
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 319
Wer ist der Mensch hinter der Maske?
Samstag, 23. Mai 2026 · 25 min
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Shownotes
Ein starrer Blick, kühler Marmor und eine Aura, die man fast physisch spüren kann: Am 30. Mai blicken wir hinter die Fassade von Fernand Khnopffs „Eine Maske“ aus dem Jahr 1897.
In der neuen Folge von „Ich sehe was, was du nicht siehst“ begeben sich Alexander Klar (Direktor der Hamburger Kunsthalle) und Lars Haider (Abendblatt-Chefredakteur) auf die Spuren des Symbolismus. Was verbirgt die Frau mit den stahlblauen Augen? Ist es eine Hommage an die Unnahbarkeit oder ein Blick in die menschliche Seele?
Entdecken Sie ein Kunstwerk, das keine Antworten gibt, sondern Fragen stellt. Ab sofort in der aktuellen Folge!
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klaa, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Heider und mir gegenüber sitzt Alexander Klaa, der Direktor der Hamburger Kunsthalle. Das sag ich jetzt mal. Jetzt hast du es mal gesagt. Und wir haben die Munk-Zeit, die wunderbaren Munk-Wochen hinter uns gelassen.
Zumindest vermute ich, dass das, was hier jetzt gerade vor mir liegt, mit Edvard Munk nichts zu tun hat. Ist das so? Ist das so? Nein, mit Edmund hat es nichts zu tun. Aber es stammt, wenn wir mit dem selben Ding sprechen, gerade aus dem selben Jahr, wie das letzte besprochene. Also 1896. Okay. Und es ist auch, und das passiert ja gar nicht so häufig, es ist kein Bild, es ist kein Gemälde, es ist keine Kreidezeichnung, es ist kein Kupferstich, sondern es ist, wir werden das gleich klären, was es ist, es sieht aus.
Ja, es sieht aus wie eine Maske. Ja. Es ist eine Maske. Es heißt sogar so. Das Werk heißt eine Maske. So. Volltreffer. Aber sag mal, ist Maske eine selbe Kunstform wie Gemälde, wie Skulptur? Ist Maske eine Kunstform? Nein, also das Ding ist ein, das ist ein Sujet. Also das Ding ist hier eine Skulptur.
Eine Skulptur, okay. Eine Skulptur. Okay, ich beschreibe es. Das ist nämlich relativ einfach zu beschreiben. Es hängt anscheinend bei euch an der Wand. Korrekt. Und es ist so ein bisschen so, wie so Dinge an der Wand hängen. Im Österreich-Urlaub hängen dann tatsächlich so Geweihe an der Wand. Ein gekühner Vergleich. Und hier ist es aber einfach eine Maske.
Das heißt, man guckt in das Gesicht eines Menschen. Also mit einem Mann, würde ich sagen. Ein männliches Gesicht mit relativ knallig roten Lippen. Also Lippen, die aussehen wie geschminkt. einer Augen, die keine Farbe haben, sondern vielleicht so ein Blau, aber das irgendwie so verblasst ist. Aber guckt einen direkt an.
So eine Frisur, die so ein bisschen ist wie das, was die jungen Leute heute haben, so ein bisschen. Die lassen sich doch, junge Leute lassen sich doch jetzt vorne immer so Dauerwellen machen, weißt du? Ich weiß gar nicht, wie das heißt. Echt? Fokuhila? Naja, so ein bisschen, so Dauerwellen, dass du vorne so Locken hast, die da auch noch so reinfallen.
Bisschen gestutzt, wobei diese Frisur eher so aussieht. Wie heißt das, was man eben oben in den Altbauwohnungen hat? Ornamente? Nee. Stuck. Hat so ein bisschen so einen Stuck-Charakter. Und insgesamt ist sozusagen dieses Haar, was so ein bisschen so ein Stück Ornamentencharakter hat, zieht sich einmal wie so ein, ich musste als Kind eine Kiefernklammer tragen.
Kannst du dir das vorstellen? Mein Kinn stand sehr weit vorne und mein Unterkiefer war vor dem Oberkiefer und das musste zurückgedrängt werden. Und daraufhin musste ich so eine Klammer tragen, die das Kinn umschloss und das gesamte, deshalb erzähle ich das, das einmal um den ganzen Kopf gespannt war.
Aber nachts das, oder? Nachts, genau, tagsüber wird, das wäre wirklich. Und so sieht das aus, als ob ihm diese Ornamente als eine Art Wangenbart wachsen. Und dann hat er rechts und links hinten, da wo das an der Wand befestigt ist, sind so Engelflügel. Und, ja, ist natürlich eine, ist das eine, ja, das ist die Frage, eine Maske, das ist natürlich die Frage, ist das eine Maske, die wirklich getragen wurde.
Sieht schwer aus, ist das jetzt nicht so eine leichte Maske, sieht schwer aus, sieht auch aus. Na gut, in den Augen sind so ganz kleine Löcher, wahrscheinlich konnte man da durchgucken. Bin ich jetzt ganz gespannt, weil ich jetzt nicht erwartet hätte, dass ihr auch, dass ihr Masken bei euch habt. Oder habt ihr nur diese eine Maske?
Wir haben sogar einen ganzen Raum mittlerweile, der nach Masken heißt. Also das Werk ist zu sehen in der unlängst eröffneten Sammlungspräsentation unserer Skulpturen, die unter dem Titel Skulptural, glaube ich, mittlerweile vielen Hamburgern schon bekannt ist. Und tatsächlich ist die Maske eher ein Sujet oder ein Genre als eine Kunstform.
Es spielt aber eine große Rolle. Und das Interessante an unserer Sammlung ist ja, das oszilliert zwischen Münzen, Medaillen, Reliefs, Vollplastik, Installation bis hin zu Fotografie und alles unter dem Titel skulptural. Und was wir zeigen ist eben, dass das menschliche Antlitz, wie sich das durch die Jahrtausende, dass der Mensch immer vom Menschen fasziniert ist und wie sich das durch die Jahrtausende verändert.
Und also das hier ist eine Arbeit des belgischen Symbolisten Fernand Knoff, geschrieben K-H-N-O-P-F-F, was wirklich lustig ist, also Fernand Knoff. Das war lustig, das hatte ich im Urlaub, saßen wir neben jemandem, der, habe ich glaube ich schon mal erzählt, der, habe ich das schon erzählt? Nee, habe ich noch nicht erzählt.
Mit dem er ins Gespräch kam, weil er immer so schniefte. Und meine Frau sagte schon, oh Gott, nicht, dass der irgendwie eine Erkältung hat und wir uns jetzt hier noch eine Grippe einfangen und so. Und dann kam er ins Gespräch und dann sagte er, dass er seit zwei, drei Monaten so furchtbare Probleme allergischer Art hätte.
Und irgendwie keine Luft mehr kriegen würde und das war ganz schlimm. Und er hätte jetzt schon im Hotel gefragt, ob sie noch ein Einzelzimmer für ihn hätten, weil seine Frau und sein Sohn könnten das nicht ertragen. Ich komme gleich darum, worum es geht, nicht ertragen und dann haben die, das fand ich total nett, haben die ihm angeboten, im Spa-Bereich nachts zu schlafen, auf so einer Wellnessliege.
Naja, auf jeden Fall, da sagte mein Schwiegervater, der mit war, der Arzt ist, ach, dann kann ich Ihnen ja mal was verschreiben. Sind Sie privat? schreibe ich ihm mal hier so eine Sache, dann können Sie das nehmen, dann geht das gut weg. Da war ich total glücklich. Und dann sagte er. Okay, jetzt kommt das nächste Problem.
Ich gebe Ihnen jetzt mal meinen Namen. Es ist ein Name, der im Wesentlichen ohne Vokale auskommt. Und das war wirklich, ich habe noch nie so einen Namen gesehen. Großartig. Ich glaube, es war ein O dabei. War der Tscheche? Irgend so was Konsonanten dabei. Und so ähnlich ist es ja, also sag nochmal, wie schreibt sich der?
Knoff schreibt sich K-H-N-O-P-F-F. Krass. Also würde man eigentlich sagen Knopf, also wie Knopf, wie Knopf, falsch geschrieben. Genau, also ich glaube, er ist sogar deutschstämmig, da wird das vielleicht mal anders geheißen, warum das dann zu diesem Sonderbaren, aber man kann sich diesen Namen merken.
Als Kunsthistoriker freut man sich ja, wenn bei der Zwischenprüfung ein Knopf kommt, weil A, die Sachen, die er macht, sind sehr, sehr erkennbar. Also er war Maler, aber eben auch Skulpteur und das alles. Und diese Skulptur ist dann aus Gips oder was ist das? Die ist aus Gips und die ist tatsächlich unfarbig gefasst. Und du musst dir das vorstellen, das ist so ein bisschen der Vorläufer des Jugendstils oder also sein Werk changiert auch da mit rein.
Und der war jedenfalls aber sehr ein Artist's Artist. Die Künstler fanden ihn großartig, weil das alles sehr geheimnisvoll, was er machte. Und auch diese Figur ist ordentlich geheimnisvoll. Ich hätte jetzt ja nicht so unbedingt wie du darauf zugesteuert, dass das eine männliche Figur ist, frage ich mich.
Also da sind ja viele Sachen von dem freundlichen Rouge auf den Lippen bis hin zu diesem sehr schön rund gezupften Augenbrauen, hätte ich gesagt. Also mindestens Androgyn wäre bei mir. Ja, ich habe ja gesagt, das könnte beides sein. Du musst nochmal kurz, bevor wir weiter machen, sagen, du hast gesagt, er ist ein Symbolist.
Was ist ein Symbolist? Eine belgische Spielart des Spätimpressionismus, die eben ganz stark mit Symbolen gearbeitet haben. Also hier zum Beispiel ist es so, dass diese tatsächlich interessante Art, wie das Gesicht gerahmt ist mit Ornamenten, dass also quasi Körper mit Ornament zusammenklingt. Zusammenklingt, dass Menschen morphen in Dinge.
Dass eben Symbole, dass Menschen für Symbole stehen oder Symbole für Menschen, das alles sind Spielarten des belgischen Symbolismus und der Knopf war eben einer der Vordenker da im Endeffekt. Also berühmte André Gustave Moreau ist Arnold Böcklin im Deutschen, Franz von Stuck. Also alle, Symbolismus ist auch tatsächlich das Dingliches, das.
Also, dass Menschen und Figuren auf einmal Dinge vertreten können. Das geht beim Symbolismus einher. Das beginnt damit, dass die Bilderrahmen meistens wie so Tempel gestaltet sind. Also Bilderrahmen spielen überhaupt eine große Rolle. Also, dass Mensch und Bedeutung auch dinglich werden können. Das heißt, das war ja nie als Maske gedacht. Das ist auch nie als Maske getragen worden.
Nein, es funktioniert auch gar nicht, weil da ist wirklich nichts zum Durchgucken. Wenn, dann könntest du nichts sehen. Also eine Maske ist ja, also eine Maske, das kann man bei uns ja auch sehr schön lernen, ist ja ein uraltes Ding. Also warum maskiert man sich? Damit man jemand anderes wird. Aber aus der Maske wird natürlich dann auch wieder eine selbstständige Form von Skulptur.
Und hier ist was ganz Faszinierendes, denn es sind ein paar Bedeutungsebenen drin, die man leicht lesen kann. Aber in ihrer Mischung sind sie nicht lesbar. Denn wer, welcher Gott taucht geflügelt auf? Hermes. Hermes, genau, fantastisch. Und der Hermes hat seine Flügel wahlweise, die hat er auch gerne mal unten am Fuß, aber in der griechischen Skulptur taucht er gerne mit einem geflügelten Helm auf.
Das missachtet der Herr Knoff hier aber ganz souverän. Aus dem Helm wird so ein florales, so eine Blumengirlande, oder würde ich das jetzt mal nennen, deren Blätter sich um das Gesicht herum winden. Das heißt, auf einmal wird dieses Gesicht zu einer Art Blätterornament mit Flügeln dran. Und tatsächlich, dieser Hermes, das könnte ein schmucker Jüngling sein, das könnte aber auch eine schmucke Jungfrau sein.
Der Hermes selber ist tatsächlich mal ein sehr jugendlicher Gott. Der ist ja nicht nur der Gott der Boten, sondern auch der Gott der Diebe. Und das spielt alles mit rein. Der gebildete Bourgeois des 19. Jahrhunderts, der sowas sich ansah, konnte diese Verbindung herstellen. Für uns heute wird es natürlich immer geheimnisvoller, weil ich weiß nicht mehr, wie viele Leute noch vor dieses Ding treten und dann automatisch die Assoziation Hermes haben.
Trotzdem aber teilt sich jede mit, dass das hier irgendwie sonderbar ist. Denn dieses Gesicht ist eingerahmt von so wucherndem, Wuchernder Vegetation und dann noch die Flügel dazu. Also für den gebildeten 19. Jahrhundertmenschen ist, warum hat der Typ keinen Helm auf? Denn das gehört sich für den Hermes, also geheimnisvoll.
Und für uns ungebildete Heute ist es aber ähnlich unlesbar. Man fragt sich, wozu dient das? Und dieses wozu dient es führt natürlich dazu, dass das geheimnisvoll ist. Und das ist eigentlich das Wesen dessen, was Fernroh-Nuf gemacht hat. Der hat geheimnisvolle Szenerien und Figuren erschaffen. Unlesbare, Unverständliche. Und das ist natürlich das Fantastischste, was ein Museum bieten kann, dass man von etwas angezogen wird, es aber nicht versteht und auch nicht sofort eine Erklärung bekommt.
Unsere Vermittlerinnen würden wahrscheinlich jetzt alle sagen, das ist Quatsch, wir bieten sofort Erklärungen. Aber das ist ja immer so interessant, was ich ja tief mitnehme aus diesem Podcast jedes Mal, darum geht es ja nicht. Dieses ewige Erklären, das haben wir neulich in dem Wein-Podcast, in den ich dich übrigens herzlich mal einladen möchte, weil es ja so vergleichbar ist und du hast ja erzählt, du magst gern Weine, da hatten wir eine Diskussion, da haben wunderbarer Wein und dann ging es darum, wie viel Alkohol, wie viel Zucker, wie viel das, welche Regeln gibt es da und so weiter, wo du denkst, Warum müssen wir das machen? Warum muss man immer, ich weiß auch nicht, ob es typisch deutsch ist, diese ewige erklären und alles irgendwie runterbrechen,
sodass man es verstehen kann. Ich musste daran denken, wie neulich mein Sohn erzählt einem Freund, dass er jetzt auch schwimmt und dass ihm das so einen großen Spaß macht und wie toll das ist. und die erste Frage des Freundes war, wie schnell. Weißt du, wo du denkst, darum geht es doch nicht, aber ich glaube, darum geht es vielen Menschen dann doch.
Naja, kategorisieren. Also ich würde nicht sagen, dass es deutsch ist, weil beim Wein würde ich sagen, da sind die Franzosen ja noch viel erklärungslustiger als wir. Nein, du erzählst dir aber, du erzählst dir auch, wonach es schmeckt. Und du sagst, ich habe das Gespür, Johannisbeere und ein bisschen Hauch von Vanille und so.
Aber zu sagen, wie ist eigentlich der Zuckergehalt? Ach so. Weißt du, und wie lange lagert das Ganze jetzt den Dings? Die chemische Formel. Und da denkst du so, oh, das ist Deutsch. Aber Kategorisierung, genau. Naja, also das ist schwierig, denn zum Beispiel bei Musik. Also eigentlich wollte ich ja Dirigent werden im Leben. Das hat bloß nicht so ganz geklappt.
Und habe mich aber, also keine Ahnung, ich war bestimmt spätestens sechs, dass ich mich dafür angefangen habe zu interessieren, wie man Noten liest. Und habe dann später Partituren gelesen. Und ich würde sagen, eine ganze Weile lang konnte ich Musik rauf und runter. Ich kann also alle alle großen symphonie in der welt habe ich schon mal mit partitur gelesen und dann tauchte bei mir immer die frage auf ist das jetzt wird sein unschöner weil ich das alles weiß und saß man mit meinem sohn der wollte gerne in die elbphilharmonie und haben wir mal das zweite symphonie gehört und mein armes kind elf jahre als in dem zeitpunkt der hatte nicht gewusst worauf sich einlässt und nach fünf minuten räkelte sich auf seinem sessel und mir war
klar der langweil sich gerade tierisch. Für mich war das unglaublich aufregend, weil ich wusste, was jetzt gleich passiert. Ich dachte, pass auf, ich gebe ihm jetzt ein bisschen Bedeutung. Versuchte ich ihm, ohne dass meine Nachbarn alle sauer werden, immer zuzuflüstern, was jetzt gleich passiert. Und bei Malas Zweiter passiert ganz viel. Da habe ich gesagt, jetzt kommen gleich ein paar Hörner auf die Bühne. Und tatsächlich ging die Tür auf.
Weil da laufen die ganze Zeit Leute an. Diese Symphonie wird ja immer größer. Und in dem Moment, wo es sich bei ihm das mit Bedeutung füllte, wurde der immer interessierter. Und ich meine, es ist auch immer mehr los. Und irgendwann, diese Symphonie ist ja stundenlang, keine Ahnung, eine Stunde und zehn Minuten bestimmt. Und so nach 55 Minuten fragte er mich dann ganz leise, ist das die größte Symphonie der Welt?
Und dann habe ich gemeint, das ist die größte Symphonie der Welt. Und dann hatte das für ihn eine Kategorie, eine Bedeutung. Er saß da vorne am Sessel, der war nicht eine Spur klüger, aber auf einmal hatte das für ihn was bekommen. Und ich glaube, das ist das, was wir suchen. Wir suchen natürlich schon etwas, womit wir das erkennen können.
Deswegen sollte man jetzt nicht zu viel Geheimnis im Museum haben. Nein, aber ich finde trotzdem dieses ewiges Erklären und irgendwie runterbrechen, was so ein bisschen zu, weiß ich, ich habe die Diskussion auch oft so mit, wenn man Tennis spielt, so, habe ich immer die Diskussion mit meinem Sohn, muss man denn zählen?
Damit? Warum? Also natürlich, wenn es atomiert. Damit es eine Form hat. Ja, man muss. Drei Sätze. Aber macht es, also es ist doch völlig, also genauso wie wenn man sagen muss, wenn man jetzt ein Buch schreibt, ja, dann will man hinterher vielleicht wissen, wie viele Leute haben dieses Buch gekauft, ja.
Was bitte ändert das an dem Buch? Gar nichts. Verstehe ich total. Ich spiele so Fußball im Übrigen. Ich mag gern schön Fußball spielen. So schön Fußball steht Flanken schlagen, die ankommen. Noch schöner, wenn jemand mit der Flanke was anfangen kann. Richtig erkennen, wo jemand hin will und ihn daran stören. Meine Lieblingstätigkeit.
Also schöner Fußball ist für mich, dieses Spiel lesen, damit das anzufangen. Wie viele Tore gefallen sind, ist mir schietegal. Ich könnte es überleben, wenn ich 20 zu 0 geschlagen werde. Aber ganz vielen eben nicht. Da gibt es ganz viele, die dann sagen, also ohne Zählen ist das für mich nichts. Ich will die Zähler zählen und dann denke ich immer, und das ist ja das Thema, dann geht es ja nur darum, dann hat dir das nur gefallen, und die Diskussion habe ich tatsächlich auch mit einem meiner Kinder, hat es dir nur gefallen, wenn du gewonnen hast?
Hat es dir nicht gefallen, wenn du nicht gewonnen hast? Und das ist ja so schlimm auch aufs Leben gesehen, weil mal gewinnst du, mal verlierst du. Und das muss doch beide Spaß bringen. Also wahrscheinlich braucht man im Leben irgendwas, worin man so gut ist, dass wenn gezählt wird, man gewinnt, weil das ist vielleicht der Mensch oder der Junge, ich weiß es nicht. Ich kann von meinen Söhnen sagen, die sind beide aus den Leistungsmannschaften.
Also die haben unsere beide Söhne, haben zu einem Jahrgang, der den Armen in Blanke in dieser Sportverein vor Kopfschmerzen gestellt hat, nämlich beide gesagt, sie wollen mit ein paar Kumpels zusammen, sie möchten nicht in die Leistungsmannschaft, sie möchten auch Spaß spielen. Und da brauchst du einen Trainer dafür. Die Mannschaften sind überhaupt nicht dafür.
Die Trainer trainieren und da wird am Sonntag zählt was. Du wirst auf den Sonntag hingearbeitet. Und dann hat sich so eine Runde Dissidenten gebildet, die gesagt hat, wir möchten aber nur spielen. Also mein älterer Sohn ist vollkommen ernsthaft zweimal in der Woche bei der Sache. die spielen mit mit hohem engagement aber eben nicht am sonntag und nicht punktspiele und schon gar nicht gegen welche gegner außer sich selbst und beim kleinen passiert ist auch gerade was sehr lustig ist und ich glaube jetzt land die sind nicht die einzigen das heißt.
Ich glaube, da gibt es jetzt auch so eine große Menge von Menschen, die sagen, also Leistung ist nicht am Wochenende zehn Tore gegen jemand entschieden, sondern Leistung ist, ich bin um vier am Platz und bis sechs hochmotiviert dabei. Und das Entscheidende ist, und da kommen wir drauf, dass man nicht einmal alles erklären muss.
Und das muss ich sagen, liebe ich ja so an der Kunst, dass natürlich ist dann jemand, der das studiert hat und kann das ins kleinste Detail, bis hin, welche Gipsart der benutzt hat oder so, aber darum geht es ja nicht. Für mich ist der Wert eines Museumsbesuchs ein Erlebnis. Und das ist immer wieder neu, weil so viele Bilder kann ich gar nicht kennen.
Ich habe natürlich ein bisschen die Souveränität, dass ich weiß, wie geht man in ein Museum. Man muss sagen, ich habe auch den Nachteil, in jedes Museum, mit das ich gehe, gucke ich erst mal, wie sind es denn am Eingang so drauf? Wie ist das Aufsichtspersonal gestellt? Wirkt mir souverän? Ist die Website sauber? Also das ist natürlich ein bisschen, das ist die Deformation professionell.
Ich bin sehr stolz drauf, dass bei uns die Reviews immer so sind. Da steht unser Begrüßungspersonal ist fantastisch. Unsere Aufsicht sind fantastisch. Da muss man sagen, sehr nette Leute. Da bin ich wahnsinnig stolz drauf. Und ich werde nicht müde, meinen Kolleginnen und Kollegen zu sagen, dass wir unter allen Umständen das so weiterhalten sollten. Das ist interessant, weil das natürlich für das Erlebnis des Museums am Ende wahrscheinlich genauso wichtig ist wie die Bilder.
Wenn da einer kommt und sagt, kann ich mir in die Tasche gucken? Was ist das denn? Selbst bei der Garderobe, wenn einer so, was ist denn jetzt hier schon wieder? Und wenn du selbstbewusst empfangen wirst, Also muss ja nicht immer strahlendes Lächeln sein, wobei die Kollegen am Eingang sind eigentlich mindestens freundlich, wenn nicht sogar gut gelaunt.
Also wirklich ganz selten, dass wenn man eine Review bekommt, dass irgendjemand, also neulich stand irgendwie drin, jemand rassistisch beleidigt, wo ich dann denke, oh lalala. Und dann geht man und fragt nach und sagt, ja, das war schon irgendwie ein harscher Typ, der gekommen ist. Also da kann ich immer sagen, ach, wie man in den Wald hineinruft, könnte passieren, dass es raus.
Also auch da haben meine Kolleginnen und Kollegen Leeway sich wie normale Menschen zu verhalten. Also sie sind alle professionell geschult und können auch einiges einstecken. Aber grundsätzlich, du gehst ins Museum rein und bist schon mal gut gelaunt. Das hilft natürlich wahnsinnig beim Vergnügen des Museumsbesuches.
Und wenn du dann eben durch die Räume läufst und zwischendurch wirst du mal von einer Aufsicht angestrahlt, die müssen ja nicht guten Tag sagen zu Ihnen. Was freundlich oder mal mit dem Auge zwinkern. Ich würde noch Auge zwinkern im Museum dich noch gerne fragen, Welche Rolle spielt der Schatten? Ha! Weil das ist ja... Auf diesem Bild hier. Auf diesem Bild.
Spielt das eine Rolle oder ist es einfach nur, weil es fotografiert ist mit Blitz und so? Oder strahlt man den auch so an, dass es diesen Schatten gibt im Museum? Es ist beleuchtet und natürlich hat ein Relief, eine Skulptur hat einen Schattenwurf. Du hast ja, glaube ich, einmal ganz aus Versehen jetzt mal wieder gesagt, das ist ja kein Bild. Das hast du aber gar nicht so gemeint.
Du meintest, es ist kein Gemälde. Es ist kein Gemälde, genau. Es ist ja ein Bild, und das Bild ist in diesem Fall bei einer Skulptur natürlich das Bild mit seinem Schatten. Das heißt, wir... Stopp, ist es trotzdem ein, würdest du sagen, es ist trotzdem ein Bild? Alles, was du im Museum ansiehst und was künstlerisch irgendwie ist, ist ein Bild. Weil es ein Bild von etwas ist. Ja.
Aber eine Skulptur ist kein Bild, oder? Nein, weil wir sagen ein Bild, dann assoziieren wir meistens Gemälde. Vielleicht bin ich da auch irgendwie auf dem Randbereich unterwegs, aber ich bin der Meinung, auch eine Skulptur ist ein Bild, denn sie ist natürlich bildhaft, sagen wir es mal so. Wir sind ja auch ein Museum der bildenden Kunst. Nein, also jedenfalls der Schatten soll sein, du siehst ja auch zum Beispiel den Schatten von der Haartolle, damit du überhaupt verstehst, dass du hier etwas Dreidimensionales vor dir hast, ist dieser Schatten absolut nicht.
Und durch den Schatten wirkt es ja auch so, was ja nicht so ist, als ob das so ein bisschen, ich weiß nicht, als ob das Ganze schweben würde. Man weiß, dass es irgendwie. Das soll ja so sein. Genau, als ob es irgendwie befestigt ist, es ist körperlos, es schwebt. Und ohne den Schatten würde was fehlen.
Wobei ich sehe, dass dein Schatten ist, nee, sieht genauso, wir sind nur größer. Wir arbeiten mit dem selben Bild. Wir arbeiten mit dem selben Bild. Hoffentlich. Also es ist so, an der Wand hast du natürlich auch einen Schatten. Ein kleines Problem ist, das ist jetzt mittlerweile in der Galerie von Skulptural so, dass der Raum nicht so groß ist, dass es der Abstand genügend ist.
Deswegen haben wir da eine Plexiglashaube davor. Das heißt, du siehst, streng genommen hast du auch noch so zwei Kanten im Bild. Wenn du dich direkt davor stießt, siehst du nichts. Aber mich persönlich stört das schon ein bisschen. Aber aus Sicherheitsgründen können wir das gar nicht anders machen. Und diese Maske ist so... Weil die Leute das sonst anfassen würden, oder? Oder dagegen laufen.
Das ragt ja ein bisschen in den Raum hinein. Es ist erhaben. Weil die Leute dagegen laufen? Also Menschen gehen schon gerne sehr nah ran. Du würdest lachen. Also meine Restauratorin hat mir irgendwann gesagt, es sei erstaunlich, auf wie viele, also Bilder sind ja alle meistens verglast. Ich mag es gar nicht sagen, aber die finden da halt eben Rotz drauf.
Und die eine meinte dann, das sei respektlos. Ich bin unter allen Umständen sicher, dass das Menschen gar nicht mitbekommen. Wenn die einfach nah rangehen und ausatmen, kann das schon passieren. Ja, der mal genießt aus Versehen und so. Und sowas, genau. Werden die dann immer zwischendurch natürlich gewaschen?
Klar, wir haben das gereinigt. Also die Kunstwerke werden von Restauratorinnen gereinigt und die gehen wöchentlich, jeden Montag, wenn alle Leute denken, wir schlafen oder tun nichts, wird bei uns gereinigt, nachgebessert, Sicherheit anbetroffen, dann werden auch immer die Protokolle, da steht Achtung, Schadensmeldung, da erschrecke ich immer, Schadensmeldung heißt schon zum Beispiel, wenn auf dem Glas irgendwas passiert ist.
Genau, der ist halt jetzt eingehaust, aber immer noch sehr, sehr schön, sehr erhaben und halt tatsächlich schwebt da so geheimnisvoll an der Wand und das soll eben, dieser Schatten soll auch symbolisieren, dass das Ding wirklich wie so ein Geist an der Wand auf dich herniederbringt. Das ist stark, weil es so einen so direkt anguckt, da guckt einen einer an und man sieht halt nicht wie eine Maske, sondern man denkt, das ist jemand, der ist wie ein Porträt letztendlich, nur ein Porträt in Maskenform.
Aber die Figur hat halt keinen Charakter. Es ist wie so ein, oder? Du kannst jetzt dahinter keine Menschen wittern. Es ist leer. Ja, natürlich okay. Weil natürlich die Augen sozusagen so ein bisschen, das sind so tote Augen. Ansonsten ist es ja alles andere als tot, sondern sehr lebendig mit diesem knalligen Rot. Aber er hat keinen Ausdruck.
Weder glücklich noch unglücklich, wieder böse noch. Ja, das ist aber, das finde ich jetzt nicht, weil er jetzt gerade die Lippen zusammenpresst, den Mund zusammen, wenn er jetzt anfängt zu lachen oder so. Nee, das finde ich nicht. Ich finde, das sieht auch der oder die oder das sieht halt sehr sympathisch aus.
Ich finde, es sieht undurchdringlich aus. Das Licht an den Augen, oder? Es ist toll gemacht, auch mit dem Licht. Das ist wirklich, wenn du überlegst, dass das irgendwie über 100 Jahre alt ist. Ja, es ist fantastisch. Auch eine hohe technische Könnerei damals. Wird heute wahrscheinlich auch nicht mehr gemacht. Gips-Massinen. Ja, bestimmt.
Also, wieso hast du das jetzt mitgebracht? Weil die Aufstellung gerade läuft? Das ist mal was anderes. Ich bin irgendwie wegen des kranken Kindes draufgekommen, über das wir das letzte Mal gesprochen haben und dieses durchsichtige, kranke Kind auf dem Weg zum Tode und da fiel mir diese Maske ein, weil ich dachte, ah, die ist so...
Nicht leblos, aber auch das ist ein Ausdruck von Vergeistigtheit, weil, wie gesagt, die will uns ja, die lacht uns nicht an, die grummelt uns nicht an, die guckt uns undurchdringlich an, wie so ein Torwärter. Aber irgendwie sympathisch und freundlich. Sympathisch, freundlich, fröhlich, zugewandt. Fröhlich nicht.
Aber nicht unfröhlich, finde ich. Vielleicht in meinem Auge des Betrachters. Das wäre auch so, das könnte man, aber man könnte sich zu Hause nicht lange hinhängen, weil man würde sich, man fühlt sich ja, wenn das irgendwo hängt, fühlt sich immer beobachtet. Das ist übrigens eine schöne Feststellung zum Schluss noch.
Und man sollte mehr Skulptur zu Hause haben. Das war ja in der Antike vollkommen natürlich. Man hatte da Skulpturen, Götter, eigene Verwandte. Damals war auch das Skulpturhandwerk viel mehr ausgeprägt. Das ist schon was anderes, wenn du eine Figur als Mitbewohner hast. Kann ich nur empfehlen. Aber auch so ein bisschen, obwohl man sich vorstellt, dass man so seine Liebsten als Skulptur hätte.
Also wir haben ganz lange so eine sehr, sehr kitschige Marienfigur aus irgendeinem, von irgendeinem belgischen Flohmarkt bei uns und zwar so eine Büste, die stand immer auf dem Fensterbrett, der Kopf war fast so groß wie meiner, die hat in dem Raum eine unglaubliche Ruhe, die hat so den Kopf, also wie es halt so ist.
Na, weißt du, man hat das ja mit Buddha-Figuren, heute haben es ja viele mit Buddha-Figuren. Ja, genau. Ja, aber der ist, Buddha finde ich zum Beispiel aufdringlich, weil das hat so ein, das ist ja klar, warum das da ist, aber die Maria, das ist so außerhalb der Kirche eine Maria auf der Fensterbank zu haben, finde ich schon irgendwie. Aber ich finde, Buddha ist ja so was ganz Beruhigendes.
Das stimmt, der sitzt da. Manchmal so, wenn ich so ein bisschen, dann stelle ich mich da vor und denke so, oh, wie schön. Habt ihr einen Buddha? Ja, mehrere, viele, viele Buddhas. Dann habt ihr eine Skulptur im Raum. Wir haben eine Skulptur, aber es ist natürlich eine besondere Skulptur. Wir sind schon wieder fast am Ende, wir sind am Ende angekommen.
Also wir verabschieden uns mit der Maske und ja, angucken, angucken, angucken diese Maske. Und ich bin gespannt, was du dann nächste Woche... Wir danken fürs Zuhören. Wenn Fragen Anregungen sind, immer gern schreiben an las.heider.abendblatt.de. Aber es machen auch regelmäßig und viele von Ihnen. Vielen Dank. Tschüss.