
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 270
Alles wird gut
Samstag, 14. Juni 2025 · 26 min
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Shownotes
Mitten in unruhigen Zeiten laden Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider in der neuesten Folge von "Ich sehe was, was du nicht siehst" zu einer besinnlichen Betrachtung ein. Hans Thomas idyllische "Waldwiese" von 1876 steht im Fokus – und ein Gefühl, das gerade so viele Menschen suchen. Welches das ist, erfahrt ihr in der neuen Folge!
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Heider. Ich bin Alexander Klar. Der Direktor der Hamburger Kunsthalle hat sich schlau gemacht, aber ich will ihm das ersparen, das zu erklären, wer Christoph Kramer ist.
Wenn Sie sich fragen, Moment, Christoph Kramer, diesen Namen habe ich in der bildenden Kunst noch nicht gehört, das stimmt. Christoph Kramer, mit dem haben wir vergangene Woche abgeschlossen, unser Gespräch. Als es um die Frage ging, um die Vergänglichkeit von Ruhm und wie es eigentlich ist, wenn man in jungen Jahren schon ruhmreich ist und erfolgreich ist und dann plötzlich nicht mehr, ob es dann nicht schön ist, dass man noch ein zweites Leben hat und Alexander, du hast gesagt, du hättest auch gerne ein zweites Leben als Dirigent und so, wird aber knapp.
Und so jemand wie Thomas Müller könnte dann vielleicht tatsächlich ein zweites Leben jetzt haben. Und dann kam ich auf Christoph Kramer und du hast ein Bild mitgebracht und das passt alles wunderbar zusammen. Also Christoph Kramer, wer ist Christoph Kramer, wodurch ist Christoph Kramer berühmt geworden?
Christoph Kramer ist ein deutscher Fußballspieler, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 mit dabei war. Eigentlich, als Deutschland Wettmeister wurde, eigentlich eine Nebenrolle gespielt hatte und es nur der Verletzung eines anderen Spiels, ich glaube es war Semmy Khedira, zu verdanken hatte, dass er ausgerechnet im WM-Finale Deutschland gegen Argentinien zum Einsatz kam.
Den mit den illustren vielen Toren, nee, das war vorher, das war gegen Brasilien. Genau, das war gegen Brasilien, das 7 zu 1, das hat Deutschland ja dann 1 zu 0 gewonnen und Christoph Kramer ist durch eine komische Sache berühmt geworden, er ist nämlich mit einem Argentinien, ungefähr so nach 24 Minuten so schwer mit einem argentinischen.
Gegenspieler zusammengestoßen, dass er sich eine Gehirnerschütterung geholt hat und rausgeführt werden musste, weil er wirklich benommen war und in der Kabine dann den Physiotherapeuten fragte, wo sind wir eigentlich und dann tatsächlich 10, 15 Minuten lang nicht wusste. Dass er im WM-Finale war. So, dann wurde dieses WM-Finale gewonnen, jetzt machen wir einen großen Schritt und Christoph Kramer hat ein Buch geschrieben, das man erstens von einem Fußballprofi nicht erwartet, weil das ist ein Roman, ein wunderbarer Liebesroman.
Jetzt fällt mir gerade der Name, da geht es schon los, fällt mir der Name nicht mehr ein, als der Sommer, es sollte eigentlich heißen, als ich ins Leben fiel und dann hieß es irgendwie, das muss ich gleich mal nachschlagen, wie es heißt, der Sommer meines Lebens. Er hat ein Buch geschrieben und dieses Buch ist ein Liebesroman eines Fußballspielers, ist auf Anheb auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste gekommen.
Und er hat Anfragen gehabt zu 1400 Lesungen. Da ist er eine Weile beschäftigt. Das Leben fing im Sommer an von Christoph Kramer. Und warum wollte er es erzählen? Weil ich hatte ihn neulich in einem Live-Podcast und habe ihn dann dazu befragt und dazu sagte es, das ist doch so schön, dass man dann noch ein zweites Leben vor sich hat.
Und er sagte, er unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Borussia Mönchengladbach und merkte aber nach einem Jahr, weißt du was, das geht nicht mehr lange gut. Das geht zu Ende hier mit meiner Karriere und hatte solche Angst, in dieses Loch zu fallen, dass er während er Fußballprofi war, schon anfing, dieses Buch zu schreiben, in der Hoffnung, dann sozusagen etwas zu haben, womit er an das gleich anschließen konnte und auch das interessant bei vielen Leuten, die so erfolgreich sind, in der Hoffnung auch erfolgreich zu sein, was ihm dann gelungen ist.
Das heißt, der ist vom Fußballprofi, Weltmeister. Der eine große Traum ist in Erfüllung gegangen. Und mit 34 ist auch der nächste große Traum, der Traum eines jeden Schriftsteller, ist in Erfüllung gegangen. Er ist nicht nur Spiegelbestseller, er ist Platz 1 der Spiegelbestsellerliste. Mit einem Liebesroman.
Mit einem Liebesroman, der im Sommer spielt. Und dazu passt dieses Bild so wunderbar. Fantastisch. Wobei, das hätte ich mir nicht schöner wünschen können. Es wäre, also, das Leben fing im Sommer an, so heißt das Buch ja. Stell dir das jetzt vor als Cover. Würde hervorragend passen, oder? Das Leben fing im Sommer an.
Das ist gut schon draußen, oder? Sonst hätte der Verlag gesagt, ihr dürft euch unser Bild schnappen. Es ist ein tolles Bild und ich habe so ein bisschen, zunächst als ich es sah, von der Farbgebung, habe ich irgendwie sofort an Monet denken müssen. Ist das falsch? Ist es richtig? Es ist gleichzeitig, es ist, ja. Es ist nicht von Monet, das würde ich jetzt auch sagen.
Nein, das kann ich schon mal sagen, aber es ist ein Zeitgenosse, würde ich mal sagen, ein deutscher Zeitgenosse, der aber nicht primär dafür berühmt ist, dass er sich mit den Impressionisten zu sehr abgegeben hat. Er kommt von der anderen Seite, aber jetzt, wo du sagst, lustigerweise habe ich das noch gar nicht so mit Impressionismus verbunden, aber ich schaue mir das Bild an und stell fest, ja, nicht von der Malweise, vom Duktus, sondern von der Anlage des Bildes kommt das sehr nah an impressionistische Interessen.
Also es ist eine Wiese, eine nicht knallig grüne Wiese, sondern eine mintgrüne Wiese vor allen Dingen, in der viele kleine Blumen, wie heißen die, das ist Sumpf irgendwas, also so eine weiße und gelbe Blumen. Im Vordergrund die Wiese, im Hintergrund sieht man dann Bäume und so ein bisschen beginnenden Wald.
Und mitten in diesem Bild sehen wir so schräg von der Seite eine junge Frau in einem weißen, langen Kleid, die auf dieser Wiese steht. Und was macht man auf dieser Wiese? Das ist dann auch wieder fast schon ein Klischee. Sie pflückt Blumen und hat schon einen kleinen Strauß in der Hand und das schließt natürlich auch wieder an das, was du vergangene Woche erzählt hast, lieber Alexander, dass du so ein Blumenfreund bist und sehr viele Blumen kaufst.
Und es ist natürlich der Inbegriff eines Wohlfühlmomentes, deshalb, ich glaube, dieses... Ich schreibe ja gerade an einem neuen Roman, der erstmals kein Krimi ist, der hat so ein ähnliches Cover, wo so eine Szene ist, die auch im Sommer spielt. In dem Buch geht es sozusagen um die Faszination der Schlei, um die Faszination dieser Region da an der Ostsee und so.
Und das ist das, womach so viele Menschen im Moment so eine Sehnsucht haben, so ein bisschen heile Welt. Weißt du, dieser Moment, ach, die Wiese ist grün, die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Und ein junges Mädchen mit langen Haaren, braunen Haaren, pflückt einen Blumenstrauß und ich sehe ihr dabei zu.
Viel schöner kann es ja gar nicht sein in diesen Zeiten. Es ist sozusagen das Gegenmodell zu dem, was wir gerade... Genau. Und das Lustige ist, dass es wahrscheinlich vor 100 Jahren funktioniert und in 100 Jahren nochmal, hoffentlich auch noch funktioniert. Wobei in 100 Jahren weiß man nicht, vielleicht gibt es dann solche grünen Wiesen bei uns gar nicht mehr. Hoffentlich doch. Hoffentlich doch. Ja, man weiß es nicht.
Vielleicht ein bisschen dunstiger als heute. Ja, interessant. Also tatsächlich ging das ein bisschen aus von unserem letztwöchigen Bild, das du ja zunächst nicht so doll fandst. Interessante Blume in dieser Form eher für dich, weil Landschaft ja, Stillleben nein. Stillleben, es ist immer dieses Thema, aber da ist auch die Prägung, in dem Moment, wo kein Mensch da drauf ist.
Also da muss es schon, und ich finde, wenn es dann nur Blumen sind, aber du hast ja vergangene Woche, da hast du mich ja auch wieder hingekriegt, dass ich ein Stillleben am Ende hätte ich dem doch eine 2 plus gegeben. Also ein Stillleben, da ist der Mensch ja implizit drin, denn irgendjemand muss das ja drapiert haben.
Das heißt, da ist kein Mensch dargestellt, aber das ist auch so ein bisschen, das ist natürlich, das ist sehr kunsthistorisch, weil jetzt könnte man sagen, in so einem abstrakten gestischen Bild ist der Maler mit drin, Weil der hat es ja gemalt. Diese Wolte, das ist so ein bisschen, gebe ich zu, ein bisschen artifiziell.
Auf der anderen Seite, wenn du dieses Bild siehst, ist die erste Reaktion, das ist schön und viele unserer Besucher und Besucherinnen stehen davor und man sieht, dass die träumen. Freuen sich, genau. Ob die Sonne draußen scheint oder der Regen, dass dieses Bild ist ein... Ist einfach ein sehr freundliches Bild. Interessant ist aber natürlich wieder die Frage, die man sich als Kunsthistoriker sofort stellt, was war der Anlass für dieses Bild, warum malt man sowas?
Das ist übrigens ein Bild, das kostet ein bisschen Zeit, denn das ist sehr kleinteilig vorne, diese Blumenmuster, der hat das nicht mit diesem großzügigen, impressionistischen Pinselduktus, sondern der ist ein Feinmaler. Habe ich schon verraten, wer der Maler ist? Ich glaube nicht. Habe ich noch nicht, das ist Hans Thoma.
Hans Thoma ist ein Gewächs des 19. Jahrhunderts, geboren, ich glaube 1839, Gestorben 1924, sehr alt geworden. Auch so ein bisschen, ich glaube, Liebermann-Zeitgenosse, würde ich mal sagen. Also hat sich aber jetzt nicht so richtig für den Impressionismus entschieden, sondern der kommt von der anderen Seite.
Der kommt aus, das ist vielleicht interessant zu wissen, der kommt aus relativ bescheidenen Verhältnissen vom Land. Das heißt, der hat auch eine andere Beziehung zum Land. Und das Bild ist von 1876, was insofern interessant ist, weil zu diesem Zeitpunkt lernt er seine zukünftige Frau kennen, die in dem Bild ist, die hat den schönen Namen Zeller mit C. Zeller hat den Namen.
Der Name gibt es Zeller, das ist ein schöner Name. Ich glaube, mit Nachnamen ist sie Barton Eder. Und sie war Stilllebenmalerin. Denn was sie da tut, ist, sie sammelt Stoff für das nächste Bild. Also das Interessante ist, und es ist wahrscheinlich sogar so eine Art Hommage an sie, oder vielleicht sogar eine Art Gabel, die er ihr gemalt hat.
Denn tatsächlich, ja klar, man kann einfach als Mensch in die Wiese gehen und Blumen sammeln. Das hat man früher getan, heute lässt man es ja lieber bleiben, glaube ich. Weil heute kriegt man ja schräge Blicke. Nicht ganz zu unrecht, wenn die vielen Menschen die wenigen Blumen im Wald abreißen. Da gibt es aber diese Felder, wo man selber Blumen schneiden kann und so zum Beispiel. Da ist das natürlich zulässig. Aber so weit ist es.
Aber darf man das, kann man das nicht machen. Man kommt sich komisch vor. Achtung, Achtung. Manchmal mache ich das in unserem Garten, dass ich einfach losgehe und hier und da ein bisschen was abschneide. Da hat man auch schon einen schönen Blumenstrauß. Das ist ja dein Garten. Das ist mein Garten. Aber das Ding, wenn du in den Klöwen stehen gehst und da mit 300 anderen und dann ist einfach keine Blume mehr da am Ende.
Deswegen lässt man das lieber bleiben. Damals ist das nicht das Problem. Also die Weltbevölkerung ist geringer, die Blumen sind mehr, die Welt sieht einfacher aus. Vielleicht gab es auch damals Ärger, dass man in die Wiese gegangen ist. Aber wie viele Wiesen kennst du, wo du heute Blumen pflückst im Übrigen?
Die Wildwiesen muss man erst wieder so ein bisschen kultivieren. Heißt das dann auch Frau in Wiese oder wie heißt das Bild? Das Bild heißt nur Waldwiese, wobei ich mir gut vorstellen kann, da hat sich der Maler gar nicht um den Titel gekümmert. Hans Thoma ist eine interessante Figur, weil er so ein bisschen unterschätzt ist und in der Weltkunstgeschichte, also in England oder Frankreich spielt er glaube ich eher keine Rolle.
Ich weiß nicht, ob es da jemals eine große Ausstellung von ihm gab. Aber hier in Deutschland war, zu meinen Lebzeiten, war mal im Städel eine, und ich glaube, die haben den schönen Titel, der größte deutsche Maler oder so etwas Ähnliches, was ich sehr lustig fand. Das ist natürlich ein Zitat gewesen, das irgendwo zu Lebzeiten, und natürlich heute ist er nicht mehr der größte deutsche Maler, aber das war doppelt interessant, weil was ist an ihm deutsch?
Der ist jetzt auch keiner, der gehört nicht zu der Generation, die irgendwie in Gefahr lief, politisch vereinnahmt zu werden, weil er einfach so eine eigene Rolle hatte. Und dieses Bild ist interessanterweise weit davon weg, einfach nur ein billiges Idyll zu sein. Also das ist kein Kitsch hier. Und das ist natürlich schwierig bei der Themenwahl zu vermeiden, dass es Kitsch ist.
Es ist ein sehr geschmackssicher gestaltetes Bild. Aber ist es nicht deshalb nicht Kitsch, weil es auch wirklich, wenn ich mir allein schon die Schatten anschaue, die Schatten, die die Bäume werfen, hinten der Baum, an den Seiten der Baum, so naturgetreu, so detailgetreu gezeichnet sind, dass es irgendwie nicht kitschig ist, sondern eben natürlich.
Ja, es ist natürlich, weil es wirkt wie ein Schnappschuss. Wir erinnern uns aber, das hier ist ein Ölgemälde. Das heißt, hier saß ein Mensch über Wochen dran und wirklich über Wochen, vielleicht sogar ein halbes Jahr. Das muss ja immer wieder auch trocknen. Wie erreicht er das? Dieses Bild wirkt wirklich wie zufällig.
Der Bildausschnitt wirkt ein bisschen, als sei das nicht anders möglich gewesen. Wenn man mal genau hinguckt, dann stellt man fest, dieses Bild ist ziemlich gut konstruiert. Im oberen linken Viertel, weniger als Viertel, ist der Himmel. Im oberen rechten Viertel... Und zwei Viertel ist der Wald. Dann hast du eine Horizontlinie, die so im goldenen Schnitt so knapp unter zwei Drittel der Bildhöhe entlangläuft, wo die Wiese aufhört, diese sehr, sehr große Wiese.
Dann hast du die Frau, die ist knackig in die Mitte gesetzt und ihre Körperbiegung, also das machen wir Kunsthistorik, wir zerlegen ein Bild, bis es jeder Poesie wahr ist. Die Körperbiegung der Frau ist, wenn du ein Kreuz durch das Bild schlagen würdest, nämlich die Mittelachse und die horizontale Achse, würdest du relativ direkt an ihrem Rücken rauskommen.
Und warum macht ihr das, um zu beweisen, es ist nicht kitschig, um zu sagen, wenn es jetzt sozusagen unseren Anforderungen, goldener Schnitt und was weiß ich alles entspricht, dann kann es nicht kitschig sein, weil es malerisch zu gut ist? Ich versuche über Umwegen zu beweisen, also es ist nicht kitschig, weil hier kein Sentiment drin ist.
Also ich glaube zu Kitsch gehört noch mit dazu, dass jetzt irgendeine geschmackliche zu viel Einheit da drin wäre. Ist es nicht, nein. Dieses Bild wirkt ein bisschen deskriptiv, also als würde es einfach nur etwas darstellen, was da ist. Nein, nein, ich wollte eigentlich damit beweisen, dass es schwer konstruiert ist. Also das ist wirklich, der hat sich da sehr, sehr klare Gedanken gemacht, hat dieses Bild aufgebaut.
Der Trick daran ist, ähnlich wie bei Mozart-Symphonien, das muss dann wieder natürlich wirken, als sei das gar nicht künstlich. Und das ist ihm ja sehr gelungen. Du hast ja auf den Schatten angespielt. Dieser Schatten hilft natürlich, diese beiden Schatten helfen, hier so einen Rhythmus reinzubringen.
Du hast einen Schatten rechts von dem Gehölz, das du nicht siehst, und du hast den Schatten von dem Gehölz, das du siehst, dann hast du diese beiden Wasserflächen, die dann klarlegen, dass die Wiese nicht eben, sondern ein Graben verläuft. Das heißt, du hast alles, was du heute, was du natürlicherweise siehst, was du heute mit so einem Handy-Schnappschuss machen würdest, hast du in dieses Bild rein komponiert.
Nicht auszuschließen, dass er diese Wiese so wirklich gegeben hat und dass er mal kurz skizziert hat, aber bei der Anlage des Ölbildes, hat er spätestens, als er die Frau so geschickt der in der Mitte postiert hat, also Mitte, dass sie sich genau unter diesen Balken aus dem horizontal und quer und vertikalen Ding, hat er bewiesen, dass er dieses Bild komponiert hat, dass es total künstlich ist.
Und das Künstlichste, was ich finde, ist tatsächlich diese Farbe, die mich von Ammonie erinnert hat, weil man ehrlich ist, diese Art von Grün finde ich natürlich. Ja, es sind ja mehrere Grüntöne. Genau, aber diese im Vordergrund, also dieses bläuliche Grün. Genau, das hat eigentlich eine Wiese nicht, aber das dient natürlich, dass das andere satte Grün, dieser Kontrast macht, ein bisschen Volumen in dem Bild, Tiefe, nicht Volumen, Entschuldigung, Tiefe.
Ja, also und jetzt wäre die Frage, was müsste es kitschig machen? Die Blumen könnten vielleicht bunter, größer, aufdringlicher sein. Kitschig ist ja, also es gibt ja jetzt keine rasend gute Definition für Kitsch, aber es ist einem zu viel an Gefühl. Und was zu viel ist, natürlich ist es ein bisschen kulturell.
Ich würde sagen, in Asien ist deutlich mehr an Gefühl und Sentiment drin und es ist trotzdem nicht kitschig, weil die es auf andere Art und Weise einhegen. Aber bei uns wäre jetzt eben... So ein, ja, Blumen stehen im Kitschverdacht. Ja, aber das ist richtig. Aber du hast ja auch, was ich vorhin auch, habe ich ja auch vorhin gesagt, irgendwie, also sagen wir, das Genre, die Idee dahinter ist irgendwie kitschig, aber es ist null kitschig.
Es ist einfach nur schön. Wobei man natürlich sagen muss, wenn man sagt einfach nur schön, da ist schon das nur schwierig. Es ist schön. Es ist natürlich und natürlich schön. Und die nächste Frage ist zum Beispiel, wer interessiert sich für solche Bilder? Ich vermute mal, Kinder nicht. Also meine Kinder würden daran vorbeilaufen. Die interessieren sie tatsächlich.
Also wenn rechts davon ein Bild ist mit zwei Rittern, die die Klingel kreuzen, klare Sache. Das heißt also, es ist auch kulturell und altersabhängig, wo man hingezogen wird und was man schön will. Naja, es löst bei dir sofort dieses Gefühl aus. Da möchte ich sein. Sommer, da möchte ich sein, alles ist gut, die Welt ist in Ordnung und so.
Ich habe mir jetzt ja viel Gedanken gemacht, warum liebe ich die Region an der Schlei eigentlich so. Was ist da? Weil da passiert ja eigentlich nichts. Also das ist einfach eine relativ platte Gegend. Aber sattes Grün und satter blaue Himmel, wenn es blau ist. Ja, und dann läuft gut. Und dann läuft ja dieser Fluss durch.
Und es ist, glaube ich, genau das. Es ist, glaube ich, in einer Zeit, in der andauernd hier ein Reiz, da ein Reiz, da ein Reflex, da passiert irgendwas. Und dann bist du irgendwo, wo nichts ist. Wo nichts ist. Aber da ist ja nichts. Die Schlei ist ja einzig verbreiternder, verengender, Wasserlauf. Aber so richtig, verstehst du, so richtig was passiert nicht.
Ich muss mal an die Schlei. Du kannst ja auch an der Schlei so entlang wandern und dann merkst du so, was es mit dir macht. Es entschleunigt dich halt so unglaublich schnell und es ist ganz schwer in Worte zu fassen, warum das eigentlich so ist. Aber ich glaube, es ist einfach auch so, es ist was anderes, wenn du auf Sylt bist.
Dann kommt das Meer und dann brauchst du das und so. Das passiert alles anders. Es kommt mal einer vorbeigefahren und so. Es gibt in dem Buch eine Szene, wo der Protagonist neben einem Angler steht und dann diesen Angler bewundert irgendwie und anguckt und sich denkt immer, ist Angeln eigentlich sozusagen das Yoga der Männer?
Wahrscheinlich ja. Also du kannst im Moment sein, aber es ist irgendwie trotzdem, hat es irgendwie einen tieferen Sinn. Du machst es ja nicht nur, also Yoga machst du einfach dann so und dann sagst du, ich mach das nicht um Fische zu. Und dann fragt er diesen Fischer, diesen Angler irgendwann, weil er einfach was sagen will, das klassische Frage, beißen sie?
Und dieser Fischer antwortet erst nicht und dann nach fünf Minuten sagt er, als ob es darauf ankommt. Und das ist sozusagen die Antwort, die die Schlei auf alle Fragen gibt. Und das ist ja auch hier so, dass du denkst, weißt du, Ukraine-Krieg, Inflation, Gaspreise, Wärmepumpen, alles weg. Sommer. Und darauf kommt es halt auch nicht. Also was ich damit sagen will, dieses Bild sagt dir auch, darauf kommt es nicht an.
Ich glaube, dieses Bild ist auch so ein bisschen eine Analogie zu Poesie, die bei uns ein bisschen unter die Räder geraten ist. Gute Gedichte sind ja nicht mehr so... Gibt es eigentlich noch Poesiealben in Schulen? Nein, da gibt es nicht mehr. Nicht, dass ich wüsste. Freunde, Freunde, Freunde. Freundebücher gab es noch. In der Grundschule gab es das schon.
Meine Erinnerung, also meine, sagen wir mal, Studierenden, Studentenzeit, ich bin ja Mann, war in Erlangen. Erlangen liegt im schönen Frankenland und da ist der Sommer ganz, ganz wunderbar. Also du kennst eigentlich von Juni bis September, kannst du fantastische Radtouren machen, wahlweise durch die Fränkische Schweiz oder, aber ich bin dann immer von Erlangen Richtung Ansbach und da fährt man durch ein Land, das von bezaubernder Anmut ist, denn es sind leichte Hügel, auf denen gerne mal ein Wald ist.
Und was ich in Erinnerung habe, ist erstens diese Farben, dieses Gesättigte. Und das Geräusch von Zikaden sind es vielleicht wahrscheinlich. Und dann radelt man dadurch über eine wenig befahrene Landstraße, hat den Wind im Nacken und dieses Gefühl, das ist in diesem Bild so ein bisschen drin, diese Sommerwiese, über der es ist nicht so heiß, aber definitiv sommerlich warm und dieses Grün versichert einen, dass es hier nicht vollkommen dürr ist.
Also dieses Gefühl beinhaltet dieses Bild. Und ich glaube, Kinder müssen erst dieses Gefühl erfahren. Also wenn ich mit meinen Kindern durch eine sommerliche Frankenradel, vermutlich mal finden die es auch gut. Aber erst später werden sie an dieses Bilde sich erinnern. Ah, so schön war der Tag im Juni in Franken. Du brauchst als Kind auch nicht diese Entspannung, dieses Runterkommen.
Als Kind brauchst du eher Aktion und Spannung und so. Da muss irgendwie was passieren. Ich weiß nicht, wie oft ich den Satz gehört habe, nach einem, wie ich dachte, erfüllten Tag und was machen wir morgen? Wobei, das frage ich mich eigentlich auch immer, das ist dieses, war heute so gut, das will ich morgen nochmal haben, oder?
Nein, aber nee, nee, nee, was machen wir morgen? Also was machen wir morgen Neues? Oder wenn du fünf, sechs, sieben Sachen gemacht hast an einem Tag und dann, um was machen wir morgen oder was machen wir jetzt? Wo ich denke, jetzt machen wir mal gar nichts. Also dieses Gefühl, dass man auch gar nichts tun kann, das habe ich jetzt auch gemerkt übrigens, dass sozusagen als die Kinder klein waren, fanden sie die Schlei total interessant.
Jetzt finden sie sie eigentlich langweilig. Ja, ne, man kennt das und... Nein, nein, dafür ist es ein langer, ruhiger, es ist ja kein Fluss, aber ein langer, ruhiger Fluss am Ende dann doch, weißt du. Und es ist eben halt nicht, oh, spannend, geht zurück, geht raus, genau wie die Ostsee, die ja auch irgendwie sowas irgendwie, da passiert ja nicht viel auf der Ostsee.
Naja, wenn du in deinen Teens bist, interessieren dich Menschen, Menschen und Menschen, Interaktion miteinander, da ist so ein Wald vollkommen wurscht. Also auf der Wiese fünf Leute der eigenen Clique, schon ist die Wiese deutlich. Und dann liegt man natürlich gerne in der flirrenden Sonne. Alleinsein ist, glaube ich, auch etwas, was erst später passieren kann oder muss.
Also ich habe kein Problem damit, dass Kinder an diesem Bild vorbeigehen und bei dem Aktionsbild nebenan stoppen. Ich glaube, das wäre interessant zu wissen, was sehen das Asiaten genauso wie wir? Ist das ein universell sommerliches Bild? Ich glaube ja und ich glaube, interessant ist auch, damit habe ich mich immer beschäftigt, mit dem, in wie vielen Buchtiglern das Wort Sommer steht. Das ist unvorstellbar.
Sommer, Sommer, Sommer, Sommer, Sommer. Hamburger Autor Stefan Schäfer, letztes Jahr, vergangenes Jahr, großes Buch geschrieben. 25 letzte Sommer. Christoph Kramer, das Leben fing im Sommer an. Also Sommer an sich ist schon das letzte Jahr so viel frei, dass du schon immer, auch wenn du ein Sommerbild machst, hast du es immer einfacher als...
Aber Herbst, ja, aber dann versuch das mal mit Winter. 25, letztes Winter. Sommer ist immer dieses, weil es ist wirklich so, es ist hell, es ist fröhlich, es ist warm, uns geht es allen gut. Ich glaube, norwegische Bücher spielen wahrscheinlich lieber im Winter. Nein, aber es spielen auch viele deutsche Bücher im Winter, aber ob sie sich so gut verkaufen, ist ja die zweite Frage.
Ich würde damit sagen, du hast es mit so einem Bild einfacher, wobei man hier einfach sagen muss, es ist einfach fantastisch, gemalt und es ist Es ist halt wirklich auch, es ist nicht immer so hingemalt, sondern es ist, ich will nicht sagen, jeder einzelne Grashalm, jede einzelne Blume ist ein wunderbares Kunstwerk.
Also jeder Strich hat eine Stimmung beigetragen zu einer Stimmung. Und ich muss sagen, ich bin ein großer Fan dieses Bildes und würde es mir gerne mal auslösen. Hätte jetzt für die nächste Woche diesen Begriff, den ich gar nicht so kannte, Coming of Age heißt es ja. Coming of Age, sagte mir Christoph Kramer, das sei die Gattung, in dem sein Buch erschien.
Da gibt es ja viele dieser, ich glaube, Fänger im Rocken ist auch Coming of Age. Tom Sawyer und Huckleberry Finn ist wahrscheinlich auch in die Richtung gehend. Also letztlich geht es dann darum, wie kommt man sozusagen aus der Kindheit in die Jugend. Da geht es viel um die ersten Male, die erste Liebe, die erste Enttäuschung.
Ist das dein nächster Auftrag? Das ist mein nächster Auftrag. Coming of Age. Oder auch alternativ Erste Male. Das ist vielleicht noch schöner als Coming of Age. Das ist wieder so ein englischer Begriff. Erste Male. Ich werde erstmal recherchieren, was ich zu Coming of Age... Ich weiß, ihr habt das auch in der Kunst eine Rolle?
Wahrscheinlich schon, oder? Ich glaube, das Problem ist, mit Erste Male kann ich nicht so viel anfangen, weil ich habe wenig Erinnerung. Es gibt ja so einen Kult um Erste Male, von Sex bis Kino. Nein, es geht auch um viel mehr. Es geht auch wirklich um den ersten Kuss. Die erste Enttäuschung. Ich habe nur Erinnerungen an den ersten Kuss. Ich könnte wahrscheinlich ungefähr rekonstruieren, mit wem das hätte sein können. Und selbst das wüsste ich nicht so genau. Weißt du das?
Aber ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Nein, ich weiß es auch nicht. Ja, also der Punkt ist, damit Küsse memorabel sind, sollten sie bewusst geschehen. Und ich kann mich meines letzten Kusses erinnern. Der war heute. Wenn ein Kuss von deiner Frau war, ist es ein schönes Kompliment. Erste Male Coming of Age, da haben wir erstmal die nächsten ein, zwei Male gut zu tun.
Wir hören uns in der nächsten Woche wieder. Bis dahin. Tschüss.