Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 293

Wenn ein Maler einen Maler malt

Samstag, 6. Dezember 2025 · 26 min

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Shownotes

Was siehst du? Ein Atelier, einen Maler, das Jahr 1895. Was sehen Alexander Klar und Lars Haider? Das ist die spannende Frage!
Einmal die Woche spielen Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider das Kultspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Ihr Spielfeld: Ein einzelnes, faszinierendes Kunstwerk.
Heute nehmen sie sich Alfred Mohrbutters Gemälde „Der Maler Julius Wohlers in seinem Atelier“ aus dem Jahr 1895 vor. Was verrät uns dieses Bild über das Künstlerleben im späten 19. Jahrhundert? Und wie unterschiedlich kann man ein und dasselbe Werk betrachten?

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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Ich bin Lars Heider. Ich bin Alexander Klar. Und weil wir natürlich uns mit großen Schritten Weihnachten nähern, kommen wir nicht umhin. Und das muss immer ich machen, aber das mag ich sehr gerne, natürlich Werbung zu machen für das Buch.

Das zu diesem Podcast erschienen ist. Es heißt, Oh Wunder, ich sehe was, was du nicht siehst. Da geht es um 66 Werke, die wir in diesem Podcast besprochen haben. Die sind da zu sehen. Die schönsten Formulierungen von Alexander Klar sind da zu lesen. Von mir auch. Das sind die schönsten. Und unsere liebe Kollegin Vera Fengler erklärt dann nochmal diese Meisterwerke.

Es ist, ich kann mal so sagen, glaube ich, Alexander, es ist das beste Weihnachtsgeschenk, was man sich vorstellen kann in diesem Jahr, oder? Absolut. Vor allem, wenn man diesen Podcast hört und endlich mal die Bilder direkt in der Hand haben will. Und es sieht ganz toll aus. Das muss man sagen. Also an Erdung Richter, den Verlag, vielen, vielen Dank. Es sieht ganz toll aus.

Also, gern kann man natürlich nicht nur im gut sortierten, sondern im Buchhandel kaufen und natürlich auf abendblatt.de. Und bei der Kunsthalle gibt es das auch. Und dann kann man ja gleich einen Gutschein für einen Kunsthallenbesuch reintun. Das ist doch ein tolles Geschenk, oder? Du solltest bei uns Marketing machen.

Das ist großartig. Kann man denn schon sagen, wir haben ja im vergangenen Jahr, bevor wir jetzt gleich zu dem wunderbaren Bild kommen, was du mitgebracht hast, im vergangenen Jahr, dem Kaspar David Friedrich war, da habt ihr ja gigantische Besucherzahlen gehabt und du hast gesagt, naja, also dann wird natürlich 2025 nicht so wie 2024, aber gefühlt ist es wieder ein sehr gutes Jahr für euch gewesen.

Also wir hatten natürlich auch gute Ausstellungen, der Surrealismus hat seines getan. Also die 600.000 werden wir dieses Jahr nicht machen, aber die 450.000 lässig und insofern ist das... Das ist schon stark, oder? Ja, das ist immer noch deutsche Spitze. Ob wir jetzt der Erste ganz oben sind, das erklärt sich ja immer erst im Jahr danach.

Aber so 500.000, das ist schon sehr weit oben. Das ist eher selten. Also ich war in diesem Herbst in Wien und da muss man jetzt neidlos anerkennen, ob man Albertina, BVDR, Kunsthistorisches Museum, das sind alles Häuser, die haben ganz andere Zahlen. Nach China wollen wir gar nicht gucken. Guck mal, in Deutschland.

Wir vergleichen uns ja in Deutschland. Sehr gut. Und Spitze ist auch das Bild. Und ich hatte fast vergessen, was ich mir gewünscht hatte. Und dann fiel es mir wieder ein. Gestern und zwar passierte Folgendes. Wir wollten ja, in unserem Wohnzimmer hatten meine Frau und ich die Idee, eine goldene Tapete anzubringen.

Weil wir dachten, das sieht doch irgendwie schön aus. Und dann hat man das gemacht. Was macht man? Man googelt im Internet und wo auch sonst. Und haben dann eine schöne goldene Tapete gefunden und dann muss man so die Maße angeben und dann wird das zugeschickt. Und dann ist es natürlich, ich weiß nicht, ob du das kennst, etwas völlig anderes, wenn du das Ding in der Hand hast und es sieht halt völlig anders aus, als du denkst.

Und also die goldene Tapete kommt jetzt doch nicht dran. Deshalb bin ich sehr dankbar für die Inspiration, die du heute mitgebracht hast. Aber folgendes. Das wird doch bunt, wenn ihr das jetzt ersetzt. Ja, aber folgendes, was ich auch interessant fand und da haben gesagt, können wir das zurückschicken.

Nee, haben die gesagt, sie müssen es nicht zurückschicken. Weißt du, was du da machen musst und das finde ich absurd. Vor ihren Augen zerstören. Ja, so ähnlich ist es. Woher wusstest du das? Also du musst zwei Rollen zerschneiden und denen ein Bild von den zerschnittenen Rollen schicken, dann kriegst du dein Geld wieder.

Naja, vielleicht ist es tatsächlich klimaabdruckmäßig teurer zu verschicken. Nee, weil es ist ja besonders zugeschnitten geworden für uns. Ach, sie hätten es auch zerstören müssen. Wahrscheinlich, aber das finde ich natürlich, das ist ja, das ist krass. So, das dazu. Also, wir haben folgendes Bild, Thema Tapete.

War das schwer da was zu finden? Ich habe zu viele Sachen gefunden und habe mich wie immer für die verquereren Dinge entschieden. Tut mir leid. Das ist ja, aber das ist alles andere, da wären wir auch enttäuscht. Also, man sieht, es ist ein Queer-Format und man sieht einen Mann, der auf einem Stuhl sitzt und so verkehrt herum, was man heute nicht mehr macht, das ist gerade sowas Dynamisches.

Wenn man also sozusagen, man sitzt sozusagen mit dem Oberkörper und hält sich mit dem Arm an der Lehne fest und guckt über den Stuhl rüber. Der sitzt also verkehrt herum auf einem Stuhl vor einem sehr niedrigen Tisch. Auf diesem Tisch stehen zwei Tassen Kaffee. Also zwei Tassen. Ob da Kaffee drin ist, weiß ich nicht. Könnte auch Tee sein.

Könnte auch Tee sein. Aber die Flasche dahinter liegt, nahe, dass auch was noch anderes drin sein kann. Genau, da ist noch eine Flasche dahinter. Daneben ist ein Tablett, auf dem vielleicht dieser Tee gerade abgesetzt wurde. Und dann sind dahinter so kleine Flaschen. Das ist ja meine These, wie Terpentin oder so sein.

Also ich würde fast sagen, dass wir uns wieder befinden. Ne, befinden wir uns nicht, weiß ich nicht. Also ich hätte jetzt für einen Moment gedacht, dass wir uns wieder im Bereich eines Malers befinden, weil der Typ hat was zwischen den Fingern und das kann eine Zigarre oder eine Zigarette sein, das kann aber auch ein Pinsel sein, den er zwischen den Fingern hält.

Auf jeden Fall wirkt er für mich wie jemand, der gerade irgendwie innehält und eine Pause macht. Deshalb sitzt er auch verkehrt herum auf dem Stuhl. Und hinter diesem Mann, den wir also im Profil sehen, der so einen schönen Schnurrbart hat, wie er jetzt in ist, kurze Haare. Hinter dem sieht man, deshalb war ich schon eine Tapete, sieht man die Wand.

Und die Wand ist zu einem Viertel, ist es eine ganz normale, in einem schönen Grünton mit einem Bild, einem interessanten Bild, nämlich einem Rahmen. und in der Mitte dieses Rahmens ist ein, wie heißt das, Passepartout, heißt das so? Ich sehe bloß keins, ja, also Passepartout, ach so, Entschuldigung, du siehst den weißen Rand, der wahrscheinlich ein Passepartout ist.

Genau, also man sieht den weißen Rand, aber da drin ist nichts, es sieht so aus, als ob das Bild da, wo eigentlich das Kunstwerk wäre, sieht man wieder hinten die Wand und neben diesem gerahmten Bild, da ist das eigentliche, der eigentliche Star dieses Bildes, nämlich da hat jemand was an die Wand gemalt und zwar mit unglaublich schönen Farben, mit Rot und Grün und Weiß.

Ich würde sagen eine Tänzerin, eine Tänzerin, die ist es eine Tänzerin, auf jeden Fall eine Frau, die gerade in Bewegung ist, die von rechts nach links so durchs Bild schwebt, umgeben von so roten, roter Leidenschaft und Feuer. sie trägt so irgendwas Türkises. Man sieht nur von ihr nicht besonders viel, weil der Maler, oder der Maler, ich sag das, könnte ein Maler sein, also der Mann sie verdeckt.

Und das ist fast so ein bisschen komisch, weil der Kopf der Frau, die im Hintergrund auf der Wand zu sehen ist, der wächst aus dem Kopf des Mannes, der verkehrt herum auf dem Stuhl sitzt. Das ist nicht... Nicht besonders elegant, während diese ganze Tischansammlung fast schon fotogetreu, aber sehr, sehr original gemalt ist.

Und irgendwie guckt der Mann so ein bisschen genervt. Also er guckt da so, als ob er sagt, irgendwie gefällt ihm das nicht, was er da gemalt hat oder er hat es gar nicht gemalt oder er wartet auf den, der es gemalt hat, weil es sind ja zwei Tasten. Das heißt, es gibt noch eine andere Figur, eine andere Person auf diesem Bild, die wir aktuell nicht zu sehen bekommen.

Soweit. Aber es ist so, wenn ich jetzt gucke nach einem Tapete, das wäre eine coole Tapete. Wenn jemand so was auf meinem Wohnzimmer, auf die weiße Fläche im Wohnzimmer, die ja jetzt weiß bleibt erstmal und nicht gülden, malen könnte, wäre ich total dankbar. Da könnte ich dir jemanden vermitteln. Könntest du, aber es würde wahrscheinlich teurer werden als der normale Maler.

Du vermittelst Künstler, die Wohnzimmerwände bemalen? Nicht professionell, um das gleich jede Gerüchte im Keim zu ersticken. Aber ich kenne natürlich rasend viele Künstler und ich kenne auch Künstler, die für 50 Euro sowas machen? Ist das die Stunde? Ja, ich glaube, so ein Mal hat es eine Stunde von 60 Euro.

Ich glaube, Künstler sind sogar drunter, aber die sind ja self-employed. Das heißt, Künstler nehmen sehr viel in Kauf, kein Geld zu verdienen. Okay. Also, wenn ich jetzt sage. Ein kunstliebhabender Mensch aus der journalistischen Branche. Der Gastgeber eines sehr bekannten und sehr populären Kunstpodcasts besucht jemanden, der eben seine Wohnung ausgestaltet.

Also ich kenne mehrere, würde ich jetzt mal sagen, mindestens einer fällt mir sofort ein, Künstler ein, die Aufträge ausführen, die so in dem Grenzbereich sind. Also der eine, den ich meine, den haben wir letztes Jahr auch gezeigt, Bastian Muhr, der hat bei uns diese Schränke auf der Rückseite bearbeitet, der hat die Schränke erfunden und der macht Kunst, die so irgendwo im Dazwischen ist.

Also der hat auch viele oder einige private Auftraggeber, für die er Sachen macht, die genau dahin passen, wo sie es wollen, weil seine Arbeit ist so ein bisschen, der macht das so, der arbeitet mit Pattern, hat fast, was auch eine Tapete werden könnte und das passt ganz gut. Also er ist freier Künstler und macht ganz hauptsächlich die Sachen, die er will.

Aber das passt nicht so gut. Wir müssen nachher die Nummer, bevor jetzt alle anderen auf die Idee kommen. Das Einzige ist, er arbeitet nicht farbig. Das heißt, du müsstest schwarz-weiß. Schwarz-weiß ist es ja schon. Gut. Jetzt wäre die erste Frage, ob das da hinten tatsächlich ein Tapet ist. Ich hatte ja schon gesagt, wie immer habe ich deine Wünsche leicht übertreten oder weit gefasst.

Ich musste bei dem Bild an eine Tapete denken, weil dieses Bild jedenfalls sich nicht outet als ein Gemälde, weil das so unvermittelt auf der Wand ist, als wäre es da drauf. Also man sieht keinen Rahmen, keine Staffelei. Es ist auch sehr groß, es ist wandfüllend. Tatsächlich ist es aber so, wir haben den Verursacher direkt vor uns.

Denn das Bild heißt, der Maler Julius Wohlers in seinem Atelier, gemalt von seinem Freund Alfred Moorbutter. Aha, das heißt, die zweite Tasse ist die Tasse von Alfred Moorbutter. Das Malenden, der jetzt nicht auf dem Bild ist, sondern nur das Bild gemalt hat. Genau. Und tatsächlich würde ich mal vermuten, dass er weniger eine Zigarre oder Zigarette als den Pinsel.

Und er guckt unzufrieden, weil das im Maler meistens irgendwas klappt nicht. Wobei, nein, manchmal ist er total zufrieden, manchmal total unzufrieden. Und das da hinten kann natürlich so sein, das machen manchmal Maler auch, das habe ich schon ein paar Mal gesehen, dass sie schlicht und einfach an die Atelierwand ranmalen, weil es jetzt dringend sein muss und man das mal ausprobieren möchte, muss man halt hinterher wieder übermalen.

Und in dem Atelier sind noch ein paar andere Dinge, die damals zum Atelier gehörten. Also offensichtlich ist es nicht groß, denn der klebt da so an seiner Wand. Links hast du ein Utensil, was man immer gebraucht hat, nämlich so einen Paravent. Hinter dem konnte man sich als Modell um- oder ausziehen.

Das gehört eigentlich immer mit dazu. Das ist die Ausstattung des Mahlerateliers. Was du da hinten siehst, ist tatsächlich eine bewegte Szene. Du hast schon die Tänzerin, die Frau oder diesen Kopf erwähnt. Vor allem sind es diese roten und blauen Flächen, die mich gepackt haben. Ohne dass es ganz präzise ist, hat man gleich das Gefühl, dass etwas japanisch-asiatisches hier vor einem ist. die ja große Meister sind der Wandgestaltung.

Und die ganze Anmutung ist irgendwie so ein bisschen, hat was asiatisch, selbst die Figur hat man das Gefühl, könnte das sein, wobei das jetzt alles sehr angedeutet ist. Und du hast recht, der sitzt da und sind aber nicht, der ist jetzt noch nicht zufrieden. Und der sind da und da hat ihn der Alfred Moorbuter, hat er sich gedacht, Mensch, wie cool, das ist genau, lass mich dich malen.

Aber das ist ja interessant, das ist ja das Größte, die größte Herausforderung, wenn ein Maler einen Maler malt oder wenn ein Sänger, diese Sendung Sing Your Song oder hieß es so mit Johannes Oerding, wo dann ein, da war ein Sänger und die anderen haben seine Lieder gesungen. Du interpretierst das andere. Und das ist ja hier auch so ein bisschen so, wenn da ein Maler einen Maler malt und man sich dann fragt, wieso, hätte ich mich jetzt gefragt, wenn ich der Porträtierte gewesen wäre, hätte ich mich gefragt, ganz kurz, warum malst du es so, dass mir der Kopf aus dem.

Kopf, dass der Kopf der Frau aus meinem Kopf rauskommt? Ja, dann antwortet der mit Kippenberger, höhere Wesen befallen, obere rechte Ecke weiß malen. Also das hat mir... Bitte was? Das schöne Bild, das mal in der Kunsthalle war. Ich weiß gar nicht, wo es heute ist. Das ist ein schwarzes Bild, was oben rechts oder links, weiß ich nicht, ein kleines weißes Öhrchen hat und da steht ein Text drauf, höhere Wesen befallen, obere rechte Ecke oder linke Ecke.

Weiß malen. Oder schwarz malen. Ich bin da schwarz-weiß-Gedings. Jedenfalls, der Sinn dieses Gemäldes ist, wenn du malst, dann... Befiehlt dir dein Inneres, was zu tun oder die höheren Wesen? Oder eine noch schönere Geschichte ist, dass Ludwig van Beethoven von einem seiner Freunde, der Geiger war, angegangen wurde, dass er jetzt aber wirklich diese Geigenstelle, ich glaube in Mr.

Solemnis, sei unspielbar, worauf der Beethoven Wut in Brand zurückbrüllte. Was schert mich seine elende Fiedel, wenn der Geist über mich kommt? Also, sorry, da kannst du dich nicht beschweren, wer der Kopf da über dem Kopf ist. Das sieht halt so aus. Ich sehe das so. Ja, aber gut, okay, das ist das alte Motto, was man von Spitzenköchen hört. Ich weiß nicht, wie ich das schon mal gesagt habe.

Ich habe ja mal den Kevin Fehling gefragt, Drei-Sterne-Koch seit zehn Jahren, also einer der besten Köche der Welt mit The Table in Hamburg. Was er macht, wenn ein Gast sagt, es schmeckt ihm nicht. Und die Antwort war, es schmeckt so, wie es schmecken soll. Ach, richtig, das hast du mir auch schon erzählt. Habe ich glaube ich schon mal erzählt.

Fantastische Antwort. Eine fantastische Antwort, aber das ist ja das Gleiche. Wenn er so sagt, nee, es ist so, wie ich es gesehen habe. Und das ist das Interessante, finde ich, übrigens tatsächlich in der darstellenden Kunst, also jetzt bei Bildern, aber auch bei Literatur natürlich, das ist ja... Nicht darum geht, und das ist mir hier erst bewusst geworden durch die ganzen Gespräche mit dir, dass es nicht darum geht, etwas so.

Abzubilden oder zu beschreiben, wie es ist, sondern es ist immer so, wie der, der es macht, es sieht. Und das ist natürlich das Gefährliche, aber das ist auch das Interessante. Das ist übrigens das Gegenteil zu dem, wenn du, nehm mal an, du machst jetzt eine Dokumentation, ein einfaches Beispiel. Ich weiß nicht, kennst du die Hamburger Goldkirchen? Sagt dir das was?

Das ist dieser Männerchor, der nicht singen kann, der es aber ja geschafft hat, im September in der ausverkauften Barclays Arena zu singen, vor 15.200 Leuten und der jetzt demnächst im Großen Saal der Elbphilharmonie singen wird. Und dann, ich hoffe, dass das schon bekannt ist, wenn dieser Podcast erscheint, im nächsten Jahr im Volksparkstadion.

Und die singen tatsächlich so, wie ihr Chor, der nicht singen kann? Nein, die Singern, das ist wirklich so. Also das Versprechen, die können wirklich nicht singen. Aber sie singen trotzdem und es klingt auch so, dass man zu 75.000 nicht aus dem Stadion rennt. Nein, es klingt nicht gut. Es ist okay, es klingt nicht gut, aber es ist also so. Aber was ich eigentlich erzählen wollte.

Weil ich das so faszinierend finde, arbeite ich jetzt gerade für das Hamburger Abendblatt und für Funk an einem Buchprojekt über die Goldkirchen. Das Buch heißt, noch ein Buch. Wir haben nie behauptet, dass wir singen können. Die Geschichte der Goldkirche und was wir alle davon lernen können. Und zeitgleich gibt es eine Dokumentation, die gedreht wird.

Und nun saß ich mit dem Chef der Goldkirche zusammen und wir sprachen über die Dokumentation, über das Buch und dann sagte er, weißt du, was interessant ist? Die Dokumentation ist die Dokumentation, die TV-Dokumentation. Du siehst alles, du siehst alles, Es ist, wie es gezeigt wird. Bei dem Buch weiß ich gar nicht, was da kommt. Und das macht das Ganze so.

Er ist dir ausgeliefert. Nein, aber nicht ausgeliefert. Aber es ist natürlich dieses, wie sehen das? Und das ist ja eigentlich auch eine große, das eine ist, glaube ich, auch eine große Kunst, eine Kamera da drauf zu halten und das zu filmen. Aber es ist natürlich so interessant, wie sehen dich andere Menschen?

Wie sehen andere Leute das? Und ja, so ist es. Aber das ist was Interessantes. dass mehr als Bilder, finde ich, dass Literatur als etwas Definitiveres angesehen wird. Ein Bild, das hat immer noch so ein Aura von Fiktion. Da wird schon immer dazu erzählt. Wir hatten hier vor langer Zeit mal Menzels Aufbauung der Märzgefallenen, wo man sieht, was die Revolution 48 in Berlin bewirkt hat. Und das hat sowas Journalistisches.

Natürlich aber ist das schon die Fiktion des Malers, der sich da notwendigerweise Liberalitäten erlaubt hat, weil der konnte ja nicht so schnell diese ganze Menschenmenge malen, wie sie wirklich war. Er hat seinen Eindruck davon wiedergegeben. Ich weiß, bei Literatur zum Beispiel gibt es auch die schöne Geschichte von dem Enkel von Thomas Mann.

Der Lieblingsenkel von Thomas Mann, der aber gleichzeitig als Vorbildfigur für einen im Dr. Faustus sterbendes Kind. Der hat quasi seinen Enkel umgebracht und die Familie oder Teile der Familie haben ihm das nie verziehen, dass er dieses Kind hat sterben lassen. Weil er hat quasi dieses Kind beschrieben wie seine Enkel und der starb dann an einem traurigen, dramatischen Tod.

Und das ist mir irgendwie in Erinnerung, weil die das viel ernster genommen haben. Literatur, das hat so einen Wahrhaftigkeitsanspruch. Also solltest du mit den Goldkirchen sehr vorsichtig sein, dass du nicht alle Goldkirchen gegen dich aufbringst. Aber Literatur, weißt du, das ist interessant. Es kann ja, also wenn jetzt zum Beispiel, letztendlich ist es ja eine Biografie über diesen Chor oder wenn du eine Biografie über jemanden schreibst.

Es gibt ja Biografien über Angela Merkel zum Beispiel, deren Autoren sie nie getroffen haben. Und trotzdem schreiben sie Biografien darüber. Und das kann ja immer nur das Bild von Merkel und von anderen sein. Das trägt man dann zusammen. Aber es ist natürlich nicht, im Zweifel ist es, vielleicht ist es gar nicht so, das weiß man gar nicht. Selbst wenn die sie getroffen haben, überleg mal, die haben sich nicht verstanden.

Und dann hat die Chemie nicht gestimmt. Dann hat der maliziös über sie geschrieben oder andersrum. Die haben sich verstanden und das Ganze wurde ein Lobpreis. Ganz schwierig. Natürlich, aber das ist das, was ich damit sagen wollte, das ist das Risiko. Wenn du sagst, mal mich, dann kann halt auch sowas hier, obwohl das sind ja Freunde gewesen. Die waren Freunde und sind auch Freunde geblieben.

Und das Bild ist übrigens ein wirklich tolles Bild. Wir haben ja noch gar nicht mal, oder ich habe das jetzt noch gar nicht so anklangt. Du hast das ja sehr gut und sehr sachlich beschrieben. Ich versuche dir mal ein bisschen noch, wie soll man sagen, Parfum dazu zu geben. Das Bild ist gemalt 1895. Beide, Moorbutter wie Wohlers, sind interessiert am französischen Impressionismus, der zu dem Zeitpunkt ja auch erst...

25 Jahre alt ist ungefähr, grob, grosso modo in der Bekanntheit vielleicht auch nur 15 Jahre. Und dieses Bild ist natürlich eine ganz große Hommage an den Impressionismus durch diese Tapete, die keine ist. Die Figur des Malers selber ist sehr lässig gemalt, ein bisschen wie der Edouard Manet das gemacht hat.

Und dahinter, das ist eher wie der Claude Monet es gemacht wird. Und man merkt, der Maler schätzt beide. Und wir vermuten mal, dass auch der Maler Julius Wohlers den geschätzt hat, sonst hätte er den da hinten nicht stehen gehabt oder nicht in der Manier gemalt, wie das ist. Und dieses Bild ist wirklich, das hat mich, als ich an die Kunsthalle kam, war das eins der Bilder, die mich sofort gepackt haben, weil ich mich gefragt habe, warum ist das nicht berühmter?

Dieses Bild würde mühelos in der ersten Reihe der ganz großen französischen Impressionismusportraits mithalten können. Ist halt in Anführungszeichen nur von einem Hamburger Maler gemalt. Und das sind so Momente, wo ich an der Kunstgeschichte ein wenig verzweifle. Ich denke, das ist so ein, das ist ein nicht nur schönes Bild, es ist auch noch psychologisch.

Tatsächlich, wie du gesagt hast, also die beiden Tassen, das heißt also der Maler ist im Bild. Das ist ja auch ganz nett. Es ist eine Situation, hatten wir auch schon mal bei dem Stillleben. Der Maler ist ja nicht im Bild. In der Tasse. In der Tasse. Man weiß, dass der Maler mit dabei ist. Es ist eine kleine Geschichte.

Und tatsächlich, der wendet sich ja auch dem Ort zu, wo der Maler gerade saß. Und der Maler hat gesagt, ach Moment mal, du pass mal auf, lass mich mal ganz kurz da drüben hingehen. und in dem Bild ist mehr drin. Und dann ist es so, okay, hat er sich von Anfang an falsch mal auf den Stuhl gesetzt und dann hat der Maler der andere gesagt, bleib so.

So dieses Gefühl, bleib so, stopp, nicht bewegen. Der Stuhl sitzt, ist ausgerichtet auf das Bild, an dem der vielleicht gerade gemalt hat, weil das Bild auf dem Boden steht, muss er hin und wieder mal sich auf den Stuhl setzen, sonst malt man natürlich eher im Stehen, weil die Bewegung ist im Sitzen, aber der hat vielleicht die untere Partie gemalt und dazu hat er sich halt, damit er nicht knien muss, hingesetzt.

So, jetzt hat er sich einfach umgedreht auf dem Stuhl, Damit er einen Tee trinken kann oder einen Kaffee mit Alfred-Moor-Butter. Und das genau wollte der einfangen. Genau auch, dass er so sitzt, wie er sitzt, macht das Ganze auch so ein bisschen vorübergehend. Er hat eine Momentaufnahme im Gefühl. Und dazu gehört eben auch diese wunderbare Malerei hinten auf diesem Tapetenbild, das keine Tapete ist.

Und das Schöne ist rechts, was du beschrieben hast, vielleicht ist das rechts eine Zeichnung, deswegen sieht man nicht, was da drauf ist. Aber du hast natürlich recht, die Farbe gemahnt schon sehr, die Wandfarbe. Vielleicht hätte er auch einfach gar keine Lust mehr gehabt zu sagen, okay, ich male. Das ist ja die Frage dann immer, sieht es so, wie es ist und muss es dann original so sein?

Ich frage mich nur, das können wir aber auch in den nächsten Wochen nochmal besprechen, dieses, wenn mich Menschen malen lassen, die eigentlich wissen, wie es geht. Finde ich interessant, die Gesichtsausdrücke. Es gibt ja fast nie einen, der lacht, sondern man ist dann immer ganz ernst. Lachen ist eine schwierige Sache, genau, weil das ist ja, wie ist das, die aristotelische Regelpoetik sagt, Lachen ist auf dem Theater, die Komödie ist die niedrigste aller Genres.

Ist das so, dass deshalb ganz viele Menschen, wenn man sie fotografiert, also heute fotografieren lässt, dass sie dann nicht lachen, sondern eher so die Arme verschränken oder so böse gucken und so? Weil man sieht auch leicht natürlich so ein bisschen, sieht auch ein bisschen komisch aus, wenn man lacht, ne? Auf dem Foto.

Also von mir gibt es ja, das meist publizierte Bild ist, das wurde geschossen auf der Platte bei meiner Vorstellung und da lache ich recht herzbefreit. Und jedes Mal, wenn ich sehe, denke ich mir, naja, da wirst du jetzt so ganz ernst genommen, wird man mit dem Bild nicht, aber nachdem alle Kollegen, also es gibt mehr Bilder von mir, es gibt auch welche, da stehe ich sehr staatstragend vor einem Durchgang und das schaut also wirklich nach...

Regierungspräsident aus, aber meine Kolleginnen und Kollegen, wenn sie Bilder rausgeben, geben am liebsten dieses oder sie geben mehr raus und es wird immer das ausgesucht. Das heißt, ganz falsch kann es nicht sein, wenn man befreit lacht. Ich glaube, wenn man so richtig doll befreit lacht oder so, wenn man so versucht, ich habe mal von einem Fotografen gelernt, dass man immer sagen soll, man muss ja irgendwas mit dem Mund machen.

Wenn man den Mund so zukneift, kann es ganz schnell komisch aussehen. Man soll immer sagen, Ameisenkacke. Ameisenkacke. Lacht man dann, sag mal Ameisenkacke? Ameisenkacke. Schon ist es weg. Aber da musst du abdrücken an dem Moment, wo du bei Kacke angekommen bist. Ja, aber du bist ja bei Ameisenkacke. Das ist ein relativ langes Wort.

Du musst immer wieder Ameisenkacke. Oder du musst mal Ameisen-sch. Das weiß ich gar nicht sagen. Üb mir das mal. Ja, aber das ist irgendwie. Okay, aber die Tapete, die würde ich so oder so dahinter. Sowas stelle ich mir vor. Also sowas Farbenfrohs, wo du reinkommst und hast sofort gute Laune. Und man kann sich auch diese Frau, das ist interessant, man kann sich diese Frau vorstellen.

Obwohl der Maler komplett davor sitzt, kann man sie sich sehr gut vorstellen. Achtung, aber interessant, das könnte natürlich auch ein Tencer sein. Denn wenn du dir die Frisur anguckst, das könnte auch... So eine verstruffelte Frisur, ein bisschen Harry Potter-mäßig. Genau, und man sieht nicht, da ist links was Orangenes, was nach oben ragt.

Siehst du das auch? Also direkt vom Rücken auf. Man weiß nicht, was das ist, aber das trägt so diese Bewegung bei. Was ich gerade noch sagen wollte, also rechts hattest du ja dieses Bild, das Gerahmte, von dem du gesprochen hast, aber rechts unten siehst du noch eines. Da steht eins, lehnt eins an der Wand, ne? Genau, und das ist übrigens...

Oder ist es auf dem Schreib, auf dem Tisch? Auf dem Board, würde ich sagen. Auf dem Board sind ja auch tatsächlich, das hast du vorhin ja richtig gesagt, also das ist der eindeutigste Hinweis auf Atelier, da hast du die kleinen Fläschchen, wo Lösungsmittel drin sind, was man jetzt gerade nicht sieht, ist Pigment, aber du siehst, wenn du genau hinguckst.

Rechts von der zweiten Flasche von links liegt eine Tube. Wir sind am Anfang der Tubenmalerei. Das ist es da. Im ausgehenden 19. Jahrhundert beginnt man vorher, musste man zwingend sein Pigment mischen. Es gab keine andere Möglichkeit. Und dann kommen auf einmal die vorgefertigten, gemischten und gebundenen Pigmente in der Tube.

Das hat er jetzt hier eine Farbe. Könnte die Farbe dieses Kleides da sein. Man sieht nämlich auch noch das Etikett. Und diese kleinen Bilder in Ateliers, die findest du bis heute. Weil natürlich Künstlerinnen und Künstler sammeln Bilder. Okay, und dann sind das so... Da siehst du ganz oft über dem Schreibtisch ein ganzes Sammelsurium von Bildern, was ganz großartig ist.

Da sieht man nämlich, da renne ich immer gerne zuerst in der Schauheimlichen, weil das sind die Sachen, die sie fasziniert haben. Kann natürlich auch was dabei sein, was sie ganz schlimm fanden, aber da ist vor allem natürlich was ein fasziniert. Das kann ich jedem raten, der in Künstleratelier geht, schaut euch mal die Bibliotheksauswahl an.

Da ist immer ein... Das sind immer Bücher und das sind immer Bilder. Bilder. Super interessant. Und er hat hier nur zwei Bilder. Ein wunderbares Bild. und ich befürchte, du kannst es nächste Woche nicht toppen, aber ich weiß, du wirst es versuchen. Wir suchen nach einer Tapete. Wenn einer eine Idee hat, liebe Hörer, gerne melden. Bis nächste Woche. Tschüss.

Music.

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