
Im Krisenmodus· Folge 129
US-Angriff auf Venezuela: Maduro festgesetzt – was jetzt folgt
Samstag, 3. Januar 2026 · 36 min
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Shownotes
US-Luftschläge auf Ziele in Venezuela, Präsident Nicolás Maduro festgesetzt und nach New York gebracht. Die Regierung in Caracas meldet Tote, ruft den Verteidigungsfall aus und spricht von einer völkerrechtswidrigen Aggression. Steht Venezuela vor einem Regimewechsel – oder drohen Repression, Instabilität und eine regionale Eskalation?
FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen (nrz.de/politik/article410839483/us-angriff-auf…) spricht in dieser Sonderfolge unseres Podcasts „Im Krisenmodus“ mit der Lateinamerika-Expertin Dr. Claudia Zilla (Stiftung Wissenschaft und Politik) über die Motive der USA, den Drogenvorwurf gegen Maduro, die Logik autoritärer Regime, die Rolle des Militärs, das Völkerrecht – und die Frage, was jetzt realistisch passieren kann.
Gast:
Dr. Claudia Zilla - Senior Fellow, Forschungsgruppe Amerika,
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin
Jan Jessen – Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter
FUNKE Mediengruppe
🧭 Kapitelübersicht
1 – Angriff und Festsetzung
US-Luftschläge auf Venezuela, Entführung von Präsident Nicolás Maduro und seiner Frau, Notstand in Caracas
2 - Drogenvorwurf gegen Maduro
Warum Venezuela keine zentrale Rolle im Drogenhandel spielt – Transitwege, Fentanyl, Mexiko-Grenze
3 – Regimewechsel ≠ Demokratisierung
Warum die Festnahme der Staatsspitze das System nicht automatisch kippt
4 – Stimmung im Land
Wut, Trauer, Unsicherheit: Wie Bevölkerung, Opposition und Regime reagieren
5 – Droht Gewalt oder Zerfall?
Rolle des Militärs, mögliche Repressionen, Risiken interner Machtkämpfe
6 – Lateinamerika & Europa
Geteilte Reaktionen in der Region, Sorge vor US-Hegemonie, Europas Dilemma
7 – Völkerrecht & Ausblick
Warum der Einsatz als völkerrechtswidrig gilt – und was jetzt entscheidend wird
🎧 Hör-Empfehlungen
Gaza in der Waffenruhe (nrz.de/podcast/article410489444/gaza-in-der-wa…)
Karibik-Machtprobe: Venezuela - Invasion oder Säbelrasseln? (nrz.de/podcast/article410609111/karibik-machtp…)
Sudan: Wer profitiert vom Krieg? (nrz.de/podcast/article410171570/sudan-wer-prof…)
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Auswärtiges Amt
Aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise für Venezuela.
🔗 Website: auswaertiges-amt.de/de/service/laender/venezue…
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Es ist Samstag, der 3. Januar 2026 und das neue Jahr beginnt mit einem neuen Krieg. Am frühen Samstagmorgen haben die US-Amerikaner Venezuela angegriffen mit massiven Luftangriffen, die sie geflogen haben, unter anderem auf die Hauptstadt Caracas. Eine Spezialtruppe der US-Amerikaner hat den bisher amtierenden Präsidenten Nicolas Maduro und seine Frau entführt und nach New York gebracht.
Dort soll ihnen der Prozess gemacht werden wegen Terrorismus und Drogenhandel. Was passiert da gerade in Venezuela? Warum passieren diese Angriffe jetzt und was sind die Hintergründe? Willkommen zu Im Krisenmodus. Ich bin Jan Jessen, Politikchef der NAZ und Kriegs- und Krisenreporter der Funke Mediengruppe.
Meine Reportagen lest ihr in den Funke-Titeln, unter anderem in der NAZ, in der WAZ, in der Braunschweiger Zeitung und in der Berliner Morgenpost. US-Präsident Donald Trump hat bestätigt, Venezuelas Präsident Nicolas Maduro ist festgenommen worden, gemeinsam mit seiner Ehefrau. US-Truppen haben Venezuela angegriffen, Explosionen waren in Caracas zu hören, es gibt einen Notstand im Land.
Europa ruft zur Deeskalation an, Russland spricht von bewaffneter Aggression, auch der Iran solidarisiert sich mit Venezuela. Was bedeutet all das für Venezuela und für die internationale Ordnung? Darüber möchte ich sprechen mit Dr. Claudia Ziller. Sie ist Venezuela-Expertin bei der in Berlin ansässigen Stiftung Wissenschaft und Politik, in der sie als Senior Fellow in der Forschungsgruppe Amerika arbeitet.
Herzlich willkommen, Frau Dr. Ziller. Damit ist zunächst mal die große Frage geklärt, warum es diese so starke militärische Präsenz der USA in der Karibik gibt. Und wir wissen jetzt, dass das nicht einfach symbolische Natur war und dass nicht nur vom Wasser aus sozusagen der Druck auf das Regime ausgeübt werden sollte.
Dass die Leute in Venezuela nicht damit gerechnet haben, ich glaube. Dass die Venezuelanerinnen und Venezuelaner mittlerweile sehr daran gewohnt sind, mit Krisen zu gehen, mit Bedrohungen umzugehen. Das gehört ein bisschen zum politischen Alltag seit einigen Dekaden und ich kann nachvollziehen, dass an diesen Tagen eher das Private, die Familie im Mittelpunkt stehen und dass man sich darauf fokussiert.
Und vor allem, wenn es nicht klar ist, was passieren soll, wenn die Frage einfach eine offene Frage ist, kann man sich damit auch schlecht auseinandersetzen. Die USA werfen dem venezuelanischen Regime ja vor maßgeblich für die Drogenschwemme in den USA verantwortlich zu sein, haben das Regime deswegen auch als Terrororganisation eingestuft.
In den vergangenen Monaten gab es ja auch mal wieder diese Angriffe auf die angeblichen Drogenboote in den Gewässern vor Venezuela und jetzt wird Maduro, der Präsident, den diese Spezialeinheit, offensichtlich Delta Forces, entführt haben mit seiner Frau in New York, angeklagt als Drogenschmuggler bzw.
Als Terrorist. Was ist wohl dran an diesen Vorwürfen? Diese Begründung scheint mir nicht überzeugend zu sein. Zunächst mal spielt Venezuela als Produktionsland von Drogen keine zentrale Rolle, als in anderen latinamerikanischen Staaten wie Bolivien, Peru und Kolumbien. Und für Transit ist Ecuador viel relevanter, weil die Hauptroute aus Südamerika in die USA verläuft über den Pazifik, was aus Venezuela über Wasser rausgelangt, kommt eher nach Europa.
Und dann das Hauptproblem der USA mit Drogen zur Seite ist Fentanil und das wird transportiert über die mexikanische Grenze. Von daher ist das Argument nicht überzeugend und dazu gibt es noch einen Gegenbeweis, dass Trump den ehemaligen Präsidenten Honduras benadigt hat, der wegen Drogenhandel für 45 Jahre Freiheitsstrafe bestraft war und also das passt alles nicht zusammen.
Gut, da fragt man sich natürlich, was ist der wirkliche Grund für diesen Eingriff? Also wir können sehr schlecht die Motivationen von Trump und seiner Regierung erkennen. Wir haben nur Hinweise darauf über Aktionen und Begründungen und die widersprechen sich oft und sind nicht unbedingt logisch. Sie sind nicht in einem eindeutigen Zusammenhang, wo wir sehen, dass das eine zum anderen passt.
Klar ist, dass hier zwei weitere Faktoren eine Rolle und vielleicht eine wichtige Rolle spielen und das ist die ideologische Ausrichtung der venezolanischen Regierung, dass das nicht eine rechte Regierung, nicht politisch rechts, sondern links angesiedelt ist und dass Venezuela die größten EU-Vorkommen der Welt hat, also der Zugang zu Rohstoffen.
Und diese Variable wurde auch sehr stark in der nationalen Sicherheitsstrategie der USA erwähnt, dass im eigenen Kontinent die USA sich den Zugang zu kritischen Rohstoffen zu bestimmten Regionen sichern will. Also jetzt fragt man sich ja, Maduro ist entführt. Man sieht allerdings, dass die venezolanische Regierung immer noch zum Widerstand aufruft.
Mit der Entführung von Maduro ist jetzt der Regimesturz erreicht oder ist das nur eine symbolische Geschichte, die da jetzt passiert ist? Gestürzt ist das Regime auf keinen Fall. Nur die Spitze wurde entführt durch eine Maßnahme, die völkerrechtswidrig ist. Und die Frage ist, was jetzt passiert. Also das Regime besteht nicht nur aus Präsidenten Maduro, sondern auch aus einem breiten zivilmilitärischen Apparat, das sehr miteinander verschränkt ist und in allen Bereichen des Staates durchregiert, dominant ist.
Und die Frage ist jetzt, was passiert? Wird es Brüche geben? Wie werden sich verschiedene Akteure innerhalb des Regimes positionieren? Und wie wird sich auch die Bevölkerung und die Opposition verhalten? Was haben Sie denn für einen Eindruck, was Sie jetzt aus Venezuela hören, wie die Bevölkerung sich verhält?
Also es gibt ja jetzt Berichte aus den USA, dass die Exil-Venezuelaner feiern diesen Angriff auf Caracas, dass aber in Caracas selber mittlerweile Leute zusammengekommen sind, um ihrer Wutausdruck zu verleihen, ihrer Trauerausdruck zu verleihen. Es sollen ja auch Menschen gestorben sein bei diesen Angriffen, nicht nur Militärs, sondern auch Zivilisten.
Genaue Zahlen sind da jetzt noch nicht publiziert worden, aber offensichtlich gab es eben auch Tote. Und insofern sind jetzt also in Karakas Menschen auf der Straße, um ihrer Wut, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. Glauben Sie denn, dass die Bevölkerung da mehrheitlich hinter solchen Angriffen steht und der Meinung ist, dass dieses Regime weg muss?
Oder hat das Regime immer noch großen Rückhalt in der Bevölkerung? Wir wissen aus Umfragen, dass die Diaspora, die venezolanische Diaspora eher für eine Intervention ist, sogar mit militärischen Mitteln. Wir wissen auch, dass die große Mehrheit der Bevölkerung für einen Regierungs- und sogar Regimewechsel ist.
Allerdings sieht es danach aus, dass nicht eine ähnliche Mehrheit eine Militärintervention der USA befürwortet. Also dass die Bevölkerung schon unterscheidet zwischen Machtwechsel und Eingriff einer ausländischen Großmacht. Und wie ist die aktuelle Lage? Also haben Sie irgendwie Klarheit darüber, was da jetzt on the ground passiert?
Also was macht das Regime jetzt gerade? Es gab ja die Ausrufung des nationalen Verteidigungsfalles. Die Leute sind zu den Waffen gerufen worden, unter anderem von der Vizepräsidentin oder dem Verteidigungsminister. Wir haben sehr deutlich gemacht, dass sie das, was ihnen da jetzt gerade passiert ist, als eine militärische und Aggression verstehen, eine ungerechtfertigte militärische Aggression, also die politisch Verantwortlichen.
Und ja, jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie ist da die Stimmung in der Bevölkerung? Ich habe ja vorhin schon gesagt, irgendwie gibt es Berichte, dass es da Solidaritätsbekundungen in Caracas gibt, Trauer- und Wutbekundungen. Aber ist das was, was jetzt irgendwie breit zu sehen ist oder sind das einige wenige System- bzw.
Regime-Anhängerinnen und Anhänger, die da demonstrieren und der Rest der Bevölkerung hält sich erstmal zurück? In der aktuellen Situation und in der kurzen Zeit erlaube ich mir kein Urteil darüber, wie die Bevölkerung das betrachtet und wie die ersten Reaktionen sind, abgesehen von denen, die Sie gerade erwähnt haben.
Die Vizepräsidentin hat sich gemeldet, der Verteidigungsminister hat sich zu Wort gemeldet und es wird zur Mobilisierung aufgerufen, allerdings zur Mobilisierung bis jetzt von Streitkräften und Kollektivus, also von bewaffneten Gruppen. Ich finde das eine nationalistische Erweckung, sozusagen es ist nicht auszuschließen, weil, wie gesagt, die Bevölkerung schon differenziert, unterscheidet zwischen wir wollen diese Regierenden weg, aber nicht unbedingt durch die USA.
Und entscheidend wird sein, was in den nächsten Tagen passiert, wie sich verschiedene Projekte, Teile, Flügel des Regimes verhält, wie sie sich positionieren, aber auch wie die Opposition reagiert. Ich meine, eine Befürchtung in der Bevölkerung könnte dies sein, dass sie nicht wirklich zum Zuge kommt, die nächsten Entwicklungen zu gestalten, also dass es, Sowohl Venezuelanerinnen und Venezuelaner als auch die Opposition überschattet wird durch diese Intervention und durch die Rolle der USA.
Das ist grundsätzlich zu befürchten. Ich finde das ganz spannend, denn ähnliches hört man auch immer wieder aus dem Iran. Also im Iran erleben wir jetzt auch gerade wieder neue Proteste der Bevölkerung, die sich zum einen gegen die schlechte wirtschaftliche Lage wenden, zum anderen aber auch das Regime infrage stellen, nicht zum ersten Mal.
Das ist ja auch schon 2022, 2023 passiert. Und was man eben aus dem Land hört, ist, dass die Leute sagen, ja, wir wollen Demokratisierung, aber wir wollen eben nicht, dass das von außen sozusagen reingetragen wird, dass so ein Regimewechsel herbeigebombt wird. Weil die Leute zumindest im Iran die Befürchtung haben, das könnte so enden wie Afghanistan, wie Irak, wie Libyen, wo wir nach erzwungenen Regimewechseln Chaos gesehen haben und Instabilität, die bis heute anhält, beziehungsweise im Fall von Afghanistan sogar die Rückkehr des alten Regimes.
Also sind das, meinen Sie, auch so Befürchtungen, die die Leute haben, also dass, wenn ein Regimewechsel durch Bomben herbeigeführt wird, erzwungenermaßen von außen passiert, dass das eben zu Chaos führen könnte? Einmal kann es zum Chaos führen. Das andere ist, ob dann die nationalen Kräfte eine Chance bekommen, den Prozess zu gestalten.
Und das dritte ist, was passiert mit dem Zugang zu Ressourcen? Also ich glaube schon, dass jetzt eine breite Mehrheit in der Bevölkerung entsteht, was gegen die nationale Kleptokratie hat, also mit der Selbstbereicherung der politischen und militärischen Elite. Aber glaube ich nicht, dass sie dafür wäre, dies durch ein Absapfen des Öls vom Ausland zu ersetzen.
Also ein Anspruch auf Teilhabe und auch an diesem Reichtum, dass die Förderung von Öl und der Export von Öl auch der Bevölkerung zugutekommt, dass das zum Wohlstand des Landes beisträgt. Darauf wir die Bevölkerung nicht verzichten wollen. Frau Dr. Ziller, was muss denn jetzt passieren? Also die Opposition hält sich zurück aus den Gründen, die Sie gerade genannt haben.
Aber was müsste denn jetzt passieren, um tatsächlich einen Regimewechsel zu erreichen? Ist das realistisch, dass das passiert? Also Regimewechsel erfolgt nicht einfach, indem die Spitze entführt wird. Das setzt viel mehr voraus und es müsste einen klaren Bruch geben bei den regimetragenden Akteuren. Und eine Mehrheit oder eine Minderheit, die über die Kontrolle der Waffen verfügt, in der Lage ist, den eigenen Willen durchzusetzen und der wäre ein Übergang zu einem anderen Regime.
Wobei, wir sollten unterscheiden zwischen Regimewechsel und Demokratisierung. Also Demokratisierung ist viel anspruchsvoller und voraussetzungsreicher und langwieriger als ein Regimewechsel. Und ein Regimewechsel ist, dass das Regime, das regiert, gewechselt wird. Wird gewechselt, die Person wird gewechselt oder die Ideologie wird gewechselt oder die Logik, nach der regiert wird.
Aber das muss nicht unbedingt Demokratisierung heißen. Wenn jetzt jemand, der politisch rechts ist, regiert, aber auch weiterhin undemokratisch und andere Beziehungen zu den USA pflegt und eine andere Außenpolitik, Wahrscheinlich werden wir von einem Regimewechsel reden müssen, aber nicht unbedingt von einer Demokratisierung, wenn diese Regierung nicht irgendwann mal die Macht aufgibt und freie und kompetitive Wahlen zulässt und dann die venezolanische Bevölkerung sich ihre regierende aussucht.
Sie sprachen gerade an, für den Regimewechsel ist es auch notwendig, dass diejenigen, die den herbeiführen wollen, im Grunde genommen auch bewaffnet sind. Deutet ja darauf hin, dass es zumindest zu Auseinandersetzungen innerhalb venezolanisch kommen könnte. Glauben Sie, dass möglicherweise dem Land jetzt so eine Art Bürgerkrieg droht oder zumindest ein bewaffneter Konflikt?
Also ich würde nicht vom Bürgerkrieg sprechen mit Betonern auf Bürgerinnen und Bürger. Dann wären so möglicherweise Regimeflügel, die sich gegenseitig bekriegen. Ja, oder, aber das muss, das sehe ich jetzt noch nicht unmittelbar. Ich habe noch keine Zeichen dafür gesehen. Natürlich kann sich in den nächsten Stunden und Tagen die Sache sehr dynamisch entwickeln und ich meine Interpretation revidieren müssen.
Aber es muss nicht unbedingt mit Gewalt geschehen, aber es kann Gewalt im Spiel sein und entscheidend ist, dass die Bewaffneten oder diejenigen, die über die Waffen verfügen, die Streitkräfte bereit sind, sich der Kontrolle einer Gruppe zu unterstellen. Dem zu folgen. Aber diese Gruppe wird. Am Anfang in Venezuela immer zivilmilitärisch sein.
Also ich kann mir nicht vorstellen, dass gleich eine rein zivile Gruppe sich herauskriminalisiert, die die Kontrolle über das Land übernimmt und in der Lage ist, den Streitkräften Befehlen zu erteilen. Und wir haben bisher die ganze Versorgungsfrage außen vor gelassen. Aber dieses Land besteht nicht nur aus Politik.
Man muss die Dienstleistungen im Betrieb halten. Die Bevölkerung braucht Nahrungsmittel. Also die Krankenhäuser müssen weiter funktionieren. Also es gibt eine Reihe von Bereichen, wo das Militär tätig ist, wofür das Militär zuständig ist und die Frage ist, welchen Befehlen werden da gefolgt? Und jetzt hat der US-Außenminister Rubio ja erzählt, mit diesen Luftschlägen, mit der Entführung von Maduro sei diese militärische Operation vorbei.
Aber wenn es jetzt ja wirklich so sein sollte, dass die Amerikaner da möglicherweise Zugriff auf die Ölreserven Venezuelas haben wollen oder wenn es darum geht, Kräften an die Macht zu helfen, die mehr den USA zuneigen, dann ist es ja glaube ich nicht damit getan, mit dem was jetzt passiert ist. Also Sie haben ja gesagt, die Spitze des Regimes zu entführen, destabilisiert das Regime erstmal nicht.
Also wie wahrscheinlich ist das, dass die USA jetzt auch noch Bodentruppen in das Land reinsenden? Ich weiß nicht, ob wir vom Bodentruppen ausgehen können, aber ich kann mir schlecht vorstellen, dass die USA darauf verzichten, die nächsten Entwicklungen im Lande zu beeinflussen. Also ich glaube. Dem, was bisher passiert ist, wird schon der Anspruch folgen, die Politik in Venezuela weiter gestalten zu wollen und wie soll das geschehen ohne irgendeine Art militärische Präsenz.
Sei denn sozusagen als Hauptakteur, sei denn, um die Freunde in dem Land, von den USA betrachtet, zu unterstützen, um ihnen eine Rückendeckung zu geben, also, Das sind zwei mögliche Szenarien für mich jetzt. Was wird das Regime denn jetzt machen? Also es gibt ja die, wir sprachen es ja schon an, die Vizepräsidentin, die sich öffentlich geäußert hat, der Verteidigungsminister.
Beide wirken sehr entschlossen, man werde die Revolution verteidigen, man werde die Unabhängigkeit des Landes verteidigen und das auch nicht hinnehmen. Dass man eben durch so eine völkerrechtswidrige Aggression bedroht werde. In den Medien wurde das Ganze als Kolonialkrieg bezeichnet. Wie werden die jetzt reagieren? Ich meine, militärisch zurückschlagen dürfte etwas schwierig sein. Also was wird da jetzt passieren?
Ich finde es sehr schwierig vorherzusagen. Ja, also militärisch hat Venezuela... Im Sinne von Vergeltung gegenüber den USA kaum Chancen, aber die Frage ist, was in den internen Reihen passiert und da habe ich im Moment keinen Einblick. Ob wir immer noch vom Regime als eine Einheit sprechen können oder sich Bücher aufzeigen.
Auf jeden Fall, bisher habe ich keine Spaltung beobachten können und die logische Reaktion war, das Ansprechen der nationalistischen Gefühle und der Aufruf, sich zu mobilisieren. Und das Land zu verteidigen. Aber ich finde im Moment sehr schwierig, Szenarien aufzustellen. Was demnächst passieren wird.
In den vergangenen Wochen hatte ich so den Eindruck, ist das Regime zunehmend nervös geworden. Leute vor Ort haben berichtet, dass deutlich mehr Checkpoints da waren, deutlich mehr Bewaffneter auf den Straßen. Es gab für Menschen, ausländische Touristen teilweise Probleme, ins Land reinzukommen. Ein Bekannter von mir ist da mehrere Tage festgehalten worden am Flughafen in Karakas, nachdem er eben, ich glaube, aus Bolivien einreisen wollte.
Ist eine Zunahme von Repressionen zu erwarten? Damit rechne ich tatsächlich, denn ich verfolge Venezuela seit einigen Jahren die Entwicklungen dort und in den letzten Jahren war es immer so, dass Banimas sich das Regime unter Druck gesetzt hat. Also bisher meistens von innen, dass darauf mit mehr Repression reagiert wurde, mit mehr Willkür, mehr Entführungen, Festnahmen, Folteraktionen, auch Säuberungen in den eigenen Reihen.
Und damit rechne ich auch im Sinne eines verzweifelten Aktes. Ja. Ja. Auf der anderen Seite, um den Bogen ein bisschen größer zu spannen, gibt es auch die lateinamerikanischen Nachbarn, die das Ganze wahrscheinlich auch nicht. Ich meine, Milay, der argentinische Präsident, der sehr, sehr Trump-nah gilt, hat gejubelt, das liebe die Freiheit und was weiß ich, was er gesagt hat.
Auf der anderen Seite gab es auch zumindest mal leise Kritik aus Kolumbien. Ich könnte mir mal vorstellen, dass insgesamt in Lateinamerika die dortigen Länder nicht so unbedingt erfreut sind über das, was sie da sehen, also dass die USA quasi zu einer Politik zurückkehren, wie wir die in den 70er, 80er Jahren erlebt haben, wo es dann geheime CIA-Operationen gab, um missliebige Regierungen zu stürzen und eben wohlgefällige Regierungen zu installieren.
Was ist da Ihr Eindruck? Wie reagiert Lateinamerika auf das, was da gerade passiert? Ist da eher Entsetzen, ist da eher Freude, weil man sagt, jetzt kriegt dieses sozialistische Maduro-Regime endlich über den Deckel oder ist es da doch eher die Befürchtung, dass man auch selber in diesen Strudel reingeraten könnte?
Bedauerlicherweise beobachten wir jetzt vor allem schnelle, ideologisch geprägte Reaktionen. Damit meine ich, dass die Regierungen, die sehr nah an Trump sind oder der Politik der US-Regierung folgen und sie begrüßen, dass sie sofort das befürwortet haben, begrüßt haben und dann die schon in einem Spannungsverhältnis zu den USA sind, wie Kuba und Kolumbien, dann auch schnell reagieren.
Aber ich würde sagen, relevanter sind die Reaktionen, die nicht so ideologisch geprägt sind und sich auf das Völkerrecht besinnen und berufen. Und wir bräuchten eigentlich nicht nur in Lateinamerika, sondern in der internationalen Gemeinschaft insgesamt eine klare Position nieder für das Völkerrecht.
Für die gewaltfreie Konfliktbearbeitung, Und dass nicht die üblichen Verdächtigen dann typisch ideologisch reagieren, weil damit, sei es eine Verurteilung oder eine Begrüßung, damit stärkt man die Regeln, die wir für ein friedliches Zusammenleben in der Welt brauchen, nicht. Sie haben es ja schon mehrfach angesprochen. Sie bezeichnen das, was da gerade passiert ist, als völkerrechtswidrig. Warum?
Die Nicht-Gewalt-Anwendung, also keine Anwendung von Gewalt mit wenigen Ausnahmen, Selbstverteidigung und in Fällen, wo das Prinzip, das später entwickelt wurde von Responsibility to Protect, um die Bevölkerung zu schützen, wenn das ja priorisiert wird, aber nicht ohne eine Resolution des UN-Sicherheitsrates und das ist in diesem Fall nicht vorhanden.
Im Fall Russland hat der Westen, hat Europa ziemlich schnell reagiert, als Russland die Ukraine überfallen hat. Ich glaube, man kann jetzt beides nicht unbedingt direkt miteinander vergleichen, vielleicht Äpfel und Birnen. Aber auf beiden Seiten erleben wir eben einen eklatanten Bruch des Völkerrechts ganz offensichtlich.
Und die Frage, wie muss Europa jetzt reagieren? Also spitz gefragt, müssen wir jetzt die USA sanktionieren? Oder was wäre da die richtige Antwort aus Ihrer Sicht? Das erwarte ich nicht, dass Europa die USA sanktionieren, aber eine klare Verurteilung wäre wichtig, wenn Multilateralismus und Völkerrecht gerettet werden sollten oder weiter Bestand haben sollten.
Und das bedeutet nicht zu relativieren, dass Maduro ein Diktator ist. Das ist, was man nicht vermischen soll. Wir haben das Recht oder wir haben den Rechtsstaat und das Völkerrecht nicht nur für die einfachen Fälle, sondern wir müssen immer auch nach dem Recht und dem Völkerrecht auch Schuldige behandeln.
Auch Straftäter danach behandeln. Also wir dürfen nicht Straftäter foltern, auch wenn es bewiesen ist, dass sie Straftäter sind. Zum anderen muss es in einem ordentlichen Prozess bewiesen werden, dass eine Person sich schuldig gemacht hat. Also wir haben diese Regel auch für die schwierigen problematischen Fällen und auch für die.
Die Behandlung derjenigen, die selbst das Recht brechen. Also wir bekommen in einer Situation, wo andere das Recht brechen, nicht das Recht, das selbst zu tun. Und mein Eindruck ist, dass viele Staaten in der internationalen Gemeinschaft in der Bekämpfung von Feinden, von Bösen, sich denen zu nehmen, ändern, weil sie dann begründen, dass um die zu bekämpfen, um diese Verbrecher, um diese böse Regierung zu bekämpfen, wir uns an unsere Prinzipien nicht halten können. Und das ist tödlich.
Das ist wirklich die größte Gefahr für ein friedliches Zusammenleben. Ganz herzlichen Dank, Frau Dr. Ziller. Ich danke Ihnen. Nach unserem Gespräch mit Claudia Ziller gab es noch eine Pressekonferenz mit Donald Trump. Und da hat er im Prinzip viele von den Sachen bestätigt, die Frau Dr. Ziller uns in dem Gespräch gesagt hat.
Also beispielsweise hat er gesagt, dass Öl ein sehr wichtiger Grund gewesen sei, weswegen man da reingegangen wäre. Natürlich hätte er das wieder mit dem üblichen Applomb von sich gegeben. Es sei die größte Militäraktion gewesen oder die spektakulärste nahezu seit dem Zweiten Weltkrieg, vergleichbar eigentlich nur mit den Exekutionen von dem Chef der Revolutionsgarden Soleimani oder der Exekution des ehemaligen Führers des Islamischen Staates Bagdadi.
Natürlich beides Operationen, die auch unter seiner Regie durchgeführt worden sind. Und er hat gesagt, also das habe man durchgeführt, weil Maduro ein Narkoterrorist sei oder gewesen sei, weil er eine narkoterroristische Kampagne gegen die USA gestartet habe, für den Tod Hunderttausender von Amerikanern verantwortlich sei.
Und er hat aber auch gesagt, Öl sei eben ein wesentlicher Grund gewesen. Er sagt ganz klipp und klar, unsere Ölfirmen werden jetzt da reingehen, unsere Ölfirmen werden die Infrastruktur wieder aufbauen und wir werden dieses Öl verkaufen. Er soll auch, sagt er, zum Wohl des venezuelanischen Volkes sein.
Gleichwohl ist er damit aber jetzt sehr offen und ehrlich umgegangen und sagt eben, wie gesagt, Öl ist ein wesentlicher Faktor für diesen Einsatz gewesen. Er sagt auch, und das fand ich ganz spannend, dass man das Land führen werde. Also die USA werden Venezuela führen. Und zwar bis ein gesicherter Übergang gewährleistet ist. Wie genau das passieren soll, darauf ist er nicht eingegangen.
Er hat gesagt, es gibt da Leute, die das machen könnten für die USA, also vor Ort. Gleichzeitig wurde natürlich gefragt, aber das bedeutet doch, dass dann Bodentruppen vor Ort sein müssen. Und auch das, was Frau Dr. Claudia Ziller uns gesagt hat, im Prinzip braucht es eine Präsenz vor Ort. Und da hat er gesagt, naja, also wir sind auf jeden Fall, haben wir keine Angst davor, dass wir wieder Boots on the Ground haben.
Das hatten wir ja sowieso, er meinte mit die Comanso-Soldaten, die Maduro verhaftet haben. Und er sagt auch, wenn das nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, dann seien die USA auch bereit, eine zweite und wesentlich größere Angriffswelle gegen Venezuela zu fliegen. Also ganz klare Drohungen, ganz klares, man muss es ja schon sagen, Erpressen dieses Landes.
Er sagt, wenn wir keinen Zugriff auf das Öl bekommen, wenn da keine Regierung installiert wird, die genau das tut, was wir wollen als USA, wir wollen der Hegemon sein in ganz Amerika, also in der westlichen Hemisphäre, dann werden wir zu neuer Gewalt greifen. Die Festsetzung Madour ist aber, er setzt eben keinen Regimewechsel, das muss man auch ganz klar sagen.
Er ist eben nur ein Kopf, er ist nur die Spitze dieses Regimes und wie Frau Dr. Ziller ja gesagt hat, dieses Regime ist sehr, sehr breit aufgestellt, so ähnlich wie das iranische Regime. Das sind austauschbare Leute an der Spitze. Es sind vor allem in den oberen, mittleren Schichten des Regimes sehr viele Leute, die davon profitieren, vom Status Quo.
Deswegen mache ich erst mal ein großes Fragezeichen, ob das alles so funktionieren wird, wie Donald Trump sich das vorstellt. Gaza funktioniert ja auch noch nicht ganz so gut. Darüber haben wir in einer der vorherigen Folgen gesprochen, also dieser große Friedensplan, den er da vorgestellt hat. Auch das ist ja mit vielen Fragezeichen versehen. Die Folge können wir übrigens in die Shownotes packen.
Und insofern muss man jetzt erst mal abwarten, was weiter passiert. Entscheidend wird sein, ob es Brüche im zivil-militärischen Machtapparat gibt, wie die Opposition und die Bevölkerung in den nächsten Tagen handeln. Und leider Gottes drohen für die Menschen, die jetzt möglicherweise gegen das Regime auf die Straße gehen, Repression und die Regionen, das muss man auch sagen, reagiert gespalten.
Luister Silva, der Präsident Brasilien, also des größten lateinamerikanischen Landes, hat schon sehr klar gesagt, Was da passiert ist, in Venezuela ist ein klarer Bruch internationalen Rechts und könnte eben einen negativen Präzedenzfall schaffen für die gesamte Region. Ähnlich kritisch hat sich auch der kolumbianische Präsident geäußert, bejubelt hat das der argentinische Präsident.
Also man ist da gespalten und sicherlich gibt es viele lateinamerikanische Länder, die möglicherweise jetzt auch so ein bisschen in Furcht sind, dass ihnen auch ein amerikanisches Diktat aufgedrückt wird. Dass sie sich also so zu verhalten haben, wie das Washington, wie das Donald Trump gerne möchten.
Europa steht vor der Frage, Völkerrecht klar zu benennen, unabhängig von politischen Sympathien. Auch das ist klar, was wir da gesehen haben, das hat Frau Dr. Zeller ja auch ganz klar zum Ausdruck gebracht, ist ein eklatanter Bruch des Völkerrechtes, jenseits mal dieser moralischen Frage, ob man dafür sorgen muss, dass ein Diktator wegkommt, der sein Volk unterdrückt.
Aber in ein souveränes Land einzumarschieren, ohne dass es dafür ein Mandat des Sicherheitsrates gibt, den Präsidenten dieses Landes zu entführen, mit seiner Frau auch noch, die jetzt politisch sicherlich nicht verantwortlich gemacht werden kann und die auf irgendein Kriegsschiff zu verschleppen, um sie dann nach New York zu verbringen.
Das ist, wie gesagt, definitiv nicht mit dem Völkerrecht in Einklang zu bringen. Insofern bleibt es jetzt erstmal abzuwarten, wie die Lage sich weiterentwickelt. Ich hoffe für die Menschen in Venezuela, dass es eben nicht zu einer Eskalation kommt, möglicherweise zu einem Bürgerkrieg oder ähnlichen Dingen.
Und ja, dass das Ganze eben gut ausgeht. Aber das neue Jahr hat eben jetzt wieder mit einem neuen Krieg angefangen. Ich hoffe, dass es jetzt der letzte neue Krieg sein wird, den wir in diesem Jahr erleben und dass wir in 2026 immer ein friedlicheres Jahr haben als das, was wir im vergangenen Jahr hatten.
Das war eine Sonderfolge unseres Podcasts im Krisenmodus. Sie wurde produziert von Alexander Baumeis, der ist auch Journalist bei einem Radiosender der Funke Mediengruppe. Alle Folgen. Findet ihr auf Spotify, Apple Podcasts oder auch bei YouTube. Schreibt uns, wenn euch ein Thema interessiert, an krisenmodus.funkemedien.de.
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