
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 264
Wenn man Venedig faltet
Samstag, 3. Mai 2025 · 26 min
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Shownotes
"Ein gefaltetes Venedig? Was auf den ersten Blick wie eine abstrakte Komposition wirkt, entpuppt sich als faszinierende Reise durch die Kanäle und Gassen der Lagunenstadt. In der neuesten Folge von 'Ich sehe was, was du nicht siehst' enthüllen Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider die verborgenen Geheimnisse von Fedele Maura Friedes 'Verschiedene Proben 1'. Ein Kunstwerk, das die Grenzen zwischen Malerei und Architektur verschwimmen lässt. Seid dabei, wenn wir gemeinsam dieses einzigartige Venedig erkunden. Jetzt überall, wo es Podcasts gibt!"
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Music. Herzlich willkommen. Ich bin Lars Haider. Ich bin Alexander Klar und ich bin nicht der Chefredakteur des Hamburger Abendblattes. Und ich bin nicht der Direktor der Hamburger Kunsthalle.
Mir wurde neulich mal von jemandem gesagt, erzählt doch mal, was ihr da eigentlich immer macht. ihr setzt immer voraus, dass es immer die gleichen Hörer sind, sind es natürlich nicht. Also, Alexander Klar, der Direktor der Hamburger Kunsthalle und ich, wir sprechen über ein Bild, was Alexander Klar oft nach meinen Wünschen also mit einem Thema vorgegeben und dann sucht er das aus und dann sprechen wir 25 Minuten darüber.
Weil Alexander, das muss man auch nochmal sagen, wir uns kennengelernt haben und ich gesagt habe, ich habe keine Ahnung von Kunst. Wahrscheinlich, es gilt nee, ich habe jetzt schon mehr Ahnung von Kunst, als ich vor diesen vielen Jahren, als wir angefangen haben, gehabt habe. Und da hast du gesagt, darauf kommt es auch nie an.
Ich glaube, ich habe ein bisschen patzig gesagt, das kann man einfach nicht so sagen. Das darf man als Chefredaktur gar nicht so sagen. Du hast souverän reagiert und gesagt, was ändern wir denn daran? Und ich habe in meiner Erinnerung gesagt, ja, weiß ich auch nicht so genau. Und dann kamst du kurz danach mit dem Vorschlag, machen wir noch einen Podcast.
Und sprechen über Kunst, ich muss sagen, das macht mir große Freude, wobei ich einschränkend sagen muss, bis heute hat es mir Ich habe jetzt wirklich, also ich habe wirklich, ich habe ja, es ist immer herausfordernd, ein Bild zu beschreiben, was diejenigen, was diejenigen, die es, die das hören, jetzt ja erstmal nicht sehen.
Und ich finde immer schön, wenn Hörer und Hörer mir dann schreiben und sagen, das Bild war genau so, wie sie es beschrieben haben. Aber ich finde auch interessant, sie sagen, ich habe es mir ganz anders vorgestellt, weil natürlich die Bilder dann im Kopf entstehen bei den Leuten. Aber heute fordert es den ganzen Menschen, weil, okay, ich habe gesagt, bring mir ein Bild mit, was keine große Kunst ist.
Und ich hätte natürlich darauf kommen können, dass du dann vielleicht einfach eine Skizze mitbringst, was Unfertiges. Und das ist etwas Unfertiges, aber es ist so irre. Also, erst mal reden wir, du hast mir ein... Ja, letztendlich ist es, aus meiner Sicht darf ich sagen, es ist offensichtlich eine Art DIN A4-Zettel.
Und dieser DIN A4-Zettel ist gefaltet. Also man sieht eins, zwei, drei so Falt... Wie nennt man das denn? Faltrille. Also es ist, als ob es gerade aus... Falze. als ob es gerade aus so einem Briefumschlag geholt worden ist. So, und dann ist es querformat. Ich habe es jetzt querformatig vor mir liegen.
Und man kann kaum was darauf erkennen. Es sieht auch so ein bisschen aus, als ob es irgendwie alles schon mal anradiert wurde oder schon sehr alt oder verblichen. Ich versuche es zu beschreiben. In der Mitte dieses Bildes gibt es so ein paar Farbtupfer, so blau-grüne Farbtupfer, die aus, also ein bisschen sieht es aus, ob da was draufgefallen ist, Aber für mich ist jetzt die erste Anmutung, das ist so ein Fluss, da ist so Wasser.
Und dann glaube ich sozusagen, da drüber so eine Art, da unten ist so eine Brücke und angedeutete Berge. Und dieses Wasser, dieser Fluss führt an einer Häuserfront vorbei. Die ist aber alles nur rudimentär so gemalt und auch wieder sehr, sehr blass gemalt. Man kann es kaum erkennen. Also auf der einen Seite so eine Häuserfront, hinten so ein Kirchturm oder ein Burgturm.
Darüber viel weiße Fläche, so nach dem Motto, ich bin nicht fertig geworden. Und dann, das ist auf der oberen Hälfte des Bildes und auf der unteren Hälfte des Bildes, rechts in der Ecke sieht man angedeutete Menschen. Ganz unten so ein Kopf irgendwie, so Vater-Adbra-mäßig mit so einem langen Bart. Und dann sieht man so verschiedene Figuren, die man wirklich nur skizzenhaft, so Menschen, die in einer Gruppe zusammenstehen oder die da sitzen, so ein Baby sieht aus wie so ein Baby im Sandkasten, und dann daneben ist so schraffiertes Zeug und links erinnert mich, könnte wie so ein Friedhof sein mit so einem Grabstein und da drumherum, da ist da irgendwie so eine Art, Kuppelturm alles völlig verrückt, dann so ein bisschen schraffiert es passt
alles irgendwie nicht zusammen es ist irgendwie so weiß ich auch nicht Also, ja, weiß ich auch nicht. Es ist so ein bisschen so wie so ein... Als hätte man jetzt... Ah. Okay, jetzt muss ich mal nachdenken. Warum ist es gefaltet? Und es ist ja nicht nur der Länge nachgefaltet, sondern es ist auch der Breite nachgefaltet.
Also eigentlich sehen wir 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 Bilder. Es sind 8 Bilder. 8 Flächen. 8 Flächen. Und jetzt glaube ich, nur eine Fläche davon ist weiß. Die erste. Und jetzt würde ich, die These vielleicht, ist das etwas, dass der Künstler hat das, die Künstlerin, die Künstlerin, eine, das ist meine These vorbei, weil ich weiß, was ich jetzt gedacht hätte, es sind acht Künstler, die treffen sich abends oder so und dann falten sie ein Blatt Papier und der eine fängt an, bei der einen Fläche zu malen.
Andere macht bei der anderen Fläche und der dritte und dann klappt man das so auf. Das würde jetzt, aber das mit dem Falten muss ja irgendwie, das gehört zu der Kunst, das Gefaltete. Ja, da verließen Da verließen sie ihn. Ich befürchte auch, das wird in der Zeitung, die Drucker herausfordern, wie noch keine einzige Seite im Hamburger Abendblatt.
Dieses Bild. Die Falze toll ausschauen? Nee, das ist, glaube ich, schwer auf so einem Zeitungspapier. Das sieht ja aus, stell dir vor, dieses Zeitungspapier wird gefaltet im Briefkasten gesteckt. Und dann holst du das raus und entfaltest das und hast in der Entfaltung weitere Falze. Also es ist so ein bisschen was ist das? Wie heißt das?
Und warum ist das noch keine Kunst? Und wird das noch Kunst? Oder ist das fertig? Es ist fertig. Es ist fertig. Eigentlich ist es auf alle Fälle Kunst. Denn es ist im Museum zu sehen, in der Hamburger Kunsthalle, gegenwärtig, in einer schönen kleinen Ausstellung. Der Künstlerin, die heißt Fedele Maurer Friede.
Die Ausstellung heißt kleingeschrieben, der Saum löst sich und der Saum löst sich. Der Saum löst sich. Hat aber nichts mit dem Bild zu tun. Jedenfalls nicht so direkt. Was soll ich sagen? Du gehörst nicht zu den Menschen, die auf Reisen ein bisschen vor sich hin skizzieren. Wenn sie am Ferienhaus angekommen sind und den ersten Morgen ihren, Den Blick genießen. Nee, ich skizziere nicht, sondern ich mache mir vielleicht mal Notizen oder so.
So ein kleines Büchlein schreibt mir so Wörter da rein oder Gedanken oder sowas. Reisenotizen. Also, sie hebt hier ab. Das Ding ist, wer in Venedig war, erkennt das eigentlich relativ schnell, dass er hier was venezianisches... Ah, der Markus-Dom da hinten, okay, ja. Nee, nee, ist mehr so... Der Turm, das ist eher, keine Ahnung, es ist wahrscheinlich einer von den alten Schäpsen Kirchtürfen, der Namen vergisst.
Nee, aber du siehst ja Wasser durch das aquarellierte blau-grün und du siehst Gebäude, die durch Fensterungen mittig angeordnet sind. Das ist ja ein typisches Merkmal der venezianischen Palazzi und also Häuser groß und klein, dass sie in der Mitte, das ist der sogenannte Portego, die sind immer in der Mitte geöffnet, da konnte man vom Wasser ran und dann kam man durch Arkaden auf einen mittleren.
Gemeinschaftskorridor, von dem an beiden Seiten die Wohnzimmer abging und in der Mitte Treppen, um dasselbe wiederzuholen. Also der Portego ist der Verteiler dieser Häuser. Und das sieht man recht gut, weil sie hat hier immer nur die Mitte bearbeitet von den etwas ausgearbeiteten Häusern. Man sieht auch rechts vor einem Gebäude sieht man diesen klassischen Vaporetto-Stop.
Das sind diese schwimmenden Pontons. Warst du mal empfehlig? Natürlich, mehrfach. Letzt vor einem Jahr. Erkennst du den Vaporetto-Stop da in der Mitte, dieses, angedeutet. Also ich hatte ja auch, da müssen wir es zu meiner Ehrenrettung einmal sagen, ich habe ja gesagt, das ist ein Fluss, der da durchführt, aber Venedig muss man sagen, ja klar, aber es könnte jetzt auch.
Alles sehr angedeutet, absolut. Ich kann nicht nachvollziehen, wenn man das nicht versteht. Übrigens, was du als Männerkopf wahrgenommen hast, hätte ich für das rechte Bein der Malerin gehalten, da ragt doch der Fuß auf meinen Schuh rein, oder hast du was anderes gemeint? Rechts unten. Ja, aber ja, aber dieser Schuh hat ja irgendwie eine Nase und Augenbrauen.
Stimmt, so Schnürsenkel, die Du meinst, diese Malerin ist durch Venedig und hatte dieses Blatt Papier und um es besser handhaben zu können, hat sie es immer gefaltet und dann hat sie darauf gemalt, ohne eine Unterlage zu haben. Sie hat wahrscheinlich so ein Skizzenbuch gehabt, hat aber auch ein größeres Blatt gehabt und das hat sie in die Größe des Skizzenbuchs einfach zusammengefaltet, nehme ich jetzt mal an, wir können sie demnächst fragen, ich kann sie demnächst fragen. und die hat einen Aufenthalt in Venedig eingelegt und hat eben viel skizziert.
Das war ja selbstverständlich, im 19. Jahrhundert bis zur Erfindung der Kamera für alle hat man auf Reisen skizziert. Goethe war ein sehr, sehr guter Skizzenhersteller. Eigentlich alle, Johann Gottfried Säume, alle Reisenden hatten ein Büchlein. Mendelssohn hat es schön skizziert, Fingals Höhle unter anderem.
Das hat man schnell so gemacht und diese Tradition trägt sie weiter. Natürlich ein bisschen contemporary, in dem das alles nur angedeutet wird. Da wird nichts ausgearbeitet. Es ist aktuell, es ist aus diesem Jahrhundert oder wann ist das? 2022. Ach, okay. Vor wenigen Jahren da. Genau. Was neu dazu ist, das ist aber auch so etwas, zum Beispiel unten sieht man ein kleines Stück Text. Ich weiß nicht, wie sehr gut du das lesen kannst. Ja, stimmt.
Ich kann es nicht lesen. Da steht so ein Stück Marmor rum in der Ängste. Und das linke ist dann, das hat sie sehr genau gezeichnet, den Marmor. Das ist wirklich so ein komisches Stück Marmor, das auch noch komisch liegt. Das hat man auch gemacht. Maler zum Beispiel haben auf ihre Skizzen gleich noch Farbtöne reingeschrieben, um sich zu erinnern.
Aber sie hat das bewusst als Skizze angelegt, um was daraus zu machen? Oder ist es bei der Skizze geblieben als Kunstwerk? Also es ist so, ich spreche hier wie der reinste Tor, weil mit ihr habe ich noch nicht gesprochen. Ich habe mir ihre Bilder angeguckt, ich habe mir meine Gedanken gemacht. Das ist ja auch etwas, was unser Podcast ja eigentlich leisten will, nämlich, dass wir eigentlich nicht so sehr über Kunst sprechen, als von Kunst ausgehend sprechen.
Das ist ja das, was mir mein großer Wunsch ist, dass alle Menschen, die ins Museum gehen, nicht irgendwie versuchen rauszufinden, was wohl der oder die Künstlerin ihnen zu sagen oder wollen, dass man denkt, sondern was man denkt, wenn man das sieht. Und dazu muss man nichts wissen. Also ich muss jetzt nicht in die Gehirnwindungen, von Ferdinand Maurer Friede rein, um für mich irgendwie was rauszuholen aus dem Bild, ich sehe was, ich assoziiere was und was sie macht, was ich so sehe aus den Dingen, die sie tut, sie skizziert die Welt immer in so, sie nennt das Proben, denn die Arbeit heißt verschiedene, oder die Arbeiten sind gesammelt unter der Überschrift verschiedene Proben.
Sie arbeitet übrigens auch mit Sprache, ganz interessant, also sie untersucht zum Beispiel den Begriff des Schranks und des Bettes und was eigentlich Betten sind, unter anderem, da gibt es einen schönen Exkurs über die Tatsache, dass früher das Bett nicht privat, sondern öffentlich war, Bekanntermaßen ist Ludwig XIV.
Ja vor all seinen Höflingen ins Bett gegangen. Irgendwo in ihren Texten habe ich auch gelesen, dass offensichtlich bei Hochzeitsgesellschaften, was auch durchaus üblich war, dabei zu bleiben, wenn das Ehepaar den ersten Beischlag gepflogen hat. Also damals war Intimes offensichtlich öffentlich. Erinnert mich ein bisschen an diesen Skandal bei der Ergo-Versicherung.
Erinnerst du dich? In diesen Termen in Ungarn, in Budapest, wie heißen die Terme? Kennst du die Geschichte noch? In dieser Bäder. Genau, und da hat doch die Ergo-Versicherung damals, oder war es Hamburg-Mannachim, also eine Versicherung, hat doch die Versicherungsvertreter eingeladen und in dieser Therme waren überall Betten aufgestellt.
Und als Premium waren dann Damen dort, die hatten so Armbänder und dann konnten sie sich da verlustieren. Und vor diesen Betten saß immer ein Beauftragter der Versicherung. Um das abzustempeln, damit man hinterher wusste, was man den Damen bezahlen muss. Also viel absurder geht es gar nicht. Aber darum muss ich gerade denken, dass da das auch alles sehr öffentlich war, weil diese Betten auch nebeneinander standen und da alle möglichen Dinge gemacht haben und sich nicht daran gestört haben, dass... Aber das ist lustig, was einem dann, wenn du über sowas sprichst, anhand dieser Skizze einfällt. Entschuldigung.
Für Assoziationen kommen. Wir hatten es ja letzte Woche mit dem Künstler Bastian Ader, der darüber gearbeitet hat, wo das Leben in die Kunst und die Kunst ins Leben hineingeht. Das ist ja ganz schön hier bei Fedele Maurer-Friede. Wenn du reist und zeichnest, dann geht ja im Endeffekt dein Leben in die Zeichnung über.
Und das macht sie eben sprachlich und und bildlich. Sie hat übrigens auch bei uns eine ganze Wand gezeichnet. Aber nicht nur die Wand, sondern die Zeichnung geht in den Boden über. Also wird dreidimensional oder man läuft in das Bild rein. Das ist, glaube ich, das ist für mich eins der schönsten und aufregendsten Aspekte der Gegenwartskunst.
Es hat ja immer diesen Begriff des Immersiven gegeben, wonach man also dann irgendwelche Slideshows da mit Musik und sowas. Das gute Kunst ist so, dass man in sie eintauchen kann. Und das bietet sie hier. Du beugst dich über dieses Papier, die Anordnung ist bei uns in der Ausstellung so, dass das auch so Tischen ist.
Du läufst von Tisch zu Tisch und die sind aber im Raum aufgestellt wie so Skulpturen und kannst von allen Seiten die Bilder angucken, weil sie zeichnet sie von unterschiedlichen Seiten heran. Deswegen auch diese Auffaltung ist ja nur so eine Art Achse, die sie... Aber ist die Auffaltung, hat sie die bewusst gemacht oder ist es einfach, weil es praktischer war, weil sie es dann in die Hosentasche stellen konnte?
Naja, sie hat es praktischerweise in die Hosentasche gesteckt und es macht ihr nichts aus, dass man sehen kann, dass das mal was war, was kleingefaltet war und in der Hosentasche gewesen ist. Also so rum wird ein Schuh draus. Das ist ja ähnlich wie, es gibt ja bestimmte Vereinbarungen beim Bild, dass der Rahmen ein Fenster ist.
Also wir wissen alle, dass es nicht so ist. Der Rahmen ist ein Rahmen und ein Bild herum. Aber der Rahmen, der ist natürlich zuallererst mal gedacht, dass die Konvention erfüllt wird. Wir gucken in ein Bild wie durch ein Fenster. Jetzt könnte man natürlich im Museum einfach Löcher in die Wand schneiden und sagen, guck doch, aus dem Fenster hast du den Glockengestell, weil du muss ihn niemand fotografieren.
So ähnlich ist das hier. Du hast ein Fenster in die Gedankenwelt, in die Formwelt der Künstlerin. Und diese Andeutung ist eigentlich auch ganz toll, weil du hast es ja angesprochen, das macht so Bildfelder aus. Und man sehr versucht, diese Bildfelder vielleicht sogar in der Reihe nachzulesen. Macht es Sinn, oben links das ganz oben und unten rechts ganz, ganz anders. dass unten rechts, diese Figurengruppe ist ja quasi wie im Wasser.
Aber das ist wie so ein... Man erkennt das Bild jetzt unten, wenn du sagst, nicht so wie ich dachte, dass es Vater Abraham ist und ich würde da deinem Vorschlag folgen, dass es, die Beine an einem Fuß sind und die ausgestreckten Beine, das heißt die Künstlerin, hat so denselben Blick drauf wie wir das Bild und die hat sich irgendwo hingesetzt in Venedig und beobachtet jetzt die Menschen um sich herum und macht da so skizzende. Genau.
Das Einzige, was man von ihr sieht, sind halt ihre Füße, die so ein bisschen im Bild sind. Und noch dazu nur einer. Das ist ja auch was Schönes, wenn du in Museen... Ja, einer weiß ja nicht. Was ist denn das, was da so rechts... Was ist denn, was da so links rüber geht? Weißt du, was da aussieht wie so ein Gipsbein?
Ist es nicht so interessant, dass sie... Der andere Fuß ist unbequem. Ein Fuß ist dann kürzer als der andere. Ein Bein, meine ich. Das ist sehr geheimnisvoll. Ähnlich ja auch wie, warum hat sie links diesen Marmorblock da so angeordnet? Warum ist der im Übrigen grün? Und was passiert auf dem noch einmal linken Blatt?
Ist das eine Skizze von etwas, was in einen Raum reingeht? Also das Tolle ist, dass du halt hier siehst, was du mit wenigen Strichen und einem lebhaften Gehirn und guten Augen alles anfangen kannst. Trotzdem nochmal die Frage, es war ja keine große Kunst. Aber auch das ist wieder große Kunst offensichtlich.
Sonst hättet ihr ja nicht eine eigene Ausstellung dafür. Sie ist sehr jung. Seien Sie Teil einer Ausstellung. Ja, also das ist ein sehr schönes Format. Die Klaus-Hüttel-Stiftung lobt alle zwei, drei Jahre aus. Den Horst Jansen-Grafikpreis, also zu Ehren von Horst Jansen. Und dürfen Kunstprofessoren ihre besten Schülerinnen, Studentinnen vorschlagen.
Das sind also ganz junge Leute. Ich weiß gar nicht, wie alt die Fedele Maurer-Friede ist, aber nicht alt. Und die kriegen dann eine Publikation, die kriegen ein Preisgeld, und nicht zu knapp, und eine Publikation und eine Ausstellung hier bei uns. Das heißt, es kann natürlich schon sein, dass das jetzt die Startrampe einer kometenhaften Karriere ist.
Kann ja auch sein, dass dieses Blatt, jetzt nachdem es im Hamburger Abendblatt gezeigt wurde, dass sofort ein aufgewühlter Leser oder eine aufgewühlte Leserin sagt, ich möchte bitte mit der Künstlerin in Kontakt kommen, dieses Bild muss ich unbedingt haben. Das Bild macht eine Karriere, weil es plötzlich über dem Mond kommt.
Das ist das, was wir immer sagen, dass natürlich die Chance steigt. Das ist bei Büchern wie Bildern ähnlich. Wenn die Menschen davon wissen, dass es sie gibt, wenn sie nicht wissen, dass es sie gibt. Eine Sache hast du vorhin gesagt, das würde mich mal interessieren, wie ihr darauf kommt. Du sagst, die Ausstellung, in der dieses Bild gezeigt wird, heißt, der Saum löst sich nicht. Der Saum löst sich nicht.
Wie kommt man auf so einen Titel? Weil es ist ja schon, er sagt ja über die Ausstellung erstmal, also das eine ist die Ausstellung Illusion heißt, ne? Das versteht man. Aber der Saum löst sich. Also insgesamt schon der Begriff Saum, würde ich schon viele sagen, würden viele Leute schon gar nicht mehr wissen, was ist eigentlich ein Saum?
Ein Saum eines Kleides ja offensichtlich. Genau, eine Naht. Eine Naht. Aber was heißt der Saum löst sich? Wie kommt ihr auf die Titel von Ausstellungen und wie seid ihr auf diesen gekommen? Sie hat das, also in dem Katalog sind nicht nur Bilder von ihr, sondern auch Texte von ihr. Und den Text zum Saum habe ich schnell gefunden.
Saum, der Saum löst sich. Das, was eigentlich nach innen gefaltet sein sollte, rollt sich nach außen. Säume sind vermutlich etwas Gutes. Sie sind eine Art fette Grenze. Grenzen mit Fleisch, mit einem eigenen Körper. Einen dazwischen, das das Dazwischen für sich beansprucht. Der Teppich ist ein Saum, denn er säumt den Schrank zu einer Richtung.
Wenn Schrank äußeres, dann vielleicht hier. Kommt etwas aus dem Schrank, dann findet es auf dem Teppich einen neuen Ort, temporär. Aus dem Haufen aus Kleidung, den ich abends nach dem Ausziehen auf dem Teppich hinterlasse, ziehe ich am Morgen, teile wieder heraus und ziehe sie an. Ich frage mich, ob sie lieber im Schrank übernachtet hätten.
So kommt man vom Saum zum Schrank. Und das heißt, der Titel war auch dieses Text, ist auch der Saum löst sich. Der Titel, dieses Text ist Saum und aus dem Anfangssatz der Saum löst sich, haben wir uns für den Ausstellungstitel entschieden. oder die Künstlerin selber. Ich weiß gar nicht, wer da welche entscheidet. Und wie wichtig ist denn, das ist ja immer bei uns ein großes Thema, dass wenn du Menschen auf einen Text aufmerksam machen möchtest, muss die Überschrift natürlich so sein, dass man erstens Lust hat, weiterzulesen, aber zweitens auch so, dass man ungefähr eine Ahnung hat, worum es geht.
Spielt das bei euch keine Rolle? Kann man irgendwie, weil der Saum löst sich, das sagt mir nichts. Das kann ja alles sein. Mach ich nicht neugierig? Neugierig, aber weißt du, das ist ja immer so, man hat ja nicht so viel Zeit, weil es so viele interessante Sachen gibt. Und deshalb bin ich immer jemand, der sagt, ich würde schon gern, also andersrum, stell dir mal vor, du als Direktor der Hamburger Kunsthalle gehst in einen Supermarkt und du möchtest Erdbeeren kaufen.
Und dann bist du eine tiefgekühlte Erdbeere, du bist eine Tiefkühltheke. Und da steht dann, du siehst, da stehen keine Bilder drauf, da steht nur sehr lecker. Saftig wie noch nie auf dem nächsten Paket. Und dann das andere, das haben sie noch nie gegessen. Also weißt du, so Dinge, und dann würdest du sagen, Leute, habt ihr sie noch alle?
Ich will Erdbeeren, ich will jetzt hier nicht Rätsel raten. Oder würdest du das ganz toll finden und sagen, ah, das meine ich. Das ist ja zu sagen, dass man immer diesen Spruch von der Katze im Sack, die man nicht kauft, oder die man vielleicht auch manchmal kauft, der kommt ja nicht von ungefähr. Und einerseits machen, ist unsere Erfahrung, Überschriften, aus denen nicht hervorgeht, worum es geht, mögen neugierig machen.
Unsere Erfahrung ist aber, die Texte darunter werden quasi nicht gelesen. Offensichtlich, weil die Leute sich entscheiden müssen, ist es mir meine Zeit wert? Wenn ich nicht weiß, worum es geht, ist es mir meine Zeit nicht wert? Vielleicht ist es bei einem bei einem Museumsbesuch oder bei einem Theaterbesuch anders.
Ja, jetzt sind wir wieder bei dem, was wir darüber schon gesprochen haben, nämlich wie vorhersagbar möchte man sein und wie vorhersagbar sollte man sein. Also ich gehöre tatsächlich, wahrscheinlich Ich bin nicht deswegen geworden, was ich geworden bin, zu der Kategorie, die unter allen Umständen, wenn da bei vor der Erdbeeranrichte diese tollen Sätze stünden, wenn mir schiebt, egal, was ich hinter der Hand habe, es sollte vielleicht nicht schlechte Ware sein, ich würde zugreifen.
Es macht natürlich das Leben einfacher, die Vorhersagbarkeit. Aber ganz ehrlich, bei Zeitungen ist es ja auch oft so, ich weiß ja nicht, wie eure Headlines zustande kommen, aber manchmal sind die Headlines ja schon etwas dissoziiert von dem Text darunter. Oder sie legen etwas nahe, was der Text eigentlich so nicht spezifisch sagt.
Was dann natürlich sozusagen schwierig ist, weil in der Regel dann jemand versucht, Leute in den Text reinzuziehen mit einer Botschaft, die sich in dem Text gar nicht findet. Aber wir sind ja noch im Internetseite noch weiter. Da hilft es dir ja gar nicht. Wenn jemand sucht etwas, einen bestimmten, such dir den Begriff Erdbeere, bleiben wir dabei.
Und dann musst du für Google Erdbeere haben. Sonst findet Google das nicht. Wenn du immer rote, leckere Frucht, das findet. Also insofern ist das vielleicht auch wieder richtig, dass ihr genau das Gegenteil macht. das eben nicht, ihr seid ja nicht auf Suchmaschinen angewiesen, sondern ihr seid darauf angewiesen, dass in den Köpfen der Menschen was passiert.
Und vielleicht ist es auch da wieder so eine Gegenbewegung, dass man halt Dinge, so wie der Text auch eben, der Text ist ja kein klarer Text gewesen, sondern muss er aber auch gar nicht sein, weil alles andere auf dieser Welt so klar und so eindeutig ist und man alles innerhalb von Sekunden findet, wenn es nur richtig beschrieben ist.
Jetzt kommen wir in diese schöne Gegend der KI. Ich habe einen lustigen Battle mit unserem großartigen Freund und Vermieter Rudolf am Laufen, der ein durchaus Verfechter von künstlicher Intelligenz ist und dem, wie heißt das, wenn man da diese Maschine arbeiten lässt für sich, ich vergiss habe, wie das heißt, jedenfalls der hat einen Text mit ChatGPT heißt das Ding.
Also es war so, ich quälte mich mit meinem Essay zu Albert Oehlen für den letzten Katalog und quälte mich und quälte mich und er sagte, komm, gib mir mal Stichworte. Und dann schickte er mir noch am Abend einen sizable, nicht kleinen Text zu, zu Albert Oehlen, gefüttert, gepromptet aus meinen Stichworten.
Ich las das und dachte mir, beeindruckend, das findet halt einfach wahnsinnig viel. Es findet aber auch nur, was da ist. So, ich habe jetzt meinen Text irgendwann fertiggestellt. Das Buch liegt vor. Ich habe den größten Genuss, das Rudolf vorzulegen, weil mein Text... Ist halt einfach ganz anders als JetGPT. Jetzt könnte man sagen, was ist besser? JetGPT hat exakt erfüllt, was es sollte.
Ganz ehrlich, ist strunzlangweilig und führt auch zu nichts. Mein Text ist ein bisschen verquast. Ich behaupte, er liest sich sehr lustig. Wahrscheinlich wird Jan, unser Marketingchef, behaupten, dass das schon wieder so eine Kopfgeburt ist, die in Wirklichkeit niemand liest. Ich halte ihn für sehr, sehr lustig.
Wahrscheinlich aussieht mir niemand. Aber der Punkt ist, ich untersuche Dinge auf eine andere Art und Weise als Chat-GPT, kommt zu anderen Lösungen. Am Ende wäre interessant, was sagt Albert Oehlen denn zu dem Text, wenn er mit dem Chat-GPT glücklicher als mit meinem. Tatsache ist, das menschliche Hirn ist, glaube ich, der KI in einem voran.
Es kann das Unerwartete tun. Das kann die KI nicht. Und das ist ein Wert, den ich für relativ absolut und für sehr wichtig halte. Nun hätte ich mir fast zum Thema KI was gewünscht. Aber die ganze Zeit, ich weiß nicht warum, seit Anfang dieses Podcast schwirrt mir ein Begriff im Kopf rum und ich rufe ihn dir mal zu und vielleicht findest du was für die nächste Folge.
Der Begriff Versuchung. Versuchung. Versuchung. Ja. I love it. Ein schöner Begriff ist auch Sondervermögen, aber ich glaube, dazu findest du gar nichts. Als nächstes ein Sondervermögen. Nein, Versuchung ist gut. Liebe Leute, vielen Dank fürs Zuhören. Lieber Alexander hat wie immer großen Spaß gemacht.
Ich falte jetzt etwas und mache mir eine Skizze. und bringe es dann nächstes Mal mal mit. Ich suche eine Versuchung. Versuchung. Tschüss. Bis nächste Woche. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.