, ich mache das nur in einem anderen Moment. Und eben auch dann mit dieser Praxis, mit diesen Wandkritzeleien dann so. Habe ich dann eben auch zu der Frau gesagt, sie müssen einfach auch ein bisschen Rücksicht nehmen mit uns Eltern.
Und ich weiß, es ist schwierig. Man will ja nicht immer eine Sonderbehandlung. Also ich möchte am liebsten nie eine Sonderbehandlung. Ich möchte am liebsten nie auffallen. Und gleichzeitig ist es halt so, dass das nicht meine Entscheidung ist, aufzufallen oder eine Sonderbehandlung zu bekommen. Denn wir haben eben Kinder, die besonders sind und die aus der Masse herausstechen.
Und es ist ja irgendwo auch nur fair, wenn man hier dann auch andere Maßstäbe ansetzt und sagt, hey, okay. Und da habe ich auch immer wieder, wenn ich solche Gespräche habe, dann nutze ich die dann auch dafür wirklich, für uns Eltern von Special Kids zu plädieren und zu sagen, hey, guckt mal, wenn wir die Kapazitäten haben, dann machen wir das.
Ja, es ist uns nicht scheißegal, was unsere Kinder machen. Es berührt uns, es macht was mit uns, es beschäftigt uns. Wie oft sitze ich abends da nach einem sehr herausfordernden Tag und heule einfach, weil mein Kind wieder so krass unangenehm aufgefallen ist und mir das so nahe geht. Und ich aber im Alltag mir das auch nicht so anmerken lasse, weil das ja auch meinem Kind dann total auffällt und mein Kind dann doppelt belastet.
Weil wie oft habe ich mit meinem Sohn zum Beispiel schon drüber gesprochen, so hey, guck mal, und das war jetzt doof und das hat diese Leute jetzt geärgert oder traurig gemacht. Und das weiß er. Und er kann es halt trotzdem nicht ändern. Und wenn er dann auch noch merkt, dass es dann auch noch die Mama traurig macht, dann ist es irgendwie doppelt schlimm.
Und er weiß es ja eigentlich. Und wie oft sitze ich dann abends da und denke mir, boah, shit, ey, was ist heute eigentlich alles wieder schlecht gelaufen? Und um da auch ein bisschen mich selbst zu schützen und meine eigene Energie zu schützen, habe ich einfach für mich irgendwann beschlossen, so, okay Isa, du kannst nicht jeden Kampf kämpfen, das geht nicht.
Irgendwann ist auch mal genug. Also zum einen kämpfe ich auch nicht jeden Kampf, weil das baut ja auch wieder auf den Aha-Moment von diesem Mittwoch auf, wo ich auch darüber spreche, also von jetzt, von vergangenem Mittwoch, was es mit dem negativen Feedback mit unseren Kindern macht. Also wenn ich wirklich jeden Kampf kämpfen würde, alles, was mir wichtig ist, würde mein Kind auch denken, okay, ich bin das nervigste und schlimmste Kind, das meine Mutter hätte bekommen können.
Und sein Selbstwert wäre dementsprechend auch noch mal deutlich schlechter. Und gleichzeitig ist es eben auch ein Energiethema für mich. Also ich habe für mich einfach auch mal festgelegt, so was sind für mich wirklich wichtige Dinge im Familienalltag oder im Alltag so mit unserem Sohn, bei denen ich einfach was sagen möchte unbedingt.
Und was sind auch so Dinge, wo ich mir denke, okay, komm, Scheiß jetzt einfach mal drauf, Isa, und mach nicht aus jedem Ding ein großes Drama. Also zum Beispiel gesellschaftliche Regeln. Habe ich für mich irgendwann auch dann beschlossen, dass die nicht wirklich, alle automatisch sinnvoll sind. Ich finde es wichtig, dass mein Kind Menschen begrüßt und Menschen verabschiedet.
Mein Kind muss aber dazu nicht zu der Person hinkommen. Das muss die Person, nicht berühren, also weder mit der Hand irgendwie die Hand schütteln oder umarmen oder was weiß ich. Den Verwandten ein Küsschen geben, natürlich auch das nicht. Sondern er kann einfach oder beide können von irgendwo aus rüberrufen, tschüss, auch das ist für mich okay.
Aber Begrüßung finde ich zum Beispiel, Begrüßung und Verabschiedung finde ich was total Wichtiges. Das ist für mich wichtig. Was mir nicht so wichtig ist im Rahmen von gesellschaftlichen Regeln ist Blickkontakt. Wenn man redet oder auch dieses Stillsitzen, wenn man redet. So, hey, wir unterhalten uns gerade, kannst du vielleicht aufhören, irgendwo in der ganzen Wohnung rumzuhüpfen.
Dass man ein gemeinsames Essen isst und alle zur gleichen Zeit am Tisch sitzen und essen. Einfach nicht machbar bei uns. Auch für mich nicht machbar tatsächlich. Also ich kann das selbst nicht. Auch sowas wie Tischmanieren, dass man so die Füße, die Füße gehen nach unten und man sitzt hier nicht im Schneidersitz und man sitzt auch nicht mit den Beinen vor dem Körper.
Ich sitze immer mit den Beinen vor meinem Körper, auch jetzt gerade, wo ich hier aufzeichne, auch beim Essen. Ich habe immer mein rechtes Bein vor meinem Bauch sozusagen, vor meiner Brust. Und sitze so. Und alles andere würde mir, glaube ich, wirklich körperlich wehtun. Ich weiß nicht warum, aber das ist so, wie ich sitze.
Also Tischmanieren sind mir nicht so wichtig. Und ich finde es einfach so relevant, sich zu fragen, ist das jetzt wirklich mir persönlich ein Anliegen? Ist mir das wichtig? Bedeutet mir selbst diese Sache viel? Oder ist es einfach nur gesellschaftlich anerzogen und Konvention? Also, dass man sich das bei all diesen Dingen fragt und für sich dann auch einfach so eine Liste macht, so eine interne, mentale Liste, was sind die Dinge, die mir wichtig sind.
Das Zweite ist Essen. Also, ich glaube ganz oft. Ich weiß, das ist zum Beispiel auch so, das kriege ich ganz oft, gefeedbackt, also rückgemeldet, wie extrem locker ich bei der Ernährung meiner Kinder bin. Und dann bin ich immer kurz davor zu weinen und denke mir so, Leute, wenn ihr wüsstet, wie viel mich das gekostet hat, so locker zu werden.
Natürlich ist mir eine gesunde Ernährung meiner Kinder wichtig. Aber was kann ich denn tun, wenn das einfach nicht funktioniert? Wir haben hier zwei super Picky-Eater im Haus, also wirklich, und die könnten gegensätzlicher nicht sein. Was meinem Sohn schmeckt, schmeckt meiner Tochter nicht und andersrum.
Also es gibt ganz wenige Lebensmittel, die beide mögen und ja, in der Regel koche ich zwei verschiedene Mahlzeiten für diese Kinder. Ja, ist einfach so, aber das ist für mich einfacher. Das ist meine Überlebensstrategie und ja, da werde ich oft drauf angesprochen und oft wird da die Augenbraue gehoben, wenn man mitbekommt, wie wir zu Hause essen.
Aber weil ich halt selbst so ein super picky Eater als Kind war und ja auch noch so ein bisschen heute bin, kann ich das halt selbst auch total gut nachvollziehen, und bin da wahrscheinlich sehr, sehr, sehr locker. Das heißt, bei mir gibt es natürlich keinen Probierzwang. Es gibt auch nicht, dieses, hey, iss bitte deinen Teller auf.
Wenn mein Kind ein Essen vorgesetzt bekommt und dann die Nase rümpft und sagt, boah, ne, will ich nicht. Dann gucke ich, dass ich irgendwie was anderes für dieses Kind auf den Tisch bekomme, was für mich einigermaßen easy machbar ist. Und zum Beispiel ist es für mich auch kein Problem, jetzt für mein Kind nochmal neun Minuten lang irgendwelche Nudeln zu kochen und dann, also Butternudeln oder Pestonudeln ist für mich total in Ordnung als alternatives Gericht, wenn es die Kinder jetzt gerade nicht mögen, was ich auf den Tisch gepackt habe.
Oder dass das eine Kind zu der Uhrzeit ist, dass das andere Kind zu der Uhrzeit ist, passt für mich auch. Ich lasse die Kinder auch super gerne was snacken, wenn die Fernsehzeit haben. Die gucken eh sehr wenig Fernsehen. Und wenn sie dann während dem Fernsehen Hunger haben, finde ich das total geil, weil dann kann ich manchmal auch so ein paar gesündere Sachen, vor allem bei unserem Großen, mit reinmischen, die ja dann eventuell eher isst, weil der Fokus nicht so auf dem Essen ist.
Also das finde ich tatsächlich total in Ordnung. Und da ist einfach bei mir so der Fokus Versorgung im Sinne von, dass meine Kinder irgendwie satt werden, statt Familienideal. Und es war jetzt auch in diesen Ferien ganz oft der Fall wirklich, dass die Kinder sich hauptsächlich von Milch und Kakao ernährt haben.
Weil das andere Essen auch einfach nicht geschmeckt hat. Also mein Kühlschrank ist aktuell voll mit verschiedensten Essensresten, auch mit richtig krassen Gerichten, die ich so gekocht habe, wo ich aufgefahren habe. Und es hat ihnen einfach nicht geschmeckt. Ist auch gerade wieder so, also ich finde es aber so krass mit dem Essen.
Ich glaube sieben Jahre lang hat mein Sohn Lachs geliebt. Der hat Lachs immer gegessen. Lachs war ein Safe Food und ich war total dankbar dafür. Seit ein paar Monaten mag er keinen Lachs mehr. Und ich bin auch so, Gott ey, fuck, schon wieder ein Lebensmittel, das ich streichen kann von der Liste. Oder dann gibt es immer so dieses, mal mag er dann Banane und dann isst er regelmäßig Banane.
Dann mag er eher wieder Apfel, dann isst er wieder mehr Apfel, dann mag er mal wieder Birne. Und dann wechselt sich das so ab und ja, also das ist irgendwie so Hauptsache, meine Kinder werden irgendwie satt und die bekommen beide Nahrungsergänzungsmittel. In Form von einem Kakaopulver, damit die, ja, so diese Basic-Vitamine und so Zeug drin haben und ich mir da nicht ganz so einen krassen Stress machen muss.
Genau, also beim Essen bin ich ziemlich entspannt. Kleidung ist jetzt auch so ein Thema, wo ich sage, meine Kinder müssen jetzt nicht. Super ordentlich oder super schön gekleidet sein. Wenn da jetzt mal ein Essensfleck drauf ist oder zwei oder drei, dann ist das eben so. Bevor ich mir jetzt den Stress mache, also wenn mein Sohn immer nur saubere Kleidung anhaben sollte, müsste ich den wahrscheinlich achtmal am Tag umziehen.
Dann könnten wir jeden Tag zwei Maschinenwäsche waschen. Und dann denke ich mir auch manchmal so, gucke ich mir so ein T-Shirt an, denke mir, Ach komm, das hängst du jetzt nochmal ins Badezimmer. Das kann nochmal angezogen werden. Und natürlich auch die Lieblingsklamotten. Wenn sobald die Lieblingsklamotte wieder gewaschen ist, dann zieht er die an und dann kann er die auch wieder anziehen. Das ist alles in Ordnung.
Meine Tochter liebt ja auch generell sich selbst anzuziehen und, sich zu stylen und verschiedene Farbkombinationen, die ist auch so eine mega optische und ganz ganz sensibel, was Stoffe angeht. Also so kratzige Stoffe, manche Strumpfhosen gehen überhaupt nicht, Etiketten, Nähte, also die Socken muss ich vordehnen, damit ich ihr die anziehen darf, weil die ihr sonst am Fuß zu eng sitzen oder zu unangenehm sitzen, also die ist da so hochsensibel, und alle Etiketten müssen natürlich rausgeschnitten werden.
Und da gibt es bei mir auch keinerlei Diskussion, wenn die ankommt und sagt, ja, die Etikette, das und da muss raus, Mama, du musst mir diese Socke vorformen, dann packe ich diese Socke einmal über meine Faust und strecke dann die Hand aus und dehne diese Socke einfach vor. Macht einen Riesenunterschied bei ihr und sie ist so happy, wenn das vorgedehnt ist.
Das sind so Kleinigkeiten und die machen aber den großen Unterschied. Das findet sie dann auch einfach super. Und wenn die dann mal besonders wilde Kombinationen anhat, hat sie inzwischen gar nicht mehr, aber hat sie früher halt viel gemacht, dann ist mir das auch komplett egal. Also dass ich jetzt so sagen würde, du, jetzt ziehen wir uns so und so an und das und das darfst du anhaben und das und das nicht.
Nee, ist für mich auch nicht ein Kampf wert. Das Nächste ist so dieses Ganze, wo wir hin müssen. Was sich gehört, wo man sich blicken lässt. Also verschiedene Feiern von Kindergarten, Hort, Schule, Familie, Freunde, Kindergeburtstage. Jetzt in den Sommerferien war meine Tochter auf drei Kindergeburtstagen eingeladen.
Wir waren auf einem und sind von diesem einen Kindergeburtstag, Nach 20 Minuten auch wieder gegangen, weil es eben nicht geklappt hat für sie. Und da hätte ich vielleicht früher auch nochmal mehr gekämpft und mit ihr besprochen und gesagt, aber du, die hat dich doch eingeladen und die freut sich doch schon so auf dich und du hast sie doch auch eingeladen.
Und du warst doch auch so froh, als sie da war. Ja, also ich wäge dann mal kurz ab, ich bespreche das mit ihr und dann sage ich halt auch einfach ab und dann gehen wir halt nicht dahin. Und es ist vor allem dann auch für mich oft schade. Ich glaube, für meine Kinder ist es so, ja, die haben echt beide nicht das Bedürfnis, sich mit Freunden zu treffen, so proaktiv.
Das kommt eigentlich von beiden nicht. Und es sind eher die anderen, die dann fragen. Und dann gehen sie dahin, aber nur, wenn ich mit dabei bin. Und für mich ist das dann halt oft auch anstrengend. Und deswegen ist auch das so ein Thema. Dieses ganze. Soziale Konventionen ist auch bei mir inzwischen kein Konflikt mehr.
Familienfeiern, wo man früher noch gesagt hat, hey, da müssen wir unbedingt hin und kommen und lass uns es irgendwie schaffen, dass es klappt. Und dann muss das Kind dort auch alle Erwartungen erfüllen das ist inzwischen auch I'm over it, auch so dieses dass man davon ausgeht dass das Kind bei verschiedenen Aktivitäten funktioniert, also gerade erwähnt Kindergeburtstage aber auch Ausflüge, ein Ferienprogramm Feste, Feste.
Das ist bei uns auch, inzwischen gehen wir da hin und wir sagen, hey, wenn es fünf Minuten gut geht, dann war es halt ein Versuch wert. Und dann hat es fünf Minuten geklappt und dann gehen wir danach wieder. Und manchmal wird man dann auch positiv überrascht und merkt, hey geil, mein Kind war jetzt eine Dreiviertelstunde dort und mein Kind war zwei Stunden jetzt dort.
Hatte mega den Spaß und es hat voll gut funktioniert. Oder was ich auch gemerkt habe, ist, dass ich meinem Kind manchmal wirklich ganz, ganz lange Zeit geben muss, dass es dort ankommt bei eben einer Feier oder bei einem Event. Und erstmal alles mit mir, mit der sicheren Person, alles erkundet, alles abtastet, alles abcheckt, und nach einer Stunde eins zu eins überall gemeinsam hingehen, wo vielleicht auch manche die Augen rollen und denken, mein Gott, was ist denn das für eine Übermutter, was ist das für eine Helikoptermutter, für eine Oberglucke, die da ihr Kind auf dem Schoß hat und mit dem Kind irgendwelche Kinderbasteleien gemeinsam macht.
Ja, das ist die einzige Option, mit der mein Kind überhaupt daran teilnimmt. Und das ist ja dann auch für mich Inklusion. Wie kann ich meinem Kind ermöglichen, an ganz normalen alltäglichen Dingen teilzunehmen? Und dann, nachdem ich das eine gewisse Zeit lang, also meistens so eine Dreiviertelstunde, Stunde wirklich eng begleitet habe.
Dann fühlt sich das Kind vielleicht so sicher, dass es alleine weitermacht oder losgeht. Was ich auch nicht mehr immer und überall mache, ist mein Kind zu erklären. Das ist ja auch was, was total viel Energie zieht. Wenn wir irgendwo mal draußen sind, wenn irgendwas, ja, wieder irgendein heftiger Wutausbruch oder Meltdown in der Öffentlichkeit passiert und alle gucken einfach, dann lasse ich mir da inzwischen auch nicht mehr jeden Blick direkt ins Herzen gehen und fange auch nicht mehr jeden Blick auf.
Ich versuche da dann in solchen Momenten wirklich ganz stark den Fokus auf meinem Kind zu haben und wirklich mir so in Gedanken so eine Schutzbubble um uns herum vorzustellen, so eine Schutzmembran, wo ich dann sage, hey, es geht jetzt gerade nur um mein Kind und darum, dass es ihm einigermaßen besser geht.
Und das finde ich sowieso schon super herausfordernd, weil in der meisten Zeit oder meistens ist dann nicht nur das eine Kind da, sondern auch noch das Geschwisterkind. Ich hatte das erst vorgestern, dass mein Sohn in der Öffentlichkeit wieder einen Meltdown hatte und ich war mit beiden Kindern allein unterwegs.
Und das ist dann so krass herausfordernd für mich, wenn ich ihn beruhigen muss oder ihn beruhigen möchte und gleichzeitig meine Tochter mit dabei ist, die dann auch irgendwie. Regulation braucht, weil das für sie ja auch total heftig ist, mit anzuschauen. Und das ist dann schon so, da bin ich so maximal über meinem Limit, wenn ich das mit beiden versuche, irgendwie parallel gleichzeitig zu handeln, weil mein Sohn dann auch wirklich mich komplett einfordert und die Krise bekommt, wenn ich dann nebenbei auch noch versuche, meine Tochter irgendwie zu regulieren und ihr das Gefühl zu geben, hey, es ist alles gut, es passt alles.
Naja, und wenn man dann auch noch den Fokus bei Fremden hat, die dann vorbeigehen, also es ist dann auch zum Beispiel vorgestern wieder so gewesen, dass da so junge Teenies, so 10-, 11-jährige Kids sind vorbeigelaufen und haben halt total meinen Sohn ausgelacht in dem Moment. Und auch da, das ist einfach so, ignorieren, ausblenden, keinerlei überschüssige Energie an solche Menschen jetzt, geben, weil du brauchst gerade all deine Energie für deine zwei Kinder.
Oder, genau, oder dass ich eben auch dann nicht mehr in jeder Situation erkläre, ja, mein Sohn ist Autist und deswegen und hier und da. Also Fremde dürfen manches auch einfach irritierend finden und kriegen dann keine Antwort. Fremde dürfen auch mal von mir als Mutter vor den Kopf gestoßen sein, weil sie vielleicht denken, boah, also die entschuldigt sich da jetzt nicht mal.
Ja, sorry, wenn ich keine Kapazitäten mehr habe, dann habe ich einfach keine Kapazitäten mehr. Beziehungsweise es gibt dann einfach einen Zeitpunkt, ab dem muss ich mit meiner Energie so extrem haushalten, dass ich es irgendwie noch schaffe, meine Kinder sicher nach Hause zu bringen. Also das klingt so krass, aber es ist dann auch oft genauso krass, dass es dann einfach um solche Dinge geht, wie die Sicherheit meiner Kinder.
Wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs sind zum Beispiel und man dann noch gucken muss, wie das dann alles irgendwie noch funktionieren kann. Ich glaube, ihr versteht das ganz gut. So ein anderes Thema ist Ordnung und Haushalt. Wie schaut es eigentlich im Kinderzimmer aus? Wie groß ist das Chaos? Wann lohnt sich hier der Kampf? Und wann lasse ich es auch einfach mal so sein?
Oder auch sowas wie, wir gehen jetzt einkaufen und da ist... Ein Spielzeugladen und dann will das Kind unbedingt was. Wie stark gehe ich jetzt da in den Kampf rein? Wie geht es mir gerade? Wie ist mein Energielevel? Wie geht es meinem Kind gerade? Und kann ich vielleicht einen Deal eingehen, dass ich sage, okay, du kannst dir was kaufen, was maximal 3,99 Euro kostet.
Also das ist auch sowas, wo ich inzwischen sehr, sehr locker bin, wo dann oft auch mal mit den Augen gerollt wird, weil es dann heißt, wie, jetzt habt ihr hier ein Geburtstagsgeschenk gekauft und beide Kinder haben auch was bekommen. Ja, natürlich ist es nicht mein Vorzeige-Prime-Eltern-Moment gewesen.
Und trotzdem war es einfach der Moment, in dem ich in diesem Moment gewählt habe. Oder die Entscheidung, die ich in dem Moment gewählt habe, genauso. Oder auch tatsächlich Hygiene, duschen, baden. Auch in letzter Zeit ist Duschen wieder schwieriger. Das ist auch bei uns echt so phasenabhängig. Also mal klappt es mit einem Kind total gut zu duschen.
Dann ist mal wieder duschen total schlimm und baden ist okay. Und dann ist mal wieder eine Phase, da ist beides ein No-Go. Dann darf ich mal nur mit diesem einen Becher. Die Haare nass machen. Ich hatte einmal von meinem Kind erlaubt bekommen, mit so einem mini kleinen Becherchen die Haare nass zu machen.
Und ich war wirklich so innerlich, war ich kurz vorm Explodieren und habe dann aber einfach mit so einem kleinen, was weiß ich, fast so einem Fingerhut, zehn Minuten lang versucht, diese dicke Wolle von meinem Kind nass zu kriegen, bis in die untersten Schichten, damit ich das waschen kann. Ja, also klar, wenn da Leute von außen zugucken oder dabei stehen, dann denken sie auch, mein Gott, also wie kann man denn so einen Affenzirkus mitmachen?
Ja, sorry, das ist das, was ich dann eben auch in Kauf nehme, damit Haare waschen überhaupt möglich ist. Oder was ich da zum Teil alles mitmache und dann was für Alternativen ich dann da anbiete. Es gab auch mal eine Phase, da wurde das Kind eben nicht geduscht, sondern wirklich mit einem Waschlappen gewaschen.
So, also auch das mache ich manchmal und priorisiere dann halt. Kann ich jetzt diesen Kampf jetzt noch kämpfen? Werde ich jetzt darauf beharren, dass das Kind in die Dusche oder in die Badewanne muss? Wie groß ist denn der Schmutz? Oder können wir einfach eine Katzenwäsche machen mit einem Waschlappen und den Intimbereich oder die Haare oder was halt auch einfach stark schmutzig ist, irgendwie anders waschen?
Genau, also das ist noch so ein Thema bei uns. Zu Hause. Und dieses Ehrliches, also das Ehrlichsein meines Kindes ist auch so ein Thema, wo ich früher oft vor Scham im Boden versunken bin, weil er halt so super direkt ist und es dann oft als unhöflich galt, wo ich inzwischen eben auch sage, ja, tut mir leid, mein Kind ist einfach ehrlich.
Und eigentlich ist das ja gar keine Beleidigung, es ist nur unkonventionell und ehrlich. Und wir sind diese Ehrlichkeit manchmal halt auch gar nicht mehr so gewohnt. Und ich unterscheide heute eben auch stärker zwischen wichtig und dringend. Also Zähneputzen ist für mich wichtig. Da gehe ich schon häufig in den Kampf, auch nicht immer, aber häufig.
Dass mein Kind jetzt Socken unbedingt in den Schuhen trägt, ist vielleicht egal. Dass es eine Jacke anhat bei Regen, eine passende Jacke. Ist schon eher wieder wichtig, aber dass es sich im Supermarkt perfekt und unauffällig verhält, ist wahrscheinlich auch eher ziemlich egal. Und da gucke ich eben auch, dass ich da für mich einfach im Kopf so eine Liste habe, was ist mir wichtig und was ist einfach dringend und was, möchte ich da unbedingt durchgesetzt bekommen und was auch eher nicht, weil du kannst einfach nicht alles kämpfen, du kannst nicht für alles gleich viel Energie aufwenden.
Und was ich halt auch durch dieses Loslassen gewonnen habe, ist ja oft das, was man gar nicht so im Blick hat. Oft denkt man eher so, jetzt ecke ich da vielleicht mehr an und jetzt bin ich, so viel weniger streng und bin ich jetzt überhaupt noch eine gute Mutter, weil ich meinem Kind so viel durchgehen lasse.
Wir gucken ganz wenig auf das, was wir durch dieses Loslassen auch gewinnen. Also wir haben deutlich weniger Konflikte und das ist ja auch einfach super ungesund, ständig Konflikte im Alltag zu haben, also für unsere Gesundheit, für unseren, auch für die unseres Kindes. Nur wenn dieser Cortisol-Spiegel den ganzen Tag so hoch ist, dann haben wir einfach ständig Magen-Darm, oder? Also Magenschmerzen, Stress, verspannte Schultern.
Also weniger Konflikt ist noch einfach viel gesünder für unseren Körper. Ich habe weniger häufig ein Schamgefühl, weil ich da auch einfach wirklich aktiv dran gearbeitet habe, mit vielen Dingen so fein zu sein und das für mich auch ganz klar zu haben. Ich habe mehr Energie für die wirklich wichtigen Dinge im Leben ich habe mir mehr Humor angeeignet dadurch und nehme auch vieles inzwischen einfach mit Humor und lache das dann auch gerne mal weg.
Und wir haben eben dadurch auch mehr Familienleben statt so ein Dauerkorrektur Eltern-Kind-Konflikt, Und ich frage mich einfach inzwischen viel öfter, muss ich diesen Kampf wirklich führen und wenn ja, für wen eigentlich? Und wenn da nicht ganz klar rauskommt, den führe ich für mich oder für mein Kind, sondern wenn dann da die Antwort ist, ja, na, ich führe den, weil das war meinen Eltern immer so wichtig oder was denkt denn sonst die Klassenlehrerin oder was auch immer, dann überlege ich es mir wirklich dreimal, ob ich diesen Kampf wirklich führen möchte.
Ich hoffe, ihr konntet was aus dieser Folge für euch mitnehmen oder ich konnte euch dazu motivieren, auch ein bisschen weniger im Alltag zu kämpfen und mehr auch einfach mal durchgehen zu lassen, mehr zu akzeptieren. Go with the flow, ich habe ja auch mein Mantra, dann ist das so, das mache ich ja mit meinen Fingern, also Daumen, Zeigefinger dann, Daumen, Mittelfinger ist, Daumen, Ringfinger.
Das und Daumen, Kleinfinger, kleiner Finger so, dann ist das so. Das ist so ein kleines Mantra, das ich dann oft auch mal mache, um mich selbst wieder zu regulieren, wenn wieder irgendwas passiert, so Klassiker im Supermarkt oder irgendwo eben, wo viele Menschen sind, und ich dann eigentlich kurz davor bin, wieder so in diese alten Gewohnheiten reinzugehen, in diesen Kampf reinzugehen.
Und wenn ich mich dann kurz mal dran erinnere, mal kurz innehalte, atme, dann ist das so, passt schon, hey, tief ein- und ausatmen, alles in Ordnung. Die Welt geht jetzt nicht unter, wenn ich meinem Kind doch nach der Puderzuckerwafel direkt noch den Nutella-Crêpe kaufe auf dem Weihnachtsmarkt, dann ist das jetzt einfach so.
Wenn das dafür bedeutet, dass ich hier noch 15 Minuten glücklich und entspannt durch den Weihnachtsmarkt schlendern kann, dann ist mir dieser Preis es auch einfach wert. Was auch immer. Und dann hat man einfach ein gutes Stück mehr familiären Seelenfrieden. Und ich freue mich schon auf nächsten Mittwoch, wenn wir uns wieder zu einem kurzen, aufschlussreichen Aha-Moment hören. Bis dahin, gönn dir was, lass es dir gut gehen.
Alles Liebe, deine Isa.