Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 329

Lass‘ mal die Köpfe zusammenstecken

Samstag, 1. August 2026 · 26 min

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Shownotes

Ein Blick, zwei Welten und die Frage: Was macht diese Ehe eigentlich aus? In einer neuen Folge unseres Kunstpodcasts „Ich sehe was, was du nicht siehst“ knöpfen sich Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider ein echtes Meisterwerk der Körperwahrnehmung vor. Im Fokus steht heute das Gemälde „Ehepaar“ (2001) von der legendären österreichischen Künstlerin Maria Lassnig.
Zwei Menschen, eine Leinwand und jede Menge Raum für Interpretation. Was sehen der Kunstexperte und der Journalist in Lassnigs radikalen, schonungslosen Pinselstrichen? Hören Sie rein und erfahren Sie, warum dieses Bild so viel mehr zeigt, als das Auge auf den ersten Blick erfasst!

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„Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts wurden von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und verfasst. Der Teaser wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) generiert.

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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Heider und mir gegenüber sitzt der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alexander Klar. Hallo. Lieber Alexander. Und ich freue mich über das Bild, was du mir heute mitgebracht hast.

Weil ich das Gefühl habe, ich weiß, wer es gemalt hat. Ha! Und das zeigt doch schon... Du gibst deinen Laienstatus auf. Sehr gut. Das zeigt doch schon eine gewisse Schulung durch dich und auch ein bisschen, dass du was gelernt hast. Ich würde nämlich sagen, es ist von Maria Lassnig. Volltreffer. Volltreffer. Und man erkennt das daran, das ist ein schönes Bild.

Ich beschreibe es wie immer. Übrigens, das ist ganz interessant für alle die, die sich fragen, warum beschreibt der Haider immer die Bilder und der Klar nicht? In drei Wochen drehen wir das um. Da machen wir, das kann ich schon mal anteasern. In drei Wochen machen wir ein Drei-Wochen-Spezial, worauf ich seit sieben Jahren arbeite in diesem Podcast.

Wir besprechen, freut euch drauf, Bilder von einem Künstler, der nicht in der Kunsthalle und ich würde vielleicht sogar sagen, noch nicht in der Kunsthalle. Du lehnst dich so weit aus dem Fenster. Udo Lindenberg. Und dann wird es nämlich so sein, ich habe drei Bilder ausgesucht von Udo Lindenberg und Alexander Klar wird diese drei Bilder dann beschreiben.

Wir haben das Ganze, erzählen wir dann, aber das freut euch drauf. Jetzt aber, Maria Lasnik, man sieht, und das ist ganz schön, auf einem querformatigen, auf einem rechteckigen Bild. Das ist schnell beschrieben. Man sieht einen Mann und eine Frau, die die Köpfe zusammenstecken und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Links ist der Mann, hat ein bisschen hohe Stirn, trägt so ein weit ausgeschnittenes Hemd, so ein bisschen in so einem Freizeitsommer-Look. Rechts ist die Frau, die die Haare hochgesteckt hat, so ein bisschen wie Frauen das oft machen, jetzt vorsichtig, was ich sage, wenn man sagt, okay, die sitzen vielleicht gerade nicht so richtig die Haare, ich müsste sie gleich mal waschen oder ich bin gerade aufgestanden.

Die Frau hat nur. So ein trägerloses Oberteil an, in dem sich interessanterweise auch die Brüste relativ deutlich abzeichnen. Also es ist so ein Viertel nackt, würde ich sagen. Und die beiden hauen halt mit den Köpfen aneinander. Also jetzt nicht mit vollem Schwung, sondern Stirn an Stirn. So als würden sie sich gegenseitig wegschieben wollen.

Man sieht nur den Oberkörper, der ist bei dem Mann radikal abgeschnitten. Bei der Frau sind noch so der Schoß und die Ansätze des Oberschenkels angedeutet. Auch der Arm von ihr ist abgeschnitten. Beim Mann sieht man die Arme quasi nicht. Die Frau guckt so von oben nach unten. Und das kennt man, wenn man so die Köpfe zusammensteckt.

Da muss man von unten nach oben gucken, sonst sieht man den anderen nicht. Der Mann guckt so ein bisschen schüchtern auf den Boden, als hätte er was ausgefressen, ist es aber gar nicht. Dieses klassische Bild, ich finde, andersrum, ich kann mir wenig Bilder vorstellen und kenne auch wenige Bilder, die das Verhältnis eines Ehepaares oder eines Paares so gut ausdrücken können.

Das ist einerseits diese Vertrautheit, man kommt sich sehr nahe, man ist irgendwie zusammen, man ist eng beieinander, auch wenn jetzt man vielleicht gerade erst aufgestanden ist. Das andere ist natürlich dieses permanente Rangeln und. Um Themen kämpfen, um die Macht in der Beziehung kämpfen. Da ist dieses Kopf an Kopf.

Aber für mich ist es trotzdem dieses Beispiel, egal was kommt, wir beide gehen durch dick und dünn. Interessant ist, dass die Berührung am Kopf stattfindet, weil das ja ein Paar ist, sonst würde ja die Berührung irgendwie am Körper stattfinden oder inniger sein. Und hier berühren sich nur die beiden Stirns.

Stirne. Stirne. Sagt man die Stirne? Ja, die Stirne. Und nach unten hin ist der Abstand, der Körper wird immer größer. Das führt dazu, dass in der Mitte des Bildes so eine Art, das ist natürlich, kein Dreieck, aber so ein sehr großer Freiraum entsteht. Interessant auch, finde ich, dass der Ausdruck der Frau ist der Aktivere, so ein bisschen auch der Aggressivere, während der Mann so eigentlich ganz verliebt und in sich gekehrt und ruhig wirkt.

Ich weiß nicht, ob es einen Streit symbolisieren soll, für mich ist es kein Streit, für mich ist es sozusagen der Inbegriff, so ist das mit Paaren, insbesondere wenn sie lange zusammen sind. Und was ich bei weiterem Hingucken interessant finde, ist, wie stark abgeschnitten, dieser Arm dieser Frau ist.

Also der rechte Arm, den gibt es gar nicht, als ob der gar nicht vorhanden ist. Und der linke Arm ist wie amputiert, weil das Bild da endet. Also Maria Lasnik und ihr Bild von einem Paar. Jetzt muss ich dich natürlich noch ein bisschen rausfordern, nachdem du jetzt schon so hoch eingestiegen bist. Die Frage in der Zwischenprüfung bei Kunstgeschichte, Ken, ja gut erkannt.

Und jetzt sagen Sie noch ganz kurz, was ist denn hier besonders Maria Lassnick-haft in dem Bild, das Sie da sehen? Damit kann man als Kunstgeschichtsstudierender gekillt werden. Für mich war es dieses, ich erinnerte an ein anderes Bild, was so ähnlich war, wo der Hintergrund auch weitestgehend frei war.

Und einfach nur so, ist ja nicht strichartig, aber sozusagen einfach plötzlich dann so aus dem Nichts so zwei Figuren auftauchen. Und dann ist es diese Farbgebung, diese Art zu malen. Die Frau hat zum Beispiel rote, blaue, grüne Haare, der Mann auch. Es sind keine natürlichen Farben, aber es ist diese Art zu malen, die mich sofort an Maria Lassnick erinnert, aber auch das Weglassen von vielen Dingen.

Ich habe ja gesagt, die beiden sind mit der Stirn aneinander und in der Mitte bilden die Körper so eine freie Fläche. Und in der Mitte ist so, als ob sie sich da vermalt hätte. Da ist so ein gelber Strich und so ein paar blaue Striche, wo man denkt, bin ich abgerutscht mit dem Pinsel? Und man denkt, hätte man das jetzt nicht noch wegmachen müssen, aber anscheinend soll das so sein.

Es kommt ja so ein bisschen aus der Schulter, als wäre es die Andeutung eines Versuches, den rechten Arm auch noch zu machen, aber dann davon abgesehen. Aber das wäre ein sehr misslungener rechter Arm. Aber man hätte es ja übermalen können, hat sie offensichtlich nicht. Also sehr schön. Ich gebe dir ein bisschen Instrumentarium an der Hand für alle Hörerinnen und Hörer.

Kunstgeschichte ist total easy. Bei einem Gemälde gibt es zwei Dinge, die man gern zuerst betrachtet, die persönlich sein können. Das eine ist Komposition. Das heißt also, wie ist das Bild angelegt? Hat viel mit Linienführung zu tun. Und das andere ist Farbgebung. Und du hast ja schon sehr richtig gesagt, also die Farbgebung deutet sehr auf Maria Lassnick hin.

Das sind diese sehr starkfarbige Gegenüberstellung von Komplementärfarben, die Nutzung von Farbe, die vielleicht farblich nicht an die Stelle, also das blaue Haar zum Beispiel, aber das Inkarnat, also die Fleischfarben sind ja schon Fleischfarben. Und dann würde ich bei Maria Lassnig sagen, tatsächlich, was du auch gesagt hast, der weiß gelassene Hintergrund. Die beiden, diese Figuren sind sehr.

Wie soll man sagen, auch großflächig in den Bild, so in den Vordergrund gerückt. Das nächste Maria Lassnig, stelle ich gesagt, der Humor. Denn was die beiden machen, ist ja etwas, was so ein bisschen, das kennt man eigentlich so von Ziegenböcken, oder? Die messen sich so. Normale Menschen lassen das bleiben. außer, also ich weiß nicht, wie oft du mit deiner Frau Stirn an Stirn gewesen bist.

Ich glaube, gar nicht so oft, oder? Oder macht ihr das? Nein, aber sozusagen, Das ist ja nur ein Symbol dafür, aber natürlich, es ist nur ein Symbol, aber natürlich, diese Situation kennt man schon. Genau, dass man sich streitet, aber nicht nicht tödlich, sondern er gibt ja nun wirklich fast schon wieder aus, die ganze Mimik sagt, okay, okay, okay, das muss gar nicht sein und sie sagt, jetzt gib es zu, dass du nicht.

Interessant auch, dass ihre Bekleidung legt da so ein bisschen was Rüstunghaftes nach. Das ist so schimmernd, metallisch vielleicht. Meine erste Assoziation ist so ein bisschen was Walkürenhaftes, eine Kämpfernatur. Die Walküren sind ja auch Frauen, deren Brustpanzer nur das Nötigste bedeckt in den meisten Bildern. Wobei wir ja nicht wissen, wie die Walküren wirklich angezogen waren.

Aber das, was sie trägt, hat schon ein bisschen was, also das Körper betont, aber eben auch legt was Festes nahe. Er ist ja so im Freizeitlook, sehr leger, das heißt also, er ist in Zivil und sie ist in Uniform, das unterstützt natürlich, dass sie mit mehr Nachdruck hier in die Sache reingeht. Und was ich wirklich fantastisch finde, ist dieses Bild, das gibt es vielleicht so nicht, aber man weiß sofort, man hat, wie du beschrieben hast, man hat das Gefühl, so ist das, wenn man in Beziehung ist, also ob das jetzt Paar oder wie auch immer.

Hier ist viel Innigkeit, also der Maria Lassnig, gelingt es, sowohl Aggression als auch Innigkeit in ein Bild zu zaubern. Oder Aggression, also jedenfalls Kampfeslust. Und es ist ja, habe ich das nicht richtig in Erinnerung, dass Maria Lassnig auch immer eine Vorkämpferin war für die Frauen. Ja. Deshalb ist die Frau auch die...

Jedenfalls eine selbstbewusste Mannerin. Ja, deshalb ist die Frau auch die vielleicht die Aktivere, du sagst Aggressivere. Aber so, es ist... Ich glaube, viele werden sich in diesem Bild, wenn sie dieses Bild angucken, werden ihre eigene Beziehung in diesem Bild wiederfinden. Wie heißt das Bild eigentlich?

Ehepaar. Und das ist aus dem Jahr 2001. Das hätte ich auch noch sagen können. Ehepaar. Ehepaar von 2001. Und das passt doch, weil das glaube ich so, diese Ehepaare ist doch genau das. Das ist große Liebe, aber auch oft großer Kampffläche. Reibungsfläche und irgendwie, und ich glaube auch, so vielleicht fühlte ich mich da deshalb da wohl in diesem Bild oder wohl, das ist falsch, aber wiedererkannt, weil es ist glaube ich, zumindest bei mir ist es oft so, dass glaube ich, ich meiner Frau mehr Anlass gebe, sich über mich aufzuregen als umgekehrt.

Vielleicht ist es aber auch so, dass ich mich nicht so schnell aufrege. Und das ist ja auch da, nach dem Motto, was hat er jetzt schon wieder gemacht? Irgendwie liebe ich ihn ja, aber irgendwie muss ich mir jetzt doch mal, Achtung, die Stirn bieten. Richtig, genau. Die Stirn bieten, das ist das Bild für die Stirn bieten.

Das finde ich interessant, was ja vielleicht man sofort versteht und dann auch an die Böcke denkt. Übrigens auffällig ist, das sind ja schon sehr porträthafte Züge. Also er ist sehr präzise gemalt. Man kann sich gut vorstellen, dass sie hier gemalt hat nach einer Bildvorlage oder nach der Natur. Und bei ihr eigentlich genauso. Sie hat so eine Stupsnase, die mir sehr.

Ich glaube, das sind zwei wirkliche Menschen. Wahrscheinlich aus ihrem Freundeskreis, der das natürlich eine Art Leute darzustellen, die sollte man nur mit Leuten machen, die man gut kennt und sehr mag. Und also jetzt, ich glaube, die Stärke dieses Bildes ist, du kommst in den Raum und es ist erstmal sehr da.

Das ist ja auch, das ist ja im Wettbewerb mit vielen Bildern, die in der Ausstellung hängen gerade und dieses Bild sieht man sofort. Es schält sich so raus, weil es ungewöhnlich ist, die Anordnung dieser beiden Körper, die da so monumental gegeneinander aufgeführt sind. Es hat was, was Intimes, es hat was, was aus dem täglichen Leben geschnitten ist, es hat aber eben auch etwas, was für alle Zeiten gilt. Ich glaube, solche Streitereien wird schon immer gegeben haben.

Und weil du das gesagt hast, mit der selbstbewussten Frau, also mit der Frau, die, also Maria Lasnik hat ja abgelehnt, irgendwie als Feministin gelten zu wollen, die, wiewohl sie, glaube ich, alles erfüllt hat, was alle Boxen ticken, wäre sie Feministin avant la lettre. Ich glaube, was sie eingefordert ist, dass man gar nicht Feministin sein muss, um eine selbstbewusste Frau sein zu dürfen.

Und hier, dieses Bild ist jedenfalls weit entfernt von Rollenklischees der Geschlechter. Und ich würde sagen, das Besondere an diesem Bild, abgesehen davon, dass man, wenn man was von Maria Lassnick gesehen hat, sagt, das ist doch dieselbe Malerin, ist, dass sie wirklich dieses Gefühl, was viele Menschen haben, die in einer Ehe leben, auf den Punkt bringt. Ja.

Du siehst es und denkst, ohne es zu beschreiben. Da war ich auch schon mal. Es ist ja permanent und das ist ja trotzdem, dieses einander die Stirn bieten ist ja trotzdem liebevoll, weil man sich stellt sich dann vor, ist da vielleicht der Moment, dass man sich die Stirn bietet, aber im nächsten Moment finden dann die Körper dann doch wieder zusammen und man berührt sich dann nicht nur um der Stirn, sondern mit auch den anderen Körperteilen.

Ist ja kein Streit da, aber es ist schon so dieses... Wie oft kann man das, dass eine Frau gerade zum Mann sagt, so komm Junge, jetzt so, ist gut. Also von jetzt räumt die Spülmaschine aus bis lass dich nicht so hängen, ist nicht so schlimm. Wobei ich ganz interessant finde, wie sowohl er als auch sie durchaus deutliche Attribute ihres jeweiligen Geschlechtes tragen.

Also sie eben tatsächlich diese körpergeformte Bekleidung, eher diesen typisch männlichen Haaransatz, den ich noch nie bei einer Frau gesehen habe, wo die Haare einfach nach hinten langsam wegwandern. Finde ich, dass aber diese Geschlechtersache gar nicht so eine große Rolle spielt. Und das erinnert mich an einen Satz meiner Mutter, die mich irgendwann, als ich Teenager war, furchtbar erschreckt hat, weil sie gesagt hat, das mag jetzt sein, dass für dich Geschlechter eine große Rolle spielen.

Wenn du mal über 60 bist, wird das aufhören, denn Mann und Frau nähern sich im Alter an. Damals fragte ich mich, was sie meint. Du musst dich natürlich nur umgucken. Als Mann wirst du, das hat, glaube ich, mit Hormonen und so zu tun, du wirst als Mann in Anführungszeichen weiblicher. Du kriegst Rundungen als Mann. Bisschen zu sowas wie Brüsten.

Du verlierst die deutlicheren Merkmale deines Geschlechts. Es gibt natürlich auch sehr kernige Männer und es gibt auch sehr frauliche Frauen. Und trotzdem ist es so, ich glaube, in der Haupttendenz gleichen sich die Geschlechter im Alter an, werden Einser. Das finde ich auch ganz lustig. Meine Großeltern, die bestimmt auch sehr.

Beide Großeltern waren sehr männlich und weiblich, wie das in ihrer Zeit sich gehörte. Und im Alter haben die sich aber nicht optisch angeglichen, aber von der Wesensart. Also die Stimme meines Großvaters wurde höher, die meiner Großmutter tiefer. Und die waren so eine Einheit. Da habe ich gedacht, passiert das, wenn man lang genug ist, wird man dann entgeschlechtlicht. Mir ist das interessanterweise aufgefallen, das betrifft, glaube ich, nicht nur Paare, das betrifft, glaube ich, auch Arbeitszusammenhänge.

Ich traf neulich auf jemanden, der auch in einer Redaktion einer großen Zeitung zusammenarbeitet. Arbeitet mit einem sehr bekannten Chefredakteur. Und schon sehr lange mit diesem Chefredakteur auch zusammenarbeitet. Und hatte kurz vorher einen Podcast mit ebenfalls jemandem aus dieser Redaktion, der ebenfalls sehr lange mit diesem Chefredakteur zusammenarbeitet.

Und habe mich dann gedacht, komisch, was ist, irgendwas fällt dir doch auf. Und was war? Die hatten den gleichen Sprachduktus. Die waren offensichtlich, das ist glaube ich tatsächlich so, wenn du lange genug mit Menschen zusammen bist und diese Menschen dich auch irgendwie beeindrucken, dann übernimmst du Dinge von denen. Das ist in der Ehe wahrscheinlich automatisch so der Fall.

Das ist aber auch in beruflichem Zusammenhängen. Anderes Beispiel, erinnerst du dich noch, als Kai Diekmann damals Chefrektor der Bild-Zeitung war und eine Zeit lang ins Silicon Valley ging und dort im Silicon Valley sich einen Bart wachsen ließ und nur noch Sneaker trug. Hat er nicht seine ganze Redaktion mitgenommen da? So genau.

Nein, aber als er wieder kam, zurückkam nach Berlin, Nein, war er. Aber trugen auf einmal ganz viele Sneaker und hatten ganz viele einen Bart. Also man nähert sich dann, man nähert sich an in so einer Beziehung. Insbesondere deshalb, das ist ja auch ein Kompliment, wenn man etwas an dem anderen schätzt. Ich würde dich noch was anderes fragen, weil ich das interessant finde, ähm.

Nämlich die Frage ist, inwieweit man für solche Bilder oder auch inwieweit man, für andere Kunstwerke eigentlich tatsächlich existierende Menschen benutzt. Ich will jetzt sagen, warum mich das gerade beschäftigt. Ich sitze mal wieder an einem neuen Roman und bin jetzt dabei, mir die Personen zu überlegen und habe halt festgestellt, dass ich immer eigentlich Personen beschreibe, die es in meinem direkten Umfeld gibt.

Die heißen dann in dem Roman anders, aber die sehen so aus, die Eigenschaften und so weiter. Ich finde beim Roman ist es nicht so schlimm, weil am Ende kann das dann doch jeder sein. Aber wenn sie sich hier Leute aus ihrem Umfeld nimmt, die werden sich dann doch erkannt haben. Die werden sich erkannt haben. Muss man die dann nicht vorher fragen und sagen, ich mal das jetzt?

Du wirst sehen, der sieht so aus wie du. Ich kenne den Hintergrund des Werdens dieses Bildes nicht, aber die hatte einen großen Freundeskreis gehabt, der auch teilweise berühmt war. Ich erkenne die beiden Leute nicht, vielleicht würde jeder Österreicher sich totlassen, weil die möglicherweise sogar bekannt sind. Vielleicht ist es ein bekanntes Ehepaar.

Ich kann mir vieles vorstellen. Es kann auch natürlich sein, dass das wäre vielleicht im 19. Jahrhundert so gewesen, dass die in ihrer Rolle dargestellt wurden. Keine Ahnung, zwei berühmte Schauspieler. Wir haben ja von Slefo den Dandrade, der da den Don Giovanni gibt. Ich glaube aber eher hier, dass es ein Ehepaar wahlweise das gesagt hat, das freuen wir uns mal mal, so mal uns typisch. Oder aber die kannten sich und sie sagte, ich muss euch mal, darf ich euch.

Da hier kein Name genannt ist, vermute ich mal, ist eher Letzteres der Fall, dass sie gesagt hat, ich will diese Typologie von Geschlechterbeziehung, von Paarbeziehung oder diesen Moment, der immer wieder auftritt, malen. Und warum sollten die was dagegen haben? Wir wissen ja nicht, wer sie sind und wenn sie es wollten, dass man es weiß, wer ist im Titel gelandet und insofern, und sie werden auch nicht desavouiert, oder?

Ich finde das immer die Frage heute, wenn du heute jemanden fotografierst, gegen seinen Willen und das veröffentlicht, kannst du ganz schön Ärger kriegen. Ich weiß nicht, und das ist ja jetzt auch nicht, das ist 2001, das ist ja nicht vor 200 Jahren gewesen. Und vielleicht fühlt man sich auch geehrt und denkt, oh, die hat mich, ich weiß nicht, ich bin mal.

Ich habe mal einen, habe ich glaube ich schon mal erzählt, ich hatte mal einen Podcast mit Klaus-Peter Wolf, dem Krimi-Schriftsteller, dessen Bücher aus Friesenkrimis ich sehr gerne lese und irgendwie anderthalb Jahre später lese ich seinen neuesten aus Friesenkrimi und plötzlich komme ich da selber dann vor.

Traf Lars Heider, den Chefrektor des Hamburger Abendblatts und dann dachte ich mir, wie cool. Ich weiß gar nicht, wahrscheinlich hat er mich auch gefragt. Hat er, glaube ich, nicht. Hat er beim ersten Mal nicht. Aber du bist eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, deswegen kannst du da nicht gegen was haben.

Aber das fand ich, eigentlich fühlte man sich dann ja geehrt und vielleicht, Fühlt man sich hier auch gerne. Erklär nochmal bei Maria Lasnik, warum sie dann einerseits die Gesichter und die Konturen und auch die Farben dann zu einem Teil sehr, sehr präzise ausmalt und dann plötzlich aufhört. Plötzlich enden diese Figuren im Nichts. Weil das natürlich die Komposition wahnsinnig interessant macht.

Also alles, was nicht da ist und angedeutet ist, muss ja im Kopf verlängert werden. Das ist übrigens ein Prinzip, was so alt ist, was 500 Jahre alt ist. Es gibt diese berühmten Sklaven von Michelangelo, der seine Steine angefangen hat zu hauen und sie dann in einem Zustand gelassen hat, von dem wir relativ genau wissen, dass er sie sehr bewusst da gelassen hat und nicht, weil irgendwie ihm der Meißel entfallen ist.

Und das Kunsthistorische, der Terminus technicus dafür heißt non finito. Non finito, unvollendet. Ist fast schon mythisch. Man könnte mal eine Ausstellung über non finito machen, übrigens auch in der Musik. Es gibt ja von Schubert die Unvollendete, die es nur in zwei Sätzen gibt. Aber die ist sowas von vollendet, diese Unvollendete. Man kann sich gar nicht vorstellen, das wäre total dämlich, wenn da noch zwei Sätze dazukämen, wie sich es gehört. Aber das ist interessant.

Kann ein Kunstwerk eigentlich unvollendet sein? Weil in dem Moment, wo der Maler oder der Künstler aufhört, ist es ja vollendet. Ja, das ist wie, wie war das die vergangene Woche und die letzte Woche? Also abgeschlossen ist ein Kunstwerk in dem Moment, wo der Künstler nicht mehr dran weiter gemacht hat oder dran weitermachen kann.

Es gibt ja auch Künstler, die manche Dinge aufgreifen nach langer, langer Zeit. Auch hier wieder eine musikalische Analogie. Der junge Mendelssohn komponiert eine geniale Overtüre zum Sommernachtstraum und wagt sich dann als reifer Komponist an den Rest. Und natürlich er wurde berühmt mit diesem Ding und da musste er sich an sich selber messen, das ist schon ziemlich hart.

Und das ist ja auch bei vielen Kunstwerken so, manche Sachen lagern im Atelier, weil irgendwann mal ein Ende gefunden und der oder die Künstlerin kam nicht weiter. Bei Maria Lassnig würde ich sagen, dieses in der Mitte da so angedeutete Ding, das ist das, was dieses Bild tatsächlich anfängt, richtig noch interessanter zu machen.

Es sind ja teilweise sehr ausgearbeitete Partien, also die Silhouette, die Stirnen, die da aneinanderstoßen, auch die Farbe, wie so ein Druck, wie so eine Wärmebildkammer. An dem Punkt, wo die beiden Stirnen aufeinandertreffen, ist sozusagen die Haut auf der Hitze. Wird es ganz rot, ne? Dann aber ihre Fleischfarbe ist super interessant, die ist nämlich eher so ins Gelbliche spielen, gelblich-violett, eine fantastische Farbmischung.

Toll ausgearbeitet, auch so mal modelliert ist der Körper, dann eben tatsächlich auch das Oberteil, dieses Büstier, was sie trägt. Und bei ihm lässt sich das Hemd, die Materialität des Hemdes da, die so sehr leicht ist, wird angedeutet. Ein schönes Hemd übrigens. Genau, ein sommerliches, schönes Hemd.

Die Farben entsprechen sich, also ihr Oberbekleidungsteil und sein Oberbekleidungsteil sind beide in Blau, aber in unterschiedlichem, seins leichter, ihres schwerer. Also das ist alles wirklich, glaube ich, Nein, wirklich genau komponiert. Auch die Farbskala ist ja, da ist viel Gelb, viel Blau und Rot drin.

Und dann endet es schon Grün, so Grünandeutungen. Und es ist also kein Schwarz. Auch die Töne selber sind immer so ein bisschen matt und werden dann aber an manchen Stellen richtig glühend. Also dieses Bild ist voll ausgereift. Kein Mensch würde dafür stehen und sagen, oh, ist nicht fertig geworden. Und obwohl da in der Mitte, wie du schon festgestellt hast, irgendwas ist, was was sein kann, ist ja auch lustig, das kommt aus der Schulter raus und endet dann in so einer Art blauen Fingerhaken, der aber viel zu groß wäre, also es macht keinen Sinn, dass ihr Arm da links ist, es ist aber etwas zwischen ihnen, das ist ja auch wieder, wie sich die Stirn bieten und etwas ist zwischen einem, ist in diesem Bild beides bildlich angelegt.

Kann es aber auch sein, dass Maria Lasnik, weil sie so malt, wie sie malt, sagt, ist egal. Bei mir ist es gar nicht wichtig, ob da irgendwie was angedeutet ist, ob da irgendwie noch ein Strich ist, sondern das gehört ja zu meinem Stil, weil auch die Frau läuft ja nach unten so aus. Dieses Oberteil endet ja in so zwei blauen Strichen.

Das Bild ist vollendet, weswegen wir sagen, das ist alles bewusst so gewählt. Ich könnte mir vorstellen, dass die Art zu arbeiten ist, dass sie erstmal die Umrisslinien in gelb gemacht hat. Und das hier ist eine Umrisslinie, die hat sie nicht weiterverfolgt, weil sie dachte, nee, das wird so nicht funktionieren. Das passt mir nicht.

Aber wegmachen ist keine Option, weil das ist ja an und für sich schon ein schöner Strich. Den wollen wir jetzt, der hat seine Daseinsberechtigung. Das eine Blaue sieht aus wie so ein Mini-Salamander oder so. Aber ich finde, es passt. Also bei anderen Bildern würde es nicht passen. Hier passt es. Nee, das Bild ist komplett. Es ist vollständig. Wir haben nichts daran zu meckern.

Im Gegenteil, wir sind begeistert. Es ist auch die unten, wie das so ausläuft. Sein Arm ist schon quasi nicht mehr ausgemalt, so wie ihr, ihre Hose oder ihr Rock unten nicht ausgemalt ist. Also das Bild, alles ist irgendwie richtig. Die beiden Körper sind modelliert. Die Kleidung ist in ihrer Haptik definiert.

Man weiß ja auch nicht, wahrscheinlich sitzen sie sich gegenüber. Ich glaube, im Stehen wird das schwierig. Denn die sitzen, ne? Die sitzen. Vielleicht sitzt jeder so, wie es manchmal auch so ist, rechts und links, so getrennte Betten morgens am Aufstehen. Der eine sitzt auf seiner Bettkante, der andere sitzt auf seiner Bettkante und dann gehen sie die Köpfe zusammen zur Begrüßung am Morgenschatz.

Vielleicht, weil das sind ja schon, aber stopp, das könnten durchaus beides. Was Sian hat, ist so ein klassisches, könnte auch so ein klassisches Nachthemd sein. Und was er anhat, warum, naja, man würde mit so einem Kragen, aber warum noch nicht? Doch, geht auch. Schlafanzug. Es ist am Morgen, sie sind aufgewacht und sagen, wie war deine Nacht und dann, checkt man so vertrauensvoll. Ein Ritual.

Vielleicht ist es ein Ritual, wie andere sich ein Küsschen geben, morgens beim Küsschen geben ist ja immer so eine Sache, aber dann vielleicht ist es ein Ritual. Wir sind zurück bei einem sehr intimen Moment, wie aufgeladen der in Richtung, Streit ist, mag man gar nicht festlegen. Viel Streit ist da nicht, oder? Nein, es ist sanfter Streit.

Das ist schon ein, ich finde das insofern auch ein rührendes Bild von einem Paar, was lange zusammen ist und was dann auch irgendwie zusammen. Übrigens, sie stecken die Köpfe zusammen, ist auch noch drin, hallo. Also sie bieten sich die Stirn, kann das eine sein, aber sie stecken die Köpfe zusammen. Hier könnte auch was Gemeinschaftliches produziert werden.

Und er sieht ja total in sich ruhend und fröhlich aus und sie sieht ja auch nicht, sagen wir mal, sie sieht ja nicht unfröhlich aus. Vielleicht eine Spur unglücklich oder nicht ganz glücklich. Ach, vielleicht ist sie auch einfach nur schon, vielleicht hat sie auch einfach keine gute Nacht gehabt. Oder er hat die ganze Nacht, das soll es ja auch gehen, die ganze Nacht geschnarcht. Wir sind schon gleich am Ende. Ein tolles Bild, lieber Alexander.

Nächste Woche geht es weiter. Wir danken allen, die zugehört haben und freuen uns schon auf ein Wiederhören am nächsten Freitag. Bis dahin. Tschüss.

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