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Länger Leben· Staffel 2· Folge 5

Alkohol: Warum das „Feierabendbier“ der Gesundheit schadet

Mittwoch, 9. September 2026 · 25 min

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Shownotes

Ob Feierabendbier, ein Glas Wein zum Essen oder Sekt zum Anstoßen: Alkohol ist gesellschaftlich akzeptiert und wird häufig mit Genuss, Entspannung und Geselligkeit verbunden. Natalja Fischer und Dr. Felix Bertram sprechen darüber, was Alkohol im Körper anrichtet und wie er sich langfristig auf unsere Gesundheit auswirkt.

Die beiden gehen der Frage nach, ob es überhaupt eine gesundheitlich unbedenkliche Menge gibt, und erklären, weshalb die offizielle Empfehlung zum Alkoholkonsum inzwischen neu bewertet wurde. Auch der Mythos vom gesunden Glas Rotwein und die vermeintlich lebensverlängernde Wirkung von Resveratrol kommen auf den Prüfstand.

Außerdem spricht Felix offen über seine eigene Vergangenheit mit Alkohol: den Moment, der für ihn zum Wendepunkt wurde, wie er es geschafft hat, langfristig umzusteigen, und wie sich sein Wohlbefinden seitdem verändert hat. Welche drei konkreten Strategien Felix empfiehlt, um seltener und bewusster Alkohol zu trinken, erfahrt ihr in dieser Folge.

Weitere Insights gibt es hier:
• Bas Kast vollzog plötzlich Kehrtwende beim Alkohol: „Ich war zu unkritisch“ (morgenpost.de/ratgeber-wissen/article407838336…)
• 100 Tage ohne Alkohol im Selbstversuch: „Ich war deutlich öfter gut gelaunt“ (morgenpost.de/ratgeber-wissen/article406124048…)

Mehr zu Dr. Felix Bertram:
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Instagram (instagram.com/drfelixbertram/?hl=de)

Buch: Hacking Age (GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH)

Mehr zu Natalja Fischer:
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Man kommt nach Hause, kocht was zusammen oder isst mit Freunden und dann ist immer die Flasche Wein da oder das Bier. Und das ist ja auch nicht stigmatisierend. Das ist ja in der Gesellschaft völlig anerkannt. Es ist positiv besetzt. Wir sind ein bisschen lockerer, wir plaudern lustiger, wir führen gute Gespräche.

Und gerade dieses bisschen Alkohol ist eigentlich das Problem, vor allen Dingen, wenn wir es konstant zu uns nehmen. Wir gucken immer auf die Alkoholiker und sagen, aber ich habe kein Alkoholproblem, ich bin nicht abhängig. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass wir konstant an vielen Tagen der Woche, wenn nicht sogar an allen, oft Alkohol trinken.

Länger leben, der Longevity-Podcast mit Natalia Fischer und Dr. Felix Bertram. Ob Feierabendbier, ein Glas Wein zum Essen oder der Sekt zum Anstoßen. Viele verbinden Alkohol mit Genuss, Entspannung und Geselligkeit. Doch wie wirkt sich Alkohol langfristig auf unsere Gesundheit aus? Und gibt es überhaupt eine unbedenkliche Menge? Darüber wollen wir heute sprechen.

Felix, Alkohol ist gesellschaftlich vollkommen akzeptiert. Jeder Deutsche trinkt laut WHO im Schnitt 11,2 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Das ist deutlich mehr als der europäische Durchschnitt übrigens. Warum blenden wir gesundheitliche Aspekte bei dem Thema so konsequent aus? Ja, der Alkohol ist traditionell bei uns positiv besetzt, stark integriert und ritualisiert in unserer Gesellschaft.

Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen. Es war einfach wie so ein Ritual, abends so ein, zwei Bierchen zu trinken und andere trinken dann ihr Weinglas. Es ist immer mit lustig verbunden. Es ist oft mit dem Volksfest verbunden, wenn wir dann das Oktoberfest denken oder ähnliches. Also dieses Gesundheitsbewusstsein wird wie konsequent ausgeblendet, weil es einfach zu unserer Kultur gehört.

Okay, wir blenden das aus, aber was ist denn genau das Problem mit Alkohol? Also was macht Ihnen so schädlich? Also Alkohol ist stark wasser- und fettlöslich, trinkt so mit ganz schnellen alle Zellen ein. Das Problem ist aber gar nicht Alkohol, sondern der Stoffwechsel von Alkohol, also das Abbauprodukt. Und das nennt sich Acetaldehyd. Und das Acetaldehyd ist deshalb gefährlich, weil es an DNA bindet und DNA schädigt.

Deshalb ist Alkohol auch krebserregend. Es macht noch was anderes. Es führt zu oxidativem Stress und stört den Stoffwechsel. Und es verhindert vor allem die Umwandlung von NAD Plus zu NADH oder bringt das ins Ungleichgewicht. Und dadurch wird der Fettstoffwechsel gestört. Und Fett wird leichter eingelagert, vor allen Dingen der Leber. Deshalb führt Alkoholkonsum oft auch zur Fettleber.

Okay, also es schädigt ganz viele Prozesse im Körper. Es schädigt insbesondere die Leber, hast du gesagt. Welche Organe leiden denn noch unter dem Konsum von Alkohol? Wie eben gesagt, 90 Prozent ist die Leber betroffen, aber auch Gehirn- und Nervenzellen sind betroffen. Also das Nachweis liegt, dass Alkohol dazu führt, dass das Gehirn schrumpft, dass auch kognitive Leistung abgebaut wird, aber auch ganz konsequent zu Nervenschäden führt.

Man kennt das, die sogenannte Polyneuropathie, also Menschen, die konsequent und über viele Jahre Alkohol trinken, die haben oft so Lähmungserscheinungen an den Beinen und Füßen und können die nicht mehr richtig bewegen und spüren die nicht mehr richtig. Das ist oft eine Konsequenz vom konstanten Alkoholkonsum.

Und zusätzlich wirkt sich Alkohol auch auf den Schlaf und auf Regeneration und Stress aus, oder? Das ist was, was ganz oft ausgeblendet wird. Wir verbinden ja Alkohol mit dem Fakt, dass es entspannt und auch oft zum leichten Einschlafen führt. Das macht es auch, aber es stört ganz extrem die Schlafarchitektur.

Mit Schlafarchitektur meine ich vor allem auch den REM-Schlaf. Das ist die Phase im Schlaf, wo der Körper regeneriert, wo er auch emotional Träume verarbeitet. Die ist gestört, der Tiefschlaf ist oft gestört. Und wer das mal gemessen hat, der sieht, dass auch schon ein Glas Wein oder ein Glas Bier die Herzfrequenz über Nacht deutlich erhöht lässt.

Und das ganze Herz-Kreislauf-System kann dadurch über Nacht nicht entspannen und regenerieren. Und wir fühlen uns oft am Morgen gerädert und nicht wirklich erholt. Also man schläft besser ein, aber der Schlaf ist schlecht. Das ist also ein Trugschluss eigentlich. Absolut, das kann man auch messen, reden wir auch mal drüber, wie man Schlaf messen kann, ist ganz spannend.

Und welche Rolle, würdest du sagen, spielt Alkoholkonsum insgesamt jetzt im Bereich Gesundheit und Longevity? Einen sehr großen. Wenn ich mit Leuten rede, dann heißt es oft, ja, ich trinke nur ein Gläschen Wein am Abend und so, weißt du, es ist ja schön abends, wir kommen nach Hause und dann machen wir ein Gläschen Wein auf oder eine Flasche Wein auf.

Und das ist oft das Problem, man verbindet das mit dem Abendritual. Man kommt nach Hause, kocht was zusammen oder ist mit Freunden und dann ist immer die Flasche Wein da oder das Bier. Und das ist ja auch nicht stigmatisieren. Das ist ja in der Gesellschaft völlig anerkannt, es ist positiv besetzt, wir sind ein bisschen lockerer, wir plaudern lustiger, wir führen gute Gespräche und gerade dieses bisschen Alkohol ist eigentlich das Problem, vor allem wenn wir es konstant zu uns nehmen.

Wir gucken immer auf die Alkoholiker und sagen, ja, aber ich habe kein Alkoholproblem, ich bin nicht abhängig. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass wir konstant an vielen Tagen der Woche, wenn nicht sogar an allen, oft Alkohol trinken. Okay, du hast auch schon dargestellt, was Alkoholkonsum so schädlich macht.

Gibt es denn aus wissenschaftlicher Sicht sozusagen trotzdem eine risikofreie Menge, die noch okay wäre? Nach neuesten Erkenntnissen eben nicht. Das war bis vor 2023 eigentlich noch so ein bisschen anerkannt und auch von verschiedenen Gesellschaften so proklamiert, dass man ein bisschen Alkohol trinken kann.

Heute weiß man aber, dass es keine risikofreie Menge an Alkohol gibt, dass auch das erste Glas schon schädlich ist. Gar nicht, null. Gar nicht null. Das lässt sich aber auch gut erklären. Es gibt da eine Studie, die man oft zitiert hat. Die hat sozusagen eine J-Kurve dargestellt. Die hat also gezeigt, am linken Rand dieser Grafik waren diejenigen, die keinen Alkohol getrunken haben und trotzdem eine kürzere Lebenserwartung haben.

Dann nahm die Lebenserwartung leicht zu, für die, die so ein bisschen Alkohol zu sich genommen haben, sagen wir mal das eine Glas am Abend, daher auch der Mythos, das eine Glas Rotwein am Abend ist nicht schädlich und dann ist konstant die Lebenserwartung gesunken mit zunehmendem Alkoholkonsum. Was ist aber hier die Erklärung? Da ist ein kleiner Fehler in der Studie.

Die Gruppe, die ganz links ist, also die keinen Alkohol trinkt und trotzdem eine geringe Lebenserwartung hatte, das ist die Gruppe, wo zumindest sehr viele ehemalige Alkoholiker drin sind und auch sonstige Menschen, die krank sind und keinen Alkohol trinken dürfen. Deshalb hat man angenommen, dass sozusagen gar kein Alkohol schlechter ist als ein bisschen Alkohol.

Die Gruppe, die ein Glas Wein getrunken hat, das ist oft halt eine Gruppe, die sehr privilegiert ist, also Menschen aus dem Mittelstand, die gutes Geld verdienen, die sonst gesundheitlich gut versorgt sind. Und das ist sozusagen ein statistischer Messfehler, der uns in die Irre leitet und glauben lässt, dass ein Glas Wein sei eigentlich gut.

Die heutige Statistik sieht eben so aus, dass wir so eine lineare, nach oben ansteigende Kurve und Grafik haben, die zeigt, dass jeder Tropfen Alkohol schädlich ist und desto mehr ich trinke, desto schädlicher. Also moderater Alkoholkonsum ist nicht besser als gar kein Alkoholkonsum. Das war ein Messfehler, das war ein Mythos.

Und das hat die Industrie auch gerne genutzt. Es gibt dieses Frankreich-Paradox, wo man dann gesagt hat, ein Glas Rotwein ist gut und das hat ja auch noch Stoffe drin, die besonders gesund sind und lange leben lassen. Resveratrol wurde da genannt. Genau, Resveratrol. Das Spannende an Resveratrol ist, es gibt tatsächlich tolle Laborstudien, muss man hier auch wieder sagen, Laborstudien, die zeigen, dass es einen lebensverlängernden Effekt hat, also an Zellen oder Mäusen gemessen.

Das Problem ist, Resveratrol ist im Rotwein in so kleinen Mengen vorhanden, dass wenn wir auf die Menge kommen wollten, die diese Studien verwendet wurden. Muss man ein paar Flaschen trinken. Ist es eine tödliche Menge. Also du müsstest irgendwie 100 Flaschen trinken, behafte mich jetzt nicht auf die 100, aber irgendwie in dieser Größenordnung, und das würden wir nicht überleben, weil der Alkohol uns töten würde.

Das macht also gar keinen Sinn. Jetzt könnte man noch sagen, wir sind ja hier im Longevity Podcast, Resveratrol ist ein Supplement, das kann ich auch so als Supplement nehmen. Problem ist aber, es wird im Magen- und Darmtrakt eigentlich komplett aufgespalten. Also es kommt gar nicht dort an, in den Mengen, wo wir es brauchen.

Also diese Studie steht auf sehr, sehr wackelnden Beinen und auch der generelle Effekt von Resveratrol am Menschen ist nicht wissenschaftlich sauber nachgewiesen. Also den Mythos können wir klar widerlegen. Können wir vorerst mal streichen, ja. Ich fand interessant, noch bis zum Jahr 2024 lautete die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung der DGE ja anders.

Da war es sozusagen noch erlaubt, maximal 20 Gramm reiner Alkohol pro Tag für Männer und maximal 10 Gramm für Frauen. Das galt als tolerierbar und jetzt rät die DGE dazu, das hast du angesprochen, grundsätzlich auf Alkohol zu verzichten. Warum wurde das jetzt aktualisiert? Das ist ein guter Hinweis, Natalia, und das beruht genau auf dieser Studie.

Bis vor 2023 hatte man angenommen, dass diese Studie sauber und belegt ist, dass Menschen, die gar keinen Alkohol trinken, zumindest keinen Vorteil haben gegenüber denen, die ein bisschen trinken. Das hat man jetzt widerlegt. Die Studie ist bereinigt worden und heute weiß man genau, dass schon der kleinste Tropfen Alkohol, die kleinste Menge Alkohol grundsätzlich schädlich ist.

Und ist es, je mehr ich trinke, umso schädlicher? Ja, das ist sicher so. Und ist es so, wenn ich jetzt hochprozentiges trinke oder bestimmte Schnäpse oder so, ist das noch schädlicher, als wenn ich jetzt ein Glas Wein trinke? Das muss man differenziert betrachten. Also grundsätzlich zählt die Menge an Ethanol, also an reinem Alkohol. Man kann also sagen, ein kleines Glas Bier, ein Glas Wein und ein Schnaps haben etwa die gleiche Menge Ethanol, also 10 bis 12 Gramm.

Relevant ist aber noch was anderes. Wenn ich Schnäpse trinke, dann mache ich ja oft so wie so ein Shot, so ein Binge-Drinking, also relativ schnell. Das heißt, der Alkohol steigt schnell im Blut an und das führt eher dazu, dass ich zu mehr Konsum neige. Das zweite ist, dass sowas wie Kognak und Rum hat oft so Fuselstoffe und Methanol, also zusätzliche Schadstoffe sind enthalten, die unserer Gesundheit nicht gut tun oder krebserregend sind.

Und diese scharfen Alkohole mit hohen Prozent, hochprozentigem Alkohol sind auch für die Schleimhäute schädlich. Also es ist nachweislich, dass der Konsum von Schnäpsen und dergleichen zu einer höheren Rate an Krebsformen im Mundrachenraum führt. Okay, du selber, das hast du mir mal erzählt, du trinkst ja kaum noch Alkohol, und das war ja früher mal anders, da hast du ja sogar recht viel getrunken, das hast du hier im Podcast auch mal erzählt.

Vielleicht wollen wir nochmal einen Blick auf deine persönliche Geschichte werfen und ich vermute, der Wendepunkt für dich war auch der Test des biologischen Alters, als du aufgehört hast, richtig? Genau, das war ein Weckruf. Das Schlimme ist, ich habe bis dahin gar nicht gemerkt, wie sehr ich auf die schiefe Bahn gekommen bin.

Ich gehörte halt zu diesen Privilegierten, die einen stressigen Beruf hatten, dafür auch immer gelobt wurde, ey, du hast so viel erreicht und toll und bist sicher busy und bist im Stress und das klingt ja immer so erfolgreich. Aber ich konnte das auch nur kompensieren, indem ich abends wirklich mit Alkohol entspannt habe.

In meinem Fall war das Bier, das wurde dann zunehmend mehr. Also in meiner Höchstphase, habe ich sechs, sieben Bier getrunken am Abend. Täglich? Täglich, entweder täglich. Und das Schlimme ist, es ist so ein Ritual geworden. Ich habe mich jeden Tag auf den Abend gefreut, weil ich wusste, ach, das erste Bier, das tut so gut.

Und dann merkst du, der ganze Stress fällt ab und die blöden Gespräche in der Firma und die Stressfaktoren, die mich belastet haben. Und mit jedem Bier wurde es besser und irgendwann springt dann der Motor wieder an, man ist dann wieder fit und energetisch und man ist so ein Prabbeli und fängt an, gute Gespräche zu führen.

Und insofern war das positiv besetzt und war so ein Ritual, das ich einfach sehr genossen habe. Und das hast du dann aufgehört vom einen auf den anderen Moment oder wie bist du da vorgegangen? Das habe ich tatsächlich gemacht und ich glaube, es gibt bei Alkohol im Grunde keine andere Alternative. Nicht so wie bei anderen Suchtmitteln, dass man das vielleicht langsam reduziert.

Der Punkt ist einfach, wenn ich versuche langsam zu reduzieren, es ist so schwer Alkohol zu kontrollieren. Wenn ich ein, zwei Gläser getrunken habe, dann fällt oft die Hemmung ein weiteres zu trinken und deshalb war dieses Stoppen für mich gut. Spannend war, dass ich keine großen Entzugssymptome hatte, also.

Keinen Suchtdruck hatte in dem Sinne. Ich will das aber nicht beschönigen, zeigt eher wie schlimm es ist und wie einfach es ist da rein zu rutschen. Es war mir psychologisch, dass mir das Ritual gefehlt hat. Ich musste jetzt mit meinem Stress, meinen Sorgen selber klarkommen am Abend und hatte nicht mehr dieses Entlastungsmoment.

Was machst du jetzt stattdessen abends? Die Stressentlastung darf nicht erst am Abend anfangen. Ich mache das heute anders, dass ich grundsätzlich meinen Stress anders reguliere. Also ich mache Sport am Morgen, das ist ein starker Puffer. Dann versuche ich den Tag über auch immer wieder kleine Pausen zu machen, vielleicht mit einer Atemübung, vielleicht mit einem kleinen Spaziergang.

Meinetwegen auch, wenn es zeitlich nicht anders reicht, den Kopf einmal kurz für zwei Minuten abschalten und versuchen, an eine leere Wand zu starren. Und ich habe jetzt abends andere Rituale. Also ich trinke mal ein alkoholfreies Bier. Ich gehe mal in den Wald spazieren, wohne direkt am Waldrand mit meinen Hunden, höre einen Podcast.

Ist nicht so einfach, aber das geht mittlerweile gut. Und ich habe zu Hause einfach kein Alkohol mehr. Das ist schon mal auch wichtig. Ich habe keine Verführung. Auch wenn es mal ein blöder Tag war, stressiger Tag, dann greife ich nicht einfach in den Kühlschrank und nehme irgendwas, weil es gar nicht da ist. Also es geht recht gut heute.

Wann hast du das umgestellt? Vor zwei Jahren ungefähr, oder? Genau, so vor zwei Jahren, als ich diesen Alterstest gemacht habe. Und wie hat sich dein Befinden seitdem verändert? Also was hat das mit dir gemacht? Ich bin eine ganz andere Version meiner selbst. Also ich bin viel fitter, ich bin vor allem in der Schlafe.

Also der Punkt, wo ich es am meisten merke, ist beim Schlaf. Ich habe natürlich, du merkst diese konstante Vergiftung nicht, weil das nicht spürbar wird. Ich spüre nicht, ob ich potenziell irgendwann mal Krebs bekomme, sondern der ist irgendwann mal da. Aber ich habe es ganz klar gemerkt am Schlaf. Ich bin morgens erholter, ich bin fitter und wacher, fühle mich energetischer, bin heute auch ein besserer Chef, bin fokussierter, treffe bessere Entscheidungen.

Ich glaube, das war der größte Impact. Und wenn man viele Jahre Alkohol getrunken hat und dann eben aufhört, ist es dann so, dass irreparable Schäden schon angerichtet wurden oder regeneriert sich der Körper dann in dem Moment, wo du aufhörst und langfristig aufhörst? Das hängt natürlich ganz davon ab. Also soweit ich es überblicke, habe ich keine irreparablen Schäden. Es gibt zwei Faktoren, auf die man unbedingt achten muss.

Die Leber kann irreparabel geschädigt sein. Das ist die sogenannte Lebervernarbung, die Leberzirrhose. Wenn die mal da ist, das kann ich nicht regenerieren. Und das andere sind Nervenschäden. Es gibt ein Syndrom, das sozusagen auch das Gehirn betrifft, aber am häufigsten ist die Polyneuropathie, also diese Nervenschädigung an den Extremitäten, die sind nicht mehr reparabel.

Aber alles andere schon und deshalb macht es Sinn in jedem Alter und in jedem Zustand durchaus seinen Alkoholkonsum zu hinterfragen. Und das Krebsrisiko würde dann auch wieder sinken, wenn man aufhört? Sinkt auch wieder, braucht je nach Krebsart ein bisschen Zeit, aber das regeneriert sich auch. Okay, also es hat super viele Vorteile mit dem Konsum aufzuhören oder zumindest zu reduzieren.

Das weißt du aus eigener Erfahrung. Man muss sich jetzt aber leider oft rechtfertigen, wenn man nicht trinkt. Dann ist man irgendwie der Spielverderber oder man ist der Langweiler. Und als Frau steht man auch sofort im Verdacht irgendwie schwanger zu sein. Wie gehst du mit so gesellschaftlichem Druck um? Also wie gehst du mit negativen Kommentaren um, wenn du sagst, du trinkst nicht?

Das ist natürlich nicht einfach. Aber vielleicht, also entweder hat man genug Resilienz und Stärke, dem einfach zu verstehen. Das würde ich für mich so unterschreiben. Mein Umfeld weiß, dass ich keinen Alkohol trinke oder sehr selten und akzeptiert das auch. Das stelle ich einmal klar und dann müssen wir da nicht nochmal drüber reden.

Man kann aber auch als Argument bringen, schau, würdest du Asbest trinken? Würde jeder sagen, nee, würde ich nicht machen. Asbest ist ein Karzinogen der Gruppe 1. Alkohol ist auch ein Karzinogen der Gruppe 1. Also es gibt genug Argumente, nicht konstant Alkohol zu trinken. Eigentlich müsste es genau umgekehrt sein. Der, der Alkohol trinkt, müsste sich rechtfertigen und nicht der, der kein Alkohol trinkt.

Also du hast auch nicht das Gefühl, dass der bewusste Umgang mit Alkohol deine Freundschaften oder dein Sozialleben irgendwie negativ verändert hat? Nein, überhaupt nicht. Es gab Freundschaften, die recht gut mit dem Alkohol verbunden waren. Geh mal wieder ein Bier trinken, dort muss ich das einmal klarstellen.

Das ist auch nicht einfach, das hat auch mich Kraft gekostet, weil natürlich die Sprüche kamen, hey komm, ein Bier und so. Dann sage ich, nee, dann biete ich an, alkoholfreies Bier zu trinken, dann sieht es ja ähnlich aus und dann sind auch alle happy. Ansonsten hat sich mein Freundeskreis aber auch dahingehend entwickelt, dass ich viel mit Menschen zusammen bin, die eine ähnliche Lebenshaltung und Wertevorstellung haben wie ich.

Und insofern ist das manchmal vielleicht auch ein Weg, dass man vielleicht sein soziales Umfeld ein bisschen ändert. Gibt es Situationen, wo du den Alkohol vermisst? Und es ist ganz spannend. Ich war nicht für Messmisse, aber auch mir passiert es immer wieder, dass ich in so eine Schleuse reinkomme. Ich war jetzt gerade nochmal mit einer Gruppe Menschen auf einer Reise und da war es irgendwie unser Ritual, dass wir abends so ein paar Dosen Bier getrunken haben. Wir waren auch in der Natur.

Ich weiß nicht, ich habe das einfach da mitgemacht. Also mit Alkohol. Mit Alkohol, ja. Da habe ich mich nicht gewehrt, in der Tat. Ich will das jetzt auch nicht entschuldigen und mich rechtfertigen. Es ist mir einfach so passiert. Und da ist mir aufgefallen, wie schwer es ist, davon wieder runter zu kommen. Es war sofort die Gewohnheit wieder da.

Und es war sofort wieder dieses Belohnungsgefühl da. Ha, abends kriege ich meine Entspannung. Und selbst als ich zurückgeflogen bin von dem Trip, habe ich mir in dem Flughafen nochmal ein paar Bier gegönnt. Zu Hause hat es aber sofort wieder aufgehört, weil ich habe zu Hause keinen Alkohol und es ist klar, zu Hause trinke ich keinen Alkohol.

Und zwei Tage später habe ich sofort wieder mich gut gefühlt. Warum habe ich das gemacht? Ich verstehe das nicht. Aber das passiert auch mir, dass ich wieder in so eine Routine reinrutschen kann. Vermisse nicht, aber ich muss aufpassen, dass ich meine diese Rituale nicht wieder zu positiv bewerte. Aber es gibt sozusagen noch Gelegenheiten, wo du auch Alkohol trinkst.

Seltener, aber es gibt sie. Ja, die gibt es im Alltag natürlich. Manchmal gibt es was zu feiern und da möchte ich auch Alkohol trinken. Oder ich bin mit Freunden zusammen, wir sind im Fußballstadion, also mache ich nicht oft, ich bin nicht so ein Fußballfan. Aber dann mag das passen, ich bin nicht dogmatisch. Also das Leben ist auch zum Leben da.

Und Alkohol kann ja auch was Spaßiges sein, ich will das nicht schlecht reden. Aber wie mit allem, der Körper mag Muster und mein Grundmuster ist gesunde Ernährung und kein Alkohol und das heißt nicht, dass ich mal an einem Tag auch Pizza esse und ein paar Bier trinke. Wenn ich jetzt mich entscheiden will, weniger zu trinken und mir das irgendwie so ein bisschen abgewöhnen will, was würdest du mir da empfehlen als ersten Schritt?

Ich glaube, der Wille muss da sein. Und ich glaube, viel funktioniert über die Identität. Also, dass man sich sagt, ich lebe gesund oder ich bin ein Sportler oder ich, dass man diese Identität verinnerlicht, dass man einen gesunden Lebensstil lebt oder sich sozusagen in eine Rolle reinbeamt, die Alkohol überflüssig macht.

Also, ich identifiziere mich heute als Sportler, weil ich das wahnsinnig gerne mache und dadurch ist meine Identität klar und alles andere fällt weg und das macht es mir leichter. Okay, also man muss sich schon selbst dazu entscheiden und zu entschließen. Aber es gibt ja noch so ein paar Dinge, die es einem leichter machen können.

Zum Beispiel seit einigen Jahren wird ja der sogenannte Dry January immer beliebt. Da hast du bestimmt schon von gehört. Und vor allem jüngere Menschen verzichten im Januar komplett auf Alkohol. Was denkst du über den Trend? Also kann so ein temporärer Verzicht was bewirken? Wer mich kennt, der wird jetzt vermuten, dass ich sage, das bringt nichts, weil es temporär ist. Also ich bin ja kein Freund von Sachen, die ein paar Wochen gemacht werden, weil man, ach, ein alte Muster zurückfällt.

Wenn man sich aber die Studien zum Dry January anschaut, dann ist es erstaunlich. Das darf man nicht so eng sehen, wie ich es jetzt andeutete, sondern der Dry January hat erstmal klare Gesundheitsvorteile. Und er zeigt statistisch, dass ganz viele Menschen innerhalb dieses Januars merken, wie gut es ihnen tut, keinen Alkohol zu trinken und dann dabei bleiben.

Und wenn das erreicht wird durch ein Dry January, dann ist das super, wenn man nachher aber wieder an seine alten Muster zurückfällt, bringt da eigentlich nicht viel. Wenn man dann so ein paar alkoholfreie Alternativen ausprobiert und dabei bleibt, dann kann das ja einen Effekt haben. Und tatsächlich zeigt sich das auch, der Absatz von alkoholfreiem Bier hat sich laut Statistischem Bundesamt in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt.

Also man sieht da eine sehr positive Entwicklung eigentlich. Ja, auch der Getränkemarkt für alkoholfreie Getränke wächst stark. Ich war letztens in einem Restaurant, wo man mir einen. Gin Tonic gegeben hat. Der hat geschmeckt, wie ein normaler Gin Tonic war, war alkoholfrei. Also ganz genauso. Und da gibt es tolle Sachen. Ich finde jetzt, persönlich muss ich nicht Alkohol imitieren.

Ich muss auch nicht unbedingt alkoholfreies Bier trinken, aber es sind alles Möglichkeiten, sozusagen da einen Ausgleich zu finden. Ich sehe auch mit Freude, dass sich immer mehr Restaurants eine alkoholfreie Getränkevariante anbieten, die nicht nur mit Fruchtsäften daherkommt, sondern die wirklich selber gemacht ist. Das hatten wir in unserem Restaurant auch.

Also da haben sich die Köche und die Sommeliers hingesetzt und wirklich Sachen kreiert aus verschiedenen Substanzen, auch zuckerfrei. Und es gab so wie eine Weinbegleitung, eine alkoholfreie Begleitung dazu. Also da tut sich Gott sei Dank viel und das unterstütze ich. Und was auch noch helfen kann, in Deutschland wird ja gerade diskutiert oder auch geplant, eine Erhöhung der Steuer auf alkoholische Getränke und zwar vor allem auf hochprozentige Getränke. Ab 2027 sollen die teurer werden.

Hältst du das für eine sinnvolle Maßnahme? Schönes Thema. Ich habe eine Zahl rausgesucht, die schockiert. Die Folgen von Alkoholkonsum für das deutsche Gesundheitswesen sind pro Jahr 60 Milliarden Euro. Ich glaube, die Bundesregierung wäre super happy, wenn ich mit einem Paket von 60 Milliarden pro Jahr käme, das sie anderweitig ausgeben können.

Nur mal als Beispiel, man könnte das gesamte Schulsystem Deutschlands sanieren, also den ganzen Sanierungsstau des gesamten Schulsystems auflösen und die Schulen alle sanieren für diesen Betrag. Wir können es auf die Person auch einzeln runterrechnen. Jeder von uns zahlt 680 Euro pro Jahr, um die Folgen von Alkoholkonsum abzupuffern.

Insofern ist meine Haltung hier klar, ich will Alkohol nicht verbieten, aber ich finde jemand der Alkohol konsumiert, soll die Folgen, die damit ausgelöst werden, auch selber tragen, zumindest zum großen Teil. Im Moment nimmt die Bundesregierung drei Milliarden ein an Steuern. Also das sind fünf Prozent von den Kosten, die verursacht werden.

Und insofern würde ich eine höhere Alkoholsteuer begrüßen. Das würde sicher dazu führen, dass weniger Alkohol getrunken wird. Und wer es sich leisten kann, das möchte, der kann so viel trinken, wie er will. Aber ich glaube, das wäre ein gutes Mittel an beiden Enden. Einerseits die Folgekosten abzudämpfen und andererseits den Alkoholkonsum zu dezimieren und damit zur Gesundheit der Allgemeingevölkerung beizutragen.

Super, finde ich auch eine sehr gute Idee. Und wir sind jetzt auch fast schon am Ende unserer Folge heute angelangt, Felix. Aber es wäre natürlich noch Zeit, wie immer, für unsere drei Longevity-Tipps. Drei Longevity-Tipps von Dr. Felix Bertram. Also was würdest du sagen, wären nach der Folge heute deine drei konkreten Tipps für unsere Hörerinnen und Hörer, die ihren Alkoholkonsum reduzieren wollen?

Tipp Nummer eins, Alkohol bewusst konsumieren. Also wirklich versuchen, Fenster zu setzen. Es ist einen Tag pro Woche, vielleicht einen Tag am Wochenende. Damit wäre schon mal viel gewonnen, wenn ich sechs Tage pro Woche nicht trinke und mir nur einen Tag erlaube, wo ich trinke. Zweitens, probiert mal alkoholfreie Alternativen. Da gibt es echt coole Sachen, die super lecker sind und für mich absolut eine Alternative zu Alkohol darstellen.

Und das Dritte ist für mich der größte Risikofaktor, dieses Ritualisieren von Alkohol. Also, dass es ein Entspannungsritual ist, dass es ein Paarritual ist, dass man am Abend zusammen eine Flasche Wein aufmacht zum Essen oder zum Kochen. Das muss man irgendwie brechen, weil ich glaube, dieses Ritual ist die größte Gefahr, konstant Alkohol zu trinken.

Super, vielen Dank für die Tipps, Felix. Ich glaube, das war wichtig, weil für viele von uns Alkohol ganz selbstverständlich zum Alltag dazugehört. Und es lohnt sich, das mal zu hinterfragen. Wir hören uns nächste Woche und widmen uns einem sehr beliebten Nahrungsergänzungsmittel, Omega 3. Ich bin gespannt. Da freue ich mich richtig drauf.

Wenn du oder jemand in deinem Umfeld von einer Alkoholabhängigkeit betroffen ist, empfehlen wir, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zum Beispiel über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Im Laufe dieses Podcasts wollen wir mehr darüber erfahren, was wir für ein langes und gesundes Leben tun können. Abonniert uns gerne oder lasst uns eine Bewertung da.

Wenn ihr Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt uns an längerleben.funkemedien.de. Wir hören uns nächste Woche.

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