
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 334
Gitarren statt Knarren
Samstag, 5. September 2026 · 26 min
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Shownotes
Einmal die Woche spielen Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider „Ich sehe was, was du nicht siehst“ – und nehmen sich dafür jeweils ein ganz besonderes Kunstwerk vor. In dieser Folge wird es unüberhörbar politisch, bunt und typisch hanseatisch.
Das Thema heute: Das berühmte Bild „Gitarren statt Knarren“ von Udo Lindenberg. Wie setzt der Panikrocker seine radikale Botschaft für den Frieden visuell um? Warum ist dieses Werk gerade heute so aktuell und was sagen der Museumschef und der Chefredakteur zu Udos unverkennbarem Kunst-Aktivismus?
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„Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts wurden von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und verfasst. Der Teaser wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) generiert.
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Heider und Alexander Klar, der Direktor der Hamburger Kunsthalle und ich, haben uns noch einmal aufgemacht. Richtung Fisch-Auktionshalle, dann rechts ins Stilwerk mit dem Fahrstuhl, ich weiß gar nicht, das ist der dritte Stock, ich glaube, vierte Stock, in den vierten Stock, wo eine wunderbare Ausstellung ist, das Udo-Versum, die Ausstellung von und mit Udo Lindenberg und wir haben das genutzt hier vor Publikum, vielen Dank, dass Sie da sind, um über Bilder von Udo Lindenberg zu sprechen und so ein bisschen die Rollen zu tauschen.
Ich habe drei Bilder ausgesucht und du beschreibst die. Heute leider das letzte Mal. Ab nächster Woche ist es dann wieder umgekehrt. Aber auch das ist ja eigentlich ganz schön und ich habe viel gelernt. Ja, also ich habe dir wieder ein Bild mitgebracht, auf dem oh Wunder, oh du Lindenberg zu sehen ist und das ich ausgewählt habe, weil es natürlich eines seiner ganz großen Themen beschreibt.
Und jetzt, Alexander, bin ich gespannt auf deine Beschreibung. Wieder nicht ganz einfach. Die Bilder, die ich ausgewählt habe, da ist immer viel zu sehen. Du bringst mir oftmals ja nur Bilder mit, wo teilweise nur... Nichts zu sehen ist. Nein, aber das ist... Naja, ich erinnere mich an die Bilder von Frau Lasnik, wo dann neulich einfach nur ein Ehepaar zusammen ist, das den Kopf, die Köpfe zusammensteckt.
Und dann ist es schnell erzählt. Lessons more. Wir hatten auch mal Bilder, wo einfach nur... Vase und zwei Blumen. Wir hatten auch schon barocke Bilder, wo das gesamte Pantheon vor einem war. Also wir sind sehr breit aufgestellt, finde ich. Das stimmt. Also ich bin gespannt. Dieses Bild ist relativ eindeutig.
Der Name ist gleich zu sehen. The stage is yours. Und was wir sehen ist a stage, würde ich mal sagen. Wir sehen eine Gruppe Musikanten. Lustig, im Deutschen ist Musikant nicht. Das ist schon fast herabwürdigend. MusikerInnen. Komisch, warum eigentlich, oder? Musikanten. Was ist gegen Musikanten zu sagen?
Weil man denkt, ein Musikanten stadel gleich. Sorry, das entfuhr mir jetzt einfach. Musikant klingt irgendwie leicht derogativ. Vielleicht liege ich auch falsch. Also Musiker, wir können das nachher mal erklären. Jedenfalls lauter Leute, die eine Gitarre halten, das würde ich sagen, legt nahe, dass die hier, sie halten sie sehr unterschiedlich.
Das Bild ist querrechtlich auch wieder, wir hatten das vor zwei Wochen, mit einem sehr, sehr Breitwandformat, erinnert mich immer so ein bisschen an eine, an so ein Cinema-Setup, wo viel los ist, aber vielleicht auch auf eine Bühne. Das ist tatsächlich, glaube ich, wissend, dass es sich um ein Werk von Udo Lindenberg handelt, vielleicht auch das adäquateste Stück, weil man hier eine Gruppe Musiker beieinander sieht.
Das Bild ist überschrieben mit Gitarren statt Knarren. Gitarren und Knarren ist in so einer gestanzten Typografie, wie man sie nutzt, um was an die Wand zu sprayen. Das Stadt dazwischen ist quasi das gesprayte, da sieht man das gestanzte nicht. Dann sind zwei Pistolen eher so gemalt, dass sie sehr, sehr, das sind so Kinderpistolen. Die linke Pistole zum Beispiel hat den Abzug so falsch rum, dass man sie gar nicht nutzen würde.
Aber sehr gut gesehen. Muss man schieben, um die zu betätigen. Auch die rechte wirkt eher wie eine Wasserpistole. Und da drunter eben eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun Performer sehe ich. Also drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun Performer innen. Zwei davon. In unserem Bild vor drei Wochen hieß eine von ihnen noch Angelika.
Das war ja ein Fan, glaube ich, damals. Angelika aus Winseln war ein Fan und das sind ja jetzt offensichtlich Musiker. Das sind alles Musikerinnen. Genau. Also zwei Frauen, ein paar Wesen und zwei Udos. Vielen Dank. Würde ich sagen. Also die machen alle Musik, sie machen es also ich mittlerweile mich eingesehen haben, also ein wirklich top Udo ist die zweite Figur von rechts in blauem Anzug, blauer.
Blauem Hut, Sonnenbrille, wie sie es gehört, lange strähnige Haare, Gitarre richtig haltend, davor zwei Wesen, die mich ein bisschen so an Teufel erinnern vom letzten Mal, dann, ein alter Ego des jungen Udo, der die Gitarre hochhält mit rotem Haar. Ich lerne langsam, rotes Haar ist der junge Udo. Dann haben wir nochmal ein Wesen, was die Gitarre so ein bisschen dem hinhält.
Dann eine Musikerin und nochmal einen Mensch mit wenig Haaren auf dem Kopf. Und die machen glaube ich schon die gleiche Musik. Man hat das Gefühl, da ist schon so ein Schwung drin. Da ist so ein Groove drin. Die grooven alle gemeinschaftlich. Ich überlege, gerade hält man die Gitarre nicht links? Ist das alles genau falsch rum?
Die Frage ist, sind das Gitarren oder sind das auch Gitarren schon? Da ist auch was Bassartiges dabei, also es ist alles stilisiert, die Knarren sind stilisiert, die Gitarren sind stilisiert und genau, es ist also im Bild zwei Knarren und x Gitarren. Klar, worum es da geht. Das ist ja auch so ein bisschen aus, das ist meine Jugend gewesen, wo irgendwie, da wurde gegen Atomkraft, da war Atomkraft, nein danke, das war so eine freundliche Sonne.
Gitarren statt Knarren war auch sowas, was man gerne als so ein Plakat vor sich herumtut. Ich bin so ein Kind der Ostermärsche. Mein Onkel hat mich immer auf die Ostermärsche geschleppt. Ich wusste gar nicht, dass man Ostern was anderes macht, als auf Ostermärsche gehen. Also ich bin da früh sozialisiert. Also diese Sprüche kenne ich alle und kannte nicht Udo Lindenberg. Das ist eigentlich komisch. Ich komme wirklich aus einer absurden Familie. Und.
Die Botschaft ist eigentlich fantastisch simpel. Auf der anderen Seite ist sie das so fantastisch simpel, war das in den 70ern, 80ern. Wobei ich jetzt mich nicht traue, das zu datieren. Ich vermute mal, das ist eher so ein bisschen später. Auch wenn der Geist, das ist übrigens eine Übung in Kunstgeschichte, das ist eine ziemliche Sauerei.
Die Zwischenprüfung ist so eine Art Killer-Prüfung, da wird man ausgesiebt und da kriegt man einfach so einen fetten Stapel Postkarten hingeknallt. Einfach nur sagen, von wem das ist und datieren. Beim Datieren darf man sich um 10 Prozent vertun, aber man sollte nicht so oft das tun. Und dann geht das zack, zack, zack, zack, zack.
Da würde ich jetzt hier wahrscheinlich scheitern. Ich würde mal sagen, der Geist ist zwar 70er, aber die Ausführung ist 90er. Ich glaube, es kommt ganz gut hin, weil ich sehe was, was du nicht siehst. Siehst du diese kleine Figur mit der schwarzen Sonnenbrille? Ja. Und die erinnert mich fatal, fatal ist völlig falsches Wort, die erinnert mich sehr stark, wollte ich sagen, an Eddie Kante.
Eddie Kante, der ja lange Zeit der Leibwichter von Udo Lindenberg war. Und dann irgendwann haben die beiden sich getrennt. Hier im Udo-Versum haben sie sich neulich wieder getroffen. Und ich glaube, dass Eddie Kante, der auch so eine Rose in der Hand hält, der immer auch so eine Sonnenbrille hatte und immer so Udo abgeschirmt hat.
Also das heißt, das spricht schon dafür ich könnte jetzt schnell mal gucken wann das Bild gemalt wurde, Ich finde, aber das Lustige ist ja, dass sozusagen dieses Bild an seiner, und deshalb habe ich es auch ausgesucht, an seiner Aktualität gar nichts verloren hat. Also diese herrliche Naivität sollten wir es auch wieder fordern.
Das ist natürlich auch wieder, jetzt stellt man fest, oh Gott, jetzt geht es bewegen uns wirklich. Vielleicht noch ganz kurz, ich interessiere mich natürlich diese Figuren und diese dreiharigen Figuren. Das würde mich jetzt, das sind ja mehrere, eins, zwei, drei, vier von denen sind sonderbare Wesen, die drei Haare auf dem Kopf haben.
Ist das ein Typus von Bandmitglied, von dem ich nichts weiß? Nee, ich glaube, ist es nicht. Das ist ja ganz interessant, dass, wenn ich jetzt so die bisherigen Bilder sehe, dass bei Udo alle Männer außer ihm kaum Haare haben. Kann das sein? Das sind ja alles so, erinnerst du dich an das erste Bild, das wir besprochen haben, wo die Evolution dargestellt wurde?
Und interessant ist ja auch, dass die alle immer so riesige Nasen haben und irgendwie also, und dass die Nase direkt in die Stirn übergeht und so. Und das ist ja aber letztendlich auch ein Zitat des Udo-Profils. Auch das ist ja übrigens interessant, bei den Bildern, die wir besprochen haben, sind immer alle Menschen im Profil.
Du hast ja nicht so... Von vorne malt er selten. Er malt natürlich auch sich nicht von vorne, weil sozusagen, auch das ist glaube ich dann, um dieses Ikonische zu betonen, das Ikonische ist der Lindenberg von der Seite. Da gibt es ja unendlich viele Bilder, Lindenberg von der Seite, die Nase, die Mütze, die Haare, die Brille.
Und von vorne gibt es den nicht. Also sein Gesamtöuvre ist immer sehr nah an der Karikatur dran oder an etwas, was... Was aus dem Zeitungswesen auch kommt oder aus der Publizität oder von Plattencovern, wobei das fand ich, diese Rostocker Ausstellung hat mich eins gelehrt, der hat ja unglaublich inventive Plattencover gehabt.
Das Plattencover der 70er Jahre ist ja geradezu ein Kunstgenre sui generis und da hat er ja bunt mitgemischt. Da gab es ja Bands, die wirklich künstlerisch hohe Ambitionen hatten. Die spiegeln dann wahrscheinlich auch die musikalischen Ambitionen wieder und das trifft bei ihm ja auch zu. Auch autografisch sind da Sachen dabei, wo man denkt, oh, das ist aber echt auch ungar.
Aber wenn du jetzt hier guckst, wir sitzen hier vor einem großen Porträt, vor einem großen Bild hier im Udo-Versum und da siehst du auch wieder unten diese Figuren, die dann nicht keine Haare haben, sondern so Antennen, da sieht man Udo als Astronaut, also es sind immer irgendwie so Wesen, ich finde dieses, was du immer sagst mit den Wesen, ist gar nicht so verkehrt, weil ich glaube, das ist auch etwas so, wie Udo sozusagen die Menschen um sich herum begreift, als Wesen, als Lebewesen, und dann eben aber auch, als Teile seiner Kunstfamilie, seines Inventars.
Es kreist ja schon um dieses Udo-Versum. Die Ausgangsbasis vorletzter Podcast war ein bisschen, warum sind diese Sachen nicht in der Kunsthalle? Da ist halt zum Beispiel die Frage, ist ein Kunstwerk, sei es noch so ein griffiges und schlüssiges, das im Wesentlichen um sich selber kreist, um die Figur, ist das etwas, was wahnsinnig vielen Menschen was mitteilen, kann, würden wir, also wenn das ausgestellt wird, dann gehen ja viele Leute auch hin, um genau das zu finden, was sie erwarten.
Bei Udo Lindenberg bekommt man, was man erwartet und davon viel. Wir versuchen natürlich in der Kunsthalle Dinge zu zeigen, die man nicht erwartet, die überraschend sind und die anders in eine andere Richtung fühlen. Vielleicht ist das so ein bisschen die Richtung, in die ich versuche verständlich zu machen, warum wir uns jetzt nicht so super danach reißen, eine Udo Lindenberg-Retrospektive zu machen, weil ich das Gefühl habe, das ist, von seiner Themenwahl her ein ziemlich in sich geschlossener Kosmos, der aber eben auch nicht so rasend viele Dimensionen darüber hinaus.
Aber dieses Thema Frieden zieht sich ja durch. Also Frieden schaffen ohne Waffen, Gitarren statt Knarren. Ich finde übrigens auch da, da will ich wissen, was du darüber denkst. Die Botschaft ist ja so einfach auch illustriert. Er malt zwei Pistolen, nahezu genial, schon die eine mit dem Abzug in die falsche Richtung, mehr oder weniger, und streicht sie dann einfach durch.
Bei Maria Lastnick war neulich sowas ähnliches, da war auch so ein Strich, da war das genial. Habe ich nicht gesagt. Wir haben darüber gesprochen, ob der notwendig ist oder nicht. Ich würde, glaube ich, selten sagen genial, weil das ist irgendwie schwierig. Mit dem Wort sollte man wirklich ganz vorsichtig umgehen.
Und hier ist es aber, ist es banal? Nein, nein, das schwankt immer so. Da ist wahnsinnig viel drin. Zum Beispiel auch die Ästhetik, die kennt man tatsächlich auch aus, ich weiß nicht, hier, Hamburg ist ja die Stadt, in der Albert Oehlen angefangen hat, in der Werner Büttner lang gearbeitet hat. Beide arbeiten mit dieser Ästhetik, mit diesem zum Beispiel gestanzten, auch mit Floskeln, mit dummen Floskeln.
Das ist vielleicht auch was, also vergleicht man halt eben das mit einem Albert Oehlen der 80er Jahre, der sich zum Beispiel tatsächlich solche Slogans packt und sie aber demaskiert, weil sie in ihrer... Ihre Einfachheit und jetzt Gitarren statt Knarren ist halt jetzt einprägsam, aber sorry, wenn wir jetzt anfangen ein bisschen dran zu meißeln, kommt nicht so rasend viel mehr dabei raus.
Damit spielen Kippenberger und Co., die machen sich nicht drüber lustig, aber die ziehen das dann halt so durch den Kakao, dass man anfängt darüber nachzudenken, okay, was ist denn jenseits von Gitarren statt Knarren? Frieden wollen wir ja gerne alle, aber das sagt sich so einfach und derweil muss man sich überlegen, wie reagiert man auf Aggression anderer?
Das ist halt etwas, das ist hier nicht geklärt. Kann man vielleicht auch nicht verlangen, dass es geklärt ist. Es ist natürlich diese Hoffnung sozusagen über die Musik die Menschen zu verbinden. Udo Lindenberg hat ja relativ früh angefangen zum Beispiel zu sagen, okay, mein Thema ist die DDR und war dann eben mal derjenige, der dann da war und versucht hat, eine Art Friedensbotschafter zu sein, auf seine Art und Weise.
Das halte ich ja für künstlerisch viel aufregender. Diese Kunstfigur Udo Lindenberg begibt sich, fordert quasi den Honecker heraus, was war der, Staatsratsvorsitzender, also den Bundeskanzler der DDR, heraus ihn zu treffen. Staatsratsvorsitzender war schon richtig. Staatsratsvorsitzender? Das ist schon lange her, ich habe das alles vergessen, wie die alle hießen.
Der hat ihn ja quasi genötigt, sich zu treffen. Die haben sich doch auch getroffen. Ich erinnere mich, der hat doch dann eine Schalmei bekommen und alles. Wie eine Kunstfigur, ein Mensch, dessen Namen einen großen Klang hat, es tatsächlich schafft, das war ja wirklich eine große Tat. Danach sagt man nicht mehr so einfach, dass Gitarren statt Knarren banal ist, weil in dieser Simplizität ist er dahin, man hat sich getroffen und auf einmal war ein Symbolbild dafür, oh, die Wiedervereinigung könnte klappen.
Ich habe schon wieder vergessen, wie viele Jahre vor der Wiedervereinigung das war, aber gesund fiel, dass man nicht ahnen konnte, dass demnächst nochmal eine kommt. Also insofern war das eine Avantgarde-Tat einer Kunstfigur. Das können wenige für sich in Anspruch nehmen. Als ihr damals, als du und er im Atlantik zusammengesessen habt, habt ihr wahrscheinlich auch über Kunst gesprochen. Habt ihr so über Kunst gesprochen wie wir jetzt oder wie, Habt ihr über seine Kunst gesprochen? Habt ihr über Kunst allgemein gesprochen?
Über das Kunstverständnis? Wir haben über seine Ausstellung gesprochen, weil natürlich schwebte im Raum, es war irgendwie klar, da ist eine gewisse Erwartungshaltung, warum machte die Kunsthalle nichts? Zum 80. Geburtstag auch. Und dann habe ich ihm versucht klarzumachen, dass wir halt nicht der Ort sind.
Ich habe das versucht so zu phrasen, dass es irgendwie gut funktioniert, jemand, der eine Celebrity ist und malt, ist noch nicht für mich Ausgangspunkt genug, um ein Oeuvre zu zeigen. Ich habe es irgendwie so gephrased, dass ich gesagt habe, naja, das muss natürlich anschlussfähig sein zu dem, was wir tun. Weil er hat auch gesagt, da kommen die Leute.
Ja, also erstens, die Leute kommen auch so bei uns. Das Problem habt ihr nicht. Das ist das Problem, ja. Das klingt immer so ein bisschen so herablassen. Also pass auf, wenn ich komme, dann ist bei euch der Laden voll. Also der ist voll, da muss ich jetzt nicht mit Udo Lindenberg. Und das ist aber eher so, das ist nicht anschlussfähig. Und ich hatte das Gefühl, ich weiß nicht, ob Vivian das auch so verstanden hat, Er hat das sehr sportlich genommen.
Das ist ja der Punkt. Ich finde das interessant. Auf der einen Seite gelten wir als dieser Laden des High-End Establishment, Aber da will man hin. Ich kann jeden verstehen, der da gerne hin möchte. Das ist, glaube ich, das Gleiche. Das war dieser große Traum von Udo Lindenberg, Ehrenbürger zu werden.
Und die Stadt hat ihn was die ganze Zeit verweigert, weil nur die Stadt konnte ihn zum Ehrenbürger machen. Und letztendlich ist halt die Frage, darüber diskutieren wir in diesem Podcast ja oft, du und die Kunsthalle seid halt in der Situation, du könntest aus mir jetzt einen Künstler machen, indem ich dir jetzt hier irgendwas male und du sagst, Lars, es ist genial. Es ist genial.
Und hängst es morgen bei dir neben dem Wanderer und plötzlich bin ich einer der aufstrebenden deutschen Künstler. Ich glaube, ich muss das relativieren, so weit reicht meine Macht. Aber ich könnte ja überall rum erzählen und sagen, also der Chef der Hamburger Kunsthalle, eines der wichtigsten internationalen Museen, hat gesagt, ich bin genial und hat vor allen Dingen entschieden, dass dann auf, es macht ja was.
Also, nehmen wir ein anderes Beispiel, wo ich mich ja immer gut auskenne. Wenn du dein Leben lang Buchverlagen Manuskripte schickst. Dann macht es einen Unterschied, ob du immer nur Absagen kriegst oder ob plötzlich jemand kommt und es erscheint ein Buch. In dem Moment, wo ein Buch erscheint, was es in einem Laden gibt, kannst du sagen, ich bin doch ein Autor.
Dann kaufen das Leute. Dann kommst du vielleicht einmal mit Mühe und Not auf die Spiegel-Bestseller-Liste. Dann bist du nicht nur ein Autor, dann bist du ein Spiegel-Bestseller-Autor. Auch wenn kaum jemand weiß, dass dafür manchmal auch 2000 verkaufte Exemplare reichen können. Und du ja nur einmal auf diese Liste musst, bist für den Rest deines Lebens, kannst du diesen orangenen Nupsi da haben mit Spiegel-Bestseller-Autor.
Aber das will ich damit sagen. Und natürlich ist das etwas, wenn man Künstler ist, wenn man malt, dann möchte man natürlich genau diese Form der Anerkennung. Würde ich Literat sein, würde ich natürlich nur bei Surkamp anfragen, weil da will ich sein und Surkamp wird einen Teufel tun und mich da reinlassen. Das ist so, dieses ...
Ist das auch der Inselverlag? Ja. Bist du schon ... Ich bin in deinem Olymp angekommen. Die haben mich angefragt für eine Dackel-Anthologie. Die machen eine Anthologie über den Dackel. Das erste Kapitel schreibt Tom Gerhard. und das zweite kommt von mir. Über 15 Seiten über meinen Dackel Willi. Bin ich jetzt angekommen im Olymp? Ich bin vollkommen beeindruckt.
Übrigens, die Bremer Kunsthalle macht, ich glaube, jetzt demnächst eine Ausstellung zum Dackel, eine Legende geht Gassi. Also die Kollegen in Bremen, das ist fantastisch. Da muss man sagen, da sind die reingefallen, weil alle denken immer, der Dackel, ich glaube, es gibt in Deutschland 6.500 Dackel. Es ist kein Massenmarkt. Und zwar, warum? Wer wie ich schon mal einen Dackel gehabt hat, weiß halt, warum es klug ist, sich keinen Dackel zuzulegen.
Als es da wäre. Der Dackel ist sehr speziell. Als ich das erste Mal mit dem Dackel, wir schweifen ab, als ich das erste Mal mit dem Dackel unterwegs war, traf ich einen anderen Hundebesitzer, der hatte so einen Golden Retriever, und wir unterhielten uns kurz und dann zu Ende sagte er, aha, und Sie interessieren sich also nicht für Hunde.
Und ich so, wieso nicht? Ja, sonst hätten Sie keinen Dackel. Also insofern, aber nochmal, das ist glaube ich dieses, was, also du möchtest natürlich, und du bist dann ja der Gate, wie man heute sagt, der Gatekeeper. Du stehst vor dem Tor, durch das sie alle durch wollen. Auch Udo Lindenberg. Und bin natürlich dadurch irgendwie gewisserweise auch gerne mal eine Hassfigur.
Ich versuche zumindest zu verbreiten, die Kuratoren und ich, damit ich nicht vollkommen immer das Ding abbekomme. Aber andersrum muss man sagen, es gibt ja diesen Spruch, weiß nicht, ob das Oscar Wilde ist, der Klub, der mich aufnehmen möchte, dessen Mitglied möchte ich nicht sein. Also da ist man einfach.
Da gibt es Duftmarken, da gibt es Behaviorisms und die sind eisern, aber die halten ihm auch den laden beieinander. Also ich werde mich, es tut mir leid bei aller Freundschaft, ich werde mich nicht exponieren und dich zum Künstler erklären, weil ich habe dann viel auf. Du weißt ja noch nicht, was ich noch vorlege.
Nach deiner Schriftsteller-Karriere, aber dann will ich, dann beobachte ich dich für zwei Jahre. Also über zwei Jahre bin ich dann schon regelmäßig bei Atelier besuchen und werde dich, wie nennt man das, durch den Mangel nehmen. Wie schwierig war es für dich? Wenn man so eine Zeit mit Udo Lindenberg verbringt, der hat ja schon so eine besondere Aura.
Sich sozusagen diesem Gesamtkunstwerk am Ende dann doch, aber du bist ihm ja anders als andere, die ihn zum Beispiel zum Ehrenbürger gemacht haben, du bist ihm am Ende nicht, bist einer der wenigen, die ich kenne, die Udo Lindenberg nicht komplett verfallen sind. Ich würde mich dazu zählen. Ich bin seiner Persönlichkeit schon ein bisschen verfallen. Das war, das war alles, also ich glaube, der hat das auch verstanden, wie ich, von welcher Seite ich komme. Das ist auch nicht schnöselig von mir, sondern es geht wirklich um, wo ist man gut zu Hause.
Wie gesagt, der Kollege in Rostock, der macht das fantastisch. Der macht ein Programm, was sowas möglich macht. Und da ist Udo Lindenberg wirklich eine Krönung. Der hat auch wahnsinnig viele Literaten, die auch Künstler sind. Diese Doppelbegabungen sind interessant. Und in manchen Fällen ist da der Duft so, dass man sagen kann, ah ja, das ist super.
Wie gesagt, ich habe das ja auch schon mal im Horst Jansen. Das ist eine ganz schwierige Geschichte. Wie oft werde ich gefragt, warum der die Kunsthalle nicht Horst Janssen zeigt? Dann gebe ich immer zu, wir haben die größte Horst Janssen-Sammlung weltweit. Und dann, ja, das ist dreimal ein Grund, das zu zeigen, wäre einfach unglaublich populär.
Ja, das Problem ist ein bisschen, der Horst Janssen ist eine verführerisch-verderbliche Figur. Was ich von ihm am meisten mag, ist, es gibt im Horst Janssen-Haus in Oldenburg, gibt es einen Mitschnitt von irgendeiner so einer Abendveranstaltung, wo er wahrscheinlich betrunken herumranzt. Das ist so genial. Also eigentlich möchte ich Horst Janssen als so eine Tonspur bei uns, der rotzt gegen den Kunstbetrieb, gegen so Typen wie mich, die schnöselig nicht verstehen, was er kann, das Handwerk, das A und O ist und wenn Leute zu doof sind, das Handwerk zu verstehen, versteht überhaupt nicht, das Zeugs, was heute an den Wänden hängt, das kann man einfach nicht ernst nehmen und, man sitzt da 20 Minuten und denkt, oh ja, wenn der mich in die Finger bekommt,
der würde mich grün und blau prübeln und ich, das Problem ist ein bisschen, Horst Janssen ist so Horst Janssens, dass das so ein, das hat, ähm. Man ist die ganze Zeit versucht, warum ist der so Alien in seiner Zeit? Der hat sich so aus dem Kunstdiskurs hinaus katapultiert. Dann denke ich, okay, dann sollte ich vielleicht aus Widerborstigkeit Horst Janssen zeigen.
Ich schwöre, ich mache auch was mit ihm. Ich habe immer das Gefühl, vielleicht sollte ich unsere französische Kuratorin bitten, Horst Janssen zu kuratieren, er ist nämlich sauber. Es dürfte kein Hamburger sein, der ihn kuratiert. Dann könnte vielleicht die Hamburger Kunstler dazukommen. Es wurde vor zwei Jahren Horst Janssen mal in Berlin gezeigt. Da dachte man, ah, jetzt geht das langsam wieder.
Aber es ist wirklich eine ganz gefährliche Ware, Horst Jansen. Es ist zu straight, zu sehr an Politagetpropp zum Teil, zum anderen zu sehr an Rotzigkeit und irgendwie denkt man, der ist so toll, der ist so, ein Handwerker gewesen, man kann nur begeistert sein, aber irgendwas passt nicht. Und es kann aber ja trotzdem sein, das haben wir bei Caspar David Friedrich erlebt, dass in 50 bis 100 Jahren Menschen plötzlich sagen, Udo Lindenberg, vielleicht vergessen haben, die Musik kann man nicht vergessen, sagen, haaah.
Was ist das denn für ein tolles Bild? Und das sozusagen, das kann ja sein. Ich versuche mal so ein bisschen die Analogie zum Kaspar David Friedrich. Der Kaspar David Friedrich war in den 1820er Jahren ein Prophet. Und ihm hat noch geholfen, dass Goethe ihn doof fand. Dann war er Rebell der Romantik. Und was ihm wirklich geholfen hat, was ihm aber gleich zu verderblich war, das preußische Königshaus hat ihn wahnsinnig geliebt. Die haben ihn gesammelt und dann weggesperrt.
Das heißt, er war für eine kurze Phase von 1815 bis 1830 vielleicht einer der angesagtesten, geheimnisvollsten Künstler überhaupt. Und dann kam aber so eine ganz betuliche Phase des Biedermeier, die mit diesen inhaltsmenschenleeren, unnarrativen Landschaften nichts anfangen. Das ist wirklich für uns die gröbste Abstraktion, könnte ungefähr erklären.
Menschenleere Landschaften oder eine Menschen von hinten, warum sollte man das machen? Und das war tatsächlich zu Lebzeiten durchgehend visionär. Ich würde mal sagen, das ist alles easy bei Udo Lindenberg. Es ist sehr stark an ihn geknüpft. Und ich würde genau andersrum sagen, wenn der Mythos Udo Lindenberg noch in Platten fortlebt, könnte das auch ein Fortleben haben.
Aber ich glaube einfach nicht, dass da Themen sind, die in 40 Jahren dazu finden, dass die Leute das ganz anders angucken. Denn bestimmte Grundparameter sind einfach immer da. Und es ist ja nicht so, dass ich hier unverständlich bin. Es ist kein Unverständnis da, sondern es ist nur einfach, wo ist die Dimension, die ich noch nicht verstehe.
Das ist vielleicht etwas, was ich von einem Kunstwerk, vielleicht andersrum, wenn ich ein Kunstwerk nicht verstehe, bin ich meistens schon ziemlich aufgeregt, weil ich denke, ah, okay, da ist was drin. Ich will mehr wissen. Ja, das ist aber das Interessante natürlich, und das besprechen wir in den nächsten Folgen noch immer und immer weiter, dass sozusagen je unverständlicher es wird, desto mehr, desto mehr, desto faszinierender ist es. Und das ist auch meine Chance vielleicht noch.
Künftig, dass ich irgendwas völlig Absurdes mache. Also dieses Beispiel mit dem Urinal, das einer irgendwo hingestellt hat. Wer war das nochmal? Marcel Duchamp. Der ein Urinal hinstellt und plötzlich reden alle über dieses Urinal und es gibt ja verschiedene tolle Sachen. Wir sind schon wieder, lieber Alexander, wir sind am Ende der auch der 3-Udo-Lindenberg-Woche. Ab der nächsten Woche, drehen wir es dann wieder um.
Suche ich mal was in der Kunsthalle, was halbwegs anschlussfähig ist und da wiederlege ich es selber. Und da wünsche ich dir viel Glück und bedanke mich bei Ihnen heute, dass Sie heute hier waren und bei denen zu Hause, die zugehört haben. Nächste Woche gibt es eine neue Folge von Ich sehe was, was du nicht siehst. Vielen Dank.