
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 299
Der Sänger und das Licht
Samstag, 3. Januar 2026 · 26 min
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Shownotes
In dieser neuen Folge unseres Podcasts spielen der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alexander Klar, und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider wieder ihr beliebtes Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“.
Im Fokus steht heute ein Meisterwerk des schwedischen Malers Anders Zorn: Das Porträt „Jean Baptiste Faure“ von 1891. Was enthüllen die beiden Kunst-Experten bei der Nahaufnahme dieses beeindruckenden Werks? Wer war Faure und warum malte Zorn ihn so?
Hören Sie jetzt rein und entdecken Sie, welche Details und Geheimnisse in diesem über 130 Jahre alten Bild verborgen sind!
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Haider. Mein Name ist Alexander Klar. Und wir beide wünschen allen Hörerinnen und Hörern dieses Podcast alles, alles Gute zum neuen Jahr.
Happy New Year, alles Beste für 2026. Kannst du schon sagen, lieber Alexander, was so 2026 so ein Projekt ist, wo du sagst, ah, da freue ich mich drauf, das wird toll, das wird groß. Nur eins. Nur eins. Tatsächlich ein Herzensprojekt von mir im Herbst mit dem fantastischen Künstler David Norvors, der 85 Jahre alt wird dieses Jahr.
Auch interessant die Frage, wie ehrt man große, alte, weiße Männer heute noch? Und das geht vollkommen mühelos, weil seine Kunst ist nicht groß, weiß und alt, sondern wunderschöne Malerei. Und den habe ich kennengelernt vor, oh Gott, mittlerweile auch schon wieder 15 Jahren und war so beeindruckt von ihm.
Und stelle fest, ich bin nicht der Einzige, aber er hat noch nie eine Retrospektive weder in Amerika noch in Deutschland noch in Europa bekommen und das, obwohl seine Bilder in allen großen Museen der Welt sind. Und das muss man erst einmal, das muss erst einmal hinkommen und er kriegt in den Hamburger Kunsthalle die erste große Retrospektive und darauf freue ich mich.
Das klingt verheißungsvoll. Ich freue mich auf etwas und das erwähne ich jetzt, weil das glaube ich mit dem Bild zu tun hat, was du ausgesucht hast. Oder vielleicht sogar mit den Bildern, mit denen wir jetzt das neue Jahr starten. Ich freue mich natürlich auf mein Projekt mit den Hamburger Goldkirchen.
Ich habe ja gesagt, dass ich an einem Buch sitze über die Hamburger Goldkirchen, die ja Ende September, 26. September, im Hamburger Volksparkstadion auftreten. was ja schon für einen Männerchor, der nicht singen kann, eine ziemliche Leistung ist, vor 45.000 Leuten, so ist es geplant, und dann aufhört.
Und dazu erscheint ein Buch, das heißt, wir haben nie behauptet, dass wir singen können. Da siehst du, lach schon, das ist gut. Und ich erwähne das natürlich deshalb, weil ich wahrscheinlich dann neulich mal zu dir gesagt habe, lass uns doch mal was über Musik machen, weil ich auch finde, und das ist ein anderes Thema, Ich habe es ja sehr schätzen genannt, jetzt diese bildende Kunst.
Und es macht ja was mit einem, wenn man sich damit beschäftigt. Aber es gilt trotzdem dieser Satz, Musik ist alles, oder? Musik ist alles. Musik erreicht im Menschen eine Intensität, die, finde ich, andere Künste so nicht erreichen können. Das würde ich uneingeschränkt teilen. Ich wollte ja Musiker werden.
Ich bin immer noch Musiker, aber nicht professioneller. Und wenn irgendetwas mich tatsächlich glücklich macht, Also ich bin ja kein Mensch, der Meditation kann. Meine Frau meint immer, ich sollte mal Meditation lernen. Brauche ich nicht. Musik leistet bei mir dasselbe und ich würde das total unterschreiben.
Musik ist alles und deshalb kommen wir zum ersten Bild des Jahres 2026. Es ist ein Bild, ein hochformatiges Bild, so ein bisschen mit so einer Wischtechnik im Hintergrund und man sieht im Vordergrund aber, und das finde ich so lustig, einen Menschen, der könnte auch ein Chorleiter im Jahr 2026 sein. Der singt gerade, spielt dazu, man sieht es nicht genau. Ich würde sagen, es ist hier wahrscheinlich ein Klavier oder ein Cembalo.
Aber es ist so einer, der auf Noten guckt, gerade etwas spielt und dazu singt. Und das kennt man ja von diesen ganzen Chorleitern, die genau das gleiche machen. Die stehen vor ihrem Chor, haben da so ein Keyboard und dann spielen sie und dann singen sie. Und so ist der das Einzige. Und der hat auch so ein Vollbart, wie er heute total in ist.
Er sieht aus wie ein Mensch aus unserer Zeit. Und das Einzige, was ihn halt kennzeichnet als Nicht-Menschen aus unserer Zeit, ist das, was er anhat. Er hat so ein schwarzes Käppi an, hat dann so einen schwarzen, was ist das, so ein. Das ist so ein Barrett, würde ich mal sagen, seitlich aufsitzend. Genau, wie heißt das in der Mitte, dieses Weiße, das ist ja keine Fliege. Was ist das?
Ah ja, wie heißt das dann? Also wie so ein gebundenes Haltstuch oder so. Aber das ist irgendwie, also hat sowas, vielleicht am ehesten kann man sich es vorstellen, wenn man so ähnlich wie so ein Pfarrer sowas anhat, aber nur ähnlich. Aber ist ansonsten halt so, gerade mittendrin, dass man denkt, okay, der singt das jetzt ein und sagt zu den Leuten, der steht vor so einem Chor und macht mit Menschen Musik.
Weil man könnte auch denken, ist das vielleicht jemand, der an der Orgel in der Kirche sitzt? Würde ich aber sagen nein, denn wenn er an der Orgel in der Kirche säße, würde er ja den Mund nicht so aufmachen. Also ich habe das Gefühl, der singt gerade und der ist mittendrin. Das ist auch irgendwie so ein schwungvolles Lied.
Vielleicht ist es eigentlich, dass so jemand tanzen kann, dass man mitsingen kann. Das ist dieser Mensch, der im Mittelpunkt steht, dieses Bildes. Wobei im Mittelpunkt ist, wenn man drauf guckt, geht es da um diesen Menschen. Er ist nicht in der Mitte des Bildes, aber im Mittelpunkt dieses Bildes. Es ist wie so eine Aufnahme, wirklich wie...
Wenn man bei einer Probe oder bei einem Konzert zuguckt und nur auf den Cholater guckt, genauso ist es. Alles andere spielt nicht so eine Rolle. Im Hintergrund sind so Lichteffekte, da ist, glaube ich, rechts so ganz angeschnitten, vielleicht so ein ganz Teil eines kleinen Fensters, da sieht man sowas, das könnte ein Vorhang sein, das könnte auch das Kleid, das gelbe, weiße Kleid einer überdimensionalen Frau sein.
Aber es sind, glaube ich, Vorhänge, also der ist irgendwie vor so, da sind irgendwie so Fenster und ist und er spielt da und das ist irgendwie, das ist, das ist viel zu toll. Ich weiß nicht mehr, was ich mir gewünscht habe, aber irgendwie was mit Musik. Gesang. Und man merkt halt richtig, wie gesagt, ich hab das Gefühl, das ist so, das könnte jetzt auch Paul Youngblatt, der Chorleiter der Goldkirchen sein, weil der genauso da ist.
Übrigens hab ich das mal jetzt, das war mir nie so klar, bei so Chören. Man denkt ja, ist das cool, man trifft sich bei so einem Chor und Und dann singen die alle gemeinsam. Aber wenn die dann so ein Musikstück einstudieren, das ist ja aller, aller, aller härteste Arbeit. Und jede einzelne Passage, man fummelt die eine Stunde so einer Probe, die nur anderthalb Stunden dauert, an einem einzigen Stück rum.
Und am Ende hört es sich trotzdem noch nicht gut an. Das zu dem Bild. Was ist das für ein Bild, mit dem wir in dieses hochmusikalische Jahr 2026 starten? Das ist ein Bild des Malers Anders Zorn, den man gerade noch an der Kunsthalle in voller Schönheit in einer großen Retrospektive sehen kann. Und dein Auftrag war eben gewesen, tatsächlich singen, hattest du, glaube ich, gesagt.
Und dann habe ich die Sammlung durchforstet und stellte fest, so viel singen habe ich gar nicht. Aber, ganz lustig, wir haben einen Sänger. Und zwar genau diesen Menschen hier. Das ist Jean-Baptiste Faure, ein berühmter Bariton zu seiner Zeit, der weniger berühmt ist, weil Zorn ihn gemalt hat, sondern der sehr berühmt ist, weil Édouard Manet ihn gemalt hat.
Und wir haben tatsächlich ein Bild von Édouard Manet, das selbigen Jean-Baptiste Four auf der Bühne als Don Giovanni zeigt. Was sehr lustig ist. So, ich muss jetzt ausholen. Wir haben schon ein Bild von einem, der Don Giovanni ist, nämlich von Max Sleefoog, ganz berühmt. Das ist fast noch berühmter. Der Sänger Dandrade, von dem der Sleefoog sehr, sehr fasziniert war.
Und er hat ihn in mehreren Versionen gemalt. Eine ist in Stuttgart, die andere in Hamburg. Das ist der weiße Andrade und der schwarze Andrade. Und beide sind in ihrer Paraderolle Don Giovanni. Und daneben haben wir meistens das Manet-Bild von Jean-Baptiste Vaud, wie er auch den Don Giovanni gibt. Aber jetzt will es dir zufallen, dass Anders Zorn, der große Porträtist seiner Zeit, den Jean-Baptiste Vaud auch gemalt hat.
Und zwar in einer Art und Weise, wie es eben Manet nicht getan hat, bei der Arbeit. Also Manet malt ihn als Bühnenfigur und Anders Zorn malt ihn als Musiker, singend am Klavier. Vielleicht etwas einstudierend, ein, Er ist, glaube ich, ohne Publikum. Ich würde sagen, er ist da am Singen sehr konzentriert.
Tatsächlich, also er begleitet sich selber am Klavier, blickt auf die Noten und ist möglicherweise dabei, eine Partie einzustudieren und voller Konzentration. Aber er singt jetzt nicht mit voller Opernstimme. Aber es ist ja sehr ungewöhnlich. Ich überlege jetzt gerade, okay, jetzt fällt einem sowas wie A.L. John ein, so ungewöhnlich ist es auch nicht.
Aber dass jemand in der Zeit offensichtlich mit anderer Musik als heute singt und sich selber begleitet, ist das damals, was hast du gesagt, wann war das? 1891. Ist das üblich gewesen? Also alle Musiker konnten Klavier spielen, würde ich jetzt einfach mal kalt sagen. Und als Sänger hilft es, also meine Mutter ist ja auch Sängerin und da kam dann einmal in der Woche der sogenannte Chorepetitor.
Das ist aber schon eine Phase darüber hinaus, da übt man dann eine Partie ein oder irgendein Konzertprogramm. Er übt, glaube ich, gerade eine Partie Das heißt, er hat vor sich die Partitur, möglicherweise eine Oper oder ein Stück, das er noch gar nicht kennt und dazu braucht er das Klavier. Er muss dazu jetzt nicht vollgriffig die gesamte Begleitung spielen, sondern er muss nur einfach die Akkorde setzen, damit er weiß, was er da eigentlich singt.
Denn er hat das noch nie gehört möglicherweise und er übt jetzt Intervalle und wie das Stück geht und er lernt es kennen. So würde ich mal sagen, ist er jetzt gerade dargestellt. Kann natürlich auch sein, er ist auch Gesangslehrer gewesen, hat irgendwie ein... Es wirkt für mich so, weißt du, dieses, er steht ja und dieser Blick darüber hinaus, dass er sagt so, Achtung, so hört sich das an.
Genau, ja, ja. Also es können rechts auch Leute sein, keine Frage. Das ist ja das, weil sonst hätte man dann, warum sollte man ihn sonst so von der Seite malen? Würde man ihn dann nicht von vorne malen oder so? Ich habe ja vorhin gesagt, im Mittelpunkt dieses Bildes steht dieser Mann am Klavier. Es ist wahrscheinlich ein Klavier. Aber er ist ja nicht im Mittelpunkt.
Also er guckt uns nicht an, er ist nicht in der Mitte des Bildes. Er ist ja so links an der Seite und hat den Blick nicht auf uns gerichtet, sondern auf etwas, was da hinter ist. Nee, er blickt auf die Noten. Die sind ja Noten vor ihm. Aber es wirkt ja auf mich so, als wäre es in einem größeren Saal.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass da nicht noch andere Leute sind. Vielleicht spielt er denen was vor. Also vielleicht ist das Publikum. Aber dann wird doch die, das finde ich interessant jetzt, die Frage, warum hat der Maler denn die Perspektive? Die Perspektive hat doch, erzählt da auch immer irgendwas, oder?
Also es ist ja ein großer Unterschied. Es ist ja keine optimale Perspektive. Wenn du ihn fotografieren würdest, würdest du ihn, glaube ich, wahrscheinlich so, würdest du nicht versuchen, ihn von vorn zu fotografieren? Oder ich weiß es nicht. Oder von der anderen Seite, du hast ja jetzt auch, du fotografierst ja, also du malst ja gegen das Licht.
Aber das ist vielleicht der Grund, warum der Zorn, also wir nehmen mal an, der Jean-Baptiste Four war auch Auftraggeber, der hat Manet auch, der war ein berühmter Bariton, der konnte sich das leisten, hat eben auch Gemälde in Auftrag gegeben. Das wäre jetzt die nächste Frage, also warum hat Zorn ihn gemalt, genau?
Ich glaube Porträts hat Zorn nie, also außer die waren gute Freunde und er hat gesagt, Mensch, heute male ich dich, das kann ich jetzt nicht sagen. Ich glaube aber, der Four war eigentlich mehr ein, der war ein Kunstliebhaber und deswegen lernte er auch den Zorn kennen und hat gesagt, Mensch, machen wir doch ein Porträt. Und jetzt gibt es verschiedene Modi.
Das eine ist das Staatsporträt. Da steht jemand in voller Art vor dir, blickt dich meistens an. Manchmal blicken sie auch an einem vorbei. Heute, wenn du fotografiert wirst, musst du ja auch, oder wenn du interviewt wirst, musst du ja immer wahlweise auf die, also in die Kamera guckt heute niemand mehr, glaube ich.
Gibt es auch, aber man sagt, gucken sie gerne mal so in die Weite. Weißt du, dieses klassische, jemand steht am Fenster und guckt so raus. Unbestimmt, genau, richtig. Und hier hat er sich darstellen lassen bei der Arbeit. Und es gibt zwei Möglichkeiten seiner Arbeit. Das eine ist auf der Bühne, in voller Pracht der Stimme. Dann ist es ja mehr die Rolle, die er darstellt.
Hier ist der persönliche Mensch, der Gesangspädagoge, der Sänger. Er ist ja ganz gut gekleidet. Also was er anhat, ist ja zu Hause eine Mütze zu tragen. Weiß ich nicht, wie sehr das gängig war damals. eher nicht also wahrscheinlich also wir sehen in jedem fall beim singen so viel ist schon mal klar was für ein sänger ganz gut passt dass er klavier spielt ist vielleicht eine normale sache wenn man singt und dann ist offen gelassen ob jetzt hier noch bewunderer dabei sind das muss man wiederum sagen wenn sie darauf an kämen wir die bewunderer mit reingemalt das heißt also der anders zorn hat möglicherweise gesagt ach da da der klavier steht doch so gut am fenster fantastisches licht denn das aufregende in diesem bild ist ja jetzt nicht dieser freundliche mittelalte
mann sondern dieses fantastische Licht durch das Fenster. Was dann verschiedene Texturen offenlegt. Das eine ist erst mal das, was ich auch für einen Vorhang halte, in dieses Gelbe. Dann ganz fantastisch diese schwarze oder dunkelblaue Robe, die er trägt. Die hat dann so hellgraue Schimmer am Revers und am Ärmel.
Und dieser hellgraue Schimmer, der ist auch noch irgendwie so ganz lässig da auf die Wand gemalt. Was auch lustig ist. Der hat so ein bisschen Grau über, hat er gesagt, kann da auch noch hin. Und dann natürlich die weißen Spiegelungen seiner Nase. Die Nase hebt sich gegen das Licht ab. Ich würde mal sagen, die haben sich unterhalten und der Zorn hat gesagt, das da, so möchte ich dich malen. So bist du überzeugend, so bist du ganz du selber.
Und daraus entstand dann eben dieses, er hat ihm so beim Klavierspiel zugeguckt und gesagt, so will ich dich porträtieren. Aber das ist ja ganz interessant, was du sagst. Meinst du, dass aus dem Blick von Anders Zorn das Interessante an diesem Bild das Lichtspiel war? Eigentlich war ja das der Auftrag, wenn es ein Auftrag war, war ja mal ein Porträt von mir und nicht spielen mit dem Licht, was durch das Fenster fällt in dem Raum, in dem ich gerade Klavier übe.
Aber das ist das Genie von Anders Zorn, der weiß, aus seinem Portrait mehr zu machen, indem man noch einen zweiten Aspekt reinholt. Sei es das Licht, sei es die Kleidung. Viele seiner Frauenportraits, die wir zeigen, die tragen ja unglaublich elaborierte Kostüme. Das heißt, allein das Ornament, irgendwelche floralen Muster oder tollen Farben oder die Sofas, auf denen sie liegen, die sind mindestens so viel wert, wie das Porträt selber.
Und ich glaube, der Anders Zorn, der war einfach um Virtuose, der hat gesagt, pass auf, das eine ist die physische Ähnlichkeit, die kriege ich hin, kann ich. Und das zweite ist, um aus einem guten Porträt ein geniales Porträt zu machen, es braucht noch irgendeinen weiteren Aspekt. Und der ist hier das Licht.
Und das Licht, muss man sagen, das ist fantastisch. Ich habe zuerst, ich sehe was, was du nicht siehst, nur auf diesen Vorhang geguckt. Aber es ist ja auch fantastisch, wie dieses Licht auf das Gesicht trifft. Und das Gesicht, also so. Der Bart. Also genau, das ist doch, ich meine, da ist es doch, ich habe ja schon häufiger gesagt, na ja, das kann ich auch.
So bei einigen Sachen. Wie, vielleicht nicht. Aber das würde ich sagen, ich würde, ich weiß gar nicht, wer sowas überhaupt kann. So fantastisch, also ein unglaubliches Meisterwerk, was das Licht nicht nur am Gesicht, im Bart, auf der rechten, auf der linken Hand, das ist ja, also es ist perfekt so getroffen, wie man solche Lichtspiele kennt, aber es ist halt eben ja nicht fotografiert, sondern gemalt und das ist ja, das ist schon fantastisch.
Es ist ähnlich, man hat das Gefühl, dass er gut porträtiert hat Und es ist ein bisschen lebensvoller als eine Fotografie. Eine Fotografie hat auch immer so diese Sekündlichkeit, diese Momentaufnahme in sich drin, weil sie einfach was festhält. Selbst das schönste, belebteste Foto, dem sieht man an, dass es ein Stopp ist.
Hier hat man sowas Flüchtiges. Man hat das Gefühl hier, man blickt mit den Augen des Mahlers auf den Moment dieses Singens. Guck mal auf die Lippe. Selbst auf der Lippe bricht sich das Licht. Was ich interessant finde bei Zorn in diesem Bild, ist, dass es... Ich habe das so Wischtechnik genannt, das ist natürlich wahrscheinlich, aber es ist eine Technik, die nicht exakt ist.
Was ist das? Ein lässiger Pinselstrich, würde ich mal sagen. Ein lässiger Pinselstrich, der auch dazu führt, dass das Gesicht eben halt, die Konturen nicht überall gleich scharf sind, dass die Hände nicht aus, also du siehst von den Händen, du siehst, die linke Hand hat gefühlt nur drei Finger, die rechte Hand nur vier.
Die rechte Hand ist aber genial, die hat auch noch einen Ring. Und als Ex-Klavierspieler kann ich sagen, das ist ziemlich gut wiedergegeben, denn die linke Hand liegt meistens relativ fest, weil die halt irgendwie, keine Ahnung, Akkorde oder Alberti-Bässe, so etwas, wo du dich nicht viel bewegen musst.
Die rechte Hand ist meistens die agilere und da sieht man auch, die ist gerade so in der Bewegung weg, der kleine Finger spreizt sich schon ab. Das ist ziemlich gut gemacht, weil man hat tatsächlich das Gefühl, hier eine genuin pianistische Bewegung noch zu sehen, die der ganz en passant, es geht ja eben nicht ums Klavierspielen, sondern ums Singen, Aber der spielt richtig.
Das ist ja für Leute, die Klavier spielen, Schauspieler zu sehen, die es nicht können, ist ganz schmerzhaft. Aber er begleitet sich. Und was ist du als ehemaliger Klavierspieler? Was ist das, was da vorne rechts so liegt? Ist das etwas, womit man die Seiten stimmen kann? Habe ich mich auch schon gefragt. Es ist etwas längliches, wie eine Kerze, die nicht benutzt ist gerade. Oder wie ein Korkenzieher.
Aber ich meine, Nein, das ist ja etwas, was das Bild auch deshalb stört, weil das ist relativ konturenscharf und klar, der Rest ist ja einfach so hingepinselt. Und dann fragt man sich, was soll das eigentlich? Es fällt mir jetzt erst auf. Also ich habe da immer Bleistifte liegen gehabt, weil man sich dann Dinge eingetragen hat. Vielleicht ist das ein Füller. Das ist ein sehr massiver Füller, ja.
Also wenn du übst, als Streich-Instrumentspieler gibst du dir meistens Bogenanweisungen, Aufstrich, Abstrich oder Legati. Als Sänger vielleicht auch, dass er sich da irgendwas einträgt. Also ich könnte mir vorstellen, dass man sich irgendwelche Markierungen macht, die Phrasierungen oder ähnliches, wo man Atem holt. Ich weiß es nicht so genau.
Es könnte ein Stift sein, aber das ist nicht so genau zu sehen. Was interessant ist, wir gucken so schräg hinter die Noten, die er da hat. Die sind aber nur so als so ein Wisch. Aber reicht es, so ein Wisch zu machen... Weil das Gehirn das automatisch zusammensetzt. Ja, da kann nichts anderes sein. Da kann nicht ein Holzpferd sein, da kann nur die Note sein.
Setzt aber voraus, dass die Menschen wissen, dass das ein Klavierspieler ist und so. Hast du das nicht sofort montiert, ohne Klavierspieler zu sein? Ja, aber ich frage mich manchmal, wenn ich so auf die nachwachsenden Generationen gucke, weil die ja andere Assoziationen zum Teil haben. Also nicht nur bei Wörtern, sondern auch bei Bildern und so.
Also ob das über alle Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte immer so bleiben wird. Also dass er singt, wird wahrscheinlich jeder Mensch sehen, weil singen tut jeder Mensch oder hat jeder Mensch getan. Dass er Klavier spielt, das Klavier ist präsent genug, glaube ich, dass wir alle ahnen, was man in so einer Haltung singenderweise möglicherweise macht.
Alle Details sind ja dann schon wieder egal. Das Bild ist befriedigend für mich als jemand, der mit all dem irgendwie zu tun hat. Das ist wahrscheinlich befriedigend für jemanden, der mit dem allen nichts zu tun hat und sagt, er sieht einen singenden Menschen, der ist sehr bei der Sache. Das ist auch, glaube ich, ein Teil der Überzeugungskraft dieses Gemäldes, der ist ganz er selber.
Ich weiß gar nicht, ob er so sehr bei der Sache ist. Also wie gesagt, ich habe jetzt ja vielen Proben beigewohnt und sehe da den Chorleiter, der ist eins zu eins so. Der ist dann wahrscheinlich auch bei der Sache. Doch, du musst bei der Sache sein, gerade wenn du so Sachen einübst. Das ist ja wie Hochleistungssport. Er geht jetzt nicht aus sich raus, falls du das meinst. Also das ist jetzt nicht on the top of his voice, aber das ist...
Der konzentriert sich gerade, dass das irgendwie stimmt, was er da singt. Muss ja irgendwie mal gucken, dass die Töne, die er da... Meinst du, dass Jean-Baptiste mit diesem Porträt, wenn er es denn bestellt hat, zufrieden war? Also das eine ist ja, dass Anders Thorn wahrscheinlich zufrieden war. Der sagt, Mensch, da ist mir was Tolles gelungen.
Und das ist halt nicht nur so ein olles Porträt, sondern aber wenn man so denkt, ja, dann bin ich da so. Und die Hälfte des Bildes ist irgendwie Licht und Vorhang. Ich glaube, der vor war offensichtlich ein Mensch, der in der Avantgarde seiner Zeit zu Hause war. Denn der Manet hat ihn böser gemalt. Bei Manet ist er so ein schwarzer Bösewicht mit aufgerissenen Augen.
Und der Manet hat sich, es wäre interessant, wenn man dann in die Kunsthalle geht und von einem zum anderen dieser Bilder läuft, der hat auch ihn in einem Kostüm gemalt, das sieht aus wie ein fletterter Vogel. Hängt der Manet gerade auch? Der hängt auch gerade. Man kann sich den angucken. Also ich glaube, der war zufrieden, weil er war, also dieses Bild ist ja schon wieder für Avantgarde der damaligen Zeit fast zu schön.
Das ist ja ein wirklich, er hat ihn jetzt nicht heldisch gemalt, das ist jetzt nicht der Königsbariton seiner Zeit. Das ist ein guter Musiker, der sehr innerlich ist und der das, was er tut, sehr gut kann. Das würde ich dem Bild schon mal entnehmen, der ist voll bei der Sache. Aber natürlich weiß man nicht, vielleicht gibt es irgendwas, was an dem Bild ihm nicht gepasst hat.
Interessant finde ich ja schon, dass er da so im Staatsornat sitzt, also mit Halsschmuck und allem drumherum. Das hat er wahrscheinlich extra eingezogen. Ich habe eben gerade etwas gemacht, was ganz, ich weiß gar nicht, ob das bei dir auch so ist. Ich hatte das Eindruck, da ist irgendwie so ein roter Fleck auf dem Bild. Ja.
Ist das bei dir, also muss man mal beschreiben, an diesem, ja, eigentlich ist es auf dem Ärmel, auf dem linken Ärmel, ist oben rechts plötzlich so ein roter Fleck. Also das einzige Mal, dass irgendwie rot da auftaucht. Als ob er da so ein kleines Anstecker hat oder so ein kleines Mikro oder so. Das Mikro hat er natürlich mit Sicherheit nicht. Was ist das da?
Du liegst richtig. Und zwar ist ganz lustig, der Anders Zorn hat das öfter gemalt. Und ich weiß es, weil er hat auch ein Selbstporträt gemalt. Und er hat früh den Orden der französischen Ehrenlegion bekommen. Und dieser Orden hat anscheinend so ein rotes Anstecklein. Oder wenn man nicht den Orden im ganzen Ornat trägt, scheint das Signet dafür auch so ein kleiner roter Anstecker. Diesem Selbstporträt ist das.
Und hier sieht man es eben auch hervorblitzen. Das hat man im Revier getragen. Und dann vielleicht hat sich die Bruderschaft der Dekorierten dadurch verstanden. Jedenfalls, das wäre meine einzige Erklärung, wie dieses Ding dahin kommt. Und es ist naheliegend, dass der Staatsbariton vor auch ein Mitglied der, oder ein Empfänger des Ordens der Ehrenlegion war.
Und dass dieses Bild nach unten links, also wo man dann die rechte Seite des Künstlers sieht, auch dann so ausfranst mit diesem leichten Pinselstisch, da bemüht er sich dann gar nicht mehr, das irgendwie klar zu malen. Also strikt schwarz runter mal, macht aber nicht so, sondern verwischt das so. Das ist sozusagen, damit man sich aus dem Bild so rausschleicht.
Oder was ist das für eine, warum macht man das so? Ich glaube, all diese Sachen sind so ein bisschen was, um dem Bild lebend einzuhauen. Er erklärt zwei Dinge, den Menschen, drei Dinge, den Menschen das Klavier und die beiden Fenster und den Vorhang. Aber im Großen und Ganzen, ganz scharf ist er im Gesicht.
Er ist auch nicht scharf, aber ganz präzise ist er im Gesicht. Er ist präzise bei der Stofflichkeit. Aber bei der Wand hinter dem Sänger ist es schon gar nicht präzis, weil diese komischen, diese grauen Schleier, die der hinmalt haben, wüsste man nicht, was sein soll. Und dasselbe gilt eben links, da, wo der Ärmel ausfranst.
Und das verleiht dem Bild so diese flirrende Lebendigkeit. Wäre er sehr präzise und sehr, keine Ahnung, akademisch, wäre das nicht so ein lockeres Bild. Und die Lockerheit hat natürlich auch wieder mit der Musik zu tun, mit der Tatsache, dass hier jemand, der bewegt sich nicht übermäßig, der sitzt sehr aufrecht. Das ist ja auch etwas, Sänger tendieren natürlich irgendwann dazu, theatralisch zu werden.
Hier sind wir noch, die Rolle ist noch nicht gefunden, jetzt muss erstmal der Ton gefunden werden. Aber dieses Wechseln aus ganz präzise und vollkommen summarisch ist typischer Anders-Zorn. Kannst du noch, aber ich weiß, bringst du, kann ich mir nächste Woche noch Anders Zorn wünschen? Kannst du noch mal Anders Zorn und Musik zusammenbringen?
Ich könnte dir das berühmteste Werk von Anders Zorn mitbringen, was auch in der Ausstellung ist. Oh, das auch was mit Musik zu tun hat? Implizit schon, weil ein Tanz drauf ist. Ich könnte dir das berühmteste Bild, den Mittsommer-Tanz von Anders Zorn mitbringen. Dann machen wir den, oh, den Mittsommer-Tanz ist schön.
Im Winter. Nein, aber das klingt so ein bisschen, man hat ja das Gefühl, so wenn man jetzt so, du weißt, jetzt kommt ja der Februar, ist ja immer so kein guter Monat, also so ein Zwischenmonat, aber der Januar, man merkt schon, jetzt nähert man sich ja so, mit Sommer klingt schon wieder, dass es bald wieder losgeht.
Das könnte passieren in diesem Jahr. und dann, Moment, ist das berühmteste Bild von Andersson? Damit ist er berühmt geworden, nein, nein, Quatsch, damit hat er quasi den Zenit seinen Laufband erreicht, das kann ich ja dann bei dem Bild erzählen, aber der hat, nachdem er in die Welt gegangen ist, kehrt er zurück nach Schweden und hat dann was typisch Schwedisches gemalt und das war der Start in seiner letzte Malphase, dass er sich Schweden gewidmet hat, nachdem er vorher kosmopolit war.
Okay, das klingt, das klingt sehr, sehr, sehr interessant. Auch wenn nicht gesungen wird. Das kann ja auch, wenn gesungen wird, dann wird auch oft ja getanzt. Bist du ein guter Tänzer? Das ist jetzt schwer zu sagen. Ich würde nicht sagen, dass ich ein schlechter Tänzer bin, aber ich bin sehr deutsch.
Also wäre ich Brasilianer, wäre ich ein besserer Tänzer. Aber was ich kann und was meine Frau, glaube ich, bestätigen würde, ich kann Tango tanzen. Wir haben also Tango zusammengelernt. Ansonsten, ich tanze auch nicht ungern, aber ob ich ein guter Tänzer bin, weiß ich nicht. Frag meine Frau. Bis nächste Woche. Bis nächste Woche mit Anders Zorn. Tschüss. Bis dann.