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Länger Leben· Staffel 2· Folge 3

Heilfasten, Intervallfasten & Co.: Länger leben durch Verzicht?

Mittwoch, 26. August 2026 · 25 min

MP3

Shownotes

Fasten soll beim Abnehmen helfen, den Stoffwechsel verbessern und körpereigene Reinigungsprozesse anstoßen. Natalja Fischer und Dr. Felix Bertram sprechen darüber, welche gesundheitlichen Effekte tatsächlich wissenschaftlich belegt sind und was bei der sogenannten Autophagie im Körper passiert.

Im Methodencheck vergleichen die beiden Heilfasten, Intervallfasten, Scheinfasten und die beliebten Saftkuren. Felix berichtet von seinen persönlichen Erfahrungen mit mehrtägigem Fasten und erklärt, warum die ersten Tage besonders belastend sein können. Außerdem geht es um die Frage, ob man Muskelverlust befürchten muss – und wer auf keinen Fall fasten sollte.

Felix bewertet die verschiedenen Methoden und erklärt, weshalb er dem Fasten insgesamt kritisch gegenübersteht. Welche Methode er stattdessen empfiehlt und worauf man achten sollte, wenn man das Fasten ausprobieren will, erfahrt ihr in dieser Folge.

Weitere Insights gibt es hier:

• Radikales Wasserfasten: Das ist mit meinem Körper passiert (morgenpost.de/ratgeber-wissen/article408414827…)
• Wer fastet, verliert Muskeln? Expertin rät zu diesem Ernährungs-Trick (morgenpost.de/ratgeber-wissen/article408497949…)
• Ich verlor durch Heilfasten acht Kilo in zehn Tagen – trotz dieses Fehlers (morgenpost.de/ratgeber-wissen/article411108065…)

Mehr zu Dr. Felix Bertram:
Website (felixbertram.com)
LinkedIn (linkedin.com/in/felix-bertram)
Instagram (instagram.com/drfelixbertram/?hl=de)

Buch: Hacking Age (GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH)

Mehr zu Natalja Fischer:
LinkedIn (linkedin.com/in/natalja-fischer-629180338)
Autorinnenprofil (morgenpost.de/autoren/natalja-fischer)

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Der Stoffwechsel kann entweder aktiv sein oder er ruht. Also wenn wir aufstehen morgens und frühstücken und anfangen zu arbeiten, dann ist der Stoffwechsel aktiv. Also man stelle sich jetzt vor, eine Küche oder eine Schreinerwerkstatt, wo einfach gearbeitet wird, wo Dreck auf den Boden fällt und Späne, das muss irgendwann aufgeräumt werden.

Und jetzt kommen wir in einen anderen Stoffwechselzustand, das heißt, das ist der Ruhezustand, wo wir nichts mehr essen, vielleicht die Nacht am besten, wo der Körper in der Lage ist, diese ganzen Hobel und die ganzen Reste vom Boden aufzukehren. Das wird sozusagen recycelt und entsorgt und das ist die Autophagie.

Länger leben, der Longevity-Podcast mit Natalia Fischer und Dr. Felix Bertram. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Länger Leben. Ich bin Natalia Fischer, Redakteurin bei Funke und mir gegenüber sitzt Dr. Felix Bertram. Schön, dass du da bist, Felix. Hallo Natalia, ich freue mich. Wir wollen heute über das Thema Fasten sprechen. Viele Menschen machen das ja regelmäßig und es soll viele positive Effekte für die Gesundheit haben.

Für wen sich das Fasten eignet und welche unterschiedlichen Fastenmethoden es gibt, darüber wollen wir heute sprechen. Felix, Fasten wird ja immer beliebter. Warum, denkst du, entsteht da gerade so ein regelrechter Hype? Ja, Fasten trendet, wenn man das so sagen möchte. Es ist total beliebt. Es verspricht auch erstmal.

Ein schönes Ergebnis. Ich könnte Gewicht verlieren, ich könnte entgiften. Es hat ja auch gesundheitliche Benefits. Also relativ viele Faktoren, die sich erstmal logisch erschließen und sehr attraktiv wirken und deshalb ist Fasten im Moment so ein gehyptes Thema. Welche gesundheitlichen Vorteile hat Fasten denn? Also welche, die wirklich wissenschaftlich belegt sind?

Es gibt tatsächlich klar belegte Vorteile, die sind aber, das muss man auch sagen, moderat und sie gelten vor allen Dingen für Menschen mit Übergewicht und die Stoffwechselerkrankung haben oder irgendeine Form von Prädiabetes. Also was man sieht ist, dass die Insulinsensitivität sich verbessert, das heißt das Insulin reagiert wieder besser im Zuckerstoffwechsel, kann Zucker wieder besser aufnehmen und in die Zellen schleusen, was ja oft bei Stoffwechsel ungesunden Menschen nicht mehr so funktioniert.

Es senkt moderat das LDL-Cholesterin, also eine eher ungesunde Cholesterinform, die wir nicht so in hohen Dosierungen haben wollen. Blutdruck wird moderat gesenkt, Entzündungsmarker verbessern sich. Also insofern hat es moderate Verbesserungen, aber auch nur für einen Teil der Menschen, vor allem die, die an Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen leiden.

Und was ist es, was das Fasten gesund macht? Also moderate Wirkung sagst du, aber was ist es, was sozusagen diesen gesundheitlichen Effekt bringt? Was passiert im Körper, wenn wir nichts essen? Das ist eins meiner Lieblingsthemen, das ist die sogenannte Autophagie. Die Autophagie lässt sich am besten erklären, indem wir verstehen, dass wir einen Stoffwechsel haben und der Stoffwechsel kann entweder aktiv sein oder er ruht.

Also wenn wir aufstehen morgens und frühstücken und anfangen zu arbeiten, dann ist der Stoffwechsel aktiv. Und man hat ja so diesen Spruch, wo gehobelt wird, fallen auch Späne und so kann man sich das auch vorstellen, also man stelle sich jetzt vor eine Küche oder eine Schreinerwerkstatt, wo einfach gearbeitet wird, wo Dreck auf den Boden fällt und Späne und, Das muss irgendwann aufgeräumt werden. Und jetzt kommen wir in einen anderen Stoffwechselzustand, das heißt, das ist der Ruhezustand, wo wir nichts mehr essen, vielleicht die Nacht am besten als Analogie, wo der Körper in der Lage ist, diese ganzen Hobel und die ganzen, Reste vom Boden aufzukehren.

In dem Sinne Zellreste, Zellschäden, das wird sozusagen recycelt und entsorgt. Und das ist die Autophagie. Und das passiert tatsächlich beim Fasten. Und deshalb ist Fasten natürlich auch populär, weil wir dieses Bild von diesem Aufräumprozess haben, nachgetaner Arbeit. Hast du denn selber mal gefastet, Felix? Ich habe fast alle Fastenformen schon mal probiert.

Also Heilfasten, es gibt ja ganz viele unterschiedliche Intervallfasten. Hast du unterschiedliches schon ausprobiert? Die können wir ja mal auch erklären, oder? Ja, sehr gerne. Ich glaube, da gibt es für mich immer so ein bisschen Verwirrung. Da müssen wir mal schauen, welche Methode wozu geeignet ist.

Wir können ja so ein Ampelsystem machen, dass du mal sagst, wie du die Wirkung von den jeweiligen Methoden einschätzt. Ja, sehr gut. Also dann lasst uns mal starten mit dem Heilfasten. Das ist ja dieses klassische Fasten, wo man wirklich über mehrere Tage gar nichts isst. Wie läuft das ab? Man hört ja nicht von jetzt auf gleich einfach auf zu essen, oder? Doch.

Soweit ich weiß, ist das bei den meisten Fastenkuren der Fall. Es gibt Abwandlungen vom Heil, also das klassische Heilfasten wäre so eine Woche, sieben bis zehn Tage Maximum vielleicht, wo ich nichts esse, aber genug Flüssigkeit zu mir nehme, also Wasser oder Tee. Es gibt Abwandlungen, Meier oder Buchinger, wo bei einer Meierkur gibt es dann noch ein Brötchen am Tag, das man lange kauen soll.

Bei Buchinger gibt es noch Gemüsebrühe und sowas in der Art. Da gibt es verschiedene Varianten, aber man hört relativ abrupt auf und das ist am Anfang auch hart. Okay, also feste Nahrung ist komplett tabu. Was mit Kaffee oder Tee oder Säften, Suppen, sowas? Also Tee ist gut, Kaffee, ich denke die meisten Kuren verbieten das nicht, aber Kaffee ist ja auch ein Stimulanz und viele verzichten dann in dieser Zeit auf Kaffee und ich denke das kann man auch durchaus empfehlen.

Macht es noch ein bisschen härter, weil wir auch erst mal vom Kaffee entziehen müssen. Kopfschmerzen. Kopfschmerzen, Entzugssymptome. Bei Säften bin ich eher kritisch, weil Säfte natürlich in der Regel Zucker enthalten und dann nochmal so einen Glucosespike auslösen, der dann eher nochmal zu Hungerattacken führt. Also Säfte sind für mich kein probates Mittel zum Fasten.

Du hast schon angesprochen, die ersten Tage geht es einem wahrscheinlich nicht so gut. Wie ging es dir? Hattest du dieses bekannte Fastentief, von dem man dann ganz oft hört? Absolut. Der Körper muss ja umstellen von der direkten Energieversorgung über Nahrung und muss die Fettreserven anzapfen. Und diese Umstellung, die ist ein bisschen mühsam. Es werden auch so Dinge wie Ketonkörper gebildet, die dann diese Kopfschmerzen machen. Man fühlt sich völlig energielos.

Man fängt auch an zu muffeln. Also das ist keine schöne Zeit. Die ersten drei Tage sind wirklich, wirklich hart. und also mir ging das so, ich habe ständig an Essen gedacht. War wirklich schwierig. Also man muss wahrscheinlich auch Urlaub nehmen für die Zeit, man kann das nicht einfach im normalen Alltag machen, das ist zu...

Also zumindest diese ersten drei, vier Tage hätte ich mir nicht vorstellen können. Du bist auch nicht produktiv, du kannst nicht wirklich gut denken, du bist wirklich sehr, sehr schwach. Wahrscheinlich auch nicht sozialkompatibel. Auch das nicht und es mag Menschen geben, die das sehr gut trainiert haben, die regelmäßig fasten, aber ich sage mal, der Durchschnittsbürger, der vielleicht einmal im Jahr fasten möchte, für den bietet es sich jetzt wirklich an, die Woche freizunehmen.

Es macht auch Sinn, wir reden ja von der Autophagie. Und die Autophagie ist ja dieser Aufräum-Recycling-Mechanismus. Also ich denke, es macht auch in dem Sinne wirklich mal Sinn zu ruhen und nicht aktiv zu sein, weil der Körper sich voll auf diesen Aufräumprozess einlassen möchte. Und wie lange sollte man mindestens fasten beim Heilfasten? Du hast sieben Tage gemacht, oder? Ich glaube, sieben Tage ist so der Stand eine Woche.

Wer das von seinen Reserven vermag, kann das auch ein bisschen verlängern, aber länger als 12, 14 Tage würde ich nicht empfehlen. Gibt es auch den Fall, dass man das abbrechen muss, wenn es einem wirklich sehr schlecht geht? Es gibt Menschen, die aus diesem Tief so nicht rauskommen, also ich gehe nochmal weiter, nach den drei, vier Tagen Tief entsteht oft so ein Gefühl der völligen Leichtigkeit, also ab Tag vier oder fünf wird es wirklich gut, man hat dann nicht mehr so das Bedürfnis zu essen, der Körper hat sich völlig umgestellt auf die Energieversorgung durch Fett und du fühlst dich plötzlich so leicht und hast dann wieder ein bisschen Energie und kannst auf Spaziergänge gehen und dir geht es dann wirklich gut.

Das ist dieses Fasten-High. Das Fasten-High, genau. Also nach dem Tief kommt das High, nach dem Regen kommt die Sonne. Aber es gibt Menschen, die kommen aus diesem Tief nicht raus. Die können sich da nicht so umstellen. Und ich glaube, es darf keine dauerhafte Quälerei sein. Es gibt natürlich auch andere Gründe, warum es abzubrechen ist. Also ich sage mal, ein Diabetiker sollte nicht fasten.

Jemand, der sehr mager ist, oder vielleicht sogar eine Essstörung hat, sollte nicht fasten. Es mag auch einzelne Krankheiten und Medikamente geben, die dann zu dem Punkt führen, wo man das abbrechen muss oder gar nicht erst anfangen. Nach dem Fasten, dann gibt es ja dieses klassische Fastenbrechen, also man sollte sich nicht gleich einen Burger oder eine Salami-Pizza bestellen, sondern erstmal mit einem Apfel dann anfangen.

Der Apfel ist so ein bisschen ein Mythos, es kann auch alles mögliche andere sein, was man nicht macht, es sollte eine leichte kleine Mahlzeit sein, das könnte ein Haferbrei sein, das könnte ein Apfel sein, eine Banane. Was es nicht sein sollte, ist ein Burger, Eiscreme oder Pizza. Aber ob es ein Apfel ist oder eine andere leichte, gut verdauliche Mahlzeit, ist nicht relevant. Kann eine Suppe sein, auch gut.

Und dann fährt man langsam wieder hoch oder fängt man dann direkt wieder an normal zu essen? Normalerweise kannst du gar nicht, dein Magen ist ja auch geschrumpft, der hat sich verkleinert über die Woche. Wir haben gar nicht so viel Appetit. Also ich erinnere mich, ich brauchte mehrere Tage, vielleicht sogar eine ganze Woche, bis ich so halbwegs wieder meine normalen Kalorienmengen zu mir nehmen konnte.

Würdest du sagen, das muss man unter ärztlicher Begleitung machen oder kann man auch alleine fasten? Wer, Wer Stoffwechsel gesund ist und sonst keine Krankheiten hat, der kann das auch alleine, außer er ist schwanger oder hat eine Essstörung. Wer nicht mehr so gesund ist, sollte das, denke ich, in ärztlicher Abstimmung machen.

Man verliert ja auch Gewicht, wenn man fastet. Das ist eigentlich nicht unbedingt der Sinn der Sache. Es geht ja vor allem um gesundheitliche Vorteile, aber viele machen das auch deswegen. Was würdest du sagen, ist das eine sinnvolle Sache zum Gewichtsverlust und wie schnell nimmt man das dann wieder zu?

Alles was temporär ist und was danach wieder in normalen Lebensstil führt, bringt hinsichtlich Gewichtsabnahme schon mal gar nichts. Also wenn ich wieder anfange so zu leben wie vorher, nehme ich das Gewicht logischerweise wieder zu. Also es ist nicht sonderlich langfristig gedacht? Nein, nein. Und außerdem besteht auch die Gefahr von Muskelabbau durch Fasten, fand ich auch interessant, ist auch nicht jedem, glaube ich, bewusst.

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Das ist so und das Problem ist, dass wir, wir können Fette und Kohlenhydrate können wir speichern. Wir speichern das im Fett, das ist unser Bauchfett oder das Körperfett, was sonst wo verteilt ist. Protein können wir nicht speichern, das heißt der Proteinbedarf wird dann relativ schnell aus den Muskeln gezogen.

Und wenn wir nicht mehr essen und fasten, dann wird der Muskel auch angezapft und die Proteine werden abgebaut und das ist ein bisschen ein Problem, ja. Kann man dem denn irgendwie vorbeugen, also dass man Muskeln verliert während der Zeit? Muskelverlust ist in der Tat ein moderates, kleineres Problem, weil wir Protein, der Baustoff von Muskeln, den können wir nicht speichern.

Also der Speicher von Protein ist der Muskel. Im Gegensatz zu Fett und Kohlenhydrate, das ist unser Körperfett, das ist unser Speicher, unser Energiespeicher. Und der Proteinbedarf wird dann, oder Protein wird halt auch mit verbrannt, wird direkt aus dem Muskel gezogen. Insofern führt eine Woche Fasten auch zu einem gewissen Muskelverlust, den ich jetzt nicht für kritisch halte, wenn man gut trainiert ist und jung und vorher schon halbwegs Muskeln hatte, kann man das nachher relativ schnell wieder kompensieren.

Für Menschen, die schon älter sind und in der sogenannten Sarkopenie leiden, also in dem altersbedingten Muskelverlust, da würde ich Fasten schon ein bisschen kritischer sehen. Also du hast schon angesprochen, du würdest kritisch stehen für Leute, die an Sarkopänie schon leiden, für Diabetiker ist es nichts, für Schwangere ist es nichts.

Gibt es noch mehr Risikogruppen, die nicht fasten sollten? Menschen mit Essstörungen, ganz wichtig. Es gibt gewisse Medikamente, die Fasten ausschließen, aber das wäre es eigentlich. Man müsste Einzelfälle mit dem Arzt sicher abklären. Ich weiß nicht, Menschen, die nierenkrank sind oder irgendwie andere Organprobleme haben, sollten das sicher mit dem Arzt vorher abklären.

Aber im Grunde für die restliche Bevölkerung ist das eigentlich okay. Okay, ich habe schon ein bisschen rausgehört, du bist dem Fasten gegenüber eher ein bisschen kritisch eingestellt, jetzt mit unserem Ampelsystem. Wie würdest du das Heilfasten bewerten? Ich würde dem ein Dunkelgelb geben. Es hat Gesundheitseffekte, aber wir haben in den Folgen, die wir bisher schon gemacht haben im Podcast gelernt, dass wenn wir über Gesundheit und Longevity reden, dann geht es um Konsistenz.

Nichts was wir für eine Woche machen bringt dauerhaft was das heißt wenn ich einmal faste im Jahr dann, falle ich eigentlich wieder zurück in mein altes Schema ich habe noch ein Problem mit dem Heilfasten ich begegne ganz vielen Leuten die grundsätzlich eher ein ungesundes Leben leben, die sehr gestresst sind, die ungesund sich ernähren die abends zwei, drei Gläser Rotwein trinken und dann haben wir das Gespräch darüber und dann sagen die ja aber weißt du was ich gehe ein oder zwei Mal im Jahr halt Fasten dort und dorthin.

Und dann denke ich immer, das genau ist falsch. Du kannst nicht sozusagen das ganze Jahr sündigen und dann glauben, mit zwei Wochen Fasten das wieder auszugleichen. Ich würde Ihnen gerne sagen, ihr könnt es genau andersrum machen. Wenn ihr das Jahr über weitestgehend in gesunden Mustern lebt, dann könnt ihr euch zwei Wochen in Las Vegas gönnen, wo ihr nur Burger, Pizza und Bier esst und der Körper wird euch das verzeihen.

Ich glaube, so muss man denken. Es muss konsistent über ein ganzes Leben lang oder über eine ganz lange Periode durchgeführt werden und sonst bringt das nichts. Okay, also das Heilfasten bekommt ein dunkelgelb von dir. Es gibt jetzt ja noch andere Methoden, welche, die man vielleicht auch langfristiger umsetzen kann.

Und da hätten wir zum Beispiel das Intervallfasten, bei dem gibt es so bestimmte Essensfenster. Am bekanntesten ist das 16 zu 8, wo man 8 Stunden am Tag was isst und dann 16 Stunden am Tag fastet. Wie schätzt du das ein? Also welche Uhrzeiten vielleicht erstmal haben sich da etabliert? Ist das egal, wann ich diese 8 Stunden Zeitfenster nutze oder gibt es da einen bestimmten Rhythmus, den ich da umsetzen muss?

Das ist im Grunde egal. Ich glaube am populärsten ist es Frühstück ausfallen zu lassen, dann zum Mittag die erste Mahlzeit einzunehmen und dann zum Abend nochmal und irgendwann am Abend ist dann auch mal Schluss, sodass ich auf diese 16 Stunden Pause komme. Man kann das aber auch umgekehrt machen. Man wäre vielleicht sogar vom Gesundheitsaspekt besser, morgens gut zu frühstücken, dann mittags nochmal und dann abends nicht mehr.

Aber die meisten werden vielleicht dann wirklich hungrig ins Bett gehen. Das ist dann auch, je nachdem, schlafstörend. Und in dem Zeitfenster, in dem ich dann esse, da kann ich essen, was ich will oder unterliegt das bestimmten Regeln? Naja, das Erfolgsrezept von Intervallfasten ist am Ende die Kalorienrestriktion.

Also ich nehme letztendlich weniger Kalorien zu mir und die aktuellste Hypothese ist so, dass das Intervallfasten einfach wie so ein Trick ist, um weniger Kalorien zu mir zu nehmen. Will heißen, wenn ich in diesen acht Stunden Burger, Eiscreme und Schokolade in rauen Mengen esse, dann bringt dieser Break eigentlich nichts.

Das heißt, in diesen acht Stunden sollte ich auch schon zu einer gesunden Ernährungsweise. Tendieren, sonst ist der Effekt eigentlich hinfällig. Und wie lange dauert es dann, bis der Körper sich an diesen neuen Rhythmus gewöhnt hat? Also ich habe das ja auch mal gemacht und das sind so zwei bis vier Wochen, dann ist man da eigentlich drin, dann ist das eine Gewohnheit geworden, dann kann man gut auf eine Mahlzeit verzichten.

Und das ist was, was man dann dauerhaft machen würde oder wäre das auch auf eine begrenzte Zeit, diese Intervention? Wie alles, es macht nur Sinn, wenn wir es dauerhaft machen, eine begrenzte Zeit wird dann in dieser Zeit zu den Effekten führen, aber danach bricht es dann wieder ein. Und was sind jetzt die Vorteile von dieser Art des Fassens, also vom Intervallfassen?

Hat das genau dieselben Effekte, wenn wir das Heilfassen oder wird die Autophagie dann, weil man über einen kürzeren Zeitraum nur nichts isst, ist es dann weniger Effekt? Wir haben ein Problem, wir wissen, dass die Autophagie existiert, wir können sie aber nicht messen oder nur sehr schwer messen. Das heißt, wir wissen nicht, wann sie einsetzt oder ab wann sie einsetzt und wir wissen daher nicht, welche Modelle wirklich funktionieren und welche nicht.

Möglicherweise ist es auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Der Vorteil vom Intervallfasten gegenüber dem Heilfasten ist für mich erstmal, dass es eine dauerhafte, zumindest so angelegt ist, dass man das dauerhaft macht. Insofern, wenn wir jetzt schon zum Ampelsystem kommen dürfen, dann würde ich sagen, gebe ich dem ein Gelb. Ein Gelb, okay.

Also ein bisschen besser als das Heilfasten. Ja, jetzt wollen wir aber wahrscheinlich wissen, warum ich das nur ein bisschen besser finde. Ich habe es schon angedeutet, es ist am Ende eine Form der Kalorienrestriktion, wenn es richtig gemacht wird. Die kann ich aber auch anders erreichen, kommen wir später zu.

Meine Sorge ist so ein bisschen nochmal das Thema Muskeln. Aber ich habe keine Wissenschaft dazu, aber die Hypothese steht im Raum, dass wenn ich eine 16 Stunden Essenspause habe, und wir davon ausgehen, dass der Muskelstoffwechsel eigentlich so funktioniert, dass er regelmäßig Protein bekommt, Weil sonst wird es auch wieder abgebaut.

Kann es sein, dass das ein bisschen Effekt hat? Und mein zweiter Punkt ist, dass wir eine gewisse Menge an Proteinen und vor allen Dingen auch Ballaststoffen am Tag zu uns nehmen sollen. Und das ist gar nicht so einfach mit zwei Portionen zu mir zu nehmen, weil das sind beides Makronährstoffe, die relativ voluminös sind, wenig Kalorien haben und in größeren Mengen nicht so einfach verzehrbar sind.

Also ich kann jetzt nicht zwei große Stücke Lachs am Mittag essen und noch einen großen Salat, um auf meine Mengen zu kommen, die so empfohlen werden für eine gesunde Lebensweise. Das sind so meine beiden Kritikpunkte am Intervallfasten. Und deswegen gibt es ein Gelb. Deshalb gibt es nur ein Gelb. Dann gibt es noch eine dritte Version, die teilweise auch gehypt wird, muss man sagen, und zwar das Scheinfasten.

Und da begrenzt man die Menge an Kalorien, die man am Tag isst. Das ist aber, glaube ich, auch als kürzere Intervention angelegt, fünf Tage. Wie viele Kalorien sind das denn, die man da noch am Tag isst? Also es ist etwa 50 Prozent von deinem normalen Kalorienbedarf. Also nehmen wir mich, so 90 Kilo, 51 Jahre.

Ich darf eigentlich am Tag 2200 Kalorien ungefähr zu mir nehmen, wenn ich mich normal bewege, nicht extra Sport mache. In meinem Fall wären das dann 1100 Kalorien, die ich über eine Periode von fünf Tagen zu mir nehmen würde. Das ist etwas zwischen Fasten und Nicht-Fasten, wenn man so möchte. Und was sind die Vorteile von dieser Methode oder siehst du da überhaupt Vorteile?

Nein, es werden halt immer wieder irgendwelche Trends erschaffen, die so für mich keinen Sinn machen. Ich glaube, die Idee dahinter ist, dass man das im Alltag machen kann und sozusagen nicht unterbrechen muss und keinen Urlaub nehmen muss, weil es so ein bisschen eine entschärfte Fastenvariante ist, aber es ist für mich dann am Ende nicht Fisch, nicht Fleisch und vor allen Dingen ist es einfach nun wieder eine Periode von fünf Tagen, also das ist.

Das macht in meinen Augen keinen Sinn und zumindest im Moment ist es wissenschaftlich nicht gedeckt. Das kann sich ändern, vielleicht können wir in ein paar Jahren Autophagie messen und werden feststellen, es braucht eine gewisse Zeit an rapider Kalorienrestriktionen oder gar Fasten, um sie auszulösen, aber aktuell haben wir da keine Belege und deshalb würde ich da ein Fragezeichen hinterzusetzen.

Also ich höre schon raus, es gibt eher ein Rot von dir. Oder auch nochmal ein Dunkelgelb. Ich finde, es ist immer schon mal gut, wenn man sich mit diesen Themen befasst und sowas auch mal probiert. Es ist immerhin besser, als einfach Junkfood weiter zu essen. Aber es ist deshalb ein Dunkelgelb. Okay, eine weitere, es ist nicht wirklich fastend, aber es ist eine Saftkur, die in letzter Zeit auch super viel gemacht wird. Das sieht man bei Social Media ganz oft, da trinkt man über mehrere Tage so Obst- und Gemüsesäfte.

Ich ahne schon, wie du das Ganze einschätzt, aber willst du es für uns auch nochmal bewerten, diese Saftkuren? Wir dürfen nicht vergessen, dass Menschen auch immer wieder auf Ideen kommen, um irgendwie Geld zu verdienen oder irgendwelche Trends zu setzen. Das kann man sich ausrechnen, der gemerkte Hörer wird wissen, dass ich das überhaupt nicht gut finde.

Was soll das bringen? Also erstmal wieder nur für eine gewisse Periode, danach wird alles wieder wie vorher. Säfte haben relativ viel Zucker, Fruchtzucker. Und insofern peitsche ich da ständig meinen Stoffwechsel und meinen Zuckerlevel hoch. Das macht für mich nun wirklich keinen Sinn. Deshalb hier würde ich jetzt tatsächlich ein Rot geben.

Du hast kein einziges Mal Grün gegeben. Das heißt, du bist eher kritisch eingestellt. Ich habe noch Grün übrig. Genau. Und deswegen interessiert mich jetzt natürlich, wie machst du das denn? Was empfiehlst du stattdessen für eine Methode? Also nochmal, Stand jetziger Wissenschaft ist Fasten, am Ende das Konzept der Kalorienrestriktion und wenn wir in diesem Spektrum bleiben wollen, dann ist in meinen Augen das Beste, konstant in einer leichten Kalorienrestriktion zu sein.

Ich mache das Beispiel an mir fest, mein Kalorienbedarf, wenn ich keinen Sport mache, ist 2200 Kalorien am Tag, so grob ja. Also bei der leichten Kalorienrestriktion würde man so 15% des Kalorienbedarfs abziehen, Klammer auf, das schränkt mich im Tag überhaupt nicht ein, ich habe deshalb nicht mehr Hunger und wenn ich diese Menge an Kalorien, die ich dann noch essen darf, das sind 1850 in meinem Fall, über den Tag verteile mit Protein und Ballaststoffen, dann bin ich immer gut gesättigt und kann A mein Körpergewicht gut halten oder sogar je nachdem, was meine Ausgangssituation ist, sogar ein bisschen abnehmen.

Und das mühelos und ohne Probleme. Und nach jetzigem Stand kann ich so A, die Autophagie auslösen, weil ich eine leichte Kalorienrestriktion habe. Vielleicht nicht so rapide wie mit Fasten, aber dafür dauerhaft. Zweitens, ich nehme genug Protein und Ballaststoffe zu mir. Drittens, ich kann meinen Tag mit voller Energie und voller Kraft gestalten.

Und deshalb ist das für mich das beste Konzept, sozusagen in einem leichten Kaloriendefizit zu sein. Jetzt die Frage, wie mache ich das? Das geht heute relativ gut, man kann über, keine Ahnung, einer der AI-Tools oder Google seinen Kalorienbedarf ermitteln, indem man sein Körpergewicht. Sein Alter eingibt, vielleicht auch sein Aktivitätsgrad und dann gibt es ja heute tolle Apps.

Also ich habe zum Beispiel eine Kalorien-Track-App und ich habe eine App, die meine Aktivität, also ich messe das über den Ring, die misst meine Aktivität am Tag, sodass ich einerseits über die Kalorien-Track-App, da habe ich einerseits Mahlzeiten gespeichert, die ich oft zu mir nehme, die kann ich einfach anklicken und wenn ich irgendwas Neues esse, mache ich davon ein Foto und die künstliche Intelligenz ermittelt aus dem Foto nicht nur die Kalorien, sondern auch die Makronährstoffe, also kann man ja genau sagen oder relativ genau, wie viel Protein, wie viel Kohlenhydrate, wie viel Fette sind da drin.

Und so habe ich immer die Kalorien, die ich gegessen habe und kann sehen, wann bin ich bei meinem Limit. Andererseits wird aber auch sozusagen mein Aktivitätsgrad, also wenn ich zwei Stunden Fahrrad fahre, dann bekomme ich nochmal 1000 Kalorien geschenkt, die werden auch dann in die App gespült und an solchen Tagen kann ich dann sogar noch ein bisschen mehr essen, weil ich nochmal ein paar Kalorien zu gut habe.

Also das ist relativ simpel heute, kostet nicht viel Geld, man kann mit so zwei Apps im Grunde sehr, sehr gut seinen Kalorienbedarf tracken und so agiere ich. Und nochmal, ich habe auch Cheat Days. Also es gibt Tage, wo ich halt ein Rot habe, weil ich dann irgendwie am Abend eine Pizza gegessen habe und mit Freunden ein Bier getrunken habe, weil es ein witziger Abend war, weil wir die Freundschaft gepflegt haben oder was auch immer.

Also wie wir schon wissen, es soll alles spielerisch sein und nie dogmatisch. Alles ist möglich. Sehr spannend. Dann sind wir fast schon am Ende dieser Folge angelangt, Felix. Und es wäre aber noch Zeit für unsere drei Longevity-Tipps heute zum Thema Fasten, obwohl du dem Thema kritisch eingestellt bist.

Was wären die drei Dinge, die du unseren Hörerinnen und Hörern raten würdest? Drei Longevity-Tipps von Dr. Felix Bertram. Ja, an den drei Tipps musste ich ein bisschen arbeiten. Das ist gar nicht so einfach. Also erstens, man hat schon rausgehört, ich bin kein großer Freund von Heilfasten oder diesen temporären Fasteninterventionen, Klammer auf, Stand der aktuellen Studien, vielleicht ist das in drei Jahren ganz anders.

Zweitens, ich bin ein Freund von langfristiger, gut durchhaltbarer, leichter Kalorienrestriktion, also Kalorienbedarf minus 15 Prozent. Und drittens, vielleicht das jetzt überraschend, ich bin trotzdem ein Fan von Essenspausen. Also ich esse meine letzte Mahlzeit gerne abends um sieben, spätestens acht, weil ich möchte eine Pause haben zwischen der letzten Mahlzeit und dem Schlaf, von vielleicht drei Stunden, damit alles verdaut ist, weil auch nachts natürlich Autophagie stattfindet.

Insofern habe ich einen ganz leichten Ansatz von der Fastenidee, indem ich eine Pause mache von so zwölf Stunden, also sieben, acht am Abend bis dann acht am Morgen, wo ich dann mein Frühstück zu mir nehme. Super, vielen Dank für die Tipps, Felix. Und vielen Dank, dass du heute da warst. Haben wir wieder viel gelernt heute.

Sehr gerne, hat Spaß gemacht. Mir auch. Wir machen nächste Woche weiter mit Ernährungsthemen und sprechen über das Thema Zucker. Freue mich drauf. Auch spannend, ja. Bis nächste Woche. Im Laufe dieses Podcasts wollen wir mehr darüber erfahren, was wir für ein langes und gesundes Leben tun können. Abonniert uns gerne oder lasst uns eine Bewertung da.

Wenn ihr Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt uns an längerleben.funkemedien.de. Wir hören uns nächste Woche.

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