Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 302

Ein großer Künstler sieht Rot

Samstag, 24. Januar 2026 · 25 min

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Shownotes

Ein gewaltiger Mann, ein knallroter Anzug und eine lässig gehaltene Zigarette: In dieser Folge widmen sich Lars Haider und Alexander Klar, Direktor der Hamburger Kunsthalle, einem Bild, das man so schnell nicht vergisst. Es ist das späte Selbstporträt von Anders Zorn aus dem Jahr 1915 – ein Werk, das Lars Haider auf den ersten Blick eher an einen imposanten, vielleicht sogar etwas unsympathischen Unternehmer als an einen feinsinnigen Künstler denken lässt.
Doch wer war dieser Mann im „roten Fummel“? Alexander Klar nimmt uns mit auf die Reise eines echten „Schweden-Superstars“. Vom unehelichen Kind einer Magd stieg Zorn zum gefragtesten Society-Maler seiner Zeit auf. Er verkehrte im Weißen Haus, wurde in London und Paris gefeiert und kehrte schließlich als gemachter Mann in seine Heimat Mora zurück. Das Porträt ist ein radikales Statement: Zorn malt sich nicht als schmeichelhaftes Ideal, sondern schonungslos als satter, erfolgreicher Dandy, der in einer schlichten Holzhütte steht.
Das Gespräch beleuchtet die feinen Details des Bildes – von der grünen Krawatte und der glänzenden Krawattennadel bis hin zum „Stiernacken“ und dem prüfenden, fast kritischen Blick des Künstlers. Warum wirkt die Zigarette hier eher lässig als ungesund? Und was hat die Handhaltung von Angela Merkel mit der Inszenierung eines Porträts zu tun? Tauchen Sie ein in eine Geschichte über Macht, Reichtum und die beeindruckende Gabe, Menschen (und sich selbst) durch die Leinwand hindurch zu durchschauen.

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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Heider. Mein Name ist Alexander Klar. Und lieber Alexander, nachdem wir in der vergangenen Woche über die wunderbare Griffelkunstvereinigung gesprochen haben, Dann nähern wir uns heute, ja was, erstmal wieder einem Porträt.

So viel würde ich sagen, wobei ich ja gelernt habe in unseren vielen Folgen, man unterscheidet zwischen Porträt und Selbstporträt. Ganz klar, das eine ist, dass man gemalt wird. Das andere ist, dass man sich selbst malt. Man weiß es vorher nicht. Ich würde aber bei diesem Bild auf ein, ich weiß es gar nicht, es ist ja furchtbar und eindrucksvoll zugleich. Ich beschreibe es mal.

Was man sieht in einem hochformatigen Bild, in einem, auch da muss ich wieder an den Urlaub denken, wenn man in Österreich immer in so Hütten war, in so einem Holzhaus. Also es steht so vor dem Hintergrund eines Hauses, in dem die Wände aussehen, als seien sie aus Holz, steht ein... Ich muss es so sagen, ein gewaltiger Mann. Ein wirklich gewaltiger Mann. Skandener Mann.

Ja, er steht auch natürlich, aber der hat schon seine 120 Kilo. Ist jetzt nicht so einen richtig dicken Bauch, richtig schlank ist der Bauch auch nicht, aber ist halt so ein massiger, ein gewaltiger Mann, der uns anguckt und der, und das ist das, was einem ja sofort auffällt, einen komplett, knallroten Anzug trägt.

Und zwar mit einem Sakko, das nicht so wie heute relativ kurz ist, sondern relativ weit bis über, also in Richtung Knie geht von der Länge her, also über, zumindest über die Oberschenkel rüber. Also das Sakko ist mehr wie so ein, eigentlich wie so ein Mantel. Er trägt also einen knallroten Sakko, darunter eine knallrote Weste, dazu ein weißes Hemd und eine grüne Krawatte.

Und ich sehe was, was du nicht siehst. Auf der Krawatte ist so eine Ist das eine Krawattennadel? Es könnte auch ein Insekt sein, aber es ist eine Krawattennadel. Ein Einstecktuch, der Anzug sieht aus wie feinster Stoff. Und dadurch, dass dieser Mann aber so gewaltig ist, ist es auch ganz schön viel Stoff und ganz schön viel Anzug und ganz schön viel Sakko.

Also ich würde mal behaupten, dass sich so zwei, drei Kinder locker unter diesem Sakko, das er da trägt, verstecken könnten. und man würde sie nicht sehen. Er hält eine Zigarette in der Hand. Auch das muss man sich ja erstmal. Wünschen, wenn man porträtiert wird. Vielleicht spricht das dafür, dass er sich selber porträtiert hat.

Vielleicht spielt diese Zigarette in seinem Leben eine entscheidende Rolle, sonst hätte er sich mit dieser Zigarette nicht so porträtieren lassen. Er macht etwas, was einem immer geraten wird, wenn man fotografiert wird, lass die Arme nicht hängen. Also das Allerschlimmste ist, kann ich ja allen zurufen, die sich mal fotografieren lassen wollen.

Wenn man die Arme so einfach so rechts und links hängen lässt, sieht man halt ein bisschen komisch aus. So mit den Armen muss man immer was machen. Daher entstand damals bei Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Raute, weil die alle, die sich damit ausgingen, gesagt haben, sie müssen was machen und dann hat sie halt, um eine Spannung rein zu bringen, die Raute gemacht.

Olaf Scholz hat so was ähnliches gemacht. Er hat die Hände halt so angewinkelt und guckt dann so auch so ganz, so weit es geht, dynamisch in die Kamera, wobei man in die Kamera, sag ich schon, guckt dynamisch, zu demjenigen, der ihn porträtiert. Der Mann hat. Einerseits einen kantigen Schädel, dann aber auch einen, der seiner Figur angemessen ist, also schon so ein bisschen so einen runden Kopf.

Man sieht ihn ja nicht von hinten, aber man ahnt, dass er auch so eine Art Stiernacken hat. Dazu einen Schnauzbart, so ein bisschen auch so Trief- und Hängeaugen und guckt so wie, also so diese, ich weiß gar nicht, wie nennt man diese Leute? Und ich habe so viele Unternehmer jetzt im Auge, die sich von ganz unten nach ganz oben gearbeitet haben. Und dann so, zack, hier bin ich so.

Also es ist kein, wenn man ihn so sieht, es ist niemand, der so besonders sympathisch wirkt. Es ist kein First-Contact-Winner, wie man ihn nennt. Es hat auch so etwas Angeberisches mit diesem roten, er ist nicht sympathisch da vielleicht so. Ja, vielleicht so weit erst einmal. Und es ist wahrscheinlich so, es ist so ein Typ so Anfang, Mitte 60, so würde ich ihn einschätzen.

Und jetzt bin ich ganz gespannt, wer das ist, überhaupt eine Person der Zeitgeschichte ist oder ob der nur deshalb berühmt geworden ist, weil ihn ein berühmter Maler gemalt hat. Also, es ist eine Person der Zeitgeschichte. Man kann ihn auch gerade noch in der Hamburger Kunsthalle sehen, genau in diesem Porträt.

Es ist der Maler Anders Zorn himself, den wir schon im A-Gemälde hatten. Aber Anders hat ihn noch nicht geportiert. Das ist Anders Zorn. Siehst du, Marc, löse das noch schnell auf, bevor die Ausstellung geht. Also, dieses Bild ist super bemerkenswert. Es ist gemalt 1915. Es ist das letzte Selbstporträt meines Wissens.

Danach verstummte Zorn weitgehend oder er ging in Rente. Und den wir da sehen, ist ein schwerreicher Society-Maler. Und dann schau dir mal das Setting an, das er sich reingemalt hat. Hier ist ein fantastisches Holzhütte. Da steht ein Dandy in einer Holzhütte. Und also Dandy rot, auch damals die Wahl der Farbe Rot war Signal, mit Westen, mit grüner Krawatte.

Also es ist wirklich, da ist alles drin und dann steht er in der Holzhütte. Und das ist natürlich eine Botschaft. Du erinnerst dich, wir hatten ja, wir haben schon von ihm dieses eine Fest gehabt vor einer kleinen Weile, den Tanz da am längsten Tag des Jahres, Midsommerfeiertanz. Cem, und du erinnerst dich vielleicht auch, Anders Zorn war ein Kosmopolit, aus einfachen Verhältnissen stammend, in Mora geboren, in Mittelschweben, das ist so nordmestlich von Stockholm in der Provinz, Kind, illegitimes Kind eines deutschen Bierbrauers und einer schwedischen, also eine Magd, hätte man glaube ich damals gesagt.

Den Vater hat er, glaube ich, nur ganz spät kennengelernt. Hat sich aber nach seinem Vater genannt, auch interessant. Und es wurde früh das Zeichentalent erkannt, was natürlich auch wahnsinnig toll ist für so ein Kind aus den einfachsten Verhältnissen. Da gab es einen Pfarrer oder Lehrer. Lehrer war es, glaube ich. Du wolltest was sagen? Nein.

Ich habe nur gesagt, stimmt. Also stimmt, das ist natürlich wie, wenn du dann aus einfachsten Verhältnissen kommst und jemand sagt, sie haben ein Zeichentalent, aber ich hänge an deinen Lippen. Bitte sprich weiter. Also das Zeitalent wurde rasch erkannt. Er ist dann auch nach Stockholm, er ist erdornet und ist dann sehr schnell, er hat dort auch eine tolle Frau kennengelernt, die ihm sehr unterstützt hat.

Die wurde sozusagen seine Impresarie und die beiden sind dann nach London gezogen, also wirklich ins Herz. Das ist wie nach New York ziehen heute. London war das finanzielle Zentrum Europas, die reichste, drängendste Metropole im größten Kolonialreich. Dort hat er sehr schnell als Porträtist vor Ort gemacht. Dann, sehr schlau auch im Selbstmarketing, nach Paris gezogen.

Denn ein anständiger Künstler bist du nicht, ohne die Bohème von Paris geschnuppert zu haben. Dort hat er auch Aufträge gehabt. Und dann kam der Sprung über den großen Teich. Er wurde der Society Maler Amerikas mit fantastischen Porträtaufträgen. Er wurde der große Gegenspieler von John Singer Sargent, dem Society Impressionisten der Zeit.

Und nachdem er dann sein Vermögen gemacht hatte und er ist wirklich reich geworden, ist er zurück nach Mora gezogen im Alter. Und hat sich um seine schwedische Heimat gekümmert. Er hat dort im Dorf alles aufgemöbelt. Er hat den Mainbau bezahlt. Und, das ist die Geschichte hinter diesem Bild, er hat seine Landsleute sehr ermuntert, zu ihrem Erbe zu stehen.

Deswegen malt er sich so stolz im Zenit seiner Berühmtheit am Ende seines Lebens, malt er sich stolz in so einer Hütte im Outfit, mit dem er beim amerikanischen Präsidenten zum Dinner hätte erscheinen können. Aber tatsächlich sah er so aus. Also er war dann so ein, ich will nicht sagen, so ein bisschen feister älterer Mann.

Ja, wir haben eben in der Ausstellung auch Jugendselbstbildnisse. Der war natürlich als junger Mann rank und schlank und emporstrebend. Aber die vielen Festbankkette, du weißt ja, wie es ist, da geht es dann schnell auf die Pfunde. Und er hat dann in Schweden war er eine Weltberühmtheit. Also in Schweden ist das ja im Gegensatz zu sagen, eine Weltberühmtheit in Schweden.

Er ist der, wir haben ja auch schon Schweden Superstar genannt, weil das war er wirklich, das ist die Parallelität zu Abba in seiner Zeit. Der größte Beerdigungszug, den Schweden je gesehen hat, Aufträge von Königen und Kapitalisten. Also der war einfach eine Riesennummer. Und dieses Bild ist halt ein Statement.

Da malt er sich schonungslos. Er malt sich auch nicht schöner. Er malt sich als einen vom Leben etwas gezeichneten, wobei positiv gezeichneten älteren Herren. Er guckt auch nicht gewinnend. Das habe ich noch nie gehört, aber das merke ich mir gleich mal. Dieses First Impression. Was hast du vorhin gesagt?

First Contact Winner. Das sind also Menschen, wo du sie siehst und denkst, ach, mit dem möchte ich mich unterhalten. Das ist aber nett. Das ist aber ein cooler Typ. Er ist dich. Und er meint sich auch genauso vollkommen. Das ist ja seine große Gabe. Was anders zornen konnte, war Situationen erfassen und wiedergeben und Menschen erfassen und wiedergeben.

Und im besten Fall war es Menschen und Menschen in Situationen erfassen und wiedergeben. Deswegen haben ihn die amerikanischen Superreichen so begeistert angestellt und er mit diesem Bild bezaubert einen auch. Es ist am Eingang unserer Ausstellung, beziehungsweise an einem alternativen Eingang unserer Ausstellung, bei uns kommen die Besucherinnen ja immer durch mehrere Eingänge rein, weil die Galerie dagegen dazu gebaut ist und da begegnen wir ihm und es ist tatsächlich vielleicht nicht ein First-Impression-Winner, aber das Bild ist 120 Zentimeter groß, das heißt, er hat sich da fast in Lebensgröße gemalt, wenn man die Beine um noch dran hat, ist es wahrscheinlich seine Lebensgröße.

Wie er einen anguckt, sieht man eines. Er guckt erst mal sehr kritisch, denn um etwas erfassen zu können, musst du es durchschauen. Und ich glaube, das malt er sich da. Er malt sich wie jemand, der Menschen durchschaut. Und er blickt uns, also später den Betrachter, das hat er mit einkalkuliert. Er hat in diesem Bild natürlich einkalkuliert, dass es viel gesehen wird.

Er wusste, dieses Bild wird Weltkarriere machen. Und so blickt er uns prüfend an, bevor er uns vielleicht malen wird. Das Interessante ist ja, dass man immer bei so einem Maler, man stellt sich einen Maler eigentlich immer als so einen schlanken, in sich gekehrten, nicht rauchenden, mehr oder weniger verzweifelten Menschen vor, der mit sich unter Kunst dringt.

Und dann sieht man ihn und denkt, man hätte jetzt gedacht, das ist irgendein reicher Millionär, der sich hat malen lassen. Ein reicher Millionär ist auch gut, also ein Millionär, der sich hat malen lassen. Andererseits muss ich dann wieder an den, wie hieß das nochmal, an den Kujau denken, Hitler-Tagebücher, der ja auch so etwas, also der Maler an sich, das kann man gar nicht sagen, das ist kann dick, dünn, groß, klein, ist alles dabei, ne?

Ja, also im Gegenteil, also wenn dir auf Anhieb ein schöner Künstler einfällt, Dann ist vielleicht Jean Tanguilly, der war ein schöner Mann. Aber das ist ja, man sollte ja tatsächlich nie vom Kunstwerk auf den Menschen schließen. Das ist ja in der Literatur das noch viel größere Problem, dass wenn da etwas in Ich-Form geschrieben ist, die Menschen annehmen, da berichtet der oder die Schriftstellerin von sich.

Was zum Teil natürlich stimmt, weil wenn man schreibt, schreibt man die eigenen Erfahrungen. Aber das ist ja nicht notwendigerweise, was man selber denkt. Und das ist, glaube ich, interessant, dass man von einem Kurzwerk annimmt, wenn ein Maler einen schönen Menschen malt, dann in Verbindung mit dem schönen Menschen auch den Maler ist ganz verdutzt, dass der dann kleinwüchsig und unattraktiv ist.

Aber hier ist es ja so, dass es ein Statement ist und ein bewusstes Statement, weil Anders Thorne hätte sich ja so nicht malen müssen. Also es hätte schon gereicht, glaube ich, wenn er sich nicht in diesem roten Fummel hätte malen lassen, sondern ganz normal entschieden, oder? Er hat ja sich gemalt. Das heißt, das ist schon ein Selbstporträt.

Man sieht ihn halt nicht beim Malen, sondern man sieht ihn im Staatsordnator stehen. Na interessant ist, warum sind denn überhaupt Selbstporträts interessant? In meinen Augen, weil der Maler, die Malerin steht für uns alle. Das heißt, im Selbstporträt prüft sich ein Maler. Rembrandt hat damit angefangen, glaube ich. Also Dürer war einer der Ersten, die sich selbst gemalt haben.

Das war aber zum einen ein Akt der Selbstvergewissung, zum anderen auch ein Akt des Marketing. Rembrandt, der hat das ganz schonungslos gemacht. Der hat sich beim Älterwerden zugesehen und gemalt. Der hat ganz früh angefangen mit Selbstporträts, immer seine Knollennase schön ins Bild gesteckt. Der war auch kein schöner Mensch im Übrigen und hat auch null Ehrgeiz gehabt, sich schön darzustellen.

Er hat sich schonungslos dargestellt. Und ich glaube, ein bisschen ist das hier auch drin, was uns Sonya vorführt, ist sein Hang zum Dandy-Tum, die wohl jetzt, sag mal... Sich das in dem Alter vielleicht erübrigt hätte haben können. Man könnte ja auch weise drüber wegsehen. Aber warum sollte er sich den Malerkittel malen?

Die wenigsten von uns sind Maler und würden damit dann wahrscheinlich sich nicht identifizieren. Aber mit diesem soanierten, na soaniert ist es nicht, wenn Rot trägt man nicht, wenn man soaniert ist, also dieser beeindruckende, Rot ist vielleicht auch Künstler, dieser beeindruckende Mensch in rotem Ornat.

Ist doch eine Figur, vor der man erstmal stehen bleibt und sagt, ah, interessant. Und was bedeutet das für mich. Ja, aber wenn man sich jetzt so, du siehst ja die Reaktion bei mir, wenn man sich jetzt so wie ich in den vergangenen Wochen, Monaten sogar mit mehreren Bildern von Anders Zorn beschäftigt hat und so ein bisschen so Anders Zorn Fan geworden ist, weil das ja einfach tolle Bilder sind.

Und dann sehe ich ihn jetzt so und denke so, nee, das ist dieser Mann hinter diesen Bildern. Nein, hätte ich dieses Bild noch nicht gesehen. Ich finde schon allein, dadurch, dass er sich ja rauchend zeigt, zeigt das ja auch so ein bisschen, ich muss da jetzt an Helmut Schmidt denken, von dem es ja auch ganz viele Bilder, wie auch sonst, mit Zigarette gibt, dass diese Zigarette so eine Rolle für ihn spielt.

Und diese Mischung aus diesem unglaublich roten Anzug, die Zigarette, dieser Bild, auch diese Mischung aus, ich bin hier eigentlich reich und toll und stehe hier bei meiner Holzhütte, das ist ja alles so Dinge, die ihn nicht sympathisch machen, aber vielleicht möchte er auch gar nicht sympathisch sein.

Also auch das, warum, wenn man ein alter Choleriker ist, warum soll man sich nicht als solcher darstellen? Auch in seinen Defiziten. Das ist ja das ganz Interessante. Also hier sind wir wieder bei dem Ding, was macht große Kunst? Große Kunst ist zuerst mal schonungslos der Erkenntnis gewidmet. Und wenn die Erkenntnis ist, dass man mit Ruhm und Reichtum alt und selbstgerecht wird, dann ist das das Bild dafür.

Wobei er das, er wollte vielleicht nicht, ja das ist interessant, er hat sich hier ausgezogen für uns so ein bisschen, also in Rot angezogen, aber er hat sich jetzt hier nicht verkauft, der Nachwelt, als der Patron der Künste in Mittelschweben, was er übrigens war. Also der hat seiner Gegend unglaublich Gutes getan mit seinem riesigen Reihlichstum.

Die beiden waren kinderlos, die beiden haben ihren Besitz in Schweden vermacht. Und heute, wer nach Mora fährt in das Zornmuseum, sieht dort eben alles, was er hinterlassen hat, plus das, was er bewirkt hat. Also ein guter Mensch, nur etwas grimmig blickend. Naja, man kann natürlich jetzt auch sagen, der betrügt uns nicht, was ja die Kunst hätte machen können.

Hätte er sich ja so malen können, dass er allen gefällt und das will er offensichtlich nicht mehr oder hat das gar nicht mehr nötig und man muss auch sagen, zu der Zeit weiß er natürlich, viele Leute wussten wahrscheinlich damals, wie er aussah. Die wahrscheinlich in den Zonen reproduziert haben und sowas.

Der war eine bekannte Figur in seiner Zeit, ja. Also, ich glaube, das mit dem First Impression, das ist so, dass man eher oft, wenn man viele Leute kennenlernt, merkt man recht schnell, die schnellen Gewinner sind jetzt aber auch nicht unbedingt die, mit denen man gerne sich weiter unterhält. Und manchmal spürst man an einem Abend, wo man sich blendend unterhalten hat, mit irgendjemandem mit dem Blendeunterhalt geht, auf jemanden, der die ganze Zeit geschwiegen hat. Und dann denkt man jetzt, aus Höflichkeit spricht man auch noch mit dem.

Und plötzlich stellt man fest, Oh shit, der war viel interessanter als der Abend. Ich hätte mit ihm den Abend verbringen wollen. Das ist mir öfter schon passiert, weil ich falle sehr schnell darauf rein. Also ich bin halt so für Smalltalk auch gebaut qua Beruf. Das heißt, wer mit mir spricht und easy und locker spricht, wunderbar. Wer verdruckst in der Gegend rum sitzt.

Verloren, weil meine Aufmerksamkeitsspanne wahrscheinlich nicht so gut geht. Und das ist ja eigentlich schade. Und sowas sollte man damit zunehmend lernen, dass man sich umguckt im Raum und sagt, wo könnte denn der wirklich für mich interessante Mensch sein? Ja, aber ist ja jetzt auch nicht, also ist jetzt kein First-Contact-Winner, aber ist ja jetzt auch keiner, wo man denken würde, der sitzt wie ein kleines Mäuschen irgendwo in der Ecke.

Also wenn man sich vorstellt, hat den damals getroffen, der war ja schon sehr, also das war einer von denjenigen, die die Ersten waren, die das Wort ergriffen haben, oder? Das war jetzt kein kleiner, verdruckster Mensch in der Ecke. Ich würde aber sagen, der ist eher wortkalk. Also ich vermute mal, der saß im Bankett und nahm an, man kommt zu mir und ich gehe nicht zu jemandem.

Das ist ja auch ganz interessant, wer sitzt und lässt kommen auf sozialen Gelegenheiten und wer kommt. Jetzt bin ich vom Typ her sowieso jemand, der immer lieber kommt als kommen lässt. Aber manchmal weigere ich mich auch zu den Leuten zu gehen, von denen ich denke, da müsste ich jetzt hin, weil die qua Amt und Ruhm interessant wären.

Also dieses Bild erlaubt einem ganz viele Erkenntnisse, jenseits dieser Geschichte, dass er sich da in dieser Hütte malt. Wenn man das jetzt isolieren würde und die KI bitten würde, ihn in den Ballsaal des Weißen Hauses, den Alten, zu versetzen, dann würde er da eine gute Figur machen, würde aber immer noch dasselbe Gesicht vermutlich mal, denn der ist keiner, der versucht, die Leute zu schaumieren.

Wo du gerade auf den Ballsaal des Weißen Hauses kommst, so ein bisschen, jetzt weiß ich, woran mich sozusagen die ganze Statur und die ganze Haltung erinnert hat, hat so ein bisschen Donald Trump. Mäßiges. Aber es ist was anderes. Man muss nur mal sagen, es ist ja fantastisch gemalt. Es ist einfach natürlich fantastisch gemalt. Wenn man ihn jetzt selber sieht, dann ahnt man natürlich, warum wollten sich so viele Menschen von diesem Mann malen lassen und warum hat er solche hohen Preise erzielt damals schon.

Also allein die Art und Weise, wie er seinen Sakko da gemalt hat, obwohl es ist ja für den Sakko viel zu tief, also seinen Rocks, das, was er auch damit trägt, die Hose etwas dunkler, summarischer im Schatten, die Falten, die der Arm wirft, dann, wie er da steht, so zum Gehen bereit, das ist, der Moment ist eingefangen, es ist wirklich wie eine Fotografie, also er hat sich übrigens für Fotografie interessiert und ich würde es mal nicht vollkommen für.

Undenkbar halten, dass er sich hat fotografieren lassen und dann nach der Fotografie gebaut hat, denn das Problem ist, wenn du ein Selbstporträt machst, kannst du das entweder im Spiegel machen, dann kannst du bei dir so dastehen, oder aber du kennst dich gut genug und dann baust du quasi diese Statur.

Aber ich glaube, das Überzeugen an den Bild ist auch noch, der ist so bestanden. Der steht, wie er so steht, die Zigarette leicht angelupft, den anderen Arm leicht, runterhängen. Das kennt man übrigens ja auch bei älteren Menschen, dass dann die Hand so ein bisschen verschweift auch. Das ist seine Rechte, die uns da entgegenlacht, die ist da so ein bisschen verkrampft da.

Also all das scheint mir typisch, da hat er sich selber typisch wiedergegeben, vom Gesicht bis zur Statur. Und also das ist diese große Kunst, die er beherrscht. Dazu noch eben diese impressionistischen, leichten Pinselstrichen, diesen Stuhl, den er sich wohl nicht mal die Mühe gegeben hat, den Stuhl zu malen, sondern irgend sowas hingefriemelt.

Das Fenster, der Vorhang ist hier nur durch so einen Pinselstrich. Angedeutet, da kommt das Licht rein, stimmt aber nicht, das Licht, was da reinkommt, macht auf seinem rechten Sakko gerade mal so ein bisschen, eigentlich kommt das Licht von schräg links von uns her, da fällt das rein, das heißt, wir stehen wahrscheinlich an der Tür gemeinsam mit ihm und sind ihm gerade begegnet, also diese Situation, dieser Moment, den hat er fantastisch eingefangen und sich selbst nicht auch.

Es ist ja auch so dieser Moment, wo man sich eigentlich fein gemacht hat in einer ganz normalen Umgebung, weil man irgendwie ein großes Essen außerhalb hat und sich dann vorm Spiegel stellt und sagt, so sehe ich gut aus. Übrigens interessanterweise, ich sehe was, was du nicht siehst. Wenn du mal so ein bisschen die Zigarette groß siehst, dann ist die eigentlich auch. Das ist gar nicht großartig gemalt.

Also man sieht keinen Rauch an der Zigarette. Das ist einfach nur so ein kleiner, feiner Strich. Und dann auch wieder die Hand, die Hände ja immer interessant. Das ist ja immer mein Verdacht, dass Maler, ich habe selten Maler gesehen, wo wirklich man alle fünf Finger richtig sehen kann und hier auch nicht.

Die Hand stimmt, aber trotzdem guck dir mal die rechte Hand an. Da sieht man den Daumen, man sieht den Zeigefinger und dann mittel, Und Ringfinger, kleiner Finger wird sozusagen einem, ist nicht schlimm, weil es vom Schatten her auch so, wird sozusagen zu einem Wulst, würde ich mal sagen. Ja, ja, also er weiß, wo er was weglassen kann. Er weiß, wo er die Akzente setzen muss.

Und zwar immer so zur Bildmitte hin. Das Gesicht muss natürlich quasi perfekt sein. Wobei, wir erinnern uns bei dem Tanz, da hatte die Gesichter ja auch mit ganz feinen kleinen Zuckern gemalt. Und schon war das Gesicht perfekt. Hier bei dem Porträt muss natürlich ein bisschen mehr stimmen. Also es ist einfach, das ist ein Impressionist der glamourösen Sorte, der hat sich die Technik der Impressionisten abgeguckt und für sich nutzbar gemacht, für das, was er ausdrücken wollte.

Gibt es aus dieser Zeit noch andere Selbstporträts in anderen Anzügen? Also, weil normalerweise, nochmal zu sagen, das Ganze jetzt, stellen wir uns das Ganze mal vor, nicht mit einem roten Anzug, sondern mit einem dunklen Anzug, dunkelblau oder gar schwarz oder so. Ohne Zigarette wirkt das Ganze natürlich viel seriöser. Also der Anzug und der grüne Krawatte, die machen schon was.

Ja, seriös. Also unser Ansehen von Zigaretten ist natürlich jetzt mittlerweile ein anderes. Denn wir haben hinter uns 25 Jahre des Zigarettenächtens. Also in meiner Jugend ging es an, dass die Zigarettenpackungen einem gesagt haben, wie tot man dann ist. Ich sage, das hat jemand, der nie im Leben geraucht hat, aber immer mit Raucherinnen zusammen war.

Im 19. Jahrhundert hat das eine andere Konnotation. Erstens ist Rauchen in bestimmten Schichten völlig normal. Da ging es fast nicht, dass du nicht geraucht hast. Das nächste ist der Gesundheitsaspekt, der wurde unterbetont, wenn er überhaupt bekannt war. und das nächste war, da ist ja auch so ein Hauch von Bohème drin.

Also ein rauchender König, das war schon sehr leger. Rauchen ist leger gewesen. Das heißt, das letzte Restchen Bohème, was diesen Künstler umweht, ist die Zigarette, die er da in der Linken. Sonst ist er Börsenmakler. Okay, das heißt, das war eine... Das ist auch interessant, das ist eine ganz andere... Die Aussage ist eine ganz andere, ne?

Das ist irgendwie, also... Also es steht da mehr für Leichtigkeit und Lästigkeit. Ja, genau. Heroisch manchmal auch, ne? Die rauchenden Soldaten, Kippe, Munz, Cowboys. Das Bild der Lucky Luke mit der Kippe, die so schräg und so prekär nach unten hängt, aber gerade noch an der Lippe hängt. Das ist das Gegenstück zur formalen Haltung des 19.

Jahrhunderts oder zumindest der Upper Class des 19. Jahrhunderts. Jetzt müsst ihr ihn wieder zurückgeben, den Anders Zorn, oder? Demnächst? Ja, demnächst geht er aber zurück. Er zieht weiter nach Madrid. Die Ausstellung wird in Madrid auch gezeigt. Also wer Lust hat, sein Frühjahr mit Anders Zorn an einem etwas wärmeren Ort im Februar zu verbringen, kann dann nach Madrid fahren und dort dieselbe Ausstellung nochmal sehen, in der Marv-Stiftung.

Gut, aber das ist, wer sie jetzt hier gesehen hat, man weiß, man kann sie vielleicht, wirkt sie ganz anders in Madrid, zumindest wenn man rauskommt, wirkt sie ganz anders. Lieber Alexander, ich bin gespannt, wir nähern uns dem Februar und ich bin gespannt, was du mitbringst die nächste Woche, um dir über die Depression zu helfen, um uns durch diesen, es ist ja gar kein Furchtbar, um uns durch diesen Monat zu helfen.

Weil, lieber Dein Problem ist, du bist kein Karnevalist, Die Kölner hätten schon taub kein Problem. Ich bin ja kein Karnevalist unter allen keinen Umständen, aber ich versuche mal das Aha-Erlebnis in der Kunst für dich, um mir den Februar erträglich zu machen. Jetzt hast du jetzt Karneval in der Kunst, da freue ich mich drauf.

Und allen, die zugehört haben, vielen Dank. Bis nächste Woche. Tschüss. Bis dann.

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