Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 291

Zeit für Rosen

Samstag, 29. November 2025 · 26 min

MP3

Shownotes

Einmal pro Woche fordern sich Hamburgs Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider heraus. Ihr Spielfeld: die Kunst. Ihr Spiel: „Ich sehe was, was du nicht siehst“.
In dieser Folge dreht sich alles um die romantische Ära mit dem bezaubernden Bild „Rosenzeit“ von George Dunlop Leslie aus der Zeit um 1880. Was entdecken die beiden Experten in dieser Fülle von Blüten und Eleganz? Was bleibt selbst dem geübten Auge verborgen?

#KunstundKultur #KunsthalleHamburg #HamburgerAbendblatt
#LarsHaider #AlexanderKlar #Rosenzeit #GeorgeDunlopLeslie #Kunstwerk
#Kunstliebe #Kunstgeschichte #Kulturpodcast #Kunst #Kunstblog

- Weitere Podcast unter: abendblatt.de/podcast
- Wir freuen uns auf Eure Bewertungen und Likes
- Abonniert unseren Podcast, natürlich kostenlos
- Feedback: moinhamburg@abendblatt.abendblatt.de/podcast

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Ich bin Lars Heider. Ich bin Alexander Klar. Und wir werden nicht müde, lieber Alexander, darauf hinzuweisen, dass es diesen Podcast auch als Buch gibt. Schon gut abverkauft, das Buch, aber natürlich ein ideales Weihnachtsgeschenk.

Ich sehe was, was du nicht siehst. 66 Meisterwerke neu entdecken von unserer lieben Kollegin Vera Fengler. Mit der ein oder anderen Bemerkung, auch viele Bemerkungen von Alexander Klar, viele Originalzitate aus 700 Jahren Podcast. So lange ist es. Also das können wir nur den Freunden dieses Podcasts empfehlen, oder?

Absolut. Vor allem, ich habe mir viel Mühe bei der Redaktion der gesprochenen Texte gemacht, weil das war ja eine Übertragung aus dem gesprochenen Wort. Und ich wusste gar nicht, wie colloquial ich unterwegs bin. Was heißt colloquial? Ja, umgangssprachlich. Ich verschleife Zeugs, ich mache Andeutungen, ich beende Sätze nicht.

Das ist unerträglich. Ich dachte immer, ich spreche druckfähig, aber das ist nicht der Fall. Das Allerschlimmste ist ja, es gibt ja heutzutage die Möglichkeit, und ich weiß gar nicht, ob sie das genutzt haben, diese Podcast von einer KI transkribieren zu lassen. Das ist auf dem Podcast mir aufgefallen. Da ist schon in dem Podcast, in der App, kannst du es durchlesen.

Genau. Liest sich komisch, aber kannst. Genau. Und tatsächlich hat die KI erstens Probleme damit und zweitens ist das gesprochene Wort halt etwas völlig anderes als das geschriebene Wort. Also es ist vieles nicht zu verstehen, weil man, so wie ich jetzt gerade, einen Satz beginnt und dann einen Satz nicht vollendet und so weiter und so weiter.

Also, schönes Weihnachtsgeschenk. Und du hast aber heute ein Bild mitgebracht, wo ich sagen würde, das passt so gar nicht zum November und das finde ich ja gerade gut. Ich habe versucht Farbe reinzubringen, weil du dich ja immer beschwerst über den November, der farblos ist und hier hast du echte Farbe.

Und ich liebe auch Bilder, die einfach zu beschreiben sind. Und dieses Bild ist relativ einfach zu beschreiben. Ich mache es wie immer, weil das viele Hörerinnen und Hörer immer sagen, dann können sie sich besser vorstellen. Es ist ein Querformat, fast quadratisch. Nein, ich widerspreche. Ja, fast. Es ist ein Rechteck.

Tut mir leid, ich habe dir noch nie widersprochen, aber das kann mich jetzt auch fordern. Also es ist ganz einfach, man sieht eine Frau von der Seite, eine Frau, die am Tisch sitzt, die trägt ein gelbes Kleid mit so Rüschen an den Ärmeln. Sie trägt, ich weiß nicht, wie das nennt, Handschuhe, aber so lange Handschuhe.

Stellen Sie sich vor, man hat eine Strumpfhose, die vorne aufgeschnitten ist, trägt man über die Arme. Das hat sie nämlich. Also sie trägt so Netzstrumpfhandschuhe, darf man das so sagen. Und sie sitzt an diesem Tisch, so ein bisschen versonnen und hat vor sich, man würde denken, einen großen Teller, eine große Schüssel.

Und wenn jemand an einem Tisch sitzt und einen großen Teller oder eine große Schüssel vor sich hat, dann würde man denken, der ist. Aber sie ist nicht. Sondern sie hat in dieser Schüssel, in der wahrscheinlich Wasser drin ist, könnte ich mir vorstellen, ganz viele Rosenköpfe. Nennt man das obere Teil von Rosen, ist das der Rosenkopf? Die Blüte.

Vielleicht der Kopf? Die Blüte ist das nicht so ein Teil. Den oberen Teil von einer Rose. Und das sind ganz viele. Das sind rote Rosen, weiße Rosen, rosa Rosen, orange Rosen. Und die liegen in dieser Schale und sie hat eine Rose zu sich genommen, schließt die Augen und riecht an dieser Rose. Man sieht auf dem Tisch auch noch zwei leere Behältnisse.

Das könnten Vasen sein, in denen die Rosen vorher gestanden haben. Und man sieht eine große Vase, aus der noch drei Rosen hervorlucken. Und man sieht, das ist, ich sehe was, was du nicht siehst, man sieht eine Schere. Und mit dieser Schere hat sie offensichtlich die Stiele dieser Rosen abgetrennt. Vielleicht, weil die sehen alle schon sehr ausgeblüht aus.

Vielleicht, weil die alle schon sehr geblüht haben und durchgeblüht sind. Dann hat sie gesagt, okay, um jetzt den restlichen, um sie zu bewahren, nehme ich mir nur die Rosenblüten und tue die in diese Schale. So wie sie angezogen ist, ich habe erst gedacht, ist es vielleicht eine Bedienstete in einem Haus.

Die dann sozusagen das so aufgeräumt hat und sich dann einen Augenblick da hinsetzt und genießt, wie gut diese Rosen riechen. Weiß ich aber nicht. Interessant ist auch, und ich weiß nicht, ob das irgendeine Bedeutung hat, man sieht oben rechts an der beigefarben, braun-beigefarbenen Wand, Ich würde sagen, nein, natürlich nicht, das hat eine Bedeutung, einen Spiegel.

Es ist ein Spiegel mit einem massiv goldenen Rahmen und dieser Spiegel ist aber nur zu einem Drittel gesehen, der Ende des Bildes des Spiegels ist also abgeschnitten, aber man sieht die Frau von hinten. Und interessant wäre es natürlich jetzt in so Kriminalromanen, man sieht im Spiegel dann etwas, was man auf dem Bild nicht sieht.

Weißt du, jemanden, der dann so... Durseligerweise ist der Spiegel abgeschnitten. Genau, und man sieht auch nicht mehr, also man sieht die Frau von hinten und man sieht, dass da hinten sitzt da einer. Nee, ich weiß es nicht. Also sitzt, ich habe keine Ahnung. Auf jeden Fall ist es eine Frau, die sich Zeit für Rosen nimmt, die Zeit mit den Rosen einfach genießt.

Wobei dieser Spiegel, also wie gesagt, es gibt doch dieses wunderbare Buch, ich glaube, sie hat ja nur wunderbare Bücher geschrieben, Agatha Christie, Mord im Spiegel. Und da ist ja, glaube ich, im Spiegel dann irgendwas zu sehen. Ich weiß nicht, wie die Geschichte geht. Hier ist aber, glaube ich, kein Mord, das ist einfach nur ein wunderbares Bild.

Und man hat so richtig so, man glaubt sozusagen dieses Aroma der Spiegel, der Rosen riechen zu können. So, ansonsten muss ich sagen, ich schätze das Bild mal so ein, das wird eher so 19. Jahrhundert sein, mittleres bis spätes 19. Jahrhundert. Allein wie dieser Holztisch gemalt ist, also das ist schon wieder ganz, ganz, das sieht aus wie aus einem Katalog eines Möbelhauses, der das wunderbare Holztische verkauft.

Und auch der Stuhl, also großartig gemalt und dieser Moment dieses Riechens, das kennt ja jeder von uns, wenn man eine Blume hat und dann irgendwie möchte man an der Blume riechen, insbesondere an Rosen, ist wunderbar eingefangen. Also ein tolles Bild, was im November gerade richtig kommt. März denken lässt. Alles, was dazwischen kommt, naja.

Nein. Der Dezember ist toll, der Januar ist toll, der 4 Pro ist der kleine böse Bruder des November. Ja. Der kleine böse Bruder. Nachdem ich jetzt hier sieben Minuten ununterbrochen geredet habe. Ich glaube, du hast aber die Vase noch gar nicht. Ich habe selbstverständlich die Vase. Muss ich noch erwähnen, was auf der Vase drauf ist? Vielleicht, nein, musst du nicht.

Das sieht aus wie so ein chinesisches Muster aus so Blumen. Die Vase mit den drei verbliebenen Rosen am Stiel habe ich noch erwähnt. Und die Schere und ja. Entschuldigung, da habe ich kurz aufs Handy geguckt. Ja, nein, also so war das Bild intendiert und ich glaube, so ist dieses Bild überhaupt auch vom Künstler.

Es ist ein R intendiert und auch mit dem 19. Jahrhundert liegst du vollkommen richtig. Ich kann das schnell auslesen. Also der Künstler ist einer, den wir hier schon besprochen hatten, nämlich George Dunlop Leslie. Den hatten wir schon mit Nausicaa vor einer großen Weile der Phaeakenprinzessin, die da auf den Odysseus trifft.

Das ist ein großes Gemälde, was in unserem Makatsaal ist. Dieses hier ist ein etwas kleineres, wobei auch nicht super klein ist. Es ist 45 Zentimeter groß und 61 Zentimeter lang. Deswegen habe ich vorhin so aufbegehrt. Also es ist schon ein sehr quer rechteckiges Bild. Es heißt Rosenzeit, möglicherweise ist es tatsächlich auch der Titel von dem Ding.

Insofern lagst du auch da richtig im Zentrum. Und es ist ein Bild, was so eine Art Spagat aufmacht. Es ist fantastisch, virtuos möchte man gar nicht sagen, virtuos gemalt. Es ist technisch so überlegen gemalt, dass es einfach gar nichts zu meckern gibt. Es ist ein Bild, was einem nur in einer Frage Kopfschmerzen bereitet, nämlich warum wurde das gemalt?

Denn die unglaubliche Virtuosität beim Malen wird ein bisschen konterkariert durch die, ich möchte es nicht böse sagen, aber ein bisschen durch die Belanglosigkeit dieses... Aber komm, jetzt haben wir aber einen Riesenpunkt, weil das ist eine Frage, die wir so, gar nicht so oft erläutert haben, weil du immer gesagt hast...

Das ist ein Kurzwerk. Ja, nein, aber gemalt werden kann ja alles. Also diese Frage, warum wurde das gemalt, die könnte man ja bei ganz, ganz, ganz, ganz vielen Bildern, die du mitgebracht hast, stellen. Ja, es ist aber so, in der Regel begründe ich das ja mit, ich kann nachvollziehen, dass der oder die Künstlerin ein Interesse daran hatten, das darzustellen.

Da kann ich oft folgen. In diesem Fall, ich komme ein bisschen gemein vor, wenn ich sage, naja, der wird einfach gewusst haben, was verkäuflich war. So eine häusliche Szene virtuos gemalt war auf alle Fälle etwas, das konntest du im Salon zeigen und dann wurde es auch gekauft. Jetzt ist es so, ich würde die Frage ja nicht stellen, wenn ich nicht das Gefühl hätte, wir könnten dann doch auf eine sehr interessante Art und Weise uns dem Bild nähern.

Sonst wäre es ja einfach nur kurz abgehakt. Tolle, kleine, süße Szene, hübsche Darstellerin, farblich alles ganz charmant, schönes Bild. Wenn der Preis stimmt, kaufe ich es. Hier ist ein, bei dem Bild habe ich ein Problem, nämlich mit der Genrezuweisung. Es handelt sich nicht um ein Porträt, wie wohl die Frau so dargestellt ist, dass man glauben könnte, dass es porträthaft ist.

Also es könnte sein, dass hier ein Modell, ein Modell gesessen hat, das er sehr, sehr präzise wiedergegeben hat. Es ist auch keine wirkliche Interieur-Szene, weil dazu ist zu wenig da von dem Interieur, wenn man, und jetzt wird es hakelig, den Spiegel wegnimmt. Denn der Spiegel hat tatsächlich, gibt einen Hauch von dem Interieur wieder.

Ich weiß nicht, ob dein Druck es richtig ausgedrückt hat. Ich habe festgestellt, manche dieser Bilder werden nicht ganz ausgemacht. Man sieht tatsächlich den Raum und ein paar Stühle. Ich weiß nicht, ob du das siehst. Genau, habe ich ja. Ich habe auch gesagt, so gefühlt dahinter, ich weiß nicht, also hinter ihr im Spiegel, da ist etwas, das könnte ein Sessel sein, das könnte aber auch jemand sein, der da sitzt oder da sitzt keiner mehr.

Es ist niemand, auch nicht der Künstler, wäre er Jan van Eyck, würde er sich da wahrscheinlich tricky noch reinmalen, dass es macht, aber der Dunlop Leslie nicht. Es ist auch kein Stillleben, denn man hätte natürlich sagen können, wäre die Frau nicht da, dann wären diese Rosen und ihre Vase und der Spiegel ja schon ein fantastisches Stillleben.

So ist es irgendwie ein, ich sage nicht unentschieden, aber ungeklärtes Zwischending, was aber dann wieder zusammengehalten wird dadurch, dass diese Szene so ungeheuer charmant ist. Der Aufwand, der getrieben wird, bloß eine junge Frau zu zeigen, die dort sehr schön angezogen an einer Rose schnuppert.

Allein schon, dass das so inkongruent ist, Aufwand zu Ergebnis, macht dieses Bild wieder interessant, weil man sich denkt, Junge, Junge, das ist ja, das hätte ein Staatsporträt einer Königin werden können, so von dem technischen Aufwand, von der auch der Virtuosität. Es ist aber wirklich nur eine ganz, ganz, ganz gewöhnliche Upper Class Szene.

Ich weiß gar nicht, was sie vorhat. Also ich vermute mal, in der Schale schwimmt Wasser und die Rosen schwimmen da drauf. Das macht man glaube ich tatsächlich mit Rosen, die jetzt irgendwie in anderer Weise nicht mehr darstellt. Das hatte ich ja, wenn ich mich recht erinnere, einer von uns beiden vor. Genau. Aber du hast total recht.

Alle diese Sachen sind sozusagen, sagt man, nicht kongruent. Die Frage ist zum Beispiel, warum ist da hinten ein Spiegel, den man nur zu ungefähr einem Drittel sieht? Ja, vielleicht ein bisschen mehr als ein Drittel, der uns aber nichts Neues zeigt. Weil mit dem Spiegel hätte ja der Dunlop, hat nichts mit der Tennismarke zu tun, hätte ja die Chance gehabt, sozusagen ein Geheimnis da reinzumachen oder noch was Besonderes zu machen.

Macht er aber nicht. Er schneidet den Spiegel auch noch oben ab. Was ja auch sehr ungewöhnlich ist für so ein Bild. Wenn man sagt, da ist, also dieser Spiegel kommt einem, der ja auch noch so ein bisschen aus ihrem Haar herausragt irgendwie. Und du hast recht. Und diese Szene mit dem, wer setzt sich so gut bekleidet.

Also sie hat ja, sie ist ja ganz elegant gekleidet. Ausgehe schon fähig. Ja, und wer setzt sich dann an den Tisch und schneidet die Rosen klein und sitzt dann da? Andererseits, es ist halt genau das, finde ich, was wir immer besprochen haben, wenn man auffallen will, wenn man etwas Kreatives schaffen will, dann muss man etwas machen, was noch keiner gemacht hat.

Und wahrscheinlich gibt es in der ganzen Kunstgeschichte kein Bild, wo eine Frau vor einem abgeschnittenen Spiegel an einem Tisch sitzt und an abgeschnittenen Rosen riecht. Und tatsächlich, das macht er auch dann den Weg frei für, also warum macht der Künstler das, was er eigentlich, also er malt ja sehr gut die Szene und mit den allen abgeschnittenen Elementen führt es ja darauf zu, dass die Szene eigentlich ist, diese Frau riecht an der Rose und sitzt an dem Tisch, die...

Und da gibt es natürlich ein paar Referenzen, die man sieht, zum Beispiel so wie sie angezogen ist, wie ihr Haar gebunden ist, das nannte man à la grec, das war wie man annahmend die griechischen Frauen sich die Haare gemacht haben mit so einem Band, was dann so ein bisschen pyramidal nach oben ging.

Pyramidal, ich liebe das mit deinem, also Stichwort, du hast ja gesagt, du würdest sehr umgangssprachlich reden. Pyramidal ist das Gegenteil von umgangssprachlich, sondern ist ein Wortgeschenk von dir an uns. Vielen Dank. noch dazu auf eine Frisur verwendet, das ist jetzt eigentlich vollkommen missgriffig, aber ihre Frisur läuft relativ spitz nach hinten zu und wird gehalten durch dieses nach hinten in sich verjüngende Band.

Und ich glaube, was er darstellen wollte und was ihm sehr gelungen ist, ist diese Versunkenheit. Diese Frau ist ganz Nase. Sie ist am Riechen. Ja, genau, aber sie ist, das ist ja so das Interessante, finde ich, wenn man dann die Augen schließt und an einer Rose riecht, was dann im Kopf passiert. Du kannst ja, und das ist ja im November vielleicht dann schön, sozusagen diese Zeit jetzt, du glaubst es riechen zu können.

Du glaubst jetzt, man hat diesen Rosenduft, wobei ich finde, man ganz oft Rosen hat, die gar nicht mehr so riechen. Das finde ich auch ganz schade. Das ist auch nicht schön. Egal welche, es gibt ja auch Lilien oder sowas, die riechen dann richtig. Aber dieser Moment, und sie denkt ja auch an irgendwas.

Ich glaube, mit diesen Rosen, vielleicht hat sie, ich erinnere mich, ich schenke zum Beispiel meiner Frau natürlich immer zu unserem Hochzeitstag, so viele Rosen, wie wir verheiratet sind. Und vielleicht hat sie diese Rosen von jemandem geschenkt bekommen und indem sie erstens versucht, sie so lange wie möglich zu erhalten und jetzt an ihnen riecht.

Du denkst ja dann an denjenigen, das glaube ich, wir sind eigentlich Quatsch, du denkst nicht an Frühling, sondern du denkst an den, der dir diese Rosen geschenkt hat, oder? Du hast natürlich so, ich bin nicht romatikfähig, das stimmt. Wir sind alte, weiße Männer, die zu ganz zu Schluss darauf kommen.

Die zu selten Rosen geschenkt bekommen, würde ich jetzt mal anklagend sagen. Also, ja, ich glaube, das ist tatsächlich so. Dieses hat noch einen zeitlichen Aspekt. Sie erinnert sich gerade zurück, okay, an den oder die, ihr die Rose gegeben hat. Rosen gegeben. Rosen. Wobei das ja dann wiederum interessant ist, weil du hast ja mit Rosen, da muss man ja sehr aufpassen, welche Art von Rosen du verschenkst.

Also du solltest zum Beispiel jetzt im geschäftlichen Kontext keine roten Rosen verschenken, sondern rote Rosen sind ja immer der Inbegriff von, Also Liebe von Partnerschaft und sie hat ja so eine Mischung, sie hat so eine Mischung aus Rosarosen, Weißen Rosen, Orangenroten Rosen, Roten Rosen, also aber trotzdem muss sie doch, sie muss einem irgendwas denken, was sie mit diesen Rosen verbindet und dass sie die jetzt selber geschnitten hat.

Naja, ich stoche jetzt wirklich im Unbekannten rum. Warum legt man die ins Wasser? Wahrscheinlich, weil sie anders nicht mehr funktioniert haben im Strauß. Also ich kann mir vorstellen, wenn du im Strauß bist, dass du merkst, okay, die sind ja sehr aufgeblüht. Jetzt kommt so botanisches Halbwissen, meine Frau, würde mich dafür schelten.

Die kriegen wahrscheinlich sehr viel Zuschriften hier auf. Schelten. Aber wenn du dann sie abschneidest und dann legst du sie nochmal an Wasser, dann ziehen vielleicht diese Blütenköpfe nochmal ein bisschen mehr Wasser. Und haben nochmal ein Leben im Topf. Ja, gut, die halten. Obwohl, ich überlege mal, der letzte Strauß, den ich meiner Frau, der hat echt ganz schön lange, der war bestimmt zwei Wochen, hat der echt, sah der super aus.

Also ich gehe mal zu dem Metier zurück, von dem ich was verstehe, nämlich der Bildaufteilung und da muss man sagen, wie ist dieses Bild komponiert? Ganz fantastisch und zwar, wenn du dir mal die horizontalen Linien anguckst, da ist zum einen der Tisch, der läuft so fast bis zur Mittelachse. Ich würde fast sagen, der Fuß, der Rechte geht aber sowas von mittig durch das Bild.

Dann haben wir, also das ist dann quasi die vertikale Achse, dann haben wir noch dieses Paneel, dieses Grüne, auch die Farben, da kommen wir gleich dazu, dieses Grüne Paneel, das zieht sich horizontal einmal quer durch das Bild. Das ist mehr so goldener Schnitt, unten mehr Grün, oben mehr, was hat die Wand für eine Farbe?

Das ist so ein grünliches Ocker, würde ich mal sagen. Genau, und dann hast du den Spiegel, der ganz kräftig gerahmt ist und dessen goldene Rahmung und auch das Ornament sind so eine Art Festes gegenüber zu dem Textilen, zu dem Faltenwurf. Der Faltenwurf, das ist das Leben in diesem Bild. Alles andere sind eher Flächen.

Aber das, was knistert in dem Bild und was Leben reinbringt, die Frau bewegt sich ja nicht doll, das sind die Faltenwürfe. Und zwar, die liegen ganz natürlich, hat er toll studiert. Wenn du in einem Kleid am Stuhl sitzt, dann wirft dieses Klaut so Tellerfalten. Das ist ein Terminus technicus der Kunstgeschichte. Tellerfalten.

Es gibt überhaupt für mittelalterliche Skulptur fantastische Beschreibungen für den Faltenwurf. Dann hat sie unterschiedliche Dinge in ihrem Kleid dabei. Das sind die durchsichtigen Teile dieses Handschuhs, der kein Handschuh ist, der so über den Unterarm geht und bis zum Oberarm. Dann sind es diese tülligen Bordüren, die am Ende, die bei den Armen, bei den Ärmeln und in dem Gurt da sind.

Dann haben wir natürlich ihr Haar, das ist auch in zwei verschiedenen Weisen behandelt. Nämlich das eine, das ist das gebundene Haar und dann hat sie auch an ihrem Nacken, ist das wilde Haar, was sich nicht einfangen lässt. Das ist so ein bisschen flaumiger. Und das Farbspektrum dieses gesamten Bildes ist ganz interessant, denn es changiert im Grün-Gelb.

Bereich und rot ist die Rosen und Rosa und oben in dem Spiegel der Boden aus interessanterweise. Das heißt, wir wissen sogar, was für eine Farbe der Boden hat. Der ist ein bisschen rötlich. Rötlich, so orange, rötlich, fast so. Das heißt, wir haben das gesamte Farbkonzept dieses Raumes. Wir haben den Raum eigentlich schon, wir brauchen jetzt gar keinen Mord und gar keinen Krimi-Fall.

Wir haben durch den Spiegel eine gute Ahnung von dem Raum und von der Situation. Und da muss man wieder sagen, das ist ja dieses, was, als wir jetzt in England unterwegs waren, wo ich dachte, mein Gott, die Englander haben ja so gerade in ihren Wohnungen und Häusern total Mut zur Farbe, während der Deutsche und das ist halt... Die Raufhasertapete kultiviert.

Nein, das weiß ich nicht, also Raufhaser, ja, aber irgendwie dieses, irgendwie, wie sagte damals der Architekt irgendwie, als ich dann sagte, ich hätte gern alles so in so einem leichten Weiß, schöne Zahnarztpraxis und der hatte recht, muss ich an dieser Stelle einmal zuhören. Das hast du, glaube ich, schon mal erzählt, das finde ich super.

Aber dieses, was man Farben macht und diese Abstimmung der Farben aufeinander, also allein schon, das hast du eben gerade gesagt, allein schon, was die Wohnung anbelangt, ist halt schon nahezu perfekt und man würde sich in diesem Raum total wohlfühlen. Ja, und die Frau hat immer auch ihre Erscheinungen ein bisschen darauf abgestellt.

Das sind vielleicht ihre Lieblingsfarben. Auch das war ja, ich musste gerade lachen wegen der Rauhfasertapete. Vielleicht haben wir das hier schon mal verhandelt, aber ich bin bekennender Rauhfasertapete-Hasser und da bin ich in Deutschland ganz falsch aufgehoben. Nein, da bist du doch, also ich weiß noch, ich weiß noch, als wir mal, wir hatten, wir wohnten mal, das ist schon ein bisschen lange her, in einer Mietwohnung und Freunde besuchten uns und das war alles ganz nett.

Und als sie rausgingen, dachte die Freundin wahrscheinlich schon, Freundin ist ein großes Wort dann, dachte wahrscheinlich schon, ich würde sie nicht mehr hören. Und dann sagte sie zu ihrem Begleiter, hast du die Raufaser-Tapete gesehen? Also das war eine Mietwohnung. Ihr hattet keine Chance. Nein, wir hatten so, natürlich, aber ich käme nicht auf die Idee. Ich muss sagen, mir geht es wie dir.

Nichts ist so schlimm wie Raufaser. und ich war neulich bei den Schwiegereltern, die noch ein, zwei Räume haben mit Raufassertapete und da habe ich jetzt entschieden, dass wir demnächst die mal glätten. Das kann man nämlich mit so einem, Molto irgendwas, kann man aus Raufasertapete so eine glatte Fläche machen.

Also tatsächlich auch Tapete, deren einziger Zweck ist, den schlechten Putz zusammenzuhalten, sowieso irgendwas Bösartiges. Nichts verstehen, nichts gegen Tapete. Wir haben zum Beispiel bei uns in vielen Bereichen so Tapeten einfach mal, gestreifte Tapeten, goldene, die können einen Raum, wir haben eine kleine Toilette, da sind so Fische an auf unserer Tapete, aber Raufasertapete ist wirklich so der Inbegriff.

Aber gut, das würdest du in England auch oder Italien, das ist wirklich deutsch. Man weiß auch nicht woher das kommt. Ja, wir sind so pragmatisch und schön ist uns wohl. Nein, das ist vielleicht die Nachkriegsgeneration. Ich meine, man musste hier irgendwie sehr, sehr viel kaputte Häuser hochziehen und da hast du, England ist ja nun... Verschont geblieben.

London vielleicht nicht, aber die haben einfach eine lange Tradition von sehr schönen Tapeten und ich glaube auch durch den Reichtum des 19. Jahrhunderts konnte sich jeder Tapeten leisten. Und Tapeten hat ja auch irgendwas, das ist vielleicht mal eine Aufgabe für dich, das gebe ich dir ja schon mal mit, das Thema Tapete.

Tapete und Kunst. Wahrscheinlich findest du da nichts, ich weiß es nicht. Ich habe fast schon, glaube ich, ein Bild im Kopf. Okay, okay, aber das, weil ich finde, das ist ja so für uns, was bleibt uns normalen Menschen denn, wenn wir jetzt keine Bilder aufhängen, dann ist es ja oft zum Beispiel Tapeten oder Farben, mit denen wir ja so ein bisschen aus unseren Häusern mehr machen können.

Und ich finde gerade dieses Farb, du siehst das hier und ich habe das in England gesehen, du fühlst dich halt in so bestimmten Räumen mit, wo viel Farbe drin ist. und die Farben passen zueinander, fühlt sich natürlich ein ganz anderes Erleben. Und um zu dem Bild zurückzukommen, hier ist halt tatsächlich Farbe, die Farbe dieser Wohnung ist dominierender der Ton und dann ist diese Frau dann quasi reingesetzt.

Ich möchte ja fast glauben, so lässig und natürlich wie das angeordnet ist, kam der irgendwann ins Zimmer und da saß seine Frau, eine seiner Töchter oder eine andere Bekannte, genau da und war tief versunken und da dachte sich, ach, das ist mein Bild. Ich glaube, du hast es auf den Punkt. Es ist nicht seine Frau.

Es ist eine seiner Töchter. Und das Bild ist mit dem Blick eines Vaters gemalt, der die Tochter sieht, die vielleicht zum ersten Mal verliebt ist. Aber auch schon jetzt in einem Bereich kommt, wo man merkt, okay, die ist nicht mehr lange hier, die ist jetzt eigentlich eine junge Frau, vielleicht ist es das.

Aber es ist so liebevoll, es ist auch so liebevoll gemalt. Es ist aber nicht verliebt im Sinne von, das ist meine Lebensgefährtin gemalt, sondern es ist verliebt im Sinne von, ein Kind, mein Kind. In einer kindlichen Pose dann ja auch am Ende. Wobei, das ist ja, ist das eine kindliche Pose? Naja, schon eher, oder? Dass man an Blumen, also ich kenne, wann hast du denn zuletzt ältere Menschen oder Erwachsene gesehen, die an Blumen riechen?

Jeden Samstag auf dem Markt. Ja, woher sie sagen? Richtig, kaufen wir das noch gut. Nein, ganz geschmäcklerisch und ganz lustvoll auch. Das ist eine Freude auf dem Markt, am Blumenstand vorbeizugehen, weil man da sieht lauter Leute, die ja was Schönes haben wollen. Und da sieht man auch ältere Leute ganz selbst vergessen an einer oder anderen dieser Blumen riechen. Ja, ein Leben ohne Blumen.

Also ich habe das nie gedacht, aber Blumen machen einen unglaublichen Unterschied in jedem Haus. Sind aber auch ganz schön teuer geworden. Aber da geht schon wieder der Deutsche los, ist wieder teuer. Es muss günstig sein. Deswegen gibt es die nur am Wochenende. Genau, es muss günstig sein und so. Also ein wunderschönes Bild.

Rosenzeit, Zeit für Rosen. Und ich würde sagen, du hast recht, es ist ein Papa, der auf seine Tochter guckt, die er dabei erwischt, wie sie Gedanken verloren an etwas wirklich sehr, sehr Schönes in ihrem Leben denkt. Liebe Alexander, das war es schon wieder für heute. Liebe Hörer und Hörer, vielen Dank, dass Sie zugehört haben.

Bis zur nächsten Woche. Tschüss. Ein Podcast von Funke Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast Musik.

0:00 / 0:00