
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 335
Abends mit Steffi Graf in der Kunsthalle
Samstag, 12. September 2026 · 25 min
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Shownotes
Ein Bild aus den späten 1920er-Jahren und ein unvergesslicher Promi-Besuch in den Hallen der Hamburger Kunsthalle: In dieser Folge nehmen sich Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider ein Meisterwerk der Hamburger Secession vor. Gemeinsam entschlüsseln sie das „Bildnis Hildegard Heise“ von Anita Rée aus dem Jahr 1927 – und verraten, was Tennis-Legende Stefanie Graf mit dem Museum verbindet.
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen, mein Name ist Lars Heider und leider, leider, weil leider, ich bin gespannt, was du sagst, liebe Alexander, ist meine Zeit vorbei, in der du die Bilder beschreiben musstest?
Denn in den vergangenen drei Folgen, wer sie nicht gehört hat, haben wir ja die Rollen getauscht. War alles ganz anders, weil wir ja endlich, endlich über Udo Lindenberg gesprochen haben, über Udo Lindenberg als Maler. Und ich kann sagen, er hat sich irre darüber gefreut, dass wir das getan haben. Er hat sich das, glaube ich, auch alles gern angehört.
Cool. Und nun, wie war das? Du hast so wunderbar die Bilder beschrieben, dass ich mir überlege, willst du nicht die Bilder beschreiben und dann sagen, um was es sich handelt künftig? Nein. Wir können das immer mal wieder austauschen. Für mich ist ja, um das Prinzip darüber wieder alles verständlich zu machen, ist ja nicht so, dass ich hier die Rolle des Gelehrten übernehme.
Die Bilder sind für mich meistens irgendwie einen halben Tag vorher aufgepoppt. Und eigentlich geht es ja auch nicht darum, dass einer doziert und der andere, sich da Wort duschen lässt, sondern wir nehmen die Bilder als Anlass zum Gespräch. Also wer das beschreibt, ist eigentlich in Zukunft wurscht. Wir können das System ändern. Ich liebe es, das System zu ändern.
Heute bleiben wir dabei. Ich habe mich jetzt so darauf eingestellt und ich habe auch. Viel zu erzählen, glaube ich, zu diesem Bild, was du mitgebracht hast. Du hast mal wieder ein Porträt mitgebracht. Ich würde sagen, es ist ein Porträt. Und kein Selbstporträt, beides wäre ja möglich, aber es ist ein Porträt.
Und es ist so lustig immer, wenn dann das Bild aufploppt und ich sofort das irgendwie verbinde mit Dingen, die ich gerade getan habe. Ich habe gerade, und du wirst dich jetzt fragen, was hat das damit zu tun? Ich kläre es gleich auf. Ich habe gerade die Biografie, endlich die Biografie von Andrew Agassi, dem Tennisspieler, zu Ende gelesen, Open.
Eine Biografie, die ich nur allen empfehlen kann, nicht nur, wenn man sich für Tennis interessiert, wenn man sich für Tennis interessiert, insbesondere weil sie mehr oder weniger mit dem Satz beginnt, ich hasse Tennis. Und da wirst du dich jetzt fragen, warum denke ich an Andre Agassi und das werde ich gleich erklären wenn ich folgendes sehe, ich sehe nämlich das Bild einer Frau, einer Frau mit einem sehr länglichen, vor allem schwarzen Hintergrund also außer diesem Kopf dieser Frau ist es ist doch eine Frau, doch es ist eine Frau, ist eigentlich rechts nur noch so eine Blume zu sehen, so eine weiße Blume, die so ein bisschen verdorrt aussieht.
Ansonsten ist der Hintergrund komplett schwarz. Und ich sehe das Bild einer Frau, die auf mich im ersten Moment total sportlich und durchtrainiert wirkt, obwohl ich nur das Gesicht sehe. Das Gesicht ist sehr schmal, sehr hager, sehr konzentriert. Die Nase ist eher größer. Der Mund ist auch eher größer.
Fast hat sie so was Androgynes. Also irgendwie Sie ist klar eine Frau, aber sie hat auch starke männliche Züge. Das hängt auch zusammen mit diesen ausgeprägten Augenbrauen, mit diesem sehr schmalen Gesicht, mit den Haaren, die irgendwie hinten zusammengebunden sind, aber dadurch sehr, sehr eng am Kopf liegen.
Sie guckt uns direkt an und sie sieht aus so hoch konzentriert, fokussiert, um jetzt in der Tennissprache zu bleiben, auf den nächsten Punkt konzentriert. Und deshalb musste ich, als ich dieses Bild sah, an wen denken? An die Frau von André Agassi, die natürlich in diesem Buch von ihm eine große Rolle spielt.
Und habe ich jetzt gelernt, die man bitte nicht Steffi Graf nennen darf, sondern Stefanie Graf. Ich musste an Stefanie Graf denken, die, glaube ich, erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten, zumindest die einzige, die einen Golden Grand Slam geschafft hat, also alle vier Grand Slam Turniere plus Olympia Gold gewonnen hat.
An das musste ich denken. Und dann hat mich beeindruckt an diesem Bild, dieser Blick, dieser klare, dieser, es ist kein harter Blick, es ist auch kein unfreundlicher Blick, Es ist aber auch kein freundlicher Blick und auch kein sympathischer Blick. Es ist einfach nur ein entschlossener, ein fokussierter, ein auf den Punkt fixierter Blick.
Also das hat mich beeindruckt. Und deshalb musste ich an Steffi Graf denken, an Stefanie Graf denken. Und dann das Nächste, woran ich denken musste, ist, die Art und Weise, wie diese Frau gemalt wurde, erinnert mich an jemanden, den wir schon mal hatten, den wir mehrfach hatten. Und da würde ich mich jetzt festlegen, dass das Anita Reh ist, dieses Bild.
Absolut. Ja, jetzt, aber Steffi Graf ist es nicht. Nein, dieses nicht. Wobei, lustigerweise, Stefanie Graf war Anfang des Jahres, mal bei uns und ich hätte ihr das Bild vielleicht zeigen sollen, hätte ich deine Imaginationskraft, vielleicht sind wir auch an dem Bild vorbeigekommen. Dann ist dann weder ihr noch mir die Ähnlichkeit aufgefallen.
Stopp, stopp, stopp, stopp. Das sagst du in so einem Nebensatz. Stefanie Graf war in der Kunsthalle und du hast sie durch die Kunsthalle geführt? Also es war ein grönerer Besuch, weil sie war zu einem besonderen Anlass, glaube ich, hier oder zu einem, ich weiß nicht was. Und es war außerhalb der Öffnungszeiten, weil anscheinend, wenn die Arme normales Museum geht, dann hat sie keinen Spaß, der Museumsbesuch. Und dann passiert es ja, dass der Direktor davon in Kenntnis gesetzt wird.
Die hat auch eine gute Freundin hier in Hamburg. Und die sind dann zu dritt oder zu viert durch die Sammlung gelaufen. War sehr nett. War so ein Stündchen quasi wie nachts im Museum. Aber das ist interessant, das stelle ich ja häufiger fest, obwohl wir ein sehr vertrautes Verhältnis haben. Du hast nicht erzählt, dass Helene Fischer bei euch war und ihr Video da gedreht hat.
Und jetzt erzählst du in so einem Nebensatz, und hätte ich das nicht erwähnt, hättest du es mir nie gesagt, dass du Stefanie Graf durch die Ausstellung geführt hast? Ja, ich wusste nicht, dass das newsworthy ist. Also sie machte auch kein Anzeichen, dass sie gerne hätte, dass man sowas weitererzählt.
Lustigerweise, jetzt weiß ich wieder, Markus Bertsch war mit dabei, der Kurator des 19. Jahrhunderts und der hat dann auch noch, seine Tochter ist Tenniselevin und der hat tatsächlich dann seine Tochter zugelassen, dass sie hinterher gekommen ist und sie hat sich den Schläger signieren lassen. Das ist, ich entstamme einer Familie, die so Ephemera nicht besonders ernst nimmt, nämlich stand da ein Grinsen da, aber das hat die Stefanie Graf mit so lässiger Leichtigkeit gemacht, das war überhaupt kein Ding.
Ja, war memorabel. Ja, diese Muggler Kunsthalle wird schon einer Vielzahl von Menschen besucht. Und sie war wahrscheinlich in Hamburg, sie unterstützt ja am UKE. Die Trauma-Behandlung von Flüchtlingen und da ist da immer sehr, ich weiß, wir haben auch ein, zwei Mal uns mit ihr getroffen, immer total, das ist ja auch das Sympathische, der total zurückhaltet und ich kann dir nur sagen, du kriegst auch noch mal einen anderen Blick auf Stephanie Graf, wenn, man die Biografie von Andrew Agassi, weil es so voller Liebe ist, diese beiden Menschen, die ja irgendwie das Gleiche erlebt haben, also das ist, was hat sie sich, kannst du dazu sagen, für was sie sich besonders interessiert hat?
Also wir sind einfach ein bisschen durchs Haus flaniert. Ich habe ihr gezeigt, wovon ich annahm, dass man es gerne sieht und wir sind halt vom Makatsaal über Kasper David Friedrich in die Moderne gelaufen. Da ist man halt auch eine Stunde unterwegs, deswegen weiß ich nicht mehr, was so einfach. Also das mache ich ja öfter, das habe ich auch anscheinend zu spät erzählt, die HSV-Spiele herumgeführt.
Ich versuche natürlich immer ein bisschen zielgruppenorientiert oder. Zugeschnitten auf Leute, aber ich wusste jetzt auch nicht, was sie besonders interessiert, aber es war mir auch nicht angekündigt worden. Wir sind einfach dann zu viert dadurch flaniert durchs Haus. Aber interessant ist auch, dass ihr das dann nicht nutzt und dann irgendwie, wir machen mal schnell was für unsere Instagram-Story oder für Social Media, das ist dann, das bleibt dann geheim.
Wenn das relativ ausdrücklich, nein, wenn das einfach klar ist, dass hier keine Publicity sein soll, dann sind wir diskret. Also es ist auch so, wenn wir so Botschafterbesuche haben, die kommen dann meistens mit einem eigenen Instagram-Team und dann reposten wir das. Aber jetzt wir als Ort sind gerne auch diskret, wenn wir das so sein sollen.
Also es ist ja auch an allererster Stelle, mir tut es ja auch leid, wenn man so berühmt ist, dass man dann einfach kein Leben mehr hat, was man vorher gehabt hat. Und da kann ich dann gut verstehen, warum Menschen das vielleicht ein bisschen diskreter haben wollen. Aber da beneide ich dich jetzt darum, ist Steffi Graf diese unglaublich eindrucksvolle Persönlichkeit, wenn man sie so eine Stunde erlebt, als die sie mir sowohl als Tennisspielerin als jetzt noch mehr vorkommt? Ich habe sie nie persönlich kennengelernt.
Man weiß ja immer nicht, ob das die Aura ist, die man imaginiert oder die der Mensch hat, aber sie ist ein freundlicher, zugewandter, aufrechter, sich haltender Mensch. Und das Gespräch ist natürlich bei einer Führung notwendigerweise ein bisschen einseitig. Dann redet nämlich der Führende ein bisschen mehr als die Geführte.
Aber wir sind auch zusammengesessen und ich habe halt das Gespräch nicht auf den Sport gebracht, weil es tut mir jetzt echt leid, ich bin auch beim Tennis nicht zu Hause. Ich komme jetzt so unsportlich rüber, kein Fußballfan, kein Tennisfan. Also wir haben uns mehr so über allgemeinmenschlich, gesellschaftlich, kulturelles Unterhalten.
Aber es ist interessant, dass es eben doch deutlich viele Spitzensportler gibt, die so dieses Interesse an der Kunst haben. Vielleicht, weil es doch so, sprechen wir, ist ja irre. Du musst jetzt nochmal sagen. Wir müssen es für wirklich darstellen, die nicht Steffi Graf ist. Genau. Aber wenn du so guckst, kannst du verstehen, dass ich auf Steffi Graf komme, Ganz akut? Es wird über diesen entschlossenen Blick wahrscheinlich gegangen sein, weil physiognomisch ist es, da glaube ich, kann man viel drauf projizieren.
Also die dargestellte, also keine Tennisspielerin, sondern Hildegard Heise, ihres Zeichens Fotografin und, das sage ich jetzt als Zweites, sie war aber auch verheiratet mit Karl Georg Heise, dem ersten Direktor der Hamburger Kunsthalle nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu dem Zeitpunkt war der einfach nur Hamburger. Ich glaube, er war an den Lübecker Museen zu dem Zeitpunkt der Direktor. Der ist 1933 in die Wüste geschickt worden, weil er sehr eindeutig ein Avantgardist war und für die Nazis nicht haltbar.
Sie selber und das Ehepaar Heise war mit Anita Reh sehr befreundet. Und ich vermute mal, dieses Porträt ist zuallererst mal als eine Art Liebesdienst entstanden von Anita Reh für ihre... Ich glaube, die waren damals auch ein bisschen Gastgeber, weil Anita Reh hatte bis 1925 in Positano an der amalphitanischen Küste gelebt und ist dann zurück nach Hamburg und hat hier so ein bisschen ein nomadisches Leben geführt.
Die hatte, glaube ich, hier, die hat gar keine Wohnung gehabt und hat dann bei Freunden gewohnt, ist dann später nach Sylt gezogen. Und sie war aber sehr im Zentrum, also Anita Rie war sehr im Zentrum dieser intellektuellen, also der künstlerisch-literarisch-filmischen Gesellschaft in Hamburg und Hildegard Heise eben auch und Karl-Georg Heise auch.
Und da muss man sich vorstellen, kommt dieses Bild her. Du hast ja schon beschrieben, dass sie ja vor schwarzem Hintergrund ist. Allerdings ist ja sehr auffällig, da sind zwei Blumen. Und jetzt muss ich, dusseligerweise sind wir beide keine großen Botaniker. Das sind zwei Blumen, die so Dolden haben und sind weißlich.
Aber die eine Blume hat eine andere Doldenfrau als die eine. Mich erinnert das an so Gräser, die auf der Wiese stehen. Ich bin mir todsicher, die sind nicht zufällig da drin und haben eine Bedeutung, sei es die sehr simple Bedeutung, dass das Blumen sind, die Hildegard Heise geschätzt hat, sei es aber auch, dass sie symbolisch für etwas stehen sollen.
Da sie Fotografin war, kann es natürlich sein, dass diese sehr sachliche Art, das darzustellen ist eine Hommage an die Fotografin Hildegard Heise. Was ich jetzt auch verstehe ist, da muss ich an einen Fotografen denken, der früher für uns gearbeitet hat, der immer auf meine Frage, worauf man denn achten muss, wenn man selbst fotografiert wird, gesagt hat, du musst durch die Augen atmen.
Und wenn man guckt, der Blick, ich finde, sie macht, die fotografierte, die gemalte macht genau das, sie atmet durch die Augen und ich glaube, dass Fotografen weil sie so oft selber fotografieren, einen Vorteil haben, weil sie wissen, wie sie gucken müssen wenn sie selber in gewisser Weise abgelichtet werden müssen und das sieht man hier an, ich finde man sieht, vielleicht ist es auch das, was ich vorhin gesagt habe, man sieht, das ist ein Profi der hier gemalt wird, das ist niemand der normalerweise mit diesem, Sujet nicht zu tun hat, sondern im Gegenteil, der hat damit tatsächlich, und die hat damit tatsächlich beruflich zu tun.
Ich weiß nicht, ob es dann einfacher ist, das zu malen, wenn es zu fotografieren ist, ist es sicherlich einfacher, ob es einfacher ist, jemanden zu malen, der sich bewusst darüber ist, was es bedeutet. Also auf alle Fälle hat sowohl die Porträtierte als auch die Malerin haben gewusst, was sie tun und das Ergebnis ist ein, wie ich finde, absolut außergewöhnliches Bild.
Also wenn du mich, wir haben ja schon öfter den Ruhm der Mona Lisa anklingen lassen, wo ich mich immer frage, warum ausgerechnet dieses Bild, wenn der Da Vinci bessere gemalt hat. Dieses Bild ist für mich eine der Ikonen der 20er Jahre, gemalt 1927. In diesem Bild ist alles drin, was in den 20er Jahren herausragend ist und warum die 20er Jahre vor allem in Deutschland so herausragend sind.
Man muss sich ja vorstellen, wir sind das Land gewesen, was geschlagen nach dem Ersten Weltkrieg seine Sprache neu finden musste, seine Kunst neu finden musste. Und dieses Bild drückt beides fantastisch aus. Dieser gefasste, ernste, leicht herausfordernde Blick, diese altmeisterliche Technik, wenn du jetzt an die, Wenn du da rangehst, die Anita Rhee hat also, Licht und Schatten da gemalt in einer fantastischen Art und Weise.
Die, wie nennt man das, die Augenringen, also sie hat keine Augenringen, aber die leicht dunkle Partien unter den Augen, die links und rechts unterschiedlich sind. Also das ist so, im Kunsthistorischen wird dieser blöde Begriff feinmalerisch verwendet, den ich eigentlich nicht im Mund nehmen will, aber das ist tatsächlich sowas, das ist Lukas Kranach 1927.
Dieses Bild ist eins der herausragenden Porträts in der Hamburger Kunsthalle. Deswegen haben wir es im Übrigen auch auf jedes Plakat geworfen, was euch im Hamburger Stadtbild gerade anlacht, weil es ist so ein bisschen das Zentrumsbild unserer neuen Sammlungspräsentation. Und es ist natürlich, es ist deshalb auch das Zentrumsbild, weil man diesem Blick nicht ausweichen kann. Man hat das Gefühl, die guckt dich direkt an.
Das ist dieses fokussierte Blick übrigens. Und ich würde dich da bitten, wenn du Lust hast, dass wir einmal vielleicht tatsächlich eine Sonderfolge machen, die nächsten Wochen mal über das Louvre, über den Louvre, das Louvre oder den Louvre, den Louvre, so rum. Und zwar folgendes ich war jetzt zum ersten Mal tatsächlich längere Zeit drin und ich habe so viele Fragen, die würde ich dann aber dann stellen vielleicht kann man das auch nochmal insgesamt abbinden über die Frage, wie viele Menschen man eigentlich in so ein Museum lassen kann, aber tatsächlich war dann der Moment wo wir in diesen Raum kommen, wo die Mona Lisa ist und ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt so enttäuscht war also.
Gegenüber ist ja die Hochzeit von Kanaa, richtig? Genau, mein Lieblingsbild übrigens. Was für ein Bild. Und das sind auch so viele andere tolle Bilder. Aber die Mona Lisa. Und wenn wir jetzt gucken, der Blick der Mona Lisa ist so, Entschuldigung, so beliebig im Vergleich zum Beispiel zu diesem Blick.
Das ganze Bild hat so wenig Claim to Fame, dass man sich wundert. Es hat eben eine Geschichte, die Mona Lisa, das haben wir glaube ich auch schon mal, die ist im 1900 berühmt geworden, weil Literaten auf einmal darin was Geheimnisvolles zu sehen vermeinten. Also das hat 400 Jahre im Obskurität verbracht und im 1900 entdeckt plötzlich ein Schriftsteller oder mehrere Schriftsteller oder eine Schriftstellerschule fast schon die Mona Lisa für sich. Dann wurde sie auch noch geklaut Anfang des 20.
Jahrhunderts und da kommt irgendwie, da kommt viel Feuilleton zusammen und daraus ist es entstanden. Dass aber heute ein ganzer Flügel für die gebaut werden soll, ist mir gänzlich unverständlich, weil ich vermute, ein Mensch, der dann eine Stunde angestanden hat, dieses Bild zu sehen, kann nur enttäuscht sein.
Außer er macht halt ein Selfie mit sich und allen zu sagen, ich habe hier eine Stunde angestanden und habe die Mona gesehen. Und es gibt so viele andere. Aber wir besprechen dann in der Sonderfolge. Was ja auch interessant ist, ist, das sieht sich an diesem Bild wieder. Um ein großes Bild zu machen, geht es gar nicht darum, jemanden zu malen, der berühmt ist.
Ja. Oder? Ich meine, wahrscheinlich ist sie in der Zeit nicht an. Nein, berühmt war sie nicht. Also sie war bekannt in, wie gesagt, die Hamburger Gesellschaft, die intellektuelle Gesellschaft der 20 Jahre, die war so überschaubar, wie sie es heute ist. Da kannte man sich schon, aber das war jetzt keine Zelebrität in Hamburg.
Das Bild selber ist auch gar nicht riesig. Das ist 40 Zentimeter mal 35. Also es hält auf, wenn man in den Raum reinkommt, weil es schwarz ist und so stark fällt es sofort auf. Aber es ist nicht groß. Aber es ist tatsächlich dann, einerseits finde ich, sind es die Augen und andererseits ist es auch der Mund.
Gefühlt ist es der, wenn ich mal gemalt werden sollen, würde, dürfte, hätte ich gern, dass dieser Moment, das ist so ein perfekter Moment, die Lippen sind perfekt, der Blick ist perfekt, normal ist es immer ein Auge kleiner als das andere, das ist hier auch nicht, die Augenbrauen sind perfekt, das Haar sitzt perfekt, es ist irgendwie alles perfekt.
Interessant finde ich, präzise, genau. Interessant finde ich, die Schultern sind ja so angedeutet, da denkt man irgendwie, das kann nicht sein. Also, wenn man die Schultern sich jetzt weiterdenkt, so dünn kann diese Frau nicht sein. Das ist fast, das wirkt nach unten hin fast, als ob sie irgendwie magersüchtig ist oder irgendwie extrem dürre.
Ja. Spielt aber keine Rolle in dem Moment. Ist einfach nur so ein Abbinder. Es ist so eine Porträtbüstenart, dass man auch sich nicht fragt, was da drunter kommt. Übrigens, das wird dir auch aufgefallen sein, das Merkel-Porträt im Bode-Museum macht ja angeblich frohre gerade. Und das erstaunt einen natürlich auch so ein bisschen. Das ist ähnlich bei der Mona Lisa.
Also es ist wahrscheinlich die Berühmtheit der Porträtierten, was da gerade so viele Menschen anzieht, weil das Porträt selber, wenn man jetzt das vergleicht, dieses hier und das Porträt, was ja deutlich 100 Jahre jünger ist, aber vollkommen banal. Also das Merkel-Porträt ist. So derartig konventionell, dass man sich fragt, wie traut sich jemand überhaupt im 21. Jahrhundert sowas noch zu malen. Aber es ist überhaupt nicht abträglich.
Die Menschen kommen hin, weil sie Frau Merkel sehen will und weil sie das Original sehen will und dass so viel gesprochen wird. Ist das so ein bisschen, finde ich, wie mit der Merkel-Biografie. Oder denkst, ist das jetzt ein tolles Buch? Nein, aber man irgendwie, weil dieses Interesse an Merkel so groß ist.
Wir müssen nochmal sagen, diese Blumen, warum? Also du hast es versucht zu erklären, oder geht es darum zu sagen, okay, wenn das jetzt rechts auch noch alles schwarz gewesen wäre, es wäre schon ein anderes Bild. Ich kann gar nicht genau sagen. Also die Blumen machen was wie so ein Visoresil. Die beiden Blumen. Genau.
Also ich würde sagen, Blumen sind ja normalerweise eine Art Zutat, die etwas beschreiben soll. Und natürlich gibt es die Konvention, die bis ins 1900 gilt, dass eine schöne Frau von schönen Blumen umgeben sein wird. Also die akademischen Maler, Singer, Sargent, Boldini und keine Ahnung, die schöne Society Ladies gemalt haben, haben dann gerne auch einen Blumenstrauß mit platziert.
Ich glaube, die Anniterie macht sich nicht direkt lustig darüber, aber sie greift darüber auf, indem sie die beiden relativ kargen Dolden auf ihren dünnen Stängeln da malt. Und ich glaube, das ist auch so ein Schwarz-Weiß-Effekt, den sie zu der Zeit, ist ja die Schwarz-Weiß-Fotografie in vollstem Schwange.
Ich glaube, da gibt es vielleicht auch noch gar keine Farbfotografie 1927. Das ist, glaube ich, also je länger ich hingucke, desto mehr denke ich, damit spielt Anita Rhee auf die Profession der dargestellten Fotografin. Und dass ich erkenne, dass es Anita Rhee ist, liegt daran, dass ihre Bilder immer so eine, würde ich jetzt sagen, so eine Klarheit, so eine Präzision und Strenge haben?
Oder warum habe ich Anita Rhee erkannt? Weil wir haben ja mal über das Selbstvertrag gesprochen vor drei oder vier Jahren, als wir angefangen haben. Das war ja eins der ersten Bilder, was wir besprochen haben. Da hat sie sich ja selber gemalt mit so überkreuzten Armen, auch ohne, dass da irgendwie man sieht, dass da ein Kleidungsstück ist.
Bei Hildegard Heise sieht man ja auch nicht, was sie da drunter genau anhat. Und das ist derselbe Blick, also nein, das ist nicht derselbe Blick, das ist ein ähnlicher Blick. Anita Rhee schaut die Betrachter an mit seinem skeptischen, nicht positiven Blick, aber schon sehr packend. Und die Hildegard Heise ist um einiges, die ist entschlossener.
Die hat vor, Widrigkeiten in die Stirn zu bieten. Und ich glaube, da kommt die Ähnlichkeit her, die ich auch sehe. Wahrscheinlich ist es das und ich finde es so interessant dass ich auf Steffi Graf komme und du dann tatsächlich deine Steffi Graf Geschichte, hier erzählst aber du hast dir dieses Bild nicht gezeigt und ein Bild über Tennis nee haben wir nicht Tennis haben wir gar nicht überhaupt nichts, also ich fange jetzt auch gerade erst an mich für Tennis zu interessieren weil meine Söhne spielen Tennis und sie haben mich neulich mal mitgenommen und wir haben ein bisschen gegeneinander gespielt und weil ich Squash spiele, kann ich auch Tennis spielen, also wir haben einen vergnüglichen Tag gehabt,
aber ich bin noch nicht so tief drin im Tennis, dass, ich da einsteigen würde in Bildlichkeit. Das ist interessant, weil Tennis ja auch etwas ist, das wird dir gefallen, weil es ja ein sehr ästhetischer Sport ist, also sehr, es ist wirklich, man spricht nicht umsonst von großem Tennis, wie großem Kino, es hat halt viel mit ich glaube, es ist eine der kunstvollsten Sportarten, die ich kenne.
Also zum ersten Mal ist es 1 gegen 1 oder 2 gegen 2, also kein Mannschaftssport. Normalerweise bin ich Mannschaftssportler. Und dann ist es tatsächlich schon eine schöne Kunst, einen Ball gut zu setzen. Also erst mal innerhalb der Chirurgien. Und am Anfang natürlich so, dass der Gegenüber ihn möglichst auch wieder retournieren kann. Aber ich ahne schon später wird es dahin kommen, dass er möglichst nicht retournieren kann.
Und beides erfordert eine gewisse Fähigkeit. Also jetzt habe ich am Anfang erst mal geübt, den Ball so zu platzieren, dass einer meiner Söhne ihn zurückschicken kann. Aber ich ahne, wo dir Spaß kommt. Und ich habe natürlich hin und wieder Tennis geguckt. Also ich erinnere mich eines legendären, ewig langen Matches in den frühen 90ern.
Das war ein Tscheche gegen, ich weiß das alles nicht mehr. Und ich bin tatsächlich, ich gucke keinen Sport im Fernsehen, wirklich eigentlich nicht. Und da saß ich, glaube ich, ich bin in die Mitte des Spiels eingestiegen und habe bestimmt eineinhalb Stunden Tennis geguckt, was ich nie tun würde. Und das war schon toll anzusehen.
Interessant ist ja auch, wenn man sich überlegt, also wenn jetzt Boris Becker in der Stadt wäre, wollen wir ihm das nicht unterstellen, Aber der würde wahrscheinlich nicht anfragen, ob er mal durch die Kunsthalle gehen könnte. Und Steffi Graf wird ja auch eine gewisse Zeit nur gehabt haben. Und dass sie sich dann ausgehend für die Kunsthalle interessiert, ist ja ein Kompliment für euch. Aber irgendwie auch, sag doch was über Steffi Graf aus, ne?
Genau, letzteres würde ich vor aller Fälle sagen. Also wenn ich in der Stadt bin und im Museum will, dann ist in Hamburg wahrscheinlich die Kunsthalle ein schlüssiger Wunsch. Tatsächlich, ich weiß nichts über Boris Becker. Ich weiß, dass seine Frau oder seine ehemalige Frau, seine Ex-Ex-Ex-Frau gerne in der Kunsthalle ist.
Weil das verkündet sie gerne auf Instagram. Die habe ich dann nicht getroffen, im Übrigen. Barbara Becker. Das hat uns ganz am Anfang sehr gerührt und sehr befeuert, weil sie irgendwann, als unser Instagram-Account langsam anfing anzuziehen, kam auch mal zu Besuch in meinem Lieblingsmuseum von Barbara Becker.
Und da erinnere ich mich noch, unsere Redaktionskonferenz. Hat sich freudig gezeigt. Das verstehe ich. Und wir haben wieder ein Rätsel gelöst, lieber Alexander. Vielen Dank. Nächste Woche bin ich gespannt. Nächste Woche fragen wir noch ein bisschen über Helene Fischer. Nein, bin gespannt, was ich nächste Woche rauskriege.
Mir ist bei der Suche ein weiteres Bild reingekommen, was ich dachte, dass ein schönes Pendant zu diesem hier sein könnte. Deswegen mach dich auf eine weitere Frau gefasst. Ich bin gespannt. Bis nächste Woche. Ciao, ciao. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast.de.