
Im Krisenmodus· Folge 162
Cherson unter Drohnenangriffen – wie eine Stadt im Krieg weiterlebt
Mittwoch, 15. Juli 2026 · 31 min
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Shownotes
Cherson gehört zu den gefährlichsten Städten der Ukraine. Seit der Befreiung im Herbst 2022 wird die Stadt fast täglich von der russisch besetzten anderen Seite des Dnipro aus angegriffen. Die größte Gefahr geht inzwischen von Drohnen aus, die Busse, Rettungskräfte und Zivilisten auf ihren alltäglichen Wegen ins Visier nehmen. FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen (nrz.de/politik/article412461730/busfahrt-durch…) war in Cherson unterwegs und hat Menschen getroffen, die unter dieser ständigen Bedrohung weiterleben und arbeiten. Maksym fährt seit 17 Jahren Bus. Heute trägt er Splitterschutzweste und Helm und muss wissen, wie er seine Fahrgäste bei einem Drohnenangriff in den nächsten Schutzraum bringt. Oleksandra Knyha arbeitet am Theater und unterstützt mit ihrer Familie Kinder in der Stadt. Sie organisiert Kulturveranstaltungen und Fahrten in sichere Regionen, damit Kinder für kurze Zeit einfach Kinder sein können. Liudmyla Rubanyak verbringt seit fast drei Jahren jede Nacht mit ihren Nachbarinnen und Nachbarn in einem Keller. Über der Erde kreisen Drohnen. Unter der Erde ist der Schutzraum für sie zu dem Ort geworden, an dem sie noch Ruhe findet. Eine Reportage darüber, wie Busverkehr, Kulturarbeit und nachbarschaftliche Hilfe eine Stadt am Leben halten – und wie gewöhnliche Aufgaben im Krieg lebensgefährlich werden.
In dieser Folge zu hören:
Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter der FUNKE Mediengruppe
Maksym, Busfahrer in Cherson
Oleksandra Knyha, Theatermacherin und Helferin
Liudmyla Rubanyak, Bewohnerin eines Kellerbunkers in Cherson
Oleksandr Prokudin, Gouverneur der Region Cherson
🧭 Kapitel
1 | Wie lebt eine Stadt unter Drohnen?
Jan Jessen führt in den Alltag von Cherson ein – eine Stadt, in der Busfahrer lernen müssen, Drohnen auszuweichen.
2 | Maksym und die Busse der Stadt
Ein Busfahrer erzählt, warum er trotz täglicher Gefahr weiterfährt und weshalb die Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.
3 | Wenn der Drohnendetektor Alarm gibt
Maksym schildert einen Angriff auf seinen Bus und erklärt, was Fahrer innerhalb weniger Sekunden tun müssen.
4 | Theater und Kindheit unter Beschuss
Oleksandra Knyha erzählt, wie Kulturarbeit weitergeht und warum ihre Organisation Kinder aus der Gefahrenzone bringt.
5 | Wenn es Abend wird in Cherson
Mit Einbruch der Dunkelheit ziehen sich Bewohnerinnen und Bewohner aus ihren Wohnungen in die Schutzräume zurück.
6 | Eine Nacht im Bunker
Liudmyla Rubanyak erzählt vom Leben im Bunker und davon, warum ein feuchter Keller für sie zum sicheren Ort geworden ist.
7 | Wie eine Stadt trotzdem weiterlebt
Am nächsten Morgen fahren die Busse wieder. Jan zieht Bilanz: Cherson funktioniert, weil Menschen alltägliche Aufgaben übernehmen, die im Krieg lebensgefährlich geworden sind.
🎧 Hör-Empfehlungen
Vier Jahre Krieg in der Ukraine (morgenpost.de/podcast/article411288670/vier-ja…)
Leben unter Beschuss: Stimmen aus Cherson (morgenpost.de/podcast/article409068822/leben-u…)
Kinder im Ukraine-Krieg: Zuflucht im Keller (morgenpost.de/podcast/article408051983/kinder-…)
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Stellt euch vor, ihr fahrt mit den Öffis und ihr wisst nicht bei Fahrtantritt, ob ihr überhaupt an eurem Ziel ankommt, weil möglicherweise eine Drohne in den Bus oder in die Straßenbahnen einschlägt. Wie lebt eine Stadt, wenn Busfahrer lernen müssen, vor Drohnen davon zu fahren? Wenn Kinder eigentlich weggebracht werden sollten, aber Tausende trotzdem bleiben?
Und wenn für viele Menschen der Tag nicht im eigenen Schlafzimmer endet, sondern im Keller? Ich war vor einigen Tagen in Kherson im Süden der Ukraine und ich habe Menschen getroffen, die genauso leben. Einer von ihnen heißt Maxim. Seit 17 Jahren fährt er Bus in der Stadt und aktuell erklärt er seinen Fahrgästen manchmal nicht mehr den Fahrplan, sondern wie sie einen Drohnenangriff überleben.
Ja, Drohnenangriffe haben in letzter Zeit deutlich zugenommen. Es gibt auch ständigen Artilleriebeschuss. Aber Artilleriebeschuss ist Artilleriebeschuss. Wir haben uns gewissermaßen schon daran gewöhnt. Wenn jedoch Drohnen angreifen, ist das etwas anderes. Wir sind mit elektronischen Ortungsgeräten ausgestattet. Daher kann es beängstigend sein, wenn ein Signal auf dem Bildschirm erscheint und man merkt, dass eine Drohne in der Nähe kreist.
Wir tragen außerdem zusätzlichen Schutz, einen Helm. Und in solchen Momenten muss man eben schnell handeln und versuchen, die Menschen so schnell wie möglich in den nächsten Schutzraum zu bringen. Stadt, wie halten die Einwohnerinnen und Einwohner in der Stadt so etwas aus? Darum geht es in dieser Folge.
Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen. Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter für die Funke Mediengruppe. Ihr findet meinen Artikel in der NRZ, der WAZ, der Berliner Morgenpost, dem Hamburger Abendblatt und auf unseren Portalen.
Ich war vor einigen Tagen in Kherson unterwegs, das ist eine Stadt im Süden der Ukraine. Ukraine, eine Stadt, über die wir schon vielfach berichtet haben, hier in diesem Podcast, packen wir euch ein paar Folgen auch in die Shownotes rein. Kresson ist deswegen so besonders, weil die Stadt von den Russen besetzt war im Jahr 2022, wurde dann befreit im November 2022, und hat jetzt das Problem, dass Kresson liegt am Ufer des Njerbränes Flusses, der durch die Ukraine fließt und auf der anderen Seite des Flusses liegen jetzt die Russen und die schießen jeden Tag in die Stadt hinein seit der Befreiung.
Mit Artillerie, mit Mörsern und jetzt in den vergangenen Monaten und Jahren vor allem Drohnen, die sie losjagen in die Stadt rein, kleine FPV-Drohnen, das sind diese kleinen Kamikaze-Drohnen, über die wir auch schon mehrfach, berichtet haben hier in diesem Podcast und da gibt es quasi jeden Tag zumindest Verletzte, ganz oft leider auch Tote und das macht das Leben natürlich in der Stadt sehr, sehr problematisch.
In Kherson leben trotz allem immer noch 60.000 Menschen. Früher hatte die Stadt so um die 250.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Jetzt sind es noch 60.000. Viele von denen sind allerdings Geflüchtete aus dem besetzten Süden des Landes. Und ja, für diese Menschen ist ihr Alltag von ständiger Gefahr geprägt.
Also wenn man in der Stadt unterwegs ist, wenn man nach Kherson reinfährt, dann sieht man das auch sehr gut, wie bedrohlich die Situation ist, denn man fährt, wenn man in die Stadt reinkommt, durch Netztunnel, die quasi zumindest die ganze Innenstadt mittlerweile überdecken. Das sind, wie gesagt, so eine Art Tunnel links und rechts und obendrauf Netze, damit die Drohnen, wenn sie denn einschlagen, nicht Fahrzeuge darunter treffen.
Man sieht auch überall in der Stadt Soldaten stehen mit Gewehren, mit Sturmgewehren, die den Himmel beobachten und eben schauen, ob da Drohnen im Anflug sind. Und dann natürlich, wenn die Drohnen ankommen, versuchen sie abzuschießen. Ja und diese Drohnen, wenn sie denn angreifen, wenn die russischen Drohnenpiloten es schaffen in die Stadt reinzukommen, die greifen einfach alles an.
Die greifen keine militärischen Ziele an, das möglicherweise auch an der einen oder anderen Stelle, aber vor allem Zivilistinnen und Zivilisten, Leute, die da spazieren gehen, die ihre Einkäufe haben, Kinder, die irgendwie spielen, oder eben auch private Fahrzeuge und Busse oder Ambulanzwagen und andere Fahrzeuge, auch andere Rätungskräfte beispielsweise von der Feuerwehr.
Aber das macht das natürlich sehr, sehr schwierig, auch als wir reingefahren sind in die Stadt, haben wir zum ersten Mal, als wir jetzt im Februar da waren, zum ersten Mal unsere Westen überkleben müssen, also wo wir das Presseschild drauf haben, damit wir nicht eben zum Ziel von russischen Drohnenpiloten werden, die angeblich eben auch wirklich Jagd auf Journalisten und Journalisten machen.
Wir haben in Kherson jetzt beim letzten Mal, als wir da vor einigen Tagen waren, auch ein Busdepot besucht. Da roch es nach Öl, nach Schweißrauch. Wir haben Mechaniker gesehen, die an kaputten Fahrzeugen gearbeitet haben. Und wir haben gesprochen da mit einem Menschen, der Leiter der Verkehrsbetriebe in Kherson ist, Badin Melnik. Wie er hat uns erzählt, wie prekär die Situation ist, hat uns ein bisschen rumgeführt.
Hat uns auch so einen Ambulanzwagen gezeigt, der total zerstört war. Und wo ein Patient drin gestorben war. Das hat er uns erzählt. Also auch da war eine Drohne durchs Dach geschlagen. Und von diesen Fahrzeugen sieht man halt viele. Also es stehen nicht nur Busse der Verkehrsbetriebe, sondern eben auch andere Fahrzeuge.
Und ganz viele von denen waren eben beschädigt. Da waren die Windschutzscheiben zerstört und was weiß ich was. Also man hat eben gesehen, dass diese Fahrzeuge da einiges durchmachen. Und dann haben wir eben auch Maxim getroffen. Der hat vor so einem alten MAN-Bus gestanden und hat nur Splitterschutzweste getragen.
Im Fahrerraum des Busses, da lag ein Helm und daneben ein Kasten mit Wechselgeld. Hallo, mein Name ist Maxim und ich bin Minibusfahrer im öffentlichen Nahverkehr in Kherson. Ich übe diesen Beruf seit über 17 Jahren aus, aber in den letzten fünf Jahren hat sich die Lage aufgrund der russischen Militäraggression deutlich verschlechtert.
Trotzdem machen wir weiter und setzen unsere Arbeit fort. Dieses trotzdem, das hört man in den Kassen oft, es klingt hier nicht pathetisch, es klingt wie eine sachliche Entscheidung unter Zwang. Und Vadim, der Leiter der Verkehrsbetriebe, der hatte mir gesagt, dass also natürlich immer wieder die Busse zu Angriffszielen werden, dass auch die Busfahrerinnen und Busfahrer darunter, leiden, dass mittlerweile schon acht Busfahrerinnen und Busfahrer verletzt worden sind bei Attacken, zwei sind gestorben.
Und da habe ich natürlich Maxim gefragt, warum er nicht einfach aufhört und warum er diesen Job weitermacht, der lebensgefährlich ist. Und er hat mir dann gesagt. Unsere Eltern und Kinder leben noch hier. Sie brauchen unsere Unterstützung. Wegzugehen ist nicht so einfach. Ja, es ist gefährlich hier, aber leider gibt es in den anderen Regionen oft keine Möglichkeit, ein neues Leben zu beginnen.
Deshalb leben und arbeiten wir weiterhin hier, unterstützen uns gegenseitig und halten zusammen. Das ist ein möglicherweise entscheidender Punkt. Man stellt sich natürlich schon die Frage, wenn man in Kherson unterwegs ist und das Leben da beobachtet, warum gehen die Leute da noch einkaufen, warum versuchen die da ein normales Leben aufrecht zu erhalten, warum hauen die nicht einfach ab aus dieser Stadt, die eine der gefährlichsten in der Ukraine mittlerweile ist.
Es ist einfach so, dass zum einen die Familien da leben, weil die Arbeit gebraucht wird und weil sie sich ein Leben außerhalb von Kherson nicht leisten können. Also viele haben dann eigene Häuser, eigene Apartments, und wenn sie dann Kherson verlassen würden und meinetwegen nach Kiew ziehen oder in irgendeine andere westliche ukrainische Stadt, würden sie eben zum einen keine Arbeit mehr haben und zum anderen weitaus mehr für ihr tägliches Leben bezahlen müssen als in Kherson.
Und das können sich eben die allermeisten nicht leisten. Die Busse von Kherson sind deshalb weit mehr als nur normaler Nahverkehr. Sie sind eine Infrastruktur fürs Leben. Wir sind da mit Maxim in den Bus eingestiegen. Er hat sich auf den Fahrersitz gesetzt, wie gesagt, neben ihm der Helm. Er hat eine Schutzweste an, natürlich ein etwas ungewöhnlicher Anblick, ein Busfahrer mit Splitterschutzweste und der Helm daneben.
Und ich bin eigentlich davon ausgegangen, weil an dem Tag, als wir in Chesson angekommen waren, ist genau an diesem Morgen dann auch ein junger Mann gestorben, ist auch ein Bus attackiert worden von einem russischen Drohnenpiloten und dann ist dann eben ein junger Mann gestorben. Und ich habe natürlich gedacht, naja, also der Bus wird wahrscheinlich total leer sein, da werden ein, zwei Leute drin sein oder sowas.
Aber nein, von Haltestelle zu Haltestelle hat sich der Bus mehr gefüllt, war richtig pickepacke voll. Und eine Busfahrt kostet in den Kersen 10 Grivner, das sind umgerechnet ungefähr 20 Cent, also durchaus darstellbar. Aber ja, wie gesagt, man wunderte sich eben schon, was dafür, dass der Bus so voll war, trotzdem dieser Lebensgefahr.
Und naja, die Menschen sind eben zur Arbeit gefahren, andere waren auf dem Weg ins Krankenhaus, ich habe mich auch mit zwei älteren Damen unterhalten, die sagten, dass sie zu einer Untersuchung fahren müssten in ein Krankenhaus in der sogenannten Roten Zone, also in der Zone in der Stadt, die unter sehr, sehr schweren Attacken immer wieder leidet.
Und auch das gehört zur Lebensrealität in Kherson dazu, zur Lebenswirklichkeit, dass da immer wieder Krankenhäuser angegriffen werden, immer wieder auch ärztliches Personal, pflegerisches Personal stirbt oder verwundet wird, immer wieder Patientinnen und Patienten sterben. Wir haben mal eine Geschichte gemacht, die wir hier auch im Podcast besprochen haben, in der Forensik in Kherson, da waren wir in der Leichenhalle, haben uns die angeschaut, da waren Opfer von russischen Angriffen drin, die gestorben waren bei irgendwelchen Explosionen und diese, kurz nachdem wir da waren, ist diese Leichenhalle dann eben auch bei einem russischen Angriff komplett zerstört worden und definitiv sind das natürlich keine legitimen
Kriegsziele, legitimen militärischen Ziele, sondern das ist einfach Terror gegen die Zivilbevölkerung in Kherson. Auf der Fahrt merkte man schon die Anspannung. Auf der einen Seite gab es Leute, die sich ganz angeregt unterhalten haben. Auf der anderen Seite gab es Menschen, die man schon angemerkt hat, dass sie sehr froh waren, als sie die Fahrt beendet hatten.
Man merkte schon, sie wissen, trotz dieser ganzen Routine, in der sie leben, dass sie quasi jeden Tag und bei jeder Fahrt in Lebensgefahr sind. Man hat auch draußen gesehen, die Menschen, die da unterwegs waren, die an den Haltestellen standen, die einkaufen waren, dass da immer wieder so der Blick nach oben ging in den Himmel, ein bisschen bange, also wo man merkte, die scannen den Himmel die ganze Zeit, ob da nicht wirklich irgendwas im Anflug ist, um sich dann entsprechend in Sicherheit zu bringen.
Diese Fahrt führt eben auch durch die Netzzünder, über die ich vorhin schon gesprochen habe. Die können zwar nicht verhindern, dass Drohnen explodieren, aber sie vermindern die Wucht von Einschlägen. Das habe ich ein paar Mal gesehen, jetzt mittlerweile schon in der Ukraine. Also dass, man gesehen hat, oben auf das Netz ist eine Drohne eingeschlagen, die haben dann so, Kontaktzünder, also sobald die auf irgendwas draufschlagen, explodieren sie, und das ist bei den Netzen dann eben auch so, das reißt dann oben ein großes Loch ins Netz rein, aber das mindert natürlich die Wucht dieser Explosion.
Also wenn so eine Drohne direkt in ein Fahrzeug einschlägt, dann sterben meistens die Leute in dem Fahrzeug oder sie werden zumindest mal schwer verwundet. Auch das haben wir schon ein paar Mal gesehen, beispielsweise im Oktober vergangenen Jahres, da waren wir in Kramatorsk unterwegs und haben dann eben auch mitbekommen, wie zwei Kollegen von uns ums Leben gekommen sind, die eine Geschichte über eine angegriffene Bushaltestelle machen wollten und dann selber attackiert wurden von einer Land-Zert-Drohne, einer russischen, und wo das Fahrzeug eben bei dem Einschlag komplett zerstört worden ist.
Und die Behandlung ums Leben gekommen sind. Also diese Tunnel, diese Netze, die helfen ja schon, aber es ist natürlich irgendwie auch ein schwieriger Anblick, wenn du das siehst, dass die ganze Stadt dann eben so geschützt werden muss, weil diese Drohnen dann ständig angreifen. Maxime sagt auch, dass die Menschen sehr genau wissen, was seine Arbeit bedeutet.
Die meisten Menschen tun das ja, natürlich. Sie unterstützen uns und wir erfahren viel Dankbarkeit, weil wir dazu beitragen, dass die Stadt funktioniert. Wir gehen Risiken ein und unsere Fahrgäste gehen ebenfalls Risiken ein. Aber die Menschen brauchen weiterhin Transportmittel, um zur Arbeit und was am wichtigsten ist, ins Krankenhaus zu kommen. Daher ist unsere Arbeit sehr wichtig.
Busfahren ist in Kherson keine alltägliche Nebensache mehr. Es ist ein Teil, der Infrastruktur, die diese Stadt überhaupt noch am Leben hält. Wer zu arbeiten muss, ins Krankenhaus oder zu Angehörigen, ist auf diese Busse angewiesen. Und auch auf die Busfahrenden. Neben Maxime sind es insgesamt 59 Menschen, darunter auch ein paar Frauen, die jeden Tag in die Busse steigen und fahren.
Aber wie gesagt, jede Fahrt kann zur Gefahr werden. Und wie groß die Bedrohung mittlerweile in Kherson ist, Das beschreibt Alexander Progotin, der Gouverneur der Region Kherson. Heute geht die größte Gefahr für die Region Kherson von russischen Drohnen aus. Wir erleben bis zu 5.500 Drohnenangriffe pro Woche.
Sie jagen Zivilisten, Kinder, Krankenwagen und Rettungsteams. Betroffen sind ältere Menschen auf dem Weg zum Markt. Kinder bei einem Spaziergang und Sanitäter auf dem Weg zu einem Notruf. Den russischen Drohnenpiloten ist es egal, wen sie ins Visier nehmen. Das ist eben der wesentliche Unterschied zwischen Artilleriebeschuss und diesen Drohnenattacken.
Als wir am Anfang angefangen haben, über den Ukraine-Krieg zu berichten, damals haben wir Drohnen maximal erlebt als Aufklärungsdrohnen. Da musste man natürlich auch mal ein bisschen gucken, Denn sobald eine Aufklärungsdrohne, gesichtet wurde, war klar, die lenkt jetzt die feindliche Artillerie oder die russische Artillerie.
Aber trotzdem, Artilleriefeuer ist eben was sehr, sehr punktuelles. Und sobald so eine Granate mal losgeflogen ist, landet sie halt irgendwo, aber die kann nicht mehr nachjustiert werden. Und das ist bei Drohnen eben komplett anders. Drohnen fliegen, der Drohnenpilot identifiziert unten irgendein Ziel und kann dann eben seine Drohne punktgenau ins Ziel reinsteuern, ob man jetzt davon wegrennt oder nicht.
Ist völlig egal. Also so eine Drohnenattacke, die ist eben wesentlich, wesentlich gezielter als Nattlerie oder Mörserangriff. Und das ist eben etwas, was den Alltag in Gerson maximal verändert hat und eben sehr, sehr, sehr gefährlich gemacht hat. Maxim hat ja vorhin erzählt, dass er an Bord so einen Detektor hat.
Den hatten wir jetzt auch dabei. So einen Drohnen-Detektor, das ist ein Instrument, das sieht so ein bisschen aus wie ein Tablet mit drei Antennen. Ganz So ein Plastikding und da ist auch so ein Bildschirm drauf auf dem Detektor und die Idee bei dem Ding ist, dass es das Signal von anfliegenden Drohnen scannt oder aufnimmt und, dann, das funktioniert allerdings nur bei Drohnen, die funkgesteuert sind, funktioniert nicht bei Glasfaser gesteuerten Drohnen, die mittlerweile auch immer mehr auf dem Schlachtfeld zu sehen sind oder in den Städten.
Aber bei Drohnen, die funkgesteuert sind, da catcht sozusagen dieses Gerät, das Funksignal und das Videosignal von den anfliegenden Drohnen. Dann hört man erstmal so ein Piepsen, was immer schneller wird, je näher die Drohne kommt. Und dann sieht man plötzlich auf dem Bildschirm das, was die Drohne sieht, die gerade im Anflug ist.
Das ist natürlich echt scary, wenn man das sieht auf der einen Seite. Also man merkt eben jetzt, ist eine Drohne irgendwo in der Nähe, wenn plötzlich das Bild auftaucht auf dem Detektor. Aber auf der anderen Seite gibt es natürlich ein bisschen Sicherheit. Also wenn man sein eigenes Fahrzeug sieht, dann sollte man eben tunlichst den Wagen irgendwo parken und dann möglichst schnell aus dem Auto raus.
Und genau das beschreibt Maxim eben auch. Er hat mir nämlich auch erzählt, was passiert, wenn der Detektor Alarm gibt. Ja, vor etwa einem Jahr, genauer gesagt etwas mehr als einem Jahr, am 20. Mai, hat eine Drohne einen Sprengsatz in der Nähe des Busses abgeworfen. Was uns gerettet hat, war der Alarm des Detektors.
Ich sah, dass die Drohne in Angriffsposition war, also habe ich beschleunigt. Der Abwurf ist dann in der Nähe des Hinterrads, direkt neben dem Bus gelandet und hat ihn zum Glück nicht direkt getroffen. Das hat Maxim jetzt so ein bisschen beiläufig erzählt, aber ich meine, das war eben eine Situation, über die er da berichtet, die auch ganz schlimm hätte ausgehen können.
Also wenn, wie gesagt, so eine Drohne einschlägt, die haben eine Sprenglast von bis zu neun Kilo. Das ist schon ordentlich, damit macht man schon große Schäden. Und ja, wie gesagt, in Kherson sterben im Grunde genommen, oder werden zumindest jeden Tag Menschen verletzt und ganz häufig eben auch Menschen getötet.
Ich weiß noch, kurz nach unserem Besuch am 1. Juli gab es eine Meldung aus Kherson, dass auch wieder mal eine Drohne in den Bus reingeknallt ist. Und dann zwei Menschen in dem Bus gestorben sind. Ein junges Mädchen ist komplett in zwei Hälften zerrissen worden. Die Mutter hat versucht, das Kind dann rauszutragen.
Also das Kind, die über 18 Jahre alt, war auf dem Weg zum College und wollte eigentlich nur sich einschreiben im College. Und dann, ja wie gesagt, wurden sie attackiert, wurden angegriffen und hat die Mutter versucht, die Tochter rauszutragen, aber da war nur der Oberkörper in ihrer Hand. Also eine ganz furchtbare Situation.
Und ja, so beiläufig Maxim das erzählt, man muss halt irgendwie gucken, dass man ständig eben auf. Ständig irgendwie sensibilisiert ist für das, was um einen herum passiert und, dann muss man eben auch gute Reflexe haben, weil in solchen Momenten nur wenige Sekunden darüber entscheiden, ob Menschen leben oder sterben.
Gas geben, Deckung suchen, den Bus zum nächsten Schutzraum bringen. Natürlich. Zuerst sollte man beschleunigen, den größten verfügbaren Baum als Deckung suchen, geradlinige Bewegungen vermeiden oder sich zu einem Schutzraum begeben. Da die Stadt über viele Schutzräume verfügt, ist eine lange Flucht meistens nicht nötig.
Ziel ist es, die Menschen so schnell wie möglich zum nächsten Schutzraum zu bringen. Man darf nicht vergessen, Maxim ist kein Militär. Maxim ist einfach ein Busfahrer, aber eben ein Busfahrer, der über andere Dinge als Fahrpläne sprechen muss, über Ausweichbewegungen verdrohen. Und das ist natürlich.
Schon so die bittere Realität in dieser Stadt. In der das Leben trotz allem aber irgendwie weitergeht. Und ein wirklich ganz spannender Ort in Kherson ist das Theater. Das Theater von Kherson, das ist ein Riesenbau, nennt sich Mikola-Kulisch-Theater, und war früher in der Ukraine sehr, sehr bekannt, weil es da auch immer wieder, Festivals gab mit internationaler Beteiligung.
Es gab einen sehr bekannten Direktor dieses Theaters und seine Tochter, die haben wir eben genau in diesem Theater getroffen. Auch dieses Theater liegt jetzt in der roten Zone. Dieses Theater ist durch zig Angriffe relativ schwer beschädigt worden. Also die ganzen, die Mauer oder die Wände sind eben bedeckt mit Schrapnell-Naben.
Es gibt keine Fenster mehr, sondern nur noch so Sperrholzplatten. Und ja, wie gesagt, haben wir Alexandra Knia getroffen, die nicht nur in dem Theater arbeitet, sondern sich auch mit ihrer Familie für Kinder engagiert. Unser Theatergebäude hat schon viel durchgemacht. Es wurde nach demselben Entwurf wie das Mariupola Dramatheater errichtet.
Derzeit finden hier keine Aufführungen mehr statt. Die meisten unserer Produktionen sind nun Tourneespiele, die an sichereren Orten in der Stadt und der Region aufgeführt werden. Letztes Jahr hatten wir 13 Premieren. Die meisten davon fanden hier in Gerson statt und darüber freuen wir uns sehr. Diese Premiere, von der sie spricht, also dieses Theater ist eigentlich super groß. Wir waren da drinnen, wirklich ein ganz, ganz wundervoller Theatersaal.
Er hat eigentlich Platz für 600 Menschen und war vor der russischen Invasion immer sehr, sehr gut besucht. Während der Besatzungszeit haben die Russen versucht, den Dirigenten dazu zu bewegen, für sie zu arbeiten. Das war er nicht gemacht, denn er ist im September 2022 erschossen worden. Dann Alexandras Vater, wie gesagt, lange Jahre der Direktor dieses Theaters, der hat sich dann abgesetzt, ist auch von den Russen misshandelt worden, weil er eben nicht für sie arbeiten wollte.
Und jetzt sind sie eben wieder zurück und haben dann eben diese Theateraufführung unten im Keller. Also da waren wir unten drin, das ist wirklich ein ganz, ganz kleiner, wie so ein Kleinkunstsaal mit irgendwie 60 oder 70 Plätzen, ganz genau weiß ich das nicht mehr. Und da machen sie eben regelmäßig Aufführungen. Und das war für mich auch wieder so ein Symbol dafür, dass die Menschen sich da eben nicht kaputt machen lassen wollen, nicht kleinkriegen lassen wollen, sondern dass auch die Kultur da eben noch weiterläuft.
Und das fand ich schon sehr, sehr, sehr beeindruckend, weil es natürlich auch zeigt, dass sie irgendwie versuchen, Normalität in Kherson zu leben, trotz allem. Wir organisieren Bildungs- und Kulturveranstaltungen, kreative Workshops, Kurse und Ferienlager. Wir bringen Kinder in die Karpaten und ins Ausland, damit sie eine sichere Umgebung und einen friedlichen Himmel erleben und sich vom Stress erholen können.
Unser Ziel ist es, ihnen unvergessliche Erlebnisse zu schenken und ihnen zu ermöglichen, einfach Kind zu sein. Einfach Kind sein, das ist in Herzen längst keine Selbstverständlichkeit mehr, und deshalb finde ich auch diesen Satz so stark. Alexandra spricht auch über die Lage in der Stadt selbst. Es gibt ständigen Beschuss und Drohnenangriffe und leider verbessert sich die Situation nicht. Ich selbst habe bereits zwei Gehirnerschütterungen erlitten, eine durch Artilleriebeschuss und die andere bei einem Drohnenangriff.
Gott sei Dank bin ich am Leben und unverletzt und lebe und arbeite weiterhin in Kherson. Doch leider ist die Lage so, dass die Menschen die Stadt verlassen müssen. Wir wissen das und verstehen es, weshalb wir Kinder dringend bitten, die Stadt zu verlassen. Bleiben und weg müssen, beides ist in Kherson gleichzeitig wahr.
Alexandra bleibt, um Kindern zu helfen, sogleich versucht sie natürlich auch genau diese Kinder aus der Stadt herauszubringen. Und ihr werdet euch vielleicht an eine Folge in unserem Podcast erinnern, die packen wir euch auf jeden Fall auch nochmal in die Shownotes rein. Da haben wir eben genau über die Kinder gesprochen in Kherson.
Es gibt also verschiedene Plätze in der Stadt, wo in Kellern sichere Plätze gebaut worden sind für Kinder, wo die Kinder spielen können, wo die Kinder auf Gleichaltrige treffen können. Denn draußen zu spielen ist lebensgefährliches Gebiet, die die Russen selber auf ihren Telegram-Kanälen veröffentlichen, wo man eben sieht, wie auf spielende Kinder Granaten abgeworfen werden von Solastdrohnen, Bombardrohnen.
Drohnen und also es ist eben lebensgefährlich für Kinder draußen zu sein, deswegen gibt es für Kinder an der einen oder anderen Stelle eben diese Safe Spaces, wo die Kinder dann zumindest für ein paar Stunden diesen Irrsinn des Krieges vergessen können. Und im Keller, da waren wir auch, also diesmal bei dem jüngsten Besuch vor einigen Tagen in Kherson.
Das war nämlich ein Keller, auch unter einem Wohnhaus in der Roten Zone. Und da sind abends, als die Dämmerung anfing, da sind dann eben einige alte Leute rausgekommen aus ihren Wohnungen, hatten ihre Klamotten dabei und haben sich eben auf den Weg in den Keller gemacht. In den Keller, in dem sie jetzt schon seit langer, langer Zeit jede Nacht verbringen, aus Angst vor dem russischen Beschuss, aus Angst vor russischen Drohnen, um einfach eine vergleichsweise ruhige Nacht zu haben.
Ich habe da Ludmilla Robaniak getroffen. Ludmilla ist eine Verwalterin, die zuständig ist für sechs der Wohnblocks in dieser Gegend, wo wir waren und die sozusagen die Chefin dieses Kellers war und die Verwalterin dieses Kellers. Und früher hat sie bei der Bahn gearbeitet und heute, wie gesagt, kümmert sie sich eben als Verwalterin um die Wohnblöcke. Und seit fast drei Jahren verbringt sie die Nächte mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Wohnblöcke in dem Keller.
Mein Name ist Ludmilla, ich bin 64 Jahre alt und wir befinden uns in der Stadt Kherson in einem Kellerbunker. Wir haben im September 2023 mit dem Bau dieses Ortes angefangen, weil er uns vor Beschuss bewahren sollte und uns bis heute schützt. Wenn es zu Beschuss kommt, haben wir hier keine Angst. Als wir da angekommen sind, das muss man sich so vorstellen, wie gesagt, alte, große Wohnblöcke, fünf, sechs Stockwerke hoch, da hat der Zahn der Zeit ziemlich dran genagt, der Putz blättert ab, also jetzt kein super tolles Viertel, in dem wir da unterwegs waren.
Vor dem Wohnblock, wo es eben diesen Keller gab, diesen Schutzraum gab, da stand noch eine große Betonwand, die war so zweieinhalb Meter, würde ich mal schätzen, hoch. Das war eine Wand, die dazu dienen sollte, wenn auf der Straße irgendwas runterkommt, dass da die Druckwellen abgemildert werden. Vor ein paar Wochen war es wohl noch so, dass da eben genau auf dieser Straße auch ein Mörser eingeschlagen ist oder eine andere Granate. Das wussten sie nicht genau.
Und ja, dann saß man erstmal davor, hat ein bisschen miteinander geredet. Lüttmüller hat ein bisschen was von sich erzählt. Aber dann hat sie auch gesagt, also das sei, die Gegend hier sei sowas wie eine Drohnenautobahn. Und just als sie das sagte, hörte man auch oben den Sound von so einer Drohne. Also diese FPV-Drohnen hören sich an wie so laute Mücken.
Und sobald der Sound zu hören war, ging es dann auch runter in den Keller. Also jetzt nicht panisch oder so, aber die älteren Leute haben dann gesagt, so jetzt müssen wir runtergehen, hier ist irgendwie wieder was in der Luft und wir müssen eben gucken, dass wir in den Keller gehen. Und im Keller, da roch es ganz massiv nach Schimmel.
Rostige Rohre liefen an unverputzten Bänden entlang. Auf dem Tisch standen Gläser, Tasten und Konservendosen mit Zigarettenkippen. Darüber eine nackte Glühbirne, die wirklich nur fahrlässig gegeben hat. Also das war schon kein Wohlfühlort, wenn man da runtergegangen ist. Da hat man dann eben auch in dem Keller Bereiche gehabt, die noch überhaupt nicht fertig gemacht waren.
Ein Klo, was, das möchte ich jetzt nicht im Detail beschreiben, aber wirklich in einem desolaten Zustand war. Und dann eben auch Betten, wo die Decken sehr, sehr klamm waren und ein schmutzstarrender Teppich auf dem Boden. Also, wie gesagt, kein Wohlfühlort, aber eben ein Ort, wo man vergleichsweise, sicher ist. Und Ludmilla hat dann eben auch erzählt, wie sie die Situation aktuell in Kershonne erlebt.
Oh, insgesamt, es ist sehr beängstigend. Wir werden beschossen und man lässt uns nicht in Ruhe. Jetzt kreisen ständig Drohnen über uns und es fühlt sich an wie in einem Film. Sie haben eine regelrechte Safari daraus gemacht, auf der Jagd nach Menschen. Es ist wirklich furchteinflößend. Wenn Kherson unterwegs ist, der versteht sofort, was sie meinen.
Also ich habe, wie gesagt, selten eine Stadt erlebt in der Ukraine, sieht man mal von den ganz, ganz frontnahen Städten ab. Wo der Beschuss so krass ist, wo eben ständig irgendwas los ist. Man hört auch ständig in Kherson das Rattern von Sturmgewehren, also wenn die mobile Drohnenabwehr wieder aktiv ist.
Also die Gefahr ist ja wirklich allgegenwärtig und was einfach krass ist, eben dieses Gefühl gezielt gejagt zu werden von den russischen Drohnenpiloten. Es gibt ja so einen ganz zynischen Begriff für Human Safari, nennen sie das, also menschliche Safari. Ja, wie gesagt, jedes Mal, wenn ich da bin, bin ich schon sehr angespannt, wenn wir in die Stadt reinfahren, weil man eben weiß, was da auf einen Zug kommen kann und der Tod trifft einen dann oder die Verwundung trifft einen auch dann, eben sehr, sehr zufällig.
Also wie gesagt, wir überkleben jetzt mittlerweile unsere Pressewesten. Um nicht gezielt gejagt zu werden, aber fahren mit Fahrzeugen durch die Gegend, mit zivilen Fahrzeugen und da kann es jederzeit sein, dass eben ein Drohmpilot der Meinung ist, das Fahrzeug muss ich jetzt angreifen und zerstören. Und als es danach geworden ist, dann hat man eben auch gehört, wie das Artilleriefeuer, der gegenseitige Artilleriebeschuss so richtig angefangen hat.
Also das ist dann schon mega laut, wenn dann sogenannte Outgoings rausgehen, also das ukrainische Artilleriefeuer und auf der anderen Seite eben das russische Artilleriefeuer reinkommt. Und man hört anscheinend die Explosionen und im Keller hört sich das alles sehr, sehr dumpf an. Aber man merkt eben, dass draußen einiges los ist.
Und das ist eben der Grund, weswegen Ludmilla und die anderen Leute da jeden Abend in diesen Keller gegangen sind. Nun, wir kommen jeden Abend hierher. Wir fühlen uns hier ruhig und selbst bei Schüssen oder Beschuss haben wir keine Angst. Das ist ein sicherer Ort. Das ist ein gefährlicher Ort. Tja, also wenn ein muffiger Keller zum Ort wird, an dem Menschen Ruhe finden, dann sagt das, finde ich, eben viel über den Zustand einer Stadt aus.
Ja, als wir den Bunker verlassen haben, da sind die Busse wieder gefahren, im Theater wird gearbeitet, die Kinder haben gespielt auf der Straße, sind mit ihren Fahrrädern durch die Gegend gefahren und am Abend werden viele Menschen eben wieder in diesen Keller gehen, in dem wir auch die Nacht verbracht haben.
Vielleicht ist das genau die Antwort auf die Frage vom Anfang dieser dieses Podcasts. Wie lebt eine Stadt unter Drohnen, in dem Menschen einfach weitermachen? Busfahrer, Theatermacher, Nachbarn. Nicht, weil sie keine Angst haben, sondern weil irgendjemand den Alltag am Laufen halten muss. Das war die heutige Folge unseres Podcasts im Krisenmodus. Dieser Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister.
Er ist auch Journalist und arbeitet bei einem Radiosender der Funke Mediengruppe. Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, liked und folgt uns. Das hilft in jedem Fall, unsere Arbeit sichtbarer zu machen. Und schreibt mir auch gern, wenn ihr einen Vorschlag für eine unserer Folgen habt. Oder wenn euch diese Frage aus Kherson nicht loslässt.
Was hat euch an den Geschichten aus Kherson besonders beschäftigt? Ihr erreicht uns unter krisenmodus at funkemedien.de. Passt auf euch auf. Bis dann. Ciao, ciao.