Im Krisenmodus· Folge 131

Iran-Aufstand 2026: Proteste, Trump-Drohungen und Eskalationsgefahr

Mittwoch, 14. Januar 2026 · 30 min

MP3

Shownotes

Massendemonstrationen in Teheran, Schüsse in Kermanschah, brennende Barrikaden in Isfahan: Seit zwei Wochen ist der Iran im Aufruhr. Sicherheitskräfte gehen brutal gegen Demonstrierende vor, das Internet ist weitgehend abgeschaltet. Verlässliche Informationen sind schwer zu bekommen – und gleichzeitig wächst die Sorge vor einer internationalen Eskalation.
In dieser Folge von „Im Krisenmodus“ spricht FUNKE-Krisenreporter Jan Jessen (nrz.de/politik/article410904986/aufstand-gegen…) mit zwei Iran-Experten über die Dynamik der Proteste, widersprüchliche Zahlen zu Opfern, die Stabilität des Machtapparats – und die Frage, ob das Regime an einem Kipppunkt steht oder erneut standhält.
Oppositionssprecher Shahin Gobadi spricht von einer begonnenen Revolution und einem neuen Kräfteverhältnis zwischen Bevölkerung und Regime. Der Iranist Dr. Walter Posch ordnet ein, warnt vor Überinterpretationen – und erklärt, warum selbst harte Repressionen für das System langfristig zum Risiko werden.
Außerdem geht es um die Rolle der USA, Trumps Drohungen, mögliche militärische Optionen – und warum viele Akteure in der Region Stabilität einem unkontrollierten Regimekollaps vorziehen.

Gäste:
Shahin Gobadi
Sprecher, National Council of Resistance of Iran (NCRI)
Oppositionsbündnis, gegründet 1981 in Paris

Dr. Walter Posch
Iranist, Landesverteidigungsakademie Österreich (LVAk)
Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK)

🧭 Kapitelübersicht
1 – Proteste im Iran: Was wir wissen – und was nicht
Internet-Blackout, fragmentierte Quellen, Gewalt auf den Straßen
2 – „Eine Revolution hat begonnen?“
Oppositionssicht: Ausbreitung der Proteste, neue Parolen, Rolle der Gen Z
3 – Hält das Regime noch?
Walter Posch über Resilienz, Sicherheitsapparat und Pyrrhossiege
4 – Inszenierung und Gegen-Narrative
Pro-Regime-Kundgebungen, Propaganda und Mobilisierung von Basij & IRGC
5 – Trump, Drohungen und Eskalationsrisiken
Militärische Optionen, Symbolschläge – und das gefährliche „Danach“
6 – Regionale Perspektive
Warum Saudi-Arabien und Nachbarn eher Stabilität als einen Kollaps wollen
7 – Was folgt?
Szenarien zwischen Stillstand, Übergang und Eskalation – und was jetzt zählt

🎧 Hör-Empfehlungen
Israel greift den Iran an (nrz.de/podcast/article409314132/faellt-das-reg…)
Waffenruhe im Gazastreifen (nrz.de/podcast/article410490093/die-waffenruhe…)
Erdbeben in Afghanistan (nrz.de/podcast/article409960456/erdbeben-in-af…)

🤝 Mehr Informationen
Auswärtiges Amt
Iran: Reise- und Sicherheitshinweise - Auswärtiges Amt (auswaertiges-amt.de/de/service/laender/iran-no…)

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Massendemonstrationen in Teheran, Schüsse in Kermanschah, brennende Barrikaden in Isfahan. Seit zwei Wochen ist der Iran im Aufruhr, wieder mal. Und aus Washington kommen Drohungen. US-Präsident Trump lässt Militärschläge prüfen. Was heißt das für die Menschen und was heißt das für die Region? Es gibt ein neues Kräfteverhältnis zwischen Bevölkerung und Regime.

Eine neue Haltung der Menschen gegenüber den Machthaber. Viele haben ihre Angst verloren, die Angst hat das Lager gewechselt. Heute fürchtet sich das Regime. Manche nennen es schon ein Zombie. Ein System, das nur noch am seidenen Faden hängt. Kurz, wir erleben die letzte Phase dieses Regimes. Ist das jetzt der Kipppunkt oder hält das Regime wieder dagegen?

Wie schon 2019, wie 2022, 2023? Und hilft ein Eingreifen der USA oder eskaliert dann alles möglicherweise bis hin zu einem Bürgerkrieg? Darum geht es in dieser Folge. Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen. Willkommen zu Im Krisenmodus. Ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Krisenreporter der Funke Mediengruppe.

Meine Berichte lest ihr in der NRZ, in der WAZ, der Berliner Morgenpost, dem Hamburger Abendblatt, Und natürlich auf allen Portalen der Funke-Media-Gruppe. Seit rund zwei Wochen gehen Menschen im Iran auf die Straße. Was als Protest von Basar-Händlern gegen Preise und Abgaben begann und vor allem gegen den Verfall der Landeswährung Real, hat sich zu einem landesweiten Ausstand entwickelt.

Der ist teilweise militant. Das Internet ist gedrosselt und abgeschaltet. Die Lage deshalb schwer zu verifizieren für Beobachterinnen und Beobachter von außen. Alles deutet darauf hin, das Regime reagiert mit Härte. Videos von brennenden Moscheen spielen den Machthabern in die Karten. Sie sprechen von Terror und ausländischer Steuerung.

Trump wiederum hat für den Fall weiterer Gewalt an Eingreifen der USA in Aussicht gestellt. Erstmal hören wir die Opposition, dann ordnet ein Iran-Experte ein. Unser erster Gast ist Shaheen Goubadi. Er ist Sprecher des Nationalen Widerstandsrates im Iran, in CRI, einem Oppositionsbündnis mit großem Netzwerk im Land.

Der Widerstandsrat ist umstritten. Denn seine Einblicke sind trotzdem wichtig. Kurz gesagt, im Iran hat eine Revolution begonnen. So würde ich es beschreiben, was gerade passiert. Montagabends war der 16. Tag der Proteste. Trotz eines äußerst brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte halten Aufstand und Demonstrationen an.

Es gab Zusammenstöße in mehreren Städten, in Isfahan, im Zentrum und auch in weiteren Regionen. Aus Teheran wurden von Sonntagabend Auseinandersetzungen in vielen Firmen gemeldet. Trotz des massiven Vorgehens dauern die Proteste landesweit an. Revolution ist natürlich ein großes Wort. Revolution ist aber natürlich auch das, wovon Leute wie Gobadi schon seit vielen, vielen Jahren träumen.

Das Mullah-Regime ist seit 1979 an der Macht. Damals wurde der Schar gestürzt. Und wie gesagt, die ganzen Jahre träumen diese Leute von einer Revolution davon, dass das Mullah-Regime fällt. Insofern ist es nachvollziehbar, dass ein Mensch wie Bobadi dieses Wort benutzt. Wir legen diese Sicht mal neben eine nüchterne Analyse.

Walter Bosch aus Österreich erordnet ein. Er arbeitet an der Landesverteidigungsakademie des österreichischen Bundesheeres und ist Experte für den iranischen Sicherheitsapparat. Ja, ich glaube nicht, dass diese Proteste jetzt schlimmer oder härter oder umfangreicher sind als 2022. 2022 war schon sehr groß und sehr weit und die Riesenkrise war ja 2009 und die hat das Regime auch überstanden.

Sie haben es erwähnt, mit den Zahlen, wie er in all diesen Konflikten wird mit Zahlen herumgetrickst, wird gezählt von allen Seiten, die einen aus Verzweiflung und Wut, die anderen aus politischem Kalkül, sowohl von der Regierungsseite als auch von der Oppositionsseite. Und die Abhängigkeit vom Internet für Bilder hat eben auch dazu geführt, dass wir jetzt tatsächlich blind sind und nicht mehr wie früher Kriegsberichterstatter vor Ort mit Menschen gesprochen haben oder große Risiken persönlich auf sich aufgenommen haben.

So wie es aussieht, wendet sich jetzt das Blatt oder hat sich schon gewendet und das Regime agiert sehr selbstbewusst, mit großem Selbstvertrauen und es spricht nichts dafür, dass diese Proteste nicht so wie alle anderen im Sande verlaufen würden. Was jetzt aber nicht heißt, dass es ein. Einziger Sieg oder ein klarer Tag für das Regime wäre.

Das hört sich natürlich sehr zurückhaltend an, aus Expertensicht. Das hört sich auch deutlich anders an, als beispielsweise unser Bundeskanzler Friedrich Merz, der jetzt kürzlich prophezeit hat, der war jetzt in Indien auf einem Staatsbesuch, dem ersten in Asien, ist auf die Proteste angesprochen worden und hat eben auch davon gesprochen, dass die harte Niederschlagung der Proteste mit mittlerweile mehreren Hundert, wahrscheinlich deutlich über 2000 Toten, andere gehen sogar von 3000 Toten mittlerweile aus, dass das eigentlich ein Indiz dafür sei, dass das Mullah-Regime kurz vor dem Fall stehe.

Das März hat dem Mullah-Regime noch ein paar Tage, vielleicht maximal Wochen gegeben. Da ist Posch, der Iran-Experte aus Österreich, offensichtlich deutlich zurückhaltend und geht davon aus, dass das Regime noch einigermaßen stabil ist. Aber wir hören jetzt auch nochmal als Kontrast die Opposition, insbesondere zur Frage eben, welches Ausmaß und welche Brutalität das hat.

Kommen wir nochmal zu den Zahlen, weil wie gesagt, es ist alles sehr, sehr blurry im Iran, gerade seit das Internet abgeschaltet worden ist. Das war in der vergangenen Woche Donnerstag. Seitdem dringt nur noch wenig nach draußen. Man gibt ein paar Aufnahmen, ein paar Videos, die offensichtlich über Starlings rausgeschickt worden sind. Aber das ist natürlich alles schwierig.

Insofern sind diese Zahlen, mit denen jetzt auch operiert wird, mit Vorsicht zu genießen. Nach Angaben des Netzwerks der Volksmujahedin Iran, dem größten Mitglied unserer Koalition vor Ort, sind bis zum 11. Januar mindestens 3000 Demonstrierende vom Regime getötet worden. Diese Informationen stammen aus 195 Städten im ganzen Land und beruhen auf Daten aus Krankenhäusern, von Gerichtsmedizinern sowie von Angehörigen der Opfer und von Vermissten.

Nach umfangreicher Recherche erklärte das Netzwerk, dass inzwischen eindeutig mehr als 3000 Menschen getötet wurden. Und trotz dieses massiven Vorgehens, dessen Ausmaß kaum vorstellbar ist, halten die Proteste an. Wir halten den ganzen Tag über Neuberichte aus dem Iran. Das ist natürlich alles nachvollziehbar.

Also ich habe es ja vorhin schon gesagt, die Opposition, Leute wie Shaheen Gubadi, die wollen natürlich, dass das Regime stürzt. Die gehen davon aus, dass es jetzt gibt, aber man, zur Ehrlichkeit, gehört auch dazu, das war schon 2022, 2023 bei den Jinjian Nasadi-Protesten so. Ihr erinnert euch, damals gab es einen Ausstand, weil eine junge Kurdin erschossen wurde, die ihr Kopftuch nicht richtig getragen hat.

Danach haben sich also Proteste, landesweite Proteste entzündet, die über Wochen und Monate gingen. Und auch damals gab es eben viele Beobachterinnen und Beobachter, die gesagt haben, naja, jetzt ist das Mullah-Regime aber endlich soweit, dass es jetzt kollabiert. Und auch die Opposition damals war eben der Meinung, dass es jetzt endlich soweit sein müsste.

Das ist, wie wir heute wissen, eben nicht der Fall gewesen. Die Mullahs haben sich gehalten. Und ja, auch was die Eskalation der Proteste angeht, von denen Gubadi spricht, da muss man vielleicht auch ein Fragezeichen dran machen. Also in den vergangenen Tagen gab es, wie gesagt, nur relativ wenig an Berichten, was rausgedrungen ist.

Regimenahkanäle, Telegram-Kanäle haben gemeldet, dass die Proteste deutlich zurückgegangen seien. Das Staatsfernsehen hat Bilder gezeigt von Massenprotesten, von Pro-Regime-Anhängerinnen und Anhängern. Insofern, ja, man weiß also nicht wirklich, was da gerade passiert. Die Opposition, dass sie jetzt also die Eskalation meldet und sagt, naja, also das steht alles vor dem Kollaps, ist klar.

Der Experte mahnt zur Vorsicht bei den Zahlen und er weist nochmal sehr deutlich auf die Resilienz des Regimes. Er sagt allerdings auch, der Österreicher Posch, der Iranist, jeder Sieg in Anführungszeichen des Regimes hat seinen Preis. Man darf übrigens auch nicht vergessen, im Juni gab es ja diesen zwölftägigen Krieg mit Israel.

Es gab schwere Schläge der israelischen Luftwaffe und der amerikanischen Luftwaffe gegen das iranische Nuklearprogramm. Es gab auf der anderen Seite auch viele Attacken gegen die sogenannte Achse des Widerstands, zu der die Hezbollah gehören, die Hamas im Gaza-Streifen, die Hezbollah im Libanon, die alle von dem Mullah-Regime aufgerüstet worden waren zum Kampf gegen Israel und das hat natürlich alles sowieso das Regime geschwächt und jetzt sagt Posch eben auch, jeder, wie gesagt, in Anführungszeichen Sieg des Regimes hat eben seinen Preis.

Vielmehr ist davon auszugehen, dass bei jedem dieser Proteste, der niedergeschlagen wurde, das zwar ein Sieg, aber eben ein Pyrosieg ist. Und ab irgendeinem gewissen Zeitpunkt kann man sich solche Pyrosiege nicht mehr leisten. Nicht nur, dass die Legitimität schon sehr schweren Schaden genommen hat, und zwar spätestens ab 2009, ab der manipulierten Wahl, wo unbedingt der Nachmardinische Art an die Macht gekommen ist, oder dass man auf eigentlich seine ideologische Niederlage 2022 bei den Frauenleben-Freiheit-Protesten, wo man dann zum Schluss ja auch bei der Kopftuchfrage, die so sinnlos überhöht war, im Regime aufgeben musste.

Man sieht es überall, das sind Legitimitätssachen schon dahin. Die Leute wollen auch nicht mehr, agieren auch so, dass sie sagen, wir glauben nicht mehr an die Reformkräfte, wir glauben nicht mehr an die Reformierbarkeit des Regimes. 3000 Tote, wenn das, was Gubadi da kommuniziert, tatsächlich stimmen sollte, wäre das eine sehr erschütternde Bilanz.

Die Zahl ist, glaube ich, aber auch, obwohl man, wie gesagt, nicht so genau weiß, was da passiert, aber nicht ganz abwegig. Das Regime selber hat heute noch am Tag dieser Aufnahme am Dienstag über 2000 Tote gemeldet. Es gibt Videos aus einem forensischen Institut, die verifiziert worden sind von diversen Nachrichtenagenturen.

Die zeigen also jede Menge Leichensäcke für zweifelte Angehörige, die versuchen, ihre Verstorbenen zu identifizieren. Es gibt mittlerweile Berichte über sehr, sehr viele Festnahmen und auch Schnellverfahren, nach denen Leute hingerichtet werden. Die offiziellen Stellen sprechen natürlich von Randalierern und Terroristen.

Und gleichzeitig, das habe ich schon gesagt, sehen wir pro Regime Kundgebungen im Staatsfernsehen. Kobadi, der Oppositionelle, der nennt das eine Inszenierung. Let me be very clear. These are all, as we say, state-managed. These are all state-organized protests, and despite all the regime's propaganda, I think these are desperate acts to boost the morale of the regime's forces, which are totally, totally dispirited, because from all indications, Das sind staatlich gesteuerte, staatlich organisierte Demonstrationen.

Trotz aller Propaganda sind das verzweifelte Versuche, die Moral der eigenen Sicherheitskräfte zu heben. Kräfte, die völlig demoralisiert sind. Nach allen Anzeichen weiß das Regime, dass sein Ende näher rückt. Es hat gesehen, wie sich die Proteste im ganzen Land ausgebreitet haben und wie mehrere Generationen beteiligt sind.

Deshalb greift es zu massiver Gewalt. Wer Menschen in dieser Zeit auf offener Straße tötet, weiß, dass er auf einer Einbahnstraße ist. Die Idee, das Regime habe noch breite Unterstützung, ist längst passé. Das sind Zeichen eines Systems, das verzweifelt, um sein Überleben kämpft. Das muss er vielleicht auch nochmal einordnen.

Also der Iran ist zwar natürlich eine Diktatur, aber das ist keine wirklich, auch wenn sie sich auf den geistigen Führer Ayatollah Khamenei natürlich zuspitzt, Aber das Regime steht schon auf breiteren Schultern. Also es gibt beispielsweise die Revolutionsgarden, das ist eine militärische Einheit. Die, manche sagen, eine Eliteeinheit, die es jenseits der regulären Armee gibt, die also nur Khamenei unterstellt ist.

Und diese Revolutionsgeheimen sind mittlerweile so eine Art Staat im Staate geworden, übrigens ähnlich wie die Risbollah im Libanon. Es gibt die Basics, das sind Milizen, die regimnah sind. Es gibt den Geheimdienst oder verschiedene Geheimdienste. Es gibt ein Sicherheitsapparat, das sich in Jahrzehnten verhärtet hat. Es gibt also viele Leute und das ist übrigens auch ein bisschen was, was auch für Venezuela gilt.

Ich empfehle euch da unsere jüngste Folge zum Thema Venezuela, wo die Amerikaner ja kürzlich auch Luftschläge durchgeführt haben und den bisherigen Machthaber Maduro entführt haben. Da haben wir damals auch mit einer Expertin über die Resilienz des Maduro-Regimes oder des venezolanischen Regimes gesprochen.

Und da war es eben auch so ähnlich. Es gibt also sehr viele Leute, die ein großes Interesse haben an einem Weiterbestand des Regimes. Und es nützt also relativ wenig, wenn man da so ein, zwei, drei, vier Figuren rausnimmt, Führungsfiguren, im Fall Venezuela-Maduro oder jetzt im Fall Iran-Khamenei. Teile der Gesellschaft profitieren eben von diesem System. Es sind hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen im Staatsdienst im Iran tätig und andere haben Angst.

Viele sind auf jeden Fall aber wütend. Eines ist aber neu oder vielleicht besonders bei diesen Protesten. Wir haben ja im Grunde genommen wegen der wirtschaftlichen Lage der Schlechten angefangen. Also der Real, die iranische Währung ist massiv abgestürzt Ende Dezember. Die ist mittlerweile kaum noch was wert.

Also 10 Millionen Real sind gerade mal 8,60 Euro umgerechnet. Also das ist so gut wie gar nichts. Und das war eben das Spannende, dass zu der Zeit dann eben die Basar-Händler in Teheran, die ersten waren, die auf die Straße gegangen sind, die gelten eigentlich als sehr, sehr konservativ. Und das ist ungewöhnlich, dass es diejenigen, dass sie es waren, die als erste auf der Straße waren. Da ging es erst vor, nämlich Proteste gegen die Wirtschaft.

Und dann ist das Ganze aber sehr, sehr schnell politisch geworden. Es hat sehr schnell politische Verholen gegeben, die man auf den Straßen gehört hat, die auf den Straßen gerufen wurden, tot dem Diktator und ähnliches. Und ja, das ist eine sehr, sehr rasante Entwicklung, anders noch als 2022, 2023. Und Gobadi unterscheidet eben auch das, was heute passiert, von dem, was damals geschehen ist, vor wenigen Jahren.

In terms of the how quickly it spread throughout the country, it spread to a matter of a few days to 195 cities and towns throughout the country. Es begann mit einem Streich von den Bazaris, die der Backbone der iranischen Ökonomie sind. Aber in ein paar Minuten sind sie erst durch Teheran, dann in andere Stadt und dann nationweit.

In all 31 Provinzen. Das war ein sehr klartes Kriterium für diese Uprising. Der zweite ist die Slogan der Menschen. Es ist sehr wahr, dass es mit ökonomischen Grävenen begonnen hat, aber sehr schnell... Dieser Aufstand hat sich in wenigen Tagen auf 195 Städte in allen 31 Provinzen ausgedehnt. Es begann mit einem Streik der Basar-Händler, dem Rückgrat der iranischen Wirtschaft.

Was als wirtschaftlicher Protest startete, wurde schnell politisch. Nieder mit dem Diktator, nieder mit Khamenei, nieder mit dem Unterdrücker, ob Schah oder oberster Führer. Das zeigt, die Menschen lehnen jede Form von Diktatur ab. Die frühere wie die aktuelle. Auffällig ist auch die Zusammensetzung. Händler und Mittelschicht, urbane Armee, intellektuelle Studierende, die ganze urbane Breite.

Und am wichtigsten, die Generation Z, die Gen Z, hat sich nicht zurückgezogen. Sie hat Widerstand geleistet, sie hat sich gewehrt. composition involved. And most importantly, I think, is the courage of the Generation Z, Gen Z, that instead of just, you know, giving up When they were attacked by the regime, this time around they resisted. They fought back.

I saw billboards in Tehran that written big letters that said... Das, wie gesagt, ist die Sicht der Opposition, sie ist wichtig, aber das ist natürlich erstmal nur eine Seite und jetzt ist die Frage, was passiert eigentlich von außen? Also es wird also von innen passiert gerade wieder jede Menge. Donald Trump hat angekündigt, dass er irgendetwas unternehmen werde.

Es ist bei ihm ja immer so ein bisschen schwierig einzuschätzen, was. Aber falls das Regime die Demonstrierende zusammenschießen werde, das tut es zweifelsohne. Das ist definitiv der Fall. Das sagt das Regime ja auch selber, dass es eben hart gegen die sogenannten Randalierer oder Terroristen vorgeht, also gegen die Demonstrierenden.

Und Trump hat also schon mehrfach angedeutet, dass er möglicherweise militärische Mittel einsetzen werde. Ich glaube, dass ein großflächiger Angriff der USA auf militärische und administrative Ziele im Iran stand heute nicht unmittelbar bevorsteht. Ich glaube nicht, dass morgen ein großflächiger Angriff geschehen wird.

Da fehlen einfach aktuell noch die Ressourcen in der Region dazu. Dazu aber, was natürlich möglich immer ist, dazu haben die USA genug Flugmaterial, also Flugzeuge in der Region. Das sind symbolische Schläge oder gezielte Tötungen von Regimeführern. Beides wäre allerdings riskant. Dann würden nach innen noch härtere Repressionen drohen, nach außen möglicherweise Vergeltung.

Auch das haben die Iraner schon angekündigt, sollten sie angegriffen werden, werden sie zurückschlagen, gegebenenfalls Israel angreifen, gegebenenfalls US-Militärbasen in der Region angreifen. Das könnte natürlich eine Kettenreaktion auslösen in der Region. Und das große Problem ist auch, was wäre danach? Also wenn das Regime kollabiert, auch durch Angriffe von außen, gibt es denn da eigentlich einen Plan und wie kann der aussehen?

Also es gibt ja diese Beispiele, die wir zuhauf haben in der Region. Ob das der Irak ist, ob das Libyen ist, ob das Syrien ist oder eben Afghanistan, das Nachbarland, das Iran, wo Regime-Changes, die von außen sozusagen orchestriert worden sind, beziehungsweise in die Wege geleitet wurden, dass das die Länder eigentlich nur ins Chaos gestürzt hat oder im Fall von Afghanistan dazu geführt hat, dass 20 Jahre nach dem Regimesturz.

Nach dem Sturz der Taliban, die Taliban plötzlich wieder an der Macht sind. Zu den USA hat der Iran-Experte Posch Folgendes gesagt. Trump ist eigener Fall. Das ist hochinteressant, weil was er bis jetzt aufgeführt hat oder gemacht hat, war ja, dass er im Juni, mit dieser Bombardierung und dem iranischen Gegenanschlag null Verluste zusammengebracht hat.

Und er macht Drohungen, betont aber auch, man kann mit uns reden, man kann mit mir reden. Sie sehen keinen Truppenaufbau, nichts über den Landweg. Und bombardieren ja die Amerikaner, die können jederzeit jeden Punkt auf der Welt bombardieren. Aber dann halt auch wieder, es bringt dann nichts, wenn am nächsten Tag Herr Charmenei im Fernsehen auftritt und eine schöne Rede hält.

Nach der Bombardierung. Und das sind die Sachen, an die Trump denkt. Und was ich übrigens auch spannend finde, was Posch auch sagt, die große Frage ist ja, was sagen eigentlich die Nachbarn dazu? Also gerade die arabischen Länder, die ja eigentlich, so ein Land wie Saudi-Arabien, als Erzfeind des Iran gilt, die arabischen Länder, Golfstaaten, sunnitisch geprägt, sunnitische Muslime, der Iran schiitisch geprägt.

Also schiitische Muslime im Iran und beide eben auch in einer sehr starken Konkurrenzsituation, was die Kontrolle der Region angeht. Und ausgerechnet die Saudis, da glaubt Posch, dass die eher auf Stabilität setzen als auf einen unkontrollierten Staatsverfall. Im Allgemeinen gilt, die Staaten, die dem Iran am meisten wählen könnten, wären ja die Araber.

Warum? Weil sie in der Lage sind, mit den Sunniten denen Schutz angeteilt zu lassen und schon eine riesige Erfahrung haben über Jemen, über die Kriege in Afrika, wie man das macht auf der handwerklichen Ebene. Und da herrscht Burgfrieden. Saudi-Arabien hat es auch ein paar Mal angedeutet, dass sie nicht daran interessiert sind, den Iran zu destabilisieren.

Ein mit sich selbst beschäftigter, aber stabiler Iran, dem die Flügel in der Region gestutzt worden sind. Das ist in Syrien der Fall. Und mit dem man sich einigen kann, ist ihnen lieber so ein Regimesturz. Es ist ihnen sogar egal, ob da der Shah kommt, ob da eine Demokratie kommt oder wieder ein Moller.

Wichtig ist für diese Staaten Stabilität und dass man weiß, wenn man Anrufe Probleme hat. Man will wissen, wer ist der Geheimdienstchef, man will wissen, wer ist der Generalstaatschef und dass die das Telefon abheben, wenn man von Riad aus ab anruft. Ja und am Ende muss man sagen, geht es natürlich um die Menschen.

Es geht um die Menschen im Iran und auch die haben natürlich keine Lust darauf, dass ihr Land ein zweites Syrien wird, dass ihr Land zerfällt. Dass in einem Land wie dem Iran 14 Jahre Krieg bevorstehen, wo sie unterschiedliche Gruppen zerfleischen, wo möglicherweise ein Staatszerfall drohen könnte. Wir haben ja, Iran ist ja ein unglaublich multietnisches Land, auch multikonfessionelles Land, mit großen Bevölkerungsgruppen wie den Kurden im Westen des Landes, den Belutschen im Osten des Landes, mit denjenigen, die mit dem Nationalen Widerstandsrat sympathisieren, aber auch denjenigen, die, das hat man auf den Demonstrationen Man hat es auch wieder gesehen, häufig die Fahne des alten Schars da durch die Gegend tragen.

Und jetzt darauf hoffen, dass Gresla Pahlavi, der Sohn des 1979 geschützten Schars, möglicherweise wieder in der Region aktiv wird. Also da gibt es, wie gesagt, ganz unterschiedliche Interessen auch, was die Zukunft angeht. Es gibt eben keine gemeinsame Vision von der Zukunft. Die Kurden wollen gerne einen föderalen Staat haben.

Die Belutschen, zumindest gibt es da, Separationsbestrebungen. Also unterschiedliches Denken, was die Zukunft des Iran angehen kann, was natürlich immer die Gefahr birgt, dass es da zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen kommt, die auch der Iran-Wissenschaftler Posch definitiv nicht ausschließen kann und will.

Und trotzdem, wie gesagt, es geht um die Menschen. Und deswegen, glaube ich, ist es nochmal wichtig, so einen persönlichen Ton von Cheyenne Gobadi zu hören. Den habe ich gefragt, wo er denn als erstes hingehen würde, er, der seit vielen, vielen Jahren im Exil lebt in London, wo er hingehen würde, falls das Regime fällt.

Ich will go to the place that the victims of this uprising and victims of the 1988 massacre are buried. Because this is their revolution. This is why... was they fought for. When people are talking about this guy coming to power, that guy coming to power, it's saddening for me because. Ich würde zuerst an die Orte gehen, an denen die Opfer dieses Aufstands und die Opfer des Massakers von 1988 begraben sind. Denn das ist ihre Revolution.

Wenn darüber gesprochen wird, wer jetzt an die Macht kommen könnte, macht mich das traurig. Das gehört den Menschen, die ihr Leben dafür gegeben haben. Es ist die Geschichte einer Nation, die für Würde, Freiheit, Gleichheit und eine bessere Zukunft aufsteht. Mein Versprechen, alles zu tun, damit ihre Hoffnungen und Ziele bewahrt werden.

Freiheit, Demokratie, eine gerechte Gesellschaft und eine gute Zukunft für alle Iranerinnen und Iraner. Wir wollen ein guter Zukunft für alle Iranian. Und das ist ein Wettbewerb, das wir als ein Movement haben, und mir als ein Person. So, das ist mein... Das erklärt also, warum viele trotz der Gefahr weiter demonstrieren.

Viele haben einfach im Iran die Schnauze, schlicht und ergreifend gesagt, vor dem Regime voll. Es ist sklerotisch, das Regime, es ist reformunfähig, ganz offensichtlich. Die wirtschaftliche Lage ist miserabel, das führt natürlich auch zu noch mehr Unmut. Und die Frage ist, was schaffen diese Leute jetzt?

Also wie gesagt, 2022, 2023 haben wir auch viele Beobachterinnen und Beobachter gedacht, so jetzt war es das mit dem Regime. Aber es hat sich gehalten, es konnte seine Macht wieder konsolidieren. Wir sehen jetzt wieder, dass es die Kommunikationshoheit im Land hat, also die Macht über die Bilder auch.

Und schickt eben diese loyalen Menschen auf die Straße, Er schimpft über ausländische Einmischung, über die ausländische Steuerung derjenigen, die da gegen das Regime protestieren und gesehen, wie hart die Proteste diesmal niedergeschlagen werden. Es ist die große Frage, wie geht es weiter? Kurzfristig hält das System offensichtlich, Sicherheitsapparate und die Abhängigkeiten greifen.

Jeder niedergeschlagene Protest ist allerdings auch, das hat der Iran-Wissenschaftler Posch uns ja gesagt, ist ein Führersieg, ist ein Sieg, der das Regime auf einem immer dünneren Fundament stehen lässt und die Legitimität des Regimes bröckelt definitiv. Das Problem ist, dass jetzt durch diese Drohungen von außen, dass die Amerikaner sagen, wir greifen gegebenenfalls militärisch ein, dass möglicherweise das ganze Geschehen wird mit Flankierung der Israelis, dass das wiederum das Feindbild und das Narrativ des Regimes unterstützt.

Also diese Geschichte, im Grunde genommen sind die Proteste nur von außen gesteuert. Und deswegen halte ich das für ein sehr, sehr gefährliches Spiel, was die Amerikaner da einmal mehr treiben. Es gibt, meines Erachtens, auch so gut wie keine Oppositionsgruppe, die ein Eingreifen von außen wirklich dezidiert fordert.

Der Einzige, der immer wieder mal sowas andeutet, ist Pahlavi, Reza Pahlavi, der Sohn des früheren Schahs. Aber ansonsten sagen alle eigentlich, mit denen man spricht, ob das jetzt Kurden sind, Belutschen sind, ob das die schiitischen Perser sind, dass sie eigentlich, wenn es eine Revolution geben soll, dass die eben aus dem Volk selbst heraus passieren sollen, um eben zu verhindern, dass das Ganze völlig kollabiert und dass man es irgendwie schafft, den Iran in eine vernünftige, demokratische Zukunft zu führen.

Da ist allerdings eben, wie gesagt, das ist ja schon angesprochen worden, auch die große Frage, wer soll das eigentlich machen, was gibt es da für eine Vision von der Zukunft? Die sehe ich, die sehe andere Beobachterinnen und Beobachter noch nicht. Vielen Dank. Das ist natürlich auch ein großes Problem, dass es da, wie gesagt, diese gemeinsame Visionen immer noch nicht gibt.

Ich hoffe jedenfalls, dass es irgendwie funktionieren kann und wird, dieses Müller-Regime abzulösen und zwar in der Art und Weise, die es dann zu einem sanften Übergang, vor allem friedlichen Übergang in eine Demokratie reinführt. Was jetzt, glaube ich, erstmal zählt, ist, dass wir an verlässliche Informationen kommen über das, was da im Land passiert, trotz der Internetabschaltung, dass es Schutz für Verfolgte gibt, dass es eine Stärkung der Zivilgesellschaft gibt und ihrer Netze im Land wie im Exil gilt, glaube ich, so ein bisschen nüchtern zu bleiben und jetzt nicht irgendwie.

So wie Friedrich Merz, in die Illusion zu verfallen, dass Regimen können also sofort und in wenigen Tagen gestürzt werden. Da ist die große Gefahr meines Erachtens, das ist ja jetzt auch schon mehrfach angesprochen worden, dass wir dann plötzlich eben ein Szenario haben, wenn wir das in Syrien gesehen haben, das will natürlich kein Mensch.

Es ist natürlich eine Dilemmasituation. Jeder will eigentlich den Iranerinnen und Iranern helfen, die ihr Leben riskieren, für die Demokratie auf die Straße gehen, für den Sturz des Mullah-Regimes auf die Straße gehen. Aber die Frage ist, was kann man von außen tun? Und ich glaube, das Wichtigste ist erstmal, informiert zu bleiben, auf dem Stand zu bleiben, möglicherweise gegen das Regime härter vorzugehen in Form von Sanktionen und anderen Sachen, aber eben nicht mit militärischen Schlägen.

Ich glaube, das wäre ja kontraproduktiv und würde dazu führen, dass das Land einfach unkontrolliert zerfällt. Und wie gesagt, daran kann kein Mensch ein Interesse haben. Das war im Krisenmodus. Dieser Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister. Er ist auch ein Journalist beim Radiosender der Funke Mediengruppe.

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