Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 300

Der schönste Tag des Jahres

Samstag, 10. Januar 2026 · 26 min

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Shownotes

Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider fordern sich wieder heraus: Mit dem Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ tauchen sie tief in ein ikonisches Kunstwerk ein.
Heute beleuchten die beiden das berühmte Ölgemälde „Mittsommertanz“ (Midsommar) aus dem Jahr 1891 des schwedischen Meisters Anders Zorn. Was macht dieses Bild, das feiernde Menschen in einem schwedischen Sommer festhält, so besonders? Welche Details in Zorns Pinselstrichen könnten leicht übersehen werden?
Hören Sie jetzt rein, wenn Klar und Haider die Magie und die verborgenen Geschichten hinter diesem dynamischen Meisterwerk entschlüsseln!

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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Haider. Ich bin Alexander Klar. Und heute hat der Direktor der Hamburger Kunsthalle, der Alexander Kleier ist, schon ein Werk mitgebracht, was ein besonderes ist, weil es das Werk ist, mit dem, das haben wir letzte Woche schon verraten, das heißt, das kann ich jetzt vorab sagen, Anders Zorn bekannt geworden ist.

Sag uns nochmal für die, die hier in diesen Podcast rein und die vielleicht auch sich für die einzelnen Maler noch stärker interessieren, Anders Zorn. Warum ist das jemand, der gerade so eine große Rolle in der Kunstseite spielt? Was ist das für einen Künstler? Anders Zorn ist der schwedische Maler schlechthin.

In Schweden kennt ihn jedes Kind, der ist in jedem Schulbuch. Im restlichen Europa und in der Welt, nein, das stimmt nicht, im restlichen Europa ist er unbekannter als in Amerika, wo er durchaus bekannt ist und in großen Sammlungen vertreten. Also wir reden von jemandem, der in der zweiten Hälfte des 19.

Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts gelebt hat und gearbeitet hat. Und wir sind hier im Jahr 1897 und ich muss dazu sagen, dieses Bild ist quasi ein bisschen die Krönung seiner Laufbahn. Berühmt geworden ist er schon vorher als Porträtist, als Gesellschaftsmaler, als Maler von interessanten Schildern.

Landschaftlichen Momenten, denn der kann immer sehr gut so Situationen einfangen. Und der Kehrte eben, der ist als Kind eines, der ist unehelich geboren. Sein Vater war ein deutscher Bierbrauer namens Zorn, dessen Namen er es viel später angenommen hat. Er ist bei seinen Großeltern groß geworden, aber seine Lehrer und seine Großeltern haben früher ein Talent fürs Zeichnen und Malen erkannt und es gefördert.

Das heißt, er hat sich tatsächlich herausgemalt aus einem Hintergrund, der eigentlich nicht, dafür prädestiniert war eine große karriere zu machen ist dann früh erst nach uppsala dann nach stockholm hat sofort mit der, unglaublich präzisen. Wasser Aquarellen großen Ruhm bekommen, ist durch die Welt gereist und hat als Porträtist wahnsinnig viel Geld verdient.

Und er kehrt Ende des 19. Jahrhunderts wieder zurück in seine Heimat Schweden, in den Ort Mora, in Dalarna. Das ist so Mittelschweden, das ist so das Volavius Schweden. Klingt schon, dass man da gleich hin muss. Da sollte man hin. Warst du mal in Schweden, ja? Leider noch nicht. Nein, ich war ja mal da.

Es ist wirklich so, wie man sich es so vorstellt. Es ist so herrlich entspannend. Es ist irgendwie so im Moment sein, das Leben genießen, Landschaft pur, unfassbar. Aber das haben wir schon oft besprochen. Unfassbar nette Liebe, umarmende Menschen. Und irgendwie, dass du fährst durch die Gegend. Du bist einfach nur, du denkst einfach nur, ach, ist das alles schön.

Also und in Schweden ist der ein Gott, bei der Öffnung war die Botschafterin da und hat geschwärmt, für was für ein großer Künstler das ist. Und er war Porträtist zweier Präsidenten, amerikanischer Präsidenten, der war der Maler des schwedischen Königspaars. Er war befreundet mit Max Liebermann und kehrt eben Ende der 90er Jahre, kurz vor der Jahrhundertwende, zurück nach Mora und lässt sich da nieder.

Er reist immer noch viel, aber jemand bringt ihn auf Gedanken, auf den er vorher nicht gekommen wäre, mal doch mal hier die Landschaft und das Volk um dich herum. Vorher hat er Society gemalt, die wichtigsten, schönsten und reichen und auf einmal malt er die Menschen um mich herum. Und dieses Bild ist im Endeffekt der Durchbruch, weil es so eine unglaublich, eine präzise Beobachtung mit einer unglaublichen Lebendigkeit, du musst es ja gleich noch beschreiben, vereint. Und das war so der letzte Durchbruch im Endeffekt.

Mit diesem Bild hat er sich dann in die Weltspitze des 19. Jahrhunderts gemalt. Du hast gesagt eben gerade, dass er den Namen seines Vaters angenommen hat, der ja nun Zorn ist. Was ja in Deutschland, in Deutsch jetzt nicht so positiv konnotiert ist. Warum? Weiß ich nicht. Nein, nein, Entschuldigung, ich finde Zorn gar nicht schlimm.

Also für mich hat der Name einen Eigenwert. Anders Zorn ist natürlich A, Z, also das passt nicht. Auch gut, genau. Auch gut, aber okay. Midsommar, das haben wir auch letztes Mal schon geklärt. Das Bild heißt Midsommertanz. Das heißt, man ahnt, das ist sozusagen das Midsommarfest in Schweden. Midsommar ist immer dieser Tag, der längste Tag. 21.

Juni. Da ist ein Tag, an dem sich meine Frau jedes Mal erinnert, weil sie sagt, und ab jetzt wird es wieder dunkler. Das Glas ist halb leer. Nein, dieser Tag ist für sie so ein bisschen so ein, es gibt ja dann den anderen Tag dazu, glaube ich, der dunkelste Tag des Jahres ist dann der 21. Dezember. Und dann sagt meine Frau immer, und ab jetzt?

Jetzt wieder heller. Und ich fand das immer so. Albern, aber sie hat natürlich total recht, wenn man sich überlegt, wie schön es ist, gerade dann so wenn es dann wirklich wieder heller wird, gerade so im Mai, finde ich, wenn du dann das Gefühl hast, es ist eigentlich die ganze Zeit. Gerade wenn du auf dem Land bist, nur noch hell und du bist die ganze Zeit draußen und die Sonne geht gar nicht, also es wird einfach nicht dunkel.

Das ist schön und das ist dann schon so ein bisschen, wenn dann der 21. Juni kommt, so ein bisschen, naja, aber ein bisschen liebmütig. Aber dann hast du doch noch den Oktober vor dir, an dem eine Abenddämmerung so lang sein kann, wie nichts anderes. Ja, deshalb sage ich, es ist ja auch, es ist ja eine sehr, es ist ja eine sehr langsame Entwicklung.

Ich beschreibe dieses Bild, die haben dann hinten auch sowas, also wir sehen einen, das muss irgendwo auf so einem, auf so einem Dorf sein, alle haben sich, es sind sehr viele Menschen bei diesem Fest, alle haben sich in Schale geschmissen, man sieht im Hintergrund sowas wie bei uns so ein Maibaum, da ist irgendwie sowas aufgestellt, da oben wohnt so eine Fahne, offensichtlich keine schwedische, zumindest sieht sie nicht so aus, dann sieht man ganz im Hintergrund so ein rotes Holzhaus, würde ich sagen, und daneben so ein braunes, großes Holzhaus.

Also man sieht zwei Häuser, die so, und davor ist halt so eine Wiese, die schon natürlich kräftig grün ist, nicht gemäht, großartig, und darauf tanzen die Menschen. Also, nein, doch, sie tanzen. Nicht alle tanzen, aber viele tanzen. Ganz im Vordergrund sieht man ein paar, die haben alle so, ich glaube, das würde man am besten als Trachten beschreiben.

Die Frauen haben halt so weiße Blusen und weiße Kopftücher, aber so ein bisschen irgendwie... Ja, Kopftücher um. Die Männer tragen Hüte. Manche Männer haben ihre Sakko schon ausgezogen oder ihre Jacken schon ausgezogen. Manche tragen sie noch. Nicht jeder Mann, aber das kennt man ja so. Hinten vor der Holzhütte stehen halt so vier Männer, die sehen so aus wie, ich helfe mich an so einem Western.

Weißt du, die so, die... Mit so Westen. Mit so Westen, die offensichtlich nicht tanzen wollen oder niemanden gefunden haben zum Tanzen. Keine Frau gefunden haben, Incels. Und dann nur mal rumgucken. Aber drumherum sieht man halt Bewegung, wobei man, das muss man auch sagen, im Wesentlichen, also man sieht keine richtig, so wie bei Andersson, so wie das auch vor einer Woche, doch da war das Bild, die Gesichter deutlich schärfer.

Die Gesichter sind nicht scharf. Die Gesichter sind eher unscharf, so wie so eine Bewegungsunschärfe halt, wie man sie kennt, wenn man, heute wird das wahrscheinlich nicht mehr gelingen, weil ja jeder Fotoapparat und jedes Handy sucht sich irgendetwas, was es dann scharf stellt. Aber hier ist es ja so eine Bewegungsunschärfe.

Und es geht auch gar nicht um die Gesichter, es geht insgesamt um die Bewegung. Es ist auch alles so ein, man hat das Gefühl, die bewegen sich vielleicht so im Kreis herum zwischen unserem Paar. Ganz vorne ist so ein bisschen Platz und dann ist das nächste Paar schon einen Schritt weiter. Und dahinter sind Paare und dann sind da hinten diese Männer, die offensichtlich noch niemanden abgekriegt haben, aber vielleicht beim nächsten Mal abklatschen.

Und es ist natürlich auch an sich banal. Es ist einfach eine Momentaufnahme eines Dorffestes, wo getanzt wird, offensichtlich. Und das soll jetzt gar nicht böse sein, sondern ich glaube, das ist ja die allergrößte Kunst. Also, wenn jemand auf dem Mond landet zum ersten Mal und du machst ein Foto davon oder jemand schießt einen verrückten Fallrückziehertor und dir gelingt ein Schnappschuss davon, dann ist das, finde ich, auch natürlich gut.

Aber da ist das Motiv an sich ja so spektakulär, dass du es nur halbwegs scharf raufkriegen musst. Wenn du aber etwas festhältst, was eigentlich total normal, banal, eine Alltagsszene ist und wärst damit so wie Andersson noch bekannter als vorher, das ist, glaube ich, wirklich große Kunst. Plus für uns vielleicht noch, wir gucken 100 Jahre, 100 oder ein bisschen Jahre zurück, 125 Jahre, 130 Jahre zurück.

Wann war das Buch? Das Bild ist von 1897. Also wir gucken in einen Tanz, der im Jahre 1897 gemalt ist und wahrscheinlich auch im Jahr 1897 erlebt ist und was wir sehen ist genau was heute passieren könnte. Minus die Trachten vielleicht, wobei vielleicht wird in Dallana auch heute noch mit Tracht getanzt. Die Menschen sind dieselben wie wir.

Auch banal als Erkenntnis, aber sehr beruhigend. Man feststellt, wir verändern uns gar nicht so sehr. Übrigens eine Beobachtung, ich sehe was, was du vielleicht schon gesehen hast, aber nicht erwähnt hast. Den drei oder vier wartenden Männern an der Hütte stehen gegenüber drei oder vier wartende Frauen am rechten Bildrand.

Das ist nur sorgfältig geteilt. Und wer tanzt, sind die ganz Jungen. Denn so wenig scharf die Gesichter gezeichnet sind oder gemalt sind, So klar ist, das sind die jungen Menschen, die da tanzen. Das Mädchen da links, das hat wirklich ein so ganz zartes, junges Gesicht. Ist es sowas, wie man das heute kennt? Ich weiß nicht, ob du mal beim Hamburger Presseball warst.

Das gibt es glaube ich auch nicht mehr, aber früher war das so. Beim Wiener Opernball ist es ja auch so, dass erstmal die Debutanten kommen. Vielleicht. Erstmal am Anfang diese ganzen Sachen, dann die Debutanten erstmal los tanzen und dann irgendwann erst alle einscheren. Vielleicht wird es so sein. Da dürfen erstmal die Jungen. Und dann kommen die Alten, die Jungen wollen vielleicht auch mehr, keine Ahnung.

Ich meine, Tanzen ist ja die Gelegenheit, um sich näher zu kommen. Das ist die unwidersprochene Möglichkeit, die oder den, auf die man ein Auge geworfen hat, an sich zu reißen und mal einen kraftvollen Tanz zu machen. Ist ja auch eine aufregende Sache, ob die oder der vielleicht dafür oder nicht dafür ist, das weiß man auch nicht.

Meine Güte, ist das lange her, dass ich überlege, ob ich mich noch wirklich an erinnere, wie man damals Blues getanzt hat und diese unglaubliche Mutprobe, dass man dann rübergegangen ist. Ja, der Blues, du nennst es Blues? Das hieß in Bayern Blues. Bei uns hieß es Engtanzfeten. Das war diese Phase. Selbe Sache. Ich habe meinen Kindern auch mal vorgeschlagen, also dem größeren, wollte nicht mal eine Engtanzfete machen, da guckte er mich irgendwie. Aber das war genau dieses.

Dann kam irgendwie, das war diese Phase von La Boom und dann Dreams are my reality und dann tanzte man so und dachte so, die tanzen sie mal mit mir. Wobei das hier kein Engtanz ist, das ist schmissiger Tanz. Nee, das ist ein wilder Engtanz. Ja, aber das wäre vielleicht wiederum unzüchtig gewesen, langsam den Körper aneinander zu reiben. Da hätte, glaube ich, der Dorfpfarrer ordentlich.

Das haben wir übrigens auch nicht gemacht. Es war halt sehr eng und langsam. Und man wusste gar nicht, in wie viel Berührung man sich trauen sollte. Aber im Endeffekt, glaube ich, ist dieses Bild eine Art Reportage einer Situation, die wir als typisch annehmen können, denn er ist ein guter Beobachter.

Das heißt, ich würde sagen, da stimmt topografisch alles. Das wird es so gegeben haben. Er wird da am Rand gesessen sein, hat vielleicht ein bisschen skizziert und ist dann am nächsten Morgen ins Atelier und hat gesagt, okay, versuchen wir es einfach mal. Und was wollte er einfangen? Er wollte einfangen, diese glücklichen Momente des 21.

Juni von Leuten, die nicht darüber nachdenken, dass es wieder dunkler wird, sondern die ausgelassen tanzen. Man sieht ja auch das eine Paar auf der linken Seite, wo er so ins Bild reinguckt. Man weiß gar nicht, tanzen die oder verbringt er mehr Zeit mit Rufen oder sowas. Der ruft, der eine ist so ganz so, der ruft irgendwas rein. Aber seine Tanzpartnerin ist ja mit ihm dabei.

Ja, aber die sind ja gerade nicht, die gucken ja beide in die Richtung. Das können ja vielleicht auch Eltern sein, deren Kind da gerade tanzt. Die sind ja auch sehr jung, oder? Der Knabe ist doch ein ganz junges Gesicht, ein frischer Bart. Ja, oder der macht irgendwie so. Du siehst da hinten den Backenbartträger, unter den drei, die da warten. Ich würde sagen, du hast recht.

Das ist erstmal die Jugend, die tanzt. So, und jetzt kommt natürlich wieder, jetzt kommt die Genialität dieses Malers Zorn. Erstens wählt er einen fast reportageartigen Bildausschnitt. Denn das Schwedenhaus da im Hintergrund, das Rote, das ist auch noch irgendwie so komisch angeschnitten. Aber in dem linken Fenster leuchtet die Reflexion der Abendsonne.

Weder geht es um Licht, also wieder um dieses Lichtspiel. Auch hinten, das ist sozusagen, es ist ja wahrscheinlich tief in der Nacht. Wir sind spät am Abend und es ist noch hell. Ja, genau. Und da wird er getanzt bis spät in der Nacht. Er hat so einen Durchblick gelassen, der führt bis zu der Tür von diesem großen Schuppen oder was auch immer das ist.

Und daran reiht sich im Endeffekt. Und durch die Trachten, die Männer tragen dunkel oder schwarz, die Frauen tragen oben hell und unten blau und rot. Dadurch komponiert er in diesem Bild so eine Art, also nach oben rechts bewegt sich die Gruppe der Frauen. Links, die zwei Frauen sind relativ allein und bewegen sich in einer Gruppe von Männern und dieses Gegenüber von Männern und Frauen, das aber ganz locker hin komponiert ist, legt zumindest nahe, dass man sich nicht so selbstverständlich mischt in dieser Gesellschaft.

Beim Tanzen ist es zugelassen und während des Tanzens mischt man sich, ansonsten steht man beieinander. Oder es ist diese Situation mit dem Aufforderung. Übrigens, ich sehe was, was drühen ich jetzt sehe, was ja wirklich, glaube ich, extrem schwer zu malen ist. Und was er vielleicht auch deshalb nur einmal richtig gemalt hat und sonst vielleicht einmal noch andeutet, ist ganz links, siehst du dieses Paar, was sich von unserem Hauptpaar wegbewegt.

Da sieht man, wie sozusagen der Fuß des Mannes so abhebt. Den anderen Fuß interessanterweise sieht man gar nicht, der andere Fuß sieht irgendwie, also anatomisch ist das schwierig, wo ist denn der andere Fuß von diesem Mann, aber das ist glaube ich extremst schwer zu malen. Es ist auch nicht genau, man sieht auch die Füße der Frau nicht.

Doch, also ich glaube, links, den linken Fuß des Mannes, den hat er eher nachlässig gemacht. Der ist einfach nur als Schatten runter. Um nicht zu sagen, gar nicht, oder? Naja, du siehst doch so wie so ein... Sie selber, und im Endeffekt, dieses Paar ist mit dem Boden nur an diesem Bein verbunden. Das ist sein rechtes Bein, ist angewinkelt und sie ist mitten im Sprung.

Man sieht ihre beiden Füße vom Boden abhegen. Das ist diese Leichtigkeit. Das Paar rechts ganz vorne, da machen sie die Kleidung. Der Rock fliegt hier unten, der Rock. Das heißt dieselbe Bewegung. Aber auch die Hand, also die Art, wie der Mann, wie sie sich an den Händen, nicht an den Händen, sondern der Mann fasst ja der Frau so an den Oberschenkel.

Und die Frau umarmt den Mann oben so an den Schulterblättern. Und dann sieht man, man merkt, dass sie dann durch das Kleid, dass sie sie so rumwirbelt. Auch da ist natürlich, ehrlich gesagt, wenn du mal guckst, ihr Kleid und seine Hose, die verfließen ja so ineinander. Es sieht aus, als ob sie beide in so einem selben Zelt drin sind.

Und nochmal, was ich vorhin gesagt habe, dieses, was man vielleicht erklären kann als Bewegungsunschärfe, dass diese Gesichter alle nicht unscharf sind, nicht richtig gezeichnet, sondern am Ende ja mehr als angedeutet, aber sie sind halt nicht aus. Aber das ist total toll, weil das ist so ein bisschen wie wenn du ganz in die Ferne guckst.

Man erkennt ja auch schon ganz weit weg, ob einem ein Mensch interessant vorkommt, wenn du durch die Straße gehst und du scannst die vor dir liegenden 150, 200 Meter, ohne dass du Gesichter erkennst. Ist doch schon deinem Hirn klar, oh, da würde ich gerne noch mehr von wissen oder das ist egal. Andersrum ist ja auch so, als älter werdender Mann wird man nicht mehr so sehr wahrgenommen.

Und dann merkt man, das Interesse des Gegenübers ist schon erloschen, bevor man näher gekommen ist. Du redest jetzt aber insgesamt als älter, ja, das ist so, als älter werdender Mensch, Mann. Ich erlebe das jetzt einfach. Ich merke einfach, früher waren Blickkontakte üblicher. Das ist jetzt nicht mehr so.

Man tauscht Blickkontakte unter Gleichaltrigen aus. Man scannt, glaube ich, auch mit die Welt so ein bisschen auf, ist da jemand auf meiner Augenhöhe. Hin und wieder gibt es das schon noch, dass es einen kurzen Blickkontakt gibt. Ist aber auch, glaube ich, bei uns nicht so. Ist ein bisschen schwierig, weil das ja auch eine eindringende Privatsphäre ist.

Also früher war ich sehr offensiv. Also als Jugendlicher habe ich nicht so gern getan, wie mit Blickkontakt flirten versuchen. Das war vielleicht ein bisschen grobschlechtig und nicht jeder hat es mitgemacht. Aber man klärt da schon früh, woran man interessiert ist. Und hier ist es so, der Mann hier vor uns rechts, Die Proportionen des Gesichtes stimmen. Der hat die Augen an der richtigen Stelle.

Man ahnt, dass vielleicht der Bart, dass da Mund und Bart sind. Ein leichter Fleckenlicht auf einem Nasenflügel und schon stimmt dieses Gesicht. Das Mädchen links und die junge Frau, die ich da erwähnt habe, die ist ganz eindeutig eine junge Frau. Hat ganz weiche Züge und das ist wirklich fantastisch.

Der hat das wirklich mit ganz leichtem, das ist nicht präzise gemalt, aber alles Augen, Nase, Mund sind an der richtigen Stelle. Aber wenn du dann da hinten rechts guckst, weißt du, wo dann also weitere Frauen und so stehen und Männer, das ist ja alles nur noch, das ist ja teilweise nur noch getupft.

Da gibt es gar nichts mehr. Das Gehirn baut die Gesichter wieder zusammen. Aber es sind keine Gesichter da, es ist nichts da. Letztendlich sind es nur noch. Naja, man sieht so einen Backenbartträger in der Mitte, das ist der mittelalte Mann und dann, also das Tolle an diesem Bild ist einmal mehr, du hast das Gefühl, du bist in einer Situation gelandet und die ist zufälligerweise 130 Jahre schon zurückliegend, aber du hast das Gefühl, du stehst da.

Es ist eine Situation, wie man sie schon oft erlebt hat, jeder von uns war mal irgendwie auf einem Volksfest oder war zumindest schon mal tanzen und dieser... Dieser leicht rauschhafte Moment einer Sondersituation wie einem Fest, der ist in dem Bild fantastisch eingeschrieben. Und dazu transportiert er auch noch den besonderen Charakter eines schwedischen Dorffestes.

Das heißt, auch als Nicht-Schwede habe ich das Gefühl, so ist das in Dallana. Genau, und jeder kann sich auch, das finde ich so wieder faszinierend bei Zorn, nachdem wir uns vor einer Woche schon damit beschäftigt haben, ist auch wieder das Lichtspiel. Weil das Licht, dieses typische Mittsommerlicht ja auch, guck mal, das taucht auf in den Gesichtern, das taucht ganz kurz manchmal nur, das taucht teilweise auch auf den Klamotten und so.

Und du hast dieser Eindruck von diesem Mittsommer, der ist so, weil du siehst dieses Bild und weißt, aha, es ist natürlich nicht tagsüber, es ist in der Nacht, es wird nur einfach nicht dunkel und deshalb feiern die Menschen das so. Eine ganz spezielle Lichtsituation, die man wahrscheinlich woanders gar nicht hat.

Und das, er ist ja, wie gesagt, ein Spätimpressionist. Und das alles funktioniert, weil er eine unglaubliche Technik hat, dieses Impressionistische, den Pinselstrich, den Impressionistischen, der immer eher, der nie genau ist, sondern immer so ein bisschen locker flockig. Und den hat er zur Virtuosität.

Auch hier ist natürlich wieder, finde ich, das Virtuose, und das bewundere ich auch immer so an guten Fotografen, ist. Dieses Bild hättest du jetzt aus vielen verschiedenen Perspektiven malen können. Und er hat sich ja für diese Perspektive entschieden, wo man erstmal denkt, ist es eigentlich schlau, das zu malen, wenn dann im Hintergrund so ein riesiges Haus eigentlich sozusagen dieses Bild ja nach hinten hin abschneidet.

Dass dieses rote Haus dahinter noch auftaucht, aber dieses andere Haus ist ja, man hätte es auch von der anderen Seite malen können. Und ich glaube, er sucht die Perspektive immer danach, wie das Licht ist, wie das Licht fällt. und dieses helle Licht ist natürlich neben diesem dunklen Haus besonders irgendwie klar und präzise.

Kontraste helfen halt meistens. Diese braune, dunkelbraune Hütte, aber eine Hütte ist ja nicht viel zu groß. Viel zu groß, aber kann ein großer Stall sein oder kann auch, es hat ja vorne ja so einen kleinen Vorbau, weil das ist auch, naja, das Haus ist ja das rechte Haus, das rote. Das ist eher was, wo Leute nicht drin wohnen und das bietet halt einen tollen Hintergrund für diese Szenerie.

Übrigens, wir wissen nicht, wer die Musiker sind. Wir wissen gar nicht, was für Musik da ist. Das ist gar nicht geklärt. Übrigens, wir sehen ja auch gar keine Musiker. Das meine ich ja. Wir wissen gar nicht, wozu die tanzen. Wir sind sicher, dass sie tanzen. Sie können sich aber auch gerade ... Nee, sie tanzen schon. Aber es tanzen ja eigentlich nur sichtbar, würde ich sagen. Es tanzen nur drei, die man tanzen sieht. Oder noch härter zwei.

Noch härter zwei, genau. Wir wissen gar nicht, ob die nicht einfach stehen und gucken. Ja, aber das weißt du auch nicht. Das weißt du auch nicht, ob der nicht steht da und so. Aber du hast recht. Und ich meine, das Tolle ist halt, wenn es auch so vom ganz Weiten, es wirkt halt, wenn du ganz nah dran bist und es wirkt, wenn du ganz weit dran bist.

Und es ist einfach ein fantastisches Bild. Voller Leben. Voller Leben, voller, weil es aber auch natürlich diesen Tag, wo meine Frau immer sagt, jetzt wird es dunkel, aber in Weid ist es natürlich der schönste Tag des Jahres. Weil es ist der Tag ohne Nacht. Aber deine Frau ist dann nicht das nächste Halbjahr unglücklich, oder?

Nee, das geht dann das Unglückliche. Was heißt Unglückliche? Aber das ist dann so, wenn es dann, ist natürlich klar. Wenn du jetzt in den Wintermonaten, dann bist du, morgens stehst du auf, dann ist es hoffentlich schon hell und ab vier ist es dann dunkel. Also das Positive ist, ab jetzt wird es immer wärmer. Ab dem 21.

Juni wird es wärmer und wärmer und wärmer. Und bis Mitte September weiß ich, es ist lustig. Deine Frau ist halt auch wahrscheinlich Norddeutsche. Ich muss sagen, in Griechenland groß geworden, konditioniert dich so. Shit, ab 21. Juni wird es verdammt heiß. Das heißt also bis August, wobei ich als Kind das nicht schlimm fand, aber ich wusste, meine Mutter hat gesagt, ja, jetzt beginnt die Zeit, wo man nicht so gut schläft, weil es nachts einfach so unglaublich heiß ist und die schönere Zeit war eindeutig, ab Mitte August, Ende August, September, Oktober oder eben April, Mai.

Aber ist ja dann auch bis in irgendwie, ich habe dann irgendwie, wir waren ja in den Herbstferien auf Kreta und habe ich immer nochmal geguckt, auch im November Immer war es auf Kreta noch 24 Grad, also kannst du schon haben. Also die Kreta haben mir dann auch erzählt, naja, wir haben ja auch schon mal 4 Grad oder 5 Grad im Januar oder so.

Aber man glaubt es fast nicht. Auf Kreta fiel Schnee. Dann gebe ich es auch mal Schnee, genau. Und dann in den Bergen Felsschnee. Und schlimmer als die Kälte ist eigentlich die Feuchtigkeit. Also wenn ich dir was sagen kann, griechische Wohnungen sind so verdammt schlecht gedämmt, dass wir haben, also wir haben bürgerlich gewohnt, aber im Winter hatten wir immer einen Kamin an, damit wir irgendwie so eine Art Trockenheit da reinbekommen.

Und du bist abends immer in ein leicht klammiges Bett gestiegen als Kind. War nicht schlimm, man erfrore auch nicht, aber ich weiß, dass es alles... Viel Klammer war als in unseren fantastisch isolierten, etwas zu heißen, geheizten Wohnungen in Deutschland. Also, Andersorn. Großartig, ich bin gespannt. Ich würde dir jetzt eigentlich so, weil das Jahr ist ja noch frisch, ich würde dir eigentlich gar nichts vorgeben wollen, jetzt, wenn dir so frei ist.

Ich habe jetzt gerade gedacht zu Griechenland, aber Griechenland hatten wir auch schon ein paar Mal, oder? Wir hätten auch noch mehr Griechenland. Soll ich ein bisschen Süden herbeizaubern für den Winter? Bring uns in den Winter so ein bisschen. so ein bisschen, das Midsommer ist ja schon mal, oder Schweden. Schweden. Schweden ist auch Schweden.

Ist schwierig. Aber Schweden, weiß ich nicht, weil wir haben, glaube ich, nicht so viel. Also wir haben mehr Italien, weil natürlich die Deutschen Male alle nach Italien drängen. Absolut, aber das haben wir schon so oft gehabt. Ein bisschen Griechenland oder ein bisschen. Gib mir doch einen klaren Auftrag. Du willst Süden haben oder was sommerlich warmes? Nein, aber ich nehme mir dann jetzt Griechenland. Ich finde, Griechenland ist ja auch schön. Wie lange hast du in Griechenland gelebt?

Vom 2. bis zum 14. Lebensjahr. Wow, das ist richtig lang. Das war lang, meine ganze Kindheit. Was hat dein Vater da gemacht? War der Diplomat? Nee, der hat bei Siemens gearbeitet, aber der hat sich da hinversetzen lassen. Der war schon als junger Mann war in Griechenland und hat sich in das Land... Aber wir reden über Athen.

Wir sind nach Athen gezogen, ja. Wow. Das ist cool, ich meine irgendwie nicht schlecht, oder? Nein, ich weiß auch, die Rückkehr nach Deutschland ist mir schwer gefallen. Erstens war ich Teenager und frisch verknallt. In eine Griechen? Nein, in eine Klassenkameradin. Und das Nächste war irgendwie, das war wie so eine Strafversetzung nach Deutschland.

Also mein Bild von Deutschland war das Land der Verbote, der Einbahnstraßen, der unfreundlichen Menschen. Es war dann nicht so schlimm, aber... Aber ganz falsch lagst du auch nicht, leider. Also ich finde, wenn man dann zurückkommt. Aber meine These ist ja jetzt auch wieder, ich staunte ja, in Schweden war ich so begeistert von der Stimmung, in Griechenland auch wieder, vielleicht sind es diese Völker, die nicht so groß sind.

Vielleicht. Vielleicht sind es die Völker, die nicht so groß sind. Vielleicht ist es auch das Land, also auf dem Land, also die Stadt und das Land. Wobei jetzt muss ich hier ein Loblied von Hamburg singen, ich finde Hamburg ist verdammt gut gelaunt. Das stimmt, das ist ein schöner Schlusssatz, wir hören uns nächste Woche wieder, bis dahin. Bis dann. Tschüss.

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