Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 332

Die Krönung der Schöpfung

Samstag, 22. August 2026 · 24 min

MP3

Shownotes

Einmal die Woche spielen Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider „Ich sehe was, was du nicht siehst“ – und nehmen sich dafür jeweils ein ganz besonderes Kunstwerk vor. In dieser Folge blicken die beiden hinter die Fassade des berühmtesten Panikrockers Deutschlands. Es geht um die legendären „Selbstporträts“ von Udo Lindenberg.
Ist das genialer Pop-Art-Kult oder einfach nur ein verdammt guter PR-Coup? Warum Udos Strichmännchen museumsreif sind und was seine Kunstwerke über den Mann hinter der Sonnenbrille verraten, hören Sie in der neuen Folge.
Jetzt reinhören und Augen öffnen!

#IchSeheWasWasDuNichtSiehst #HamburgerAbendblatt #UdoLindenberg #KunsthalleHamburg #Kunstpodcast #LarsHaider #AlexanderKlar #Panikrocker #Likörelle #DeutscheKunst #PodcastTipp #HamburgKunst

–Weitere Podcasts unter: abendblatt.de/podcast
- Wir freuen uns auf Eure Bewertungen und Likes
- Abonniert unseren Podcast, natürlich kostenlos
- Feedback: moinhamburg@abendblatt.abendblatt.de/podcast
„Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts wurden von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und verfasst. Der Teaser wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) generiert.

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich Willkommen. Mein Name ist Lars Heider. Mein Name ist Alexander Klar. Und wir sitzen, lieber Alexander, nicht wie sonst im Podcast-Studio. Wir sitzen auch nicht in der Kunsthalle, sondern wir sitzen im Udo-Versum.

In der Ausstellung über die Kunst von Udo Lindenberg. Und das ist für mich allein schon jetzt ein großer Triumph, weil ich ja dich seit vielen Jahren immer wieder frage, warum Udo Lindenberg nicht in der Kunsthalle ist, weil er doch ein großer Künstler ist. Und dann hast du gesagt, dann lass uns doch mal, hast du es eigentlich gesagt oder habe ich dich gezwungen, lass uns doch mal eine Folge über Bilder von Udo Lindenberg machen.

Und aus dieser einen Folge werden drei, es sind sozusagen die Udo-Lindenberg-Wochen, die wir jetzt haben. Und wir machen das hier mitten in der Ausstellung vor Publikum, sprechen wir über Bilder von Udo Lindenberg und das Allerschönste ist, ich habe die Bilder mitgebracht und jetzt musst du sie mal beschreiben und dann reden wir drüber.

Ich bin gespannt, ob ich auch nur ansatzweise so viel über diese Bilder weiß, wie du jedes Mal, aber ich bin auch gespannt, wie du die Bilder beschreibst. Viel Glück in deiner neuen Rolle. Vielen Dank. Vielleicht noch das zum Anfang. Also ich glaube, Vivian Hecker hat uns hier gepackt. Mich. Aber ich liebe ja Challenges. Vielleicht auch die, warum ist Udo Lindenberg nicht in der Hamburger Kunsthalle.

Gegenfrage, warum ist Frank Goch nicht in der Hamburger Kunsthalle. Die haben wir nämlich auch nicht. Also es gibt tatsächlich ein paar veritable Auslassungen, die eigentlich unerklärlich sind. Vielleicht ist es aus dem heutigen Podcast Marathon. Das wird ja interessant. auch, wir werden in diesen drei Podcasts sicherlich auch zu der Frage kommen, wann ist man Künstler, wann ist man Kunst, was muss man damit machen?

Stück für Stück, ich habe dir ein Bild. Dass Udo Lindenberg ein Künstler ist, steht außer Frage. Da müssen wir jetzt gar nicht lange anfangen. Ich muss es auch niemandem erzählen, dass ich aus der Klassik komme. Ich bin da auch hängen geblieben. Ich habe klein angefangen mit spätromantischer Orchestermusik und habe mich nicht weiterentwickelt. Das heißt, bis Udo Lindenberg bin ich musikalisch schlicht nicht vorgedrungen.

Ein Ausnahme, unser Vermieter und Nachbar hat mich irgendwann überredet, dass ich mal und sie spielt Cello, paraphrasiere, weil ich Cello spiele. Das habe ich dann getan. Ich weiß nicht, ob er so richtig glücklich war, weil ich habe es nicht gesungen. Ich habe den Cello-Part gespielt. Also es klang gotzerbärmlich ohne Udo Lindenberg-Sound.

Gut, ich mache mich mal ans Beschreiben, was wirklich eine schöne Sache ist. Wir haben ein Bild vor uns, was so querrechtig, also wirklich lang querrechteckig ist, also super Breitband-Hollywood-Cinema- Scope-Format. Es ist ein Bild mit mehreren Figuren, ich zähle eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht Figuren, die sich wie so ein Fries über das Bild bewegen. Es scheint so eine leichte von links nach rechts Bewegung zu geben.

Das wird gestützt, wenn man anfängt Texte zu lesen, das ist oben drüber geschrieben Evolution. Dann hat man, glaube ich, im Kopf gleich solche Charts, die man in der Schule mal kennengelernt hat, wo irgendwie links etwas ist, was noch am Boden kreucht. Und irgendwann dann aufrecht steht. Das ist aber nur angedeutet und vielleicht ist das auch etwas, was dann nur im Hinterkopf schwingen kann. Es ist aber tatsächlich so, dass ich etwas von...

Ur-Nachigall bis 2009 bewegt und wenn man dann die einzelnen Beschriftungen, also nicht alle Figuren sind beschriftet, doch. Also links oben hat man eine Amöbe, die die Ur-Nachigall ist, dann hat man 1690 vor Christus, das ist vor Christi im Übrigen, dann muss man natürlich darüber nachdenken, was da wohl passiert sein könnte, dann hat man noch 0190 vor Christi, also die Beschriftungen sind sehr kodifiziert, 30 nach Christi, 1490, mit dem Datum kenne ich was, also 1492 ist die neue Welt von den Europäern gefunden worden, 1973 und 2009 und dazwischen, jetzt muss ich die Brille ausziehen, Angelika am Boden, aus Winsen an der Luhe.

Ich sehe was, was du nicht siehst, aus Winseln an der Luhe. So, und auf der Figur ganz rechts, die, wie sogar ich unschwer erkennen kann, Udo Lindenberg nachempfunden ist, weil man erkennt das ikonisch an dem Hut der Brille und den langen strähnigen Haaren. Er ist der Einzige, der sich rückwärts oder wieder auf die Evolution zuwendet Er hat einen fantastisch starken rechten Oberarm Der trägt ein Prosecco-Glas in Rot oder ein Likörglas Ah, die Likorellen, ein Likörglas Und stößt an mit der Figur von 1973 Womöglich das alte Ego noch rothaarig mit einem Peace-Zeichen auf einem Gewand Was, unglaublich erinnert an, Prähistorisches Und unten an der Prähistorik ist in der rechten Hand dieser Figur sowohl ein Joint als auch eine Gitarre. Das muss man erst mal hinbekommen.

Das ist fantastisch. Und Angelika lehnt an der linken Figur und blickt auf die rechte Figur. 1490 nach Christus, das ist die zentrale Figur. Es hat ein bisschen was Picasso-eskes in der Mitte. Ansonsten kann ich jetzt nicht sagen, dass ich da irgendwelche Analogien zur kunsthistorischen Entwicklung. Der Evolutionsstab zeigt nach oben links. Das ist so ein Wurfgeschoss.

Und dann hat man etwas, was wahlweise ein Feuerwerk sein könnte, ein Chart von Satelliten oder Trabanten oder eine Palme. Das ist jetzt nicht ganz ausgearbeitet. Wo siehst du eine Palme? Das ist dieses Gebilde. Kokospalme, drei Kokosnüsse vielleicht. Die sich bewegen zwischen Amöbe und 30 nach Christi.

Und das Ganze auf einem blauen Hintergrund, ich würde sagen, die Technik, würde ich sagen, Wasserfarbe. Ich denke nicht, dass es Öl ist. Ich vermute auch, dass wir hier auf einem Papier, ich habe keine Ahnung von der Größe, könnte mir vorstellen, dass das groß sein könnte. Das hat was Monumentales. Die Evolution ist ja monumental.

Ja, die Figuren sind auf der linken Seite eher nicht glücklich, auf der rechten Seite inklusive Angelika sehr glücklich. Lachen. Die am Möbel wissen wir nicht. Ja, ich glaube. Ich sehe noch was, was du nicht siehst. Du hast eine Beschriftung ausgelassen, die auch nochmal die Gestaltung, sozusagen die Struktur des Bildes erklärt.

Ganz unten rechts hätte ich für eine Signatur gehalten, die ich mit Udolini oder sowas... Udolinos, das ist ja sozusagen immer dieses... Du nennt er sich ja gern. Also Udolinos Linde. Ah, okay. Ich meine, da steht so schräg Krönung. Krönung, genau. Hatte ich das nicht erwähnt? Also genau, die rechte Figur hat auf dem Revers eine Krönung stehen.

Die rechte Figur hat in der linken den Joint, in der rechten die Likorelle. Das ist eine Fortentwicklung zu 1973. Die Gitarre ist weg. Die Krönung ist damit nicht gemeint sozusagen, das ist ja sozusagen Evolution, es ist die Schöpfungsgeschichte und da sind wir jetzt 2009 bei der Krönung der Schöpfung angelangt Naja, das ist natürlich, ich versuche das jetzt zu vermeiden das zu sagen, weil das ist eurozentrisch, humanozentrisch, alleszentrisch, was wir heute hier tun also, dass wir uns als das irgendjemand als Krönung der Schöpfung begriffen wird ist.

So gestern dass man das vielleicht nicht mehr macht. Aber das ist natürlich tatsächlich in den Charts, das wurde irgendwann mal so gesehen, dass der Europäer die Krönung der Welt entwickelt. Ja, aber ich glaube, er meint das sozusagen... Würde ich jetzt sagen, Udo Lindenberg meint sich, das ist sozusagen für ihn, dieser Moment, vielleicht ist 2009 übrigens auch nur. Die Krönung von etwas.

Nee, vielleicht ist 2009, nee, ist das der Moment, wo das Bild war. 2009 kann auch, das weiß ich nicht auswendig, der Moment sein, in dem er sozusagen die Auferstehung mit seinen Alben wieder hatte. Vielleicht war das die Zeit, wo das MTV-Album geplant wurde, also wo sein Comeback kam. Wie sagt er immer, wie der Phönix aus der Flasche auferstieg.

Ich bin ja ein alter Formalist, er hätte jetzt gesagt, das ist der einzige Text, der nicht irgendwie neben der Figur ist, sondern auf der Figur. Da hätte ich gesagt, dieser Text muss theoretisch nach strenger kunsthistorischer Exegese was anderes sein als die anderen Texte. Aber vielleicht war der da auch lässlich und hat irgendwie rechts oder links dieser Figur keinen Platz mehr für das Wort Krönung gefunden.

1973, das kann man ja sagen, das wird gewesen sein, als der kleine Udo Lindenberg nach Hamburg gekommen ist, mit 50 D-Mark in der Tasche, aus Grunau, da ging das Ganze los und 2009 war dann sozusagen das vollendet, was er immer werden wollte. Er war sozusagen der Superstar, wobei man sagen muss, dass sie das ja in den Jahren danach durchaus nochmal gesteigert hat. Er könnte jetzt rechts anbauen, das Bild könnte noch supplementiert werden von 2009 bis 2026.

Es ist ein Selbstporträt. Es ist ein multiples Selbstporträt geradezu. Es ist ein... Achso, das Aber das links ja auch, 1973 doch genauso. Und das ist ja typisch, das ist ja interessant, wenn man auf die Ausstellung geht, man stellt fest, Udo Lindenberg malt häufig sich selbst, was aber, was ich von dir gelernt habe, für viele Künstler, für viele große Künstler gilt.

Also an Selbstporträts ist es nicht verwerflich, du hast ja mal unterstellt, da müsste man sehr egozentrisch sein, das würde ich jetzt a priori nicht annehmen. Also Rembrandt malt sich ja sein Leben lang selbst, meistens so im Jahresrhythmus und was er sehr brutal tut, er malt sein eigenes Altwerden und man sieht von dem forschen Jüngling, der sich ganz am Anfang malt, bis zum tatsächlich zerzausten.

Im langsam zerfallenden Menschen, total brutal, malt er sich selber. Das macht im Übrigen auch, also Beckmann macht das, der malt sich auch einmal im Jahr vielleicht. Vielleicht auch öfter, also von Beckmann gibt es viele Selbstporträts, da geht es natürlich nicht so sehr um sich selbst, sondern um die Beobachtung, das, was mit einem selber, mit dem Körper passiert.

Und deswegen hätte ich jetzt angenommen, das hat natürlich vielleicht die Selbstporträts sehr mit dem Starkult zu tun, der um ihn herum brandet. Wenn man erstmal Kult ist, dann muss man natürlich auch Kult leben. dazu gehört. Und ihm hilft natürlich dabei, und das habe ich nicht gewusst, das habe ich jetzt durch Benjamin von Stuttgart-Barre erfahren, der ja mehrere Bücher, glaube ich, über Udo Lindenberg geschrieben hat.

Eins ist jetzt als Taschenbuch erschienen, Udo Fröhliche, zum 80. Geburtstag. Dass diese Idee, wie er das mal macht eines Tages, hatte er schon relativ früh. Diese Insignien des Udo-Lindenberg-Seins, also der Hut, die Sonnenbrille, die grünen Socken, die man hier nicht sieht, und die langen Haare, das reicht ja schon zur Wiedererkennung.

Also ich denke, das ist eins, wenn man hier durchs Universum läuft, man erkennt sofort die Handschrift. Also das Erste, dass man bei Picasso gibt es mehrere Phasen und bei Udo Lindenberg gibt es eine durchgehende. Wie soll man sagen, nicht abgeschlossene Phase. Ich finde, das machen ja gerne Teenager, dass sie sich in ihren Kosmos zurückziehen und Dinge tun.

Da wird alles möglich, da wird man so ein bisschen nerdig. Ich glaube, dass viele Sachen früh angelegt sind und wenn man dann in dem Alter mit sich zufrieden ist, kann man natürlich das sein Leben lang durchziehen und dann hat das natürlich so eine Konsistenz, die wirklich faszinierend ist. Seit wann malt er? Das sind auch bestimmt schon wieder 40 Jahre oder so.

Das ist sehr, sehr lange und das ist jetzt auch nicht irgendwie abends zum Hobby, zum sich entspannen, sondern es ist tatsächlich eine Art Reflexion auf einer anderen Ebene als musikalisch. Also es ist Poesie auf einem Medium, was musikalisch halt nicht geht. Und da sind die Themen vielleicht auch immer man selber, weil man halt Star ist.

Frieden findet, glaube ich, viel statt. Wir haben noch zwei andere Bilder. Also es gibt Themen, die sind gesetzt und ein kluger Künstler ist sparsam mit dem Ausbrechen. Also man sollte dann tatsächlich stick to your, sollte man schauen, dass man vielleicht das weiterverarbeitet, wofür man sich interessiert, weil dann passiert vielleicht auch ein Künstler. Also das ist interessant, du würdest jetzt immer dazu raten.

Auch als Künstler konzentriert dich auf deine Schwerpunkte, versuch nicht immer was anderes zu sein, um den Markenkern nicht zu gefährden? Es kann auch der Schwerpunkt sein, dass man sich daran verändert. Also Picasso hat davon gelebt, dass er mal Kubist war, mal eine blaue Periode, mal eine rosa Periode, mal Surrealismus. Also es ist mehr so, dass man sich überlegen muss, wie man auftritt. Das muss man als Musiker machen.

Gerade wenn man als Schlagzeuger anfängt, glaube ich, muss man sich von hinten nach vorne arbeiten. Da muss man natürlich so ein bisschen auch strategisch sich überlegen. Und strategisch jetzt nicht im Sinne von Karriereplanung, sondern also wie geht man mit den Mitteln, die man hat, so um, dass man damit was anfangen kann.

Das Tolle ist natürlich, wenn man ein Udo Lindenberg ist und man musikalisch irgendwie Erfolg hat, dann kann man darauf aufsetzen. Das hilft. Das ist eine interessante Frage. Er hat ja nicht nur als Künstler Erfolg, weil er als Musiker Erfolg hat. Aber das nützt dir ja nichts, wenn du ganz toll singst und ganz schlecht malst.

Dann sagt ja nicht jeder, ah, egal, die Bilder sind so hässlich, ich kaufe sie mir trotzdem, weil die Musik so schön ist. Sondern offensichtlich hat er damit ja was gefunden. Ich habe einen sehr guten Freund von mir, der allein drei Bilder gekauft hat. Und die sind ja auch einfache Drucke. Die sind auch schnell mal mit 2.000, 3.000 Euro dabei. Das heißt, er ist ja unabhängig davon, dass er Musiker ist, auch als Maler erfolgreich.

Manche sagen, er ist kommerziell einer der erfolgreichsten Maler Deutschlands. Gerade weil er sich entschlossen hat, dass er nicht versucht, irgendwelche Einzelstücke in Hochpreissegmenten, sondern weil ich kenne viele Hamburger Haushalte, da komme ich rein und was sieht man? Eine Udo Lindenberg. Und dann freuen die sich total, wenn der Kunsthändirektor und Udo Lindenberger kennen, wo ich denke, glaubt ihr, dass ich blind bin?

Also das für dich funktioniert gut. Jetzt muss man natürlich ein bisschen fairerweise sagen, wir können es ja gleich mal, weil es immer so wie so ein Elefant im Raum steht, ist es natürlich auch schwierig für einen, wenn du berühmt bist im einen, dann hast du natürlich, besonders in Deutschland vielleicht, aber auch überall, hast du einen gewissen Wettbewerbsnachteil, weil so Leute wie wir, die sagen, wir stellen aber keine singenden Künstler aus, weil sorry, der ist Schlagzeuger und nicht Künstler.

Also wir versuchen ein bisschen rauszuarbeiten, warum man vielleicht als Kunsthalle, sich auf andere Wege begibt, als Udo Lindenberg auszustellen. Es gab ja auch Ausstellungen in Rostock, eine sehr, sehr große. Der Kollege dort, Direktor Neumann, ist ein wirklich fantastisch kluger Mensch. Der hat nämlich vermieden, ihn nur als bildenden Künstler auszustellen, sondern hat das wirklich verquickt mit dem Leben. Und ich glaube, das ist die klügste Sache, die man machen kann.

Die Kunst von Udo Lindenberg ist ohne seine Musik und ohne sein Leben nicht denkbar. Das ist ja die große Frage. Wenn man sich jetzt hier umguckt, wir sitzen ja mitten in der Ausstellung, Da sind auch so ein paar andere Dinge dabei. Aber als ich neulich bei Udo war und wir haben auch viel über seine Bilder gesprochen, sagt Udo, wie viele Bilder gibt es eigentlich von dir? Es gibt tausend Bilder.

Die meisten davon sind eingelagert, habe ich ja gelernt, ist bei euch auch der Fall. Das heißt, es gibt ein Üfrel, ein künstlerisches Werk von Udo Lindenberg, völlig unabhängig von der Musik, das man auch zeigen könnte. Wenn Udo Lindenberg jetzt morgen sagen würde, was wir alle nicht hoffen, ich höre auf zu singen, ich mache keine Musik mehr, ab jetzt bin ich nur noch bildender Künstler. Das würde nichts ändern.

Würde das etwas ändern in der Bewertung? Wenn du sagst, den singenden Künstler wollen wir nicht? Also jetzt gibt es ja auch wirklich ganz sachliche Gründe, wo man sich denkt, das ist ja interessant, aber ist das wirklich das, was in der Kunsthalle zu finden ist? Ihr habt ja nicht ganz unrecht gesagt, da würden uns die Leute die Bude einreißen.

Abgesehen davon, dass ich das ein bisschen bezweifle, dass das so einfach geht, die Welt nicht. Das Marc versucht es gerade mit Katzenvideos. Das funktioniert zum Teil, aber eben auch nicht immer. Ich glaube, da gäbe es eine Friktion. Ich glaube, die Leute wären irritiert, wenn plötzlich Udo Lindenberg in der Hamburger Kunsthalle auftritt.

Nicht, weil wir so sorniert oder so borniert sind, sondern weil das einfach, von der ganzen Sprache her sich nicht einfügt in, was wir sonst tun. Und wir tun viele unterschiedliche Sachen. Ich glaube schon, dass das, was er malerisch tut, nicht zu trennen ist von ihm selber und es ist schon ganz gut, wenn man diese Chiffre erkennen kann, ach, das ist Udo Lindenberg.

Wenn du mit dieser Kunst nach Südamerika gehst, werden sich die Leute fragen, was ist denn das Interessantes? Also das lebt schon ein bisschen davon, dass wir wissen, wer Udo Lindenberg ist. Ja, das ist ja die große Frage, wenn man das sich anguckt und jemand sieht, dass jetzt der Udo Lindenberg nicht kennt.

Andersrum, jede Woche bringst du mir irgendein Bild mit und ich denke oft, was ist das denn? Warum hängt das denn bei euch? Nein, das ist gar nicht böse gemeint. Was soll das? Und es ist verrückt. Also zum Beispiel diese Geschichte, wie oft habe ich Bilder gesehen, wo ich dachte, die Arme, der eine Arm ist so groß, der andere Arm ist so, das eine Bein ist abgehackt, das passiert gar nicht von den Probationen. Und dann denkt man doch auch, wenn es gäbe jetzt diesen Podcast in Brasilien und jemand legt dieses Bild hin, der brasilianische Kunsthandirektor, und dann sitzt der brasilianische Chefredakteur da.

Die übersetzen dann das Deutsch geschrieben. Und würde dann sagen, was ist das denn? Aber es hat doch dieses, eigentlich dieses verrückt genialische, es ist schon. Du denkst, das ist doch nichts, das ist doch nicht, darf ich das sagen, das ist doch nicht von dieser Welt. Und jetzt drehen wir es mal weiter. In welchem Kontext würde ich es denn zeigen?

Ich bin zum Beispiel auch ein großer Fan von Janosch, das hat mich irgendwie von Kindern geprägt. Das hat natürlich, da gibt es gewisse Ähnlichkeiten in dieser Leichtigkeit, Vergnüglichkeit, kindlichen Naivität. Also ich würde sagen, da finden wir schon mit ein bisschen Arbeiten vier, fünf KünstlerInnen, jetzt fangen wir nur Künstler ein.

Der Kumpel Otto Walkes, mit dem er die WG geteilt hat, viele ein bisschen drunter, die halt auf so eine vergnügliche Art und Weise die schweren Themen, Astronauten, Weltfrieden und ähnliches angehen und dann würde das Sinn machen. Die nächste Frage ist, würden Leute kommen in der Ausstellung Janusz Schmieds, Udo Lindenberg? Vielleicht.

Meine Kinder und meine Großmutter. Man muss es loslösen, doch man müsste es loslösen. Und das Problem ist gerade, es ist so schwer loszulösen von dem Musiker. Man muss es eigentlich loslösen von dem musikalischen Werk, weil so viel hat es mit dem musikalischen Werk am Ende auch nicht zu tun. Außer, dass es immer um diesen einen...

Künstler mit dem Hut geht. Und dann gehen wir jetzt eben und sagen, okay, jetzt mal dieses Bild als Bild. Es handelt sich offensichtlich um Evolution. Und dann beginnt man sich zu fragen, okay, was sind diese Figuren da alle? Also wo ist die Uhr Nachigall verbunden mit der Krönung ganz rechts? Und welche Rolle spielt Angelika aus Winseln an der Lue?

Und dann, wenn man anfängt zu versuchen, das zu deuten, kommt man halt nicht so rasend weit. Weil das ist natürlich alles sehr vergnüglich und sehr, sehr, sehr insiderig. Nee, aber ich finde, das ist doch so die Evolution, die Evolution des Menschen. Ja, so ein bisschen auch, so ein bisschen, wo so ein bisschen, du siehst ja bei den ersten Figuren, der eine hat sogar, 1490 hat sogar so eine ganz böse Beule auf dem Kopf, die sind irgendwie schlecht drauf.

Die sind irgendwie schlecht drauf und ich glaube aus der Ur-Nachigall, interessanterweise das Nachigall, das ist das T, also das, was in Winsen an der Luhe zu viel ist, ist in der Nachigall zu wenig. Aber aus der Nachigall kommen ja irgendwelche schwarzen Punkte geflogen in diese anderen. Am Möben und Kokosnüsse. Was immer da auch ist, 0190 vor Christi ist natürlich auch witzig, weil das war wahrscheinlich in der Zeit 0190 diese Nummer, die man anrufen konnte.

So, die waren schlecht drauf. Und dann dreht sich das Ganze 1973 mit sozusagen dem Auftauchen dieser Figur aus. Mit dem Joint in Hamburg und findet seine Vollendung 2009 in diesem Mann mit dem Hut. Und auf einmal ist alles gut und es ist so gut, dass sozusagen die Menschen, ihn auch anhimmeln, fast schon wie so ein Messias, das ist ein bisschen übertrieben, aber um dem Ganzen nicht eine zu große Flughöhe zu geben, ist es eben Angelika aus Winseln an der Lue.

So, da steckt doch irgendwie alles drin. Ich finde, es steckt viel Vergnügen drin und ein großer Bestandteil an Albernheit. Das ist jetzt übrigens nicht nachteilig gemeint. Kenner meiner Vorlieben wissen, dass ich alberne Kunst sehr zu schätzen weiß. Also ich mag Dinge, die absurd sind. Ich habe ja immer noch in meiner Liste, ich möchte mal eine Ausstellung machen, die hat den Arbeitsnamen Funny Exhibition.

Das war mein Humor und ich weiß nicht, wie viele Leute das dann lustig finden werden. Also das würde wahrscheinlich nicht so in die Funny Exhibition, weil es ist tatsächlich, es ist halt schon lauter, da sind schon mal Insider, aber du hast natürlich recht, diese unglücklichen Amöben oder Post-Amöben, die werden erst, aber der einzig Glückliche da drin ist ja schon der Udo, also das, und die Angelika.

Ja, aber Angelika auch wieder, die dann sozusagen wieder gebrochen wird mit diesem Auswinseln an der Lur, dieses Winselnde, ich finde das Stick schon, das ist auch witzig, aber ich weiß ja auch, dass dieser sehr offensive Witz führt immer dazu, dass Kunstkritiker sagen, oh. Nein, also es ist ja auch selbstironisch und trotzdem, es ist ja auch nicht erklärlich, wenn man nicht weiß, was für ein Typ da 2009... Es ist ja auch selbstironisch, sich mit einem Arm zu malen, der aussieht wie mein Oberschenkel.

Also nicht mal wie der Oberschenkel von Arnold Schwarzenegger. Also vielleicht stoßen wir mal vor zu dem Bild, was Udo Lindenberg von sich selber gibt. Ich habe ja dadurch, dass ich nicht viel... Bevor ich nach Hamburg kam, habe ich mich nicht so rasend viel um Udo Lindenberg gekümmert. Und als ich dann herkam, fand ich aber sehr interessant ein paar Dinge.

Ich kenne ihn eigentlich nur als ein Mensch mit Schlapphut und Sonnenbrille. Ich war dann total verdutzt, frühere Bilder zu sehen. Irgendwann hat er sich gestylt auf dieses. Und dann fragt man sich natürlich, was ist der Hintergrund von so einer Sonnenbrille? Dann fällt einem ein zweiter Hamburger ein, der Sonnenbrille quasi ein Markenzeichen gemacht hat und Hut und dazu noch heftig Kragen. Das ist Karl Lagerfeld. Genau, Karl Lagerfeld.

Dass mir der Name nicht eingefallen ist. Und dann denkt man, okay, das ist eine Hamburger Eigenart. Die knallen sich hier Sonnenbrillen auf die Nase und eine Mütze drüber. Dahinter steckt aber natürlich ein künstlerisches Stilempfinden. Es gibt ja auch viele Künstler, die sich als Figur stylen. Jetzt wird es übrigens interessant. Ich finde natürlich die Idee, dass man als Mensch ein Gesamtkunstwerk ist, total interessant.

Da würde ich sagen, ist Udo Lindenberg ungeschlagene Spitze. Das versuchen viele bildende Künstler nachzumachen, dass sie eben sich selber zum Kunstwerk deklarieren. Das kriegt er sehr mühelos hin. Das mit der Sonnenbrille, ich habe ihn das mal gefragt, warum er immer diese Sonnenbrille trägt, auch in geschlossenen Räumen.

Es ist, glaube ich, erstens ein Markenzeichen und zweitens hat er gesagt. Die Menschen halten es nicht aus, wenn sie mir direkt in die Augen und damit in meine Seele sehen. Er hat ja die Brille so abgenommen, hat mich so angeguckt und da ist was dran. Wenn Udo Lindenberg mit diesen Augen dich so anguckt, dann wünschst du dir, dass er die Sonnenbrille wieder aufsetzt.

Und zwar nicht, weil es unangenehm ist, sondern es ist wirklich sehr tief. Also ich glaube, er hat das dann so erklärt, das ist zu eurem Schutz vor mir. Ich kann das nachvollziehen. Als Vivian mich eingeführt hat im Atlantik, hat er die Brille nicht aufgehabt und ich erschrak. Das hat fast das Gefühl, dass ich einem nackten Menschen begegne.

Und wir haben uns super normal unterhalten. Es gehört ja auch dieser Sprachduktus, dieses leicht nuschelige. Das ist schon irgendwo angelegter. Wir haben uns quasi uniformlos unterhalten, was sehr interessant war. Darüber unterhalten wir uns, lieber Alexander, in der nächsten Folge. Die Zeit, da siehst du mal, wie schnell die Zeit umgeht, wenn man das Bild beschreibt.

Ich sage dir auf jeden Fall schon mal, das war sehr schön. Ich freue mich auf die nächsten beiden Udo Lindes Termine mit dir. Ich bin gespannt auf das nächste Bild. Vielen Dank fürs Zuhören. Tschüss. Ein, Podcast von Funke.

0:00 / 0:00