NZZ Akzent· Folge 1671

Er war Pablo Escobars Logistiker – nun ist er Rentner

Dienstag, 15. September 2026 · 16 min

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Shownotes

Unter Pablo Escobar und dem Medllin-Kartell wurde Kolumbien in den 1970er und 80er Jahren zum grössten Kokainlieferanten der Welt. Mit dafür verantwortlich war Carlos Lehder, der Logistiker. Als Erster erkannte er, dass Kokain in den USA die neue Freizeitdroge werden und Marihuana damit den Rang ablaufen würde. Er baute eine riesige Schmuggel-Lieferkette von Kolumbien in die USA auf.

Doch sein Erfolg währte nicht ewig - und lange Zeit sah es so aus, als würde Lehder für seine Taten den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Wieso es nicht dazu kam und wie er stattdessen heute als Rentner in seiner kolumbianischen Heimatstadt sein Dasein fristet, hat er unserem Korrespondenten Alexander Busch bei einem Treffen erzählt.

Gast: Alexander Busch, NZZ-Korrespondent für Lateinamerika
Host: Sarah Ziegler

Redaktion: Alice Grosjean

Das ganze Treffen mit Carlos Lehder kannst du in Alexanders Reportage in der NZZ (nzz.ch/international/der-mann-der-pablo-escoba…) nachlesen.

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Dieser Podcast wird präsentiert von PostFinance, ihrer Schweizer Partnerin für moderne Zahlungslösungen und einfaches Einkassieren im Geschäftsalltag. Das Wetter ist schön, die Vögel zwitschern. Leise Musik erfüllt den Hinterhof des Cafés und noch ist es recht leer. Aber an einem Tisch sitzt schon ein Mann, er heißt Carlos.

Er ist siebenundsebzig Jahre alt, trägt eine graue Anzughose, ein blau gestreiftes Hemd bestellt sich erst mal einen Kaffee ohne Milch. Ihn gegenüber... Da sitzt unser Lateinamerika-Korrespondent. Und was man bei dieser Beschreibung wohl nicht vermutet, Alexander? Du trinkst da gerade Kaffee mit einem der berüchtigsten Kokain-Schmuggler aller Zeiten!

Ja so war das Sarah, das war Carlos Leder. Das ist der Mann, der das Medellin-Kartel zusammen mit Pablo Escobar groß gemacht hat. Er war der Logistiker, der des Kokains die USA gebracht hat für dieses Drogenkartel aus Kolumbien. Er lebte im großen Luxus und wir waren beide ein bisschen angespannt, muss man dazu sagen.

Wie wir da gegenüber saßen in dem Café... Weil immerhin Leder ist mitverantwortlich dafür das Kolopen heute der mit Abstand größer Kokain die Verranter Welt ist. Er wohnt in Armenia wo er auch aufgewachsen ist, er führt dort ein normales Leben als man könnte sagen wie ein Rentner, obwohl er eigentlich den Rest eines Lebens im Gefängnis verbringen sollte.

Der Kolumbianer Carlos Leder hat in den Siebziger und Achtziger Jahren den Kokain-Schmuggel in die USA perfektioniert. Dafür verbrachte er mehr als drei Jahrzehnte im Gefängnis. Warum er trotz seiner Verbrechen nicht mehr ist, das hat er unserem Korrespondenten Alexander Busch erzählt – ich bin Sarah Ziegler.

Alexander wie trifft man sich mit einem alten Kartellmitglied zum Kaffee? Ich vermute Carlos Leda steht nicht einfach so im Telefonbuch seiner Stadt! Nein, das ist richtig. Es hat sehr lange gedauert. wir haben einen gemeinsamen Bekannten wie ich aber erst zufällig erfahren hatte und der hat den Kontakt dann hergestellt.

es hat über Monate gedaubert bis er sich bereit erklärte für ein Gespräch blieb misstrauisch. die ganze Zeit hatte auch jemand dabei sein Fahrer erstmal der ganz nahe bei uns saß und uns genau beobachtet dieses ganze Gespräch über also es nicht so einfach ihm zu treffen. nein Du hast ihn aber eben schon so ein bisschen als Rentner beschrieben.

Mit seinen siebenundsiebzig Jahren wäre er das ja eigentlich auch, wie ist denn sein Leben jetzt gerade in Armenia? Was macht der so den ganzen Tag? Was er die ganzen Tage macht weiß ich nicht so. Das hält er sich auch mal sehr bedeckt, Rentner, ja. Er ist für seine sieben-siebzig Jahre erstaunlich fit und präsent.

Er sagt, dass er keinen Luxus mehr hat, das ist auch gar nicht mehr wichtig für ihn. Es zählt die Freiheit. Er beschreibt sich dann so jemanden, der halt das Leben genießt und sich da an Kleinigkeiten freuen kann. Er erzählt mir lange und ausführlich, dass es nur noch Bioprodukte sind, organische Sachen, die so wichtig für seine Gesundheit sein.

Er braucht natürlich Geld! Er hat scheinbar keines, so wie er das sagt. Das muss ich ihm erstmal jetzt mal glauben... Er hat eine Autobiografie veröffentlicht, die wurde mehr und sparen übersetzt auf ins Deutsche. Er hat sein eigenes Merchandise, also er verkauft Mützen-T-Shirts, wo seine Name draufsteht.

Davon soll er sich finanzieren.". Also das wird offenbar dann gekauft tatsächlich? Du hast gesagt... Leder ist mitverantwortlich gewesen dafür, dass Kolumbien heute der größte Kokain-Liferant der Welt ist. Wie ist er denn in den siebziger Jahren überhaupt in diese Drogenschmuggelszene reingeraten? Das ging über den Umweg USA.

Seine Eltern schickten ihn irgendwann mit, ich glaube, sechzehn-fünfzehnjährigen in die USA, dass er dort College besucht. Er wurde schnell Kleinkrimineller und fand das auch ganz toll, mit geschohenen Autos zu dielen. Hat irgendwann angefangen Marihuana von Kolumbien nach in die USA schicken lassen – über Kanada zum Teil!

Und damit wurde er dann irgendwann festgenommen, kam zwei Jahre ein Knast. Dann hat er die Kontakte gemacht, die ihn eigentlich dazu befähigt und was er dann später gemacht hat. Er hat sozusagen gemerkt, Kokain ist das neue große Ding. Das gab es damals noch gar nicht. in Kolumbien wurde fast kein Kokain hergestellt aber er hat begonnen als erster diese Lieferkette aufzubauen.

Weil er als Erster auch die Nachfrage bemerkt hat? Ja genau plötzlich kam eine Droge an die viel teurer war, die viel exklusiver, die viele mehr passte zum Zeitgeist damals. und das hat erst einer der ersten gespürt ja diesen Aufbau einer Lieferkette für Kokain. wie Carlos Leda das angegangen. Also er hat das wirklich von der Pika auf gelernt.

Er ist nach Bolivien gefahren mit, als knapp zwanzigjähriger, hat dort in Boliven zwanzigtreißig Kilo Kokain genommen und mit dem Auto wieder zurückgebracht nach Kolumbin dann von dort in die USA exportiert über Flugzeuge oder Personen, die es mitgenommen haben. Und das hat er sozusagen dazu gefühlt dass irgendwann in Kolumbien selber die Kokaflanze angebaut wurde und dann Kokain draus gemacht wurde.

da ist er einer von denen Pionieren sozusagen das gemacht haben. Was hat sich denn aus diesen Anfängen mit dem eigenen Auto heraus dann so richtig professionalisiert im Drogengeschäft? Es war ja so, dass diese Drogenmengen immer größer wurden. Die wurden anfangs direkt von Mitflugzeugen und Kleinflughäfen in Kolumbien rübergebracht in die USA.

Große Strecken, die Gefahr erwischt zu werden waren groß. Irgendwann kam Leder auf die Idee, dass man doch eine Insel oder ein Hub aufbauen müsste direkt vor den USA... um von dort aus sozusagen die Kokainlieferung zu bündeln und dann dort rüberzubringen in den USA. Und das hat er gefunden, auf dem Bahamas hatte sich ein Insel gekauft später.

Wie hat der sich denn einfach so eine Insel gegauft? Das war damals gerade die Unabhängigkeit gegangen, Insel kaufen kann man ja für Hotels und so was. Er hatte aber einige Fotos mit einer großen Landepiste und dann hat er geholfen, dass er dem Premierminister bestechten konnte... ...und sozusagen dieses juristische und polizeiliche Vakuum nach der Unabhängigkeit genutzt um dort seinen Geschäften nachgehen zu können solange er den Premierminister schmieren konnte, das war alles okay.

So, wie er das jetzt erzählt. Wie er das Vaku-Um ausgenutzt hat auf den Bahamas. Klingt schon auch so als würde er immer noch sehr gut finden was er da damals auf die Beine gestellt hat? Er hat eine Mischung aus Stolz und nicht zu einem Pragmatismus. Er sagt meine Aufgabe war Kokain darüber zu bringen in die USA und das habe ich gelöst in industriellen Maßstaben.

Er ist damit unfassbar reich geworden Die anderen auch. Er wird Teil des Medienkartells sozusagen dieser Gruppe, ist sehr angesehen da drin und wird damit der Logistiker von Pablo Escobar, der dieses Medienkartell dann irgendwann kontrolliert hat. Was hatten die beiden denn für eine Beziehung miteinander?

Hat er dir dazu was erzählt? Er ist bei Pablo Escoba sehr distanziert immer plötzlich. Er hat den Einen Achtzig kennengelernt ziemlich genau gleich alt. Leder war halt so ein, der mit seinen Beziehungen USA in diesem Kartell was ja sehr Medellin, sehr, sehr provinziell eigentlich geprägt wird, extrem brutal aber halt völlig provinzieller war.

Leder sozusagen fast das internationale Aushängeschild weil er kannte die USA, er wusste wie das funktioniert. und Escobar war natürlich der Mafia-Party, der brutale Mörder, der aufgewachsen war in den Slums von Medellinen, der eine ganze Bande von Mördern unter sich hatte vor dem alle eigentlich ein bisschen Angst hatten, der aber auch sehr charismatisch war.

Wir sind gleich zurück. Wir kennen ja schon den Ausgang von Leders Geschichte, erlebt jetzt nicht mehr ein Leben in Saus und Braus. Wie begann denn sozusagen der Anfang vom Ende seiner Drogenschmuggler-Karriere? Also der große Wechsel war die Drogenpolitik der USA, die sich unter Nixen dann auch später vor allem mal Reagan geändert hat.

Der Warren Drugs wurde dann plötzlich ernst genommen. Kokain wurde als Großbedrohung der amerikanischen Jugend gesehen. Die Drug Enforcement Agency begann genauer zu kontrollieren. Das hatte sozusagen seinen Spielraum immer mehr eingeengt. Die USA zwingen irgendwann den Premierminister der Bahamas die Insel von Leder zu Beschlagnahmen ihn sozusagen aus der Landes zu verweisen.

Das ist so eine Geschichte. Da ist er auch sehr stolz drauf, also sozusagen Agreement unter Gaunern. Er sagte der Premier war ja sehr färd, hat mir vier Wochen Zeit gegeben, dass ich dann abbauen konnte ohne mich festzustellen. Also das hat ihn vorgewarnt? Ja es hat ihn vorgewahrt genau! Dieses Vorgehen von Nixon und Reagan, von dem du da erzählst, das erinnert an den War on Drugs, den Donald Trump seit seinem Amtsantritt führt.

Ist das was jetzt passiert? Die Verlängerung dieser Phase damals? Ich würde sagen, besser die Wiederaufnahme der gleichen Politik des brutalen Zuschlagens kontrollieren. Die versuchen, die Logistik zu kontrollieren über den Pazifik, die Karibik in die USA rein. Nur der große Unterschied ist das war im Vergleich zu damals... Das waren Pinards diese Tonnen, die da an Kokain die USA kam.

Heute ist es ja industriell USA als der größte Konsumart für Kokain weltweit. Das ist eine ganz andere Dimension. also deswegen Ja. man kann aber sagen Es ist eine Kontinuität von dem was Nixon Reagan damals vor fünfzig Jahren angefangen hat. Zurück zu Leder, zum Anfang dieses War on Drugs. Wie lange ging denn das für ihn noch gut?

Nachdem er gerade noch so rechtzeitig von den Bahamas verschwunden war? Der hat von Kolumbien aus den Kokain-Export organisiert aber es begann zu kippen ab dem Anfang der achtziger Jahre. Es wurde immer komplizierter und schwieriger. Das Kartell intern hat sich zerstritten. Pablo Escobar ließ einen nach dem anderen umbringen.

Carlos Leder durfte am Leben bleiben dafür Eskobar an die Justiz in den USA ausgeliefert. Das erste Kartellmitglied, was ohne einen bestehenden Auslieferungsabkommen an die USA ausgeliefert wurde. Eskoba hat es vermutlich gemacht und sich selber Straffreiheit zu sichern hatte. noch ein paar Jahre weiter mit seinen Drogengeschäften.

Die wurden immer größer danach. Aber Carlos Leder sagt selber er sei von Pablo Escobar ausgelievert worden.". Was haben die Amerikaner dann mit Carlos Leda gemacht? Die haben einen großen Verfahren gegen ihn laufen lassen. Er wurde sozusagen exemplarisch, sollte verurteilt werden. Hat hundert und dreißig Jahre Haft bekommen.

Vier Jahre davon in völliger Einzelhaft also war schon isoliert von allem anderen. Das war die härteste Strafe des Jehs für einen Drogenheadlight bis dahin gegeben hatte und sollte als abschreckend wirken natürlich für weitere Nachahmer. Und das Medikinkartell, was er weiterhin unter Pablo Escobar funktioniert hat.".

Jetzt ist aber ja klar, er hat die Hundertfünfunddreißig Jahre nicht absitzen müssen – nicht dass das möglich wäre! Wie ist der früher auf freien Fuß gekommen? dass die USA ein Verfahren gegen Panamast-Diktator Manuel Noriega, den sie damals ja rausgeholt hatten aus Panama sowie heute Maduro wenn es fehler.

Dass denen die Beweise fehlten und Leder konnte die dem liefern als Kronenzeug und sagen er war beteiligt. Ja, Norieger hat den war am Kokainhandeln wo es auch beteiligte. Der Bestrafung wurde deutlich reduziert. dann hatte nach dreienthreißig Jahren wegen guter Führung. Er war vor allem Koch im Gefängnis, er hat diese dreißig Jahre fast durchgehend als Koch gearbeitet wurde entlassen und nach Deutschland ausgeliefert.

Wie so nach Deutschland? Sein Vater war Deutscher und deswegen hatte er einen deutschen Pass wie immer gehabt der wurde das die ganze Zeit erzählt in Miami oder in den Gefängnissen USA immer von deutschen Konsulatsvertretern besuchten, immer betreut. Also ein deutscher Staatsangehöriger im Ausland wird natürlich auch in so einem Fall egal was er angestellt hat oder was er gemacht hat, betreute und deswegen hatte er die Möglichkeit gehabt nach Deutschland zurückzukommen.

das war ihm glaube ich lieber damals. Er redet dann nicht gern drüber, möchte ja nicht so klar machen aber ich glaube weil er Angst hatte es in Kolumbien dass nicht mehr lang überleben würde weil es noch genug feinende Gegenden gab. Aber er ist ja zurückgekehrt. dann doch am Ende? Ja, er ist dann nach vier fünf Jahren zurückgekehren.

Nach Kolumbien. Ich nehme an, dass er im Vorfeld genau gecheckt hat. kann ich dort überleben? wird mir was passieren? und als er grünes Licht bekommen hatte auch von den Behörden dann ist er zurück gekommen. darüber möchte aber nicht reden da kriegt man auch nichts aus ihm raus. Jetzt ist dieser siebenundsebzigjährige Rentner zurück in Kolumbien, verkauft T-Shirts mit seinem Namen um ein bisschen Geld zu machen.

Ist immer noch ein bisschen stolz auf das was er logistisch damals geleistet hat. zeigt er trotzdem rückblickend irgendeine Art von Reue über seine Rolle im Drogenschmugel? Vom Gefühl würde ich sagen nicht wirklich! Ich glaube Reue ist eben jemanden dreidreißig ja am Gefängnis gesessen hat würde ihn erschlagen, wenn er da noch ein Rollgefühl hätte.

Organisationen kriminales sind sumamente peligrosas. Es waren zwar die Jugend und sagt passt auf Leute es lohnt sich nicht. ihr werdet nie das Geld was hier verdient behalten können. die werden euch immer irgendwann erwischen. aber das klingt seltsam. wie soll ich das sagen? Das ist nicht besonders effektvoll.

also weil er weiß selber dass in jedem Slamm Südamerika sitzen hunderte von Jugendlichen die würden für Ein Hundert oder ein Tausend seiner Macht seines Reichtums, seines Lebens ihr Leben opfern ohne du überhaupt drüber nachzudenken. Die gibt es überall und ich fand das sehr interessant nach dem Artikel wie die Reaktion der Leser.

Es gab viele junge Leute die mich angeschrieb oder kontaktiert haben die sagten sie seinen Fan von Leder Leda sei für Sie Der Überlebende eines wahnsinnigen Kartels. die haben alle diese Narkoserien gesehen und so Und das hat mich doch sehr erstaunt. dass er doch wirklich für diese Jugendlichen so eine Art hält ist Und ich weiß jetzt, wer die T-Shirts kauft.

Das wird so sein! Danke Alexander, dass du uns von diesem sehr besonderen Treffen erzählt hast. Ja danke Sarah. Die ganze Geschichte über den Kokain-Schmuggler der heute nur noch Bio ist findet ihr bei uns in der NZZ. Ich bin Sarah Ziegler, macht's gut.

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