Im Krisenmodus· Folge 153

Shingal nach dem IS: Warum viele Jesiden noch immer nicht zurückkehren

Mittwoch, 3. Juni 2026 · 31 min

MP3

Shownotes

Shingal nach dem IS: Warum viele Jesiden bis heute nicht wirklich zurückkehren. Jan Jessen (nrz.de/niederrhein/article412159496/diyen-hat-…), Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter für die FUNKE Mediengruppe, reist für diese Folge von „Im Krisenmodus“ in den Nordwesten des Irak. In der Shingal-Region spricht er mit jesidischen Rückkehrern aus einem Gewächshausprojekt in Sinune und mit Irfan Ortac, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Êzîden in Deutschland. Die Folge zeigt, warum der sogenannte Islamische Staat militärisch besiegt ist, viele Jesiden aber bis heute nicht wirklich in ihre Heimat zurückkehren – trotz Hilfsprojekten, Wiederaufbau und einzelner Hoffnungsschimmer.

Gäste:
Irfan Ortac (Vorsitzender, Zentralrat der Êzîden in Deutschland)
Gesprächspartner aus dem Gewächshausprojekt:
Badal Khalaf Kasem, Sabah Qaro und ein jesidischer Bauer aus Sinune

🧭 Kapitelübersicht
1 | Shingal nach dem IS: Warum viele Jesiden nicht zurückkehren
Jan Jessen führt mit der zentralen Frage in die Folge ein: Warum kehren viele Jesiden trotz des Endes des IS bis heute nicht wirklich nach Shingal im Nordwesten des Irak zurück?
2 | Shingal im Irak: Checkpoints, Kontrolle und Unsicherheit
Jan beschreibt seine Reise in die Shingal-Region, die vielen Checkpoints und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit in einem Gebiet, das bis heute von Unsicherheit geprägt ist.
3 | Alltag der Jesiden in Sinune und Gunde Ahsan
Kleine Läden, neue Häuser, eine Schule voller Kinder – und gleichzeitig Angst, Misstrauen und die dauerhafte Erinnerung an den Genozid an den Jesiden im Jahr 2014.
4 | Rückkehr nach Shingal: Schule, Arbeit und Gewächshausprojekt
Jan zeigt, wie Hilfsprojekte in Sinune und Gunde Ahsan Rückkehr möglich machen: mit Bildung, Landwirtschaft und Arbeit für jesidische Familien.
5 | Jesidischer Bauer aus Sinune: zerstörtes Haus, keine Hilfe, kein sicheres Leben
Ein Rückkehrer erzählt, warum er nicht in sein Heimatdorf zurückkann, welche Unterstützung ausblieb und wie schwer das Leben seiner Familie nach der Rückkehr geblieben ist.
6 | Irfan Ortac über Jesiden in Shingal: Milizen, fehlender Staat, keine Sicherheit
Der Vorsitzende des Zentralrats der Êzîden in Deutschland erklärt, warum viele Jesiden bis heute nicht frei und sicher in ihre Heimat zurückkehren können.
7 | Was Jesiden in Shingal jetzt brauchen: Sicherheit, Wiederaufbau, Perspektive
Jan zieht Bilanz: Rückkehr in den Irak braucht mehr als Hoffnung – sie braucht Schutz, staatliche Ordnung, Wiederaufbau und echte Zukunftschancen.

🎧 Hör-Empfehlungen
Zensur oder Schutz? Wie frei ist Journalismus wirklich? (nrz.de/podcast/article412037111/zensur-oder-sc…)
Libanon am Limit: Krieg, Flucht und bröckelnde Waffenruhe - Hilfe aus NRW (nrz.de/podcast/article411904021/libanon-am-lim…)

🤝 Unterstützungsmöglichkeiten
Caritas Flüchtlingshilfe Essen e.V.
Humanitäre Hilfe und vorbeugende Flüchtlingshilfe in Krisenregionen, unter anderem im Nordirak.
🔗 Website: flüchtlingshilfe.com (fluechtlingshilfe.com)
Spendenkonto
Bank im Bistum Essen
IBAN: DE45 3606 0295 0000 1026 28
Stichwort: Shingal
Hinweis: Jan Jessen engagiert sich ehrenamtlich bei der Caritas Flüchtlingshilfe Essen e.V.

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Im Krisenmodus ist ein Podcast der FUNKE Mediengruppe

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Die irakische Regierung tut nichts für uns, besonders nicht für die jesidische Gemeinschaft. Andere Menschen gehen zum Beispiel nach Europa und dort bekommen sie ihre Rechte. Die Jesiden sind in unserem eigenen Land und wir haben keine Rechte. Das hat mir ein Mann im Shingal gesagt. Das ist eine Region im Nordwesten des Irak.

Und dieser Mann ist dorthin zurückgekehrt. Er lebt wieder in seiner Heimatregion und trotzdem sagt er, wir haben hier keine Rechte. Wie kann das sein? Die Schinga-Region, die ist die Heimatregion der Jesiden und Jesiden, einer religiösen Minderheit im Irak, die mittlerweile auch eine große Diaspora in Deutschland hat.

Und 2014, also jetzt vor zwölf Jahren, ist der sogenannte Islamische Staat über diese Region gerollt, hat diese Region gestürmt. und damals wurden Hunderttausende von Jesidinnen und Jesiden aus dieser Region vertrieben. Es wurden Tausende von Menschen getötet, abgeschlachtet im wortwörtlichen Sinne und Tausende von Frauen und Mädchen entführt.

Der Bundestag hat die Verbrechen an den Jesidinnen und Jesiden als Genozid, also als Völkermord anerkannt. Es gibt Hilfe, es gibt Projekte in der Region, es gibt auch Orte, an denen wieder gebaut wird. Und trotzdem kehren viele der Opfer von damals bis heute nicht wirklich zurück. Warum ist das so? Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen.

Hallo, ich bin Jan Jessen, Kriegs- und Krisenreporter für die Funke Mediengruppe und Politikchef der NAZ. Ihr findet meinen Artikel in der NAZ, der WAZ, der Berliner Morgenpost, dem Hamburger Abendblatt und allen anderen Titeln unserer Gruppe, aber auch natürlich auf unseren Internetportalen. In dieser Folge von dem Krisenmodus nehme ich euch mit in die Schingar-Region.

Ich war da vor ein paar Tagen unterwegs, habe mit rückkehrenden gesprochene Menschen, die wieder ein Leben aufbauen wollen und mit Irfan Ortatsch, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Jesiden in Deutschland. Ja, der Shingal, das ist schon eine sehr, sehr besondere Region, muss man sagen. Wie gesagt, im Nordwesten des Irak. Und um dort überhaupt hinzukommen, braucht man ein irakisches Visum.

Das ist immer etwas kompliziert zu bekommen. Im konkreten Fall musste ich erstmal über Ägypten, dann nach Bagdad und über Bagdad dann wieder nach Erbil in die Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan, um dann eben in den Shingal zu fahren. Und ja, der Shingal ist im Grunde genommen militärisches Schwergebiet.

Man braucht also auch noch Sondergenehmigungen, wenn man da unterwegs sein will. Und der Shingal ist geprägt von sehr, sehr, sehr, sehr vielen Checkpoints. Ich habe das irgendwann mal gesagt oder geschrieben, der Schienkler ist im Grunde genommen, da findet so ein Krieg der Flaggen statt. Also man hat viele Checkpoints, alle paar hundert Meter, eben so militärischen Posten.

Die Männer, die da stehen, die Soldaten, die da stehen, haben im Grunde genommen alle unterschiedliche Abzeichen auf den Uniformen. Das liegt daran, dass da sehr, sehr viele verschiedene Milizen unterwegs sind, Gruppen, die unterschiedliche Loyalitäten haben. Und als ich jetzt da war, das passiert dann immer an irgendeinem Checkpoint, gibt es dann eben denjenigen, der einem dann auffällt und dann kommt dann auch der Geheimdienst dazu und so ein Geheimdiensoffizier, die tragen dann zivil, aber der hat mich dann sehr eingehend befragt und hat dann auch lange auf meinen deutschen Pass geguckt, checkt, ob dieses Visum aus Bagdad tatsächlich auch echt ist.

Gefragt, also was wir da wohl machen wollten im Shingal und hat er mir eben auch sehr deutlich gemacht, dass die Bewegung da mittlerweile sehr reguliert und sehr restriktiv gehandelt wird. Also als ich das erste Mal im Shingal war, 2015 kurz nachdem der erste ausgeschlagen worden war, da konnte man im Grunde genommen noch in alle Städte fahren und sich alles anschauen und diesmal hat er mir gesagt, also bis nach Sinune könnte er fahren oder Borek, aber definitiv nicht weiter und spätestens da wird dann natürlich klar, der IS mag lange, lange weg sein, das Terrorkalifa zerschlagen, aber normal ist hier im Schingal noch nichts.

Und der Shingal ist für die Jesidinnen und Jesiden weit mehr als eine Region. Es ist ihre Heimat, wie gesagt. Es war bis 2014 so der Hauptsiedlungspunkt der Jesidinnen und Jesiden, diese religiöse Minderheit. Da gibt es auch Menschen, die in der Türkei leben oder in Syrien, aber die allermeisten eben im Irak und da konkret im Schingal.

Und ja, ich habe es ja schon gesagt, also 2014 stürmt der IS über die Region hinweg. Für die islamistischen Fanatiker des IS sind die Jesidinnen und Jesiden Teufelsanbeter und sind also sehr brutal verfolgt worden. Und damals, wie gesagt, tausende Menschen, die ermordet wurden, abgeschlachtet wurden.

Frauen und Kinder wurden verschleppt. Bis heute fehlt von ungefähr 3000 Frauen noch immer jedes Lebenszeit. Man weiß nicht, wo die geblieben sind. Diese Frauen sind auch als Sexsklavin verkauft worden und missbraucht worden. Ganze Dörfer sind damals ausradiert worden. Und viele Familien leben bis heute nicht mehr dort, wo sie einmal zu Hause waren.

Ganz viele dieser Menschen sind immer noch untergebracht in Flüchtlingscamps in der autonomen Region Kurdistan. Und das hat Gründe, dass die Menschen nicht zurückkehren. Und das liegt unter anderem daran, dass es eben diese vielen verschiedenen Milizen gibt, die da unterwegs sind, dass die Sicherheit also nicht gewährleistet ist, aber auch, dass es dort wenig Arbeitsmöglichkeiten gibt, dass Infrastruktur noch immer kaputt ist.

Und als ich jetzt da war, das war 10, 15 Mal im Schingal, habe ich aber auch gesehen, dass es an der einen oder anderen Stelle schon Menschen gibt, die zurückgekehrt sind, beispielsweise eben nach Zinune, das ist eine Kleinstadt im Schingal. Das Leben hat wieder begonnen. Man sieht, als man da umgefahren ist, Männer vor Teehäusern sitzen, kleine Läden und Imbrisbuden, säumen die Straße, Auf Pickups werden Schafe transportiert, Lastwagen bringen Steine um Baumaterialien und auf den ersten Blick wirkt das schon ein bisschen alltäglich, aber die Erinnerung an 2014 ist überall präsent und die Unsicherheit auch.

Auch nicht weit von Sinuna liegt Gunda Hassan. Das ist eine junge Siedlung und die liegt ganz in der Nähe dieses Berges, der der Region den Namen gegeben hat. Also der Schingalberg, das ist so ein langgestreckter Gebirgszug, der so in der Mitte dieser Region liegt. Die Region in zwei Teile teilt, den Norden und den Süden.

Und der Berg war damals Zufluchtsort für die Menschen, als der IS gekommen ist. Die haben sich also auf diesen Berg geflüchtet und ihr werdet vielleicht noch die Bilder in Erinnerung haben, diese dramatischen, das war ja im August 2014, als die Menschen eben sich auf dem Berg retten, aber natürlich ohne irgendwie groß was dabei zu haben, sind Menschen damals in der Sommerhitze gestorben, sind Hitzeschläge bekommen.

Sind verdurstet, verhungert und sind dann aus der Luft versorgt worden. Und trotzdem war dieser Berg damals eben dieser Rettungsanker für die Menschen. Und deswegen gibt es jetzt so eine Siedlung wie Gundaassan, weil dort hunderte Familien einen Neuanfang versuchen, und zwar in der Nähe des Berges. Weil sie eben Angst haben, dass das, was in 2014 passiert ist, eben nochmal geschehen könnte.

Und dass sie eben in der Nähe dieses Berges sein wollen, damit sie im Fall des Falles sich wieder auf den Berg flüchten können. Und ich habe da eine kleine Schule besucht und das war ganz spannend, denn das ist ein Projekt von der Caritas Flüchtlingshilfe in Essen, die hat vor vier Jahren diese Schule gebaut und einfach zur Transparenz, ich bin selber bei der Caritas Flüchtlingshilfe als Ehrenamtler.

Und ja, wir haben damals diese Schule gebaut, um in Gundarsan eben auch eine Bildungsperspektive zu schaffen. Und in diesem Innenhof standen also die Kinder in schwarzen Hosen und weißen Hemden. Die sahen außen ein bisschen wie eine Schuluniform, aber man sah natürlich, das sind keine regulären Schuluniformen. Also es wird super viel improvisiert im Schingal.

Das war auch so ein Beispiel für mich dafür. Und an dem Tag, als ich da war, hat der Schulleiter Zeugnisse verteilt. Das war wirklich schön zu sehen, wie die Kinder sich gefreut haben und vor allem, wie er sich auch gefreut hat. Also der Mann arbeitet da mehr oder weniger ehrenamtlich, kriegt ab und an Geld vom Staat, aber eben sehr unregelmäßig. Er hat ein Team von Ehrenamtlern, die da versuchten, den Schulbetrieb aufzurechtzuhalten.

Und ich habe dann mit so einem jungen Mädchen gesprochen, die Jan Ismail, die einen Traum hat, Ärztin zu werden und auch 15 Jahre alt ist, lange in einem Flüchtlingscamp gelebt hat, in ein paar Jahren zurückgekehrt ist mit der Familie, die war die Beste ihrer Schule und super stolz darauf, dass sie eben so gut abgeschnitten hatte.

Oder Rachid Prader Haider, ein 16-Jähriger, der Ingenieur werden wollte oder werden will. Aber der war der Zweitbeste und auch stolz wie Hulle, dass er eben so ein gutes Zeugnis bekommen hat. Und das waren Momente, die gezeigt haben, es gibt Hoffnung. Aber die Lage, wie gesagt, bleibt definitiv weiter unsicher.

Ein paar Kilometer entfernt von dieser Schule in Zinune selbst oder am Ortsrand von Zinune, da hat die Charitas Flüchtlingshilfe ein Gewächshausprojekt angelegt, auch vor ein paar Jahren. Das ist jetzt erweitert worden und das, was ich so toll finde an dem Projekt, ist, dass die Menschen da auch sehr viel selbst in die Initiative gegangen sind.

Also es gibt jetzt nicht nur diese Gewächshäuser, sondern sie haben sich selber auch von dem Geld, was sie da angespart haben, ein Solarpanel gekauft, ein großes. Sie legen da jetzt Zwiebelfelder an und Weizenfelder um die Gewächshäuser herum. Und das ganze Projekt ist natürlich auch gebaut worden, um Rückkehr nach Schingerleiner Perspektive zu geben.

Und mittlerweile arbeiten 45 Familien da. Angebaut werden vor allem Gurken und Tomaten. Und das ist eine schöne Sache, einmal natürlich für die Eigenversorgung derjenigen, die an den Gewächshäusern arbeiten, aber auch, weil sie das verkaufen können auf den Märkten, beispielsweise in Zinune oder in anderen Städten und damit ein Einkommen generieren können.

Also es ist eine große Sache, die in den Gewächshäusern arbeiten. In diesem Dorf leben 45 Familien. Diese Familien teilen sich die Arbeit untereinander auf. Jede Familie ist abwechselnd an der Reihe, die Gewächshäuser zu bewirtschaften. Wenn vier oder fünf Familien an der Reihe sind und hier bleiben, kümmern sich die anderen um ihre Angelegenheiten. So funktioniert das.

Das ist eben genau der Punkt. Dieses Projekt schafft nicht nur ein bisschen Einkommen, es bringt Struktur in einen Alltag, der für viele Familien lange nur aus Unsicherheit bestanden hat. Der Mann, den ihr ganz am Anfang gehört habt, der stammt ursprünglich aus Talasa. Und nach dem Angriff des IS ist er wie viele andere in die benachbarte Kurdistan-Region geflohen. Das war damals echt dramatisch.

Wie gesagt, war August 2014. Ich war dann kurz danach, als das passierte, am 3. August 2014. Ein paar Tage später war ich dann da und habe dann eben gesehen. Also es war einfach nur krass. Hunderttausende von Menschen in den Straßen von Erbil, Doog oder anderen Städten in der autonomen Region Kurdistan haben die Menschen damals auf den Straßen geschlafen.

Haben in den Moscheen geschlafen, in den Schulen geschlafen. Und was ich toll fand, war, dass die Einwohnerinnen und Einwohner, die Kurdinnen und Kurden, die Menschen da versorgt haben, weil der Staat überhaupt nicht hinterhergekommen ist oder die kurdische Regionalregierung. Die Leute haben dann teilweise Matratzen aus den Wohnungen rausgeschleppt, damit die Leute nicht auf der Straße schlafen müssen.

Also das war schon zum einen super dramatisch, aber zum anderen eben auch toll zu sehen, wie sich eine Gesellschaft da selbst organisiert hat und den Leuten geholfen hat. Dieser Mann, dieser Bauer, den ihr da vorhin gehört habt, der ist 2016 dann wieder nach Shingal zurückgekehrt. Das ist ungewöhnlich.

Die allermeisten Leute sind damals noch in der autonomen Regierung in Kurdistan geblieben, weil es eben super, super unsicher war im Shingal. Noch viel unsicherer als heute. Aber er ist nicht in sein altes Dorf zurückgekehrt. In Tal Aser wurden unsere Häuser zerstört und sie haben uns nichts gegeben.

Wie sollte ich also zurückgehen? Die irakische Regierung sollte den Familien eine Million irakische Dinar geben. Später sollten Rückkehrerfamilien sogar vier Millionen Dinar bekommen. Aber ich habe nichts bekommen. Ja, das, was er jetzt gerade anspricht, diese eine Million irakische Dinar, das ist nicht sonderlich viel. Das sind...

Ich würde mal sagen, 800, 900 Euro umgerechnet. Das ist den Familien irgendwann mal versprochen worden, dass sie das Geld bekommen würden. Aber das gab es mal auch vor einigen Monaten. Kurz, aber das ist mittlerweile wieder eingestellt worden. Also die Leute, das ist eben auch so ein Punkt, wenn du mit nichts da ankommst, wenn es keine Arbeit gibt im Schingal, dann ist es natürlich schwierig, sich ein neues Leben aufzubauen.

Gleichzeitig hört man aber auch in diesem Gewächshausprojekt was anderes, nämlich dass Arbeit vor Ort für die Rückkehrerinnen und Rückkehrer einen echten Unterschied machen kann. Mein Name ist Sabakaro. Ich komme aus Borek. Wir sind im Jahr 2014 geflohen und im Jahr 2016 zurückgekehrt. Vom Beruf bin ich Bauer. Dieses Jahr habe ich die Möglichkeit bekommen, in diesem Projekt zu arbeiten.

Hier ist es besser als dort. Uns geht es hier viel besser. Wir arbeiten sehr gerne zusammen. Außerdem liegt dieser Ort in der Nähe des Marktes. Das gehört natürlich zur Wahrheit über Schinkal. Also diese Projekte, so wie dieses Gewächshausprojekt oder diese Schule, sind natürlich nur Tropfen auf den heißen Stein.

Man kann damit ein paar Familien versorgen. Es gibt auch andere Projekte, beispielsweise von der Basani Charity Foundation, das ist so ein Kooperationspartner von uns da vor Ort. Die bauen Häuser für rückkehrende Leute. Das ist auch völlig verrückt, wenn du dann Hausbaus im Schingal, das kostet für eine siebenköpfige Familie umgerechnet 14.000 Euro, also im Grunde genommen nichts.

Das machen die da, aber das hilft natürlich auch nur vereinzelt Leuten und vor allem lösen solche Projekte natürlich nicht die großen politischen Probleme. Aber sie machen eben Rückkehr für den einen oder anderen möglich. Also ich kann das natürlich nicht auffangen, was vorher alles verloren gegangen ist. Also das eigene Haus natürlich erst mal.

Es kann auch nicht diese Unsicherheit auflösen. Man weiß nicht, wie geht es jetzt weiter eigentlich im Schingal. Wie lösen sich die politischen Probleme da vor Ort? Ich habe es ja gesagt, da sind verschiedene Milizen, die da um Einfluss und Kontrolle ringen, beziehungsweise auch die staatliche, die irakische Bundesarmee und Bundespolizei, die da vor Ort sind.

Es gibt schiitische Milizen, Hashtag Shabi, die werden mehr oder weniger vom Iran kontrolliert. Und deren Reihen sind dann mittlerweile auch Pflegezien, die dann durch ein Einkommen generieren. Es gibt Milizen, die mit der PKK verbandelt sind, also der kurdischen Arbeiterpartei. Es gibt Milizen, die mit der kurdischen Regionalregierung Erbil verbandelt sind.

Also das ist eine sehr, sehr komplizierte Lage. Und wie gesagt, unsicherweise auch nicht, das ist was, was man immer wieder hört, ob der Yes wirklicherweise denn doch zurückkehrt. Und ein anderer Bauer, der hat mir das auch sehr deutlich gesagt, wo die Probleme sind, wo schlafe ich, wovon lebe ich, gehe meine Kinder zur Schule, gibt es Sicherheit, kann nicht bleiben.

Und dieser Bauer hat eine große Familie, 14 Menschen, hat mir erzählt, wie hart die Jahre nach der Rückkehr waren. Es war schwierig. Meine Kinder haben in Geschäften gearbeitet. Jeder hat pro Tag 10.000 irakische Dinar bekommen. 10.000 irakische Dinar, das ist so gut wie nichts. Also 1.000 irakische Dinar, das sind ungefähr 80 Euro Cent.

Also wir werden hier von 8 Euro, das ist pro Tag, das ist natürlich nicht sonderlich viel. Für eine Familie mit 14 Mitgliedern ist das kein Einkommen, das Sicherheit schafft das Überleben, mehr ist das nicht. Deswegen finde ich, sind eben solche Projekte wie diese Gewächshausgeschichte sehr wichtig. Nicht, weil sie alle Probleme lösen, das tun sie natürlich nicht, aber weil sie den Menschen einen Grund geben zu bleiben, einen kleinen Lohn, eine Aufgabe, eine gewisse Stabilität.

Und trotzdem, obwohl sie jetzt natürlich diese Gewächshäuser haben, obwohl sie dadurch nicht nur eine Tagesstruktur haben, sondern auch ein Einkommen haben, ist es irgendwie natürlich dann auch immer wieder mit Problemen behaftet. Also die Preise für Gurken und Tomaten sind sehr, sehr volatil. Das geht rauf und runter, je nachdem auch, wie viel aus der benachbarten Türkei reinkommt oder aus Syrien.

Und auf der anderen Seite gibt es immer wieder mal irgendwelche Krankheiten, die die Pflanzen befallen. Also sie sagen, ja, ist toll, aber es reicht nur irgendwie zum Leben. Aber diese irgendwie ist eben wichtig in der Region Bischingerl, ist das oft der Unterschied zwischen Gehen und Bleiben. Die wirtschaftliche Lage ist das eine, die andere vielleicht noch wichtigere Frage ist, fühlen sich die Menschen hier sicher?

Ich bin mir nicht sicher. Wenn es internationale Sicherheit gäbe, wäre es anders. Aber um uns herum sind nur Muslime und Araber. Es ist schwierig für uns. Ja, das ist so ein Satz, da schluckt man natürlich erstmal, dass wenn jemand sagt, also Muslime und Araber umgeben uns und das ist schwierig für uns.

Tatsächlich ist es so, dass also in der Schingar-Region nicht nur Jesidien und Jesiden leben, vorrangig sind das Jesidien und Jesiden, aber es gibt eben auch in Städten wie Tal Afa beispielsweise oder in Schingar-Stadt selbst, das ist quasi die größte Stadt in der Region, gibt es eben sehr viele muslimische Araberinnen und Araberinnen. Araber.

Und viele von diesen Menschen, das gehört so weit dazu, waren damals 2014. Die Täterinnen und Täter, die sich also sofort im IS angeschlossen haben, als der IS über die Region hinweggerollt ist und natürlich herrscht bis heute der massives Misstrauen. Und dieser Genozid kann natürlich nicht vergessen werden.

Wie soll man das auch vergessen, wenn man gesehen hat, dass Nachbarinnen und Nachbarn abgeschlachtet worden sind, wenn man vielleicht Familienmitglieder verloren hat, wenn Leute entführt worden sind. Also das ist natürlich schwierig und insofern herrscht das Misstrauen, ist das Misstrauen, wie gesagt, noch sehr, sehr tief der Jesidinnen und Jesiden gegenüber den muslimischen Araberinnen und Arabern.

Und die Jesiden haben natürlich auch 2014 erlebt, wie plötzlich jede Sicherheit weg war. Sie haben auch erlebt, wie sich kurdische Sicherheitskräfte, die eigentlich für ihre Sicherheit sorgen sollten, wie die über Nacht abgehauen sind, als der IS kam. Und das schüttet bis heute Unsicherheit. Und dieses Gefühl, das verschwindet einfach nicht. Was der Bauer oder was die Bauern als Alltag erleben, das beschreibt Irfan Ortach als politisches Versagen.

Ortach ist Vorsitzender des Zentralrates der Jesidinnen und Jesiden in Deutschland. Der Zentralrat ist 2017 gegründet worden und er soll die Interessen der jesidischen Gemeinschaft in Deutschland vertreten. Für Ortach ist klar, dass der IS militärisch besiegt ist, bedeutet noch lange nicht, dass das Problem gelöst ist.

Die Lage in Shingag sieht zwar im Gegensatz vor einigen Jahren etwas entspannter aus, aber die politischen Perspektiven, nämlich dass immer noch über 250.000 Menschen als Binnenflüchtlinge in Kurdistan leben müssen, dass immer noch nicht sie in ihre Dörfer zurückgekehrt sind. Und dass die jesidischen Dörfer in Schingal immer noch nicht komplett bewohnt sind.

Und vor allem, dass in Schingal immer noch irreguläre Milizen. Insbesondere die der PKK nahestehenden, die der Hashteshabi nahestehenden Milizen, immer noch quasi Staat im Staat sind und die Menschen sich nicht frei bewegen können und sich frei entfalten können, all diese Tatsachen stimmen uns als Zentralrat der Jesiden in Deutschland sehr traurig ein.

Ja, Orthatschwin nennt das Kernproblem sehr klar. Der Krieg mag vorbei sein, aber die Ordnung danach ist noch lange nicht hergestellt. Für die Menschen, die noch nicht dort waren, klingt das relativ abstrakt, aber vor Ort ist die Frage sehr einfach. Wer hat hier eigentlich das Sagen? Wer kontrolliert die Straßen?

Wer schützt die Menschen? Und solange darauf keine klare staatliche Antwort kommt, bleibt Rückkehr für viele schlicht und ergreifend ein Risiko. Also ich habe das auch an Orten gesehen, an denen das Leben sichtbar zurückgekehrt ist. In Zinune zum Beispiel und in Gundaasani, diesem kleinen Dorp, wo die Kinder ihre Zeugnisse bekommen haben und von einem Beruf träumen.

Diese Orte zeigen zwar, es geht weiter, aber sie zeigen auch, es geht weiter unter Vollwald. Denn der Wiederaufbau stockt. Also es gibt viele Menschen, die jetzt angefangen haben zu bauen. Also gerade auch Leute, die in den Flüchtlingscamps noch immer leben, in der autonomen Regierung Kurdistan oder die da irgendwie sich in Häuser eingemietet haben, in Wohnungen eingemietet haben, die als Tagelöhnerinnen und Tagelöhner arbeiten und die irgendwie Geld ansparen und dann so peu à peu ihre Häuser im Schingel outbauen, weil irgendwie schlägt ihr Herz natürlich doch da und sie wollen da wieder zurück.

Aber es dauert einfach alles. Das hat man auch in Kuna Hassan gesehen. Da sind manche Häuser schon fertig, aber ganz, ganz viele sind aber noch Rohbauten. Und ja, im Süden des Schingal sind immer noch sehr, sehr viele Dörfer zerstört, kaputt. Die Infrastruktur vor allem nicht in Ordnung, weil Bagdad, die Zentralregierung, die mittlerweile für den Schingal zuständig ist, da relativ wenig macht.

Wie gesagt, manche Familien wagen die Rückkehr. Es gab auch viele Fälle von Leuten, die zurückgekehrt sind nach Schengal, aber dann wieder abgehauen sind und in die autonome Region Kurdistan zurückgekehrt sind. Ganz viele, mit denen man spricht, träumen davon eigentlich, nach Europa zu gehen. Obwohl der IS besiegt ist, obwohl formal der IS dort nicht mehr existiert, ist für uns nicht nachvollziehbar, warum Jesiden immer noch nicht in ihre Heimat zurückkehren können.

Warum der irakische Staat, die irakische Regierung nicht alles daran setzt, dass diese Menschen in ihre Heimat zurückkehren können, um dort eine Bleibeperspektive zu haben, dass die Häuser wieder aufgebaut werden. Ja, diese Kritik von Orta richtet sich direkt an Bagdad, die ist nicht neu. Die irakische Regierung hat Hilfe angekündigt, sie hat Wiederaufbau versprochen, aber aus Sicht vieler Jesiden und Jesiden kommt das viel zu langsam.

Es kommt zu wenig oder gar nichts an. Und ich meine, auch Deutschland gibt viel Geld für den Wiederaufbau. Wir haben 2016, also 2017, der damaligen deutschen Generalkonsulin in Erbe gesprochen. Und die erzählte mir damals, dass irgendwie eine Summe von 67 Millionen Euro schon im Schengal investiert worden sei, deutscherseits.

Und dann habe ich gefragt, naja, ich wäre jetzt schon mehrmals im Schengal gewesen, habe da also nichts gesehen. Also falls da jetzt nicht irgendwie Untergrundarbeiten gemacht hätten, U-Bahn gebaut hätten oder ein Kanalsystem oder was weiß ich. Dann wüsste ich jetzt nicht so wirklich, wo das Geld angekommen ist.

Und später stellte sich dann eben raus, dass Deutschland dieses Geld an Bagdad gegeben hat. Und offensichtlich scheint er nicht viel an dem Schinger angekommen zu sein. Der Bauer, den ich im Gebäckshaus getroffen hatte, der sagt ja genau das. Er sagt, Herr Sintal-Aster ist zerstört, Geld war angekündigt, aber bei ihm ist ihm nichts angekommen.

Und gleichzeitig gibt es eben diese andere Seite. Es gibt Menschen, die etwas aufbauen, dass der Schulleiter, der mir gesagt hat, er würde gerne noch eine Vorschule eröffnen, da sind die Kinder, die Ärzte oder Ingenieur werden wollen. Das sind Familien, die Häuser hochziehen, obwohl das Geld oft nur für den Rohbau reicht oder für Anfänge.

Und da ist dieses Gewächshausprojekt, in dem 45 Familien arbeiten. All das zeigt die Menschen, die warten nicht einfach nur, sie versuchen sich selbst zu helfen. Aber diese Eigenleistung hat Grenzen. Sie kann in die große Politik nicht ersetzen. Das ist, glaube ich, das große Problem, also dass die Sicherheit nicht garantiert ist.

Sie kann fehlende staatliche Strukturen nicht ausgleichen und da ist eben mehr als nur humanitäre Hilfe gefragt, da ist politisches Engagement notwendig. Er von Orta schriftet seinen Blick, es hat nicht nur auf den Irak. Ich möchte in diesem Zusammenhang wirklich an die internationale Gemeinschaft erinnern, dass sie den Jesiden und Jesiden ein Versprechen gegeben haben, nämlich nicht nur den IS zu besiegen, sondern auch dafür Sorge zu tragen, dass sie wieder in ihre Heimat zurückgehen können.

Das ist eben ein wichtiger Punkt. Militärschkehren den IS vorzugehen war das eine. Den Menschen danach eine sichere Rückkehr zu ermöglichen, ist das andere. Wenn man heute im Schingern unterwegs ist, sieht man, es gibt Hilfe, es gibt einzelne Projekte, es gibt Schulen, Gewächshäuser, kleine Maßnahmen, es sind auch Krankenstationen aufgebaut worden, es sind Krankenhäuser aufgebaut worden, aber vielen Jesiden fehlt etwas anderes.

Ein Plan, der das Ganze zusammenhält. Sicherheit, Wiederaufbau, Arbeit, Verwaltung und die Gewissheit, dass Rückkehr nicht nur ein kurzer Moment ist, sondern eine echte Perspektive. Genau hier liegt auch die Spannung in der Region. Von außen kann man noch manche schauen und sagen, es geht doch voran, es gibt wieder Leben in Zinune.

Kinder gehen zur Schule, Familien arbeiten in der Landwirtschaft, alles das, das alles stimmt. Aber die Menschen, mit denen ich spreche, sagen etwas anderes, ja wir sind da, aber wir sind noch nicht wirklich angekommen. Besonders deutlich wird Ortatsch, wenn es um Deutschland geht. Als Deutsche Jeside muss ich wirklich meinen Tod in diesem Zusammenhang verschärfen.

Ich bin maßlos von meiner eigenen Regierung, von meinem eigenen Staat, Deutschland, enttäuscht, wie sie seit knapp zwölf Jahren mit diesem Genozid und mit diesem Volk umgehen. Ja, das ist das Bizarre. Also Deutschland hat den Genozid an den Jesiden als solchen anerkannt. Also der Bundestag hat eine entsprechende Resolution verabschiedet, ohne die Stimmen der AfD natürlich, aber anderen Parteien im Bundestag in seiner Zeit anerkannt.

Sie haben auch gesagt, dass Deutschland in der besonderen Schutzverantwortung für die Jesiden sei. Und ein kleiner Nebenaspekt, interessant ist in dem Zusammenhang, dass in jüngster Zeit relativ viele Jesidinnen und Jesiden wieder in den Irak abgeschoben worden sind, also in einer völlig unsicheren Zukunft.

Also eben jeder Mensch, den Deutschland eigentlich Schutzversprechungen gemacht hat. Aber naja, und mit dieser Genozid-Resolution war natürlich auch für viele die Hoffnung verbunden, dass daraus mehr folgt als nur ein symbolischer Akt. Ortschalk sagt genau, das ist aber nicht passiert. Er vermisst einen größeren und nachhaltigen Ansatz, einen Plan, der den Menschen wirklich hilft, aus den Camps rauszukommen, in ihre Heimat zurückzukehren und bleiben zu können.

Ob man diese Kritik in jedem Punkt teilt oder nicht, also wenn man... Wenn man im Schingal unterwegs ist, versteht man, woher sie kommt. Ich denke dabei an den Bauern in ihrem Gewächshaus, an seine 14-köpfige Familie, an die Kinder, die für ein paar Tausendiener am Tag gearbeitet haben, an seinen Satz, dass er im eigenen Land keine Rechte habe.

Und ich denke an die Schule in Gunnar Hassan, als die an die Kinder mit ihren Zeugnissen, an ihren Ehrgeiz, an den Schulleiter, der weitermacht, obwohl es an vielen fehlt. Und ich denke auch daran, dass es eigentlich absolut notwendig ist, dass Jesiden und Jesiden eine Zukunft in Schingal haben. Wenn die Jesidinnen und Jesiden dort keine Perspektive haben, wenn sie die Religion verlassen müssen, aus welchen Gründen auch immer, dann wird irgendwann eben diese jahrtausendalte Religion entstanden.

Die Gemeinschaft wird zumindest zerstört werden, wenn sie über alle möglichen Länder verteilt sind. Es gibt Jesiden, Jesiden mittlerweile in vielen Ländern Europas. Deutschland hat die größte Diaspora. Aber auch in Australien, in Kanada, in den USA. Und sie verteilen sich halt in der ganzen Welt. Und das ist natürlich für diese religiöse Gemeinschaft auch ein Riesenproblem.

Und Rückkehr nach Schengal bedeutet auch, dort leben können zu müssen. Mit einem Dach über dem Kopf, mit einem Einkommen, mit Schule für die Kinder, mit Bewegungsfreiheit und dem Vertrauen, dass nicht sofort wieder alles zusammenbricht. Aber genau dieses Vertrauen fehlt und das ist sehr deutlich geworden in den Gesprächen, die ich da vor Ort geführt habe.

Und auch Herr Van Ortschatsch, der beschreibt ja die politische Seite desselben Problems. So wenig Schutz, so wenig Miederaufbau, so wenig verlässliches Staat, so wenig Konsequenz von irakischer und internationaler Seite. Trotzdem wäre es falsch, die Folge nur düster enden zu lassen, denn wie gesagt, es gibt auch Menschen, die nicht aufgeben.

Die Lehrer, die unterrichten, die Familien, die bauen, Kinder, die lernen, Bauern, die bleiben. Und mein Eindruck nach dieser Reise war, Shingal braucht definitiv keine neuen großen Worte. Shingal braucht Taten, Shingal braucht Unterstützung und vor allem braucht die Region Sicherheit und das verlässliche und der klare staatliche Kontrolle.

Wiederaufbau und Entschädigungen, die wirklich bei den Leuten ankommen und Arbeit und eine wirtschaftliche Perspektive, die über einzelne Inseln hinausgehen. Solange das fehlt, wird es schwierig, im Schingal wieder alles neu aufzubauen. Der IS ist militärisch besiegt, aber für die Überlebenden ist diese Geschichte erst dann wirklich vorbei, wenn sie wieder sich erleben könnten.

Das war die heutige Folge unseres Podcasts im Krisenmodus. Dieser Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister. Er ist auch Journalist und arbeitet bei einem Radiosender der Funke Mediengruppe. Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, liked und folgt uns. Das hilft in jedem Fall, unsere Arbeit sichtbarer zu machen.

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