
Ich sehe was, was du nicht siehst – Kunst neu entdecken· Folge 301
Schnee von gestern? Von wegen!
Samstag, 17. Januar 2026 · 24 min
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Shownotes
Was macht ein Kunstwerk zum Original? Und wie landet ein echter Gerhard Richter für schmales Geld im heimischen Wohnzimmer? In dieser Folge treffen sich Lars Haider und der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alexander Klar, um über ein Werk zu sprechen, das Lars sofort an seine Winterurlaube erinnert: „Schweizer Alpen I“ von Gerhard Richter.
Das quadratische Bild wirkt wie eine kühle, fast technische Luftaufnahme aus dem Hubschrauber – weißer Schnee, harte graue Schatten, keine Spur von Zivilisation. Doch hinter diesem speziellen Siebdruck von 1969 verbirgt sich eine viel größere Geschichte: Die der Hamburger Institution „Griffelkunst“. Alexander Klar erklärt, wie diese Vereinigung seit 100 Jahren die Demokratisierung der Kunst vorantreibt, warum man dort auch als „Normalsterblicher“ für einen geringen Jahresbeitrag an echte Meisterwerke kommt und weshalb Gerhard Richter damals, in den späten Sechzigern, fast schon ein Ladenhüter war.
Die beiden diskutieren zudem die spannende Frage: Was ist wertvoller – ein handsignierter Druck von Richter oder ein personalisiertes Werk von Rock-Legende Udo Lindenberg? Ein Gespräch über den Mut zur Avantgarde, die Tücken der Drucktechnik und darüber, warum im Hause des Museumsdirektors am Ende doch der persönliche Geschmack über die Kunstgeschichte siegt.
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Ich sehe was, was du nicht siehst. Der Podcast über berühmte Bilder mit Alexander Klar, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Herzlich willkommen. Mein Name ist Lars Heider. Ich bin Alexander Klar. Und einer von uns ist der Direktor der Hamburger Kunsthalle. Alexander, das bist du ja immer noch, glaube ich, auch in diesem Jahr.
Job-Changing, dann bilde ich dir ein kleines Zimmer an. Du hast ja, glaube ich, keines, wenn ich mich richtig erinnere. Ich habe jetzt doch, ich habe jetzt wieder ein Büro tatsächlich. Ein bisschen überraschend, es hieß erst nach dem Umzug des Hamburger Abendplatz, vom großen Borster in die Willy-Brandt-Straße.
Da hätten wir alle keine Büros und jetzt haben wir doch wieder Büros. Also ist alles wieder gut. Aber ich bin ja eh die ganze Zeit im Podcast-Studio. Achso, ja, ich bin auch immer nicht in meinem Zimmer, deswegen wurde mir so ein kleines Zimmer zugewiesen. Wollen wir mal loslegen. Du hast ja etwas mitgebracht heute, das mich sofort hat zurückdenken lassen an die Weihnachtsferien.
In den Weihnachtsferien fahren wir traditionell, nämlich mit unserer Familie, obwohl ich gar nicht Ski fahre, in den Wintersport nach Österreich. Und irgendwie gefühlt hast du mir etwas mitgebracht, was ich da oft gesehen habe, was mich aber auch so ein bisschen irritiert hat und was auch gar nicht so eigentlich ganz einfach zu beschreiben ist und andererseits wieder gar nicht so einfach.
Denn ich würde sagen, man sieht eine Art, ja es ist ja kein Skigebiet, aber es ist immerhin ein Schneegebiet. Es sind also die Berge, die man sieht. Und so ein bisschen kann man sich das so vorstellen, wie wenn man ein Bild sieht, was von einem Hubschrauber von oben aufgenommen wurde. Also man sieht den Blick von oben auf Berge, die mehr so, nennt man das so, kartografiert sind.
Also es ist ein Bild, das quadratisch ist, das eigentlich nur aus den Farbtönen weiß und grau und ein bisschen schwarz besteht. Und es sind so ein bisschen, ja, es sind. Beschneite Berge. Und zwar mal sieht man sie sozusagen schräg von oben und mal sieht man sie von der Seite. Die, die man von der Seite sieht, sind halt grau.
Und die, die man von oben sieht, sind halt weiß. Sie sind, Man sieht nicht irgendeinen Grünton da drin. Das heißt, es ist relativ weit oben in den Bergen. Also mindestens so 2.000, 2.500 Meter. Vielleicht sogar noch höher. Nee, es ist ganz weit oben. Das Ganze hat so einen grauen Rand auch noch drumherum. Und man fragt sich eigentlich, ist es gemalt?
Ist es mit irgendeiner anderen Kunst versehen? Also ich bin mir gar nicht sicher. Also ich würde fast sogar sagen, dass es nicht gemalt ist. Es sieht für mich aus wie ein Druck. Wobei ein Druck, ja, nee, ein Druck ist ja dann auch erstmal gemalt und wird dann gedruckt. Das siehst du, da siehst du mal wieder, dass ich mich gar nicht auskenne.
Und es ist natürlich so ein bisschen, es ist ganz schön, es gibt einem dieses, Wintergefühl, was man ja noch hat irgendwie wieder. Aber es ist natürlich auch so ein bisschen, es gibt einem auch ein bisschen einen Vorgeschmack auf meinen Lieblingsmonat, der jetzt kommt, du ahnst es, den Februar. Und ja, vielleicht habe ich es damit so... Den du immer in den Alpen verbringst.
Den ich gerne in den Alpen verbringen würde, weil der Februar irgendwie so ein, habe ich schon so oft erzählt, der so ein komischer Monat ist, zwischen... Ja, irgendwie zwischen Frühling und Winter nichts Halbes und nichts Ganzes, zum Glück aber sehr kurz. Ja, das ist es. Und ich frage mich, also ich würde, was ich sagen würde, klar, es sind Berge.
Wenn es Berge sind, sind es wahrscheinlich die Alpen. Es ist eine Aufnahme von oben gefühlt. Ich würde auch sagen, in diesem Fall ist es kein gemaltes Bild, sondern irgendeine andere Technik, weil auch kaum Farben da drin sind. Und interessant ist dieser graue Rahmen drumherum, weil das ja wiederum zeigt, dass dieses Bild nicht gerahmt werden soll oder muss oder dürfte.
Und jetzt bin ich gespannt, was du gesagt hast. Also, es ist ein Druck. Das bedeutet, dass da jemand eine Druckplatte angelegt hat. Es sind die Alpen, korrekt, aber nicht in Österreich. Das Bild heißt Schweizer Alpen 1. Ist Teil einer fünflättrigen Serie. Und die, ich verrate ja noch nicht die Künstler, weil die kannst du vielleicht gleich selber raten mit dich. Ich werde dich hinführen.
Es ist tatsächlich von oben, vielleicht eins noch, du hast sehr viel von Grau gesprochen. Ich würde eher ein Blau, also ein sehr graues Blau, Aber da sind doch verschiedene, das Weiß ist eindeutig, der dunkle Ton ist wahrscheinlich schwarz auch eindeutig und dazwischen sind aber zwei verschiedene Blautöne, hätte ich gesagt.
So, und das Interessante ist natürlich, man ist erstmal irritiert, weil das ist jetzt zum Beispiel, fehlen die Gipfel. Was man ja normalerweise in den Alpen gerne hat, ist, dass man irgendwelche zackigen Gipfel hat. Das hat der Künstler hier, ich kann schon mal verraten, er ist nicht rausgeholt. Aber wenn du, ach so, genau, und weil du gesagt hast, das soll nicht gerahmt werden.
Im Gegenteil, das, was du gerade gesehen hast, das solltest du gar nicht sehen. Das ist nämlich die Fotovorlage, die wir dir gegeben haben. Da liegt das Blatt zum Fotografieren. Das müsste jetzt eigentlich am Rand beschnitten werden. Denn wirklich sehen sollst du das Bild selber nicht den Rahmen bezeichnen.
So, und jetzt führe ich dich mal, würdest du raten wollen, wer der Künstler ist? Aber interessant ist ja, du sagst, man sieht die Gipfel nicht, das ist ja, weil es so eine Draufsicht ist. Es ist keine, also man sieht es nicht als Mensch, der irgendwo steht, sondern man sieht es von ganz weit oben. Das heißt, da hat sich ja jemand die Mühe gemacht, sich Karten anzugucken und diese Karten versucht in irgendeiner Form, du musst doch mal erklären, was heißt das, man stellt eine Druckplatte her?
Was ist der künstlerische Vorgang dann? Wobei, das ist ein Siebdruck, ich glaube, das Bild wird angelegt auf einem Träger, auf einem Bildträger und der Siebdruck, oh gosh, jetzt oute ich mich als wieder Druckunkenntnis. Der Siebdruck hat die schöne Möglichkeiten, mit Farben zu spielen. Haben andere Druckmöglichkeiten auch.
Grundsätzlich, vermute ich mal, hat er dieses Bild einer fotografischen Vorlage entnommen. Ich glaube, also der Künstler ist berühmt dafür, dass er fotografische Vorlagen nimmt und dann verfremdet. Das wird in dem Fall auch gewesen sein. Man sieht ja auch nicht die Welt von oben in Draufsicht, sondern in so einer Schrägsicht, so wie, keine Ahnung, die Schneerettung im Hubschrauber es sähe, wenn sie den Hang absuchen.
Genau das Bild, glaube ich. Und wenn du sagst Schweizer Alpen 1, du hast es schon gesagt, es gibt fünf Bilder davon. Fünf Siebdrucke sind das, eine Serie von dem einen Künstler. Und der Grund, warum ich auf das Bild kam, wir haben da diese fantastische Ausstellung der Griffelkunst, einer ganz tollen Hamburger Institution.
Bei uns ablaufend die Griffelkunst wurde vor 100 Jahren gegründet, also vor 100 Jahren im vergangenen Jahr, 1925 von einem Lehrer, Johannes Böse. Und der hatte das fantastische Vorhaben, dass er Kunst allen Menschen nahe bringen wollte. Vor 100 Jahren war es ja auch so, da hatten die Menschen ganz andere Probleme.
Es ist die Mitte der 20er Jahre, es hat sich die Wirtschaft ein wenig erholt. Und da kam jemand, der gesagt hat, Kunst kann nicht für einige wenige reiche Sammler sein, wir möchten Originale. Alle Häuser tragen und da sprechen wir mit Künstlerinnen. Er hat auch gut, na damals waren es wenig Frauen und bitten die eine Edition anzulegen und dann gründen wir einen Verein und die Mitglieder können diese Kunst bestellen, für wenig Geld.
Und das hat super eingeschlagen. 100 Jahre lang reißen sich jetzt die Künstler, um bei der Griffelkunst mit machen zu dürfen. Wie, das muss ich nochmal erklären. Es gibt da eine Vereinigung, die damals gegründet wurde, vor 100 Jahren? Genau. Die Griffelkunstverein. Den Griffelkunstverein. Und dann wirst du da Mitglied. Und was macht der Griffe-Kunstverein?
Kauft Kunst von Künstlern? Also, der tritt am Küster heran. Es sind, glaube ich, jetzt pro Jahr zwei, es sind immer zwei Wahlen. Man darf nämlich auswählen. Es wird etwas angeboten. Also, heute funktioniert das so, ich werde Mitglied. Was nicht so einfach ist, weil es gibt eine lange Warteliste, weil tatsächlich, sie können es sich leider nicht leisten, 80 Millionen Menschen dabei zu haben.
Ich weiß gar nicht, wie viele die Mitglieder das hat, aber es sind schon ein paar Tausende, ein paar Zecktausende wahrscheinlich sogar. Und die Idee ist, dass eine Jury, der ich zum Beispiel angehöre, sucht Kunst aus. Diese Künstler schaffen dann etwas speziell für die Griffelkunst. Das wird den Mitgliedern angeboten und die Stimme mit den Füßen ab und sagen, ja, das wollen wir, das wollen wir nicht.
Das Bild, über das wir sprechen übrigens, ist von einem heute fantastisch berühmten Künstler, wurde aber damals fast nicht gewählt. Deswegen ist es heute auch noch quasi irre selten. Es ist nicht irre wertvoll, weil die Griffelkunst verbietet das Verkaufen von ihrer Druckerzeugnisse. Aber nochmal, wenn ich jetzt Mitglied wäre, dann hätte ich das Recht, dieses Bild zum Beispiel bei mir zu Hause aufzuhängen?
Oder die Möglichkeit hätte? Ja, ja. Du hättest 1969, als das Bild in der Wahl war, hättest du es erwerben können. Und es könnte heute in deinem Wohnzimmer hängen. Also es sind sogar fünf Stück. Du hättest alle fünf wählen können. Okay, und das darf aber einen bestimmten Preis nicht überschreiten. Das sind 140 Euro im Jahr.
Ja, ich glaube, ich kriege richtig. Und dafür kriegst du dann. Also du bist meistens einer Wahl zugeordnet und in der Regel wählst du aus drei Sachen aus. Du kannst theoretisch aus sechsen auswählen, wo du auch bei den anderen Wahlen mal reingucken kannst. Das bringt aber die Sache durcheinander, weswegen man sich als ordentliches Griffekunstmitglied daran hält, in seiner Wahl etwas zu machen.
Und da sind meistens ein berühmter Mensch und fünf zukünftig berühmte Menschen dabei. Aber das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass ich als Mitglied da mal was bekomme, ist relativ gering. Richtig? Nein, du kriegst immer was. Du kannst dir jedes Jahr zwei bis fünf Sachen erwerben. Nein, nein, nein. Die Wahrscheinlichkeit, dass du Mitglied wirst, ist recht gering, weil die können halt nur so und so viele Leute aufnehmen.
Aber wenn du Mitglied bist, hast du das Recht, zweimal im Jahr zu wählen und kriegst dann mindestens zwei Sachen, denn du hast auch quasi eine Mindestabnahme Pflicht. Du musst die abgelaufen erhalten und kannst aber dann kannst du aus allem wählen, also dann kannst du sozusagen dich in alle Wahlen rein, ich weiß nicht, das erzähle ich wahrscheinlich so, dass mir die Griffe kurz hinterher sagt, das hätte ich so nicht sagen dürfen.
Also grundsätzlich wählst du zweimal im Jahr aus deiner Wahl mindestens zwei Dinge. Cool. Und wenn du jetzt... Okay, und jetzt hast du ja schon einige Sachen verraten. Du hast gesagt, also, das ist 1969 entstanden, da war der Künstler dann ja schon mindestens 20, vielleicht ein bisschen älter. Du hast gesagt, das war damals jemand, warum wollte man das damals nicht nehmen?
Was war das Problem? Weil der Künstler damals noch nicht so bekannt war. Erstens das und zweitens war dieses Motiv etwas erstaunlich. Bis dahin, die Griffelkunst in den 20er und auch 30er Jahren war unbedingt dem handfesten Druck gewidmet und der kommt sehr aus dem Erzählerischen, aus dem vielleicht auch Propagandistischen.
Also in den 20er Jahren war das eher links zu verorten und da war auch, ich weiß nicht, ob Käthe Kollwitz dabei war, aber da war eben Kunst, wie man sie sich in der breiten Anschauung vorstellte und weniger Avantgarde. Und dann in den 60ern auf einmal kommt es dazu, dass die Griffelkunst sich auch an ganz frische, konzeptuelle Künstler heranwagt und der war einer von denen.
Damals sein Interesse galt nämlich der Wirkung eines Bildes, was man mit einem Bild erreichen kann, wie ein Bild funktioniert. Und diese fünf Schneeansichten ähneln sich sehr. Also da sind jeweils zwei dieser Blätter verdammt ähnlich. Es ist immer derselbe Berggrad, nur leicht lichtanders. Und der dritte Berggrad ist ein Einzelstück, was aber auch aussieht wie die vorherigen, nämlich immer so Steinflächen und Eisflächen.
Und das hat man damals wahrscheinlich einfach nicht so super attraktiv gefunden. Sag mal und jetzt stellt sich mir gerade die Frage, wieso ist das jetzt in eurem Besitz? Das heißt, ihr habt es von der Griffelkunstvereinigung irgendwann mal erworben, also machen die sowas auch, dass sie sowas weiterverkaufen an Museen?
Nein, es ist so, dass die Kunstteil hat eine besondere Beziehung zu Griffelkunst. Der Gründer Johannes Böse war sehr beeinflusst vom ersten Kunstteilendirektor Alfred Lichtwag. Und Alfred Lichtwag hatte sich ja bekanntermaßen auf die Fahnen geschrieben, dass ein Museum für alle da sein muss. Kein Tempel für Fürsten und gebildete Bürger, sondern ein Museum soll unter allen Umständen allen Bürgern dienen.
Und das hat ihm gut gefallen und in den 20er Jahren war ja auch ganz viel Aufbruch, Bewegung da. Man wollte eben in die Breite gehen. Und daraufhin, und da war ja schon per se der Kunsthalle-Szenar und ich weiß nicht, damals der damalige Direktor Gustav Pauli war eben auch von der missionarischen Art und deswegen ist es so, dass der Kunsthallen-Direktor, et es ist ich heute, immer ein Gesetzesmitglied in diesem Beirat ist und die Kunsthalle erwirbt eigentlich fast durchgehend jedes Jahr Werke aus der Griffelkunst.
Also sie hat quasi von der Griffelkunst die extra Lizenz, das zu erwerben. Das können natürlich andere Museen, auch wenn sie zufälligerweise ein Mitglied haben, das ihnen sagt, okay, ich übergebe euch das irgendwann. Ich glaube, dass viele Kupferstichkabinete haben auch Griffelkunstsachen. Aber die Kunstzahle und die Griffelkunst sind tatsächlich auch beide in Hamburg seien einander eng verbunden.
Und ich habe jetzt viele Fragen zur Griffelkunst. Vielleicht noch eine. Griffelkunst heißt auch, ein klassisches Ölbild ist nicht dabei? Ein Ölgemälde ist nicht dabei? Alle Sorten des Drucks, deswegen bin ich immer peinlich berührt, wie wenig ich über Druck weiß, die wissen alles über Druck. Also das ist ein ganz klassisches Medium der Reproduktionsgrafik.
Keine Zeichnungen, keine Einzelstücke. Also in ganz großen Ausnahmen gibt es so Editionen, die so einzelstückhaft sind. Die machen manchmal auch eine Extraedition aus Skulpturen oder Keramik oder solchen Sachen. Aber im Großen und Ganzen dreht es sich um Reproduktionsgrafik. Die in einer maßgeschneiderten Auflage. Es wird gedruckt, was die Mitglieder bestellen. Deswegen ist jede Auflage unterschiedlich.
Die war klein damals, Richter wollte man nicht. Ah, jetzt hast du es verraten. Sehr gut, das ist ein alter Trick. Lass mich raten, wer es ist. Gerhard Richter. Ich hätte dir jetzt unten eine rechte Bildrand nach unten geführt, da hat er Hand unterschrieben. Das ist aber sehr schön, dass die Drucker gewinnen lässt auch ein gewisses Einzelstück wert, weil die Künstlerinnen dann immer kommen und sich tagelang die Hände wundschreiben beim Signieren.
Das heißt, dann ist 1969 Gerhard Richter nach Hamburg gekommen und hat die Auflage von, ich weiß nicht wie groß sie war, unterschrieben. Und hier in dem Blatt, was wir abbilden, ist rechts unten das Autograf von Gerhard Richter zu sehen. Das musst du auch nochmal erklären, also Gerhard Richter. Interessant, weil damals Mann von Gerhard Richter, war der 1969, war der unbekannt nahezu?
Nein, in den 60er Jahren hat er, also der ist ja erst, der ist ja auf Dresden, hat erst in der DDR gearbeitet, war dort glaube ich auch, also der hat glaube ich auch Bühnenmalerei, Studie, ich weiß es gar nicht ganz genau, der hat jedenfalls da DDR-konform gearbeitet, ihm wurde aber langsam klar, dass das nicht sein Ding ist, dass er sich tatsächlich für Avogad interessiert, die in der DDR nicht möglich war.
Aber daraufhin hat er Seiten gewechselt und ist nach, ich glaube, Köln gezogen. Also heute ist er in Köln, wo er zwischendurch war, weiß ich gar nicht so genau. Und hat aber in den 60er Jahren zuerst mit zwei weiteren, Henk war dabei, jetzt muss ich kurz überlegen, wer der Dritte im Bunde war. Die haben jedenfalls erst einmal so ein bisschen antikapitalistische Agitprop gemacht.
Und er war aber immer derjenige, der sich für Bild interessiert hat. Und in den 60er Jahren wurde er bekannt, weil er anfing, graue Bilder zu malen, die er dann mit so einem Rakel verschliert hat. Dadurch hat er Fotos aus Zeitungen abgemalt, ganz berühmt, sehr, sehr viele. Und die hat er dann aber leicht verfremdet, indem er sie abgezogen hat.
Und diese Art, ein Bild zu befragen, die war in den 60er Jahren tatsächlich heiß diskutiert, weswegen er unter Museumsmenschen kein Geheimtipp mehr war, sondern tatsächlich... Also ein sehr, sehr, wenn man das als Künstler schon arriviert, hätte ich fast gesagt, jedenfalls jemand, der heiß diskutiert wurde.
Diesen super kapitalistischen Schwung nach oben hat er erst in den 90ern gemacht, also als dann auf einmal der Markt ihn entdeckt hat. In den 60ern war er ein Museumsmaler sozusagen, ein Konzeptmaler. Und dann hast du eben gesagt, das ist, finde ich, interessant, weil man sich das ja immer fragt, wenn man Kunst erwerbt. Das eine ist, man kauft ein Original.
Das ist ja für den normalen Menschen in der Regel nicht möglich, also zumindest nicht von einem bekannten Künstler. Die ist aber so ein Druck, von dem es da vielleicht 100, 200, 300 gibt, der aber original unterschrieben ist. Wie ist der dann einzuschätzen? Ich muss da natürlich so wieder, und damit kann ich dich natürlich in diesem Jahr sowieso nicht in Ruhe lassen, an Udo Lindenberg denken, der ja Ende vergangenen Jahres auch einen Druck gemacht hat, ein Bild, das er gemalt hat zu seinem Superhit Komet mit Apache 207, wo dann glaube ich 200 Stück für 2700 Euro ungefähr verkauft worden sind, die er dann alle nicht nur handsigniert hat, sondern jeder, der da ein Bild gekauft hat, durfte sich noch eine 25 Zeichen lange Botschaft von Udo darauf wünschen.
Aber wirklich nur 25 Zeichen, da waren nicht 26 und nicht 27 und die Leerzeichen zählten auch mit. Also wie ist dann sozusagen das Verhältnis von Original zu fast Original, aber mit originaler Unterschrift? Wie wichtig ist die originale Unterschrift? Ich glaube, da ist ein ganz weites Spektrum. Ich glaube, ich weiß, da ist ein ganz weites Spektrum.
Also wenn so ein Druck berühmt wird und der von der Art Richter wurde ein bisschen berühmt, wie gesagt, weil er damals eher nicht, da wurde nicht das gesehen, was wir heute drin sehen. Und bei Lindenberg hast du jetzt genau das andere Phänomen, die sind ja quasi Originale. Also wenn auf jedem dieser Bilder ein anderer Text steht, dann ist jedes dieser Bilder ein unverwechselbares Original.
Bei einem Druck wie dem vorliegenden wechselt noch die Handschrift, aber man guckt natürlich drauf und stellt fest, nee, hat aber der Künstler selbst signiert. Das heißt, er hat es einmal in der Hand gehabt, dass unsere Gesellschaft das sehr, sehr hoch wertet. Und der Preis richtet sich natürlich nach dem, was Leute bezahlen können.
Das heißt also, wenn dieses Bild vor uns tatsächlich verbotenerweise auf den Markt kommt, und es findet sich ein Venture-Capitalist, der das unbedingt haben will und dafür bereit ist, es müsste sich zwei finden, damit sie sich gegenseitig den Preis hochtreiben, dann kann das alle möglichen Preise annehmen.
Also über Preise weigere ich mich nicht mehr zu reden, weil die sind außerhalb meiner Sphäre. Ich kann nur sagen, bei der Griffekunst reden wir von identifizierbaren. Reproduktionsgrafiken, die eine Geschichte haben, die sie zu etwas ganz Besonderes machen. Und weil sie nicht kommerziell sind, sind sie halt eben eigentlich auch nicht auf dem Markt.
Aber das ist interessant. Also nehmen wir jetzt mal an, bleiben wir mal bei Udo Lindenberg, das ist nicht ganz so eine große Nummer wie Gerhard Richter, wobei ich mal irgendwo gelesen habe, dass die beiden sich so betteln, im Sinne von, Gerhard Richter liegt da drüber, aber dass die Erlöse, die Udo Lindenberg mit seinen Bildern erzielt, auch in Regionen kommen, die gar nicht so weit von denen von Gerhard Richter entfernt sind, aber, nehmen wir mal an, man hat so einen Plattencover von Udo Lindenberg, das ist ja gedruckt, und dann malt er dann nochmal sein Signet drauf und unterschreibt und schreibt noch für Alexander und so, dann ist das ein Kunstwerk in dem Moment?
Nee, dann ist es ein Original. Ein Original erstmal, okay. Original, also das ist etwas, ich weiß ja nicht, wie Autografen gehandelt werden, da gibt es bestimmt auch einen Markt dafür. Ein Kunstwerk muss natürlich, also da sind wir immer so bei Udo Lindenberg, ist ja immer mit der Diskussion, wie viel bildende Kunst steckt da drin und wie viel Rockstar steckt da mit drin.
Ich habe ihn ja sehr nett besucht und wir haben uns da sehr nett unterhalten. Er sieht das natürlich auch so, seine Berühmtheit stammt vom Rockstar sein, nicht vom gute Bilder malen. Die guten Bilder malt er schon auch und die haben auch ihre Community. Aber tatsächlich die Kunst vorangebracht, also die bildende Kunst vorangebracht, das würde er, glaube ich, nicht claimen, dass er getan hat. Und da ist bei Gerhard Richter einfach eine andere Nummer.
An Gerhard Richter richten sich wahnsinnig viele nachfolgende Künstlerinnen aus, stellen sich dazu, kommentieren das. Also der hat tatsächlich in der Kunstgeschichte etwas bewirkt. Übrigens ist das gleiche, was Udo in der Popmusik, in der Rockmusik bewirkt hat, weil es ja ganz viele Künstler gibt, die sich auf ihn berufen.
Aber man muss sagen, bei Schweizer Alpen 1 heißt, das gibt es, wie oft, wisst ihr das, wie oft es das gibt? Ich weiß nicht, wo die Auflage damals war. Das hätte ich vorher mal recherchieren können. Also die Auflage, das rangiert, glaube ich, immer so in den Hunderten. Ich weiß nicht, was wenig war damals. Vielleicht ist sie in einer niedrigen Hunderter Auflage entstanden.
Keine 120 oder sowas. Ich müsste mal Dirk Dobke fragen, der steht der Griffekunst vor, der kennt alle Zahlen. Hätte ich mich mal vor dem Ding mit Zahlen beschäftigt. Aber es war eine kleine Auflage. Aber dann ist es ja interessant, wenn du in dieser Griffekunstvereinigung bist und ein bisschen Glück hast, wie die Leute, die 1969 da drin waren, die haben jetzt im Zweifel zu Hause oder deren... Ein Bild mit Geschichte.
Ein Bild mit Geschichte und ein Bild von einem echten Gerhard Richter. So ist es. Genau, das ist ja der Reiz davon. Übrigens, bei uns zu Hause ist es so, denn jedes Jahr schauen wir uns zu viert an, was so im Jahr da war. Wir schauen uns auch mal gemeinsam die Wahlen an und dann wird in der Familie gevotet.
Das ist, was der Johannes Böse eigentlich wollte, dass Menschen über Kunst sprechen, dass auch Menschen, die vielleicht der Kunst eher skeptisch gegenüberstehen, wie meine beiden Söhne, sich damit beschäftigen und die dann. Kunst in ihr Leben bringen. Das wollt ihr gerne haben. Das ist ein netter Seiteneffekt, dass man da große Namen haben kann.
Also durch Griffekunst hat alle große Namen des 20. Jahrhunderts. Also wer neugierig ist, noch ein paar Tage läuft bei uns die Griffekunst Ausstellung und da kann man mal aufgucken, was in diesen 100 Jahren alles passiert ist und wer da alles beteiligt war. Also das ist schon was Tolles. Und man hat Kunstgeschichte der Wohnung hängen.
Und warum sind deine Jungs noch skeptisch, obwohl der Papa doch Direktor der Hamburger Kunsthalle ist? Ja, die sind jetzt in ihren Teens, da wird mit Skepsis betrachtet, was der Papa macht. Nein, also sie kennen den Sprech, sie sind natürlich damit irgendwie groß geworden, aber es reizt sie natürlich auch mich zu provozieren und schulterzuckend zu sagen, komm, so wichtig ist das auch, wie nenne ich, es ist mein Lebens- und Berufsinhalt.
Gott forbid, dass es der Lebens- und Berufsinhalt meiner Kinder wird. Nein, die wissen, Die wissen, wir haben viel mit Künstlern Umgang, die kennen viele Künstler, die gehen in Ateliers wie ich, die wissen, wie man sich da verhält. Das schon, nein, aber sie grinsen dann so. Beim Auswählen geht es um Geschmack, nicht um Kunstgeschichte und da wählen wir gemeinschaftlich aus nach Geschmack und nicht nach Kunstgeschichte.
Und wir haben wieder viel gelernt. Liebe Alexander, vielen Dank, liebe Hörer und Hörer, vielen Dank, dass Sie zugehört haben. Die Griffel-Kunstvereinigung, man kann versuchen, da Mitglied zu werden, aber wir haben auch gelernt, ganz so leicht ist es nicht. Wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dahin. Tschüss.