
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 333
Goethes Faust und Lindenbergs Werk
Samstag, 29. August 2026 · 26 min
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Shownotes
Einmal die Woche spielen Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider „Ich sehe was, was du nicht siehst“ – und nehmen ein ausgewähltes Kunstwerk genauer unter die Lupe. Heute reisen die beiden tief in die deutsche Literaturgeschichte, allerdings im typischen Lindenberg-Style.
Es geht um das faszinierende Bild „Der Pakt“ von Udo Lindenberg, mit dem sich der Panikrocker auf Goethes Faust bezieht. Wie interpretiert Udo den Deal mit dem Teufel? Welche versteckten Details entdecken der Museumschef und der Chefredakteur in diesem Werk? Und wie viel „Faust“ steckt eigentlich in Udo selbst?
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„Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts wurden von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und verfasst. Der Teaser wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) generiert.
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich Willkommen, mein Name ist Lars Heider und mir gegenüber sitzt wie vor einer Woche wieder im Universum, Universum sag ich schon, Udo-Versum, lieber Alexander, Alexander Klar, die Direktor der Hamburger Kunsthalle.
Wir sind jetzt jede Woche im Udo-Versum und sprechen über Bilder von Udo Lindenberg. Vergangene Woche war das schon sehr schön, einmal zu sehen, wie du ein Bild beschreibst, was ich ja sonst immer tue. Und bevor wir jetzt einsteigen, diese Woche habe ich dir hoffentlich ein Bild mitgebracht. Über das man viel sprechen kann. Ich bin gespannt, was du gerade sagst.
Wir haben darüber gesprochen, du warst bei Udo im Atlantik in seiner... Viele sagen immer in seiner Suite. Hat er dir das auch das Atelier gezeigt? Er hat in die Richtung gewiesen. Also ich weiß, dass da ein Atelier ist. Nee, wir saßen da in dem Eckraum und ich hatte freien Blick auf meinen Arbeitsort und auf die Alster und wir saßen in der großen Sofa-Landschaft.
Das war auch, so eine Sofa-Landschaft will ich auch haben. Und da hatte ich nicht, also weil das fand ich interessant, er hat mich dann mal mitgenommen durch so einen schmalen Gang. Da kommt man erst in so einen großen Fitnessraum mit so einem riesigen Massagestuhl. Also unglaublich viele Fitnessgeräte. Ich hatte auch mal dann mit seiner Personal Trainerin Kontakt, die dann sagte, Udo Lindenberg sei ungefähr Fitnesszustand eines 40-Jährigen. 90 Sit-Ups hintereinander. Respekt.
Und dann geht es weiter und dann kommt so ein ganz unscheinbarer Raum und da ist ein Atelier und da liegen auch ganz viele Bilder. Die hast du gar nicht gesehen. Ist es sauber? Ist es voller Farbe? Ist es sauber? Alles sehr sauber. Das ist ein gutes Zeichen. Ist das ein gutes Zeichen? Also ich mag Künstler, die nicht diese Messiness vor sich her tragen.
Ich kenne sogar einen Künstler, der nicht ganz im Anzug, aber sehr gut gekleidet malt. Man wird natürlich beim Malen irgendwie dann Nolens Wohlenes ein bisschen, also wenn man sowohl mit Wasserfarben als auch mit Öl malt, kann es schon passieren, dass man dreckig wird. Aber derjenige sagte so schön, also ich kann mich nicht im Schlafanzug dahinsetzen und etwas machen, was Entäußerung meiner tiefsten Gefühle ist. Das fand ich eigentlich sehr schön.
Man kann das so oder so kulten, aber so ein Studio, an dem alles rumsoit, das finde ich nicht gut. Ich fand das sogar sehr aufgeräumt, ehrlich gesagt. Ich hätte gerne natürlich mal gesehen, wenn er dann da so malt. Ich weiß nicht, ob er dann so eine Schürze anhat. Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich hat er die Sonnenbrille und nimmt sie so ab. Wie lange warst du da bei ihm?
Stunde, mehr, eineinhalb Stunden oder sowas. Hat er das Licht angemacht? Ich war ein bisschen irritiert. Es wurde immer dunkler, es wurde aber kein Licht angemacht. Und er hatte ja die Sonnenbrille auf und ich konnte ihn nur noch so schemenhaft erkennen. Also es war nicht untulich dunkel, aber er hatte ja keine Sonnenbrille auf und ich auch nicht. Insofern konnte ich mit Dunkelheit leben.
So, ich bin gespannt. Das Bild, ich habe ein, finde ich, interessantes Bild mitgebracht und ich glaube, darüber lässt sich viel sprechen und ich wünsche dir jetzt viel Freude, dieses Bild zu beschreiben und hoffe, dass du mir niemals so ein Bild mitbringen wirst, wenn wir die Rollen wieder, zurücktauschen, weil es echt komplex zu beschreiben.
Toi, toi, toi. Danke, danke, danke. Also es ist ein hochrechtliches Bild. Ich vermute mal so ein bisschen, ich sehe, es dominieren die Farben gelb und blau und ein bisschen rot ist auch noch mit drin. Ansonsten ist es ein vielfiguriges Bild, ein viel, viel, vielfiguriges. Ich brauche gar nicht anzufangen zu zählen.
Da sind ganze Heerscharen, aber. Im unteren Vordergrund ist eine rote Figur, ein kraftvoller, roter, gehörmter Mensch. Mann kann ich nicht sagen, weil die Attribute des Mannes fehlen ein bisschen zwischen seinen Beinen, ist nicht erkennbar, was da sein könnte. Also offensichtlich der Teufel mit einem Oberarm, wie letzte Woche Udo Lindenberg schon hatte.
Er ist fröhlich und zeigt nach oben und genau in der Verlängerung seines Zeigefingers schießt so etwas Rotes in den blauen Himmel. Er blickt auf einen Menschen, der ganz im Vordergrund links ist und aus dem Bild läuft, die Hand nach vorne. Dieser Mensch guckt eher stern, ernst oder missmutig. Das Volk im Hintergrund scheint vergnügt zu sein mehrheitlich und schaut auf beide. Es ist wie so ein Publikum, was da sitzt. Es ist ein bisschen...
Komisch angeordnet, also kein Amphitheater, aber vielleicht irgendwie ein undefinierter Raum. Vielleicht fliegen die auch, es sind vielleicht die, mein Gott, das ist wie die Heerscharen in so einem Tympanon in Burgund, wo die Weltuntergang, ah, das ist natürlich, die Romanik kennt das Weltuntergangstympanon, da sind dann die Seelen, die gepeinigten und die glücklichen Seelen nach oben gehen, links und rechts.
Also, aber es findet wieder ein, da ist auch was im Bild, was offensichtlich zum Inventar immer bei Udo Lindbergh gehört, nämlich Likörgläser, die da gelüpft werden. Mindestens zwei, drei, vier, mit was Rotem gefüllt. Likör sage ich jetzt, weil ich das irgendwie mit ihm verbinde, wegen der Likorelle, von denen ich weiß.
Der Raum ist nicht definiert, ist fantastisch, es ist irgendwie, es ist so ein, es ist ein... Ein Ort, ein Ort und es hat ein bisschen was, es changiert wirklich zwischen, so einer Weltuntergangsszene in Fröhlich. Also könnte auch die Illustration zu einem Witz, der irgendjemand kommt in den Himmel oder die Hölle.
Und dieser lustige Teufel marschiert nach rechts aus dem Bild und der, nicht so glücklich guckende Mensch läuft nach links. Habe ich irgendwas übersehen? Ich finde das Bild super und vor allem, jetzt muss man mal sagen, ich hasse es über Technik zu sprechen, aber da steckt Arbeit dahinter. Da saß jemand sehr lange, hat Figuren gemalt. Man ist übrigens früher bezahlt worden für die Menge von Figuren.
Wenn du dem holländischen Kunstmarkt angehörtest, dann hast du angeboten, ein vielfiguriges Bild und dann standen irgendwie 50 Figuren drin. Die wurden dann pro Figur ein Gulden und ich weiß nicht was. Und dann war das Bild ordentlich was. Wenn man ein guter Künstler war, hatten wir auch noch ein paar Assistenten gehabt, die dann für einen ausgeführt haben.
Also Rubens hat dann meistens nur angelegt, der arme Herr van Dijk musste dann irgendwie die kleinen Sachen malen. Das sieht aber aus, als sei das vom Künstler selber gemacht, weil die Handschrift dieser Figuren und es sind wirklich mehrheitlich vergnügte Figuren, glückliche, rumlaufend, ein insgesamt hochgemutes Bild mit einem fröhlichen Teufel.
Und warum magst du es nicht über Technik zu reden? Weil das ist doch eigentlich auch etwas, wie man sich so ein Bild, habe ich ja gelernt, so nähern kann. Ja, nein, Entschuldigung, es ist so schnell, also, ich bin die Generation, die mit diesem Spruch groß geworden ist, Kunst kommt von Können und ich habe irgendwann festgestellt, wer hat denn diesen Spruch überhaupt mir in die Nase gesetzt, ist natürlich nicht der Fall.
Die Kunst unterläuft immer unterschiedliche Abstraktionsgrade und Stilhöhen. Und wenn man sich mal anguckt, der Höhepunkt des Römischen Reiches war eine Porträtkunst, die ist so unglaublich naturalistisch, dass wenn ich vor einem Caracalla-Schneider verfällt schon ein bisschen eine Generation früher, vor einem Trajan stehe oder vor einem Hadrian oder vor dessen geliebten Antinos, dann habe ich.
Ein Marmorporträt vor mir, das so unglaublich naturalistisch ist, dass ich das Gefühl habe, ich habe den Menschen vor mir. Das ist die allerhöchste Kunst. Und dann beginnt das langsam zu vergröbern. Bei Konstantin haben die schon so Glubsch-Augen und im 6. Jahrhundert sind Figuren auf einmal so zu naiven Irgendwas verkommen.
Dann dreht die Weltkunstgeschichte wieder auf, dann kommt die Gotik mit den überlenkten Figuren und im 19. Jahrhundert sind wir magisch wieder bei der Fähigkeit, Menschen oder Dinge zu malen, als seien sie fotografiert, als seien sie echt. Parallel dazu ist immer eine Entgegenbewicklung, es wird immer hohler vom Thema her, immer langweiliger, immer vorhersagbarer und dann bricht es auf, dann wird der Expressionismus und heute sind wir an dem Punkt, wo die Kunststudierenden schon wieder lernen.
Wie man es mal so grundiert, dass ein Bild irgendwie eine Tiefe hat, wie man Menschen malt, dass man sie tatsächlich auch wie Menschen findet. Das ist ganz interessant. Heute kann man vom Bild stehen und sagen, das sieht ja wie echt aus und das ist lobend gemeint. Das war vor 20 Jahren unter keinen Umständen lobend gemeint.
Das war, oh Gott, ich mag nur Blue Notes, diese Harmonie ist Müll für mich. Und das ist ganz interessant. Das kann also offensichtlich nach einer bestimmten Stilhöhe kann die Kunst nur anders reagieren, indem sie wieder, ähnlich wie in der Musik die Tonalität. Der letzte Schrei des Jahres 1914 war der Aufbruch in die A-Tonalität und 1950 war dann irgendwann so weit, dass im Publikum niemand mehr saß, weil es war einfach so, Man konnte das nicht mehr anhören und heute werden auf einmal wieder Opern komponiert, da wird gesungen in einer Manier, dass man nachsingen könnte.
Interessant, oder? Wenn du dir dieses Bild. Jetzt anguckst, fühlst du dich an eine Geschichte erinnert, die du kennst? Naja, okay, als Bildungsbürger muss ich sagen, wenn der Teufel da ist und eine weitere Figur, dann sind wir schnell beim Faust Ja, sehr gut, sehr gut, sehr gut Das ist sozusagen Aber warum hat der Teufel eine Flasche in der Hand?
Der Christofel ist bei Faust da geht es ja nicht um den Suff, sondern da geht es um die Erkenntnis, Und es zeigt ja auch, ist es nicht auch dieses, sozusagen der Teufel sagt hier entlang? Ja, naja, das ist ja die Szene mit den ganzen Diszipli vermutlich, die jetzt hier zu fröhlichen Likörtrinkern geworden sind.
Oh Gott, jetzt fängt es dann an, wo ich auch für meine Zitierfähigkeit bei Goethe ende, dann an dem Punkt, aber es geht wahrscheinlich darum, der Mephisto muntert den Faust ja regelmäßig auf, dass er nicht so trübsinnig werden soll. Das könnte der Punkt sein. Wir haben dann, würde ich jetzt sagen, links ist der Faust, der so rausgeht, der auch so wieder traurig ist.
Und dann ist der Mephisto, der sagt, komm, folg mir, alles wird gut, alles wird lustig und so. Und drumherum ist sozusagen... Was ist drumherum? Was sind die... Die laufen ja... Sind übrigens alle nackt, ist das aufgefallen? Die meisten sind nackter rechten. Viele, würde ich sagen, sind jetzt so nackt.
Und die sind ja auch so interessanterweise sind die auch so interessant auch angeordnet, als ob die irgendwas, also als ob was, wenn du dir die Flächen anguckst, oben dieses hellblaue, unten diese gelbe und dann ist es ja irgendwie so, man will mal sagen, das ist irgendwie ein Buchstabe, der sich da ergibt aber ist es gar nicht, übrigens interessant, guck mal wie die da rechts da sitzen, so völlig gelangweilt ja, vielleicht ist es auch einfach nur, vielleicht ist es auch einfach nur die Theaterzuschauer, die sich die beiden sind ja auf so einer Bühne, Mephisto und Faust und die anderen gucken einfach zu Also, was ich jetzt gerade sehe, übrigens, ich sehe etwas, was du nicht siehst, es gibt so eine Grundhaltung, die der Udo Lindberg gerne wieder malt,
das ist überschränkte Beine, einen Arm nach hinten und das Likörglas gelüpft. Ich bin ja schlimm verzogen, seit ich Kippenberger so liebe und der hat ja dieses berühmte Bild gemalt, ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen, wenn jemand so da sitzt. Da in der Mitte, der sitzt, wo die Farbe rauskommt, naja, nicht ganz, aber da könnte ich jetzt, das ist wahrscheinlich nicht intendiert, ich muss das wieder wegmachen.
Also, das Publikum scheint es nicht zu sein, weil das Publikum sitzt ja selten da und trinkt, obwohl das natürlich was Tolles. Ja, aber warum nicht? Also das Publikum ist so mittendrin, vielleicht sozusagen im Spiel des Lebens. Das ist ja jetzt so ein Bild, wo man Udo Lindenberg nicht vorwerfen kann, dass Udo Lindenberg im Mittelpunkt steht, sondern ganz im Gegenteil.
Deshalb habe ich es auch ausgewählt. Udo Lindenberg ist da gar nicht. Du hast die bildungsbürgerlichste Szene überhaupt. Jetzt muss man sagen, also jetzt kommt jemand zu dir und zeigt dir dieses Bild. Und du wüsstest ja gar nicht. Man würde erkennen, das ist ja auch das Interessante, man erkennt, dass es ein Udo Lindenberg-Bild ist, oder?
Ja. der Art und Weise, wie er malt. Nee, diese Figuren, da gibt es ja Figurinen, wo die Haare hinten so rausgehen. Also nicht der Faust und nicht der Mephisto, aber dahinter die Figuren, die so ein bisschen, diese interessanten Haarfiguren. Mir fällt gerade noch jemand ein, der natürlich jetzt technisch ganz woanders ist, der in Hamburg auch sehr geliebt wird, das ist Horst Jansen.
Der macht auch natürlich so Szenen, die direkte Übernahmen von etwas bildungsbürgerlich sind, bloß um es dann etwas höhnisch quasi umzudrehen und einen damit zu konfrontieren, dass man nicht so spießig sein soll. Wobei Horst Jansen, der ist als Techniker ein absoluter Fuchs da. Man könnte ja ein bisschen noch weitergehen, wenn man den Mephisto anguckt, den Teufel, der eine Flasche in der Hand hat.
Da muss man jetzt wieder so ein bisschen Udo Lindenberg kennen. Den Teufel Alkohol. Wir erinnern uns daran, ich glaube, es steht in einer Biografie von ihm, dass er irgendwann mal in ein Krankenhaus eingewiesen wurde mit einem Alkoholpegel, der so nahe 5 Promille war, und er dann vor lauter... Weiß ich auch nicht warum, kommt er in dieses Zimmer, da steht eine Blumenvase, er zieht die, steht in dem Buch, er schmeißt die Blumen raus und tischt dann das Wasser, das Blumenwasser, um seinen Brand zu löschen, warum auch immer.
Und dann hat wohl ein Pfleger oder Zivildienstleister zu ihm gesagt, Udo, was machst du nur? Und das wird in dem Buch so dargestellt, dass ich glaube, das ist einer der Momente, wo er sich gedacht hat, so, jetzt muss ich mal Schluss machen mit dem Trinken nach der Mengenlehre und mein Leben verändern.
Das war damals diese Zeit, Ich glaube 1993, als er ja mit, wie alt war er da, kann das einer schnell ausrechnen, jetzt ist er 80, also irgendwie Anfang 50. Als er damals den Echo für sein Lebenswerk bekam, was man ja mit Anfang 50 in der Regel nicht bekommt, es sei denn, die Jury glaubt, dass da nicht mehr viel kommt und ich glaube, dass damals viele, nicht nur gedacht haben, dass da künstlerisch nichts mehr kommt, sondern dass da gar nichts mehr kommt, dass Udo Lindenberg sich mehr oder weniger mit Mitte 50 zu Tode säuft das hat er zum Glück nicht getan, im Gegenteil er hat jetzt die andere Richtung eingeschlagen und steuert auf den Klub, der 100-Jährigen zu und vielleicht ist das auch dieser,
das könnte man jetzt ja so beuten, der Teufel Alkohol und der Faust im Sinne von Udo Lindenberg wobei er nicht aussieht wie Udo Lindenberg, sagt, weißt du was ich geh, Ich gehe, ich gehe in die andere Richtung, du zeigst in die Richtung, das führt aber sozusagen mehr oder weniger ins Fegefeuer und ich verabschiede mich, ich gehe einen anderen Weg.
Also das Interessante, jetzt fällt mir natürlich gerade auf, der Teufel steht der Gemeinden für die Versuchung. Meistens ist in den Attributen, ist neben dem Teufel noch andere Formen von Versuchungen, aber der Teufel, das ist der Inbegriff der Versuchung, das, was uns zum Bösen zieht. Der Faust ist ja wiederum der Inbegriff der Frustration darüber, dass Erkenntnis allein nichts nützt.
Also die ganze Geschichte von Faust geht ja darum, dass er jetzt alles weiß, hat alles studiert, aber es nützt ihm nichts, es ist irgendwie inhaltsleer und, jetzt will er Exzesse, er will. Keine Ahnung, Drogen spielen auch eine Rolle, ein bisschen verklausuliert und vielleicht ist das tatsächlich das, was man wieder, das ist ja eine tiefe Kunst, reflektiert ja auch immer das eigene Leben.
Ich glaube, die wenigsten Leute könnten Kunst machen, ohne irgendwie was zu reflektieren, was sie im eigenen Leben, was ihnen im eigenen Leben begegnet. Das heißt, dann würde ich sagen, dass hier ist der Teufel, der Alkohol, die Versuchung, vielleicht auch das Soziale. Wir trinken ja meistens in Gemeinschaften, da sind die auch alle und heben ihre...
Und da muss man ja auch noch wissen, bei Udo Lindenberg, Udo Lindenberg, als ich das erste Mal traf vor 15 Jahren, da sagte er, komm, wir waren, da hat er auch eine Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe und dann sagte, wir ziehen noch ein bisschen los. Und dann dachte ich, wer ist denn wir? Und dann ging er raus und hinter ihm so ein Rattenschwanz von Menschen.
20 Leute, die hinter ihm und Udo Littenberg ist jemand, erzähl mir die Leute, die ihn sehr gut kennen, der immer von Menschen umgeben sein muss. Also vielleicht sind das diese Menschen. Und die gucken sich ja auch dieses Schauspiel Udo Littenberg. Haben wir uns ja alle, haben ja auch damals sich alle angeguckt.
Ich stelle es immer wieder fest, wie viele Menschen gibt es? Wir hatten gerade in Hamburg auch einen tragischen Fall. Da ist eine bekannte Hamburgerin. Am Alkohol gestorben und alle wussten es. Alle wussten, dass sie ein schwere Alkoholikerin ist. Alle haben dieses Schauspiel mit sich mit angeguckt, aber keiner hat so richtig eingegriffen.
Und vielleicht ist das auch so damals die Situation von Udo Lindenberg gewesen, der dann auch mal mir in einem langen Gespräch gesagt hat, du musst dann, du kannst dich nur selber daraus ziehen. Das tut kein anderer für dich. Das tut ja, wenn der Faust hier alter Ego von Lindenberg ist, dann verlässt er hier ja gerade den Ort der Vergnügung.
Genau. Und er lässt und geht seinen eigenen Weg. Was ich mich da natürlich frage, die Künstler und der Rausch. Wie stark ist da der Zusammenhang? Also man kann, wenn wir jetzt behaupten würden, man kann Kunst nur im Rausch machen, aber es geht ja bei Künstlern immer darum, etwas zu erleben, etwas zu sehen, was man sonst nicht erlebt.
Und da helfen natürlich bestimmte Stimulantien. Man muss nicht vielleicht so wie Udo zwei Flaschen Whisky oder Wodka am Tag trinken. Im letzten Bild waren auch die Joints mit dabei. Ja, aber, brauchen viele Künstler das? Es gibt bestimmt auch Künstler, die Alkoholiker und Drogen abhängig sind, aber jetzt würde ich mal sagen, erfolgreiche Künstler, die ich kenne, sind schwer disziplinierte Menschen, denn man hat ja schon ein Problem, also erstmal der Weg, die Entscheidung, Künstlerin zu werden, ist schon, deine Eltern werden dir nicht zuraten.
Wenn ich meinen Eltern eröffnet hätte, ich gehe jetzt Kunst studieren, meine Eltern waren höflich, Kunstgeschichte studieren war eigentlich genauso schlimm, meine Eltern sind erstmal in Ohnmacht gefallen, weil sie dachten, oh Gott, Kunstgeschichte, noch schlimmer ist ja Kunst. So, da geht man also an die Kunsthochschule und dann sieht man erstmal, oh Gott, ich bin ja in Competition mit 40.000 anderen.
Die wollen alle Künstler werden und dann muss ich ja nur ein bisschen googeln, dann stelle ich fest, oh ja, die Einkunftserwartung von jemandem, der Kunst studiert, ist so schwierig. Das heißt also, du musst am Anfang voll konzentriert erstmal, du musst dich finden. Du musst deinen Ausdruck finden. Du musst die richtigen Professoren wählen. Du musst einen guten Abschluss machen.
Hilft halt nichts, ein guter Abschluss ist dann auch in der Kunst ganz gut. Du musst ein Atelier gründen, du musst Kontakte machen, du musst ausstellen, ausstellen, ausstellen, ausstellen. So, dann bist du irgendwie Mitte 30, du hast zwei, drei Ausstellungen gehabt, du musst jeden Tag ins Atelier. Du musst darüber überlegen, kriegst du Kinder oder kriegst du keine Kinder, ob Mann oder Frau. Das ist auch, ich kenne Männer wie Frauen, die kriegen jetzt gerade Kinder und sind Mitte 30. Das ist nochmal eine extra Beschwerden.
Du bist die ganze Zeit super konzentriert, du bist deine eigene Marke, du verkaufst dich selbst. Du musst auch noch schauen, dass du, also es ist so fordernd und auch so frustrierend, dass ich glaube, da bleibt vielleicht für Drogen gar nicht so rasend viel Raum. Also du bist sehr konzentriert. Udo hat ja so ein bisschen das Gegenteil bewiesen und hat dann ja dann gesagt, es war der Moment, als er dann Anfang 50 war, dass er sich einen anderen Weg suchen musste, diesen Rausch zu bekommen und der Rausch war dann der Erfolg.
Genau. Der Erfolg auf der Bühne vor 20, 30, 40, was weiß ich, wie viele tausend Leuten zu singen und so, das ist jetzt dann seine Droge geworden, aber offensichtlich, was ich damit sagen will, ist, oft ist ja so, wenn du einmal so den totalen Absturz hattest, dass das auch…, was deine Kreativität anbelangt, einen Push geben kann, in Klammern, wenn man es überlebt.
Genau, also es gibt, ich habe das jetzt schon so oft zitiert. Gottfried Benn hat ein Buch geschrieben, das heißt Der Genieproblem, und darum analysiert er viele berühmte Menschen und stellt fest, die sind irgendwie alle krank gewesen. Dann stellt man fest, ja, es gibt zwei Möglichkeiten. Das eine ist, um wichtige Dinge, um künstlerisch herausragende Dinge zu tun, musst du irgendwie wahnsinnig allein sein mit dir selber, weil das geschieht nicht so.
Es gibt auch mittlerweile Künstlerkollektive, Aber eigentlich bist du dein eigener Gott, der etwas schafft. Das isoliert und dann muss man entweder selber schon verrückt sein oder man begibt sich eben auf so einen Halbwahn. Ich versuche immer umzudrehen und denke mir, ah, also der Mozart konnte ja nichts dafür, dass er früh gestorben ist. Aber das passt irgendwie zum Mythos des jungvollendeten Wunderkinds.
Und dann für den Rest Rom ist dann ein früher Tod und das Bestattetwerden in der Massengrab, was niemand findet, fantastisch. Also das sind immer so Mythos, der irgendwie noch was verstärkt. Und bei Udo Lindenberg würde ich mal sagen, Du bist natürlich als Bühnenmusiker, sitzt du am Anfang in Etablissements, wo der Alkohol fließt und wahrscheinlich, ist die Hälfte der Bezahlung am Anfang das Bier, was da links steht.
Das heißt, da ist schon das Problem, dass du an der Quelle zu dem sitzt. Dann ist in Europa natürlich sowieso, wenn man sich trifft und dann kriegt man halt irgendwas hingestellt. Ein Wunder, dass wir nicht alle Alkoholiker sind. Und dann finde ich natürlich ganz super, wenn er das einbaut in seinen persönlichen Mythos, diesen Absturz und wie er aufbaut, das ist vielleicht auch das, was einem dann hilft rauszukommen.
Das ist vielleicht ein Vorbild für ganz viele, die versuchen aus dem Alkohol rauszukommen, auch hilfreich. Ich fand interessant, dass er damals eben gesagt hat, dass es alles nichts nützt, der eine redet dir das, der andere redet dir das, aber es nützt dir nichts, du musst dich sozusagen selber da rausziehen und das ist ja sozusagen diese Einsamkeit.
Vieles, was du eben beschrieben hast, hat ja Udo Lindenberg geschrieben. Er hatte kein, also wir wissen es nicht, er hat keine Kinder. Er hat nicht geheiratet, er hat keine Familie gegründet. Also seine Familie sind diese Menschen, die um ihn rum sind, die auch immer zwischendurch mal wechseln, auch wieder nicht.
Und am Ende hat er sich auf sich selbst und, muss man sagen, das ist interessant, auf die Kunstfigur Udo Lindenberg konzentriert, wo man ja in der Zwischenzeit gar nicht mehr weiß, also gibt es eigentlich, ist diese Kunstfigur tatsächlich am Ende nicht nur eine Kunstfigur, sondern sie ist der lebendige Udo Littenberg.
Also, wo ist da der Unterschied? Ich hab immer früher, viele denken ja immer, naja, wenn man dann normal mit Udo Littenberg spricht, dann nuschelt er nicht so. Doch. Und das ist ja keine Show. Also ich kenne niemanden, der sagt, oh, wenn jetzt Udo Littenberg, wenn der seinen Hut abnimmt und so, und dann redet er auf einmal ganz toll Hochdeutsch. Nein, er hat er nicht.
Aber als ich da auf Besuch war, wir haben uns relativ normal unterhalten. Natürlich ist das irgendwie, wie die Mundwerkzeuge gelagert sind, da kann man dann auch nur so reden. Aber ich glaube, das wird prononcierter, wenn man öffentlich ist und wenn man öffentlich steht und wenn man auf der Bühne ist.
Man ändert ja auch tatsächlich seine ganze Körperhaltung, wenn man auf eine Bühne geht, weiß man, jetzt ist Energie im Raum, die auf einen fixiert ist und daraus, glaube ich, zieht man dann bestimmte, da kann man als Kunstfigur ja schauen, was nutze ich, um das gut rüber zu bringen und tatsächlich, wie schütze ich meine individuelle, mein Ich vor vollkommener Entblößung, indem ich halt eine Kunstfigur schaffe, in der ich mich verstecken kann.
Aber das Interessante ist ja, in dem Moment, wenn du es schaffst, aus dir eine Kunstfigur zu machen, dann bist du wirklich das, was er nämlich sein will, unsterblich. Ja, wobei das natürlich, also er ist ja wirklich ein Gesamtkunstwerk, er ist ein Musiker, er ist irgendwie auch eine Hamburgensier, das ist natürlich lustig, also wie sehr es die Wahl im Atlantik zu wohnen ist, ich weiß ja nicht, das ist ja vielleicht aus irgendeinem Grund passiert, das ist ja praktisch, aber das ist natürlich auch eine irre Geschichte, man kennt ja sonst niemanden, der im Hotel wohnt, aber es ist eigentlich vernünftig.
Aber ich weiß gar nicht, es gibt glaube ich, Benjamin Stuckert-Barre lebt auch im Hotel, es gibt glaube ich viele, die auch gerne im Hotel leben würden, aber es irgendwie nicht könnten. Ich bin mir gar nicht sicher, Udo Lindenberg ist ja eigentlich gar nicht eine Hamburg-Gänse. Ich habe das ja immer live mitgekriegt, als es darum ging, dass er Hamburger Ehrenbürger wird. Boah, wie viele sich dagegen gewehrt haben, weil die gesagt haben, das ist doch nicht Hamburg. Echt? Ja, Hamburg ist doch Helmut Schmidt.
Ja, aber Hamburg ist ein bisschen mehr. Ja, aber du weißt ja, schönste Stadt der Welt, wir haben neulich drüber gesprochen, und ob Udo Lindenberg sozusagen in das Hamburg von, ich weiß noch, als Olaf Scholz noch Bürgermeister war und da kam es auch so dieses, und dann sprach ich mal mit Scholz über die, ob er sich vorstellen könnte, dass Udo Lindenberg Ehrenbürger wird. Ja.
Naja, das war jetzt nicht direkte Zustimmung, obwohl Olaf Scholz ein großer Udo Lindenberg-Fan, also er hat es mal als ihm nicht so richtig angemerkt, dass er ein großer Fan ist, aber man hat Olaf Scholz ja vieles nicht angemerkt. Aber auch das fiel ihm schwer und es war, glaube ich, schwer, diese Vorstellung, dass er in einer Stadt wie Hamburg so ein bunter Hund wie Udo Lindenberg Ehrenbürger wird.
Dass es doch geworden ist, sagt, glaube ich, am Ende mehr über Udo Lindenberg als über die Stadt aus. Das adelt sich ja ein bisschen gegenseitig, oder? Ja, das stimmt. Man braucht ja für, um gute Ehrenbürger zu haben, braucht man gute Ehrenbürger. Das heißt, das muss man ein bisschen füllen. Und das Interessante ist, ein Rockstar, der Ehrenbürger wird, das ist irgendwie dann, das ist schon ganz schön bourgeois.
Dann ist es vorbei mit dem Rebellentum, wenn man Ehrenbürger ist. Und wahrscheinlich ist das, wo er sich überlegt hat, will ich das wirklich, aber vielleicht sollte man mit 80er überlegen, ob das mit dem Rebellentum wieder eine gute Idee ist. Da kann man auch Ehrenbürger werden als Ex-Rebell oder sowas.
Stimmt, in dem Moment ist sozusagen, ist das Rebellen-Ding, kannst du abhaken. Wenn du einmal Ehrenbürger bist, bist du kein Rebell mehr. Dann bist du wirklich im Establishment angekommen. Auch wenn du im Rathaus dann irgendwie anfängst zu singen. Es war total, Alexander, ich danke dir einmal mehr. Wollen wir nächste Woche noch einmal ins Universum gehen?
Und noch einmal, darf ich noch ein Bild suchen? Bitte, bitte, sag nicht nein. Bitte, let's do it. Dann bis nächste Woche. Vielen Dank. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de.