
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 322
Der Hase und die Farbe Lila
Samstag, 13. Juni 2026 · 25 min
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Shownotes
In der aktuellen Folge von „Ich sehe was, was du nicht siehst“ schauen Alexander Klar und Lars Haider besonders tief ins Glas – oder besser gesagt: auf das Bild „Kaninchen“ von Johannes Poppen (1927). Was ein fast hundert Jahre altes Gemälde mit lila Schokolade zu tun hat und warum dieser Blickfang der Neuen Sachlichkeit Fragen aufwirft, erfahrt ihr im gewohnt charmanten Schlagabtausch zwischen Kunsthalle und Abendblatt.
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Haider und mir gegenüber sitzt Alexander Klar. Und Alexander Klaas ist der Direktor der Hamburger Kunsthalle. Und wir machen diesen Podcast schon so lange, dass ich mich eigentlich wundere, dass du es immer wieder schaffst, lieber Alexander, mich zu überraschen.
Aber heute hast du dich zum Glück rechtzeitig verraten, weil du hattest mir ein Bild geschickt. Und ich sagte, Alexander, ich hatte mir was gewünscht zum Thema draußen, weil wir jetzt ja Sommer haben und weil es schön ist draußen und weil man sich viel draußen aufhält. Und dann schickst du mir so ein Bild, wo letztendlich nur so ein paar Blätter zu sehen sind.
Und dann sagst du, wie Blätter? Du meinst das mit dem Hasen? Bin mir gar nicht, doch, ich glaube schon. Aber ich weiß gar nicht, wann mir der Hase aufgefallen wäre. Aber jetzt hast du mich natürlich drauf gestöhnt. Und es ist ein Bild, das muss man sagen, wir müssen es immer ein Querformat, man kann sich das immer angucken.
In der Woche, in der dieser Podcast erscheint, gibt es im Hamburger Abendland am Sonnabend in der Printausgabe, da lohnt es sich, die Printausgabe zu kaufen, da gibt es nämlich ein Kunstwerk, kostenlos. Und hier ist es ein, ja, ein, was ist es? Ein Rechteck, fast quadratisch. Querformat auf jeden Fall.
Und das ist lustig, weil die Farbgebung, glaube ich, entscheidend ist. Wir sprechen zwischen, wir reden über so ein bisschen lila-bläulich, oder? Ja, es hat in der Wirklichkeit ein bisschen mehr einen Grünstich, aber ja, lila-bläulich ist der Hase auf alle Fälle. Und der Hase, wer beschreibt denn das Bild hier?
Und da drin ist so ein Milka-lila Hase, so ein Osterhase. Da ist ein wirklich sehr schön gemalter Hase, der sich hinter so einem Busch dukt, das ist so ein Busch mit verschiedenen, jetzt weiß ich leider nicht, was für Art von Pflanzen das sind, also verschiedene Blätter irgendwie. Pusteblumen sind mehrere dabei. Das finde ich ganz toll, weil ich mir vorstelle, wie schwierig ist es, Pusteblumen zu malen.
Also das ist ja so, einer, das denkt man, hä, Pusteblume, einfacher geht es ja gar nicht, also in der Natur, aber sie zu malen ist nicht so einfach, ich finde gerade ganz rechts die Pusteblume, ich hoffe, du siehst sie, ist wunderbar gelungen und da hockt also dieser Hase, dieser lilafarbene Hase, der in Wahrheit wahrscheinlich nicht so lila ist, aber jetzt natürlich dadurch, dass er hier so lila gemalt ist, den großen Vorteil hat, dass man ihn, wenn man so wie ich nicht genau hinguckt, auf den ersten Blick gar nicht sieht.
Wobei man sagen muss, also hätte ich eine Lesebrille aufgehabt, hätte ich ihn wahrscheinlich schon sofort gesehen. Und er dugt sich da... Und als ob er gleich so wolfsmäßig zum Angriff übergehen würde, wobei ich jetzt nicht wüsste, was ein Hase, ist das überhaupt ein Hase oder ein Kaninchen, ein Hase, ist schon ein Hase, wen der jetzt angreifen sollte.
Und es ist mal wieder so ein, auch wieder so in so einem Schnappschussbereich, eine Szene, die man schon oft gesehen hat. Ein Hase, der irgendwo hockt, man sieht vielleicht nur von Weitem die langen Ohren, wobei dieses Bild aus meiner Sicht nicht, es lebt nicht von dem Hase, es lebt auch nicht von der, es lebt natürlich, es lebt von dieser besonderen Farbgebung, oder? Ist es das?
Es ist ja auffällig wegen diesem Changieren zwischen Lila, wie du es beschrieben hast, und Grün. Ja, das ist aber auch schon alles, was mir dazu... Und die Stimmung ist halt, also es ist draußen, da würde ich sagen, das hast du jetzt komplett... Draußen hast du jetzt getroffen. Und ja, das ist wieder so ein Ding, wo man denkt, okay, das hängt jetzt in der Kunsthalle. Es ist also ein Kunstwerk mit einem lila Hasen und man ist sofort bei Milka lila Schokolade.
Da muss man sagen, haben die Marketingleute von Milka einen sensationellen Job gemacht über all die Jahre. Wobei ich jetzt gelernt habe, ich habe neulich mir so eine Fünferpackung Milka Schokolade gekauft und dachte, Mensch, weil die im Sonderangebot war und dann ist mir aufgefallen, ist das immer so?
Das war allerdings in Österreich, dass die nur 90 Gramm hatte statt 100. Ist sonst noch immer 100 Gramm, oder? Ist der preisgleich geblieben? Das habe ich nicht gemerkt. 90, ist Milka-Schokolade jetzt immer 90 Gramm? Ich kaufe seit Jahren nur noch Toblerone. Ich hatte eine Milka-Phase, die ist vorbei.
Und jetzt habe ich obsessive Toblerone-Phase. Ich glaube auch, wie war das mal? Matthias Riedel, der Ernährungsdruck, hat auch mal gesagt, ich glaube, es geht dagegen zum Rittersport. Also sind es also so Schokoladen, die man lieber ... In Maßen. Ja, die man lieber nicht so, weil das irgendwie so sehr, ja, egal.
Also jetzt bin ich gespannt, wie du auf dieses Bild gekommen bist, was es ist und warum dieser Hase. Hasen in der Kunst. Hasen in der Kunst, wichtig. Fangen wir doch damit an. Ja, fangen wir damit an. Wenn ich sage Hase und Kunst, dann fällt einem meistens Dürre ein. Ja. Ist ganz lustig. Also tatsächlich, dieses Bild habe ich sehr lieb und man kann es nicht nur in der Zeitung gerade angucken, sondern tatsächlich in der Kunsthalle und tatsächlich ist ein Bild, was noch nicht viel gehangen hat. Okay.
Es ist mir über den Weg gelaufen, als ich den Eckraum im Gründungsbau gestaltet habe, in dem gerade sozusagen das Ende der Moderne von uns zelebriert wird. Also da habe ich eine kleine Gruppe von Arbeiten, die Ende der 20er Jahre, dieses hier ist von 1927. Die habe ich gegenübergestellt mit Werken von genau jetzt, also 2000, früh 20er Jahre, unter der Überschrift Wann endet denn eigentlich die Moderne?
Weil ich das ganz interessant finde, wenn man sagt, das ist aber modern, dann meinen die meisten Leute, das ist aber jetzig. Aber in der Kunstgeschichte ist die Moderne ja so grob 1890er Jahre bis, keine Ahnung, mindestens Zweiter Weltkrieg und dann gibt es vielleicht noch die zweite Moderne danach. Und dieses Bild war, über das bin ich gestolpert in unserem Depot, das hing da so ganz harmlos.
Und das Erste, was ich nicht konnte, ist es datieren. Das ist nämlich ein Bild, wenn du mir in der Zwischenprüfung gäbest, ich hätte keinen Anhaltspunkt. Ich hätte gesagt, das könnten 1970er-Jahre sein, weil da sehr viel so Künstler kamen dann aus der Illustration und haben dann fantastisch fotorealistische Sachen gemacht.
Und man muss sagen, wir reden hier von einem wirklich annähernd fotorealistischen Bild, wenn du dir die Blätter anguckst. Absolut. Und auch der Hase ist sensationell, also wenn man von der Farbe abgeht, sehr präzise. Und wahrscheinlich ehrlich gesagt mit diesen ganzen angespannten Muskeln, mit diesen Knochen, mit diesen Ohren, mit den Schattierungen, gar nicht so einfach.
Super beobachtet. Die Augen. Und dann dachte ich mir, was ist denn das? Ich ging sofort recherchieren und 1927, passt in mein Beuteschema. Und daraufhin ließ ich das raufkommen mit noch ein paar anderen Sachen. Also da ist auch unser Fisch von Klee, den wir schon mal besprochen haben und ein Feininger.
Und dann wollte ich mich kundig machen über den Künstler. Der Künstler heißt Johannes Poppen, ist ein Hamburger, ich glaube 1944 ist er gestorben, er hatte mir irgendwo seine Lebensdaten notiert und habe sie jetzt gerade verloren. Also der ist jemand, der so in den 20er Jahren sehr tätig war. Wenn ich sie jetzt noch finden würde. 1893 bis 1944 ist übrigens in Quickborn gestorben, gar nicht in Hamburg, schau mal an.
Genau, und der war Student der Hamburger Kunstgewerbeschule, hat bei Julius Wohlers und Arthur Illyes, zwei große Namen der Hamburger Kunstgeschichte, studiert. Und war Mitglied des Hamburger Künstlerclubs und hat vor allem in den 20 Jahren viel gearbeitet, hat in Paris studiert. Genau, und hat sich dann in den 30er Jahren auf Tierdarstellung spezialisiert.
Möglicherweise, weil er schon ahnte, dass die Art und Weise, wie er malt, möglicherweise nicht so gut funktionieren wird. Und da hat er sich eine Nische gesucht, in der er irgendwie das Dritte Reich gut überwintern kann. Naja, und dieses Bild ist gar nicht rasend groß. Direkt neben dem ist ein riesiges Bild von Sabrina Honsberg.
Aber das behauptet sich ziemlich gut, weil es so ein paar Ebenen hat, die einen wirklich faszinieren. Ich habe es sehr niedrig gehängt, weil ich dachte, das könnte Kindern Spaß machen. Das heißt also irgendwie, du musst dich ein bisschen runterbeugen, wenn du es anguckst. Und man sieht halt, ich sehe, ich sitze ja gerne da auf dem Sofa und gucke ein bisschen die Reaktion an und man sieht Leute immer lächeln.
Also lachend und lächeln, wenn sie dieses Bild sehen. Denn natürlich hast du diese Pusteblumen, die dir so ein bisschen entgegengereckt werden. Also die erste Assoziation ist, man möchte ein bisschen pusten. Das zweite ist natürlich, hier sitzt der Hase vollkommen glücklich im Kohlbeet. Also das Rechtste ist wahrscheinlich nicht Kohl, aber es sind so fantastisch verlockende Blätter, dass man ahnt, dieser Hase wird sehr glücklich gleich.
Und das Interessante ist ja auch, die Pusteblumen sind deshalb natürlich so besonders, weil sie signalisieren, dieser Hase hat sich offensichtlich noch gar nicht so viel bewegt. Weil wenn der sich jetzt einmal richtig bewegen würde und aufspringen würde, würden eins, zwei, drei, vier Pusteblumen. Wären auf jeden Fall, hätten Teile ihrer, wie nennt man das denn, ihrer Blüten, Samen verloren.
Ist nicht der Löwenzahn das, was auch der Hase gerne isst? Also dieses Bild ist irgendwie witzig. Und dann denkt man sich, 1927, wer malt denn 1927? Naja, das hat ihn natürlich malerisch interessiert. Das obere Drittel oder der Diagonal ist so ein bisschen links ist Wiese, rechts ist das Beet, was ja kein Kohlbeet ist.
Ich wünschte, ich wüsste, was diese Blätter für Blätter sind. Das kriegen wir bestimmt von unseren aufmerksamen Zuhörerinnen. Bitte gern schreiben, genau. Und der sitzt jetzt da so. Und jetzt wird überlegt, fangen wir links an und rechts an. Malerisch aber ist dieses Bild natürlich fantastisch. Denn was der Künstler gemacht hat, der hat wahrscheinlich Tag um Tag diese Blätter gemalt.
Wenn man näher heranguckt, sieht man, wie er die gestaltet hat. Der hat mit drei verschiedenen Farben, da ist grün, ein etwas orangenes Grün, und auch ein bisschen Gelb dabei, Blatt für Blatt gemalt. Also die Komposition ist ... Super easy, aber irgendwie auch als Komposition erkennbar. Und der Hase natürlich, sorry, alle Kunsthistoriker, die reinkommen, grinsen sofort und sagen, guck mal, ein Dürer-Zitat. Ist das so?
Nein, weil der Dürer, man fragt sich auch, warum hat denn der Dürer einen Hasen gemacht? Der Dürer hat einen Hasen gemalt, weil er es konnte. Den Hasen in der Albertina kann man ja leider nicht sehen, weil es eine Arbeit auf Papier ist und die den allermeisten Zeit im Dunkeln verbringt. 2028 wird übrigens Dürer-Jubiläum sein. Und das wird möglicherweise die eine Gelegenheit sein, dann kann ich nur raten, allen unseren Hörerinnen nach Wien zu pilgern.
Weil ich mir vorstellen könnte, dass dann der Hase mal wieder zu sehen sein wird. Wo ist der jetzt? In der Albertina in Wien. Wenn Sie nicht so weit pilgern wollen, sollen Sie in die Hamburger Kunsthalle kommen. Dort werden wir im Herbst nämlich eine große Dürer-Ausstellung machen mit unseren fantastischen Schätzen.
However, der Dürer hat den Hase... Herbst 28. Herbst 28. Das ist das 500. Todesjahr von Albrecht Dürer. Aber da wollen wir natürlich nicht zurückstehen. Und so weit plant ihr schon dann im Voraus? Oder weil der Termin... Ja, ich bin schon seit 2029 gedanklich. Das Bild dreht sich schneller. Ich weiß, wann mein Pensionsalter erreicht ist. Bis dahin plane ich jetzt schon mal so ein bisschen.
Also dieser Hase ist vielleicht wirklich nicht ein dürrer Zitat. Aber natürlich denkt das jeder Mensch. Und den malt man natürlich... Also warum malt man? Weil man herausgefordert wird. Und da hat sich der Herr Poppen herausgefordert gefühlt und hat diesen Hasen da reingesetzt. Warum dürrer Zitat? Der sitzt halt so da. Man kann den Hasen ja in unterschiedlicher Weise malen, aber wie der so zusammengekauert da sieht, ist ziemlich astrein in Bezug auf den Dürer herstellbar.
Wobei, ich habe vorhin gesagt, der sitzt da so, als würde er gleich einen anspringen und vielleicht springt er auch gleich an und macht sich eine Freude daraus, um dann diesen Löwenzahn abzureißen. Ja, der lauert sich und sagt, ich bin hier eigentlich so ein bisschen im Schlaraffenland. Und ich finde es ja so schön, da hast du jetzt komplett das gefunden, was ich so liebe an dieser Zeit.
Sich einfach irgendwo hinzusetzen in die Natur und sich daran, an dieser Natur zu freuen. Weißt du, gar nichts zu tun, einfach nur zu gucken auf die Blumen, auf die Blätter, in die Sonne, in den Himmel. Ja, na gut, weil Tiere ja sowieso, wir haben manchmal so ein... Hund, ein Leihund und dann staunst sie immer, wenn du dich jetzt mit Hunden eigentlich nicht auskennst, staunst du ja immer, wie viel diese Tiere einfach nur liegen und nichts tun.
Bei Löwen ist das, glaube ich, genau das Gleiche, also weil die einfach ihre Energie auch sparen, das müssen wir, wir Menschen müssen ja immer irgendwie was tun und unternehmen, durch die Gegend rennen und so und das machen die halt nicht und das finde ich eben, davon kann man viel. Abgucken, weil so ein Hasen, wobei das ja so lustig ist, dass dann, wenn der sich jetzt erschrecken würde, die auch so irre schnell weg wäre.
Mir ist mal ein Dackel, der ist uns dann entlaufen und auf Hasenjagd gegangen. Und der ist fast wahnsinnig geworden. Du kriegst diese Hasen nicht, weil sie so unglaublich schnell sind und tatsächlich diese Haken schlagen. Aber ansonsten natürlich auch die ganze Zeit irgendwo kauern und gucken, dass keiner sie sieht. Genau.
Also dieser Hase ist ja keinesfalls vermenschlicht. Also ich habe mir auch gedacht, das ganze Bild strahlt so ein bisschen diese satte Grünheit. Ich daran dachte Ich glaube, ein bisschen auch, als du gesagt hast, draußen und dieses Juni draußen, da ist ja noch alles sattgrün. Und da sind alle Tiere glücklich. Ich bin ja heute Morgen aufgewacht unter geradezu Vogelgebrüll.
Ich erinnere mich heute Morgen, vor ein paar Jahren hieß es, oh nee, die Singvögel sterben aus, weil ihr Futter nicht da ist. Also ich kann schwören, heute Morgen habe ich das Gegenteil gehört. Aber sag mir nochmal, was hat dieses Lila? Was bedeutet das? Weil eigentlich ist die Natur so lila. Also ein Hase ist auf jeden Fall nicht so lila.
Kase ist nicht lila, das stimmt. Naja, jetzt sind wir, es ist natürlich, warum sollte er einen Fotoabdruck von etwas machen, wenn er dann durch eine kleine Veränderung dem Bild nochmal einen anderen Drall geben kann? Also dieses Bild wirkt ja auch ein bisschen so wie 70er Jahre, weil er sich die Freiheit bei der Farbe genommen hat.
Jetzt ist ja das Koloriet eines Hasen nicht so aufregend. Der hätte ja wirklich nur die Farbe Braun nehmen müssen. Und so hat er halt eben gesagt, jetzt um diesem Bild vielleicht auch so ein... Eine unerwartete Wendung zu geben, würde ich mal sagen. Also jetzt alles in grün zu machen, es ist sehr monochrom.
Und dann hat er sich wahrscheinlich, ich vermute, ich muss jetzt mal ein bisschen handpoppen, versuchen auf die Spur zu kommen. Der hat sich gedacht, jetzt keine grelle Farbe rein, auch kein braun, was man erwartet wird. Was ist die am wenigsten erwartete Farbe, die am unnatürlichsten hier reinkommt? Lila.
Und ich glaube, so hat er sich seinen Hasen gedacht, dass der hier reinpasst. Also das Bild von Weitem, du hast den Hasen zuerst gar nicht gesehen, so gut war der verstückt. Ist auch so ein bisschen so ein Wimmelbild, so nach dem Motto, man, es ist so ein sehr gutes Bild für ich sehe, was du nicht siehst.
Übrigens oben links ist die Signatur, ne? Ja, genau. Also so ein Bild, natürlich, aber ich habe einfach nicht richtig hingeguckt, aber das ist, ja. Ja, interessant, du hast die Pusteblumen zuerst gesehen, das könnte natürlich auch ein Reflex sein. Du hast ja, die Psychologie sehens ist, man guckt, wo könnten sich Dinge verändern.
Vielleicht weiß man von Pusteblumen, was man sich angucken muss, dann sind sie sonst weg. Dieses Bild ist ein ganz schönes Beispiel, um da nochmal zu kommen, weil du sagst, ist das jetzt Kunst, weil es bei der Kunsthalle hängt. Naja, es ist in unserem Lager und wenn wir jetzt sagen, der wurde dann Tierillustrator, das macht ihn jetzt nicht weniger zum Künstler.
Er hat mit diesem Bild ein Bild geschaffen, was uns jetzt über diese 100 Jahre hinweg, glaube ich, schon nicht nur Freude bereitet, sondern man steht davor und denkt ein bisschen drüber nach. Das ist jetzt nicht das Sujet, was einen zum Philosophieren bringt. Aber da sind genügend kleine interessante Haken drin, um dieses Bild ernst nehmen zu wollen.
Und am Ende ist dann ja auch Kunst, was in deinem Kopf dann weiterhin daraus entsteht. Wie oft bist du eigentlich in dem Depot, um zu gucken, was sind da Kunstwerke, die dringend mal wieder gezeigt werden müssen? Weil es wirkt immer so, dann kommt so was Tolles, ein tolles Bild kommt dann zum Vorschauen.
Es wirkt wieder so, ach, war irgendwie ein Zufall. Da war er da, war er mal an der richtigen Ecke, es passte gerade alles. Und das tut mir so leid, da können ja vielleicht bei euch im Depot, wie viele Kunstwerke sind da? Oh, 5000 vielleicht. So, da kann doch irgendwas ganz Großes sein. Nein. Nein? Also, ich bin ja kein Kurator, ne? Ich bin ja sozusagen der Hobby-Kurator, das ist böse gesagt.
Also, ich bin zwar Kunsthistoriker, aber mein Job ist es nicht, die Sammlung zu betreuen. Ich habe halt Spaß an bestimmten Dingen und meine Kolleginnen und Kollegen sind nett genug zu mir, um zu sagen, komm, lass den Alexander mal wieder ins Depot gehen. Und da war dieser Eckraum, wir haben jetzt durch die Laternensanierung mussten wir viel umziehen und da war, an einem Punkt wurde die Baustelle schneller fertig als gedacht und dann, der Eckraum muss dann zurückgeräumt werden und alle guckten in die Luft und haben gesagt, oh shit, dafür habe ich jetzt keine Zeit und dann habe ich gesagt, ich habe zwar auch keine Zeit, aber darf ich und dann guckten sie mich an und dann, ja, lass ihn mal machen, ist ja ganz gut, wenn er sich in einem kleinen Raum
austobt und ich mache das dann schon so, also ich rückversichere mich bei den Kollegen, dass die das auch machen. Dass sie meine Ideen kritisch begleiten. Ich muss mal erklären, das ist so ein Raum, da stehen ganz viele Bilder rum. Nein, der Deckraum ist im Gründungsbau der abschließende Raum der Moderne-Versammlung.
Und direkt daneben ist zurzeit noch Kaspar David Friedrich, weil wir ja die hinteren Räume sanieren. Und das macht jetzt keine Logik, da noch irgendwas reinzutun. Dazu ist der Raum wiederum nicht groß genug. Er ist aber so groß, dass da doch, ich glaube, es sind zwölf Werke, die da drin sind. Und die dürftest du jetzt aussuchen? Genau. Aus dem Depot?
Ich würde ans Ende der Moderne mal einen Raum setzen, wo die Gegenwart, die heutige Moderne und die damalige Moderne gegeneinander. Dann hat also Tobi Kamps, der der Herr über diesen Bereich ist, gesagt, ja, super Idee, mach das. Der hat mir auch ein bisschen geholfen, weil er hat das kritisch begleitet und hat dann gesagt, das ist jetzt vielleicht keine so gute Idee und das ist eine bessere Idee.
Und ich habe dann in seiner Sammlung ein bisschen gewildert und den Poppen hat er auch noch nicht auf dem Ding. Und ich glaube, das ist so ein bisschen, ich mag halt ganz gerne, die Kuratoren wissen natürlich, was bei uns Kanon ist. Die wissen, was die ausgestellten Sachen sind. Die suchen natürlich auch nach Schlagworten und finden dann auch öfter mal Sachen.
Aber die ganzen großen Namen haben die alle unter Kontrolle. Aber so die Poppens eben nicht. Und ich gehe halt tatsächlich mal runter und verbringe mal am Nachmittag, wenn ich irgendwie keinen Bock auf Arbeiten habe, dann gehe ich runter. Und eine Stunde lang einfach ziehen und schieben. Das ist auch so ein bisschen so eine Übung.
Erkenne ich sofort was wieder, weiß ich. Und manchmal passiert es, dass ich denke, ach, das ist in der Kunsthalle. Mir ging es so andersrum, als ich neu kam, da war das Porträt von Heinrich Heine nicht aufgehangen. Daraufhin bin ich dann empört zu Markus Bertsch gegangen und habe gesagt, das kann nicht sein. das.
Ein Heinrich Heine muss hängen. Er hat dann irgendwie gegrinset und gemeint, ja, das finde ich schon auch, aber wo soll ich denn hinhängen? Der passt ja überhaupt nirgendwo ins Schema rein. Er hat dann einen Ort gefunden. Und andersrum ist es so, dass ich dann halt oft runtergehe und feststelle, wow, dieses Bild haben wir auch.
Gerade so aus dem 19. Jahrhundert ist vieles bei uns, was man zu kennen denkt, weil es früher mal gezeigt wurde, was aber heute nicht mehr ist. Zu süßlich, zu wenig, sagt uns heute zu wenig. Und ich interessiere mich halt für diese Sachen. Insofern bin ich schon eine Idee von einem, wie soll man sagen, einem so einen, wie nennt sich das, Knollenjäger, wie heißen die, die Trüffelschwein.
Genau, und ich kann ja sehen, ob was, also ich glaube, ich habe genügend Urteilsvermögen zu sagen, dass es was Gutes, das kann man in die Galerie hängen. Da sind auch Sachen, wo man sagen würde, ey, lass gut sein. Aber du hast eben mit so einer Vehemenz, als ich sagte, kann das unter diesen 5000 Kunstwerken, die bei euch im Depot versteckt sind, nicht sein, dass da irgendwas ganz Tolles ist?
Hast du sofort gesagt, nein, warum kann das nicht sein? Weil alle Sammlungsleiterinnen ihre Sammlung ziemlich gut kennen. Also Markus Bertsch macht gerade den Bestandskatalog des 19. Jahrhunderts. Der hat zu jedem dieser Werke entweder einen Text verfasst oder ihn redigiert. Wir kriegen ja auch permanent Anfragen. Also das wird ja dauernd gescannt und gescannt.
Was bei uns vielleicht nicht so entdeckt ist, sind Sachen, die relativ früh ins Lager gegangen sind, weil die Leute es nicht verstanden haben und keine Lust haben. Das sind die interessanten Sachen. Oftmals ist es so, die interessanteren Funde sind so 50 Jahre später. Also wenn ich jetzt auf die 90er Jahre gucke, da ist noch einiges dabei, wo ich denke, warum haben die denn das gekauft? Das ist ja absurd.
Kann aber passieren, dass in 10 Jahren... Also ab die 1990er Jahre? 1990er Jahre, genau. Also Uwe Schneede ist ein wahnsinnig toller Kunsthistoriker, Aber auch ihm und seinen Leuten sind bestimmt Käufe untergekommen, wo sie heute auch sagen würden, naja, weiß nicht. Uwe Schnee hat ein sehr kluges Wort gesagt, hat gesagt, dazu ist das Depot da, dass Sachen erstmal altern können und dann mal guckt man, man hat ja quasi so eine Art Bilderreservoir aus einer Zeit, das ist entstanden.
Also ich glaube, das ist die größere Wahrscheinlichkeit. Man findet etwas und denkt sich, warum hat das noch nie jemand angeguckt? Also ich habe das jetzt ein paar Mal schon gehabt. Ich erinnere mich an seinen Namen nicht mehr. Einen österreichischen Künstler gefunden, der durch Zufall hier in Hamburg war. Den kennt auch ein Künstler hier.
Ein fantastisches Bild. Ein bisschen recherchiert. Sein Sohn meldet sich bei mir. Er hat gemeint, wie toll, dass das Bild mal wieder gezeigt wird. Also sowas passiert schon. Und wenn wir es publizieren, wird es auch wieder bekannter. Und vielleicht macht eine neue Zeit einen neuen Wertekanon auf. Das ist ein interessantes Zitat gerade von einem deiner Vorgänger. Nee, das ist einer deiner Vorgänger, ne? Oh, Schnee, genau.
Dafür ist das Depot da. So ein Bild muss auch mal so ein bisschen reifen. Da gibt es eine Analogie wieder zum Thema Wein. Das erleben wir ja häufig. Deshalb habe ich dich ja auch neulich in unseren Wein-Podcast eingeladen. Wir werden erwähnen, wenn du da warst und wie du dich geschlagen hast. Das wird sehr lustig, hoffentlich. Bin gespannt.
Jetzt die Frage, bei Wein ist es so. Ein Wein muss schon gut sein, um noch besser zu werden. Ein schlechter Wein wird auch über die Jahre nicht besser, sondern schlechter. Das ist aber in der Kunst genauso? Oder kann es sein, dass ein Bild, was man heute furchtbar findet, was dann aus einem Grund im Depot verschwindet, in 40 Jahren eine Sensation?
Na gut, ein bisschen beim Wanderer war es so. Genau, das wollte ich gerade sagen. Es kann sein, dass eine Späte auch beim Schrei, etwa bei Munchs Schrei habe ich ja erzählt, Er selber hat das Bild gar nicht so wahnsinnig hoch geschätzt. Er hat das ein paar Mal gemacht, wie er viele seiner Bilder gemacht hat.
Aber das hat er nicht als zentral verstanden. Aber die Rezeption, wie die Menschen darauf reagiert haben, die hat dazu geführt, dass dieses Bild eine Weltsensation wurde. Ich zum Beispiel umgekehrt, ich läster immer gegen die Mona Lisa. Ich verstehe überhaupt nicht, warum die Welt hinter der Mona Lisa her ist.
Das ist jetzt kein besseres und kein schlechteres Bild von Da Vinci. Oder andersrum, er hat bessere gemacht. Das ist im 19. Jahrhundert quasi von der Literatur hochgeschrieben worden. Da wurde irgendwie ein Geheimnis, rein Geheimnis. Also es ist ja auch nichts Objektives, mit dem man sich Bilder nähert, sondern total subjektiv.
Und da kann eine Zeit natürlich subjektiv nochmal sich ganz anders dem zuwenden. Also es gibt ein paar Bilder, die bei uns hängen, die ich richtig gruselig finde. Ich kenne aber auch die Künstler, finde irgendwie, das sind aber ganz anständige Menschen. Wie können die denn sowas malen? Dann denke ich, ja, vielleicht war um die Jahre 2000 herum, 1997 bis 2000, da war so eine Zeit wilder Malerei.
Vielleicht war die Zeit wilder, als ich gedacht habe. Und wenn du durch die Kunstheile gehst und feststellst, also das eine ist, du entdeckst, wie dieses Bild, hast du eigentlich schon gesagt, wie es heißt? Hase, glaube ich. Kaninchen heißt es. Wir haben uns vorhin gefragt, was es ist. Das heißt Kaninchen. Das Bild heißt Kaninchen.
Also gehst du manchmal, wenn du, kann es passieren, du gehst durch die Kunstheile und denkst, Moment, warum hängt dieses hässliche Bild hier? Das muss sofort weg. Der Direktor hat gesagt, das Bild muss weg. Gibt es sowas? Das würde ich niemals machen. Es gibt Bilder, die ich nicht so aufregend finde. Werke, ich habe auch schon Werke an erworben und für sie gesprochen vor unserem Board, die ich persönlich, Nicht ausgesucht hätte, aber ich folge da dem Votum der Kuratorinnen und spreche dafür und intellektuell kann ich das verstehen.
Ich glaube, mein Geschmack sollte nicht ausschlaggebend sein, weil mein Geschmack ist nur mein Geschmack. Wir müssen aber tatsächlich versuchen, dass wir eine große Bandbreite von Geschmack abbilden. Übrigens, das ist das, warum ich glaube, dass die Kunsthalle so sehr erfolgreich gerade ist. Es ist nicht meine Stimme, die zählt.
Wir sind hier viele Stimmen auf vielen Gebieten. Bei der Kunst sind es sieben Sammlungsleiterinnen, die alle gemeinschaftlich im Blick und wir diskutieren immer miteinander und bewerten auch, was wir tun. Und daraus entsteht, glaube ich, ein sehr gutes Panorama von dem, was heute ist. Würde mein eigener Geschmack zählen, wäre das vielleicht zwar sehr geordnet wie bei einem Sammler, aber es wäre sehr einseitig.
Und deshalb, aber wenn du das Gefühl hast, da ist ein Bild, nee. Sagst du nicht mal, habt ihr mal darüber nachgedacht, dieses Bild, wie lange wollt ihr es? Ich habe schon bei ein paar Sachen gesagt, ich brauche dieses Bild nicht nochmal sehen und es verschwand dann irgendwann doch. Aber da bin ich auch ein bisschen vorsichtig, weil dann wird mir noch ein bisschen vorgeworfen, du hast ja da Einfluss genommen, wo ich denke, ach, das habe ich dann auch wieder nicht gewollt.
Also es ist selten so, dass ich dann so ganz so eine Aversion habe, dass ich, es gibt einen Künstler, ich verrate nicht welchen, über den haben wir, glaube ich, sogar mal hier gesprochen. Dessen Werk verstehe ich nicht. Ich verachte das gerade so. Der hat eine Arbeit gemacht, die finde ich herabwürdigend, einer ganzen Menschengruppe gegenüber.
Und ich finde es auch nicht lustig. Das ist die Art von Humor, die ich nicht verstehe. Von dem, das war das Werk, wo ich gesagt habe, ich würde das begrüßen, wenn dieses Werk jedenfalls nicht zu meiner Zeit hier on display ist. Und jetzt hast du dich natürlich leider. Reingerissen. Ich würde dich jetzt mal bitten, vielleicht beim nächsten Mal wirklich mal ein Bild, ein Kunstwerk, wo du sagst, das verstehe ich nicht.
Ich kann auch dieses Bild mitbringen. Das Problem ist, wir beide, okay. Es wird eine Herausforderung sein. Ja, weil ich möchte sehen, wie du dich richtig in Rage und aufregst und so. Weil das ist ja auch mal schön, weil ich habe das ja oft gehabt, dass ich zu dir gesagt habe, und vielleicht finde ich das ganz toll. Womöglich.
Dann muss es demnächst gezeigt werden. Also es ist im Moment im Depot? Es ist im Depot. Wirklich auf meinen Wunsch hin. Ich bin mir recht sicher, es ist auf meinen Wunsch hin verschwunden. Hol's raus. Das wird spannend. Also nächste Woche unbedingt dabei sein, weil dann werden Sie den Kunstteilendirektor erleben. Wie noch nie. Bis dahin. Tschüss.
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