Im Krisenmodus· Folge 133

„Grönland ist nicht zu verkaufen“ – Trumps Pläne und der Widerstand vor Ort

Mittwoch, 28. Januar 2026 · 25 min

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Shownotes

Donald Trump will Grönland. Mal spricht er von Kauf, mal von „strategischer Notwendigkeit“, mal schließt er militärisches Vorgehen nicht aus – zuletzt rudert er zurück. Doch die Verunsicherung bleibt. Während Nato-Staaten Soldaten in die Arktis schicken und die Bundeswehr ein Erkundungsteam nach Nuuk entsendet, fragen sich die Menschen auf der größten Insel der Welt: Was kommt als Nächstes?

Grönland ist ein autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark – strategisch wichtig, rohstoffreich und plötzlich im Fokus geopolitischer Machtpolitik. In Zeiten von Klimawandel, neuen Schifffahrtsrouten und wachsendem Einfluss Russlands und Chinas rückt die Arktis ins Zentrum globaler Interessen.
In dieser Folge von „Im Krisenmodus“ spricht FUNKE-Krisenreporter Jan Jessen (nrz.de/politik/article410904986/aufstand-gegen…) aus Grönland. Er war vor Ort, als deutsche Soldaten gemeinsam mit dänischen, französischen und niederländischen Einheiten die Bedingungen in der Arktis erkundeten – und er hat mit Grönländerinnen und Grönländern gesprochen, die sich plötzlich im Zentrum der Weltpolitik wiederfinden.
Es geht um Angst vor Eskalation, um alte koloniale Wunden, um den Wunsch nach Selbstbestimmung – und um die klare Botschaft vieler Menschen auf der Insel:
Grönland ist nicht zu verkaufen.

Gäste / Stimmen in dieser Folge:
– Ivana (14) und Avienna (13), Schülerinnen aus Nuuk
– Mikisuq (56), Fischer
– Ellen (57), Bewohnerin von Nuuk
– Karina (32), lebt und arbeitet in Nuuk
– Lars (16), Jugendlicher aus Nuuk
– Julie (32), Bewohnerin von Nuuk
– Oberstleutnant Peter Mielewczyk, Bundeswehr

🧭 Kapitelübersicht
1 – Warum Grönland plötzlich Weltpolitik ist
Trump, Davos, Nato, Bundeswehr – wie die Arktis zum geopolitischen Brennpunkt wird
2 – „Wir stehen nicht zum Verkauf“
Stimmen aus Nuuk: Angst, Trotz und der Wunsch nach Selbstbestimmung
3 – Militär, Abschreckung und Misstrauen
Warum Nato-Soldaten in Grönland sind – und was das den Menschen bedeutet
4 – Rohstoffe, Raketen, Rivalen
Warum Trump Grönland will, welche Rolle Russland und China spielen – und was offen bleibt

🎧 Hör-Empfehlungen
Alcatraz - wie Ex-Häftlinge in der Ukraine zu Soldaten werden (nrz.de/podcast/article410392333/alcatraz-wie-e…)
Bundeswehr in Litauen - Nato-Brigade an der Front (nrz.de/podcast/article409727684/bundeswehr-in-…)
In die Hölle geschickt - Warum sich junge Ukrainer freiwillig melden (nrz.de/podcast/article409173440/in-die-hoelle-…)

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Im Krisenmodus ist ein Podcast der FUNKE Mediengruppe

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Grönland ist eigentlich ein sehr ruhiger Ort auf dieser Welt. Hoch oben im Norden, in der Arktis, eine riesige Insel, sechsmal so groß wie Deutschland, auf der gerade einmal 57.000 Menschen leben. Viel Eis, viel Wind und wenig Weltpolitik. Eigentlich. Plötzlich aber steht Grönland im Zentrum der globalen Aufmerksamkeit.

Der US-Präsident Donald Trump spricht über Grönland wie über eine Immobilie. Mal will er die Insel kaufen, dann nennt er sie strategisch unverzichtbar, mal schießt er sogar ein militärisches Vorgehen nicht aus und rudert dann wieder zurück. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat er zuletzt gesagt, er werde Grönland nicht angreifen, das war ja immerhin schon mal eine gute Nachricht.

Und trotzdem bleiben Zweifel. Jetzt soll ein Rahmenabkommen irgendwie regeln, dass die Amerikaner noch mehr Zugriff auf Grönland bekommen, als sie es ohnehin schon haben. Was da genau drin steht, das weiß allerdings kein Mensch. Ich war in den vergangenen Tagen in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Da lebt ungefähr ein Drittel der Einwohnerschaft der gesamten Insel.

Und ich fand es einfach mal ganz wichtig, dass man mit den Menschen spricht, was sie eigentlich von diesen Plänen halten, die in Washington gemacht werden und über was sie von den ganzen Diskussionen halten, die sie plötzlich, wie gesagt, in den Mittelpunkt der Weltpolitik gerückt haben. Trump, das war klar, der war in den vergangenen Tagen das alles beherrschende Thema.

Nug muss man sagen, ist sehr, sehr klein und alles ist fußläufig zu erreichen. Und ich habe beispielsweise im Einkaufszentrum Ivana und Avigina getroffen. Sie sind 14 und 13 Jahre alt, beide sind Schülerinnen und beide haben eine sehr dezidierte Meinung über das, was da besprochen wird. Ich finde. Die USA sollten Grönland nicht kaufen. Grönland sollte frei sein.

Ich finde auch, Grönland sollte frei sein. Das sind sicherlich keine Parolen, die sie irgendwo nur aufgeschnappt haben. Es ist ein Gefühl, was ich eigentlich bei allen Menschen gespürt habe, die ich in Anouk gesprochen habe. Ob Jüngere, Ältere, keiner will Amerikaner werden, keiner will von Trump vereinnahmt werden.

Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen. Willkommen zu Im Krisenmodus. Ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Krisenreporter der Funke Mediengruppe. Meine Berichte lest ihr in der NRZ, in der WRZ, der Berliner Morgenpost, dem Hamburger Abendblatt und natürlich auch auf allen Portalen der Funke Mediengruppe.

Grönland, wie gesagt sechsmal größer als Deutschland, besteht zum großen Teil aus Eis. Im Landesinneren gehen die Temperaturen teilweise bis auf minus 70 Grad runter. Bewohnt ist Grönland vor allem an den Küstenstreifen. Und Nuuk, die Hauptstadt von Grönland, die liegt im Südwesten des Landes. Und Grönland ist ein autonomes Gebiet des Königreiches Dänemark.

Klammer auf, Kopenhagen ist ungefähr 3500 Kilometer weit entfernt von Nuuk, deutlich weiter als New York. Und Grönland war mal Kolonie über 200 Jahre lang. Dänemarks ist jetzt, wie gesagt, ein autonomes Gebiet mit einem eigenen Parlament, einer eigenen Regierung. Und entsprechend werden viele Bereiche selbst verwaltet von den Grönländerinnen und Grönländern.

Aber die Außen- und Sicherheitspolitik, die liegen immer noch bei Kopenhagen. Eine eigene Armee hat Grönland nicht. Es sind allerdings dänische Soldaten stationiert in Grönland. Es gibt auch eine amerikanische Militärbasis im Norden der Insel. Aber wie gesagt, vor allem die Dänen sorgen für die Sicherheit.

Als wir da waren, lagen auch zwei größere Kriegsschiffe der dänischen Marine in Grönland und kreuzen dann eben auch in der Bucht von Nug. Und es gab in den vergangenen Jahren immer wieder mal die Bestrebungen vieler Grönländerinnen und Grönländer, die totale und vollständige Unabhängigkeit zu bekommen.

Das ist, muss man sagen, jetzt in den vergangenen Tagen und Wochen deutlich weniger geworden. Sie haben gemerkt, dass sie eigentlich viel zu klein sind mit 57.000 Menschen, um unabhängig zu sein, insbesondere wenn so eine Großmacht wie die USA da plötzlich Ansprüche anmeldet. Deswegen sind jetzt gerade aktuell diese ganzen Unabhängigkeitsdiskussionen, die es in der Vergangenheit teilweise sehr intensiv gab, die sind jetzt zum Erliegen gekommen.

Und also die Menschen, die ich getroffen habe, die sagen, vielleicht ist es halt doch besser, wenn wir irgendwo von Dänemark geschützt werden vor diesen US-amerikanischen Ambitionen. Aber vor allem, das ist das Wichtigste, sie wollen einfach auch selber über die Schicksale entscheiden. Sie wollen nicht, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird, wie ihre Zukunft aussieht.

Und insbesondere wollen sie das natürlich nicht von Trump. Das empfinden sie, die allermeisten, die ich besprochen habe, als eine neokoloniale Attitüde, zu sagen, ich will das einfach haben und deswegen nehme ich es mir. Grönland ist mein Territorium. Das ist in unserer westlichen Hemisphäre, die wir als USA für uns beanspruchen.

Und warum Trump Grönland will, ist sowieso kein Geheimnis. Es ist eine strategisch wichtige Insel im hohen Norden, in der Arktis. Es geht um neue Schifffahrtsrouten, Stichwort Klimawandel. Durch den Klimawandel schmilzt das arktische Eis. Es gehen neue Handelsrouten auf. Man kommt also wesentlich schneller, beispielsweise aus Europa in den Pazifik rein.

Es geht um militärische Aspekte und es geht natürlich auch um Rohstoffe. Also Grönland ist reich an seltenen Erden, Grönland hat Gold. Und dann hat andere Bodenschätze, die man gegebenenfalls verwerten könnte. Was den USA allerdings am wichtigsten ist, das habe ich eben schon kurz angesprochen, das ist die strategische Komponente.

Die Arktis wird eben immer interessanter, nicht nur was die Handelsrouten angeht, sondern auch was strategische Perspektiven betrifft. Die Russen rüsten auf, die Chinesen zeigen immer mehr Interesse an der Region. Und Donald Trump hat ja diesen großen Traum des sogenannten Golden Domes, quasi die Trumpsche Überspitzung dessen, was die Israelis haben, den Iron Dome, der Israel beschützt.

Und der möchte eben einen Golden Dome haben, wie Trump eben so ist. Er muss unbedingt aus Gold sein oder einen Arm zumindest tragen, mit dem die USA geschützt werden soll, mit denen Nordamerika geschützt werden soll gegen mögliche Angriffe aus Russland oder China. Und dazu bräuchte man eben, sagt Trump, Grönland auch, um dort Raketenabwehrsysteme, Radare und andere Dinge zu stationieren.

Und aus genau diesem Grund wird eben Grönland plötzlich zu einer sicherheitspolitischen Schlüsselfrage, zu etwas, was die Amerikaner unbedingt wollen und sogar so sehr wollen, dass Trump damit die Zukunft der Beziehungen zur NATO, die Zukunft der Beziehungen zu Europa aufs Spiel setzt, gegebenenfalls.

Und Trump führt diese Gespräche natürlich nicht mit der grönländischen Regierung oder mit Dänemark, sondern er spricht mit der NATO, er spricht mit anderen und lässt die Grönländerinnen und Grönländer der Außen vor. Und das empört viele, viele Menschen. Die grönländische Abgeordnete Aja Chemnitz hat dazu gesagt, die NATO habe kein Mandat, über Grönlands Bodenschätze zu verhandeln. Und auch in Dänemark bleibt Misstrauen.

Außenminister Lars Locke Rasmussen spricht von vorsichtigem Optimismus nach Trumps Rückzieher in Davos. Aber Regierungschefin mit der Friederiksen, die hat sehr deutlich klargestellt, über die Souveränität wird nicht verhandelt. Und wie gesagt, es ist auch die große Frage, ob das, was Trump in Davos gesagt hat, Bestand hat in der Perspektive.

Er hat natürlich gemerkt, dass die Europäer sehr, sehr fest zusammenstehen, sich nicht davon haben beeindrucken lassen, dass er mit Strafzöllen gedroht hat. Das macht er ja immer, wenn ihm irgendwas nicht passt, dass er den Ländern, die ihm irgendwie ärgern, die ihm nicht spuren, dass er die mit Zoll, mit Strafzöllen belegt.

Das hat er im Fall Grönland auch angekündigt, hat jetzt aber dann Rückzieher gemacht, weil er gemerkt hat, dass er die Europäer nicht beeinflussen kann, dass die Europäer in diesem Fall eben zusammengestanden haben, nicht klein beigegeben haben, sondern gesagt haben, so geht's nicht, Mr. President. Und insofern hat er jetzt eben erstmal einen Rückzieher gemacht, aber das ist eben die große Frage, wie lange das Bestand hat.

Wie gesagt, Trump ist eben jemand, der heute das denkt und morgen jenes. Und insofern ist diese Golan-Frage auch nach Davos mit Sicherheit noch nicht gelöst. Das habe ich in Nuk gemerkt, also die Menschen, die sind schon sehr angespannt gewesen in diesen Tagen. Es war jetzt nicht so, dass sie in Panik verfallen wären oder Lebensmittelvorräte gehortet hätten, auch wenn das ihr Premierminister Nielsen mal kurz angedeutet hat.

Also es sollten doch alle Grönländerinnen und Grönländer Lebensmittelbevorratung für mindestens fünf Tage haben, damit man dann im Fall eines amerikanischen Angriffs, den Trump ja auch in den Raum gestellt hat, also eine Militärintervention, dass man da dann eben genug zu essen und zu trinken habe. Wie gesagt, als ich da war, haben die Leute das noch nicht gemacht, aber man merkte schon, das Thema, das hat sich schon sehr beschäftigt.

Ich habe unter anderem auch Micky Suk getroffen, er ist 56 Fischer, der verkaufte gerade seinen Fang, hatte Gummistiefel und Handschuhe, Gummihandschuhe an, die rochen auch Agner Fisch, ist ein Fischer, der auf Hallbutt geht. Und er hat mir erzählt, als er mit mir gesprochen hat, dass seine Familie schon seit Generationen hier lebt, ist ein einheimischer, ein Inuit.

Und dass er sechs Kinder habe, dass sein größter Wunsch sei, dass seine beiden Kinder in einem freien Grönland aufwachsen. Und da muss man sagen, ist er jetzt, das habe ich ja vorhin schon angedeutet, einer der wenigen, die tatsächlich noch auf die Unabhängigkeit Grönlands pochen. Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein.

Wir können Geschäfte mit den USA machen und mit allen anderen Ländern. Oder andere Länder. Er sagte eben, man könne Geschäfte mit den USA machen, mit Europa, mit allen, aber man wolle keine Kolonie mehr sein. Also diese Erinnerung an die Kolonialzeit zwischen 1721 und 1953, die sitzt noch tief bei den Grönländerinnen und Grönländern.

Ich habe unter anderem auch das Nationalmuseum besucht, wo diese Geschichte aufgearbeitet wird. Als Grönland dann zu einem Teil, zu einem autonomen Gebiet Grönlands wurde, ist das nicht möglich. Man mit den Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern Inuits nicht besonders gut umgegangen. Im Gegenteil, Inuit-Frauen, denen wurde Verhütung verordnet und das waren alles Dinge, an die man sich eben sehr, sehr ungern erinnert und deswegen gab es eben, wie gesagt, diese Unabhängigkeitsbestrebungen eine ganze Zeit lang und was man definitiv nicht will, ist eben wieder eine Kolonie werden, so wie Trump sich das eben vorstellt, dass Grönland einfach eine große Militärbasis wird, wo man Bodenschütze ausboten kann und wo die Menschen einfach keine große Rolle spielen.

Bis heute profitieren übrigens die Grönländer nicht im gleichen Maße von den Rohstoffen, wie andere. Und Grönland ist derzeit, also das Wichtigste, was Grönland derzeit produziert, ist Fisch. Die in der Nordatlantik ist reich an verschiedenen Fischsorten und an einem Heilboot, aber auch Krabben und anderen Meeresgetier.

Und eine Frau, die ich getroffen habe, Ellen 57, die auf der Hauptstraße mit ihren Einkaufen lang lief, die hat sich auch beschwert, dass die Dänen beispielsweise den Fisch sehr, sehr günstig einkaufen würden in Grönland und ihn dann für das Zehnfache weiterverkaufen würden. Und auch das fand sie jetzt nicht besonders gut.

Und sie hat also sehr deutlich gesagt, was sie von Trump hält. Trump ist nicht gut. Er hat viel Geld und glaubt, er könne uns kaufen. Aber wir stehen nicht zum Verkauf. Das hat man übrigens viel gesehen, dieses We are not for sale. Da gab es Geschäfte, die damit plakatiert hatten. Greenland is not for sale.

Es gab eine große Demonstration an dem Wochenende, als ich da hingekommen bin. Ich bin am Sonntag, 18. Januar gekommen, am 17. Januar gab es eben diese besagte Demo. Tausende von Menschen, die sich da nun getroffen haben, friedlich demonstriert haben für ein freies Grönland, dafür, dass Grönland eben nicht amerikanische Kolonie wird.

Und Ellen hat mir auch gesagt, naja, Trump mache sie müde, weil er glaube, man könne alles mit Geld kaufen. Und sie sagt auch etwas, was viele mir gesagt haben, es sei gut, dass jetzt Soldaten da seien und damit meint sie natürlich nicht die amerikanischen Soldaten, die sowieso schon auf einer Airbase oben im Norden sind, sondern die Deutschen, die gekommen sind.

Und an dem Wochenende, als ich da war, oder vor dem Wochenende, als ich da war, war ein Erkundungstrupp der Deutschen Bundeswehr gekommen, unter anderem zusammen mit anderen Soldaten aus den Niederlanden, aus Frankreich, aus Island. Und das war ein 15-mal Erkundungstrupp, das war so ein bisschen Show of Force.

Man hat also versucht zu zeigen, wir werden es definitiv nicht zulassen, dass diese Insel besetzt wird. Ich meine, die Vorstellung, dass dann irgendwie deutsche Soldaten oder dänische Soldaten oder isländische Soldaten auf amerikanische Soldaten schießen, ist nun wirklich absolut absurd. Aber würden die Amerikaner wirklich militärisch intervenieren, ein Riesenstück Land einfach stehlen mit militärischen Mitteln, wäre das sicherlich das Ende der NATO.

Und insofern, so ganz abstrus ist diese Vorstellung eben nicht, dass es da zu kämpferischen Auseinandersetzungen kommt. Also zumindest war es das, bis Trump in Davos gesprochen hat und ausgeschlossen hat, dass er militärische Mittel einsetzen wird. Dieser deutsche Erkundungstrupp, der war für ein paar Tage da, es geht, also so wurde es eben nach außen verkauft, eben darum, dass man gemeinsam mit der NATO da die Sicherheit gewährleisten will, dass man auch in der Perspektive sozusagen, es gibt so ein Arctic Command, was von den denen geleitet wird, oben in Nuuk und dass man das so ein bisschen aufpimpen will, um auch perspektivisch die Sicherheitsinteressen der NATO da oben zu wahren.

Am Flughafen von Lug, da habe ich mit Oberstleutnant Peter. Mit Bilevczyk besprochen. Er war sozusagen der Pressesprecher dieses Kommandos, was auch nur vier Tage da war und dann wieder abgezogen ist. Und er hat aber ein ganz positives Fazit gezogen. Es fangt ein rege Austausch statt. Und mit den gesammelten Informationen und Erfahrungen, die wir hier gemacht haben, fliegen wir jetzt erstmal wieder zurück nach Hause und werden dann, sage ich mal, mögliche Optionen im Nachhinein besprechen, wie es dann weitergehen könnte.

Es ist natürlich ein bisschen idiosorisch zu glauben, Die Bundeswehr könne da also sofort größere Truppenkontingente in die Arktis schicken. Arktische Kriegsführung, die unterscheidet sich schon sehr deutlich von dem, was die Bundeswehr ansonsten macht. Also es gibt natürlich Spezialeinheiten, die arktisch trainiert sind.

Es gibt Gebirgssiegereinheiten, die sowas möglicherweise auch könnten. Aber um da wirklich ein nennenswertes Kontingent hinzuverlegen, das würde sicherlich einige Monate dauern, um da was aufzubauen. Das fängt ja schon mit dem Material an. Also wenn man Fahrzeuge hat, in denen Öl drin ist, das bei minus 20 Grad einfach nicht mehr funktioniert, friert.

Dann muss man eben die Sachen nacktes festmachen und in dem Zustand ist die Bundeswehr definitiv noch nicht. Also insofern würde das sicherlich dauern, bis man da irgendwie was Größeres installieren kann. Aber das Signal ist natürlich gewesen, Europa steht an der Seite Grönlands und Dänemarks Und das haben viele Menschen hier auch sehr deutlich registriert.

Juli, eine junge Frau, 32 Jahre alt, die spazierte da mit einigen Freundinnen und ihrer Tochter und anderen Kindern durch die Fußgängerzone. Und die hat mir gesagt, das war halt auch irgendwie ein bisschen strange, wenn man da unterwegs ist in Nuuk und an quasi alle 50 Meter Journalistinnen und Journalisten stehen, um die Leute zu befragen.

Also Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt. Hat man schon gemerkt, die Leute sind so ein bisschen überfordert und der eine oder andere möglicherweise auch ein bisschen genervt. Und Julie hat mir dann gesagt, dass das auch für sie etwas seltsam ist. Es ist seltsam, was gerade passiert und dass wir so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Das sind wir nicht gewohnt. Aber ich finde, es ist wichtig zu zeigen, dass wir zusammenhalten. Sie sagt aber auch, es sei für die Grönländerinnen und Grönländer wichtig, dass die NATO zeige, dass sie zusammenstehe, also die NATO-Länder jenseits der USA und dass klar werde, dass das nicht hier einfach eine Verhandlungsmasse ist.

Ein Jugendlicher, Lars, 16 Jahre alt, den ich da getroffen habe, der übrigens bei minus 14 Grad mit offener Jacke da rumrannte. Wir haben uns da wirklich massiv einpacken müssen. Mussten uns dann auch so Spikes kaufen übrigens. Das habe ich auch noch nie angehabt. So Galoschen, die man sich so überzieht, so Spikes.

Am ersten Tag habe ich mich irgendwie zweimal richtig ordentlich hingelegt, weil alles vereist war. Und dann haben wir uns in so einem Outdoor-Shop eben diese Galoschen, oder wie man auch diese Überzieher eben geholt. Und sie waren natürlich die ganze Zeit super dick eingepackt mit langer Unterhose, langem Unterhemd, zwei Pullover, was, was, was, inni, also wirklich dick eingepackt und lasst.

Dieser Teenager, der rannte da eben mit seiner offenen Jacke rum und war offensichtlich nicht fies vor diesem Wetter. Und er hat es so ein bisschen mit schwarzem Humor auf den Punkt gebracht. Wenn Trump uns mit Gewalt übernehmen würde, dann gäbe es vielleicht Fast-Food-Restaurants und bessere Fitnessstudios.

Aber ich wäre lieber kein Amerikaner. Mir gefällt Grönland so, wie es ist. Ich will meinen freien Willen behalten. Lars sagt auch, er hoffe, dass andere Staaten Trump stoppen und dass jemand Verantwortung übernimmt. Das ist tatsächlich dann ein, zwei Tage nach dem Gespräch passiert. Ich glaube, das war für Trump auch eine schwierige Erfahrung, was sein Ego angeht, schon sehr, sehr aufgeplustert.

Und dass jetzt plötzlich alle, die bislang vor ihm gekuscht haben, aufgestanden sind, angefangen vom kanadischen Premier über Frankreichs Präsident Macron, aber auch Bundeskanzler Merz, dass alle ihm sehr deutlich gemacht haben, so pass mal auf, mein Freund, bis hierhin und nicht weiter. Ich glaube, das war schon eine Erfahrung für ihn, an der er noch relativ lange klappern wird.

Und man muss aber sagen, es war einfach aus meiner Sicht gut und überfällig, dass Europa endlich Zeit verlassen, eben nicht die ganze Zeit mit uns spielen, sondern wir können auch gegenhalten. Man darf nicht vergessen, Europa selber ist eigentlich auch eine Großmacht mit einem Binnenmarkt mit 450 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Ein Bruttoinlandsprodukt von 18 Billionen Euro. Das ist schon mal was, mit dem man arbeiten kann. Und deswegen ist es auch gut zu zeigen, Mr. President, wir haben keine Angst vor dir und wir halten eben gegen. Carina, 32, auch wie Juli, die lebt erst seit zwei Jahren in Nuuk. Sie kommt aus Dänemark und sie arbeitet im Baugewerbe.

Ja, natürlich. Für die Landwirte ist die Zusammenarbeit sehr wichtig und die Karmigkeit. Ich fände es gut, wenn Dänemark, die USA und Grönland diplomatisch miteinander sprechen. So sollte es laufen und nicht über soziale Medien oder ständig neue Akteure. Es ist besser, ruhig zu bleiben und auf das zu hören, was die Grönländer wollen, nicht auf das, was er, also Trump will.

Das ist eben auch so ein spannender Aspekt. Ich habe ja gerade schon von der Demo erzählt, tausende von Menschen auf der Straße. Das ist natürlich für so eine kleine Stadt wie Nuuk mit 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ein riesen Ereignis gewesen. Und Trump hat die Grönländer einfach zusammengeschweißt. Das ist sicherlich nicht von ihm beabsichtigt gewesen, aber das ist eben passiert.

Und das habe ich auch schon gesagt, was auch dazu kommt, ist, dass die Grönländer auch mit der ehemaligen Kolonialmacht Dänemark jetzt zusammengewachsen sind. Und dass jetzt, wie gesagt, diese Unabhängigkeitsbestrebungen erst mal zurückgestellt worden sind und dass man anerkennt, dass Dänemark ihm doch einiges tut für Grönland.

Also die Hälfte des Staatsbudgets des Grönländischen, das wird eben von Dänemark aus finanziert. Die Grönländerinnen und Grönländer, die haben ein sehr gutes Sozialsystem, Gesundheitssystem, wie in Dänemark, kostenlose Gesundheitsversorgung und solche Dinge. Und das ist übrigens auch etwas, was sie uns immer wieder gesagt haben.

Schon das ist ein Grund, weswegen wir nicht Amerikaner werden wollen, weil wir genau wissen, dass es uns danach definitiv schlechter gehen wird, als das zurzeit der Fall ist. Und überall, wo wir waren, in Kneipen, Einkaufszentren, auf der Straße, überall hört man eben dieselbe Meinung in NUG in diesen Tagen.

Unterschiedliche Meinungen zur Unabhängigkeit, ja das schon, aber Einigkeit in diesem Punkt. Wir wollen kein Amerikaner werden und wir wollen selber über unsere Zukunft entscheiden. Die Menschen in Grönland, so heißt es immer, die sind Naturgewalten gewohnt. Man weiß, wenn wieder Stürme hereinbrechen, dann gehen die irgendwann wieder vorbei.

Sie leben mit diesen Stürmen, sie leben in der Kälte, sie leben mit dem Eis. Aber die politischen Stürme, die sind natürlich für sie neu. Und sie haben etwas ausgelöst, was man eigentlich selten gesehen hat. Also Grönland im Fokus der Weltöffentlichkeit und ein kleines Land, Und was ihm sehr deutlich sagt, was es nicht will.

Und das fand ich eben ganz spannend. Also diese Resilienz und diesen Trotz der Grönländer. Also wir lassen uns jetzt nicht wie kleine Bauern auf den Schachbrett hin und her schieben, sondern wir wollen eben selber unser Schicksal in die Hand nehmen. Was mich beeindruckt hat, ist eben auch diese Ruhe. Ich habe gesagt, es ist so ein bisschen angespannt gewesen, die Menschen, aber es gibt keine Hysterie, kein Alarmismus.

Es gibt allerdings auch kein großes Vertrauen in die Versprechen der Politik. Auch nach dem Auftritt von Trump in Davos habe ich mit Leuten gesprochen und auch da kam sehr deutlich dieses Misstrauen zu tragen. Also dass sie gesagt haben, naja, wer sagt heute das? Morgen sagt er mir sicher wieder was ganz anderes.

Also das Vertrauen in die Amerikaner ist auf jeden Fall sehr, sehr, sehr gering und in die Halbfurtzeit dessen, was Trump so erzählt. Deswegen auch nach dieser Rede in Davos war man natürlich so ein bisschen erleichtert, dass das Stand jetzt jedenfalls nicht zu einer militärischen Intervention der Amerikaner kommt, wo übrigens viele gesagt haben, mit denen ich gesprochen habe, also wenn die Amerikaner kommen, dann nehmen wir auch Waffen in die Hand.

Und das ist wahrscheinlich möglicherweise so ein bisschen Kneipentalk oder was weiß ich was. Aber Fakt ist, dass eben sehr, sehr viele Menschen auf Grönland Jäger sind. Fast alle haben Waffen und gute Schützen sind sie auch. Und das haben sie also, haben ja mehrere Leute in Gesprächen gesagt. Wenn wir sozusagen militärisch eingenommen werden, dann werden wir uns auch zur Wehr setzen.

Und wir werden den Amerikanern sicherlich größere Probleme bereiten, weil die eben auch nicht gewohnt sind, in so einem arktischen Klima und in so einer arktischen Umgebung zu operieren. Allerdings wissen die Menschen natürlich auch, dass sie einfach aufgrund ihrer Bevölkerungszahl der geringen sehr, sehr klein sind, dass sie das verwundbar macht und dass sie auf andere angewiesen sind.

Die entscheidende Frage wird dann sein, ob die großen Mächte lernen, diese Insel als das zu behandeln, was sie ist, nämlich ein Zuhause für Menschen und kein geopolitisches Spielfeld. Das war im Krisenmodus. Dieser Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister. Er ist auch ein Journalist beim Radiosender der Funke Mediengruppe.

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