Im Krisenmodus· Folge 105

Bundeswehr in Litauen – NATO-Brigade an der Front

Mittwoch, 13. August 2025 · 34 min

MP3

Shownotes

Panzer, Patrouillen, permanenter Auftrag: Was macht ein deutscher Marder-Schützenpanzer im litauischen Wald? Wie bereitet sich die Bundeswehr auf einen möglichen Krieg vor? In Litauen entsteht mit der Panzerbrigade 45 eine neue Einheit der NATO-Abschreckung. In dieser Folge von „Im Krisenmodus“ spricht FUNKE-Kriegs- und Krisenreporter Jan Jessen (nrz.de/autoren/jan-jessen) mit Soldaten und Brigadegeneral Christoph Huber über den Alltag im multinationalen Bataillon, die psychische Belastung und Familie. Eindrücke und Stimmen zwischen Übungsplatz und geopolitischer Realität.
Und Jan fragt: Sind Panzer im Zeitalter der Drohnen noch sinnvoll – oder ein Relikt vergangener Kriege?

👤 GÄSTE / INTERVIEWTE

Christian, Hauptfeldwebel, Panzerkommandant
Dennis, Hauptgefreiter, Panzergrenadier und Kraftfahrer
General Christoph Huber, Kommandeur der Bundeswehrbrigade Litauen
Marcel, Stabsgefreiter, Kraftfahrer
Malte, Oberstabsgefreiter, Richtschütze

🧭 Kapitelübersicht
1 | Zehn Sekunden bis draußen – mit Christian im Marder
Jan fährt mit Hauptfeldwebel Christian. Es geht um Alltag im Schützenpanzer, die Nähe zur Suwalki-Lücke – einer der sensibelsten Punkte der NATO-Ostflanke – und darum, wie Familie und Einsatz zusammengehen.
2 | Großgerät, große Verantwortung – Dennis über seinen Panzer
Dennis schwärmt vom „coolsten Job“ der Welt, spricht über Verantwortung im Einsatz – und darüber, was die Bundeswehr im Rahmen der NATO-Mission in Litauen leistet.
3 | Vorbereitet auf den Ernstfall – General Huber und Marcel
General Huber erklärt, warum die Panzerbrigade 45 nicht nur trainiert, sondern für den Ernstfall bereitstehen muss – und welche Botschaft sie an Russland sendet. Marcel spricht über Ausbildung in der multinationalen Truppe.
4 | Ausbildung, Abschreckung und Jans Fazit
Malte betont die gute Ausbildung und den Umgang mit Angst. General Huber spricht über Abschreckung als Kernauftrag. Jan zieht sein Fazit, mit der Hoffnung, dass der Ernstfall nie eintritt.

🎧 Hör-Empfehlungen

Podcast-Folge über Die Drohnenpioniere der Ukraine (morgenpost.de/podcast/article407566307/die-dro…)
Welche besondere Rolle (nrz.de/podcast/article409037996/carlo-masala-i…)Drohnen (morgenpost.de/podcast/article405190790/von-auf…) von Anfang in diesem Krieg gespielt haben
Podcast-Folge mit Carlo Masala über die Ukraine (nrz.de/podcast/article409198869/carlo-masala-t…)
Die Geschichte um Oleh (morgenpost.de/politik/article242288752/Oleh-wo…) und die Podcast-Folge dazu (morgenpost.de/podcast/article405797940/zwei-ja…)

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Zehn Sekunden. Mehr Zeit bleibt nicht. Wenn es ernst wird, muss es schnell gehen. Wenn sich die Luka am Heck des Marderschützenpanzers öffnet, müssen die sechs Soldaten im hinteren Kampfraum raus. Voll ausgerüstet. Zehn Sekunden bis draußen. Zehn Sekunden in eine Situation rein, wo draußen Geschosse einschlagen, wo Kampflärm ist, wo der blutige Ernstfall stattfindet.

Ich bin in Litauen, nicht weit entfernt von der Grenze zu Belarus, in einer Region, die als die am meisten Gefährdete im gesamten NATO-Gebiet gilt. Seit neun Jahren ist in Rukla eine NATO-Truppe mit Soldaten aus mehreren Ländern im Einsatz. Deutschland hat dabei die Führung, es sind aber auch Soldatinnen und Soldaten aus den Niederlanden, aus Norwegen und aus anderen NATO-Staaten im Einsatz.

Die an der Truppe beteiligten Einheiten wechseln alle sechs Monate durch. Doch jetzt verändert sich etwas. dass das multinationale Kampfbataillon wird Teil einer neuen Struktur der Panzerbrigade 45. Deutschland wird erstmals einen militärischen Großverband außerhalb des eigenen Landes stationieren. Das ist was Neues, das ist auch ein Indiz sicherlich dafür, dass wir wirklich eine Zeitenwende erleben, die eingeläutet worden ist mit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022.

Die Idee dieser Panzerbrigade 45 ist, das wird ein hochgerüsteter, supermoderner und super schlagkräftiger Kampfverband werden, von dem zwei der drei Bataillone, die in diesem Verband drin sind, fest vor Ort bleiben. Das wird das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach sein, das ist in Bayern, und dem Panzerbataillon 203 aus Augustdorf in Nordrhein-Westfalen.

Und ein Teil, das multinationale Kampfbataillon, das eben seit neun Jahren in Ruckler ist, das wird auch Teil der Einheit werden. Die sind allerdings dann nicht feststationiert vor Ort. Die Panzerbrigade 45 wächst zurzeit auf. Am Ende sollen es bis zu 5000 Soldatinnen und Soldaten, Kampfpanzer, Schützenpanzer, Wergepanzer, Munitionsdepots, Werkstätten, jede Menge Drohnen und andere Dinge sein, die in Litauen stationiert werden. Das ist ein riesiger logistischer Kraftakt.

Und ja, diese Brigade wird, das habe ich ja gerade schon gesagt, in einem Gebiet stationiert, während das am meisten Gefährdete im gesamten NATO-Raum gilt, nämlich unweit der sogenannten Sovalke-Lücke. Die Weike-Lücke, das ist ein 65 Kilometer breiter Landkorridor zwischen Polen und Litauen und der gilt als strategisch verbundbarster Punkt der NATO.

Sollte Russland etwa über Belarus oder über die russische Exklave Kaliningrad angreifen und versuchen, diesen Korridor zu besetzen, dann wären die baltischen Staaten militärisch isoliert. Also wie gesagt, einer der verbundbarsten Stellen der NATO. Also wenn es zu einem bewaffneten Konflikt mit Russland kommen sollte, wäre das wohl ein Punkt, wo Russland als erstes angreifen würde.

Ich bin nach Litauen gefahren, um die Soldaten vor Ort mal zu sprechen, mit ihnen zu reden darüber, wie sie über den Krieg, wie sie über ihren Einsatz denken, wie die Moral ist, wie sie sich fühlen, auch fern der Heimat da unterwegs zu sein. Christian, das ist einer der Soldaten, die ich in Rukla getroffen habe, in einem Schützenpanzer Marder und er ist der Kommandant dieses Marders.

Ich sage immer gerne Frieden und Sicherheit. Das kann man sich nicht an der Tankstelle oder im Supermarkt kaufen. Es bedarf halt Menschen, die sich dafür einsetzen. Und genau das tun wir hier. Und das tun wir auch aus Überzeugung. Music. Im Krisenmodus. Der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt.

Mit Journalist Jan Jessen. Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der Neue Ruhe, Neue Rheinzeitung und Kriegs- und Krisenreporter für die Funke Mediengruppe. Ihr lest meine Berichte im Hamburger Abendblatt, der Berliner Morgenpost und anderen Funke-Zeitungen. In dieser Folge nehme ich euch mit an die NATO-Ostflanke, genauer gesagt nach Litauen.

Dort entsteht gerade eine neue Brigade, der erste Großverband der Bundeswehr, der nicht fest in Deutschland stationiert ist, sondern im Ausland. Das ist wie gesagt ein Novum. Das gab es bislang seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland nicht. Es ist ein sehr sensitiver Einsatz, muss man sagen.

Auf der einen Seite, wie gesagt, ist Litauen sicherlich im gesamten NATO-Kontext die gefährdetste Region aufgrund des Sowalki-Korridors, dieser Landverbindung zwischen Polen und den baltischen Staaten. Ein schmaler Korridor, eine Lücke, die flankiert wird links und rechts, beziehungsweise westlich und östlich.

Einmal von Belarus, dem engsten Verbündeten Russlands und im Westen von Kaliningrad, der russische Exklave, die militärisch auch relativ hochgerüstet ist. Und auf der anderen Seite ist es nicht das erste Mal, dass Deutsche in Litauen sind. Zwischen 1941 und 1944 war die deutsche Wehrmacht in Litauen, hat da furchtbare Verbrechen begangen, sehr, sehr viele jüdische Menschen insbesondere getötet, ermordet.

Und das ist natürlich auch etwas, was bei so einem Einsatz mitschwingt. Da bedarf es also besonderer Sensibilität natürlich auch der deutschen Soldatinnen und Soldaten, die ja im Einsatz sind. Und auch darüber habe ich dann eben mit den Menschen vor Ort gesprochen. Ich habe also die Bundeswehrsoldaten in Rukla schon, die sind da im Straßenbild zu sehen, wenn man da unterwegs ist.

Offensichtlich sind sie da auch sehr gerne gesehen, denn wir waren an dem Abend, bevor wir dann die Bundeswehrsoldaten getroffen haben, waren wir in einem Restaurant, haben da gegessen und dann waren auch einige Soldaten in Uniform vor Ort. Und das war ein offensichtlich sehr, sehr gutes Verhältnis mit der Bevölkerung in Rukla.

Rukla ist übrigens so ein kleines Städtchen mit ein paar tausend Einwohnerinnen und Einwohnern. Und da fällt die Bundeswehr natürlich auf, wenn da Soldaten in Uniform durch die Gegend laufen. Und am nächsten Tag sind wir dann eben zu der Kaserne des multinationalen Kampfbataillons gegangen. Die Soldatinnen und Soldaten, die jetzt gerade aus Deutschland gekommen sind, das sind Leute vom Panzergrenadierbataillon 411 aus Vorpommern.

Die sind jetzt seit ein paar Tagen da vor Ort und richten sich jetzt erstmal ein. Das ist ja immer so, wenn Soldaten oder Einheiten durchrotieren, so nennen sie das, dann muss nochmal alles neu aufgebaut werden und die sortieren sich dann gerade neu. Und so war das eben auch mit den Soldaten, die ich da getroffen habe.

Wir sind da mit so einem Marder-Schützenpanzer ein bisschen rausgefahren. Marder-Schützenpanzer ist ein relativ kleiner, wendiger Panzer. Und die Idee hinter einem Schützenpanzer ist, also der fährt eben rein ins Gefecht, Da hinten im hinteren Kampfraum, so wird das genannt, haben sie dann im Ernstfall sechs Soldaten sitzen, die dann schwer ausgerüstet sind mit Panzerfaust, mit Maschinengewehr, mit Sturmgewehr.

Mit Granatpistolen und anderen Dingen. Und die werden dann sozusagen im Gefecht rausgelassen, die müssen dann rausstürmen und dann eben vor Ort kämpfen, und die Panzerbesatzung sichert das ab, da ist also ein schweres Maschinengewehr oben oder eine schwere Maschinenkanone oben auf dem Turm und mit dieser Maschinenkanone würden die also im Ernstfall dann die Leute absichern oder den Feuerschutz geben, die da abgesetzt werden.

Und der Christian, 40 Jahre, das ist ein Hauptfeldwebel und der ist Kommandant dieses Fahrzeugs. Also der hat unter sich den Fahrer dieses Fahrzeugs und der hat den Richtschützen unter sich und wie gesagt, würde im Ernstfall dann erklären oder befehlen, wohin das Fahrzeug fährt, wohin geschossen wird und so weiter.

Christian, der war schon mal in Hukla, das war der einzige von diesen Jungs, die ich da getroffen habe. Der schon mal in Hukla war, das war 2022, natürlich just zu der Zeit, als der Konflikt in der Ukraine richtig losgebrochen ist mit dem russischen Überfall auf die Ukraine und sollte er dann wieder rein rotiert werden, 2027, dann soll nämlich diese Panzerbrigade 45 voll ausgestattet sein, dann würde er auch nicht mehr mit dem Marder fahren, das ist ein Auslaufmodell.

Sondern mit dem Puma S1, das ist das Nachfolgemodell des Marders. Der wäre dann in einer Brigade eingesetzt, in der wirklich nur das modernste Militärgerät zum Einsatz kommt, also Leopard A8, das neueste Modell des Kampfpanzers Leopard. Wie gesagt, dieser Puma schützt im Panzer S1, die Panzerhaube zu 2000.

Und auch anderes modernes Kriegsgerät, also beispielsweise Drohnen, die wollen sie da auch einsetzen, ob das jetzt Landdrohnen sind oder Angriffsdrohnen, sogenannte Loitering Ammunition nennen sie das. Das sind dann Kamikaze-Drohnen, die eingesetzt werden oder Abwehrdrohnen und Aufklärungsdrohnen. Also das soll eine hochgerüstete, supermoderne Einheit werden, diese Panzerdrigade 45.

Und natürlich ist das, was diese deutschen Soldaten da in Litauen machen, jetzt nicht einfach La Polar, einfach irgendwelche Übungen oder sonst was, sondern es geht ganz konkret darum, dass vor Ort ein Verband geschaffen wird, der deswegen auch so schlagkräftig ist, weil er eben zur Abschreckung dienen soll.

Also es soll verhindert werden, dass russische Kräfte, sollte Russland jemals auf die Idee kommen, was eine ziemlich verrückte Idee wäre, by the way. Aber jemals auf die Idee kommen, die NATO anzugreifen. Dann, wie gesagt, wäre wahrscheinlich diese Solvalki-Lücke zwischen Kaliningrad und Belarus der erste Punkt, wo Russland attackieren würde, um die baltischen Staaten abzuschneiden von Polen und damit dem restlichen NATO-Gebiet.

Und was die deutschen Soldaten da eben vor Ort machen sollen, ist eben abzuschrecken. Deswegen eben so schlagkräftig, deswegen so modernes Gerät, weil man eben verhindern will, dass Russland da auf dem Boden sozusagen die Solvalki-Lücke schließt. Und, wie gesagt, die waltrischen Staaten von Polen isoliert.

Und Christian, wie gesagt, der war im Jahr 2022 schon mal vor Ort bei einer Rotation und ist jetzt, wie gesagt, zum zweiten Mal da. Und er hat damals natürlich miterlebt, wie Russland die Ukraine überfallen hat im Februar 2022 und macht sich da auch so seine Gedanken drüber. Ja, natürlich geht der Ukraine-Konflikt nicht spurlos an uns vorbei.

Wir versuchen dementsprechend täglich unsere Hausaufgaben zu machen und so viele Erkenntnisse wie möglich aus diesem Konflikt zu gewinnen. Diese neue Brigade, die jetzt geschaffen wird, das ist eine Brigade, die auch von diesem neuen Selbstverständnis der Bundeswehr zeugt. Natürlich hat die Bundeswehr schon Auslandseinsätze gehabt. In Afghanistan beispielsweise, wo sie auch schon im Gefecht stand.

Dieses berühmte Karfreitagsgefecht, wo ja auch drei Soldaten gefallen sind. Das ist eine traumatische Erfahrung auf der einen Seite gewesen, aber auf der anderen Seite hat die Bundeswehr durch die Auslandseinsätze Sicherlich schon gelernt, aber man muss sagen, jetzt nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022.

Und dem veränderten Verhältnis zu den USA stellt die Bundeswehr sich völlig neu auf. Also es wird unfassbar viel Geld ausgegeben und in die Hand genommen, um die Bundeswehr zu einer modernen und schlagkräftigen Truppe zu machen. Da kann man sicherlich viel drüber diskutieren, ob das Geld ist, was nicht irgendwie dann doch zum Fenster rausgeschmissen wird.

Ich bin ja der Meinung, dass es erstmal auf europäischer Ebene eine Angleichung eben von Beschaffungssystemen oder von Beschaffungswesen, das ist eine gemeinsame europäische Rüstungsindustrie, eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik bräuchte, bevor jetzt jedes Land irgendwie hunderte von Milliarden in die Hand nimmt, um die eigenen Armeen aufzurüsten.

Ich glaube, da wird viel Geld tatsächlich dann verspendet. Aber wie gesagt, das ist eine politische Diskussion, die sicherlich auf anderer Ebene geführt werden muss. Aber wie gesagt, für die Bundeswehr bedeutet das jetzt, wir gehen jetzt wirklich nach vorne. Das ist auch etwas, was beispielsweise die Baltischen Staaten und auch Polen sehr, sehr begrüßen, dass Deutschland da jetzt mittlerweile eine Führungsrolle übernimmt.

Man hat also weniger Angst vor einem aufgerüsteten Deutschland, als dass man sagt. Wir freuen uns darüber, dass Deutschland jetzt Verantwortung übernimmt, dass Deutschland da auch ein Stück weit nach vorne geht und dass Deutschland zeigt, wir können auch ohne die Amerikaner und wir müssen auch ohne die Amerikaner und dass das eben irgendwie jetzt mittlerweile verstanden ist.

Und insofern ist das sicherlich, was der seinerzeitige Bundeskanzler Scholz gesagt hat, als die Russen die Ukraine überfallen haben, dass das eine Zeitenbende sei, ist das mit Sicherheit auch eine Zeitenbende für die Bundeswehr. Jetzt soll die Bundeswehr kriegssüchtig gemacht werden. Das ist ein Begriff, der natürlich erstmal zusammenzuckt, wenn man den hört.

Aber es ist, simple as it is, das ist eben genau das, was jetzt gerade passiert. Sie soll kriegssüchtig sein, um entsprechend abschrecken zu können. Das ist nicht nur technisch, logistisch und finanziell ein Riesenaufwand, sondern auch ein menschlicher Kraftakt. Denn diese Soldaten, die jetzt so lange von der Heimat weg sind, die haben natürlich Familien zu Hause. Und da ist natürlich immer die Frage, wie geht die Familie damit um?

Das habe ich Christian, den Hauptfeldwebel und Kommandanten dieses Mörderpanzers, natürlich auch gefragt. Ja, auch die Familie, die macht sich natürlich immer Sorgen. Aber das Gute ist hier, man kann ja doch täglich Verbindung halten. Ich kann jeden Tag telefonieren. Das ist kein Problem. Ja, die Familie ist letztendlich immer meiner Meinung nach die, die am meisten darunter leidet. Ja, weil meine Lebensgefährtin, ja, die liegt jetzt zu Hause in unserem Bett alleine.

Die hat den Alltag in der Wohnung ohne mich. Ja, natürlich auch der Rest der Verwandtschaft. Für die ist es schwer. Aber ich sage denen auch jeden Tag, die müssen sich keine Sorgen machen. Uns geht es gut. Wir haben uns gegenseitig, wie gesagt, Passt alles. Zumindest für einen Teil dieser Panzerbrigade 45 wird die Trennung von der Familie eben nicht so lange sein.

Es gibt ja, das habe ich vorhin ja gesagt, von den drei Bataillonen, die in diese Panzerbrigade 45 eingesetzt werden, werden zwei fest vor Ort stationiert werden. Ein Bataillon wird weiterhin durchrotieren, alle sechs Monate, aber zwei werden da fest stationiert werden. Das heißt, die Menschen, die dort eingesetzt werden, die Soldatinnen und Soldaten, aber auch die zivilen Beschäftigten, die werden da vor Ort wohnen.

Teilweise Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, also ganze Karrieren sollen da gemacht werden. Und deswegen entsteht südlich von Vilnius, der Zert, eine komplett neue Anlage für die Bundeswehr. Das sind Kasernengebäude, da werden Kitas gebaut, da werden Schulen gebaut, da werden Wohnhäuser gebaut. Und das Ganze übernimmt die litauische Regierung, die also will, dass Deutschland da vor Ort ist und Deutschland sich dort stark macht.

Und da entsteht also gerade eine Rieseninfrastruktur. Das ist auch für die Litauer natürlich ein Megakraftakt, den sie da gerade stemmen. Also für über 3000 Leute die entsprechende Infrastruktur zu schaffen, das ist schon ein gewaltiger Akt. Aber wie gesagt, das passiert gerade, das wird gerade mit Nachdruck nach vorne geschoben.

Das Ganze muss man auch sagen, diese Panzerbrigade 45 ist auch ein absolutes Prestigeprojekt. Das ist ja seinerzeit mehr oder weniger in Eigenregie von Verteidigungsminister Pistorius ins Leben gerufen worden und angestoßen worden. Mittlerweile haben sich alle dahinter geklemmt. Kurz bevor wir da waren in Litauen, war Finanzminister Klingbeil vor Ort.

Als die Gründung der Panzerbrigade 45 offiziell gefeiert worden ist, Wir waren in Vilnius, also der Hauptstadt von Litauen. Unser Bundespräsident Steinmeier war auch schon vor Ort. Also das ist schon ein sehr, sehr hoch aufgehängtes Projekt. Und auch in Litauen. Ist es eben ein Projekt, wo wirklich mit Nachtut dann gearbeitet wird, um das nach vorne zu bringen.

Die Soldaten, mit denen man darüber spricht, die freuen sich auch darüber. Das ist natürlich für die auch was anderes, als in Deutschland im Einsatz zu sein, in Litauen, in einem Gebiet, wo möglicherweise eben auch was passieren könnte, aber wo eben ihr Job sie auch ein Stück weit mit Sinn erfüllt. Und einer dieser Soldaten ist Dennis.

Das ist der Fahrer dieses Marderschützenpanzers. Über den habe ich auch kurz gesprochen. Ich muss sagen, ich glaube, das ist der coolste Job. Großes Gerät fahren, ich glaube, das träumt jeder von. Aber es bringt auch große Verantwortung. Große Gerät, große Verantwortung. Aber es ist ein sehr guter Dienstposten.

Ja, also wie gesagt, Dennis scheint ja wirklich happy zu sein, dass er in diesem Ding sitzt und in den Panzer fahren kann, aber man muss dazu auch sagen, Panzer fahren ist jetzt im Ernstfall auch natürlich kein ungefährlicher Job. Also in einer der vorherigen Folgen haben wir ja mal, die können wir euch in die Shownotes packen, mal über einen jungen Mann gesprochen, den ich in der Ukraine kennengelernt habe, Oleg.

Und die Ukraine ist ja unterstützt worden mit bislang ungefähr 140 Marderschützenpanzern aus Deutschland. Von denen sind über 40 schon zerstört worden oder schwer beschädigt worden. Wird ein Marder-Schützenpanzer zerstört oder beschädigt, heißt das auch, dass die Besatzung leidet. Und diese Folge über den jungen Mann Oleg, die wir seinerzeit gemacht haben, das war so eine, die mir auch so ein bisschen nahegegangen ist, gerade diese Begegnung mit Oleg, denn der war Richtschütze in einem Bradley-Schützenpanzer, das ist ein ähnliches Modell wie der Marder, oder hat dieselben Aufgaben.

Und Oleg hat erst seinen Fahrer verloren im Juli 2023 und ist dann selber später gefallen, als eine Rakete in einem Fahrzeug explodiert ist. Und insofern, sollte es da zum Ernstfall kommen, ist die Frage, ob Dennis immer noch davon spricht, dass das der coolste Job ist ever. Denn wie gesagt, dann steht einfach das eigene Leben auf dem Spiel.

Und wenn man so einen zerstörten Schützenpanzer in der Ukraine sieht, das ist schon heftig, wie solche Fahrzeuge aussehen, wenn die den Volltreffer kriegen. Gleichwohl sagt Dennis eben auch, warum er sich bei der Bundeswehr gemeldet hat. Auch da darf man nicht vergessen, diese Leute, mit denen ich da vor Ort gesprochen habe, sind natürlich vorher von den Presseoffizieren der Bundeswehr gebrief worden.

Das waren jetzt keine zufälligen Begegnungen, die wir da hatten. Sondern das waren Begegnungen eben mit Leuten, die schon vorher natürlich gebrief worden waren. Und dass die da jetzt nicht kritisch über die Bundeswehr sprechen würden, war völlig klar. Aber trotzdem ist es natürlich interessant, mit denen zu sprechen.

Und Dennis sagt ihm auch, warum er sich hier für die Bundeswehr entschieden hat. Weil die Bundeswehr schon mal ein attraktiver Arbeitgeber war und auch einfach den Sachen geschult hat, dass man, wenn man acht Jahre dient, drei Jahre Bundesförderungsdienst genießen kann und dort eine Ausbildung machen kann, die einem beliebt, man wird gefördert, unterstützt.

Man muss sich dann um Geld zum Beispiel auch keine Gedanken auch nach der Dienstzeit machen. In Ruckler arbeiten Dennis und Christian und die anderen Soldaten dieses multinationalen Kampfbataillons für jeweils sechs Monate. Die machen da eben ihren Dienst, gucken, dass die Dinge da vernünftig laufen, üben natürlich auch jede Menge vor Ort für den Ernstfall.

Und ein paar Kilometer weiter in Vilnius, der Hauptstadt von Litauen, da sitzt Brigadegeneral Christoph Huber. In einem wirklich fenzigen Bürogebäude ist und mit schwarzer Fassade sieht, wie gesagt, ganz nice aus, dieses Gebäude. Im Bürogebäude sind ein paar Startups drin, litauische Startup-Firmen und wie gesagt, das wirkt auch alles wie man so ein typisches Startup- Gebäude sich ihm so vorstellt und da sitzt im siebten Stock die Bundeswehr, hat sich da jetzt eingerichtet und die Aufgabe von Brigadegeneral Christoph Huber ist es eben.

Diese Panzerbrigade 45 aufzubauen. Das ist alles noch sehr am Anfang. Die haben jetzt gerade mal den Kommandostab da vor Ort, die haben eine Fernmeldeeinheit da vor Ort und eine Stabsunterstützungskompanie da vor Ort. Also das sind um die 600 Leute, die bislang da sind. Für ihn ist jetzt die große Aufgabe, diese Panzerbrigade 45 aufzubauen.

Und er erklärt auch nochmal dezidiert, warum es so wichtig ist aus seiner Sicht, aus Sicht der Bundeswehr, diese Panzerbrigade da vor Ort in Litauen zu haben. Ich glaube, Abschreckung kann man davon ja gut lernen. Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor. Ich glaube, das ist das Wesentliche, das wir hier machen.

Wir haben das große Ziel, bis Ende 2027 eine kriegstüchtige Brigade zu sein, eine einsatzbereite Brigade zu sein, damit wir genau das verhindern können, damit wir klar Signal setzen können, bis hierhin und nicht weiter. Ja, bis hierhin und nicht weiter, das ist eine ganz klare Ansage. Das sind natürlich spannende Töne, die man von der Bundeswehr vielleicht vor 20, 30 Jahren niemals gehört hätte.

Also dass ein Brigadegeneral sich hinstellt und sagt, so, wir brauchen eine kriegssüchtige Brigade, wir müssen ein Signal setzen, bis hier und nicht weiter. Das ist ja Klartext, den es früher sicherlich nicht gegeben hatte. Ich weiß, also die ersten Kontakte mit der Bundeswehr hatte so vor 20, 30 Jahren im Kosovo, da war das alles immer noch so auf der Ebene, naja, wir bauen in Brücken und machen irgendwie schöne Sachen, nice Sachen, aber wir sind am Ende, dass es dann tatsächlich mal zu kriegerischen Auseinandersetzungen, in die die Bundeswehr involviert ist, kommen könnte.

Das hat damals im Grunde genommen ja keiner gedacht. Man fühlte sich recht wohl unter dem Schutzschirm der US-Amerikaner, die ja auch in Deutschland stationiert sind immer noch. Und das hat sich aber deutlich geändert. Ich weiß noch, das erste Mal, das war tatsächlich in Kosovo, war eine Reise, wo ich dann ein paar Jahre nach dem Ende des Kosovo-Krieges war, In Prischren. Und da habe ich mit einem Bundeswehrhauptmann gesprochen.

Er war der Erste, der mir gesagt hat seinerzeit, wissen Sie, Kernkompetenz einer Soldaten ist töten und getötet werden. Das fand ich spannend. Da haben sie sich also schon deutlich von dem, was sie mal früher waren, eben diese Bürger-In-Uniform-Geschichte, Brückenbau-Geschichten, haben sie sich schon deutlich von entfernt.

Und wie gesagt, jetzt sagt eben dieser General Christoph Huber sehr, sehr deutlich, um was es eigentlich geht, wenn man eine Brigade aufbaut. Es geht nicht darum, da vor Ort zu sein und irgendwie La Polar zu machen, sondern es geht immer darum, sich für mögliche Kriege vorzubereiten. Grundsätzlich ist es so, dass wir als NATO uns auf alles vorbereiten.

Dieser Schutz von Freiheit, Menschenrechten, Würde, der Schutz am Ende des Tages von jedem Zentimeter NATO-Bündnisgebiet. Das ist eine Aufgabe, die die NATO 360 Grad wahrnimmt. Und das bedeutet für uns als Teil der NATO-Verteidigungsplanung, damit auch wichtiger Beitrag zur Abschreckungsfähigkeit, dass wir genau ein Puzzlestein in diesem großen System sind. Und diesen Puzzle-Sein nimmt die Panzerbrigade 45 mit ihrer vorgesetzten 10.

Panzerdivision wahr, sozusagen. Ja, die Frage ist natürlich, wie bereitet man sich auf so einen Krieg vor und wie kann das funktionieren, also gerade auch in diesem multinationalen Kontext, über diesen multinationalen Kampfbataillon in Rukla. Da sitzen eben nicht nur die Deutschen, da sitzen Soldatinnen und Soldaten aus Norwegen, den Niederlanden, aus Tschechien, aus Litauen natürlich und aus anderen Ländern.

Und einer der Soldaten, die da vor Ort sind und der einfach mal gespannt ist, was da auf ihn zukommt, das ist Marcel. Marcel, der würde in der Theorie, würde er hinten in diesem Kampfraum sitzen, der würde rausspringen und kämpfen müssen draußen und er hat mir gesagt, was er jetzt so erwartet von diesem Einsatz für in der Heimat.

Und meine Erwartung, dass man hier gewisse Erfahrungen sammelt von Menschen. Auf multinationaler Ebene von anderen Kameraden, sowie einfach die Erfahrung mal von zu Hause weg zu sein. Er glaubt aber, also natürlich weiß niemand, was passiert, wenn man draußen ist. Das ist ja, ich glaube, am Ende sind Übungen Übungen.

Natürlich kann man Abläufe trainieren. Wie gesagt, wenn man hinten in so einem Schützenpanzer drin sitzt, das ist schon mega eng da drin. Also selbst wenn man ohne Ausrüstung da sitzt, hast du so einen kleinen Sitz, so einen kleinen Klappsitz, auf den du dich da setzen kannst. Es ist eng, es ist laut, wenn der Panzer fährt, es macht einen riesen Lärm.

Und die Vorstellung, dann da drin zu sitzen, voll ausgerüstet mit entsprechender Schutzausrüstung, also Helm und Panzerplatten, Weste plus einem Sturmgewehr in der Hand plus eine Panzerfaust plus Maschinengewehr und so weiter, da musst du wirklich schon sehr, sehr gut trainiert sein, um da möglichst zügig rauszugehen.

Denn der Panzer darf ja nicht zu lange stehen, also alles, was steht, ist im Gefechtsfall ja ein Ziel oder ein leichteres Ziel, also wenn er sich bewegt, simple as it is, also müssen die Soldaten da ganz, ganz, ganz schnell absitzen, das trainieren sie da, aber am Ende weiß man natürlich überhaupt nicht, was passiert, wenn es ernsthaft ist, aber wenn Übungen sind, weiß man, das sind Übungen, egal, wie realistisch die Bedingungen sind, unter denen trainiert wird, man weiß, die Munition, die da explodiert, das sind Übungsgranaten, das sind Übungsgeschosse.

Und am Ende ist es natürlich, ja, dann blutiger Ernst im schlimmsten Falle und das ist Marcel natürlich auch klar. Ja, das ist halt, die Sache mental ist halt immer schwierig zu beantworten. Ich meine, wenn wir üben, dann wissen wir halt, wir sind auf Übung und wenn es halt wirklich knallt, dann weiß man halt, okay, das ist jetzt hier purer Ernst, jetzt kommt es darauf an, wie ich ausgebildet wurde und ich muss mich auf meine Ausbildung verlassen.

Und das werden wir auch tun, definitiv, weil ich bin der Meinung, unsere Ausbildung ist sehr gut. Und demnach ist das halt einfach sehr schwierig, quasi auf die Realität umzusetzen, sage ich jetzt einfach mal. Und demnach glaube ich nicht wirklich zu vergleichen. Ja, es ist natürlich immer eine Kopfsache, wenn man da rausgeht.

Es gibt komischerweise bei Soldatinnen und Soldaten, es gibt eben Leute, die verpacken das und andere verpacken das nicht. Also das ist auch bei den Begegnungen, die ich in der Ukraine mit Soldaten vor Ort habe, immer so, dass es da Leute gibt, die sich irgendwie arrangieren mit einem Krieg, mit den Ängsten, die sie haben.

Und es gibt andere, die das eben nicht können und diejenigen, die sich einfrieren, wenn sie draußen sind, wenn es knallt, das sind dann häufig leider Gottes auch die, die dann zu Tode kommen. Und ein anderer Soldat, mit dem ich gesprochen habe, Malte, glaubt aber, dass die Ausbildung ihnen dabei helfen wird, im Ernstfall klarzukommen.

Was man merkt, diese Soldaten sind häufig schon länger zusammen, also da ist eine gewisse Kameradschaft natürlich auch untereinander. Sie sagen auch, wir sind im Grunde genommen sowas wie eine Familie. Also Hauptverband Christian sagt ja, wie schwer es sei, von der Familie, von zu Hause fern zu sein.

Aber auf der anderen Seite sagt er eben auch, wir sind sowas wie eine Ersatzfamilie hier. Wir kennen uns untereinander, wir trainieren miteinander und darauf kommt es natürlich auch an, dass man, es ist ähnlich wie bei einem guten Fußballteam, das muss natürlich aufeinander abgestimmt sein. Da muss jeder wissen, was der andere macht.

Und insofern hilft dieses Trainieren natürlich schon, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Mein Gedanke macht man sich immer, aber wir haben sehr viele Ausbildungen genossen, sind, würde ich sagen, relativ gut vorbereitet auf einen eventuellen Ernstfall. Die Kameraden sind dementsprechend gleichgültig ausgebildet und ich meine, wir spielen alle ineinander, wir können uns auf unser Nebenband vertrauen und verlassen.

Und Angst, wie gesagt, ist immer dabei, aber das schaffen wir schon. Klar ist, diese Leute, die bereiten sich auf den schlimmstmöglichen Fall vor. Ich hoffe natürlich nicht, wie jeder andere Mensch, dass es jemals dazu kommen wird. Aber ich denke, es ist ganz gut, angesichts dessen, was da in der Ukraine passiert, ist es schon relativ wichtig, dass da auch entsprechende Ausbildung gemacht wird, dass auch eine Bundeswehr sich auf den Ernstfall vorbereitet, dass eine Bundeswehr auch ihrer Verantwortung gerecht wird, dass Deutschland seiner Verantwortung gerecht wird.

Und General Huber hat nochmal sehr deutlich gemacht, um was es da geht. Das ist die Vorbereitung auf den Krieg. Nicht, weil wir ihn wollen, sondern weil wir uns da bestmöglich darauf vorbereiten, wie wir diesen Abschreckungsbeitrag dann wirklich auch effektiv leisten können. Ja, der Krieg in der Ukraine, der hat einfach alles verändert, muss man sagen.

Also das fängt damit an, dass das Verhältnis zur Trump-Administration oder zu den USA nachhaltig gestört ist, seit Trump an der Macht ist. Man weiß, man muss irgendwie jetzt mal gucken, dass Europa selber für sich Verantwortung übernimmt, selber verteidigungspolitische Verantwortung und sicherheitspolitische Verantwortung übernimmt.

Der Krieg in der Ukraine hat die Kriegsführung massiv verändert. Also diese ganzen, wenn man sieht, welche neuen Waffen da innerhalb kürzester Zeit entwickelt worden sind, auch darüber haben wir schon gesprochen, gerade das Thema Drohnen können wir euch auch in die Show Notes packen. Es sind Dinge, die alles wirklich nachhaltig verändert haben.

Und auch die Bundeswehr wird sich neu aufstellen müssen. Ich habe auch mit General Huber natürlich darüber gesprochen. Inwieweit überhaupt noch so eine Panzerbrigade 45 mit den Kampfpanzern, Schützenpanzern, mit den Atelleriesystemen überhaupt noch zukunftsfähig ist. Oder ob das nicht irgendwie Ollokamellen sind, die keiner mehr braucht, weil, wie gesagt, der Krieg der Zukunft natürlich von Drohnen bestimmt wird.

Und er hat dann aber auch sehr deutliche Manier, also zum einen weiß man, dass sich alles verändert und zum anderen stellt man sich darauf ein, also auch diese Panzerbrigade 45 wird ausgestattet werden mit Deutering Ammunition, also Kamikaze-Drohnen, mit Aufklärungsdrohnen, mit Abwehrdrohnen und mit anderen Sachen.

Und er meint aber auch, dass auch Kriege der Zukunft immer noch geführt werden mit gepanzerten Fahrzeugen. Ich weiß nicht, ich mache da mal ein Fragezeichen dran, aber ich meine, er ist der Militär, ist der Experte, ich weiß es nicht. Aber wenn ich sehe, wie in der Ukraine beispielsweise schweres militärisches Gerät wie Panzer, Kampfpanzer und so weiter, zerstört werden von relativ kostenkünstigen Drohnen, dann kann man sich sicherlich doch die Frage stellen, wird das in der Perspektive, werden solche mechanisierten Brigaden noch überhaupt zukunftsfähig sein?

Aber das wird man dann einfach sehen. Das ist ein Prozess, der sich ständig verändert und ständig angepasst werden muss. Und das ist aber allerdings auch dem Verantwortlichen klar. Und was dem Verantwortlichen auch klar ist, das habe ich ja vorhin schon mal kurz angesprochen, dass sie in Litauen natürlich in einem sehr sensiblen Umfeld unterwegs sind, nicht nur, weil es sicherheitspolitisch relevant ist, gefährlich ist, weil es der gefährdetste Raum oder die gefährdetste Region im NATO-Gebiet ist, sondern weil Deutschland natürlich eine besondere Verantwortung, historische Verantwortung für die Region hat.

Denn zwischen 1941 und 1944 war die deutsche Wehrmacht, war Nazi-Deutschland in Litauen, hat dort furchtbare Verbrechen begangen und naja, da sagt die Bundeswehr auch, dass sie da besondere Verantwortung trägt und Hubert hat dann beispielsweise erzählt, dass im Mai noch deutsche Soldatinnen und Soldaten auf einem jüdischen Friedhof mitgeholfen haben.

Da Grabsteine dokumentiert haben, damit die Toten nicht vergessen werden. Und er sagt, das sei in Litauen, sei da sehr gut angenommen worden, weil die Litauer wohl sehen würden, dass die Deutschen sich da nicht vor ihrer Verantwortung drücken und vor ihrer Geschichte drücken. Allerdings sagt er auch, weil ich natürlich gefragt habe, naja, also wird das nicht irgendwie kontrovers diskutiert, dass jetzt wir deutsche Soldaten da vor Ort sind?

Nein, nein, sagt er, er habe mehr den Eindruck, dass die Litauer von der sowjetischen Besatzungsgeschichte geprägt seien, bis zum Zusammenbruch des Warschauer Paktes, bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion, bei Litauen ja Teil der Sowjetunion und das prägt, sagt er, die Erinnerungskultur eigentlich mehr als das, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist.

Und insofern, sagt er, seien die Litauer sehr, sehr froh, dass die Deutschen da seien, um sie vor möglichen russischen Aggressionen zu schützen. Wir waren natürlich in vielen Kriegsgebieten unterwegs, in Israel, in der Ukraine, in Syrien und Afghanistan, was weiß ich wo. Das waren dann allerdings immer aktive Kriegsgeschehnisse, wo man war, oder zumindest Konfliktsituationen, Krisensituationen, wo man war.

Und das ist irgendwie schon was anderes, wenn man irgendwo unterwegs ist, wo sich jemand auf einen Krieg vorbereitet. Also konkret in Rukla oder in Vilnius, wenn man da mit Soldatinnen und Soldaten spricht, die überhaupt keine Gefechtserfahrung haben, die allerdings ja übrigens sehr interessiert daran sind, was in der Ukraine passiert, die natürlich sehr engmaschig verfolgen, was ihre ukrainischen Kameradinnen und Kameraden da auf den Schlachtfeldern erleben, aber die zum Glück, muss man natürlich sagen, noch selber keine eigene Gefechtserfahrung haben, sich da bestmöglich darauf vorbereiten und sich auf einen Ernstfall vorbereiten.

Der hoffentlich niemals, niemals kommen wird. Ich persönlich gehe davon aus, dass Russland niemals die NATO angreifen wird. Aber wie die Soldaten, wie der General das ja auch sagen, Abschreckung ist da sicherlich notwendig angesichts der russischen Aggression gegen die Ukraine. Wie gesagt, ich glaube nicht daran, dass die Russen jemals ein NATO-Gebiet angreifen würden.

Ich glaube, das wäre einfach ein bisschen zu groß für sie, weil sie würde ihre militärischen Fähigkeiten völlig übersteigen. Und deswegen hoffe ich, dass das niemals passieren wird. Ich glaube da eigentlich auch dran. Trotzdem ist es natürlich notwendig, dass man sich auf diesen Fall vorbereitet, dass man entsprechend übt, dass man auch mental darauf vorbereitet ist.

Und ja, man kann natürlich, wie gesagt, immer wieder darüber streiten, wie sinnig ist Aufrüstung. Das Geld könnte sicherlich für andere Sachen besser verwendet werden. Also ob das jetzt Schulen sind, ob das Kindergärten sind in Deutschland oder was weiß ich was. Aber es ist nun mal einfach eine Welt, die absolut in Unruhe geraten ist und in Unordnung ist.

Und deswegen ist es, glaube ich, schon klug, dass man auch die Sicherheitspolitik nicht außen vor lässt. Das war im Krisenmodus. Der Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister. Er ist auch Journalist beim Radiosender der Funke Mediengruppe. Wenn euch unser Podcast gefällt, dann folgt uns gerne bei Apple, Spotify und wo ihr sonst Podcasts hört.

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