Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 268

Und es war Sommer

Samstag, 31. Mai 2025 · 26 min

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Shownotes

Tauche ein in die Welt der griechischen Mythologie! In der neuesten Folge von "Ich sehe was, was du nicht siehst" sezieren Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider George Dunlop Leslies anmutiges Gemälde „Nausikaa und ihre Dienerinnen“ aus dem Jahr 1870. Lass dich überraschen von den Geschichten, die dieses Bild erzählt!

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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Haider. Ich bin Alexander Klar. Und der Direktor der Hamburger Kunsthalle. Und ich, wir sitzen ja jede Woche zusammen und sprechen über Kunst und das macht riesige Freude.

Und ich kann nur sagen, ich glaube, heute wird die Freude besonders groß sein, weil, lieber Alexander, du hast ein, wie ich finde, besonderes Bild ausgesucht. Ich frage mich, warum dieses Bild, ob es wirklich nur damit zusammenhängt, weil jetzt Frühling, Sommer 1, 2, 3 ist. Doch, ich hatte Sommerlaune, muss ich zugeben.

Du hast Sommerlaune gehabt, wobei, ja, ist dieses Bild so richtig sommerlich? Ich beschreibe es mal. Wir reden über ein Hochformat und ich bin die ganze Zeit am Rätseln. Woher ich die Frau, die ganz vorne sitzt, man hat das Gefühl, man kennt sie, man hat das Gefühl, diesen Blick habe ich schon hundertmal gesehen.

Kennst du das, wenn du manchmal jemanden siehst und denkst, woher kenne ich den, woher, woher, woher? Und es, ah, weißt du was, weißt du, wie die guckt und wie die aussieht? Das wird dir jetzt nichts sagen. Sie guckt und sieht aus, sie hat diesen Blick von Jennifer Wilden. Nun wirst du dich fragen, wer ist Jennifer Wilden.

Jennifer Wilton ist, ich hoffe, das ist sie noch aktuell, die Chefredakteurin der Welt. Und ich kenne sie, weil ich eine Zeit lang in Berlin gearbeitet habe, in der Redaktion der Welt. Und das ist genau dieser Blick, so ein bisschen so eine Mischung aus. Fast so ein bisschen traurig, melancholisch, manchmal aber auch ein bisschen beleidigt.

Daran hat mich dieser Blick geändert. Also, was sieht man? Man sieht vier Frauen. Eine Frau, die steht im Vordergrund, trägt ein weißes Kleid, hat sich so hingesetzt auf eine Stufe, auf einen Stein und lehnt sich an eine andere Frau an, die ihr gerade die Haare macht. Und offensichtlich geht es um diese Frau in dem weißen Kleid.

Das ist die Frau, um die sich alles dreht. Und dann gibt es drei andere Frauen und die kümmern sich um sie. Die Frau dahinter... Etwas jünger, angezogen, so ein bisschen wie eine Bedienstete, also mit so einem Kopftuch, mit so einer, weiß ich gar nicht, vielleicht auch eine Freundin mit so einem grünen Kleid, flechtet ihr gerade die Haare und flechtet da offensichtlich irgendwelche Blumen rein.

Die Frau, der die Haare geflochten werden, stützt sich mit ihrem linken Arm auf der Flechterin ab. Der rechte Arm liegt auf einem Kissen. Da hat sie auch irgendwas in der Hand. Ich weiß nicht, was es ist. Heute würde man sagen, es könnte so ein Stressball sein heute, aber es ist natürlich da nicht. Daneben sitzt eine Frau, die eher in so gold-orange-braunen Tönen gekleidet ist.

Eine sehr, auch sehr junge Frau. Ich glaube, am Ende sind das wahrscheinlich Freundinnen. Und die hält eine Schüssel, eine Schale in ihrer Hand und gießt da gerade Wasser ein. Vielleicht will sie da irgendwie, hat das auch noch so mit zu tun, dass sie sich gleich um die Hände kümmert. Vielleicht macht die die Maniküre.

Die Frau mit dem weißen Kleid, um die sich alles dreht, hat auch unten, ja, die ist die da barfuß, die ist wahrscheinlich nur so Sandalen an. Und aus dem Hintergrund kommt eine weitere Frau, auch die ist sehr elegant gekleidet mit einer Perlenkette. Und die trägt eine Art Umhang, also einen großen Umhang, den bringt sie vielleicht gleich, wenn die Frau mit dem weißen Kleid fertig ist, kriegt sie vielleicht diesen Umhang.

Sofort denkt man natürlich, wird da eine Frau fertig gemacht für eine Hochzeit oder für einen besonderen Auftritt. Das könnte sein, der Gegenspricht, dass diese vier Frauen eben nicht vor einem Haus sind oder in einem Haus, sondern sie sind irgendwo in einem Waldstück oder es kann auch ein Ufer eines Sees sein, da sind so Steine.

Drumherum ist halt viel Natur und viel Landschaft und vielleicht wird die Frau auch getauft. innen. Das kann natürlich auch sein. Sie trägt ein Taufkleid. Das sind so die Sachen, die einfallen. Aber ich finde, es gibt keine sommerliche Atmosphäre, sondern es ist eine Atmosphäre von Nachdenklichkeit, von Melancholie.

Die Frau sieht nicht aus, als ob sie sich jetzt freut auf das, für das sie gerade vorbereitet wird. Vielleicht ist das nichts Schönes. Dazu passen so diese Blumen, die so vereinzelnd vor ihren Füßen auf diesem Felsen liegen. Und sie ist so dahin drapiert, dass man auch denken könnte, vielleicht wird sie auch vorbereitet für ein Porträt, das angefertigt werden soll.

Ich bin gespannt, was es ist. Es ist auf jeden Fall ein wunderschönes Bild mit vier sehr aparten Frauen. Und ja, wahrscheinlich ist es tatsächlich die eine in der Mitte, die mit dem weißen Kleid ist die Chefin und die anderen sind Bedienstete, die sich um ihr Wohlergehen kümmern. Zumindest ist sie die namensgebende Figur in dem Bild.

Genau, sehr schön. Ich erinnere mich, meine lange Zeit vor jeglichen Gendern gab es schon bei mir einen Dozenten, der schaffte wertfreie Zuschreibungen. Und er hätte dann gesagt, apartes Personal im Bild und hätte dann offengelassen, welche Geschlechtlichkeit das ist. Ja, es sind aber tatsächlich vier junge Frauen und die weiß gekleidet, sie sind nach Art der Mythologie antik gekleidet.

Das heißt, man kann das tatsächlich ein bisschen ins Historische verweisen. Also das, was die weiß gekleidete Hauptfigur trägt, ist ein griechisches Gewand hochgegürtet. Der Gürtel verläuft knapp unterhalb des Busens. Das heißt, das ist so etwas, was spätestens wie der Biedermey interessant wurde. Das Bild stammt um 1870, ganz genau wissen wir es nicht, ist von einem Engländer gemalt, George Dunlop Leslie, Ausweis der internationalen Orientierung der Hamburger Kunsthalle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hatten wir jemals schon Engländer?

Vielleicht noch nicht, vielleicht. Sind die Engländer, also ich finde wir haben so viele Holländer, aber die Engländer in der Kunst ist das? Ja, ne, wir haben, also wenn man zu uns in den Makatsaar kommt, wo dieses Bild auch hängt und es ist kein kleines, deswegen sieht man es sofort, haben wir viele Engländer, denn tatsächlich war im 19.

Jahrhundert, gerade Mitte des 19. Jahrhunderts war England führend, hat mal kurzfristig gerade zu Frankreich Konkurrenz gemacht, weil England natürlich auch, da herrschte genügend Geld, um auch eine ordentliche Kunstproduktion zu gewährleisten. Die Holländer haben wir im 16. und 17. Jahrhundert, die Franzosen haben wir im 18.

Und 19. Jahrhundert, die Engländer haben wir im 19. Jahrhundert und die Deutschen haben wir über all die Zeit, aber die Hochzeit der Deutschen beginnt ja erst ab. Im 19. Jahrhundert dann. Jedenfalls Thema des Bildes ist dann eben auch eine Mythologie. Das ist nämlich Nausicaa und ihre Dienerinnen. Und Leute wie ich, die Homer und die Odyssee verehren, können sofort das zuweisen.

Die Nausicaa, das ist eine Phaerkenprinzessin. Eine was bitte? Eine Phaerken, die Phaerken geschrieben P-H-A-I-Phaerken, sind ein mythisches Volk, das man gar nicht zuweisen kann. Der Ort, in dem sie leben, ist nämlich auch ein unbekannter Scheria. In der Odyssee ist er sehr weit weg von Ithaka. Das heißt also, wenn man mal annimmt, dass sich Odysseus nicht aus dem Mittelmeer raus bewegt hat, könnte das an der nordafrikanischen Küste sein.

Es könnte, wenn eine Insel Mallorca oder Sardinien sein, unwahrscheinlich, dass es Zypern ist, weil das hätte so ein Homer gekannt. Also wir vermuten mal, das ist ein Volk, was weit im Westen war und die Geschichte, das ist die, glaube ich, vorletzte Etappe, die der arme Odysseus unter sich bringt. Und die Geschichte ist schnell erzählt, den hat ein Sturm ans Land verschlagen und im Gebüsch hat er sich ausgeruht, Schiff untergegangen, Freunde alle weg, er ist über.

Und gleich, die Athene hat die Nausicaa ans Ufer geschickt zum Spielen, aber eigentlich um den Odysseus zu finden. Die Athene, das ist die Göttin, die den Odysseus gut fand. Seit dem Paris-Urteil war ja die Götterwelt geteilt. Einige waren für die Athene, für die Attiker, für die Griechen und die anderen waren für das untergegangene Volk der Ilias.

Und die Athene war immer auf Odysseus' Seite und schickt also die da hin. Und ich glaube, in der Geschichte wird auch erzählt, dass sie Ball spielen. Der Ball rollt ins Gebüsch und da liegt dann der Mann. Und die Dienerinnen schreien, laufen schreiend weg, aber die tapfere Prinzessin holt ihn dann raus.

Und es ist auch, glaube ich, eine Geschichte einer Versuchung, hatten wir ja auch unlängst. Der Odysseus soll nochmal versucht werden, aber wie wir wissen, ihn hat es nach Hause getrieben zu seiner Frau. Das heißt, seines Bleibens wird da nicht sein. Interessant ist, dass auf diesem Bild der Odysseus keine Rolle spielt.

Also der muss irgendwo rechts oder links dieses Bildes schicken. Das heißt, dieses Bild widmet sich wirklich nur ja, eigentlich nicht mal einer Geschichte aus der, eigentlich müssten die Ball spielen, damit irgendwas passiert. In Wirklichkeit sitzen die aber da. Die eine Dienerin pflicht das Haar der Nausicaa. Die andere bringt eben dieses.

Und das Wasser, ehrlich gesagt, das kann das Meer nicht sein. Das ist ein Flüsslein, hätte ich mal gesagt. Genau, so ein Fluss. Also eigentlich eine quadratische Themaverfehlung ist aber eine schöne Geschichte, ein schöner Beweis dafür, dass die Mythologie zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch ein ganz dünner, ferner Schatten war.

Man musste nur in den Titel Nausicaa schreiben, dann wusste das gelehrte Publikum. Was es davon zu erhalten hat und dann konnte der Maler damit machen, was er wollte. Aber das ist ja interessant, weil ein paar hundert Jahre später, was hast du gesagt, wann ist es gemacht? Von 1870. Also mehr als hundert Jahre später weiß man das im Zweifel. Ich hätte es nicht gewusst.

Also wenn du jetzt sagst, wenn du den Titel sagst und dann sagst, ja guck mal, du musst doch wissen. Weil dir die klassische griechische Bildung vor enthalten wurde. Ja, aber das ist ja wahrscheinlich bei gar nicht mal so wenig Menschen so, oder? Also meine Kinder können die Ilias rauf und rauf. Natürlich.

Ja, interessant. Jetzt sind wir in einem Zeitraum, wo man sich fragt, wer weiß das und wer nicht. In Griechenland 100 pro, das ist absoluter Schulkanon. Ich habe gar keine Frage, dass die im Deutschen, wahrscheinlich muss man da seine Kinder auf ein altgriechisches Gymnasium schicken. Ja, und in England ja auch. Aber was ich damit meine ist, es ist ja trotzdem unbestritten, das ist ja interessant, es ist ein tolles Bild.

Und es ist ein Bild, über das man ganz lange sprechen kann, aber du brauchst die Assoziation zu Odysseus und so ja nicht. Vielleicht ist es sogar so, dass wenn du sie hast, vielleicht hilft sie dir gar nicht. Im Gegenteil ist für dich ja die Irre führen. Dieses Bild möchte gar nicht. Interessant, jetzt sind wir bei dem schönen Thema Ikonografie.

Ikonografie ist, was Kunsthistoriker lernen, nämlich ein Bild deuten. Ikonografie ist teils feststehend, nämlich, keine Ahnung, wenn es heiligen Bilder sind, dann ist klar, dass ein Heiliger ein Attribut hat. Und wenn man die Maria in blau und rot, wenn man eine Frau mit einem Kind in einem alten Bild sieht und die Frau trägt auch noch blau und rot, ist vollkommen klar, dass nicht irgendeine Frau hat. Das ist Maria und Jesus.

Heilige haben Attribute, die man mit dazu kommt. Und dann kommt nach, also mit der Emanzipation der Malerei von der Kirche, von den kirchlichen Aufträgen, treten neue Themen rein. Und was passiert in der Renaissance? Es kommt die klassische Antike hinein. Auf einmal beginnen die Leute, sowohl kirchliches Bildgut zu beherrschen, als auch jetzt taucht es langsam auf, die Wiederentdeckung der Klassiker.

Und jetzt beginnen die Geschichten mehr und mehr zu werden. Eins ist nie verloren gegangen, die Gründungsgeschichte Roms beruht ja quasi auf der Ilias. Das heißt, wenn ein junger Mann einen Älteren rausschleppt, dann ist der ältere Pyramus und wird gerade von seinem Sohn gerettet aus dem brennenden Troja.

Das wusste man auch um 1600 oder um 1500. Aber langsam entdeckt die Welt wieder die Mythologie. Und jetzt im 19. Jahrhundert ist man übersatt an jeder, also dass in der Schule gelernt wird, die Ilias rauf und runter und die Odyssee rauf und runter, ist gar keine Frage, bis hin zu ganz abseitigen Geschichten.

Also im 19. Jahrhundert wird die Ikonografie richtig reich und weit. Genau, und im 20. Jahrhundert passiert dann irgendwann dieser Switch, der irgendwie, ja... Mit dem Aufkommen von Ideologismen ist klar, dass wir neue Geschichten haben, die viel, die das alles verdrängen und es wird menschlicher, es wird weniger mythisch.

Und dann geht das verloren. Ja, bloß die Frage, ist ein Verlust oder? Also interessant ist dieser Begriff der Ikone. Also man sagt ja, das ist ein ikonisches Bild zum Beispiel. Du hast es vorhin gerade gesagt, also hast du es vorhin gesagt oder hast du es beim letzten Mal gesagt, jetzt weiß ich es gar nicht mehr.

Ich glaube, zum letzten Mal gesagt, dieses Bild, Selensky und Trump auf diesen Stühlen im Vatikan. Ich weiß nicht, ob das schon ein ikonisches Bild ist. Aber es gibt so bestimmte Bilder, wo dann auch in Redaktionen von Zeitungen sich neun von zehn Redaktionen entscheiden. Dieses Bild kommt auf die Titelseite der Zeitung des nächsten Tages, weil man das Gefühl hat, das ist ein ikonisches Bild.

Wann ist ein Bild ikonisch? Weil, wie du das beschreibst, klingt es so, als ob eigentlich jedes Bild, was in der Kunst halt ist, ikonisch ist. Potenziell schon, weil es ja auch ein bisschen damit zu tun hat, wie es angenommen wird. Also ihr, ihr Zeitungen, ihr Zeitungsmacher, ihr seid ja quasi die erste Ebene von Geschichtsschreibung.

Das heißt, wenn ihr in der Redaktionskonferenz sitzt, 20 Minuten nach dem Geschehen sagt, wow, da hat der Zelensky den Trump getroffen und der Trump hat hinterher gepostet, das alles ganz anders, als wir es jetzt gedacht haben, dann ist, glaube ich, in vielen Redaktionen der Groschen gefallen. Moment, das ist nicht nur ein ikonisches Bild, sondern das ist möglicherweise ein Turnaround-Moment, wo Dinge anders werden.

Wissen wir natürlich, bei Trump gehen die Turnaround-Moments alle nas lang. Aber dann war die Entscheidung, dieses Bild rein. Noch wissen wir es natürlich nicht. Vielleicht, wenn übermorgen der Trump was vollkommen anderes Irres macht oder wir wissen ja gar nicht, wie die Weltgeschichte läuft, dann ist das wieder obsolet.

Es könnte aber auch sein, dass am Ende des Jahres ihr euch entscheidet, das ist eines der Bilder des Jahres und schon wird es ikonisch er. Dann beginnt die erste Exegese durch Bücher über der Ukraine-Krieg. Und wenn am Ende dieses Krieges dieses Bild ist, dann ist klar, das war der Anfang vom Ende des Krieges.

Und irgendwann geht es dann so weit, dass man dann, dass sich das Bild, man muss das Bild gar nicht mehr ganz zeigen, sondern nur noch Teile. Man muss vielleicht nur noch Umrisse zeigen. So ein bisschen wie dieses, das ist ja so genial, da musste ich neulich eine halbe Stunde drüber nachdenken, als ich mir eine Cola bestellt hatte und dann brachte man mir diese Glasflasche an den Tisch und ich dachte so, wow.

Diese Flasche, die gibt es ja so nicht nur. Diese Flasche ist einmalig und hat irgendeiner mal sich diese Flasche ausgedacht. Und wenn du nur den Umriss dieser Flasche siehst, weißt du, Coca-Cola, da muss nichts draufstehen. Du kommst nicht auf die Idee, dass da Apfelsaft drin ist oder Johannisbeerschorle. so.

Und das ist so, und das kann man ja so hoch treiben bis zu bestimmten Dingen, also bis es dann sozusagen so, ich weiß nicht, ob du Michael Jordan kennst, wenn sozusagen diese Bewegung von Michael Jordan, da weiß jeder, also die das dann nur so als Silhouette dargestellt und so. Und das ist natürlich im wahrsten Sinne des Wortes der Wanderer. Das ist so große Kunst.

Und ikonisch heißt auch immer, dass es ganz viele Menschen gibt, die das ähnlich nachstellen, nach abfotografieren, neu fotografieren. Weil man weiß, sie, das ist ein Zitat. Ja. Richtig? Ja. Also, da sind wir wieder, wo wir letzte Woche waren, nämlich bei der Beherrschung des eigenen Bildes. Was hat der Napoleon geschafft, außer dass er halb Europa mit Krieg überzogen hat und den Kurt Napoleon geschafft hat?

Er hat eine Figur geschaffen, die eine Hand in die Weste reinhält. Du musst, um Napoleon nur nachzumachen, brauchst du nicht mal einen Dreispitz. Der hilft natürlich. Aber du schiebst deine Hand in deine Weste und da-da. Das ist eine sonderbare Sache. Der hat vielleicht sich irgendwie immer seine Niere festhalten müssen oder vielleicht.

Nein, dem ging es, weißt du nochmal, dem ging es genau, wie es Angela Merkel gegangen ist. Was mache ich mit den Händen? Was mache ich mit den Händen? Da haben wir schon gesprochen. Die Hände, die Arme dürfen auf keinen Fall an der Seite abhängen. Also ich muss irgendwas mit der Hand machen und er hat das so reingeschoben.

Merkel hat das ja auch mit der Raute. Erinnerst du dich noch an einen Wahlkampf, wo in Berlin einfach nur die Raute plakatiert war? Genau. Das Ding ist jetzt, damit es Weltgeschichte wird, muss im Endeffekt auch... Die Zeitspanne Merkel muss dann irgendwie wichtig werden in der Geschichte, Nachkriegsgeschichte, das müssen wir nochmal schauen, was passiert und dann braucht man ein Bild dafür und dann hast du möglicherweise Frau Merkel, wie sie da steht, die Hand genau so haltend.

Aber das hier ist ja eigentlich kein ikonisches Bild, es ist nur ein ikonisches Bild, wenn man die Geschichte kennt. Also, dieses Bild fehlt es, glaube ich, an Durchschlagskraft plus der Künstler hat sich ja entschieden, nicht einen Schlüsselmoment aufzunehmen. Also rechts von diesem Bild hängt das riesige Urteil des Paares von Anselm Feuerbach.

Das ist super ikonisch, man erkennt sofort drauf, worum es geht. Da sitzt ein gelangweilter Jüngling und schaut drei jungen Frauen beim Auskleiden zu. Das ist in der Weltkunstgeschichte das Urteil des Paares. Lustigerweise ist das möglicherweise auch das letzte Bild dieses Genres, weil zu dem Zeitpunkt wurde langsam klar, das geht nicht so ganz auf als Geschichte.

Und er, also der Dunlop Leslie hat sich ja entschieden, dass er einen Aperçu schafft, eine Nebengeschichte aufmacht. Und was er geschafft hat, ist dieses attraktive Personal so zu positionieren, dass dieses Bild in sich stimmig ist. Da sieht man eben drei Frauen, die mit einer beschäftigt sind, sie auf zu... Hübschen.

Ja, genau. Auf zu hübschen, darf man sagen, oder nicht? Ja, ich habe gerade Brezeln sagen wollen. Auf Brezeln, ja. Das ist bayerisch, glaube ich. Auch das ist natürlich ein ganz interessanter Fall. Das passiert ja heute auch. Man nimmt eine Ursprungsgeschichte und erzählt seine eigene Geschichte darüber.

Das ist ja manchmal ganz erfolgreich, so aufsatteln auf was Berühmtes. Das macht er jetzt hier. Und findet einen sehr guten Grund, um eine Gruppe von Frauen an einem idyllischen Ort in extrem entspannter Situation. Die sind alle ganz smooth da. Da liegt noch, glaube ich, was ist das? Rotes und es ist, glaube ich, eine Rose, die da liegt. Ein paar Blumen liegen da.

Es ist super idyllisch. Dieses Bild ist das Bild einer Idylle. Ein bisschen habe ich es, glaube ich, ausgewählt, weil ich dachte, dieser entspannte Frühsommer, Spätfrühling braucht mal ein Bild. Und hier haben wir es auf ganzer Seite im Hamburger Amtblatt. Und es hat auch diese Brauntöne, das passt irgendwie auch so ein bisschen in diese Zeit, wo man das Gefühl hat.

War Hamburg nicht mal die Stadt und der Norden nicht mal die Gegend, von der man sagt, es regnet so unglaublich viel, auch im Frühling und im Sommer. Und man hat das Gefühl, es regnet gar nicht mehr. Es fühlt sich fast schon südeuropäisch an. Also als ich aus Wien zurückkam und dachte, ah, jetzt sind die Zeiten, also Wien war auch so 23, 24 Grad und plopp war es dann zwischendurch in Hamburg auch 24, 25.

Ich weiß noch, Anfang Mai, war es nicht sogar der 1. Mai, wo es 27 Grad warm war in Hamburg. Also das ist zwar schon irgendwie, und das passt so ein bisschen. Du hast gesagt, es ist ein sehr, sehr großes Bild. Das ist sehr groß, genau. Das ist an der Wand sehr auffällig. Es ist 2,30 Meter hoch und ich glaube irgendwie so 1,80 Meter breit.

Also ein wirklich großes Bild, sehr auffälliges Bild. Sehr immersiv, man möchte da richtig hineinsteigen. Wird da was? Also immersiv. Man träumt sich da so richtig hinein. Das kann ich mir total, das kann mir das also wirklich, und deshalb sage ich auch, spielt es ja keine Rolle. Also im Gegenteil, wenn man jetzt dann sich dem nähert und sagt, ach guck mal, das geht da auf und du düsst was und so. Also ja, dann ist es, aber ja, dann will man das eigentlich wissen. Ja, vielleicht will man es wissen.

Aber eigentlich will man diese Szene genießen und mit dieser Frau, die so auch leicht, also es ist ja nicht so, als ob irgendwas Erwartungsvolles ist. Und sie weiß, vielleicht ist es einfach nur, dass sie sich hübsch macht. Die sind sehr geduldig. Die hat so einen geduldigen Gesichtsausdruck, weil ihr wird gerade im Haar was geflochten oder was hineingeflochten.

Die anderen sind auch sehr ruhig beschäftigt. Also in diesem Bild ist keine Aufregung. Im Übrigen, das Braune hätte ich gedeutet als viel Schatten. Das ist ja ein Wert im Süden. Also wir reden unter allen Umständen von einem Bild, was im Süden spielt. Und wir reden wahrscheinlich auch von einer sommerlichen Situation.

Und da ist das Braune eigentlich sehr... Also in Spanien, wenn du in der Sommershitze bist, suchst du genau solchen Schatten am Wasser. Und was trägt die Frau in dem, das ist ja auch interessant, dass sie so ein schwarzes Kleid hat, wo du denkst, boah, wenn es richtig warm ist und die sind ja alle, Achtung, die sind ja alle, die Kleider sind sehr, sehr lang und sehen sehr, sehr warm aus.

Also es ist nicht so, dass man denken würde, die Bäume sind so, dass sie anfangen zu blühen, das ist auf keinen Fall Hochsommer, aber so richtig, meinst du, dass es so richtig warm ist, weil dafür sind die ganz schön warm angezogen oder war das das überhaupt nur mögliche, also viel kürzer durfte es damals um 1800, gar nicht sein.

Naja, wir haben ja einen Filter, 1870 guckt auf griechische Mythologie und England guckt auf Griechenland. 1870 ist das gemalt, das Bild kann auch, keine Ahnung, viel, viel früher sein. Also der Punkt ist ja, der hat ja wahrscheinlich nach Modellen gemalt. Die haben dann auch wahrscheinlich antikisierende Kleidung angezogen und das wird halt in England vielleicht weniger Flanell als ein Tuch gewesen sein, was so ein bisschen also ich muss sagen, eine meiner Kindheitserinnerungen ist in Griechenland, da haben ältere Frauen eigentlich immer schwarz getragen und zwar egal zu welcher Jahreszeit.

Da saßen also ältere Mütter neben dem Dorf am Strand vielleicht nicht gerade in der brütenden Sonnenhitze aber im Schatten und haben dicke schwarze Sachen getragen. Warum? Das gehörte sich so. Du entleidigst ja nicht deiner Kleider als anständiger Mensch. Warum schwarz? Warum nicht weiß? Warum nicht heller? Du hast recht, wenn man durch Griechenland durchgeht, Hat auch was mit dem Glauben zu tun? Also ich glaube, naja, das hat natürlich ein bisschen mit der Härte dieses Lebens zu tun.

Es war oft so, dass die Frau den Mann überlebt hat und die Frau hat natürlich im ersten Jahr nach dem Tod des Mannes Trauer getragen, schwarz. Und ich könnte mir vorstellen, dass das so eine Art Status war. Witwe ist ein respektabler Zustand und das schwarz signalisierte, ich bin Witwe. Und dann haben die Möglichkeit, ich spekuliere jetzt, alle unsere griechischen Hörerinnen mögen mich verbessern. Ich vermute mal, das hat sich dann eingebürgert, dass man einfach die schwarze Trauerkleidung als ältere Frau weitergetragen hat.

Im Übrigen hat meine Mutter immer behauptet, naja, was gut ist gegen Kälte, ist auch gut gegen Hitze. Das wird vielleicht gar nicht so heiß da drin. Das habe ich nie ausprobiert, weil ich kein schwarzes Teile... Aber du weißt ja, wenn du in einem schwarzen Auto sitzt oder in einem hellen Auto, das schwarze Auto lädt sich viel stärker auf.

Ja, jetzt ist aber Stoff anders und da geht ja vielleicht ein bisschen Wind durch. Ich bin schwarz am Strand gesessen, deswegen kann ich das aus eigener Anschauung nicht sagen. Ich weiß nur einfach, das ist ja bis heute eigentlich, glaube ich, sieht man das in Griechenland immer mal wieder, aber es war, wir reden jetzt von den 70er Jahren, als ich klein war, da hat man das überall gesehen.

Im Übrigen, die Männer haben auch schwarz, da haben die gerne schwarze Pumphosen. Also auf Kreta hat der Mann viel schwarz getragen, auch bei jedem, also ein weißes Hemd, über dem da eine schwarze Weste war zum Beispiel. Also schwarz war einfach die Farbe, die man da trug. Hier überhaupt kein schwarz, sondern dunkle. So ein bisschen von den Tönen, von den umliegenden Tönen, ist es eher so ein bisschen Herbstfarben.

Die Farben sind herbstlich. Oder gedeckt sommerlich. Gedeckt sommerlich, aber auf jeden Fall ein großartiges Bild und eine großartige Szene, völlig egal, woher sie kommt. Das hast du... Freut mich. Das hast du schön. Aber es ist etwas, was in der Kunsthalle immer hängt. Das hängt immer. Im Mackertsaal bewegen wir sehr wenig, weil es einfach immer, wenn man es weghängt, ist eine riesige Lücke, die man nicht so einfach ersetzen kann.

Dieses Bild findet man Jahr aus, Jahr ein. Das gehört zu den ganz festen Dingen. Interessant, das ist mir im Mackertsaal, aber das ist auch so interessant wahrscheinlich, weil so viele Bilder hängen, dass am Ende dann zwei, drei, die dominieren das. Dann muss man wieder hingehen, dann muss man sich bewusst vornehmen, die zwei, drei vom letzten Mal nicht anzugucken.

Das ist so ein bisschen auch das Ziel der Übung. Du gehst ja durch die Treppe hinauf, die ja per se schon eine gewisse Pracht hat und auch Bilder. Und dann bist du da drin und du wirst da überwältigt. Da hängen an die 80 Bilder, würde ich mal sagen. Ich habe es mal gewusst, wie viele es waren, aber es sind viele.

Und natürlich erwarten wir nicht, dass alle Menschen da durchgehen und die drei Reihe Hängen durchgucken. Für Hamburger, das ist ja, wo du ankommst im Raum, für Hamburger der Tipp, naja, schaut euch mal jedes Mal ein anderes Bild an. Es ist halt eine sinnhafte Zusammenstellung. Wir haben an allen eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs Wandteilen Themen.

Also sechs Themen sind da drin und die kann man nicht einfach, wenn ein Bild ausgeliehen wird, haben wir echte Schwierigkeiten, das aufzuführen. Oder nimm dir dann nur den Makatsaal vor. Das reicht eigentlich. Du kannst ja in den Makatsaal dich auch locker... Das ist eine Gemäldegalerie. Genau. Also mit 80 nehmen wir an, du nimmst dir jetzt für jedes Bild nur eine Minute Zeit, dann bist du schon fast 90 Minuten da drin.

Und tatsächlich ist ja mein Ansinnen, dass beides ist, dass wir ein sehr, sehr bewegliches Museum sind, als auch ein sehr, sehr zuverlässig die Klassiker zeigend. Und das ist so ein bisschen ein, das ist ein wirklich eine konservative Hängung, konservativen sind bewahrend. Hier ändern wir nichts, das wirst du in den nächsten. Solange ich zuständig bin, wird sich am Makar-Saal nicht viel ändern.

Das ist doch schon mal eine gute Nachricht. Und es wird sich auch nichts daran ändern, dass wir uns nächste Woche wieder hören. Und ich befürchte, dass du in so einem Frühlings-Sommer-Fieber-Gefühl bist. Und ich hoffe nicht, dass das passiert, was dann immer passiert in den vergangenen Jahren. Aber ich befürchte, vielleicht passiert es doch.

Also wir sind gespannt. Nächste Woche sehen wir uns wieder. Bis dahin. Tschüss. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.

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