Im Krisenmodus· Folge 115

Sudan: Wer profitiert vom Krieg? Gold, Macht – und Hilfe

Mittwoch, 8. Oktober 2025 · 31 min

MP3

Shownotes

Seit über zwei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Machtkampf zwischen Armee und Miliz. 14 Millionen Menschen sind vertrieben, Hunderttausende hungern. Warum bekommt dieser Krieg so wenig Aufmerksamkeit – und wer profitiert von seinem Fortbestehen?
FUNKE-Kriegs- und Krisenreporter Jan Jessen (nrz.de/autoren/jan-jessen) spricht in dieser Folge von „Im Krisenmodus“ mit Sudan-Analyst Roman Deckert, Jeroen Stol (Welthungerhilfe) und Maria Fix (Ärzte ohne Grenzen) über Kriegsökonomie, humanitäre Not – und den Mut derer, die bleiben.

🧭 Kapitelübersicht
1 - Ein vergessener Krieg
Jan Jessen führt in den Sudan-Konflikt ein – zwei Generäle kämpfen um Macht, Millionen leiden.
2 - Wer kämpft gegen wen?
Sudan-Experte Roman Deckert erklärt die Hintergründe: Staatsarmee, Milizen, Gold und geopolitische Interessen.
3 - Ein Land hungert
Jeroen Stol von der Welthungerhilfe berichtet aus Port Sudan über blockierte Hilfslieferungen, gefährliche Zugänge und leere Lager.
4 - Vergessen in der Weltöffentlichkeit
Warum der Sudan kaum Schlagzeilen macht – und was das für Spenden und Hilfsprojekte bedeutet.
5 - Kliniken unter Beschuss
Maria Fix von Ärzte ohne Grenzen schildert, wie sie im Osten und in Darfur unter Lebensgefahr Menschen versorgt.
6 - Das Kriegsbusiness
Gold, Macht und internationale Netzwerke: Wie aus Krieg ein Geschäft wird – und wer davon profitiert.
7 - Nicht wegsehen
Jans Schlussgedanken: Warum der Sudan mehr Aufmerksamkeit braucht – und warum Hinschauen auch Helfen ist.

🎧 Hör-Empfehlungen
Flutkatastrophe in Afghanistan (morgenpost.de/podcast/article406857258/flutkat…)
Erdbeben in Afghanistan (nrz.de/podcast/article409960456/erdbeben-in-af…)

🤝 Unterstützungsmöglichkeiten
UNICEF Nothilfe Sudan
Schutz und Ernährung für Kinder im Krieg.
🔗 Website: unicef.de/informieren/projekte/afrika-2244/sud…

Welthungerhilfe
Hilfe zur Selbsthilfe – Ernährung, Wasser, Bildung. Seit Jahrzehnten im Sudan aktiv.
🔗 Website: welthungerhilfe.de/spenden-sudan/hunger-und-ve…

Ärzte ohne Grenzen
Medizinische Hilfe für die Menschen im Sudan – unabhängig und direkt vor Ort.
🔗 Website: aerzte-ohne-grenzen.de/presse/sudan-katastroph…

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Zwei Generäle kämpfen um die Macht und ein Land, in dem es einst Hoffnung auf Demokratie gab, leidet heute unter einer der größten humanitären Katastrophen der Welt. Laut Vereinten Nationen sind 14 Millionen Menschen auf der Flucht, allein innerhalb eines Landes. Ein Drittel der Bevölkerung hungert, 26 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen.

Und doch, fast niemand spricht über diese humanitäre Katastrophe. Warum eigentlich? Wer profitiert von diesem Krieg im Sudan, politisch, wirtschaftlich, vielleicht sogar international? Und wer hilft den Menschen, die gar nichts mehr haben? Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen.

Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter der Funke Mediengruppe. Meine Berichte lest ihr in der NRZ, der WRZ, dem Hamburger Abendblatt und der Berliner Morgenpost und in allen anderen Titeln der Funke Mediengruppe. Hunderttausende Menschen sind im Sudan vom Hungertod bedroht.

Städte in Darfur werden belagert, Kliniken und Märkte bombardiert und gleichzeitig verschwindet die Krise fast vollständig aus der internationalen Wahrnehmung. Der Krieg im Sudan, das ist ein ignorierter Krieg. Ich war selber leider noch nicht da im Sudan. Die Einreise für Journalistinnen ist relativ schwierig, ist unmöglich.

Aber ich habe mit Menschen gesprochen, die vor Ort sind oder es bis vor kurzem waren. Roman Deckert ist Journalist und Sudan-Experte und ordnet die politische Lage für uns ein. Jerome Stoll von der Welthungerhilfe, koordiniert von Port Sudan aus Hilfsprojekte. Maria Fix von Ärzte ohne Grenzen. Sie war insgesamt ein Jahr vor Ort und spricht über das Leid der Zivilbevölkerung und den Mut derer, die helfen.

Um zu verstehen, was gerade im Sudan passiert, müssen wir erstmal wissen, wer da eigentlich gegen wen kämpft. Ich habe dazu mit Roman Deckert gesprochen, er ist Journalist und Sudan-Experte. Zu Beginn also erstmal ein Blick auf die Landkarte. Wer kontrolliert, welche Teile des Landes? Ja, gerade muss man also feststellen, dass das ganz faktisch gespalten ist.

Es gibt also eine östliche Hälfte, die von der Staatsarmee gehalten wird, SAF abgekürzt, Chinese Armed Forces, unter der Führung von General Del Fatal Burhan. Und die westliche Hälfte, also eigentlich alles westlich der Hauptstadt Khartoum, insbesondere die Region davor, wird von den paramilitärischen Rapid Support Forces gehalten.

Auch dem Schlachtfeld hat gerade die Armee ein bisschen die Überhand. Es gibt dort Kämpfe um die Stadt El-Obeit im Westen, aber vor allen Dingen um die größte Stadt in Darfur, El-Farsha, wo es also heißt, für Beobachter ist es wirklich die Hölle auf Erden. Dort sind also Hunderttausende vom Hungertod bedroht und es tobt also eine wirklich fürchterliche Schlacht um diese Stadt.

Die Staatsarmee, von der Roman Deckert spricht, die wird kontrolliert von einem General namens Abdel Fattah Buran. Und der ist quasi der Staatschef aktuell im Sudan. Nicht qua Amt, aber de facto, weil er eben der Armeeschef ist, der mächtigste Mann im Sudan. Und auf der anderen Seite stehen die Rapid Support Forces, von denen Deckard auch gesprochen hat.

Und die werden von Mohammed Hamdan Dakhlan kontrolliert. Und die ist auch ein Generale, das war früher der Stellvertreter von Burhan. Und diese Rapid Support Forces, das sind ursprünglich Milizen gewesen. Die auf der Seite der Regierung in Darfur gekämpft haben. Ihr werdet euch vielleicht erinnern, es gab vor ein paar Jahren schon mal im Westen des Sudans, in den Darfur-Provinzen, einen massiven Krieg mit vielen Toten, viel Vertreibung und vielen Gräueltaten.

Und da waren diese Milizen, aus denen jetzt die Rapid Support Forces geworden sind, die wesentlichen Kriegstreiber. Und die Frage ist natürlich auch, woher kommen diese Milizen und was treibt sie an? Die RSF-Milizen sind so seit den 2000er Jahren immer stärker geworden. Also sie gehen ursprünglich zurück auf die gefürchteten Janjawit-Milizen.

Der Anführer der RSF-Milizen genannte Metier. Er hat damals sowohl harte Petrodollars verdient mit diesem Geschäft des Söldnerturms, aber auch Geschäftsnetzwerke aufgebaut, eben vor allen Dingen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese Verflechtungen machen den Konflikt nicht nur komplex, sie machen ihn auch profitabel.

Gold macht Söldner-Netzwerke und Reich-Unterstützer im Ausland. Der Krieg im Sudan ist längst auch ein Geschäft geworden, aber dazu kommen wir später. Wie sieht die Lage vor Ort aus? Seit zwei Jahren tobt dieser Bürgerkrieg jetzt im Sudan. Wie gesagt, das Land, wie der Katja erzählt hat, ist praktisch zweigespalten.

Im Osten die Staatsarmee, die SAF, die da das Sagen hat, im Westen. Die Rapid Support Forces. Und natürlich profitieren die Generäle davon, von diesem Krieg, wie es immer so ist in solchen Kriegen. Und auf der anderen Seite hungert die Bevölkerung. Ich habe mit Geron Stoll von der Welthungerhilfe gesprochen.

Er leitet von Port Sudan aus die Programme im Land, vom relativ stabilen Osten bis in die Kriegsgebiete im Westen. Die Gemeinden haben weniger Möglichkeiten, ihre Felder zu bestellen und weniger Zugang zu humanitärer Hilfe. Das sind die Regionen, in denen die Lage am schlimmsten ist. Das sind zum Beispiel die Gebiete im Südwesten um Darfur und Kurufan in der Mitte.

Dort vor allem ist der Zugang stark eingeschränkt. In vielen Regionen, und das ist eben so das ganz große Problem, im Sudan kommt die Hilfe kaum noch durch. Der Zugang ist gefährlich, die Versorgungsketten brechen ab, die Menschen hungern. Zugang ist gefährlich heißt auch natürlich für die Helfenden, die da unterwegs sind, wie die lokalen Helferinnen und Helfer von der Welthungerhilfe, aber eben auch anderen Organisationen, die ja noch im Land sind.

Das Welternährungsprogramm warnt, ein Drittel der Bevölkerung ist auf Hilfe angewiesen und die Mittel reichen längst nicht aus. Ich habe Jaron gefragt, ob der Sudan im Vergleich zu anderen Krisen überhaupt noch genug Aufmerksamkeit bekommt. Und wie, sagen wir mal, im Katastrophenindex, wenn man das mal so salopp sagen darf, wie der Sudan einzuordnen ist.

Erlauben Sie mir darauf, keine direkte Antwort zu geben. Ich denke schon, es ist irgendwie vergleichbar mit Gaza. Aber das ist ja kein Wettbewerb. Die Herausforderungen, die vor uns liegen, sind extrem. Die Herausforderungen für die Menschen vor Ort sind extrem. Natürlich sind Gaza, die Ukraine und das, was im Sudan passiert, alles große Krisen.

Allerdings scheint die Krise hier unglaublich unbeachtet. Das ist das Kernproblem beim Sudan oder Afrika insgesamt, muss man ja sagen. Afrika ist so ein von der Welt oder zumindest von der westlichen Welt vergessener Kontinent. Möglicherweise erinnert sich der eine oder andere auch an den Krieg in Äthiopien, in Tigray.

Vor einiger Zeit, der schwelt immer noch und da gab es bis zu 500.000 Todes, hat einfach niemanden interessiert. Andere Konfliktherde in der Welt ähnlich, im Jemen beispielsweise, Tupzadianenkrieg, für den sich auch relativ wenige Menschen interessieren. Also unser Fokus liegt ganz klar im Westen zumindest auf Gaza, auf der Ukraine.

Und das ist natürlich für die Hilfsorganisationen, die vor Ort sind, in solchen Ländern, in denen große Krisen sind, in denen große Kriege toben, wie im Sudan, ist das natürlich schwierig. Die Hilfsorganisationen sind auf Fundings angewiesen, auf Finanzierung. Und wenn auf bestimmten Konflikten kein öffentlicher, medialer Fokus ist, dann fließen eben auch keine Spendenmittel.

Und das ist ein Riesenproblem, nicht nur für die Hilfsorganisationen, sondern vor allem für die Menschen. In belagerten Städten wie Al-Fashir, das liegt in der Darfur-Region, oder in den Camps, ebenfalls in Darfur, sind Menschen vom Rest der Welt abgeschnitten. Al-Fashir, das ist eine 300.000 Einwohnerinnen- und Einwohnerstadt und diese Stadt wird seit Monaten belagert.

Man hört die Berichte aus Al-Fashir, die wirklich grauenhaft sind. Die Leute müssen sozusagen da von Gras oder was weiß ich was leben. Also es gibt nichts mehr zu essen, was da reinkommt. Und das ist einfach eine Megakatastrophe, aber wie gesagt, wird nicht wirklich groß beleuchtet. Die Hilfstransporte bleiben stecken, die Lager sind leer und viele internationale Teams mussten abziehen.

Allerdings bleiben die sudanesischen Mitarbeitenden trotz der Lebensgefahr. Ja, ich würde sagen, es ist gefährlich. Menschen sind aktiver Gewalt ausgesetzt, Tag für Tag. Der Zugang und die Bewegungsfreiheit sind erheblich eingeschränkt. Als ein entgegenkommender und verantwortlicher Arbeitgeber geben wir den Menschen, die für uns arbeiten, die Möglichkeit zu gehen.

Aber viele sagen, nein, wir entscheiden uns zu bleiben, weil das hier unser Zuhause ist. Und wie das so häufig in Konflikten ist, ist das eben nicht nur so, dass die Kriegssituation sich auf Angriffe auf militärische Infrastruktur konzentriert, sondern dass es auch Angriffe auf medizinische Einrichtungen gibt.

Und das hat Maria Fix erlebt. Sie ist Krankenschwester. Und war für Ärzte ohne Grenzen vor Ort insgesamt ein Jahr im Sudan und das unter extremen Bedingungen. Hallo und vielen Dank für die Einladung. Ich bin immer wieder froh, über den Sudan sprechen zu dürfen, weil ich tatsächlich das Gefühl habe, dass die Aufmerksamkeit viel zu gering ist, für das, dass der Krieg einfach schon seit zwei Jahren besteht.

Ich war fast ein ganzes Jahr von diesen über zwei Jahren im Sudan Und von meiner Seite aus, es verbessert sich gar nichts. Ich habe eher das Gefühl, dass man immer weniger davon hört, wenn man bedenkt, dass die humanitäre Lage sich aber weiterhin verschärft im Land. Medizinische Einrichtungen werden zerstört, sehr viele zivilistische Opfer dabei.

Märkte werden bombardiert, Krankenhäuser, Camps werden zerstört. Das ändert sich leider in keinster Weise zum Positiven, sondern einfach in den letzten zwei Jahren wird es immer schlimmer und man hört immer weniger davon. Maria war in Städten wie Niala, das war einst die zweitgrößte Stadt des Landes, heute ist sie weitgehend zerstört. Meinen ersten Einsatz im Sudan habe ich tatsächlich in Darfur gehabt, in Süd-Dafur.

Wir sehr herzlich in der Grenze waren zu der Zeitpunkt gerade erst wieder ein paar Monate im Land, obwohl wir vor dem Krieg da schon gearbeitet haben. Ich war in Jalla selber komplett zerstört. Da ist kaum Leben mehr gewesen in der Stadt selber. Viele Menschen natürlich, die sich da noch gehalten haben, die es sich nicht leisten konnten, dort wegzugehen, die sich dann gerade am Rand der Stadt befinden.

Gesammelt haben. Und während ich dort war in ein paar Monaten, hat sich das ein bisschen stabilisiert. Aber Angriffe sind weiterhin passiert mit Luftangriffen auf die Stadt, wo auch viele Verletzte und auch Tote dabei waren. Und diese Luftangriffe, die dauern ja auch bis heute noch an. In manchen Regionen existiert praktisch kein Gesundheitssystem mehr.

Und natürlich ist es generell auch schwierig. Ich meine, selbst wenn das Gesundheitssystem noch einigermaßen in Ordnung wäre. Aber es gibt eben zig Millionen Binnenvertriebene in diesem Land, die von A nach B geflohen sind. Und das ist natürlich schwierig, so eine Masse an Geflüchteten zu versorgen. Ihr werdet euch erinnern, was wir alleine in Deutschland für Probleme hatten, als eine Million Leute 2014, 2015 gekommen sind.

Ob das jetzt unser Gesundheitssystem war, ob das Bildungssystem war oder was weiß ich war. Und Riesen-Ausschreiber uns, Riesendiskussionen, wie kriegen wir das gestemmt? Und jetzt überlegt mal, wenn ihr ein Land wie den Sudan seht, wo dann eben 14 Millionen Leute auf der Flucht sind, in einer kriegerischen Situation, wo bombardiert wird, wo geschossen wird, wo Gesundheitseinrichtungen zerschossen werden. Das ist natürlich eine Überkatastrophe.

Und deswegen breitet sich auch in dem Land die Cholera aus, Mütter sterben bei Geburten und Kinder an Mangelernährung. Gerade da, wo ich gearbeitet habe in Jalla, wir hatten enorm viele schwangere Frauen, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Schwangerschaft gestorben sind. Aufgrund dessen, weil sie lange Wege haben, um ins Krankenhaus zu kommen, weil eben so wenige Gesundheitseinrichtungen noch funktionieren.

Ähnliches sieht man dann auch bei Kindern, die... Keine Einrichtungen kommen, so zum Beispiel für Mangelernährung behandelt werden können oder nicht genügend Einrichtungen für Durchfallerkrankungen, wofür sie natürlich sehr empfindlich sind oder Malaria. Und natürlich für mich ganz persönlich auch immer ein ganz großes Thema ist natürlich die sexualisierte Gewalt. Die ist enorm groß.

Auch im Sudan wird sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt. Ich glaube alleine jetzt im Juni diesen Jahres in Tavila wurden innerhalb von einer Woche einmal nur 113 Konsultationen zum Thema sexualisierte Gewalt gesehen und dabei geht es halt nicht nur um Frauen, sondern es geht halt auch um Kinder die, also ich glaube das jüngste was wir recordet haben waren fünf Jahre alt, also das sind also mich persönlich trifft das immer enorm und auch als ich in der kurzen Zeit so viele.

Und wir haben, glaube ich, nur den Tipp des Eisbergs gesehen, weil viele natürlich weder den Zugang haben noch wissen, wo sie sich Versorgung bekommen, noch dazu fehlt es dann an so Sachen wie psychologische Unterstützung. Trotzdem, und das ist einfach wirklich bemerkenswert und absolut zu wertschätzen, bleiben Helferinnen und Helfer vor Ort.

Nicht nur die lokalen Kräfte, sondern teilweise immer noch internationale Kräfte, die vor Ort bleiben und versuchen, da Hilfe zu leisten, sodass es eben möglich ist. Und das ist wirklich bemerkenswert. Also im Großen und Ganzen würde ich sagen, Gott sei Dank ist uns als Ärzte in der Grenze bisher relativ wenig, aber einfach ist es nicht.

Also wir müssen enorm viele Maßnahmen auch einhergehen, dass wir sicher gehen, dass alles sicher ist. Ganz viele Checkpoints, die dann mit dazukommen. Und ich glaube, ich habe auch tatsächlich irgendwo, also es gibt auch nicht nur Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen, sondern es sind natürlich auch betroffene Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die natürlich auch verletzt werden oder auch getötet werden.

Im Krankenhaus in Salindji in Zentral-Dafur. Da haben wir auch unterstützt. Da sind tatsächlich dieses Jahr im August in der Notaufnahme, das war ein Angriff auf die Notaufnahme im Krankenhaus, sind tatsächlich mehrere Menschen verletzt worden und auch gedötet. Also das ist nicht einfach, aber wir arbeiten ja sehr zu den Grenzen mit dem Neutralitätsprinzip.

Das heißt, wir unterhalten uns mit allen Kriegsparteien. Das heißt aber auch, dass wir kommunizieren, wo wir sind und auch natürlich sehr stark immer wieder darauf beharren, dass das Völkerrecht auch in solchen Situationen wahrgenommen wird. Ja, und jetzt müssen wir nochmal zu der Frage kommen, Fundings, also die Finanzierung von der Hilfsarbeit vor Ort, für die Unterstützungsarbeit vor Ort, für die medizinische Unterstützung, für die Unterstützung mit Lebensmitteln.

Und die Frage ist gerade beim Sudan, wir haben ja schon darüber gesprochen, die Aufmerksamkeit ist gering und die Frage ist natürlich, kommt da eigentlich genug Geld bei den Hilfsorganisationen an, um die Unterstützung zu leisten, die gebraucht wird. Aber das scheint definitiv nicht der Fall zu sein und das hat auch Maria.

Also ich glaube, die Antwort ist ganz klar, da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Das Problem ist einfach, dass allgemein dadurch, dass wenig Aufmerksamkeit aus politischer Sicht quasi von vielen Ländern weltweit nicht gerade auf dem Sudan liegt, ist natürlich auch die finanzielle Verteilung von Hilfsgeldern natürlich auch schwierig.

Also Ärzte von den Grenzen sind wir natürlich finanziell unabhängig. Das heißt, wir sind jetzt auch nicht daran gebunden, quasi von Regierungen Gelder zu bekommen, was uns vielleicht auch dieses Jahr ein bisschen geholfen hat, weil nachdem Anfang des Jahres aus den USA viele Gelder weggegangen sind, haben wir natürlich schon auch gesehen, dass da einige andere Organisationen dann auch mit zu kämpfen hatten.

Und ich würde sagen, bei weitem fehlt es da noch. Also Ärzte von den Grenzen ist weit, also wir können das bei weitem nicht stemmen, was dort einfach. Notwendig ist, was man da zu stemmen hat und ich würde mir wünschen, dass nicht nur die politische Aufmerksamkeit, also was auch Bürokratie da angeht, aber auch, dass quasi die Verteilung von Hilfsgeldern, vielleicht auch wieder besser werden könnte und dass der Sudan auch, Davon mehr abbekommt. Wenn die Menschen im Sudan, die normalen Bürgerinnen und Bürger, also um jedes Kilo Mehl kämpfen, geht es an der Spitze des Staates um Macht und Gold und um ein System, das den Krieg profitabel macht.

Der Sudan liegt strategisch zwischen der Sahelzone und dem Roten Meer. Es ist ein Land mit Gold, Öl und enormer landwirtschaftlicher Fläche. Allerdings muss man sagen, die landwirtschaftliche Fläche ist auch nicht mehr so nutzbar, wie das vielleicht früher mal war, als der Sudan ein großes Exportland.

Für landwirtschaftliche Produkte war. Vieles der landwirtschaftlichen Flächen ist mittlerweile vom Klimawandel zerstört worden. Das ist übrigens ähnlich wie in Afghanistan, also auch so ein Land, wo ich ja häufig hinreise und auch immer wieder darüber berichte. Wir können euch auch ein oder zwei Berichte aus Afghanistan, die wir gemacht haben, in die Shownotes packen.

Und Sudan, ähnlich wie Afghanistan, ist eben vom Klimawandel massiv betroffen. Also beides Länder, die nichts oder wenig dazu beigetragen haben, dass es den Klimawandel gibt, aber die mit der meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Und das, wie gesagt, erschwert die Situation im Sudan nochmal, also on top zu diesen ganzen Konflikten, unter denen der Sudan schon seit vielen, vielen Jahren leidet und jetzt eben seit zwei Jahren unter diesem massiven Bürgerkrieg kommen ihm noch die Folgen des Klimawandels.

Aber weil der Sudan eben so ein ressourcenreiches Land ist, macht ihn das umkämpft, macht ihn das auch interessant für Nachbarstaaten bzw. Internationale, die da versuchen, Profite abzuschöpfen. Jahrzehntelang wurde die Macht im Sudan mit Waffen verteidigt, nicht mit Wahlen. Nach dem Sturz von Langzeitdiktator Omar al-Baschir, der war 30 Jahre in der Macht, gab es 2019 kurz mal Hoffnung auf Demokratie und auf Frieden.

Es gab ein zivilgesellschaftliches Aufbegehren, den zivilgesellschaftlichen Versuch, den Sudan in eine friedliche, in eine demokratische Zukunft zu führen. Das war sehr bemerkenswert, was damals passiert ist, doch diese Hoffnung wurde von den beiden Generälen begraben, die nun gegeneinander kämpfen. Roman Deckert kennt die Machtzirkel, die Milizen und die Geschichte und er sagt, dieser Krieg ist kein Zufall. Das heißt, es ist ein Kriegsbusiness.

Die RSF sind ein großes Business Empire. Vor allen Dingen die Regierungsarmee von Bohan ist also mit den Emiraten verfeindet. Aber das Gold, was im Ostsodan gefördert wird, das geht immer noch fast ausschließlich nach Dubai. Also da wird es sehr komplex, die Linien verschwimmen. Aber festzuhalten gilt, dass es eine Kriegswirtschaft ist, es ist ein großes Business und die Zeche zahlen im Prinzip die einfachen Leute, die Zivilbevölkerung. Ja, und dann muss man vielleicht auch ein bisschen den Blick mal weiten ins Internationale rein.

Der Sudan oder die Kriege im Sudan werden, wie so häufig, Kriege weltweit getrieben, auch von internationalen Akteuren. So wird beispielsweise die Staatsamir, die SAF im Sudan von Ägypten und Saudi-Arabien unterstützt und die Rapid Support Forces, also die RSF-Milizen von den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Und es fließt Geld aus dem Ausland rein und Gold kommt zurück. Es gibt auch Länder wie Deutschland, die da durchaus ihre Geschichte haben. Deutschland hat viele Jahre, als noch die DDR existierte, den Sudan sozusagen auch als Schauplatz benutzt, um die Rivalität mit der DDR auszuleben. Der Sudan ist seinerzeit von der Bundesrepublik massiv mit Waffen unterstützt worden.

Es gibt auch andere Interessensgruppen, die da eine Rolle spielen, beispielsweise die Ukraine, die Staatsarmee, die SAF-Unterstützung. Auf der anderen Seite gibt es Russland, was mit den Wagner-Milizen, diesen Söldner-Truppen, die RSF-Milizen zumindest unterstützt hat. Das ist, glaube ich, ein bisschen weniger geworden.

Also Roman Deckert sieht darin, wie gesagt, kein rein sudanesisches Ringen um die Macht, sondern ein regionales und internationales Kräftespiel. Und diese Koalition unterstützt die Regierungsarmee unter General Bohan oder auf der anderen Seite ist ganz klar, ich kenne niemand Ernsthaftes, der das wirklich in Abrede stellt, sind die Vereinigten Arabischen Emirate, die die RSF-Milizen unterstützen, sehr, sehr tatkräftig, also durch Nachschub, aber auch finanziell unterstützt.

Und logistisch. Und ich werde aber auch nie müde, darauf hinzuweisen, dass da natürlich auch der Westen mit drin hängt. Das finde ich immer sehr wichtig herauszustellen, damit man nicht das Gefühl hat, ja, irgendwie da irgendwo in Afrika hauen die Köpfe ein. Nein, nein, also es ist auch ein moderner Krieg, wo es ganz knallhart um realpolitische Interessen geht, geopolitische Interessen.

Und die westlichen Länder hängen da auch mit drin. Und vor allen Dingen, indem sie eigentlich den Sudan nicht wirklich priorisieren. Das muss man, glaube ich, beim Sudan sich auch immer wieder vor Augen führen. Es ist, wie gesagt, kein regionaler Konflikt, es ist kein lokaler Konflikt, sondern es ist ein Konflikt, der von außen mit befeuert wird.

Aber natürlich bleibt der Kern dieser Auseinandersetzung sudanesisch. Und jetzt gibt es immer wieder Leute, die sagen, naja, das sind irgendwie Auseinandersetzungen zwischen Arabern auf der einen Seite. Also die RSF-Milizen gelten sozusagen als arabische Stammeskrieger und auf der anderen Seite Afrikaner, die von diesen Arabern unterdrückt werden.

Und es sei quasi ein ethnischer Krieg, aber da sagt Roman Deckert ganz klar, nein, das ist definitiv nicht so. Das ist ein Machtkampf, kein ethnischer Krieg. Ich bin da immer ein ganz großer Kritiker von den Begriffen. Ethnischer Konflikt, das suggeriert ja, als wäre jetzt Ethnizität die Ursache von einem Konflikt.

Und bei der Betrachtung ist das natürlich Bullshit. Also es ist ja viel komplexer und vor allen Dingen verschwimmen die Linien. Also man muss sich da auch mal fragen, Ethnizität, Ethnien, ja, was bedeutet das eigentlich? Das sind Volksgruppen. Und da ist man sehr schnell in so einem völkischen Denken drin.

Also es gibt natürlich... Ethnien als soziale Gruppen mit verschiedenen Sprachen. Aber oftmals sind das auch Konstrukte. Und für mich besteht die Gefahr darin, dass es so in eine etwas rassistische Logik geht. Ja, da ist man dann schnell bei Karl May. Stämme, die sich da gegenseitig feindlich gesonnen sind. Und da wird es halt sehr schnell folkloristisch.

Und es verstellt eben den Blick darauf, dass das alles in einem globalen Kontext stattfindet. Und trotz dieser ganzen misslichen Lage, trotz dieser furchtbaren humanitären Situation, trotz dieser Katastrophe, die den Sudan aktuell wieder heimsucht, gibt es Hoffnung. Und die Hoffnung kommt von unten aus der Zivilgesellschaft. Ich habe ja vorhin erzählt, 2019, als Omar al-Bashir gestürzt worden ist, dieser Langzeitdiktator, der sich dann später auch wegen Kriegsverbrechen in Den Haag verantworten musste.

Da gab es so ein zivilgesellschaftliches Aufbegehren und es gab den Versuch, den Sudan zu demokratisieren. Und die Reste dieser Restbestände, diese damaligen Netzwerke, dieser zivilgesellschaftlichen Gruppen, die gibt es heute noch. Lokale Netzwerke wie die Emergency Response Rooms halten das Land am Laim.

Sie verteilen Lebensmittel, organisieren medizinische Hilfe, bauen Schulen auf, machen also im Grunde genommen genau das, was eigentlich ein Staat machen sollte. Aber dieser Staat oder die staatlichen Strukturen sind eben in diesem Krieg engagiert und interessieren sich offensichtlich relativ wenig für das, was die Zivilbevölkerung braucht.

Und das machen eben zivilgesellschaftliche Gruppen. Und das ist natürlich eine Sache, wo man, wenn man in die Perspektive denkt, eben auch Hoffnung haben kann, was die Zukunft des Sudan angeht. Und diese lokalen Netzwerke haben jetzt übrigens auch den alternativen Friedensnobelpreis bekommen, als Anerkennung dafür, dass sie helfen, wo internationale Organisationen längst nicht mehr hinkommen.

Roman Deckert hat diese Gruppen schon länger beobachtet. Es gibt diese sehr stolze, starke Tradition der sudanischen Zivilgesellschaft. Aus diesen Nachbarschaftskomitees, Neighborhood Resistance Committees hießen die damals, sind jetzt die sogenannten Emergency Response Rooms geworden, die eigentlich das schaffen, was sonst die Kernaufgabe des Staates ist.

Nämlich eine Basisversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, also sprich durch Nahrung, aber auch Medikamente. Das leistet der Staat eben nicht, sondern diese starken Männer sind diejenigen, die das Chaos stiften. Und es gibt über 600 Emergency Sponsrooms, die sorgen eigentlich für das Überleben der Bevölkerung.

Und waren auch letztes Jahr zum Beispiel im Gespräch mit dem Friedens- und Welkkreis und hätten denen sicherlich mehr als verdient. Das ist sicherlich die Hoffnung. Man muss auch aufpassen, dass man jetzt nicht alle Hoffnungen auf diesen Grassroots-AktivistInnen und Aktivisten. Dass man ihnen das aufbürdet.

Aber da gibt es wirklich, wirklich Hoffnung, Wenn Robert Deckert von Grasguts-Aktivistinnen und Aktivisten spricht, da meint er, also Grasgutsbewegungen, das sind, der Name sagt es ja, so ein bisschen Graswurzelbewegungen, die aus der Gesellschaft selber kommen, also nicht von oben, von staatlicher Seite oktroyiert werden, sondern das sind Selbstorganisationsgruppen, die, wie wird das auch beispielsweise in Syrien gesehen haben, als der Bürgerkrieg losging und der ja noch nicht ideologisch beziehungsweise religiös aufgeladen war oder von außen befeuert worden ist, Da gab es das ja in Syrien auch die lokalen Koordinierungsgruppen, die versucht haben, die Proteste gegen Assad damals zu organisieren und Syrien auf einen demokratischen Weg zu bringen.

Und das finde ich immer wieder bemerkenswert, dass es das in so Krieges, von kriegsbetroffenen Ländern gibt, in so schwierigen Ländern gibt, Ländern, die unter Diktaturen gelitten haben, dass sich da also im Untergrund sozusagen diese Gaswurzelbewegung ausbreiten und organisieren. Und ja, am Ende sind sie natürlich die Hoffnung darauf, dass irgendwann in solchen Ländern Frieden herrscht.

Und das ist eben die große Frage, wird es für den Sudan eine Perspektive geben, jenseits der Gewalt, jenseits der Einflussnahme von außen? Und der Roman Deckert glaubt daran, wenn auch natürlich vorsichtig. Für ihn ist klar, nur wenn Militär und Milizen sich zurückziehen und die Zivilgesellschaft wirklich gestalten darf, kann der Sudan überleben.

Ja, ich würde mir selber eher wünschen, dass es einen Sudan gibt, einen vereinten Sudan, in dem die Armee in die Baracken zurückkehrt, die Milizen entwaffnet werden und endlich einmal die Zivilgesellschaft eine Chance hat, wirklich etwas aufzubauen. Der Sudan ist eigentlich. Das könnte dort sehr gut gehen, aber es sind vor allem die Militärs, die das verhindern und die ausländischen Mächte aus der Region, die eben kein Interesse dort an einer demokratischen Entwicklung haben.

Und da denke ich, er ist von westkischer Seite angesagt, diesen Regionalkreppen zu sagen, lasst die Sudanesen in Ruhe machen und ihre eigene Zukunft aufbauen und haltet euch raus. Und das ist meine Hauptkritik an westlicher Außenpolitik, nicht nur an deutscher Außenpolitik, aber auch, dass da dann die Interessen gegenüber den Golfmonarchien und Ägypten doch höher gestellt werden als gegenüber dem Sudan.

Ja, und ich glaube, das ist unglaublich wichtig, dass man in den Sudan blickt. Ein Land, in dem man eben zwei Realitäten sieht. Mal oben die, die vom Krieg leben. Es gibt wohl auch relativ viel Reichtum im Sudan. Und unten die, die diesen Krieg überleben müssen. Und auf der anderen Seite auch diejenigen, die versuchen, ihrem Land irgendwie Struktur zu geben und dieses Land nach vorne zu bringen.

Natürlich gibt es auch die Helferinnen und Helfer, die lokalen Helferinnen und Helfer, Menschen, die ihr Leben riskieren, um entweder ihren Landsleuten zu helfen oder die Internationalen, die reinkommen, um der Unterstützung zu leisten. Menschen wie Jerome Stoll, Maria Fix und unzählige Sudanesinnen und Sudanesen, die bleiben, obwohl eigentlich alles dagegen spricht, in diesem Land zu bleiben und zu helfen.

Und ich möchte auf jeden Fall selbst dahin irgendwann. Ich versuche irgendwie einen Weg zu finden, in den Sudan reinzukommen. Ich glaube einfach, dass wir diesen Konflikt nur verstehen, wenn wir die Menschen sehen, nicht die Generäle, nicht die Goldminen, sondern die Kinder, die Mütter, die Ärztinnen und Ärzte, die Nachbarn.

Und vielleicht ist es auch das Einzige, was wir hier wirklich tun können, hinschauen, helfen und darüber sprechen, damit dieser Krieg nicht im Schatten bleibt. Das ist das Schlimmste, was passieren kann bei humanitären Katastrophen, dass sie eben außerhalb der medialen Wahrnehmung oder der öffentlichen Wahrnehmung geschehen, weil dann einfach keine Hilfe mehr ins Land reinkommt.

Und ich glaube, das ist gerade im Sudan, aber auch in anderen Ländern, ist es einfach so vonnöten, dass Hilfe geleistet wird und die Menschen unterstützt werden. Diese Folge wurde produziert von Alexander Baumeister Er ist auch Journalist beim Radiosender Der Funke Mediengruppe Und wenn euch diese Folge gefallen hat Abonniert uns gerne auf dem Folgt uns Empfehlt uns gerne weiter Das hilft uns auch, unsere Arbeit sichtbarer zu machen Macht's gut, bis bald Und Tschüss.

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